Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Übersicht über die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land und in Ostfriesland
   
  

Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch / Niedersachsen) 
Jüdische Geschichte / Jüdischer Friedhof
(erstellt unter Mitarbeit von Martin J. Schmid, Oldenburg) 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte des jüdischen Friedhofes   
Fotos / Darstellungen 
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
    
In Ovelgönne konnten sich seit der Mitte des 18. Jahrhunderts einzelne jüdische Familien niederlassen: 1752 wurde als erster Herz Israel Schwabe am Ort durch den damals noch dänischen Landesherrn aufgenommen. 1794 gab es fünf jüdische Haushaltungen am Ort (zusammen 48 Personen, d.h. 6,9 % von insgesamt 700 Einwohnern). Die jüdischen Familienvorstände waren als Klein- und Hausierhändler sowie als Schlachter tätig.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1811 67 jüdische Einwohner (8,4 % von insgesamt etwa 800), 1820 64 (7,7 % von 834), 1837 44 (4,6 % von 948), 1850 28 (3,3 % von 844), 1861 10 (1,4 % von 707), 1871 5, 1885 3, 1895 nur noch ein jüdischer Einwohner (von 695).
  
An Einrichtungen hatten die jüdischen Familien einen Betsaal (zunächst im Haus der Familie Schwabe), ab 1804 eine Synagoge, eine jüdische Schule (Religionsschule, ab 1841 kurze Zeit eine israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof (siehe unten). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern war Hermann Freund, einer der beiden ersten jüdischen Reformpädagogen des Herzogtums Oldenburg.       
  
Bereits während der französischen Herrschaft (1810-1813) verließen mehrere jüdische Familien Ovelgönne und siedelten sich in Brake, Oldenburg (Familie Schwabe) oder anderen Orten an. 1829 wurden die in Brake, Rodenkirchen und Burhave, 1858 auch die in Landwürden und Umgebung lebenden jüdischen Personen der Gemeinde Ovelgönne zugeteilt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Sitz der jüdischen Gemeinde nach Brake verlegt (zunächst noch jüdische Gemeinde Brake-Ovelgönne). 
  
Nach 1900 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst, die Synagoge (bereits seit den 1870er-Jahren nicht mehr genutzt) wurde 1906 verkauft (später als Turnhalle genutzt, nach 1930/31 abgebrochen). Zuletzt war noch die Familie des Viehhändlers Baruch de Leeuw am Ort. Nachdem Siegfried de Leeuw im Ersten Weltkrieg gestorben war (geb. 19.7.1895 in Niewe Pikelo, gest. in Kriegsgefangenschaft 1.10.1917), verließen seine Eltern 1918 Ovelgönne und verzogen nach Oldenburg.       
 
Am "Judengang", wo sich die Synagoge befand, wurde Ende 1999 eine Hinweistafel angebracht, auf der über die jüdische Gemeinde und ihr Gotteshaus informiert wird. 
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Anzeige von H. L. Löwenthal (1862)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. November 1862: "Ich suche baldmöglichst einen jungen Mann (Israelit), der selbstständig einem Produkten-Geschäft vorstehen kann und im Besitz guter Zeugnisse ist. Anmeldungen franco. 
H. L. Löwenthal. Ovelgönne
im Großherzogtum Oldenburg."         

    
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes     
    
Die Toten der in Ovelgönne zugezogenen jüdischen Familien wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Varel-Hohenberge oder im jenseits der Weser gelegenen Scharmbeck beigesetzt. 1795 beantragte die jüdische Gemeinde die Genehmigung zur Anlage eines Friedhofes in Ovelgönne. Auf Grund einer Eingabe des örtlichen Pastors, der die Tradition der frühen Beerdigung der jüdischen Verstorbenen beanstandete, wurde die Genehmigung zunächst nicht erteilt. Erst 1811 konnte unter der französischen Regierung der Friedhof angelegt werden. Dazu pachtete die jüdische Gemeinde ein Landstück im Randbereich des benachbarten Kirchspiels Strückhausen "zu ewigen Tagen". Auf dem Friedhof wurden in der Folgezeit die Toten aus dem nördlich der Hunte gelegenen Teil des heutigen Landkreises Wesermarsch beigesetzt (Brake, Rodenkirchen, Burhave). 
  
Der Friedhof wurde im Dezember 1934 durch Jugendliche verwüstet (siehe nachstehender Bericht). Als Täter wurden zwei Schüler ermittelt. Im Monatsbericht des Geheimen Staatspolizeiamts Oldenburg wird am 19. Januar 1935 im Zusammenhang mit der Schändung berichtet: "Der jüdische Kaufmann Weinberg aus Brake, der zu den Eigentümern der beschädigten Grabstellen gehörte, hatte seine Grabstelle photographiert. Da die Gefahr bestand, dass das Lichtbild zu Gräuelmeldungen verwandt werden konnte, wurde es beschlagnahmt".  Bis 1945 kam es zu weiteren Schändungen der Grabstätten. Es ist nicht bekannt, ob und wie viele Grabsteine vom Friedhof entfernt wurden. 
  
Die Schändung des Friedhofes im Dezember 1934    

Ovelgoenne Israelit 17011935f.jpg (58634 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1935: "Berlin. In Ovelgönne (Oldenburg) waren auf dem jüdischen Friedhof auf 15 Gräbern die Grabsteine abgebrochen worden. wie die 'Oldenburgische Staatszeitung' in einem Polizeibericht mitteilt, sind die Grabschänder festgenommen worden. Es handelt sich um einen zwölf- und einen vierzehnjährigen Jungen. Die 'Oldenburgische Staatszeitung' betont in einem Kommentar zu dieser Meldung, 'dass die Juden sowohl als jeder Deutsche vor Verstößen gegen das sittliche Gefühl geschützt werden'."      

Auf dem Friedhof sind 43 Grabsteine erhalten. Der älteste ist von 1811, der jüngste aus dem Jahr 1930. Vier Grabsteine stammen aus dem aufgelösten jüdischen Friedhof von Dedesdorf/Landwürden und wurden hier nach 1945 aufgestellt. Die Fläche des Friedhofes umfasst 5,73 ar.  
  
  
  
Lage des Friedhofes:  
  
Der jüdische Friedhof liegt nordwestlich von Ovelgönne in den Marschwiesen unweit der Wilhelm-Rahden-Straße am Feldweg "Zum Judenfriedhof".  
  
Link zu den Google-Maps 
(der Friedhof ist auf der Karte mit dem grünen Pfeil markiert) 

Größere Kartenansicht   
       
       
       

Fotos
 
(Fotos: obere beiden Fotoreihen: Martin J. Schmid, Oldenburg, Aufnahmedatum 21.3.2010; untere beiden Fotoreihen: Hans-Peter Laqueur, Bremerhaven, Aufnahmedatum 5.3.2006)   

Ovelgoenne Friedhof 220.jpg (109280 Byte) Ovelgoenne Friedhof 221.jpg (94872 Byte) Ovelgoenne Friedhof 222.jpg (86456 Byte)
Das Eingangstor Teilansichten des Friedhofes
     
  Ovelgoenne Friedhof 123.jpg (43323 Byte) Ovelgoenne Friedhof 224.jpg (107186 Byte)
  Teilansichten des Friedhofes
      
Overgoenne Friedhof 060.jpg (102197 Byte) Overgoenne Friedhof 063.jpg (101055 Byte) Overgoenne Friedhof 064.jpg (98375 Byte)
Teilansichten des Friedhofes
     
Overgoenne Friedhof 061.jpg (103783 Byte) Overgoenne Friedhof 062.jpg (103042 Byte) Overgoenne Friedhof 065.jpg (98426 Byte)
Einzelne Grabsteine
     

     
      

Links und Literatur 

Links:  

Website der Gemeinde Ovelgönne   

Literatur:  

Oldenburger Land Lit 010.jpg (81351 Byte)Johannes-Fritz Töllner in Zusammenarbeit mit Wouter J. van Bekkum, Enno Meyer und Harald Schieckel: Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land. Bestandsaufnahme der erhaltenen Grabsteine. Reihe: Oldenburger Studien Bd. 25. Oldenburg 1983. Zu Ovelgönne: S. 312-341.
Werner Meiners: Der jüdische Friedhof von Ovelgönne - historische und aktuelle Konflikte. In: Das Land Oldenburg. Mitteilungsblatt der Oldenburgischen Landschaft 104. 1999 S. 8-11. 
Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Bd. 2. Göttingen 2005. Zu Ovelgönne Beitrag von Werner Meiners: S. 1241-1247.  
   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. Februar 2014