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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Weiler (Stadt Sinsheim, Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Herren von
Venningen gehörenden Weiler bestand eine jüdische Gemeinde bis 1904. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 16./.17. Jahrhundert zurück. Nach dem Dreißigjährigen
Krieg siedelten sich mehrere jüdische Familien an.
1825 zählte man 108 jüdische
Einwohner, danach begann bereits die Abwanderung der Juden vom Ort. 1875 wurden
noch 58, 1900 nur noch sieben jüdische Einwohner gezählt.
1827 wurde die
Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Sinsheim zugeteilt.
Die wenigen nach 1904 hier noch
lebenden jüdischen Einwohner gehörten zur Synagogengemeinde in Sinsheim.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Spendenaufruf für die verarmte jüdische Witwe
Eva Eisenmann (1879)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1879:
"Aufruf.
Das unterzeichnete evangelische Pfarramt wendet sich auf Ersuchen der ihm
wohl bekannten, der israelitischen Religion angehörigen armen und
hochbetagten Witwe Eva Eisenmann aus Weiler an die Mildtätigkeit
ihrer Glaubensgenossen.
Frau Eisenmann Witwe ist etwa 69 Jahre alt; seit 30 Jahren Witwe, hat sie
durch unermüdliche Tätigkeit und unterstützt durch die
Glaubensgenossen, sich ehrlich durchzubringen gewusst. Das Vermögen
derselben besteht in einem Häuschen und Krautgarten, worauf der
evangelische Heiligenfond eine Obligationsforderung von 600 Mark stehen
hat; außerdem sollen noch Einträge da sein bis zu weiteren 900
Mark.
Die genannte alte Frau ist aber jetzt stets kränklich, arbeitsunfähig
und ohne nachhaltige Unterstützung in der Familie selbst. Der
Tochtermann, der im Hause der Witwe wohnt, ein Ausrufer bei Jahrmärkten
etc. etc. verdient zur Zeit kaum so viel, um seine Frau und 4 Kinder zu
ernähren. Dazu kommt ferner, dass die Fahrnisse der alten Frau in den
letzten Tagen (Betrag 250 Mark) gepfändet worden und bis 1. Juni
versteigert werden sollen.
In dieser Not ersucht die Bittstellerin, ihre wohltätigen
Glaubensgenossen aufs Dringendste, ihr recht bald durch Unterstützungen
zu Hilfe zu eilen. Gaben nimmt der Unterzeichnete
entgegen.
Hilsbach-Weiler, 21. Mai 1879.
Das evangelische Pfarramt: W. Fuchs, Pfarrer.
Die richtige Angabe über die Verhältnisse der Witwe Eva Eisenmann
beglaubigt: Das Bürgermeisteramt: Müller.
Herr J. Berlinger in Stuttgart, als mit den Verhältnissen bekannt,
sowie die Expedition dieses Blattes sind gerne bereit, Gaben in Empfang zu
nehmen." |
Zur Geschichte des Betsaales/der Synagoge
Die Gemeinde hatte zunächst (bis 1887?) eine Synagoge
("Judenschule") im Gebäude Kaiserstraße 52 (früher Hauptstraße 52,
Flurstück Nr. 102). Die Grundbucheintragung spricht von einer "zweistöckigen
Synagoge mit Holzremise, Schlachthaus und Futterkeller unter der Synagoge";
dieses Gebäude wurde 1887 an den jüdischen Metzger Isak Weil verkauft, der es
1890 an den Adlerwirt Jakob Schnetzer weiterverkaufte.
Danach war eine Synagoge wahrscheinlich in dem 1795
erbauten Fachwerkhaus Kaiserstraße 95 (Flurstück 190) eingerichtet. In diesem
Gebäude war vermutlich zunächst das rituelle Bad (die Lagerbuchbeschreibung
1883 nennt "ein zweistöckiges Wohnhaus mit Badstube und
Balkenkeller"). Dieses Gebäude stand am Ortsrand nach Hilsbach
und eignete sich als Synagoge, da auch die Hilsbacher Juden nach Weiler zu den
Gottesdiensten kamen. Wie lange dieses Gebäude als Synagoge genützt wurde, ist
nicht bekannt. Als Besitzer des Hauses ist bis 1894 "die israelitische
Gemeinde" eingetragen. Spätestens 1904 wurde die Synagoge
geschlossen; die Juden aus Hilsbach und
Weiler gehörten danach der Synagogengemeinde Sinsheim an. Die ehemalige
Synagoge wurde zu einem Wohnhaus umgebaut.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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| Ehemalige Synagoge in der Kaiserstraße 95 |
Eingang zum ehemaligen Synagogengebäude |
Das Gebäude stand an der von Hilsbach herführenden
Straße |
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| Neuere Fotos: |
Neuere Fotos werden noch erstellt;
über Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia
Judaica", Adresse siehe Eingangsseite |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 287. |
 | Leopold Löwenstein: Geschichte der Juden in der Kurpfalz. 1895. S.
38,44, vgl. S. 108.206. |
 | Franz Gehrig: Hilsbach. Chronik der höchstgelegenen Stadt im
Kraichgau. 1979. S. 164.197.227. |

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