Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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 Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) 
Jüdische Friedhöfe 
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
Zur jüdischen Geschichte von Demmin siehe vor allem die Seiten in der "Website von "Juden in Mecklenburg":  http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Demmin  
   
Dazu zufällig in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" entdeckt:
Über das neue jüdische Gemeindehaus in Demmin (1868)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Januar 1868: "Gesuch. Die Synagogengemeinde zu Demmin besitzt seit 1839 eine schöne Synagoge. Ein derselben gehöriges Gebäude musste gegenwärtig gegen Baufälligkeit niedergerissen werden und ist durch ein sehr stattliches Gebäude für Schule und Lehrerwohnung ersetzt worden. Die Gemeinde, aus 30 Familien bestehend, hatte hierzu ein Kapital von 1.000 Talern angesammelt, und waren ihr 3.000 Thaler als Anleihe versprochen worden. Das neue Gebäude kostet 4.400 Thaler und müssen die übrigen 3.400 Thaler Oster ausgezahlt werden, während derjenige, welcher diese 3.000 Thaler der Gemeinde vorzustrecken versprochen hatte, sich jetzt außer Stande sieht, diesem Versprechen nachzukommen. Die Gemeinde befindet sich dadurch in einer peinlichen Lage, da sie aus eigenen Mittel dieses Kapital zu schaffen so schnell nciht vermag. Das Gebäude ist mit 6.600 Thaler assekuriert. Die Solidarität der gesetzlich konstituierten Gemeinde, die Genehmigung der königlichen Regierung zum Bau und zu Übernahme der von ihm verursachten Lasten auf den Etat, die hypothekarische Sicherheit und die prompte Zahlung der Zinsen geben die vollste Bürgschaft für die sichere Kapitalanlage. Wir fordern daher wohlgesinnte Kapitalisten auf, der Gemeinde die erforderliche Summe von 3.000 Talern auf das besprochene neue Gemeindehaus darzuleihen, und können jährlich 100 Thaler oder alle zehn Jahre 1.000 Thaler zurückgezahlt werden. Wir bemerken noch dass, auf dem Synagogengebäude noch eine Hypothekenschuld von 2.000 Talern lastet, und der betreffende Kapitalist könnte nach seinem Belieben auch diese 2.000 Thaler übernehmen, wodurch ihm beide Gebäude der Gemeinde hypothekarisch verpfändet wären.   
Wir geben uns der Hoffnung hin, dass diesem Gesuche recht bald willfahren werden wird, wodurch außer der zweifellosen Sicherheit des dargeliehenen Kapitals einer wohlorganisierten Gemeinde augenblicklich ein großer Dienst geleistet würde. Demmin, 7. Januar 1868. 
D. Cohn, Vorsteher der Synagogen-Gemeinde."           

  
  
Zur Geschichte der Friedhöfe

  
Bis 1825 wurden die Verstorbenen der jüdischen Familien Demmins, da sie zur jüdischen Gemeinde Stralsund gehörten, vermutlich im jüdischen Friedhof bei Niederhof beigesetzt.    
  
In Demmin bestand ein erster jüdischer Friedhof seit 1825 vor dem Luisentor (früher: Kuhtor). Das Grundstück hatten die jüdischen Familien, die bis 1847 zur jüdischen Gemeinde in Stralsund gehörten, in diesem Jahr erworben. Der Friedhof wurde 1848 aufgegeben. Von ihm ist nichts erhalten, das Grundstück ist mit Wohnhäusern bebaut. Zumindest einige Grabsteine dürften vom alten auf den neuen Friedhof verbracht worden sein.   
 
Das Grundstück zur Anlage eines zweiten jüdischen Friedhofes wurde von der jüdischen Gemeinde Stralsund für die in Demmin lebenden Gemeindeglieder 1847 erworben. Es wurde bis um 1933 belegt (letzte Beisetzung vermutlich von Clara Cohn geb. Joachimsthal, gest. 17. Februar 1933). 1938 verkauften die noch in Demmin lebenden Gemeindemitglieder einen unbelegten Teil des Friedhofes als Baugelände. In der Pogromnacht 1938 wurde der Friedhof beschädigt. Am 19. September 1939 wurde das gesamte Friedhofsgrundstück an die Stadt Demmin verkauft und der Friedhof geschlossen. Die am 14. Februar 1940 verstorbene Ida Davidsohn musste im Demminer Waldfriedhof beigesetzt werden.
 
Nach 1945 ist der Friedhof von der Evangelischen Kirchengemeinde erworben und wieder hergerichtet worden. Es sind etwa 30 Grabsteine erhalten. Das Friedhofsgelände ist von einer Feldsteinmauer umgeben und umfasst etwa 10 ar (nach genaueren Angaben 9,19 ar). Eine 1961 angebrachte Gedenkinschrift steht auf der Rückseite des Grabsteines für Rebecka Mannheim mit einem Zitat aus Psalm 122,8. 2011 wurde der Friedhof zuletzt saniert.         
    
   
   
Lage des Friedhofes   
  
Der Friedhof liegt in der Nähe des Bahnhofes an der Bergstraße 5.    

  Lage des jüdischen Friedhofes in Demmin auf dem dortigen Stadtplan:
links anklicken: der Link zeigt die Lage der Bergstraße an;
der jüdische Friedhof ist mit einem "Kreuz" für "Friedhof" markiert

   
  
 
   

Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 5.6.2020)  

     
 Das Eingangstor    Hinweistafel
     
     
 Blick über den Friedhof
vom Eingangsbereich
 
 Grabstein für die (unverheiratete) Rebecka Schöne Mannheim (1.5.1827-22.8.1845)
mit der Inschrift auf der Rückseite:
"Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen" (Psalm 122,8).    
     
     
 Grabstein für Ascher Tobias (gest. 1876) (nur
hebräisch, liegt im Friedhof auf dem Kopf)
 
 Grabstein für Cäcilie Müller
 geb. Cohnheim
(31.10.1828-19.11.1903)
 Grabstein für Henriette Davidsohn
(25.2.1774 Deutsch Crone, 28.4.1864)
     
     
 Grabstein für Stephan Holz
(24.7.1905 - 26.7.1928)
 Grabstein für Bernhard Schleich
(8.5.1843 - 14.6.1897)
 Grabstein für Alex Brotzen
 (22.10.1853 - 12.6.1909)
     
     
Grabstein für Sußmann Davidsohn
 (17.9.1803 - 4.6.1869)  
 Grabstein für Siegmund Davidsohn
(2.6.1851 - 2.2.1910)
 Grabsteine für Löser Davidsohn (gest. 1888) und
Pauline Davidsohn geb. Löwenstein (gest. 1910)
     
     
Grabstein für Johanna Davidsohn geb. Loewe
(gest. 1902) und Hermann Davidsohn (gest. 1917)  
 Grabsteine für Otto Joachimsthal (gest. 1889)
 und Cohn Joachimsthal (gest. 1891)
 Grab für "Religionslehrer" ...
(Name unlesbar)
     
     
 Grabstein für Max Cohnheim
 (5.9.1842 - 4.3.1909)
 Grabstein für Max Lewinsky
 (gest. 1925 oder 1926)
 Grabstein für Julius Hurwitz
(17.12.1847 - 6.12.1912)
     
     
  Grabstein für Moses Mannheim
(gest. 1866)
  
Grabstein für Rebecca Cohnheim
(gest. 1835 oder 1838)
  
 Grabstein rechts für Esther Cohn geb. Lichenheim
aus Dargun (gest. 16.12.1884) und für David Cohn
aus Dt. Crone
(gest. 1.12.1885)
     
     
Grabstein für Julie Davidsohn
geb. Cohnreich
(gest. 1868) 
 Grabstein für Clara Cohn
geb. Joachimsthal
(gest. 1933)
 Grabstein für David Klemann
(gest. ..)
     
       
  Grabstein (abgebrochene Säule - Symbol für zu früh abgebrochenes Leben)
für Jette Cohnheim geb. Nathan (gest. 1858), Emil und Gustav Cohnheim
(gest. 1854), S.A. Cohnheim (gest. 1878)
Grabstein für Elise
Brotzen geb. Sußmann

 (gest. 1916)
 Grabstein für Olga Liebeck
(gest. 1930)
  
     

   
   
Einzelne Presseberichte zum Friedhof     
   

August 2010: 2011 wurde der Friedhof saniert       
Artikel in der "Demminer Zeitung" vom 25. August 2010 (Artikel): "Arbeiten an Grabsteinen. 
Demmin
(TB). Die beschädigten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in der Demminer Bergstraße sollen im kommenden Jahr (sc. 2011) repariert werden. Das kündigte Bürgermeister Ernst Wellmer anlässlich der Übergabe der Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger an. Für die Sanierung werde sich die Stadt mit der jüdischen Gemeinde abstimmen. Finanzielle Unterstützung komme vom Innenministerium, so der Bürgermeister."  
 
November 2019 Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof zum Jahrestag des Novemberpogroms 1938   
Artikel von Denny Kleindienst im "nordkurier.de" vom 10. November 2019: "Kranzniederlegung. Mit Kränzen und Worten ehrt Demmin die Opfer der Reichspogromnacht. Wie in jedem Jahr hat die Hansestadt Demmin am 9. November auf dem Jüdischen Friedhof der Opfern der Reichspogromnacht gedacht.
Demmin.
'Der 9. November ist der Tag des Antirassismus', sagte Demmins Bürgermeister Michael Koch (CDU) und betonte: 'Das Gedenken darf nicht enden.' An diesem nassgrauen Samstagmorgen gedachte die Hansestadt mit einer Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof in der Bergstraße den Opfern der Reichspogromnacht. So wie sie es jedes Jahr zum 9. November tut. Neben dem Bürgermeister waren Vertreter der Stadtverwaltung und aller Fraktionen der Stadtvertretung, der Pastor der evangelischen Gemeinde, Norbert Raasch, sowie einige Bürger aus Demmin und Umgebung gekommen. Insgesamt knapp 30 Leute. Es waren schon weniger da in den vergangenen Jahren. Sie legten Kränze und Blumen nieder, legten Steine auf die Grabsteine und hielten gemeinsam inne. In einer kurzen Rede erinnerte der Bürgermeister daran, dass mit den Novemberpogromen 1938 die Lage der Juden in Deutschland existenzbedrohlich wurde. Die Pogrome, so Koch, waren der Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Vernichtung der Juden. 'Auch in unserer Stadt wurde der jüdische Friedhof verwüstet.' In den Folgetagen habe dann Rosa Lewinski ihr Lebensmittelgeschäft geschlossen. Die jüdische Demminerin konnte noch nach Südafrika auswandern. Andere Demminer Juden wurden von den Nazis deportiert und ermordet. In der Goethestraße und der Frauenstraße erinnern Stolpersteine an Grete Davidsohn, sowie an Arnold und Liesbeth Davidsohn. Auf der Metalltafel an der Mauer des Jüdischen Friedhofs steht: 'Beim Reichspogrom 1938 verwüstet.'
Am Boden liegender Grabstein fällt sofort auf. Das Gedenken hat heute einen festen Platz in Demmin. Doch gibt es auch die andere Seite? Gibt es antisemitische Vorfälle? Auf dem jüdischen Friedhof fällt ein am Boden liegender Grabstein sofort ins Auge. Es ist der Stein, den Alt-Bürgermeister Ernst Wellmer meint, wenn er sagt, dass sich der antisemitische Vorfall auf dem Jüdischen Friedhofs sich nach der Wende nur ein einziges Mal wiederholt hat. Wellmer sagt auch: 'Wir kennen die Täter nicht.' Insofern sei nicht klar, ob dieses Geschehen, das sich in den frühen 90er Jahren ereignet hat, politisch motiviert war. Wellmer zufolge ist es auch schon viele Jahre her, dass nach einer Kranzniederlegung die Kränze in den umliegenden Bäumen hingen. Auch in dem Fall konnte niemand zur Rechenschaft gezogen werden, bleiben die Motive unklar. Klar antisemitisch waren dagegen Schmierereien in der Demminer Goethestraße im August 2010. Nur wenige Tage, bevor dort die Stolpersteine verlegt wurden, wurde ein Davidstern und die Worte 'Jedem das Seine' auf den Gehweg geschmiert, die auch am Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald zu finden sind. Die Polizei hatte die Täter noch in der Nacht in der Nähe des Tatorts festgenommen. In den letzten Jahren sind keine weiteren antisemitischen Vorfälle in Demmin bekannt geworden.
Jüdischer Friedhof wurde 1845 angelegt. Der Jüdische Friedhof in Demmin, der 1845 angelegt wurde und auf dem 1933 die letzte Bestattung stattfand, wurde 2011 in Absprache mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern saniert. 'Wir wollten einen würdigen Anblick', sagt Ernst Wellmer. Der umgestoßene Grabstein wurde liegen gelassen. Denn ein jüdischer Friedhof bleibt im Wesentlichen, wie er ist. Die Juden bezeichnen einen Friedhof auch als 'Haus der Ewigkeit', erklärt der Rostocker Landesrabbiner Yuriy Kadnykov. Wer dort beerdigt ist, habe dort auch 'seine letzte Wohnung'. Es sei daher wichtig, diese Orte zu erhalten. Es sei außerdem wichtig, dass Menschen an die Reichspogromnacht erinnern. Laut dem Landesrabbiner gibt es heute in Demmin zwar keine Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Wenn nun aber die Demminer Bürger das Gedenken übernehmen, 'dann erinnern sie an ihre ehemaligen Mitbürger.'
Link zum Artikel 

    
   
  

Links und Literatur 

Links:  

bullet Website der Hansestadt Demmin    
bulletWebsite "Juden in Mecklenburg" mit Seiten zu Demmin  http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Demmin, zum alten Friedhof http://www.juden-in-mecklenburg.de/Friedhoefe/Alter_Juedischer_Friedhof_Demmin und zum neuen Friedhof: http://www.juden-in-mecklenburg.de/Friedhoefe/Juedischer_Friedhof_Demmin  
bulletPrivatseite mit Informationen und Fotos zum Friedhof   
bulletWikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Demmin)   
bulletDokumentation des Friedhofes bei  http://www.czakai.de/wordpress/judischer-friedhof-demmin/  (mit Lageplan)    

Literatur:   

bulletZeugnisse jüdischer Kultur S. 27-28.  
bulletBrocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 294-295

   
    

                   
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Stand: 30. Juni 2020