Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gerolstein (VG Hillesheim, Kreis Vulkaneifel, ehem.: Kreis Daun) 
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte des Betraumes    
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Gerolstein bestand eine kleine jüdische Gemeinde im 19./20. Jahrhundert. Bereits im Mittelalter (Gerolstein erhielt 1336 Stadtrechte) werden Juden am Ort genannt. So gewährte 1336 Ludwig der Bayer dem Stadtherrn Gerhard VI. von Blankenheim das Recht, zwölf Juden in seinen Festen und Dörfern zu halten. Tatsächlich ließen sich auch mehrere in der Stadt nieder, da Gerolstein wenig später als Ort einer Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 genannt wird.   
   
Erst im 18. Jahrhundert kam es zu einer Neuansiedlung. 1719 hatten zwei jüdische Familien das Wohnrecht in der Stadt. Wie lange sie in Gerolstein blieben, ist nicht bekannt.  
   
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808, 1843 und 1858 werden keine jüdischen Einwohner gezählt, 1895 25, 1925 61, 1926 64. Unter den ersten zugezogenen Familien war die Familie von Alexander Levy aus Aach, der in der Hauptstraße 37 ein Manufakturwaren- und Lebensmittelgeschäft eröffnete. Nach dem Tod von Alexander Levy 1920 wurde das Geschäft von den Söhnen Lazarus und Heimann weitergeführt. Heimann verzog 1929 nach dem Verkauf des Geschäftes nach Köln.  
  
Die Gemeinde nannte sich offiziell "Synagogen-Gesellschaft" (Gemeinde-Verzeichnis 1924). 
  
An Einrichtungen bestanden ein Betraum (s.u., eine Synagoge war geplant), eine jüdische Schule und ein Friedhof.  Ein Vorbeter war zeitweise am Ort tätig: bis zu seinem Tod 1932 war dies Hermann Levy aus Hohenfels. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Trier.
 
Um 1924, als 41 Personen zur "Synagogen-Gesellschaft" gehörten, war A. Löwy Gemeindevorsteher. 1932 waren die Gemeindevorsteher Nathan Levy (1. Vorsitzender seit 1925), S. Siegler (2. Vorsitzender) und L. Mayer (3. Vorsitzender). Als Lehrer und Vorbeter kam regelmäßig Lehrer David Mandel aus Bitburg nach Gerolstein. 
 
Teilweise bis nach 1933 bestanden an Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Personen: Limonadenfabrikation und Bierlager von Daniel Levy (gegenüber Hauptstraße 33), Manufakturwaren- und Lebensmittelgeschäft bzw. -handel der Brüder Lazarus und Heimann Levy (Hauptstraße 37), Herrenkonfektionsgeschäft Nathan Levy (ab 1900 Hauptstraße 35, ab 1908 in der Bahnhofstraße 35, seit 1912/13 Einrichtung des "Kölner Kaufhauses" Bahnhofstraße 12, das in den 1920er-Jahren von Fritz Mansbach übernommen und bis zur "Arisierung" 1936 betrieben wurde), Viehhandlung Simon Baum (Sarresdorfer Straße, bis 1923), Viehhandlung Moritz Levy (Frankensteinstraße, bis 1935), Metzgerei Nobert Baum (Bahnhofstraße 10), Felle und Metzgereiartikel Ludwig Baum (Lindenstraße 13), Viehhandlungen Salomon Siegler und Moritz Herz (letztere Sarresdorfer Straße 21), Süßwarengeschäft Jakob Hanau (Haupstraße 23), Karamellen-Handlung en gros Leo Mayer (Bahnhofstraße 26), Viehhandlung Ludwig Fränkel (Hauptstraße 61).  Nähere Informationen zu den genannten Familien und Geschäften im Beitrag von Christoph Stehr s. Lit..   
  
1933 lebten noch 52 jüdische Personen in Gerolstein. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1937 wurden noch 19, 1938 noch elf jüdische Personen in der Stadt gezählt. 1942 und 1943 wurden die letzten der jüdischen Einwohner deportiert. 
    
Von den in Gerolstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; einige Namen ergänzt auf Grund der Recherchen von Karl-Heinz Böffgen s.Lit.):  Johanna Adler (1869), Siegmund Baum (1913), Theodora Baum geb. Kahn (1912), Renate Gottschalk (1924), Ella Lieselotte Humberg geb. Lewy (1921), Albert Levy (1875), Elise Levy geb. Ermann (1889), Gertrud Levy geb. Adler (1864, Heimann Levy (1876), Ida Levy geb. Rosenberger (1882), Josef Levy (1910), Lazarus Levy (1873), Moritz Levy (1886), Nathan Levy (1870), Rosa Levy geb. Elias (1870), Fritz Mannsbach (1897), Horst (Siegfried) Mannsbach (1931), Ingeborg Mannsbach (1925), Rosa Mannsbach geb. Levy (1898), Berta Moses geb. Baum (1890), Berta Salm geb. Lilienfeld (1885). 
  
Ende Februar 2011 wurden zur Erinnerung an die Ehepaare Nathan Levy und Gertrud geb. Adler sowie Moritz Levy und Elise geb. Ermann sogenannte "Stolpersteine" verlegt (vor dem Haus Hauptstraße 59 sowie vor dem Haus Mühlenstraße 1) (siehe Pressebericht unten).   
  
Hinweis: nach Mitteilung von Wolfgang Appell (Schreiben vom 5.1.2014) konnte die in einigen Listen als Opfer der NS-Zeit genannte Erna Kahn geb. Baum (geb. 1886 in Gerolstein) mit ihren Töchtern Anni (geb. 1921 in St. Ingbert) und Herta (geb. 1923 in St. Ingbert, später Heddy verheiratete Adler) nach der Zeit im südfranzösischen Internierungslager Gurs über Casablanca (Marokko) im März/April 1942 in die USA emigrieren. Der Ehemann von Erna Kahn - Siegfried Kahn - ist bereits im Mai/Juni 1937 in die USA emigriert. Erna Kahn ist am 16. Oktober 1956 in New York gestorben.   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Berichte zur jüdischen Geschichte in Gerolstein konnten in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden werden.  
    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge               
   
Die jüdischen Familien in der Stadt konnten in einem der jüdischen Häuser einen Betraum einrichten. Nach 1930 stellte Ludwig Baum einen Raum seines Hauses Lindenstraße 13 zur Verfügung. Der Bau einer Synagoge war geplant. In der Nähe des Hauses Dr. Linden unterhalb der Raderstraße hatte man ein Grundstück zum Bau einer Synagoge erwerben können.   
   
Geplant war ein quadratischer Zentralbau mit symmetrisch anliegenden Armen und einer zentralen Kuppel. es war die letzte vor 1933 im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz geplante Synagoge. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten vereitelte die Bauausführung. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge       Betstube in der Lindenstraße 13; geplante Synagoge in der Raderstraße. 
    
    
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 166)  

Gipsmodell der geplanten 
Synagoge in Gerolstein
Gerolstein Synagoge 105.jpg (61971 Byte)  
   Der auf einem Grundstück in der Raderstraße geplante Bau 
kam auf Grund der nationalsozialistischen Machtergreifung
 nicht mehr zur Ausführung.  
 

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

September 2009: "Stolpersteine" auch in Gerolstein angedacht - Buch von Karl-Heinz Böffgen in zweiter Auflage erschienen
Artikel vom 10. September 2009 im "Trierischen Volksfreund" (Artikel):   "Stolpersteine" auch in Gerolstein angedacht
Unter der Überschrift "Gegen das Vergessen" lädt das Forum Eine Welt zu einer Veranstaltung am 15. September, 19 Uhr, in die Gerolsteiner Buchhandlung Raabe ein. Karl-Heinz Böffgen stellt die zweite (ergänzte) Auflage des Buchs "Gegen das Vergessen - Das Schicksal der Gerolsteiner Juden" vor..."     
   
Artikel von Gabi Vogelsberg im "Trierischen Volksfreund" vom 17. September 2009 (Artikel):  "Die Großeltern schwiegen, die Enkel reden"
Das Interesse an der Dokumentation über die Schicksale jüdischer Familien in Gerolstein ist ungebrochen: Das zweite Buch "Gegen das Vergessen" ist seit gestern im Handel. Die Buchvorstellung war mit 50 Zuhörern gut besucht. Die zeitgleiche Diskussion übers Verlegen von Stolpersteinen als dezentrale Gedenkstätten verlief sehr kontrovers..."  
Ausführlicher Bericht (mit Fotos) zu der Veranstaltung siehe auf der Website von "Forum Eine Welt".    
   
Februar 2010: Auch in Gerolstein sollen "Stolpersteine" verlegt werden.
Artikel von Gabi Vogelsberg im "Trierischen Volksfreund" vom 2. Februar 2010 (Artikel): "Stadt sagt Ja zu Stolpersteinen.  
Die Stadt hat sich dafür ausgesprochen, dass in Gerolstein Stolpersteine als Andenken an vom Naziregime getötete, jüdische Mitbürger verlegt werden. Stolpersteine sollen jedoch nur dort verlegt werden, wo auch die Eigentümer der Häuser, in denen damals Juden gelebt haben, dafür sind..."    
   
Februar 2011: Vier "Stolpersteine" für die Familie Levy werden verlegt  
Artikel von Mario Hübner im "Trierischen Volksfreund" ("Gerolsteiner Zeitung") vom 17. Februar 2011 (Artikel): 
"Vier Stolpersteine für die Familie Levy.  
Nach gut sechs Jahren Vorbereitung werden am 28. Februar, 10 Uhr, zur Erinnerung an die in der Brunnenstadt verfolgten, deportierten und in Konzentrationslagern ermordeten Juden die ersten vier Stolpersteine in Gerolstein verlegt. Weitere sollen folgen..."    
 
Artikel von Karl-Heinz Böffgen im "Trierischen Volksfreund" ("Gerolsteiner Zeitung") vom 23. Februar 2011 (Artikel): 
"Sie alle waren Gerolsteiner Bürger. 
Vor fast genau 68 Jahren, am 27. Februar 1943, wurden der Gerolsteiner Fritz Mansbach, seine Frau Rosa, Tochter Ingeborg und Sohn Horst von bewaffneten Polizisten abgeholt und mit wenig Gepäck zum Bahnhof gebracht, begleitet vom evangelischen Pfarrer Bernhard Wiebel. Die Familie Mansbach war jüdischen Glaubens. Im März wurde sie in Auschwitz ermordet..."         
  
Siehe auch den Bericht in der "Eifel-Zeitung" vom 23. Februar 2011: "'Stolpersteine' sollen an verfolgte Juden erinnern".   
 

  
   
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Gerolstein   

Seite in der Kulturdatenbank der Region Trier zur "Geplanten Synagoge in Gerolstein"    

Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Gerolstein (interner Link)     

Literatur:  

Germania Judaica  Bd. II,1 S. 277-278. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 166  (mit weiteren Literaturangaben). 
Christoph Stehr: Die jüdische Bevölkerung in Gerolstein bis 1945. Online zugänglich.    Weiterer Link   
Gerolstein Lit 010.jpg (81569 Byte)Karl-Heinz Böffgen: Gegen das Vergessen - Das Schicksal der Gerolsteiner Juden. 2006. 2. (ergänzte) Auflage 2009 (siehe Artikel oben). 
Willi Körtels: Die jüdische Schule in der Region Trier. Hrsg. Förderverein Synagoge Könen e.V. 2011. Online zugänglich (pdf-Datei).   

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gerolstein Rhineland. A few Jews were present before the Black Death persecutions of 1348-49. In 1719, two protected Jews received residence rights. In the second half of the 19th century, the Jewish population still numbered only 14-25, growing to 45 in 1911 and 61 (total 2.740) in 1925. A cemetery was opened in 1894. In 1936, 34 Jews remained and 19 in 1937. After the outbreak of war, there were eight Jews remaining. All were deported to the east.        
    
     

                   
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Stand: 18. Juli 2016