Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Giessen (Hessen)
Jüdische Geschichte / Synagoge nach 1945

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde         
    
Nach 1945 sind nur wenige Mitglieder der früheren jüdischen Gemeinde nach Gießen zurückgekehrt. Nur einzelne der in der Umgebung nach 1945 vorübergehend lebenden jüdischen Displaced Persons (Flüchtlinge aus Osteuropa) blieben in der Stadt.  Unter den wenigen zurückgekehrten Überlebenden war der am 23. Mai 1953 verstorbene Händler Salomon Bär. Er war 1853 geboren und am 12. Oktober 1942 deportiert worden. 1950 wurden etwa 20 jüdische Einwohner in Gießen gezählt, im Dezember 1966 waren es etwa 24 Personen (jüdische Familien) in Gießen. Die meisten von ihnen waren als Gastwirte tätig. Mehrere von ihnen waren schon damals aus Russland zugezogen, einer stammte aus Israel. Ein eigener Betraum wurde noch nicht eingerichtet. An den Feiertagen wurden die Gottesdienste in Bad Nauheim besucht.   
  
Erst seit Ende der 1970er-Jahre kam es zu einem neuen Aufleben einer jüdischen Gemeinde in der Stadt. 1978 wurde auf Grund einer Initiative von Prof. Jakob Altaras (geb. 1918 in Split, Kroatien, seit 1966 an der Universitätsklinik in Gießen) eine Jüdische Gemeinde Gießen neu gegründet. Durch Zuwanderung vor allem aus den ehemaligen GUS-Staaten nahm in den 1990er-Jahren die Zahl der Gemeindeglieder zu. Prof. Altaras wurde der erste Vorsitzende der neuen Jüdischen Gemeinde in Gießen. Er starb am 6. Dezember 2001. Nach seinem Tod übernahm seine Frau, Dr. Thea Altaras (geb. 1924 in Zagreb; Architektin) den Vorsitz der Gemeinde. Sie starb am 28. September 2004. 1995 wurde ein jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge, Räumen für den Religionsunterricht und das Gemeindeleben sowie einem rituellen Bad (Mikwe) eingeweiht (vgl. unten).      

2006 gehörten der jüdischen Kultusgemeinde in Gießen etwa 400 Personen an. 2008 konnte das 30-jährige Bestehen der neuen Gemeinde gefeiert werden. 2011 lag die Mitgliederzahl bei 382 Personen. Das jüdische Gemeindeleben ist von der Arbeit zahlreicher Gruppen geprägt (Seniorenclub, Bastelgruppe, Religions- und Sprachunterricht, Kindergruppe, Tanzgruppe, Frauengruppe u.a.m.). 
 
Derzeitiger (2013) 1. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde ist Dr. Gabriel Nick (Vorsitzender seit August 2009 in Nachfolge von Mikhail Litvak).    
     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge              
    
Nachdem 1978 eine Jüdische Gemeinde wieder begründet worden war, beschloss der Gießener Magistrat im folgenden Jahr, die Gemeinde finanziell zu unterstützen und ihr beim Neubau einer Synagoge ein Grundstück innerhalb des Anlagenringes zu überschreiben. Es brauchte freilich etliche Jahre, bis ein jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge verwirklicht werden konnte. 
 
Ende der 1980er-Jahre entschied sich die Jüdische Gemeinde für eine Umsetzung der ehemaligen Synagoge von Wohra nach Gießen, um das Gebäude wieder als Synagoge verwenden zu können. Dazu gaben auch die wenigen Überlebenden der Wohraer jüdischen Gemeinde ihre Zustimmung. Dr. Thea Altaras leitete als Architektin die Um- und Neubauarbeiten. Am 27./28. August 1995 wurde die ehemalige Wohraer und nun neue Gießener Synagoge zusammen mit einem jüdischen Gemeindezentrum feierlich eingeweiht. Bei der Einweihung waren der damalige Landesrabbiner Dr. Henry Brandt aus Hannover sowie höchste Repräsentanten der evangelischen und der katholischen Kirche sowie der Muslime anwesend. Aus der Gießener Partnerstadt Netanya (Israel) war der spätere Gießener Ehrenbürger Dr. Avraham Ben Menachem erschienen. Die Synagoge in Gießen trägt den Namen "Beith-Jaakov-Synagoge".   
  
  
Bitte um Spenden für den Synagogenbauverein Gießen   

Die jüdische Gemeinde trägt immer noch (Stand: April 2013) an der Baulast für die 1995 eingeweihte Synagoge und das Gemeindezentrum. Es gibt einen Synagogenbauverein, der für Spenden wirbt, informiert und für ein politisches und interreligiöses Verständnis arbeitet.  
Spenden für diese wichtige Arbeit des Vereins können überwiesen werden auf das 
Konto der Synagogenbauvereins Gießen Nr. 200 515 888 bei der Sparkasse Gießen   

  
  
Adresse/Standort der Synagoge   Burggraben 4-6       
  
Kontakt: Jüdische Gemeinde Giessen K.d.ö.R.  Burggraben 6  35390 Giessen   Tel. 0641/932890    Fax 0641/9328925   
E-Mail
info[et]jg-giessen.de oder juedischegemeinde-giessen[et]googlemail.de    
  
  
Fotos  
(Foto links: Titelbild der Dokumentation zur Einweihung der Synagoge s.u.; Innenansicht: Website der Jüdischen Gemeinde Gießen)  

Die ehemalige Wohraer 
Synagoge in Gießen
  
Giessen Synagoge n151.jpg (96407 Byte) Wohra Synagoge 120.jpg (50153 Byte)
  Am Tag der Einweihung am 
27. August 1995 
 Blick von Osten (mit kleinem Vorbau 
für den Toraschrein im Inneren) 
 
 Innenansicht   Giessen Synagoge neu 190.jpg (51379 Byte)
 

   

Berichte   

August 1995: Zur Einweihung der neuen Gießener Synagoge  
Artikel von Peter Scherer in "Welt online" von 26. August 1995 (Artikel): "'Das jüdische Volk lebt - überall, auch hier in Deutschland' 
Nach 57 Jahren hält heute die Thora Einzug in die neue Gießener Synagoge

Am hohen Torbogen, der den Zugang zur neu errichteten alten Fachwerksynagoge in der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen überwölbt, bringen zwei Bauarbeiter gerade hebräische Metallbuchstaben an. Halbrund wölbt sich die Inschrift. Professor Jakob Altaras, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Gießen, übersetzt: "Gottes Haus betreten wir mit Gefühl." 
Gefühle sind übermächtig in diesen Tagen, auch bei den eigens zu den an diesem Wochenende stattfindenden Einweihungsfeierlichkeiten aus Israel und anderen Ländern zurückgekehrten ehemaligen Gießener Juden: Trauer, Schmerz und Tränen erkennt, wer hinsieht. Die Bilder der Vergangenheit haben nichts von ihrem Schrecken verloren. Wenn am Sonntag die Thora festlich Einzug halten und nach 57jähriger Dunkelheit erstmals wieder das Ewige Licht in einer Lampe im Innenraum leuchten wird, wird sich der Spruch über dem Synagogeneingang tausendfach erfüllen. Auf einer Bronzetafel im Synagogenvorraum steht: "Wir gedenken der vertriebenen, verschollenen und ermordeten Juden." Dina Kunze, eine israelische Künstlerin, hat diese und eine zweite Tafel gestaltet. 
In Gießen gab es bis zur Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 drei jüdische Gemeinden mit drei Synagogen: in der Südanlage, in der Steinstraße und im Stadtteil Wieseck. Von ihren 1265 Mitgliedern wurden vom Nazi-Regime 236 verjagt, verschleppt, ermordet. Das Schicksal von 530 Juden blieb bis heute unaufgeklärt. 1942 lebte in Gießen kein Jude mehr. 
Noch in dieser Woche gehörten das im Gießener Zentrum - im Schatten eines uralten Kastanienbaumes, in unmittelbarer Nähe von Stadtkirchenturm und Pankratiuskapelle - errichtete jüdische Gotteshaus und das neue Gemeindezentrum den Handwerkern. Die letzten Fliesen wurden gelegt, Sägen kreischten, Funken sprühten. Jakob Altaras führt durch die Räume: "Das ist eine von der Zerstörung gerettete Synagoge. Ihr weiteres Leben bedeutet die weitere Existenz des jüdischen Lebens in Deutschland. Und sie unterscheidet sich von Hunderten Synagogen auf dieser Welt." Die Gebäudeteile mit Gesellschaftsraum, Küchen, Bibliothek, Unterrichtsräumen, Hausmeisterwohnung, Studentenzimmern und einem Ritualbad sind so angeordnet, daß sie einen Halbkreis um das religiöse Zentrum, die Synagoge, bilden. 
Was macht das von seinen Ausmaßen eher bescheiden wirkende jüdische Bethaus so einzigartig? Zum einen der Umstand, dass es ursprünglich Mitte des 19. Jahrhunderts in dem Dörfchen Wohra im Marburger Land errichtet worden war, dort im Frühjahr 1992 behutsam Balken für Balken und Sandstein für Sandstein abgetragen, restauriert und schließlich in Gießen wieder aufgebaut worden ist. Zum anderen die Tatsache, dass die heute wieder rund 230 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde von Gießen mit der erneuten Nutzung der Synagoge bewusst an die Tradition des einst blühenden hessischen Landjudentums anknüpfen will. Ohne die wissenschaftliche Arbeit der Architektin und Bauhistorikerin Thea Altaras wäre es nie zu diesem Projekt gekommen, das ausdrücklich auch den Segen namhafter Rabbiner aus dem In- und Ausland gefunden hat. Für ihre "hervorragenden Verdienste um Verständigung und Verständnis zwischen den Menschen" hat ihr der Magistrat der Stadt Gießen jetzt die Hedwig-Burgheim-Medaille verliehen. 
Frau Altaras hat eine akribische Bestandsaufnahme der "Synagogen in Hessen" erstellt, aus der dann die Idee entstand, die ehemalige Synagoge aus Wohra "vor dem Schicksal so vieler anderer zu bewahren". Stellvertretend für die verbrannten, zerstörten und geschändeten Synagogen sollte sie ein neues Leben erhalten - im Gegensatz zu der Vielzahl ehemaliger jüdischer Gebetshäuser, die zweckentfremdet, umgebaut, baulich bis zur Unkenntlichkeit verändert wurden und heute in Dörfern und Kleinstädten als Wohnhäuser, Scheunen, Abstellräume oder Gaststätten dienen.
In der kleinen Synagoge ist es plötzlich ganz still geworden. Professor Altaras deutet auf den Thoraschrein. Wie auf ein geheimnisvolles Zeichen hin halten die Handwerker für einen Moment inne. "Die Wiedereröffnung eines jüdischen Gotteshauses in Deutschland zeigt", sagt Altaras sichtbar bewegt, "daß das jüdische Volk lebt. Überall, auch hier in Deutschland." Die Synagoge nennt er ein Geschenk des Landes Hessen, der Stadt Gießen, seiner Gemeinden, kirchlicher Institutionen, aller Parteien, des Synagogenbauvereins, unzähliger Betriebe und Einzelpersonen, die das Bauvorhaben materiell und ideell unterstützt hätten: "Wir Juden sehen darin eine Bestätigung, dass wir in Gießen wieder unsere Heimat gefunden haben."
Die Synagoge soll Gottesdienstbesuchern Geborgenheit und Intimität vermitteln, soll aber nicht nur der Andacht der jüdischen Gemeinde, sondern auch dem Alltagsleben dienen. Als neuer geistig-kultureller Mittelpunkt stelle das Gemeindezentrum in Gießen eine Einladung an alle Bürger der Stadt dar, die mehr über die jüdische Religion, über Geschichte, Traditionen, Kultur und Riten erfahren wollten, sagt Altaras: "Wir wollen Brücken bauen. Die Synagoge ist ein solcher Brückenbau."
Die kommenden hohen Feiertage, das Neujahrsfest Rosch Haschana sowie Jom Kippur, werden die Gießener Juden erstmals nach der Nazi-Barbarei wieder in einem eigenen Gotteshaus begehen können. 'Sehen Sie nur! Sehen Sie sich nur um!' sagt Altaras. 'Dass wir wieder da sind, zeigt doch: Die Nazis haben nicht das letzte Wort gehabt.'"
 
Oktober 2008: 30 Jahre neue Jüdische Gemeinde in Gießen  

Presseartikel: Gießener Anzeiger vom 27. Oktober 2008: "Haben in Gießen zweite Heimat gefunden" - Jüdische Gemeinde feiert 30jähriges Bestehen - Gedenken an Professor Altaras - Mikhail Litvak hält Festansprache (pdf-Datei)  

 
August 2012: 15. Begegnungswoche mit ehemaligen jüdischen Einwohnern der Stadt Gießen  
Presseartikel: Gießener Allgemeine vom 29. August 2012: "An 'unsägliches Leid' in Gießen erinnert.    
 
April 2013: Rückblick - 18 Jahre nach Einweihung der Gießener Synagoge  
Große Erleichterung bei Einweihung (Gießener Anzeiger, 24.04.2013) 
 
 

   


Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Gießen  

Website der Jüdischen Gemeinde Gießen  

Seite zur jüdischen Gemeinde Gießen in der Website des Zentralrates der Juden in Deutschland 

Seite zur jüdischen Gemeinde Gießen in der Website des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen     

Literatur:  

Giessen Synagoge n150.jpg (52896 Byte)Die Synagoge in Giessen. Wiedereröffnung - Planung - Menschen. Hrsg. von der Jüdischen Gemeinde Gießen. Bergauf Verlag Frankfurt/Main 1996.     

Altaras Lit 020.jpg (28783 Byte)Adriana Altaras: Titos Brille. Die Geschichte meiner strapaziösen Familie. Kiepenheuer & Witsch Verlag. Gebunden. 272 Seiten. 18,95 €.  
Buchbesprechung von Dagmar Klein in der "Gießener Allgemeinen Zeitung" vom 11. März 2011 (Link zur GAZ): Artikel eingestellt als pdf-Datei.       

    

  

                   
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Stand: 25. April 2013