Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weyer mit Nochern und Lierschied (VG Loreley, Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

 Hinweis: es gab auch in Weyer (Kreis Limburg-Weilburg)  eine jüdische Gemeinde  
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In den Orten Weyer, Nochern und Lierschied lebten im 18./19. Jahrhundert und bis zur NS-Zeit jeweils nur wenige jüdische Familien, die sich um 1800 zu einer Synagogengemeinde mit Sitz in Weyer zusammengeschlossen hatten. 1841 bestand die Gemeinde aus vier Familien: zwei Familien mit sechs männlichen Personen in Weyer, eine Familie mit eine männlichen Person in Nochern und eine Familie mit vier männlichen Personen in Lierschied. Mit dieser Zahl von insgesamt elf männlichen Personen konnte man gemeinsam die für die Gottesdienste geforderte Zehnzahl der Männer (Minjan) erfüllen. Dennoch gab es in diesem Jahr Überlegungen die in den drei Orten lebenden jüdischen Familie der Gemeinde in St. Goarshausen anzuschließen, zumal man bereits seit 1818 keinen eigenen Religionslehrer für die Kinder mehr in der Gemeinde hatte.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 
1843 gab es in den drei Orten zusammen 29 jüdische Einwohner (davon elf in Weyer, drei in Nochern, sechs in Lierschied), 
um 1865 in den drei Orten sechs Familien (davon 3 Familien mit zwei Kindern in Weyer, zwei Familien in Nochern, eine Familie mit zwei Kindern in Lierschied); 
1871 in Weyer 17 jüdische Einwohner (4,3 % von insgesamt 398 Einwohnern), 1885 19 (5,1 % von 374), 1895, 1900 und 1905 hatte es jeweils 20 jüdische Einwohner (5 % von insgesamt 400). 
1895 in Lierschied einen jüdischen Einwohner, 1900 wieder fünf, 1905 sechs. 
1895, 1900 und 1905 in Nochern jeweils neun jüdische Einwohner. 
1910
bestand die Gemeinde aus insgesamt 23 Personen, 1925 aus 35 (davon 21 aus Weyer).  
    
Die charakteristischen jüdischen Familiennamen in den Orten waren: Ackermann in Weyer, Oster in Nochern und Grünebaum in Lierschied.    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betraum (s.u.), zeitweise wohl auch einen Raum für den Unterricht der Kinder. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Nochern beigesetzt.  Ob zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde nach 1818 nochmals ein jüdischer Lehrer in den drei Orten tätig war, ist nicht bekannt. Ansonsten wurden die Kinder durch auswärtige Lehrer unterrichtet. 1859/60 unterrichtete der jüdische Lehrer Isaak Strauß aus St. Goarshausen auch die Kinder in Nochern und Weyer. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Bad Ems (später Bad Ems - Weilburg).   
    
1932 war Gemeindevorsteher Moses Ackermann. Damals lebten in Weyer zehn, in Nochern acht und in Lierschied sieben jüdische Personen.     

     
Nach 1933
ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykottes sowie der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Zwei Familien konnten aus Weyer nach Amerika emigrieren. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Haus Ackermann mit dem Betraum verwüstet (s.u.). Die Familie von Siegfried Ackermann wurde im November 1941 zur Zwangsarbeit in das Sammellager Friedrichssegen verbracht. Im Sommer 1942 wurden sie in die Vernichtungslager in Osteuropa deportiert. Ihre Namen stehen auf dem Mahnmal Tagschacht in Friedrichsegen.
Vgl. Website des Bergbaumuseums Friedrichsegen mit einer Seite zu "Die Juden von Friedrichssegen" (mit Fotos des Mahnmals).  
    
Von den in Weyer geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Ackermann geb. Lorig (1911), Jakob Ackermann (1875), Karoline (Jetty) Ackermann geb. Mandel (1875), Nathan Ackermann (1938), Siegfried Ackermann (1902), Cerline Baum geb. Ackermann (1876), Rosa Feist geb. Ackermann (1908), Selma Feist (1908), Selma Goldschmidt geb. Ackermann (1895), Sibilla Halberstadt geb. Ackermann (1898), Karoline Levy geb. Ackermann (1869), Emilie Marx geb. Ackermann (1878), Martha Rosenthal geb. Ackermann (1911).   
    
Aus Nochern sind umgekommen: Berthold Oster (1884), Herta Oster geb. Ochs (1898), Siegmund Oster (1887).       
   
Aus Lierschied sind umgekommen: Albert Grünebaum (1893), Berta Grünebaum geb. Lewy (1893), Helene Grünebaum geb. Wohlgemuth (1864), Hilda Grünebaum (1931), Ruth Grünebaum (1931), Billa Lorig geb. Grünebaum (1893).  
   
Ein Gedenkstein für die ermordeten Weyerer Juden und die Zwangsarbeiter aus Frankreich, Polen und der Sowjetunion sollte im November 1988 auf dem kirchlichen Teil des Dorfplatzes errichtet werden. Doch konnte zwischen der Kirchengemeinde, die den Plan befürwortet hatte und der bürgerlichen Gemeinde hierzu keine Einigkeit erzielt werden.  
   
Auf dem jüdischen Friedhof in Nochern erinnert eine Gedenkplatte an die Ermordeten aus den Familien Gerson  Ackermann, Oster und Grünebaum 
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Texte zur jüdischen Geschichte in Weyer gefunden.

     
     

     
Zur Geschichte der Synagoge              
     
Seit etwa 1818 war eine Betstube im Haus des Gemeindevorstehers Moses Ackermann eingerichtet. Zuvor wurden die Gottesdienste abwechselnd in Wellmich und in Weyer gehalten, offenbar jedoch noch nicht im Haus des Vorstehers. Der Betraum im Haus Ackermann in der Schulstrasse war auch noch unter seinem Enkel Moses Ackermann II. in Benutzung. 
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurden das Haus der Familie Ackermann mit dem Betraum verwüstet. Das Gebäude blieb erhalten, wurde jedoch 1971 abgebrochen. 
     
     
Adresse/Standort der Synagoge:   Schulstraße 1          
   
   
Fotos

Es sind noch keine Fotos zur jüdischen Geschichte in Weyer, Nochern und Lierschied vorhanden; 
über Hinweise und Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
 
     

    
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Verbandsgemeinde Loreley   
Website der Gemeinde Nochern  
Website der Gemeinde Lierschied   
Seite zur jüdischen Geschichte in Nochern bei "Rhein-Lahn-Info"  (Seite aus Internetarchiv)    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 380-381.    
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 387 (mit weiteren Literaturangaben).
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 457.   
Elmar Ries: Friedrichssegen/Lahn: Ein Jahr Zwangsarbeit für jüdische Menschen vor ihrer Deportation im Jahre 1942, in: Sachor. Heft 1/97 Nr. 13. S. 26-33. 

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Weyer (II) (Loreley) Hesse-Nassau. In 1841 the Jews of Lierschied, Nochern and Weyer (Weyer ueber Sankt Goarshausen) founded one small community with a synagogue in Weyer. Most Jews left before Worldwar II; nine were deported in 1941.  
       
        

                   
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Stand: 14. Oktober 2016