Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Mengerskirchen bestand in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts zeitweise eine jüdische
Gemeinde. Danach bildeten die am Ort noch lebenden jüdischen
Familien gemeinsam mit denen im benachbarten Reichenborn
eine Gemeinde.
Erstmals wird ein jüdischer Einwohner 1665 genannt, doch gab es
möglicherweise schon in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg Juden am Ort,
zumal in der Zeit bis vor dem Krieg unterhalb der Heilig-Kreuz-Kirche zwischen
Mengerskirchen und Arborn jährlich der größte Viehmarkt der weiten Umgebung
stattfand.
1770 gab es mindestens eine jüdische Familie am Ort.
Anfang des 19. Jahrhunderts (1807) lebten zwei jüdische Familien mit
zusammen 12 Personen am Ort. Sie lebten vom Viehhandel und in sehr armseligen
Verhältnissen. Bis 1811 waren es 21 jüdische Einwohner (sechs Knaben, sieben
Mädchen, vier Männer, vier Frauen), 1843 19. Bei der Zahl
von 15 bis 20 jüdischen Einwohnern blieb es vermutlich bis Ende des 19.
Jahrhunderts. 1898 und 1900 wurden jedoch nur nur noch jeweils fünf jüdische
Einwohner gezählt.
Namentlich werden in den "Stockbüchern" genannt: der 1762 in
Mengerskirchen als Sohn des Mortje Markus und der Sara Jäcke(l) geborene Marcus
Löw (Viehhändler), der 1823 ebd. verstarb; 1801 Jakob Süßkind mit Markus und
Lena; 1820 Josef Seligmann, Markus Salomon und Max Hirsch; 1837 Markus
Blumenthal; 1853 Abraham Weinberg und Jacob Sternberg; 1866 Aaron Süßkind;
1869 Feist Blumenthal und Hermann Stern; 1881 Hermann Stern; 1878 Jacob Moses;
1882 Jacob Rosenberg; 1891 Levy Mai; 1898 Salomon Blumenthal, Feist
Blumenthal.
An Einrichtungen bestanden ein Betraum (s.u.) und ein Friedhof.
1868 wurde gemeinsam mit den Gemeinden Villmar, Runkel,
Weyer und Münster ein Schulverband mit einem gemeinsamen Lehrer begründet
(Lehrer Simon Ackermann). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Weilburg
(beziehungsweise nach 1924 zum Bezirksrabbinat Bad
Ems-Weilburg).
Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner zurück. Die
noch verbliebenen schlossen sich mit den im benachbarten Reichenborn
zu einer noch einige Zeit bestehenden kleinen Gemeinde zusammen. In den
1920er-Jahren lebten noch etwa 10 jüdische Personen in
Mengerskirchen.
Von den in Mengerskirchen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilda Kahn (1898), Karoline Neumann
(geb. 1867 in Reichenborn, wohnte später in Mengerskirchen).
In der NS-Zeit überlebte von 1942 bis 1945 unerkannt eine jüdische Frau im Hörterhaus in
Mengerskirchen: Dr. Dorothea Klein (Kunsthistorikerin aus aus Berlin), die auf dem Weg in die
Deportation fliehen konnte und bei einer Freundin in Mengerskirchen als
"Frau Weber" unerkannt bis zum Einmarsch der Amerikaner 1945 lebte.
Die Freundin Mathilde Redenbacher wurde 1994 durch die Anbringung einer
Bronzetafel am Mathildenbrunnen in Mengerskirchen geehrt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts fanden sich noch
keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Mengerskirchen.
Zur Geschichte des Betraumes
Ein Betraum war in einem der jüdischen Häuser
vorhanden (im späteren Wohnhaus Weinand Leuninger auf dem Damm [heute
Dammstraße 13], das frühestens
1792 erbaut wurde; wo der Betraum zuvor war, ist nicht bekannt). 1852 wird von einem regelmäßigen jüdischen Gottesdienst am Ort
berichtet. Damals wollten sich in in Beilstein lebenden Juden (1841 vier
Familien, 1853 und 1865 noch eine Familie), die bis dahin zur Gemeinde Herborn
gehörten, der Gemeinde in Mengerskirchen anschließen. 1853 schlug der
Bezirksrabbiner aus Weilburg vor, die Synagoge von Mengerskirchen nach
Waldernbach zu verlegen, da dieser Ort in der Mitte zwischen den Orten
Mengerskirchen, Reichenborn und Neunkirchen liegen würde, in denen jeweils
wenige jüdische Familien leben würden. Dieser Plan wurde nicht verwirklicht.
Im Haus des Betsaals war im Keller auch eine Mikwe. Bis heute befindet sich in
diesem Haus eine ständig leicht laufende Wasserquelle.
1869 wurde das Gebäude mit dem Betraum ("Synagoge" genannt)
von Aaron Süßkind und seiner Frau Jette geb. Weyer gekauft. Um 1900 konnte auf
Grund der zu wenigen jüdischen Einwohner am Ort keine Gottesdienste mehr
abgehalten werden. Als Aaron Süßkind nach Niederscheld verzog, verkaufte er
sein Haus an eine nichtjüdische Familie.
Adresse/Standort der Synagoge: Dammstraße
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Fotos
(Abbildungen/Fotos erhalten von Ernst Leuninger)