Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Durlach lebten Juden bereits im Mittelalter (1340 Jüdin
von Durlach in Speyer genannt; 1349 Judenverfolgung), dann wieder im 16.
Jahrhundert (1547 Baruch und Gottschalk mit ihren Familien), vermehrt erst seit
dem Ende des 17. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert bestand eine kleine Gemeinde
mit eigenen Einrichtungen; seit 1894 war Durlach Filialgemeinde von Grötzingen.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde vermutlich 1714 mit über 100
Personen erreicht. Nach der Gründung Karlsruhes 1715 ging die Zahl der Juden in
Durlach stark zurück. 1797 lebten hier noch fünf jüdische Erwachsene und neun
Kinder. Zwischen 1825 und 1875 wurden bei den Volkszählungen nie mehr als sechs
Juden am Ort registriert. Dann nahm ihre Zahl wieder zu (1925 60 jüdische
Einwohner).
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Aus dem Mittelalter und bis zum
17. Jahrhundert sind keine Einrichtungen bekannt. Vermutlich war die Zahl der
Juden dafür jeweils zu gering.
Ein erster Betsaal war um 1680 vorhanden. Damals
soll Rabbiner Aaron Frank, der auch die Juden der oberen Markgrafschaft
betreute, in Durlach gewohnt und hier gemeinsame Gottesdienste für die Juden
aus umliegenden Orten abgehalten haben. In welchem Gebäude dieser Betsaal war,
ist nicht bekannt. Vermutlich ist er im Krieg 1689 abgebrannt.
Seit 1695 wurden wieder jüdische Familien in Durlach
aufgenommen. Bis 1709 waren es fünf Familien. Zunächst besuchte man die
Gottesdienste in dem seit 1699 im Haus des Juden Moses eingerichteten Betsaal in
Grötzingen. Nachdem Emanuel Reutlinger, der als erster Jude 1695 in Durlach
aufgenommen worden war, hier ein Haus gebaut hatte, bat er das Oberamt um die
Genehmigung der Verlegung des Gottesdienstes nach Durlach. In seinem Schreiben
vom 2. Juni 1701 wies er darauf hin, dass vor dem Krieg ein Betsaal in Durlach
und keiner in Grötzingen vorhanden war. Zugleich war er der Meinung: "Wenn
nun aber dermalen wiederum zwei Juden, nämlich neben mir der Jud Lämblin mit
unseren Familien, demnach ebensoviel als in Grötzingen sich wohnhaft befinden,
und ich Unterschriebener ein Haus gebaut, darinnen nunmehro die Judenschule ohne
jemand zu irren gehalten werden mag, so wären wir willens, auch wieder die
Schul dahier anzuordnen". Da das Oberamt vermutlich nicht gleich antwortete,
machte Reutlinger im August eine erneute Eingabe und wies zudem darauf hin, dass
er von gehässigen Leuten vielerlei Drangsal erleiden müsse, wenn er am Sabbat
zum Gottesdienst nach Grötzingen müsse. Schließlich sei er auch der vermögenste
unter den in Durlach und Grötzingen lebenden Juden (Reutlinger lebte von einem
gut gehenden Kramhandel). Im Oktober 1701 wurde Reutlingers Bitte entsprochen,
worauf freilich die Grötzinger Juden heftigen Einspruch erhoben. Daraufhin
fanden die Gottesdienste wieder in Grötzingen statt. Der Streit zog sich noch
mehrere Monate hin. Erst nachdem in den folgenden Jahren an beiden Orten mehrere
Familien zugezogen waren, hat sich die Lage entspannt und es konnten an beiden
Orten Gottesdienste gefeiert werden. Mit Hilfe des Rabbiners Isaac Salomon Kaan
aus Philippsburg konnte man sich nach längeren Auseinandersetzungen auch auf
eine Zeremonienordnung einigen, in dem unter anderem die Reihenfolge über das
Aufrufen zur Tora geregelt wurde. Die Gottesdienste in Durlach wurden in den
Jahren bis zum Wegzug Emanuel Reutlingers nach Karlsruhe (1718) in dessen Haus,
zwischenzeitlich aber auch in Lämmlein Löws Haus (um 1713) abgehalten.
Nach dem Wegzug der meisten Durlacher Juden nach Karlsruhe
gab es in Durlach im 18. Jahrhundert keinen Betsaal mehr, wie in einem Bericht des Oberamts von
1791 anlässlich des Neubaus der Grötzinger Synagoge betont wird.
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