Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Haiger (Lahn-Dill-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Haiger bestand eine kleine jüdische Gemeinde von etwa 1910 bis 1938/40. Vor 1910 gehörten die in Haiger lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Herborn.  

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1843 1 jüdischer Einwohner, 1871 4 (0,3 % von insgesamt 1.426 Einwohnern), 1885 5 (0,3 % von 1.661), 1895 7 (0,4 % von 1.707), 1905 8, 1910: 30 (1,3 % von 2.249). 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), ein Raum für den Unterricht der Kinder, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Weilburg beziehungsweise (Ems-Weilburg)  
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 35 Personen gehörten (1,2 % von insgesamt etwa 3.000 Einwohnern), waren die Vorsteher Hermann Strauß (bis 1924) und Siegmund Hirsch. Den Religionsunterricht der damals sieben schulpflichtigen jüdischen Kindern erteilte ehrenamtlich H. Strauß. 1932 waren die Gemeindevorsteher Hermann Herz (1. Vors., bereits seit der Wahl 1924) und Siegmund Hirsch (2. Vors.). Zum Unterricht des im Schuljahr 1931/32 nur einen schulpflichtigen jüdischen Kindes kam Lehrer Maier Rosenbaum aus Herborn regelmäßig nach Haiger.   
  
In den 1920er-Jahren waren fünf der jüdischen Haushaltsvorsteher Viehhändler, einer war als Kaufmann tätig. 1930 gab es 17 wahlberechtigte Gemeindemitglieder. Von ihnen waren fünf unter 30 Jahre alt. Der genannte Vorsteher Hermann Herz war mit 61 Jahren das älteste wahlberechtigte Gemeindeglied. Er wurde im September 1930 für weitere sechs Jahre als Vorsteher bestätigt.    
  
1933 gab es sechs jüdische Familien in der Stadt (zusammen etwa 28 Personen).
In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (nach England, Holland und Palästina). 1936 legte Hermann Herz sein Amt als Gemeindevorsteher nieder; eine Neuwahl fand nicht mehr statt. Als Vorsteher wurde vom Landrat in Dillenburg der Viehhändler Isaak Löwenstein bestimmt. An seiner Seite stand als Rechner der Hugo Hirsch (Sattler und Polsterer; kam 1937 in das KZ). 1937 waren als steuerpflichtige jüdische Einwohner noch gemeldet: Isaak Löwenstein, Norbert Löwenstein, Abraham Herz, Max Rosenbaum, Hermann Strauß, Blanka Markus geb. Strauß, Frieda Strauß, Hugo Hirsch, Siegmund Hirsch, Hermann Herz (gest. 1938), Eugen Bärmann. Die meisten von ihnen konnten damals jedoch die geforderten Steuern nur noch teilweise aufbringen. 1938 bis 1939 verkauften die jüdischen Hausbesitzer ihre Liegenschaften (7 Häuser und Grundstücke). 1939 wurden nur noch drei jüdische Einwohner gezählt, unter ihnen das Ehepaar Abraham Herz. Die beiden wollten nach Frankfurt ziehen, fanden jedoch keine Wohnmöglichkeit mehr. 1941 lebten keine jüdischen Personen mehr in Haiger.  

Von den in Haiger geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adele Hirsch geb. Simon (1905), Mirjam Hirsch (1937), Renate Hirsch (1935), Willi Hirsch (1913), Selma Levi geb. Hirsch (1904), Gertrud Löwenstein geb. Kahn (1882), Isaack Löwenstein (1875), Berta Rosenberg geb. Hirsch (1905), Irma Strauss (1913).  
   
  
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Haiger gefunden.   

  

    
Zur Geschichte der Synagoge  

In einem gemieteten Haus in der Bahnhofstraße konnten die jüdischen Familien um 1910 ihren Betraum (Synagoge) einrichten. Zwei Torarollen waren vorhanden. Ein Protokollbuch wurde geführt. Beim Gebäude handelte es sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau mit einem Satteldach. Das Gebäude wurde nicht als Synagoge eingerichtet. Nach Angaben bei Frau Altaras waren auf der Giebelspitze Gebotstafeln angebracht, woran auch nach 1945 noch das Postament der Tafeln erinnerte.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 gab es gegen das Synagogengebäude keinen Anschlag, da es in nichtjüdischem Besitz war und die rituellen Gegenstände bereits zuvor nach Gießen gebracht wurden, wo sie im November 1938 zerstört wurden. Der Raum des Betsaales wurde nach Aufgabe durch die jüdische Gemeinde für Wohnzwecke verwendet.  
  
Das Gebäude mit der ehemaligen Synagoge wurde Anfang Mai 1989 vom Besitzer "über Nacht" abgebrochen, obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz stand. Der Abbruchantrag war von der Bauaufsichtsbehörde mit der Begründung genehmigt worden: "Das Gebäude ist nicht in der Denkmaltopographie der Baudenkmale in Hessen (1986) für den Lahn-Dill-Kreis eingetragen gewesen - es sei auch kein schutzwürdiges Gebäude".  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge     Bahnhofstraße 57

Fotos  
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 82; Altaras 1988 S. 90; 1994 S. 76; 2007² S. 215)

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
in den 1960er-Jahren
Haiger Synagoge 110.jpg (102056 Byte)  
    Südliche Seite des Gebäudes 
mit dem Eingang
   
       
Das Gebäude 
im Mai 1985 
Haiger Synagoge 111.jpg (69433 Byte)    
   Die Aufnahme zeigt die Westliche 
Traufseite und den Südgiebel
  
         
Für das Nachfolgegebäude wird nach
 dem Abbruch des Synagogengebäudes 
die Kellerdecke betoniert 
Haiger Synagoge 112.jpg (61254 Byte)   
      

   
   
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Haiger    

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Haiger (interner Link) 

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Haiger und Herborn 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 314-316.  
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 82.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 90-91. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 76.
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände 2007² S. 215-216.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S. 113-114.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 446.   
Im Zusammenhang mit einer Spurensuche einer 10. Realschulklasse der Haigerer Johann Textor Schule im Jahr 1996 entstand eine von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dillenburg e.V. im Jahr 2000 herausgegebene Broschüre: "Das Schicksal der Haigerer Juden".  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Haiger  Hesse-Nassau. A community was established in 1910, when the number of Jews had grown to 30 (1 % of the total). As cattle traders, they were deprived of their livelihood under the Nazis and all left (21 emigrating) by July 1940. 
     

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Dezember 2011