Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Frankfurt
Textseite zur Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft 
(orthodox-jüdische Gemeinde) 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt 
   

Zur Geschichte der Schule der Religionsgesellschaft    

https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule  
    
     
Lehrer Israel Meyer Japhet verlegt seine Lehr- und Erziehungsanstalt von Wolfhagen nach Kassel (war von 1846 bis 1849 mit seinem Lehr- und Erziehungsinstitut in Wolfhagen; 1849)    
Anmerkung: über Israel Meyer Japhet vgl. unter anderem: https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_Meyer_Japhet https://www.laurentius-musikverlag.de/synagogale-musik/israel-meyer-japhet/;  verschiedene seiner Werke wurden auch später neu aufgelegt, u.a.:
Israel Meyer Japhet: Die Accente der heiligen Schrift. Hansebooks 2017. ISBN 9783744617468  (Nachdruck der Originalausgabe von 1896). 204s.  
Israel Mayer Japhet: Hirsch-Haggada. die Haggada für Pessach. Mit Übersetzung und Kommentar von J.M. Japhet, nach dem Forschungssystem von Samson Raphael Hirsch, erläutert von Dr. A. Michalski. Basel, Zürich: Morascha-Verlag 1996.
Genealogische Informationen: https://www.geni.com/people/Israel-Japhet-twin/6000000008796764680    

Anzeige in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 17. September 1849: "Lehr- und Erziehungsanstalt zu Kassel für israelitische Töchter.
Seit der Verlegung meiner Lehr- und Erziehungsanstalt von Wolfhagen nach hiesigen Orte habe ich mit derselben zugleich eine jüdische Töchterschule hierselbst gegründet. Indem ich dies hierdurch zur öffentlichen Kenntnis bringe, erlaube ich mir gleichzeitig beizufügen, wie die Tätigkeit der Anstalt auf die Erziehung und Beaufsichtigung ihrer Zöglinge und die sittlich-religiöse Aufführung derselben sowohl in als außer dem Hause sich erstreckt. - Vollständigen Unterricht in sämtlichen Realien, in der französischen Sprache, Zeichnen, Musik und weiblichen Handarbeiten erhalten die Pensionärinnen durch namhafte, an dem Institute wirkende Lehrer und Lehrerinnen, und zwar vom 6. bis zum 14. Jahre in einer, dem Alter des Zöglings entsprechenden Klasse der Töchterschule und vom 14. Jahre ab in der, an dieselbe sich anschließenden Fortbildungsklasse. Englisch und Italienisch werden nur auf besonderes Verlangen gelehrt. Eltern, welche dem Institute ihre Kinder zuzuführen beabsichtigen, werden ersucht, sich über das Nähere in portofreien Briefen gefälligst an mich zu wenden.
Kassel, 1. September 1849. J. M. Japhet, Vorsteher einer Lehr- und Erziehungsanstalt hierselbst."   

     
Zum Tod des Lehrers Israel Meyer Japhet (1892 in Frankfurt)    
Anmerkung: der im Text genannte Dr. Heinemann - Schwiegersohn von Israel Meyer Japhet - war Dr. Heinrich Heinemann (1844 Wildeshausen - 1898 Frankfurt), vgl. https://www.geni.com/people/Heinrich-Heinemann/6000000008799171562. Er hatte Dorothea geb. Japhet geheiratet (geb. 1849 in Wolfhagen), die bereits 1880 in Frankfurt gestorben ist.   

Artikel in "Der Israelit" vom 17. November 1892: "Frankfurt am Main, 13. November. Ein schwerer Gang war es, zu dem wir uns heute Morgen rüsteten; es galt Abschied zu nehmen von einem treuen Freunde und Genossen, von einem der edelsten, selbstlosesten und charakterlautesten Männer auf Weit und Breit, er galt dem im Lehren ergrauten und weit über das Weichbild unserer Vaterstadt hinaus bekannten und verehrten Israel M. Japhet - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen -;  das Ehrengeleit auf seinem letzten Wege zu geben. Nicht nur für seinen engeren Freundeskreis, auch für entferntere Kreise war es eine erschütternde Trauerkunde, als am vergangenen Freitag sich die Nachricht verbreitete, Japhet sei gestorben; ließ auch die schwere Krankheit, die acht Tage vorher den 75-jährigen Greis plötzlich anfiel, einen schlimmen Ausgang befürchten, war man also auf einen solchen auch nicht unvorbereitet, doch fühlte jeder einen tiefgehenden Schmerz, der die Trauerkunde vernahm; war der Verstorbene doch wie bereits in voriger Nummer erwähnt, fast 40 Jahre hier als Lehrer tätig und konnte einen großen Teil der Männer und Frauen der Religionsgesellschaft seine Schüler und Schülerinnen nennen, und wer einmal den Unterricht dieses vorzüglichen Pädagogen genossen, der hatte ihn in sein Herz geschlossen, der musste mit kindlicher Anhänglichkeit ihm zugetan sein. So war er seinen Schülern ein liebevoller Erzieher, der nie die Geduld verlor, stets die Ruhe bewahrt und dessen vorzügliche pädagogische Begabung ihn befähigte, sich so in die Anschauung des Kindes zu versetzen, dass sein Unterricht auch bei Schwachbegabten schöne Erfolge erzielte. Seinen Kollegen war er ein warmherziger und lieber Freund, der gern mit seiner pädagogischen Erfahrung den jüngeren, und das waren ja fast alle, beistand, und dessen tiefes und umfassendes Wissen alle zu bewundern Gelegenheit hatten; mehr aber mussten sie bei diesem Wissen die Bescheidenheit dieses Mannes bewundern. Was Wunder, dass die Kunde von seinem Tode überall mit dem Ausdruck tiefsten Schmerzes aufgenommen wurde. Heute Morgen haben wir nun den Edlen bestattet; ein unabsehbares Gefolge geleitete die irdischen Überreste des greisen Lehrers, voran gleich hinter den nächsten Leidtragenden, Mitglieder der Familie, die obersten Klassen der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule) nebst dem ganzen Lehrerkollegium. Auf dem Friedhofe gab zuerst der Direktor der Schule, Herr Dr. M. Hirsch - sein Licht leuchte - (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mendel_Hirsch) in warm empfundenen Worten ein Lebensbild des Verstorbenen, der mit Begründung der Schule in dieselbe als Lehrer eingetreten und durch seinen Pflichteifer, seine Gewissenhaftigkeit, sein Lehrgeschick das Verdienst sich erworben zu der Entfaltung und glücklichen Entwicklung der Schule einen Hauptanteil beigetragen zu haben. Dann schilderte er auch die Verdienste des Verfassers um die Hebung des Synagogengesanges durch seine Kompositionen, die bereits in vielen Gemeinden des In- und Auslands Eingang gefunden, und so ein unsichtbares Band von Gemeinde zu Gemeinde bilden. Hierauf ergriff der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Dr. Heinemann das Wort, der tiefbewegt, mit oft von Tränen erstickter Stimme den Heimgegangenen als Familienvater schilderte; wie er die eine Sorge hatte, jede Sorge von den Seinigen zurückzuhalten, wie er bei schweren Schicksalsschlägen seinen Blick zu Gott wendend und in ihm sich aufrecht haltend, seine Fassung bei    
allem inneren Schmerz bewahrte und durch seine Ruhe seiner mit ihm leidenden Familie den Gramm und Schmerz milderte und erleichterte. Dann schilderte er die Harmonie seines ganzen Wesens, die sich in seinem Schriften und in seinen Synagogengesängen deutlich ausprägt, schilderte seine Arbeitslust und Arbeitskraft, die bis in die letzten Tage seines Lebens anhielt. So ward ihm noch die Freude zu Teil, in jüngster Zeit ein Werk zu vollenden, an dem er zehn Jahre lang mit Ausdauer und Liebe arbeitete, und an dem sein Herz hing. Es ist eine umfassende Schrift über die Akzente, die uns ungeahnte Aufschlüsse über viele dunkle Partien der Exegese geben wird. Leider war es ihm nicht gegönnt, das Werk in die Öffentlichkeit eingeführt zu sehen, doch es ist druckfertig, und es wird eine Ehrenpflicht der Familie sein, dieses letzte Werk des Heimgegangenen baldigst dem Druck zu übergeben. Hierauf sprachen dann Herr Schnerb, Dirigent des Synagogenchors, im Namen desselben einige Worte des Dankes an den Heimgegangenen, der 37 Jahre den Chor geleitet hat.
Fügen wir nun noch dem in voriger Nummer bereits kurz skizzierten Lebensgang des Verfassers die folgenden Notizen bei: Derselbe wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort, nachdem er die Schule verlassen, das von M. Büdinger geleitete Lehrerseminar, bestand in seinem 17. Jahre die Lehrerprüfung, und trat dann in die deutsche Schule zu Gudensberg als Lehrer ein und richtete auf Veranlassung Rabbis Mordechai Wetzlar - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - den Synagogenchor ein. Zugleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners und bildete sich unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach einigen Jahren gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wiederum drei Jahre nach Kassel verlegte. Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt berufen, um in die daselbst zu gründende Schule als Lehrer einzutreten. Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode. Mit der Abfassung einer hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische Tätigkeit, seinen schulgrammatisches Werk Metek sefatayim, zwei Teile, fand den Beifall der Fachgenossen und wurde, wie bereits erwähnt, in vielen Plätzen eingeführt, seine Hagada, die ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen ist, ist eingeschätztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der Pessach-Feier in den Familien beigetragen. Das in Aussicht gestellte Werk über die Akzente lässt bei der umfassenden Kenntnis des Verfassers von der hebräischen Sprache Gediegenes und Vollkommenes erwarten. Außerdem war der Verstorbene Verfasser viele wissenschaftliche Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts auszeichnet. Auch diese Blätter enthalten eine Reihe von Aufsätzen aus seiner Feder, sowie eine von ihm verfasste Komposition der Zur mischelau ochalnu."     
  
Artikel in "Der Gemeindebote" vom 18. November 1892: "Frankfurt am Main, 13. November. Am 10. dieses Monats starb dahier Herr Israel M. Japhet, Lehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Samson-Raphael-Hirsch-Schule), im Alter von 74 Jahren. Seit seinem 17. Lebensjahr den Lehrerberuf ausübend, blieb er demselben bis zu seinem Tode treu. Zuerst wirkte er als Lehrer in Wolfhagen, sodann in Gudensberg in Kurhessen und endlich seit fast 40 Jahren, April 1853, in hiesiger Stadt. Bei Begründung der Schule an dieselbe berufen, widmete er derselben seine Kraft, bis ein Schlaganfall, dem er nach acht Tagen erlegen, ihn seiner Tätigkeit entriss. Sehr bekannt wurde Japhet als pädagogischer Schriftsteller und als Komponist hebräischer Melodien. Seine hebräische Lehrfibel Pi Ollalim - vor nahezu 50 Jahren zum ersten Mal aufgelegt - ist noch heute eine der besten und erlebte zahlreiche Auflagen. Eine vielleicht noch größere Verbreitung hat sein Lehrbuch der hebräischen Grammatik, Metek Sefatayim, gefunden. Seine hebräischen Gesänge, unter dem Namen Schire Jeschurun, erschienen, wurden seinerzeit von Spohr und anderen empfohlen. Außer diesen seinen bekanntesten Werken übersetzte Japhet noch den Sidur, das tägliche Gebetbuch ins Deutsche und edierte eine Ausgabe der Pessach-Haggadah mit guter Übersetzung und Erläuterung. Noch kurz vor seinem Tode vollendete er ein neues Werk über die Vorlesung aus Tora und Propheten. - Wie groß die Verehrung war, welcher sich der Verstorbene zu erfreuen hatte, davon legte die überaus zahlreiche Beteiligung an seinem Leichenbegängnisse Zeugnis ab. Am Grabe sprach der Direktor der Schule, Dr. M. Hirsch (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mendel_Hirsch), ferner Herr Dr. Heinemann, ein Schwiegersohn des Verstorbenen, und Herr Schnerb, sein Nachfolger als Synagogenchordirigent.  "    

   
Zum Tod von Moses Plaut, Lehrer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt (geb. 1835 in Rauschenberg, gest. 1896 in Frankfurt)   
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1896: "Frankfurt a. M., 23. März. Heute ist ein um die Jugend der hiesigen Religionsgesellschaft verdienter edler Mann dahingegangen. Herr Moses Plaut, der 38 Jahre lang als Lehrer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft in treuer Hingebung gewirkt, der einen großen Teil gereifter Männer in dieser Gemeinde seine Schüler nennen konnte, ist aus dem Leben geschieden. Im Jahre 1835 zu Rauschenberg im ehemaligen Kurhessen geboren, besuchte er, nachdem er die Heimatschule absolviert, das jüdische Lehrerseminar zu Kassel. Schon dort zeichnete er sich durch seine Strebsamkeit und guten geistigen Anlagen aus. Nach bestandenem Examen ging er nach Frankfurt, woselbst er durch Unterricht seinen Unterhalt erwarb und die günstigen Gelegenheiten, die diese Stadt lerneifrigen Jünglingen bot, gut ausnützend, an seiner geistigen Aus- und Weiterbildung rüstig arbeitete. Er stand noch in einem sehr frühen jugendlichen Alter, als er zum Lehrer an der seit einigen Jahren bestehenden 'Unterrichtsanstalt' der israelitischen Religionsgesellschaft ernannt wurde. Der Jüngling arbeitete aber wie ein ernster, gereifter Mann, und dieser Ernst ist der Grundzug seines Lebens geblieben. Er wusste die kleinen Herzen sich rasch zu gewinnen, die Kinder sahen in Liebe zu ihm hinauf, und Liebe und Hochachtung brachten ihm die Eltern der Kleinen entgegen. Und so ging es unentwegt bis zu seinem Lebensende. Ungeheuchelte Frömmigkeit, peinlichste Pflichttreue, eine ernste Auffassung des Lebens, ohne aber der geselligen Heiterkeit ihr Recht zu verkümmern, zeichneten ihn sein Leben hindurch aus. Nie hörte er auf, an seiner Weiterbildung zu arbeiten, und wusste täglich bei seinen Berufspflichten Zeit für das Studium der Tora zu finden. Seit den letzten Wochen traten die Anzeichen eines schweren inneren Leidens hervor, so dass der Arzt dem nunmehr Dahingegangenen die größte Schonung anempfehlen musste und die Verwaltung der Schule sich in seinem Interesse mit der Frage seiner Pensionierung zu beschäftigen hatte. Er wusste dies wohl, ohne aber die Schwere seines Leidens zu ahnen, wenn er auch Beschwerden fühlte. Aber diese Beschwerden konnten ihn nur im äußersten Falle veranlassen, seinen Unterricht zu versäumen und noch heute Vormittag begab er sich trotz Abmahnung seines Arztes zur Schule und erfüllte die Pflichten seines ihm so lieb gewordenen Berufs. Am Nachmittag raffte ihn ein Herzschlag dahin. So lässt sich auf ihn wörtlich anwenden: (hebräisch und deutsch:), er arbeitete, er harrte im Dienste seiner Pflicht bis zu seinem Lebensabend aus, bis der Tod seinem Arbeiten ein Ziel setzte. Einen pflichttreuen Lehrer hat die Schule verloren, seine kleinen Schüler betrauern in ihm den liebevollen und milden Erzieher, die Kollegen verlieren in ihm einen Freund und nicht wenige verschämte Arme einen Wohltäter und Fürsprecher. Schwer gebeugt steht die trostlose Gattin, die in ihm, mit dem sie so unendlich glücklich gelebt, alles verliert, an seiner Bahre. Möge Gott sie trösten, und möge sie in dem Bewusstsein ihren Trost finden, dass in demselben Maße, wie er sie beglückt, sie auch ihn beglückt und seine Lebenstage heiter gestaltet hat."  
 
Aus dem "Bericht über das Schuljahr 1896/97 der Stiftischen Realschule mit Lyzeum des Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main" 1897 S. 24 (Link: "Wir haben noch an dieser Stelle von einem schmerzlichen Verluste zu berichten, den Lehrerkollegium und Schule mit dem Ablaufe des vorigen Schuljahres erlitten haben. Am Morgen des 24. März vorigen Jahres traf uns die Kunde von dem am Abend zuvor erfolgten plötzlichen Ableben unseres werten Kollegen, des Herrn Moses Plaut. Geboren zu Rauschenberg bei Marburg am 5. Juni 1835, für das Lehramt vorgebildet auf dem Seminar in Kassel in den Jahren 1851 bis 1854, kam er, nach vorübergehender Bekleidung einer Lehrerstelle in Fronhausen, im Oktober 1854 nach Frankfurt a. M. und lebte hier zuerst einige Jahre als Privatlehrer. Oktober 1857 wurde er als Hilfslehrer, im April 1858 als ordentlicher Elementarlehrer an unserer Schule angestellt, der er 38 Jahre angehört hat. Der heimgegangene Kollege war ein berufsfreudiger Lehrer, der stets schöne Erfolge erzielte und es in hohem Grade verstand, sich die Liebe seiner Schüler zu erwerben. Im letzten Semester wurde er leidend, und zwar so schwer, dass seine Pensionierung zum 1. April in Aussicht genommen war. Er selbst hatte keine Ahnung von dem Ernste seines Zustandes und ließ sich auch durch das Abraten des Arztes von seiner Berufstätigkeit nicht zurückhalten, so kam er noch am 23. März in die Schule. An demselben Tage machte ein Herzschlag, abends nach 6 Uhr, seinem Leben ein jähes Ende. Die Nachricht traf uns am letzten Schultage inmitten der Vorbereitungen zur Schlussfeier, die sofort unterbrochen wurden. Am folgenden Tage, dem 25. März, war die Beerdigung, an der sich außer der Schule, dem Lehrerkollegium und Vertretern des Schulrates, weite Kreise der Gemeinde beteiligten. Auch waren sämtliche hiesige Schulen durch Kollegen in der Trauerversammlung vertreten. Die Rücksicht auf den Monat Nissan ließ von einer Grab- bzw. Trauerrede Abstand nehmen. Der Unterzeichnete beschränkte sich deshalb auf folgende Worte: 'Nur die Rücksicht auf den Charakter des Monats, in welchem wir unserem nationalen Geburtsfeste entgegengehen, und in dem deshalb jede Einzelklage und jeder Einzelschmerz unter dem Bewusstsein des Gesamtheitsgefühles stumm bleibt, veranlasst uns, an der Bahre des heimgegangenen langjährigen Kollegen von jeder Rede Abstand zu nehmen. Er ist eingegangen in das Reich des ewigen Friedens. Sein Andenken sei gesegnet!' — Indem diese Worte der heiligen religionsgesetzlichen Pflicht der Hochhaltung der Ehre des Dahingeschiedenen Genüge leisteten, klärten sie die christlichen Kollegen darüber auf, dass nur die Beachtung der religiösen Vorschrift die Möglichkeit nehme, die Verdienste des Heimgegangenen in dieser Stunde zu würdigen und den Gefühlen der Trauer um seinen Heimgang Ausdruck zu geben.
Der Schlussakt am Nachmittage hatte sich unter diesen Umständen, unter Ausfall von Gesang und Deklamation, auf die Entlassung der abgehenden Schüler und Schülerinnen zu beschränken. Dabei führte der Unterzeichnete aus, wie der so jähe Abschluss eines in treuer Pflicht vollendeten Lebens die ernste Mahnung enthalte an jung wie alt, nimmer nachzulassen in hingebungsvollem Streben, immer bereit, dem Heimrufe unseres himmlischen Vaters zu folgen. Nie, so ungefähr fuhr er fort, seit dem Bestehen der Schule vollzog sich der Schluss des Schuljahres also unter dem frischen Eindrucke des Ernstes. Bilden doch Lehrer unsere Persönlichkeit und ihr Leid aufgehen lassen in dem großen Einheits- und Unsterblichkeitsgedanken, das sprechen wir mit Begeisterung, mit dem freudigen Hochgefühle treuer Erfüllung der Pflicht sprechen wir es aus. So möge gerade die Erfüllung der aus dem Schulleben hervorgegangenen Pflicht, wie sie am letzten Tage ihres Schullebens sich vollzogen hat, den ewigen Grundsatz als leuchtenden Abschiedsgruss vor ihnen zu dauernder Aneignung erstehen lassen: ... Das ist ja nichts anderes als eifriges Streben in der Erfüllung aller Pflichten und Gebote, wie sie in Inhalt und Bedeutung durch liebevolles Eindringen in das Gotteswort stets erneut und vertieft uns bewusst werden, und völlige Harmonie mit allem Wahren und Guten der Verhältnisse, in deren Mitte wir nach dem Willen und der Fügung unseres Gottes unsere ewige jüdische Aufgabe zu erfüllen haben! - Das war ja der Wahlspruch des großen Gründers unserer Schule, der Wahlspruch, mit dem er die Fahne des gesetzestreuen Judentums in unserer Stadt, in unserem Vaterlande wieder erhob, das ist der Wahlspruch, durch dessen Betätigung es ihm gelungen ist, ein Geschlecht zu erziehen, dessen Kinder durch ihre jüdische Gewissenhaftigkeit und ihre soziale Bildung überall, auch in größter Ferne und unter den Einflüssen fremdester Umgebung, sich als Kinder dieses Geistes bewähren und als Schüler dieser Schule erkannt werden. Mit dem Wunsche, dass auch sie diesem Geiste stets treu bleiben und ihn aus den Schriften des großen Führers in Israel stets von neuem schöpfen möchten, schloss die Feier.
An Stelle des seligen Herrn Plaut trat Herr Israel Rosenthaler, zuletzt an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg wirksam."   
Vgl. Dokument von 1863:  https://lagis.hessen.de/resolve/de/ha/126350

        
50-jähriges Amtsjubiläum des Oberkantors der Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt am Main Julius Friedländer (1906; war vor 1856 Lehrer in Aurich)   

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1906: "Frankfurt a. M. Am ersten Tage des Laubhüttenfestes beging der Oberkantor der Israelitischen Religionsgesellschaft, Julius Friedländer, sein 50jähriges Amtsjubiläum. Der heute 73jährige Sänger ist in Hamburg geboren und war hier Schüler der altberühmten Talmud-Tora-Schule; schon im Alter von 14 Jahren durfte er in der Elbstraßensynagoge als Vorbeter fungieren. Anfänglich in Aurich als Lehrer tätig, wurde er im Alter von kaum 23 Jahren, zum Kantor der Gesellschaft, der er noch heute angehört, erwählt. Friedländer hat besonders durch seine Kunst des Vortrages, bei der auch die Kunst des Sprechens nicht zu kurz kommt, vorbildlich gewirkt. Mag ihm seine glückliche, heitere Frische stets erhalten bleiben."   

 
Erinnerung an Israel Meyer Japhet (Artikel von 1929)     

Artikel in "Der Israelit" vom 19. September 1929: "(Zwei Meister der jüdischen Musik). Israel Meyer Japhet (1818-1892).
J. M. Japhet wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort, nachdem er die Schule verlassen, das von M. Büdinger geleitete Lehrerseminar, bestand in seinem 17. Jahre die Lehrerprüfung, trat dann in die deutsche Schule zu Gudensberg als Lehrer ein und richtete auf Veranlassung von Rabbi Mordechai Wetzlar (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Mordechai_Wetzlar) den Synagogengesang ein. Gleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners und bildete sich unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach einigen Jahren gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wiederum drei Jahre nach Kassel verlegt.
Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt am Main berufen, um in daselbst zu gründende Schule als Lehrer einzutreten. Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode (10. November 1892). Mit der Abfassung seiner hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische Tätigkeit, sein schulgrammatisches Werk Sefat Emet, zwei Teile, fand den Beifall der Fachgenossen und wurde in vielen Plätzen eingeführt, seine Hagada ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen ist, ist ein geschätztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der Pessachfeier in den Familien beigetragen. Außerdem war Japhet Verfasser vieler wissenschaftlicher Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts auszeichnen. So groß wie sein Wissen und seine pädagogische Tätigkeit, war auch seine Bescheidenheit und die Lauterkeit seines Charakters; er genoss die ungeteilte Liebe seiner Kollegen, Schüler und aller, die ihn kannten.
Japhet veröffentlichte auch Synagogengesänge unter dem Titel 'Schire Jeschurun'. Der Generalmusikdirektor Dr. Louis Spohr (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Spohr) erachtet dieselben als 'korrekt in der Harmonie und einfach in der Modulation'. Ignaz Lachner (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Lachner) zollt Japhet 'aufrichtige Bewunderung' und empfiehlt die Gesänge als 'ganz vorzüglich'. Nach Musikdirektor Georg Goltermann (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Goltermann) zeichnen sich die Japhet'schen Kompositionen durch 'gute Stimmführung' aus. 
Am 13. November 1892 wurde Japhet unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet."  

     

  

 

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Stand: 31. Januar 2026