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Kreis Vulkaneifel (ehem. Kreis Daun)"
Gerolstein (Kreis
Vulkaneifel, ehem.: Kreis Daun)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Gerolstein bestand eine kleine jüdische
Gemeinde im 19./20. Jahrhundert. Bereits im Mittelalter (Gerolstein erhielt 1336
Stadtrechte) werden Juden am Ort genannt. So gewährte 1336 Ludwig der Bayer dem
Stadtherrn Gerhard VI. von Blankenheim das Recht, zwölf Juden in seinen Festen
und Dörfern zu halten. Tatsächlich ließen sich auch mehrere in der Stadt
nieder, da Gerolstein wenig später als Ort einer Judenverfolgung in der
Pestzeit 1348/49 genannt wird.
Erst im 18. Jahrhundert kam es zu einer Neuansiedlung. 1719 hatten
zwei jüdische Familien das Wohnrecht in der Stadt. Wie lange sie in
Gerolstein blieben, ist nicht bekannt.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1808, 1843 und 1858 werden keine jüdischen Einwohner gezählt, 1895 25, 1925 61, 1926 64. Unter den
ersten zugezogenen Familien war die Familie von
Alexander Levy aus Aach, der in der Hauptstraße 37 ein Manufakturwaren- und
Lebensmittelgeschäft eröffnete. Nach dem Tod von Alexander Levy 1920 wurde das
Geschäft von den Söhnen Lazarus und Heimann weitergeführt. Heimann verzog
1929 nach dem Verkauf des Geschäftes nach Köln.
Die Gemeinde nannte sich offiziell "Synagogen-Gesellschaft"
(Gemeinde-Verzeichnis 1924).
An Einrichtungen bestanden ein Betraum (s.u., eine Synagoge war geplant),
eine jüdische Schule und ein Friedhof. Ein Vorbeter war zeitweise am Ort tätig: bis
zu seinem Tod 1932 war dies Hermann Levy aus Hohenfels. Die Gemeinde gehörte
zum Bezirksrabbinat in Trier.
Um 1924, als 41 Personen zur "Synagogen-Gesellschaft"
gehörten, war A. Löwy Gemeindevorsteher. 1932 waren die Gemeindevorsteher
Nathan Levy (1. Vorsitzender seit 1925), S. Siegler (2. Vorsitzender) und L.
Mayer (3. Vorsitzender). Als Lehrer und Vorbeter kam regelmäßig Lehrer David
Mandel aus Bitburg nach Gerolstein.
Teilweise bis nach 1933 bestanden an Gewerbebetrieben im Besitz
jüdischer Personen: Limonadenfabrikation und Bierlager von Daniel Levy
(gegenüber Hauptstraße 33), Manufakturwaren- und Lebensmittelgeschäft bzw.
-handel der Brüder Lazarus und Heimann Levy (Hauptstraße 37),
Herrenkonfektionsgeschäft Nathan Levy (ab 1900 Hauptstraße 35, ab 1908 in der
Bahnhofstraße 35, seit 1912/13 Einrichtung des "Kölner Kaufhauses"
Bahnhofstraße 12, das in den 1920er-Jahren von Fritz Mansbach übernommen und
bis zur "Arisierung" 1936 betrieben wurde), Viehhandlung Simon Baum (Sarresdorfer
Straße, bis 1923), Viehhandlung Moritz Levy (Frankensteinstraße, bis 1935),
Metzgerei Nobert Baum (Bahnhofstraße 10), Felle und Metzgereiartikel Ludwig
Baum (Lindenstraße 13), Viehhandlungen Salomon Siegler und Moritz Herz
(letztere Sarresdorfer Straße 21), Süßwarengeschäft Jakob Hanau (Haupstraße
23), Karamellen-Handlung en gros Leo Mayer (Bahnhofstraße 26), Viehhandlung
Ludwig Fränkel (Hauptstraße 61). Nähere Informationen zu den
genannten Familien und Geschäften im Beitrag von Christoph Stehr s. Lit..
1933 lebten noch 52 jüdische Personen in Gerolstein. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1937 wurden noch 19, 1938
noch elf jüdische Personen in der Stadt gezählt. 1942 und 1943 wurden die
letzten der jüdischen Einwohner deportiert.
Von den in Gerolstein geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; einige Namen ergänzt auf
Grund der Recherchen von Karl-Heinz Böffgen s.Lit.): Johanna Adler
(1869), Siegmund Baum (1913), Theodora Baum geb. Kahn (1912), Renate Gottschalk (1924), Ella Lieselotte Humberg
geb. Lewy (1921), Erna Kahn geb. Baum (1886), Albert Levy (1875), Elise Levy geb. Ermann (1889),
Gertrud Levy geb. Adler (1864, Heimann Levy (1876), Ida Levy geb. Rosenberger (1882), Josef Levy
(1910), Lazarus Levy (1873), Moritz Levy (1886), Nathan Levy (1870), Rosa Levy
geb. Elias (1870), Fritz Mannsbach (1897), Horst (Siegfried) Mannsbach (1931), Ingeborg Mannsbach (1925), Rosa Mannsbach geb. Levy (1898),
Berta Moses geb. Baum (1890), Berta Salm geb. Lilienfeld
(1885).
Ende Februar 2011 werden zur Erinnerung an die Ehepaare Nathan Levy und Gertrud
geb. Adler sowie Moritz Levy und Elise geb. Ermann sogenannte
"Stolpersteine" verlegt (vor dem Haus Hauptstraße 59 sowie vor dem
Haus Mühlenstraße 1) (siehe Pressebericht unten).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte zur jüdischen Geschichte in Gerolstein konnten in
jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden werden.
Zur Geschichte der Synagoge
Die jüdischen Familien in der Stadt konnten in einem der
jüdischen Häuser einen Betraum einrichten. Nach 1930 stellte Ludwig Baum einen
Raum seines Hauses Lindenstraße 13 zur Verfügung. Der Bau einer Synagoge war
geplant. In der Nähe des Hauses Dr. Linden unterhalb der Raderstraße hatte man
ein Grundstück zum Bau einer Synagoge erwerben können.
Geplant war ein quadratischer Zentralbau mit symmetrisch anliegenden Armen und
einer zentralen Kuppel. es war die letzte vor 1933 im Gebiet des heutigen Landes
Rheinland-Pfalz geplante Synagoge. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten
vereitelte die Bauausführung.
Adresse/Standort der Synagoge: Betstube
in der Lindenstraße 13; geplante Synagoge in der Raderstraße.
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 166)
Gipsmodell der geplanten
Synagoge in Gerolstein |
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Der auf einem Grundstück in
der Raderstraße geplante Bau kam auf Grund der nationalsozialistischen
Machtergreifung nicht mehr zur Ausführung. |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| September 2009:
"Stolpersteine" auch in Gerolstein
angedacht - Buch von Karl-Heinz Böffgen in zweiter Auflage erschienen |
Artikel vom 10. September 2009 im "Trierischen
Volksfreund" (Artikel):
"Stolpersteine" auch in Gerolstein angedacht
Unter der Überschrift "Gegen das Vergessen" lädt das Forum Eine Welt zu einer Veranstaltung am 15. September, 19 Uhr, in die Gerolsteiner Buchhandlung Raabe ein. Karl-Heinz Böffgen stellt die zweite (ergänzte) Auflage des Buchs "Gegen das Vergessen - Das Schicksal der Gerolsteiner Juden" vor..."
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Artikel von Gabi Vogelsberg im "Trierischen Volksfreund"
vom 17. September 2009 (Artikel):
"Die Großeltern schwiegen, die Enkel reden"
Das Interesse an der Dokumentation über die Schicksale jüdischer Familien in Gerolstein ist ungebrochen: Das zweite Buch "Gegen das Vergessen" ist seit gestern im Handel. Die Buchvorstellung war mit 50 Zuhörern gut besucht. Die zeitgleiche Diskussion übers Verlegen von Stolpersteinen als dezentrale Gedenkstätten verlief sehr
kontrovers..." |
| Ausführlicher Bericht
(mit Fotos) zu der Veranstaltung siehe auf der Website von "Forum
Eine Welt". |
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| Februar 2010:
Auch in Gerolstein sollen
"Stolpersteine" verlegt werden. |
Artikel von Gabi Vogelsberg im "Trierischen
Volksfreund" vom 2. Februar 2010 (Artikel): "Stadt sagt Ja zu Stolpersteinen.
Die Stadt hat sich dafür ausgesprochen, dass in Gerolstein Stolpersteine als Andenken an vom Naziregime getötete, jüdische Mitbürger verlegt werden. Stolpersteine sollen jedoch nur dort verlegt werden, wo auch die Eigentümer der Häuser, in denen damals Juden gelebt haben, dafür sind..."
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| Februar 2011:
Vier "Stolpersteine" für die Familie
Levy werden verlegt |
Artikel von Mario Hübner im "Trierischen Volksfreund"
("Gerolsteiner Zeitung") vom 17. Februar 2011 (Artikel):
"Vier Stolpersteine für die Familie Levy.
Nach gut sechs Jahren Vorbereitung werden am 28. Februar, 10 Uhr, zur Erinnerung an die in der Brunnenstadt verfolgten, deportierten und in Konzentrationslagern ermordeten Juden die ersten vier Stolpersteine in Gerolstein verlegt. Weitere sollen folgen..."
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Artikel von Karl-Heinz Böffgen im "Trierischen
Volksfreund" ("Gerolsteiner Zeitung") vom 23. Februar 2011
(Artikel):
"Sie alle waren Gerolsteiner Bürger.
Vor fast genau 68 Jahren, am 27. Februar 1943, wurden der Gerolsteiner Fritz Mansbach, seine Frau Rosa, Tochter Ingeborg und Sohn Horst von bewaffneten Polizisten abgeholt und mit wenig Gepäck zum Bahnhof gebracht, begleitet vom evangelischen Pfarrer Bernhard Wiebel. Die Familie Mansbach war jüdischen Glaubens. Im März wurde sie in Auschwitz ermordet..."
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| Siehe auch den Bericht
in der "Eifel-Zeitung" vom 23. Februar 2011:
"'Stolpersteine' sollen an verfolgte Juden erinnern". |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica Bd. II,1 S. 277-278.
|
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 166 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Christoph Stehr: Die jüdische Bevölkerung in
Gerolstein bis 1945. Online
zugänglich. Weiterer
Link |
 | Karl-Heinz Böffgen: Gegen das Vergessen - Das
Schicksal der Gerolsteiner Juden. 2006. 2. (ergänzte) Auflage 2009 (siehe
Artikel oben). |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gerolstein Rhineland. A few
Jews were present before the Black Death persecutions of 1348-49. In 1719, two
protected Jews received residence rights. In the second half of the 19th century,
the Jewish population still numbered only 14-25, growing to 45 in 1911 and 61
(total 2.740) in 1925. A cemetery was opened in 1894. In 1936, 34 Jews remained
and 19 in 1937. After the outbreak of war, there were eight Jews remaining. All
were deported to the east.

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