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Frankfurt
Frankfurt
Textseite zur
Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft
(orthodox-jüdische Gemeinde)
Übersicht:
 | Zur Geschichte
der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt
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Zur Geschichte der Schule der Religionsgesellschaft
https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule
Lehrer Israel Meyer Japhet verlegt
seine Lehr- und Erziehungsanstalt von Wolfhagen nach Kassel (war von 1846 bis
1849 mit seinem Lehr- und Erziehungsinstitut in Wolfhagen; 1849)
Anmerkung: über Israel Meyer Japhet vgl. unter anderem:
https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_Meyer_Japhet;
https://www.laurentius-musikverlag.de/synagogale-musik/israel-meyer-japhet/;
verschiedene seiner Werke wurden auch später neu aufgelegt, u.a.:
Israel Meyer Japhet: Die Accente der heiligen Schrift. Hansebooks 2017. ISBN
9783744617468 (Nachdruck der Originalausgabe von 1896). 204s.
Israel Mayer Japhet: Hirsch-Haggada. die Haggada für Pessach. Mit Übersetzung
und Kommentar von J.M. Japhet, nach dem Forschungssystem von Samson Raphael
Hirsch, erläutert von Dr. A. Michalski. Basel, Zürich: Morascha-Verlag 1996.
Genealogische Informationen:
https://www.geni.com/people/Israel-Japhet-twin/6000000008796764680
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in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 17. September 1849: "Lehr- und
Erziehungsanstalt zu Kassel für israelitische Töchter.
Seit der Verlegung meiner Lehr- und Erziehungsanstalt von Wolfhagen
nach hiesigen Orte habe ich mit derselben zugleich eine jüdische
Töchterschule hierselbst gegründet. Indem ich dies hierdurch zur
öffentlichen Kenntnis bringe, erlaube ich mir gleichzeitig beizufügen, wie
die Tätigkeit der Anstalt auf die Erziehung und Beaufsichtigung ihrer
Zöglinge und die sittlich-religiöse Aufführung derselben sowohl in als außer
dem Hause sich erstreckt. - Vollständigen Unterricht in sämtlichen Realien,
in der französischen Sprache, Zeichnen, Musik und weiblichen Handarbeiten
erhalten die Pensionärinnen durch namhafte, an dem Institute wirkende Lehrer
und Lehrerinnen, und zwar vom 6. bis zum 14. Jahre in einer, dem Alter des
Zöglings entsprechenden Klasse der Töchterschule und vom 14. Jahre ab
in der, an dieselbe sich anschließenden Fortbildungsklasse. Englisch
und Italienisch werden nur auf besonderes Verlangen gelehrt. Eltern, welche
dem Institute ihre Kinder zuzuführen beabsichtigen, werden ersucht, sich
über das Nähere in portofreien Briefen gefälligst an mich zu wenden.
Kassel, 1. September 1849. J. M. Japhet, Vorsteher einer Lehr-
und Erziehungsanstalt hierselbst." |
Zum Tod des Lehrers Israel Meyer
Japhet (1892 in Frankfurt)
Anmerkung: der im Text genannte Dr. Heinemann - Schwiegersohn von Israel
Meyer Japhet - war Dr. Heinrich Heinemann (1844
Wildeshausen - 1898 Frankfurt), vgl. https://www.geni.com/people/Heinrich-Heinemann/6000000008799171562.
Er hatte Dorothea geb. Japhet geheiratet (geb. 1849 in
Wolfhagen), die bereits
1880 in Frankfurt gestorben ist.
Artikel
in "Der Israelit" vom 17. November 1892: "Frankfurt am Main, 13.
November. Ein schwerer Gang war es, zu dem wir uns heute Morgen rüsteten; es
galt Abschied zu nehmen von einem treuen Freunde und Genossen, von einem der
edelsten, selbstlosesten und charakterlautesten Männer auf Weit und Breit,
er galt dem im Lehren ergrauten und weit über das Weichbild unserer
Vaterstadt hinaus bekannten und verehrten Israel M. Japhet - das
Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -; das Ehrengeleit auf
seinem letzten Wege zu geben. Nicht nur für seinen engeren Freundeskreis,
auch für entferntere Kreise war es eine erschütternde Trauerkunde, als am
vergangenen Freitag sich die Nachricht verbreitete, Japhet sei gestorben;
ließ auch die schwere Krankheit, die acht Tage vorher den 75-jährigen Greis
plötzlich anfiel, einen schlimmen Ausgang befürchten, war man also auf einen
solchen auch nicht unvorbereitet, doch fühlte jeder einen tiefgehenden
Schmerz, der die Trauerkunde vernahm; war der Verstorbene doch wie bereits
in voriger Nummer erwähnt, fast 40 Jahre hier als Lehrer tätig und konnte
einen großen Teil der Männer und Frauen der Religionsgesellschaft seine
Schüler und Schülerinnen nennen, und wer einmal den Unterricht dieses
vorzüglichen Pädagogen genossen, der hatte ihn in sein Herz geschlossen, der
musste mit kindlicher Anhänglichkeit ihm zugetan sein. So war er seinen
Schülern ein liebevoller Erzieher, der nie die Geduld verlor, stets die Ruhe
bewahrt und dessen vorzügliche pädagogische Begabung ihn befähigte, sich so
in die Anschauung des Kindes zu versetzen, dass sein Unterricht auch bei
Schwachbegabten schöne Erfolge erzielte. Seinen Kollegen war er ein
warmherziger und lieber Freund, der gern mit seiner pädagogischen Erfahrung
den jüngeren, und das waren ja fast alle, beistand, und dessen tiefes und
umfassendes Wissen alle zu bewundern Gelegenheit hatten; mehr aber mussten
sie bei diesem Wissen die Bescheidenheit dieses Mannes bewundern. Was
Wunder, dass die Kunde von seinem Tode überall mit dem Ausdruck tiefsten
Schmerzes aufgenommen wurde. Heute Morgen haben wir nun den Edlen bestattet;
ein unabsehbares Gefolge geleitete die irdischen Überreste des greisen
Lehrers, voran gleich hinter den nächsten Leidtragenden, Mitglieder der
Familie, die obersten Klassen der Realschule der israelitischen
Religionsgesellschaft (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule) nebst dem ganzen Lehrerkollegium. Auf dem Friedhofe
gab zuerst der Direktor der Schule, Herr Dr. M. Hirsch - sein
Licht leuchte - (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mendel_Hirsch) in warm empfundenen Worten ein Lebensbild des
Verstorbenen, der mit Begründung der Schule in dieselbe als Lehrer
eingetreten und durch seinen Pflichteifer, seine Gewissenhaftigkeit, sein
Lehrgeschick das Verdienst sich erworben zu der Entfaltung und glücklichen
Entwicklung der Schule einen Hauptanteil beigetragen zu haben. Dann
schilderte er auch die Verdienste des Verfassers um die Hebung des
Synagogengesanges durch seine Kompositionen, die bereits in vielen Gemeinden
des In- und Auslands Eingang gefunden, und so ein unsichtbares Band von
Gemeinde zu Gemeinde bilden. Hierauf ergriff der Schwiegersohn des
Verstorbenen, Herr Dr. Heinemann das Wort, der tiefbewegt, mit oft
von Tränen erstickter Stimme den Heimgegangenen als Familienvater
schilderte; wie er die eine Sorge hatte, jede Sorge von den Seinigen
zurückzuhalten, wie er bei schweren Schicksalsschlägen seinen Blick zu Gott
wendend und in ihm sich aufrecht haltend, seine Fassung bei
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allem
inneren Schmerz bewahrte und durch seine Ruhe seiner mit ihm leidenden
Familie den Gramm und Schmerz milderte und erleichterte. Dann schilderte er
die Harmonie seines ganzen Wesens, die sich in seinem Schriften und in
seinen Synagogengesängen deutlich ausprägt, schilderte seine Arbeitslust und
Arbeitskraft, die bis in die letzten Tage seines Lebens anhielt. So ward ihm
noch die Freude zu Teil, in jüngster Zeit ein Werk zu vollenden, an dem er
zehn Jahre lang mit Ausdauer und Liebe arbeitete, und an dem sein Herz hing.
Es ist eine umfassende Schrift über die Akzente, die uns ungeahnte
Aufschlüsse über viele dunkle Partien der Exegese geben wird. Leider war es
ihm nicht gegönnt, das Werk in die Öffentlichkeit eingeführt zu sehen, doch
es ist druckfertig, und es wird eine Ehrenpflicht der Familie sein, dieses
letzte Werk des Heimgegangenen baldigst dem Druck zu übergeben. Hierauf
sprachen dann Herr Schnerb, Dirigent des Synagogenchors, im Namen
desselben einige Worte des Dankes an den Heimgegangenen, der 37 Jahre den
Chor geleitet hat.
Fügen wir nun noch dem in voriger Nummer bereits kurz skizzierten Lebensgang
des Verfassers die folgenden Notizen bei: Derselbe wurde im Jahre 1818 zu
Kassel geboren, besuchte dort, nachdem er die Schule verlassen, das von
M. Büdinger geleitete Lehrerseminar, bestand in seinem 17. Jahre die
Lehrerprüfung, und trat dann in die deutsche Schule zu Gudensberg als Lehrer
ein und richtete auf Veranlassung Rabbis Mordechai Wetzlar - das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen - den Synagogenchor ein.
Zugleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners und bildete sich
unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach einigen Jahren
gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wiederum drei
Jahre nach Kassel verlegte. Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt
berufen, um in die daselbst zu gründende Schule als Lehrer einzutreten.
Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode. Mit der Abfassung einer
hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische
Tätigkeit, seinen schulgrammatisches Werk Metek sefatayim, zwei
Teile, fand den Beifall der Fachgenossen und wurde, wie bereits erwähnt, in
vielen Plätzen eingeführt, seine Hagada, die ins Deutsche übertragen
und mit vielen Erklärungen versehen ist, ist eingeschätztes Familienbuch
geworden und hat viel zur Hebung der Pessach-Feier in den Familien
beigetragen. Das in Aussicht gestellte Werk über die Akzente lässt bei der
umfassenden Kenntnis des Verfassers von der hebräischen Sprache Gediegenes
und Vollkommenes erwarten. Außerdem war der Verstorbene Verfasser viele
wissenschaftliche Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und
Gediegenheit des Inhalts auszeichnet. Auch diese Blätter enthalten eine
Reihe von Aufsätzen aus seiner Feder, sowie eine von ihm verfasste
Komposition der Zur mischelau ochalnu."
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Artikel
in "Der Gemeindebote" vom 18. November 1892: "Frankfurt am Main, 13.
November. Am 10. dieses Monats starb dahier Herr Israel M. Japhet, Lehrer an
der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule), im Alter von 74
Jahren. Seit seinem 17. Lebensjahr den Lehrerberuf ausübend, blieb er demselben bis zu seinem Tode treu. Zuerst wirkte er als Lehrer in
Wolfhagen,
sodann in Gudensberg in Kurhessen und endlich seit fast 40 Jahren, April
1853, in hiesiger Stadt. Bei Begründung der Schule an dieselbe berufen,
widmete er derselben seine Kraft, bis ein Schlaganfall, dem er nach acht
Tagen erlegen, ihn seiner Tätigkeit entriss. Sehr bekannt wurde Japhet als
pädagogischer Schriftsteller und als Komponist hebräischer Melodien. Seine
hebräische Lehrfibel Pi Ollalim - vor nahezu 50 Jahren zum ersten Mal
aufgelegt - ist noch heute eine der besten und erlebte zahlreiche Auflagen.
Eine vielleicht noch größere Verbreitung hat sein Lehrbuch der hebräischen
Grammatik, Metek Sefatayim, gefunden. Seine hebräischen Gesänge,
unter dem Namen Schire Jeschurun, erschienen, wurden seinerzeit von
Spohr und anderen empfohlen. Außer diesen seinen bekanntesten Werken
übersetzte Japhet noch den Sidur, das tägliche Gebetbuch ins Deutsche
und edierte eine Ausgabe der Pessach-Haggadah mit guter Übersetzung
und Erläuterung. Noch kurz vor seinem Tode vollendete er ein neues Werk über
die Vorlesung aus Tora und Propheten. - Wie groß die Verehrung war, welcher
sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, davon legte die überaus zahlreiche
Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse Zeugnis ab. Am Grabe sprach der
Direktor der Schule, Dr. M. Hirsch (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mendel_Hirsch), ferner Herr Dr. Heinemann, ein
Schwiegersohn des Verstorbenen, und Herr Schnerb, sein Nachfolger als
Synagogenchordirigent. " |
Zum Tod von Moses Plaut, Lehrer an der Realschule der israelitischen
Religionsgesellschaft in Frankfurt (geb. 1835 in Rauschenberg, gest. 1896 in
Frankfurt)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1896: "Frankfurt a. M.,
23. März. Heute ist ein um die Jugend der hiesigen Religionsgesellschaft
verdienter edler Mann dahingegangen. Herr Moses Plaut, der 38 Jahre
lang als Lehrer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft
in treuer Hingebung gewirkt, der einen großen Teil gereifter Männer in
dieser Gemeinde seine Schüler nennen konnte, ist aus dem Leben geschieden.
Im Jahre 1835 zu Rauschenberg im
ehemaligen Kurhessen geboren, besuchte er, nachdem er die Heimatschule
absolviert, das jüdische Lehrerseminar zu Kassel. Schon dort zeichnete er
sich durch seine Strebsamkeit und guten geistigen Anlagen aus. Nach
bestandenem Examen ging er nach Frankfurt, woselbst er durch Unterricht
seinen Unterhalt erwarb und die günstigen Gelegenheiten, die diese Stadt
lerneifrigen Jünglingen bot, gut ausnützend, an seiner geistigen Aus- und
Weiterbildung rüstig arbeitete. Er stand noch in einem sehr frühen
jugendlichen Alter, als er zum Lehrer an der seit einigen Jahren bestehenden
'Unterrichtsanstalt' der israelitischen Religionsgesellschaft ernannt wurde.
Der Jüngling arbeitete aber wie ein ernster, gereifter Mann, und dieser
Ernst ist der Grundzug seines Lebens geblieben. Er wusste die kleinen Herzen
sich rasch zu gewinnen, die Kinder sahen in Liebe zu ihm hinauf, und Liebe
und Hochachtung brachten ihm die Eltern der Kleinen entgegen. Und so ging es
unentwegt bis zu seinem Lebensende. Ungeheuchelte Frömmigkeit, peinlichste
Pflichttreue, eine ernste Auffassung des Lebens, ohne aber der geselligen
Heiterkeit ihr Recht zu verkümmern, zeichneten ihn sein Leben hindurch aus.
Nie hörte er auf, an seiner Weiterbildung zu arbeiten, und wusste täglich
bei seinen Berufspflichten Zeit für das Studium der Tora zu finden. Seit den
letzten Wochen traten die Anzeichen eines schweren inneren Leidens hervor,
so dass der Arzt dem nunmehr Dahingegangenen die größte Schonung anempfehlen
musste und die Verwaltung der Schule sich in seinem Interesse mit der Frage
seiner Pensionierung zu beschäftigen hatte. Er wusste dies wohl, ohne aber
die Schwere seines Leidens zu ahnen, wenn er auch Beschwerden fühlte. Aber
diese Beschwerden konnten ihn nur im äußersten Falle veranlassen, seinen
Unterricht zu versäumen und noch heute Vormittag begab er sich trotz
Abmahnung seines Arztes zur Schule und erfüllte die Pflichten seines ihm so
lieb gewordenen Berufs. Am Nachmittag raffte ihn ein Herzschlag dahin. So
lässt sich auf ihn wörtlich anwenden: (hebräisch und deutsch:), er
arbeitete, er harrte im Dienste seiner Pflicht bis zu seinem Lebensabend
aus, bis der Tod seinem Arbeiten ein Ziel setzte. Einen pflichttreuen Lehrer
hat die Schule verloren, seine kleinen Schüler betrauern in ihm den
liebevollen und milden Erzieher, die Kollegen verlieren in ihm einen Freund
und nicht wenige verschämte Arme einen Wohltäter und Fürsprecher. Schwer
gebeugt steht die trostlose Gattin, die in ihm, mit dem sie so unendlich
glücklich gelebt, alles verliert, an seiner Bahre. Möge Gott sie trösten,
und möge sie in dem Bewusstsein ihren Trost finden, dass in demselben Maße,
wie er sie beglückt, sie auch ihn beglückt und seine Lebenstage heiter
gestaltet hat." |
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Aus dem "Bericht über das Schuljahr 1896/97
der Stiftischen Realschule mit Lyzeum des Israelitischen
Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main" 1897 S. 24 (Link:
"Wir haben noch an dieser Stelle von einem schmerzlichen Verluste zu
berichten, den Lehrerkollegium und Schule mit dem Ablaufe des vorigen
Schuljahres erlitten haben. Am Morgen des 24. März vorigen Jahres traf uns
die Kunde von dem am Abend zuvor erfolgten plötzlichen Ableben unseres
werten Kollegen, des Herrn Moses Plaut. Geboren zu
Rauschenberg bei Marburg am 5. Juni
1835, für das Lehramt vorgebildet auf dem Seminar in Kassel in den Jahren
1851 bis 1854, kam er, nach vorübergehender Bekleidung einer Lehrerstelle in
Fronhausen, im Oktober 1854 nach
Frankfurt a. M. und lebte hier zuerst einige Jahre als Privatlehrer. Oktober
1857 wurde er als Hilfslehrer, im April 1858 als ordentlicher
Elementarlehrer an unserer Schule angestellt, der er 38 Jahre angehört hat.
Der heimgegangene Kollege war ein berufsfreudiger Lehrer, der stets schöne
Erfolge erzielte und es in hohem Grade verstand, sich die Liebe seiner
Schüler zu erwerben. Im letzten Semester wurde er leidend, und zwar so
schwer, dass seine Pensionierung zum 1. April in Aussicht genommen war. Er
selbst hatte keine Ahnung von dem Ernste seines Zustandes und ließ sich auch
durch das Abraten des Arztes von seiner Berufstätigkeit nicht zurückhalten,
so kam er noch am 23. März in die Schule. An demselben Tage machte ein
Herzschlag, abends nach 6 Uhr, seinem Leben ein jähes Ende. Die Nachricht
traf uns am letzten Schultage inmitten der Vorbereitungen zur Schlussfeier,
die sofort unterbrochen wurden. Am folgenden Tage, dem 25. März, war die
Beerdigung, an der sich außer der Schule, dem Lehrerkollegium und Vertretern
des Schulrates, weite Kreise der Gemeinde beteiligten. Auch waren sämtliche
hiesige Schulen durch Kollegen in der Trauerversammlung vertreten. Die
Rücksicht auf den Monat Nissan ließ von einer Grab- bzw. Trauerrede Abstand
nehmen. Der Unterzeichnete beschränkte sich deshalb auf folgende Worte: 'Nur
die Rücksicht auf den Charakter des Monats, in welchem wir unserem
nationalen Geburtsfeste entgegengehen, und in dem deshalb jede Einzelklage
und jeder Einzelschmerz unter dem Bewusstsein des Gesamtheitsgefühles stumm
bleibt, veranlasst uns, an der Bahre des heimgegangenen langjährigen
Kollegen von jeder Rede Abstand zu nehmen. Er ist eingegangen in das Reich
des ewigen Friedens. Sein Andenken sei gesegnet!' — Indem diese Worte der
heiligen religionsgesetzlichen Pflicht der Hochhaltung der Ehre des
Dahingeschiedenen Genüge leisteten, klärten sie die christlichen Kollegen
darüber auf, dass nur die Beachtung der religiösen Vorschrift die
Möglichkeit nehme, die Verdienste des Heimgegangenen in dieser Stunde zu
würdigen und den Gefühlen der Trauer um seinen Heimgang Ausdruck zu geben.
Der Schlussakt am Nachmittage hatte sich unter diesen Umständen, unter
Ausfall von Gesang und Deklamation, auf die Entlassung der abgehenden
Schüler und Schülerinnen zu beschränken. Dabei führte der Unterzeichnete
aus, wie der so jähe Abschluss eines in treuer Pflicht vollendeten Lebens
die ernste Mahnung enthalte an jung wie alt, nimmer nachzulassen in
hingebungsvollem Streben, immer bereit, dem Heimrufe unseres himmlischen
Vaters zu folgen. Nie, so ungefähr fuhr er fort, seit dem Bestehen der
Schule vollzog sich der Schluss des Schuljahres also unter dem frischen
Eindrucke des Ernstes. Bilden doch Lehrer unsere Persönlichkeit und ihr Leid
aufgehen lassen in dem großen Einheits- und Unsterblichkeitsgedanken, das
sprechen wir mit Begeisterung, mit dem freudigen Hochgefühle treuer
Erfüllung der Pflicht sprechen wir es aus. So möge gerade die Erfüllung der
aus dem Schulleben hervorgegangenen Pflicht, wie sie am letzten Tage ihres
Schullebens sich vollzogen hat, den ewigen Grundsatz als leuchtenden
Abschiedsgruss vor ihnen zu dauernder Aneignung erstehen lassen: ... Das ist
ja nichts anderes als eifriges Streben in der Erfüllung aller Pflichten und
Gebote, wie sie in Inhalt und Bedeutung durch liebevolles Eindringen in das
Gotteswort stets erneut und vertieft uns bewusst werden, und völlige
Harmonie mit allem Wahren und Guten der Verhältnisse, in deren Mitte wir
nach dem Willen und der Fügung unseres Gottes unsere ewige jüdische Aufgabe
zu erfüllen haben! - Das war ja der Wahlspruch des großen Gründers unserer
Schule, der Wahlspruch, mit dem er die Fahne des gesetzestreuen Judentums in
unserer Stadt, in unserem Vaterlande wieder erhob, das ist der Wahlspruch,
durch dessen Betätigung es ihm gelungen ist, ein Geschlecht zu erziehen,
dessen Kinder durch ihre jüdische Gewissenhaftigkeit und ihre soziale
Bildung überall, auch in größter Ferne und unter den Einflüssen fremdester
Umgebung, sich als Kinder dieses Geistes bewähren und als Schüler dieser
Schule erkannt werden. Mit dem Wunsche, dass auch sie diesem Geiste stets
treu bleiben und ihn aus den Schriften des großen Führers in Israel stets
von neuem schöpfen möchten, schloss die Feier.
An Stelle des seligen Herrn Plaut trat Herr Israel Rosenthaler,
zuletzt an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg wirksam."
Vgl. Dokument von 1863:
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ha/126350. |
50-jähriges Amtsjubiläum des Oberkantors der Israelitischen
Religionsgesellschaft Frankfurt am Main Julius Friedländer (1906; war vor 1856
Lehrer in Aurich)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1906: "Frankfurt a. M.
Am ersten Tage des Laubhüttenfestes beging der Oberkantor der
Israelitischen Religionsgesellschaft, Julius Friedländer, sein
50jähriges Amtsjubiläum. Der heute 73jährige Sänger ist in Hamburg
geboren und war hier Schüler der altberühmten Talmud-Tora-Schule; schon im
Alter von 14 Jahren durfte er in der Elbstraßensynagoge als Vorbeter
fungieren. Anfänglich in Aurich als Lehrer tätig, wurde er im Alter
von kaum 23 Jahren, zum Kantor der Gesellschaft, der er noch heute angehört,
erwählt. Friedländer hat besonders durch seine Kunst des Vortrages, bei der
auch die Kunst des Sprechens nicht zu kurz kommt, vorbildlich gewirkt. Mag
ihm seine glückliche, heitere Frische stets erhalten bleiben." |
Erinnerung an Israel Meyer Japhet
(Artikel von 1929)
Artikel
in "Der Israelit" vom 19. September 1929: "(Zwei Meister der
jüdischen Musik). Israel Meyer Japhet (1818-1892).
J. M. Japhet wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort, nachdem
er die Schule verlassen, das von M. Büdinger geleitete Lehrerseminar,
bestand in seinem 17. Jahre die Lehrerprüfung, trat dann in die deutsche
Schule zu Gudensberg als Lehrer ein
und richtete auf Veranlassung von Rabbi Mordechai Wetzlar (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mordechai_Wetzlar) den
Synagogengesang ein. Gleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners
und bildete sich unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach
einigen Jahren gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach
wiederum drei Jahre nach Kassel verlegt.
Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt am Main berufen, um in daselbst
zu gründende Schule als Lehrer einzutreten. Hier unterrichtete er bis acht
Tage vor seinem Tode (10. November 1892). Mit der Abfassung seiner
hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische
Tätigkeit, sein schulgrammatisches Werk Sefat Emet, zwei Teile, fand
den Beifall der Fachgenossen und wurde in vielen Plätzen eingeführt, seine
Hagada ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen
ist, ist ein geschätztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der
Pessachfeier in den Familien beigetragen. Außerdem war Japhet Verfasser
vieler wissenschaftlicher Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils
und Gediegenheit des Inhalts auszeichnen. So groß wie sein Wissen und seine
pädagogische Tätigkeit, war auch seine Bescheidenheit und die Lauterkeit
seines Charakters; er genoss die ungeteilte Liebe seiner Kollegen, Schüler
und aller, die ihn kannten.
Japhet veröffentlichte auch Synagogengesänge unter dem Titel 'Schire
Jeschurun'. Der Generalmusikdirektor Dr. Louis Spohr (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Spohr) erachtet dieselben als
'korrekt in der Harmonie und einfach in der Modulation'. Ignaz Lachner
(vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Lachner) zollt Japhet 'aufrichtige Bewunderung' und empfiehlt die Gesänge als 'ganz
vorzüglich'. Nach Musikdirektor Georg Goltermann (vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Goltermann) zeichnen sich die
Japhet'schen Kompositionen durch 'gute Stimmführung' aus.
Am 13. November 1892 wurde Japhet unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe
gebettet." |
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