Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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 Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) 
Jüdische Friedhöfe 
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
   
Vgl. u.a. folgende Seiten zur jüdischen Geschichte in Anklam 
-   https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/227-anklam-mecklenburg-vorpommern      
-   Wikipedia-Artikel zum Jüdischen Friedhof Anklam:  https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer_Friedhof_(Anklam)  
-   Petra Klawitter: Jüdisches Leben in anklam - Stolpersteine und ehemalige Synagoge:  http://www.rsg-roev.de/europaschule/kriegsgraeber/anklam2019 
-   Seite zur Einweihung einer Gedenktafel für die Synagoge in Anklam vom 11. April 2019: https://matthias-manthei.de/2019/04/11/gedenktafel-fuer-synagoge-in-anklam/ 
  
Texte zur jüdischen Geschichte in Anklam - Einweihung der Synagoge 1841 - Suche eines Vorbeters 1847 - Konfirmation in der Synagoge 1840      

         
 Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom
12. Juni 1841 zur Einweihung der Synagoge in Anklam   
 
 Artikel in der "AZJ" vom 6. November 1841:
Die Synagoge wurde am Geburtstag
des Königs eingeweiht   
 Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 20. November 1841: weiterer Bericht zur Einweihung
 der Synagoge in Anklam"     
         
       
 Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. März 1847: Ausschreibung der Stelle des Kantors, Schächters und Lehrers in der jüdischen Gemeinde    Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1850
zur "Konfirmationsfeier" in der Synagoge in Anklam durch Lehrer J. Wedell  
  
 

Hinweis: seit April 2019 erinnert am Standort der ehemaligen Synagogein Anklam in der Mägdestraße/Ecke Mauerstraße, eine Gedenktafel an die 1938 zerstörte Synagoge.
Vgl. Presseartikel im "Nordkurier" vom 11. April 2019, eingestellt in: https://matthias-manthei.de/2019/04/11/gedenktafel-fuer-synagoge-in-anklam/    
   
  
   
Zur Geschichte der Friedhöfe   
Vgl. Text der Informationstafel unten.
   
Die seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Anklam entstandene jüdische Gemeinde konnte 1817 einen ersten Friedhof anlegen, der bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts belegt wurde. Von ihm ist nichts mehr erhalten. 1925 wurde der Friedhof von der jüdischen Gemeinde für den Bau einer Nebenstelle der Reichsbank zur Verfügung gestellt. 
   
Um 1850 wurde ein neuer Friedhof am damaligen Stadtrand angelegt, der bis in die NS-Zeit genutzt wurde (1936 letzte Beisetzung), dann jedoch verwüstet wurde. Im August 1940 verkaufte die sich in Auflösung befindliche Synagogengemeinde Anklam das Friedhofsgrundstück für 250 Mark an die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn AG. Im Kaufvertrag wurde zugesichert, dass der Friedhof die nächsten 30 Jahre unverändert erhalten und zugänglich bleiben solle. Trotz dieses Vertrages wurde im August 1944 nach Bombenangriffen Schutt auf dem Friedhofsgrundstück abgelagert. 1948 wurde der Friedhof zumindest teilweise wieder hergestellt. Es sind 32 Grabsteine erhalten.
  
Nach Auskunft von Siegfried Denzel (vom 27.6.2020) ist die noch bis in die 1930er-Jahre vorhandene Friedhofsfläche in der NS-Zeit verkleinert worden, um Platz für eine Wohnsiedlung im Zusammenhang mit dem Aufbau eines "Arado"-Flugzeugwerks in Anklam zu schaffen (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Arado_Flugzeugwerke). Dadurch ist heute ein Teil der dem Friedhof benachbarten Wohngebäude (z.B. Min Hüsung 27) auf ehemaligem Friedhofsgelände.  
   
Eine Gedenkstele des Bildhauers Bruno Giese wurde 1962 aufgestellt mit der Inschrift: "Den jüdischen Opfern des Faschismus zum Gedenken, allen Lebenden zur Mahnung". 
Der Friedhof ist ein geschütztes Baudenkmal.  
 
 
  
Lage der Friedhöfe    
   
Alter Friedhof neben dem alten städtischen Friedhof gegenüber dem Steintor auf dem Großen Wall (Bereich der heutigen Straße "Großer Wall");
Neuer Friedhof
im heutigen Wohngebiet Lilienthalhof/An der Straße "Min Hüsung".  

  Lage des (neuen) jüdischen Friedhofes in Anklam auf dem dortigen Stadtplan:
links anklicken: der Link zeigt die Lage des jüdischen Friedhof an; 
oder unter "Einrichtungen" weiterklicken zu "Friedhof, jüdisch"

   
   
   

Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 3. Juni 2020)  

     
 Blick auf den Friedhof  Blick über den Friedhof  Das Eingangstor
     
     
 Links Denkmal mit der Inschrift: "Den jüdischen Opfern des Faschismus zum Gedenken - Allen Lebenden zur Mahnung"; Mitte und rechts Teilansichten des Friedhofes 
     
     
 Grabstein für Rosalie Eppenstein geb. Meyer
 (6.4.1830 - 11.8.1913)
Grabstein für Laurach Topprich geb. Wertheim
(17.2.1824 - 19.10.1880)  
 Grabsteine für Louis Wronker (26.3.1826 - 27.4.1887)
 und Sara Wronker geb. Gerling (19.3.1836 - 24.2.1902) 
     
     
 Grabstein für Ottilie Wronker
(16.6.1871 - 27.12.1896)
 
 Grabstein für Jehuda Bar Awraham HaKohen
mit segnenden Händen der Kohanim und
seine Frau Feine Bat Jaakow 
Grabstein für Julius (?) Teppich (1812 - 21.1.1890)
und Fanny Teppich geb. Kohnke
(9.1.1822 - 21. .. 1889) 
     
     
 Grabstein für Max Cohn (25.11.1846 - 1.9.1908)
und Bertha Cohn geb. Philipp
(30.6.1849 - 26.3.1918)
 Grabstein für Joseph Philipp (30.8.1843 -
10.4.1907) und Bertha Philipp geb. Wolfleff
(6.8.1844 - 13.5.1824)
 Grabstein für Isidor Wagner (3.10.1855 -
 19.10.1916) und Bertha Wagner geb. Graetzer
(27.3.1855 - 20.1.1940)
     
     
 Grabstein für Eduard Neumann (7.9.1851 -
29.1.1907) und Hedwig Neumann geb. Goldfeder
 
(11.9.1857 - 4.1.1936) mit Gedenkinschrift für die im
 Ersten Weltkrieg gefallenen Willi und Adolf Neumann 
 Grabstein für Walter Silbermann
(22.8.1884 - 11.7.1905)
 
   
 Grabstein für Olga Hirschberg
 (24.10.1888 - 12.5.1900)
 
   
     
     
Grabstein für Bernhard Löwenthal (27.4.1851 -
 17.4.1899) und Veilchen Löwenthal
geb. Schweriner
(1.10.1858 - 1.6.1896)
Grabstein für Clara Schweriner geb.
Löwenthal
(4.8.1861 - 26.12.1919) und Louis
 Schweriner
(4.11.1859 - 26.7.1936) 
Grabstein für Georg Markus
(7.12.1881 - 22.2.1923)
  
       
     
Grabstein für Julius Neumann
(6.2.1877 - 31.8.1926)
 Grabstein für Hermann Silbermann
(3.1.1856 - 13.10.1931)   
 
     
     
 Informationstafeln am Friedhof mit Hinweistexte in deutscher, englischer, polnischer und schwedischer Sprache. Der Text in deutsch: "Jüdischer Friedhof Anklam. Anfang des 19. Jahrhunderts siedelten sich wieder Juden in Anklam an. Bereits 1817 entstand der erste jüdische Friedhof neben dem alten städtischen Friedhof gegenüber dem Steintor. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Friedhöfe aus Platzmangel an den Stadtrand verlegt. Der jüdische Friedhof kam um 1850 nach Min Hüsung, seinem heutigen Standort. Damals lebten in Anklam etwa 300 jüdische Bürger. Einer der ältesten noch vorhandenen Grabsteine ist der von Laura Teppich geb. Wertheim. sie ist die Tochter von Joseph Lewin Wertheim, der ein geschäft in der Steinstraße 2 in Anklam hatte und die Schwester von Theodor und Abraham Wertheim, den Begründern des Kaufhausunternehmens Wertheim. Die letzten beisetzungen erfolgten 1936. Der Grabstein des Kaufmanns Louis Schweriner vom 26.07.1936 verweist auf die letzte Beerdigung. Ihm gehörte über drei Jahrzehnte das Geschäft Steinstraße 2, ehemals Wertheim. Zuletzt wohnte er am Marienkirchplatz 4.
Durch den stärker werdenden Terror der Nationalsozialisten gegen die Juden verließen immer mehr jüdische Bürger die Stadt und versuchen in Großstädten wie Stettin und Berlin unterzutauchen. In der Nacht vom 11. zum 12. Februar 1940 wurden dann die letzten Anklamer Juden aus ihren Wohnungen abgeholt und zum Güterbahnhof nach Stettin gebracht. Von dort wurden sie in einem Güterzug bei eisiger Kälte ins Ghetto Piaski bei Lublin deportiert.
Mit einem sonderbaren Kaufvertrag, Generaldirektor Witthöft kaufte für die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn AG (MPSB) im August 1940 für 250 RM den Friedhof auf, wurde vereinbart, den Friedhof dreißig Jahre im derzeitigen Zustand liegen zu lassen und nicht zu bebauen. Angehörigen der dort Beerdigten wurde das Betreten des Friedhofes auch dann gestattet, wenn sie nicht mehr in Anklam wohnten, Damit war klar, dass es dem edlen Kufer lediglich darum ging, den Friedhof zu erhalten.
nach den Luftangriffen wurde der jüdische Friedhof 1944 als Schuttplatz verwendet. Auf ihn wurde Bauschutt von den Arado-Werken und von Bahnanlagen verbracht. 
Nach dem Krieg wurde der jüdische Friedhof 1938 an die jüdische Landesgemeinde zurück übergeben. Anfang der 1950er-Jahre beseitigte man den Bauschutt und richtete die 33 Grabsteine wieder auf. Eine Gedenkstele, geschaffen vom Anklamer Bildhauer Bruno Giese, erinnert seitdem an das Schicksal jüdischer Bürger in Anklam.  
Heute ist der jüdische Friedhof vor allem ein Ort des Gedenkens und der Mahnung." 

   
   
Einzelne Presseberichte zum Friedhof     
Schändung des Friedhofes im Juli 2012 

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 2012 wurden auf dem jüdischen Friedhof 15 Grabsteine umgeworfen und teilweise zerstört. Sieben Grabsteine wurden von den Sockeln gestoßen, acht Steine mit Sockel aus der Erdverankerung gelöst und umgestoßen. 
Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe und der Sachbeschädigung wurden durch die Kriminalpolizeiinspektion Anklam aufgenommen. 
Die Polizei erbittet Hinweise unter 0395 / 5582-223. Link zur Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Neubrandenburg
Für Hinweise auf den Täter wurde von der Stadt Anklam eine Belohnung von 300 € in Aussicht gestellt.       
Presseartikel
Artikel von Torsten Heil und Katja Müller im "Nordkurier" vom 17. Juli 2012: "Schock in Anklam. Jüdischer Friedhof geschändet...
Link zum Artikel   
Artikel in der "Ostsee-Zeitung" vom 17. Juli 2012 (dpa): "Grabsteine auf jüdischem Friedhof umgestoßen..."  
Link zum Artikel    
 

    
   
  

Links und Literatur 

Links:  

bulletWebsite der Hansestadt Anklam 
bulletNähere Informationen und Fotos siehe beim Projekt der FH Neubrandenburg: hier anklicken  
bulletInformationsseite zur jüdischen Geschichte von Anklam mit Fotos auf der Website des Vereins Land und Leute e.V. (unter Projekte): hier anklicken  
bullet Wikipedia-Artikel "Jüdischer Friedhof (Anklam)    

Literatur:   

bulletZeugnisse jüdischer Kultur S. 23.
bulletBrocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 230-231
bulletWolfgang Wilhelmus: Juden in Vorpommern. Reihe: Beiträge zur Geschichte Mecklenburg-Vorpommern Nr. 8. Schwerin 2007. Hrgs. Friedrich-Ebert-Stiftung Schwerin. 144 S.
(Online zugänglich  https://library.fes.de/pdf-files/bueros/schwerin/05396.pdf bzw. eingestellte pdf-Datei)   

   
    

                   
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Stand: 30. Juni 2020