Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ottrau (Schwalm-Eder-Kreis) mit Berfa (Stadt Alsfeld, Vogelsbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
     
In Ottrau bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1662 werden erstmals Juden am Ort genannt. 1693 starb am Ort Wolf Goldschmidt, ein "Stammvater" der Ottrauer Juden; er war aus dem Fuldischen nach Ottrau gekommen. 1696 waren es fünf jüdische Familien (Goldschmidt, Levi, Plaut, Wallach und Michel), 1744 und 1776 jeweils acht Familien.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 52 jüdische Einwohner, 1861 32 (6,1 % von insgesamt 527 Einwohnern), 1871 36 (7,1 % von 505), 1885 33 (6,4 % von 518), 1895 32 (6,4 % von 500), 1905 38 (7,1 % von 534), 1910 29 (5,3 % von 550). 1808 werden als jüdische Familienvorsteher genannt: Salomon Plaut, Feist Wallach, Heinemann Levi, Jacob Plaut, Ruben Plaut, Abraham Plaut, David Plaut und Jeist Wallach. Die Genannten verdienten den Lebensunterhalt ihrer Familien vor allem durch den Handel mit Vieh und Ellenwaren, einzelne auch durch Handel mit Tabak und anderen Waren. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen Geschäfte und Handlungen am Ort. Joseph Michel betrieb eine Handlung mit Schreibwaren.  
  
Im benachbarten Ort Berfa (Stadtteil von Alsfeld) gab es im 19. Jahrhundert wenige jüdische Einwohner (eine Familie; 1835: fünf jüdische Einwohner, 1861 sechs). Sie gehörten zur Gemeinde in Ottrau.    
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (seit mindestens 1840 für einige Zeit eine Elementarschule, dann Religionsschule) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Oberaula beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 18./19. Jahrhundert zeitweise ein eigener jüdischer Lehrer (zugleich Vorbeter und Schochet) angestellt. 1773 wird als jüdischer Schulmeister Simon David genannt; sein Sohn Levi ließ sich im Juli 1773 taufen und hieß danach Christian Constantin. 1840 wird als Lehrer der aus Weißenborn stammende Jonas Lewi genannt.  Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.      
     
Um 1924, als zur Gemeinde noch 19 Personen gehörten (3,3 % von insgesamt 577 Einwohnern, in fünf Familien), war Gemeindevorsteher Tilo Plaut. 1932 war Gemeindevorsteher Heskias Levy.  
  
1933 lebten noch 18 jüdische Personen in Ottrau (2,9 % von insgesamt 627 Einwohnern). In den darauf folgenden Jahren der NS-Zeit ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (Familie Lehrberger nach New York). Letzter Gemeindevorsteher war Salomon Plaut. Er musste die Synagoge noch 1938 an die politische Gemeinde verkaufen. 1939 wurden noch fünf jüdische Einwohner am Ort gezählt. Als letzter verließ Gemeindevorsteher Salomon Plaut im Oktober 1941 Ottrau und verzog nach Frankfurt. 
     
Von den in Ottrau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Betty Kempe geb. Plaut (1894), Jenny Kleeberg geb. Plaut (1898), Adolf Levi (1876), Helene Hilda (Hilde) Levi geb. Plaut (1884), Hermann Levi (1905), Jettchen Levi geb. Wallach (1869), Jettchen Levi geb. Plaut (1869), Meier Levi (1877), Mendel Levi (1873), Moritz Levi (1905), Berta Levy (1921), Frieda Plaut (1877), Salomon Plaut (1869), Gusti Rosenbaum geb. Levi (1902), Rosa Stern geb. Plaut (1908), Regina Strauß geb. Heinemann (1866), Minna Fanny Wallach geb. Levi (1862), Rosi Wolff geb. Plaut (1900).       
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Ottrau gefunden.   

       
 
      
Zur Geschichte der Synagoge    
            
     
Eine Synagoge unbekannten Alters (nach Arnsberg "eine kleine, aber schöne Synagoge") war vorhanden. Über Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 ist nichts bekannt. Das Gebäude wurde wohl auf Grund der engen Bebauung nicht angezündet. Nach 1945 wurde das Gebäude abgebrochen und auf ihren Grundmauern ein neues Einfamilienhaus erstellt.     
     
     
Adresse/Standort der Synagoge  Im Pilz 10    
        
       
Fotos
(Quelle: Altaras s.Lit. 1988 S. 56-57)  

Grundstück der ehemaligen Synagoge 
im Juli 1985  
Ottrau Synagoge 280.jpg (52003 Byte)  
  Das an Stelle der Synagoge erbaute
 Einfamilienhaus steht auf den 
Grundmauern der Synagoge 
 

     

   
Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Ottrau  
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Plaut in Ottrau (unter Forschungen Christoph Kuehn)  
Barbara Greve: unter http://jinh.lima-city.de/index-gene.htm finden sich Stammbäume und Familiengeschichten, darunter über 
Nachkommen der Familie LEVI aus Ottrau, Hessen.  

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Ottrau mit Berfa 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Berfa sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,52    Geburtsregister der Juden von Berfa  1854 - 1867  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5494580     
HHStAW 365,53    Sterberegister der Juden von Berfa   1865 - 1876   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900677     
    
Zu Ottrau sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,707   Verzeichnis der jüdischen Einwohner von Ottrau  1824 - 1824: Namensliste mit Angaben zu Geburts-, Trau- und Sterbedaten, Gewerbe sowie Grund- und Immobilienbesitz  
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126663           
HHStAW 365,705   Sterberegister der Juden von Ottrau  1824 - 1855    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5135977     
HHStAW 365,703   Geburtsregister der Juden von Ottrau  1824 - 1877, 1901 - 1908     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4449188                
HHStAW 365,704   Trauregister der Juden von Ottrau  1826 - 1883   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126664    
HHStAW 365,706   Sterberegister der Juden von Ottrau  1849 - 1893   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126665     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 192-193.    
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 56-57.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 57 (keine weiteren Informationen)  
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 166.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 181. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 360-361.  
Barbara Greve: Jüdisches Leben in den Dörfern Breitenbach, Hausen und Ottrau in landgräflicher und kurfürstlicher Zeit. In: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Hrsg. von Hartwig Bambey, Adolf Biskamp und Bernd Lindenthal. Bd. II S. 683-706. 

       
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ottrau  Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community numbered 52 in 1835, dwindling to 18 in 1933. The undamaged synagogue was sold after Kristallnacht (9-10 November 1938), and all the Jews left, seven emigrating.  
    
     

                   
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Stand: 27. Juli 2017