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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Bad Teinach (Stadt
Bad Teinach-Zavelstein, Kreis Calw)
Jüdische Geschichte
Übersicht:
Zur jüdischen Geschichte
in Bad Teinach
In Bad Teinach bestand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde.
Dennoch war - seitdem der Ort 1835 "königliches Bad" und von König
Wilhelm I. mit neuem Badehaus, Trinkhalle und einem Badhotel versehen wurde -
Bad Teinach auch für jüdische Personen einer weiteren Umgebung ein beliebter
Kurort. In einem Bericht vom September 1871 (siehe unten) erfährt man, dass im
Sommer dieses Jahres jüdische Personen unter anderem aus Stuttgart, Frankfurt,
Mannheim usw. sich in Bad Teinach zur Kur aufhielten.
Weitere Spuren: Von besonderem Interesse am Ort ist die kabbalistische
Lehrtafel der Prinzessin Antonia Herzogin von Württemberg aus dem 17.
Jahrhundert in der Dreifaltigkeitskirche. Sie ist inhaltlich christlich
geprägt, doch stark von jüdisch-kabbalistischer Mystik beeinflusst. Informationen u.a. über den Wikipedia-Artikel
"Kabbalistische Lehrtafel".
Berichte aus der
jüdischen Geschichte in Bad Teinach
Ein orthodox-jüdischer Kurgast in Bad Teinach kritisiert
die Verhältnisse unter liberalen "Reformjuden" (1862)
Anmerkung: im zweiten Teil des Berichtes erfährt
man von einem jüdischen Mädchen aus Freudental, das in Bad Teinach starb und
dabei nicht die sonst in jüdischen Gemeinden übliche Sterbebegleitung erhielt.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13.
September 1871: "Aus Bad Teinach bei Calw, im August
(1871, Württemberg). An einem der jüngsten Sabbate war es, - wir glauben
Paraschat Ki teze - als Schreiber dieses (Artikels) auf seiner
Durchreise durch Stuttgart die dortige Synagoge besuchte, nicht etwa, um
dort seine Andacht zu verrichten (denn dies war ihm nach seinen früheren
Erfahrungen in anderen Reform-'Synagogen' zum Voraus als unmöglich
erschienen), sondern um sich persönlich davon zu überzeugen, ob auch in
Stuttgart der Synagogenbesuch ebenso schwach sei, wie in anderen
Reformgemeinden, oder ob vielleicht Stuttgart besser als sein Ruf; wir
fanden, was wir gefürchtet oder erwartet hatten: eine verschwindende
Anzahl von talislosen Besuchern und auf der 'Loge' (Empore) einen Kranz
von 'sonntäglich' - wir wollten sagen - sabbatlich geputzten Damen, die
mir der gleichgültigsten Miene dem Orgeltone lauschten, sich nach dem
Kommando von Maier's Gebetbuch erhoben |
und
setzten, im Übrigen aber sich brav ruhig und still verhielten; da und
dort erblickten wir, gleichsam zu Erinnerung, dass wir uns in einem
jüdischen Tempel befanden, einen mit wirklicher Andacht betenden Mann,
der, unbeirrt von dem Rauschen der Orgel und dem Gleichklang des
Chorgesangs, stehend und mit jenem spezifisch jüdischen 'Schütteln' - alle
meine Gebeine werden sprechen: Ewiger, wer ist gleich dir? (Psalm
35,10) - seine Tephillah (Gebet) verrichtete. Nach dem Einheben und dem
Absingen eines 'Chorals' bestieg Kirchenrat Dr. Maier die Kanzel und hielt
eine Rede, in welcher er anknüpfend an den inneren Zusammenhang der drei
ersten Abschnitte der Sidre (Wochenabschnitt der Tora) den
Ausspruch des ... als Text benützte und ihn durch mannigfache Beispiele
schön exemplifizierte. Uns war nur leid, dass nicht die jüdische
Teinacher Badegesellschaft, die größtenteils aus Stuttgartern besteht,
zugegen war; sie hätte n sich vielleicht sonst ihres Gebarens im Bade
Teinach, einem christlichen Dorfe erinnert und wären nachdenklich
geworden wegen des großen sittlichen Zerfalls, der begonnen hat mit
kleinen Übertretungen der Gebote Gottes, dann fortgeschritten ist in der
völligen Missachtung des jüdischen Gesetzes und bereits so sehr jedes
religiöse Gefühl ausgemerkt hat, dass diese Stuttgarter Juden bereits
aufgehört haben, ihre Glaubensgenossen als Mitmenschen zu betrachten;
denn wo in aller Welt hat man schon gehört, dass ein Jude, der zu einem
Sterbenden gerufen wird, sich weigert, diese Liebespflicht zu erfüllen?
Und dies ist geschehen im Bade Teinach. Diese Erfahrung musste ein
Elternpaar aus Freudental machen,
deren Tochter im Bade Teinach ihrem Leiden erlegen ist. Beim
Verscheiden derselben sahen sich die unglücklichen Eltern nach den im
Bade anwesenden Juden um und ließen sie rufen, damit diese mit ihnen
gemeinschaftlich die Sterbegebete verrichteten; es waren Juden da aus Stuttgart,
Frankfurt, Mannheim etc. - aber, mögen sie nun ihre Nerven haben
schonen wollen oder aus irgendwelchem anderen Grunde, es erschien keiner,
und so waren die Eltern allein mit ihrer sterbenden Tochter, die in einem christlichen
Hause krank gelegen hatte. Eigentümlich ist es, dass der Vater des
verstorbenen Mädchens selbst zu den Reformjuden zählt; möge er und
alle, die sich einen Ruhm daraus machen, diesen Namen zu tragen, an diesem
Falle erkennen, wohin diese Reformsucht führt - zur vollständigen
Apathie gegen alles Göttliche und Menschliche; wo die Juden bisher
zusammenwohnten, getreu dem alten Gesetz und der alten Sitte, bildeten sie
gewissermaßen eine Familie, deren Glieder Freud' und Leid
miteinander teilten und in Unglücksfällen sich hilfreich gegenseitig
unterstützten und dies taten sie nicht aus menschlichen
Nebenrücksichten, sondern weil Wohltätigkeit ein göttliches Gebot
ist; erst wenn diese Familienbande sich lösen würden, wurden wir in
Wahrheit im Exil leben, dann erst würde die Diaspora unerträglich
werden und den bestand des Judentums wesentlich in Frage stellen. Hoffen
wir, dass dieser Fall vereinzelt bleiben möge; denn sonst müsste der
fromme Jude, ehe er ins Bad reist, neben den Rücksichten auf den Erfolg
der Kur, auch darauf sehen, ob er dort Glaubensgenossen trifft, die
eintretenden Falls zu Liebesdiensten bereit sind, und es gäbe dann eine
neue Kategorie von Bädern, 'orthodoxe' und 'Reformbäder'; oder man
müsste jüdische Feldbadgeistliche aufstellen, die dem alljährlichen
Heereszuge der badelustigen Judenheit mit in den Kampf folgen und den
Kranken und Sterbenden erforderlichenfalls zur Seite
stehen." |
Fotos
(Quelle: Postkarte aus den 1970er-Jahren;
Dreifaltigkeitskirche Bad Teinach - Führer für Kirche und Lehrtafel. 1981²
s.u. Anhang)
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Die
kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg in der
Dreifaltigkeitskirche zu Teinach mit den
10 Sephiroth oder Abglänzen Gottes. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | siehe Wikipedia-Artikel oben |
 | Dreifaltigkeitskirche Bad Teinach. Führer für Kirche und
Lehrtafel. Hrsg. von der Evang. Kirchengemeinde Bad Teinach 1973. 1981²
(Text: Martin Schüz). |

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