Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kirrweiler / Pfalz (VG Maikammer, Kreis Südliche Weinstraße) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
   
In dem bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hochstiftisch-speyerischen Amtsort Kirrweiler bestand eine jüdische Gemeinde bis 1916. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1635 werden drei jüdische Familien aus Kirrweiler genannt, die auf der Flucht vor den kriegerischen Wirren des Dreißigjährigen Krieges in Speyer um Schutz nachsuchten. 1674 erfährt man von drei in Kirrweiler wieder ansässigen Juden (beziehungsweise jüdische Familien).   
   
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Einwohner rasch an, sodass 1766 eine neue Synagoge erbaut werden konnte (s.u.). 1785 gab es acht jüdische Familien am Ort.  
  
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 30 jüdische Einwohner (in acht Haushaltungen, 2,6 % der Gesamteinwohnerschaft), 1815 39, 1825 41 (10,3 %), 1843 53, 1847/48 82 (in 18 Familien). Zur jüdischen Gemeinde in Kirrweiler gehörten damals auch die im benachbarten Maikammer lebenden Juden ("Israelitische Kultusgemeinde Kirrweiler-Maikammer").   
   
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Juden am Ort durch Ab- und Auswanderung stark zurück. 1875 wurden noch 59, 1900 33 jüdische Einwohner gezählt. Die Gemeinde wurde zum 1. April 1916 aufgelöst und die am Ort noch lebenden Juden (1924 noch 16) der Gemeinde in Venningen zugeteilt. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad (von vor 1842: Kirchstraße 4) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe die vermutlich letzten Ausschreibungen der Stelle vom Anfang des 20. Jahrhunderts durch den damaligen Gemeindevorsteher Moses Rubel unten). Unter den Lehrern am Ende des 19. Jahrhunderts ist noch Simon Strauß bekannt, der 1900 nach Germersheim und 1902 nach Erlenbach wechselte. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau.  
    
1933 lebten noch 10 jüdische Personen in Kirrweiler. In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
  
Von den in Kirrweiler geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Berta Berwin geb. Süss (1888), Moses Blumenstiel (1886), Auguste Kern geb. Süss (1884), Robert Rubel (1898), Martha Silberberg geb. Süss (1891), Abraham Süss (1880), Gustav Süss (1868), Marie Süss ().    
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1898 / 1901 / 1903 / 1904  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Die israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochet-Stelle zu Kirrweiler, Pfalz, ist sofort zu besetzen. Gehalt Mark 500.-, nebst freier Wohnung. Kasualien ca. Mark 300.- Offerten zu richten an den Vorstand Moses Rubel."      
 
Kirrweiler Israelit 14021901.jpg (41239 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901: "Religionslehrer, Chasan und Schochet gesucht nach Kirrweiler, Rheinpfalz. Fixum 600 Mark, Nebenbezüge ca. 150 Mark bei freier Wohnung. Offerten mit Zeugnissen an den Vorstand Moses Rubel."        
   
Kirrweiler Israelit 11051903.jpg (37749 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1903
"Religionslehrer, Vorbeter und Schächter gesucht
Fixo-Gehalt Mark 600 bei freier Wohnung und Nebenverdiensten. Eintritt sofort. Bewerber wollen Zeugnisse einsenden
an den 
Kultusvorstand Moses Rubel

Kirrweiler, Rheinpfalz".         
 
Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1903: "Kirrweiler (Rheinpfalz). Religionslehrer, Vorbeter und Schächter; 600 Mark, freie Wohnung und Nebeneinkommen; Eintritt sofort. Meldungen an Moses Rubel."  
  
Kirrweiler Israelit 04081904.jpg (51592 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1904: "Religionslehrer, Chasan und Schochet 
gesucht
. Gehalt Mark 600, bei freier Wohnung und etwas Nebenverdienst. Offerten zu richten an den 
Israelitischen Kultusvorstand: 
Moses Rubel,
in Kirrweiler (Pfalz)."     
    
Kirrweiler FrfIsrFambl 12081904.jpg (37466 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1904: "Religionslehrer, 
Chasan und Schochet
gesucht. Gehalt Mark 600 bei freier Wohnung und etwas Nebenverdienst. Offerten sind zu richten an den israelitischen Kultusvorstand Moses Rubel, Kirrweiler i. Pfalz."    

     
     
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde         
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert  - Grabstein für Henrietta geb. Falk aus Kirrweiler in New Orleans (1818-1903)    
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen. 
Der Ehemann von Henrietta Falk - Jacob H. Lengsfeld - ist auf demselben Friedhof beigesetzt. Das Foto seines Grabsteines auf einer Seite zu Altenstadt-Illereichen
Auf Grund der Inschrift wurde vermutlich auch die Tochter Esther Keiffer geb. Lengsfield hier beigesetzt. Nach GENi: geb. 18.10.1857, gest. 5.2.1947 in Dallas TX; war verheiratet mit Isidore Keiffer.         
  

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans für:  
"Henrietta Falk  
Beloved wife of Jacob H. Lengsfield.  
Born at Kirrweiler, Rheinpfalz, Germany  
June 12, 1818  Died April 3, 1903. 
Faithful in Duty, in Adversity strong, 
her life's eve was bright, with love and Cheer. 
Esther L. Keiffer (1857-1947)".         

     
     
  
   
Zur Geschichte der Synagoge     
      
Zunächst war ein Betraum beziehungsweise eine erste Synagoge vorhanden. 1953 wurde bei Umbauarbeiten in der Kirchstraße 4 eine aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert stammende Mikwe entdeckt. Das Haus wurde 1689 erbaut, rechts und links davon wohnten damals die jüdischen Familien am Ort. Hier dürfte sich auch die erste Synagoge beziehungsweise ein Betraum befunden haben. 
   
Am 31. Oktober 1766 kaufte die jüdische Gemeinde für 222 Gulden 20 Kreuzer "von der ledigen Voegele, Tochter des Schutzjuden Sender in Kirrweiler" ein Grundstück, auf dem eine neue Synagoge mit einem rituellen Bad erbaut wurde. Seit 1830 plante die Gemeinde den Umbau der Synagoge. Man kaufte zunächst von Friedrich Söllinger ein Fläche für 50 Gulden hinzu. 1844 erbaute man im vorderen Teil des Grundstückes das jüdische Schul- und Lehrerhaus unmittelbar an die im rückwärtigen Teil stehende Synagoge an, wobei Material und Stil des Synagogenbaus aufgenommen wurden. Zeitgleich wollte man die Synagoge vergrößern und verschönern, was jedoch auf den Widerstand der Juden aus Maikammer stieß, die mindestens seit Ende des 18. Jahrhunderts zur Gemeinde in Kirrweiler gehörten.  Die dortigen jüdischen Familien bemühten sich damals um Einrichtung eines eigenen Betsaals und hatten daher keine Interesse, zur Vergrößerung der Synagoge in Kirrweiler etwas beizutragen. Ihre Eingabe an die Behörden wurde freilich negativ beschieden. Die jüdischen Familien aus Maikammer mussten weiterhin nach Kirrweiler zum Gottesdienst. Nicht bekannt ist, ob die Pläne der Vergrößerung und Verschönerung der Synagoge in Kirrweiler realisiert wurden. 
  
Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner in Kirrweiler und Maikammer stark zurückgegangen war, kein regelmäßiger Gottesdienst mehr stattfinden und auch die Synagoge nicht mehr unterhalten konnte, wurde die Gemeinde 1916 aufgelöst. Das Grundstück mit Synagoge und jüdischer Schule wurde 1917 verkauft. Die ehemalige Synagoge wurde nun als Abstellraum und Schreinerei verwendet.   
   
Das Inventar der Synagoge Kirrweiler kam 1916 nach Edenkoben, wobei in einem Inventarverzeichnis damals u.a. genannt werden: zwei Torarollen mit je zwei Mänteln, eine blaue Decke zum Vorbeterpult, ein sechsarmiger Kronleuchter, ein grüner Seidenvorhang zum Toraschrein, weitere Vorhänge in weißer und blauer Seide zum Toraschrein, ein siebenarmiger Standleuchter. An das 1914 eröffnete Israelitische Altersheim in Neustadt gingen eine weiße Decke zum Vorbeterpult, zwei Vorhänge zur heiligen Lade (einer aus rotem Samt, einer als hellem Damast), eine Torarolle mit zwei Mänteln und silberner Toraschmuck (ein Torazeiger (Jad, 1860 gestiftet) und ein Toraschild (Tass, 1906 gestiftet)).    
   
Das Haus des jüdischen Lehrers beziehungsweise der jüdischen Schule wurde 1970 abgebrochen, um an der Stelle ein Wohnbaus bauen zu können. Im Synagogengebäude wurde 1986 eine Wohnung eingerichtet. 1987 wurde das Gebäude zum Kulturdenkmal erklärt.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge      Schlossstraße 1     
   
   
Fotos
(Quelle: Foto der Mikwe und der Synagoge aus Schmidt s. Lit. S. 66; das Foto von der Synagoge und Schule erschien erstmals in der Publikation von H. Arnold 1967; Farbfoto aus der Website der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Pfalz s. Links; die Fotos finden sich auch bei Weber s. Lit. S. 104 und Landesamt s. Lit. S. 213)  

Mikwe aus der Zeit Ende des 
17. Jahrhunderts in der Kirchstraße 4
Kirrweiler Mikwe 010.jpg (81786 Byte)
    In das Becken führte eine (auf dem Foto nicht erkennbare) Treppe hinab, an der sich 
Nischen für Kerzen und eine Kleiderablage befinden (links am Rand erkennbar)
      
Ehemalige Synagoge und 
Schul-/Lehrerhaus 
(1967 oder davor)
Kirrweiler Synagoge 040.jpg (98077 Byte)
  Blick auf die Synagoge (im Hintergrund; durch den damals noch bestehenden Anbau sind nur zwei der Rundbogenfenster erkennbar); rechts im Vordergrund das 1844 vorgebaute Schul- und Lehrerhaus, das 1970 abgebrochen wurde, um ein neues Wohnhaus zu erstellen
     
Neueres Foto  Kirrweiler Synagoge 060.jpg (43763 Byte)
  Blick auf die ehemalige Synagoge, rechts das nach 1970 an der Stelle des 
Lehrer- und Schulhauses erstellte neue Wohnhaus 
     
Gegenwärtige Situation (2012) 
(Fotos: Michael Ohmsen; Fotoseite von 
M. Ohmsen mit Seiten zu Kirrweiler)  
Kirrweiler Synagoge 190.jpg (373138 Byte) Kirrweiler Synagoge 191.jpg (130450 Byte)
  Das Gebäude präsentiert sich in einem äußerst schlechten Zustand  
     
 Das Gebäude über dem ehemaligen
 rituellen Bad 
("Judenbad", Mikwe)
  
(Foto: Michael Ohmsen; Fotoseite von 
M. Ohmsen mit Seiten zu Kirrweiler
Kirrweiler Judenbad 030.jpg (100955 Byte) 
  Das Gebäude in der Kirchstraße 4 ist in der "Liste der Kulturdenkmäler in Kirrweiler (Pfalz)"
 eingetragen: "Kirchstraße 4: ehemaliges Judenbad; vor 1842, unter Fachwerkhaus,
 18. Jahrhundert"   
     

   
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Kirrweiler (Seite auf der Website der VG Maikammer)   

Website der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Pfalz mit einer Seite zu Kirrweiler 

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Kirrweiler (interner Link)  

Literatur:  

Hermann Arnold: Von den Juden in der Pfalz. Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften Speyer. Bd. 56. 1967. 
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992. 
Heinz Friedel: Kirrweiler. Die Geschichte eines pfälzischen Weindorfes. 1978 S. 63-68.  
Franz Schmidt: Die Steine reden: Zeugnisse jüdischen Lebens im Landkreis Südliche Weinstraße. Rhodt 1989. passim. 
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 96-97.104 (mit weiteren Literaturangaben).
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 212-213 (mit weiteren Literaturangaben).
    

n.e.

               

                   
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Stand: 16. Mai 2013