Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Weisbach bestand eine kleine jüdische Gemeinde im 19.
Jahrhundert. Sie wurde nach Angaben bei Schwierz (s.Lit.) um 1900 aufgelöst,
"da nur noch ein oder zwei jüdische Familien in Weisbach
wohnten". Ob es sich zu irgendeinem Zeitpunkt jedoch um eine selbständige
Gemeinde gehandelt hat, ist fraglich. 1925 gehörten die in Weisbach noch
lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Oberelsbach.
Möglicherweise haben auch bereits im ganzen 19. Jahrhunderts die in Weisbach
lebenden Juden zur Oberelsbacher Gemeinde gehört; 1869 hatten die Weisbacher
und Oberelsbacher Juden mit S. Blum einen gemeinsamen jüdischen Lehrer, der
damals 22 jüdischen Kinder aus den beiden Orten den Religionsunterricht
erteilte (Angaben von Elisabeth Böhrer nach Dokumenten des Staatsarchives
Würzburg).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1831 18 jüdische Einwohner (von insgesamt 640 Einwohnern), 1897 13 (von
608). Diese Angaben sind einer Abschrift der Weisbacher Chronik von Pfarrer
Dr. Ignaz Wohlfahrt entnommen.
Weiterer Hinweis: 1869 hatten Weisbach und Oberelsbach zusammen 72 jüdische
Einwohner; 1871 hatte Oberelsbach alleine 57 jüdische Einwohner. So gab es auch
um 1870 in Weisbach nur etwa 15 jüdische Einwohner (Angaben von E. Böhrer).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Weisbach auf
insgesamt drei Matrikelstellen die folgenden jüdischen
Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Aron Wolf
Schloss (Viehhandel und Schmusen), Isaac Samuel Goldvogel (Schmusen),
Mardocheus Samuel Lichtstern (Viehhandel und Schmusen). Bei den drei genannten
Familien blieb es bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Damals waren es die
Familien von Hirsch Schloß (mit Frau Ella geb. Pelzfreund; Haus in der
Raiffeisenstraße), Isaak Goldvogel (Viehhändler, Haus Rhönbergstraße 4,
genannt "Itzig-Haus") sowie Salomon Lichtstern (Haus Rhönbergstraße
31; koschere Metzgerei mit Viehhandel; ausführliche Angaben zu Familie
Lichtstern und zum Haus Lichtstern in der Publikation "Geheimnisvolle
Masken...").
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde nach Angaben bei Schwierz
(s.Lit.) "nachweislich einen Betsaal, der jedoch schon lange nicht mehr
benutzt und daher verkauft worden war. Der genaue Standort dieses Betsaales
konnte trotz intensivster Nachforschungen nicht ermittelt werden. Er war selbst
den ältesten Einwohnern des Ortes nicht mehr bekannt, jedoch wussten sie
definitiv, dass ein solcher 'einst hier am Ort existiert hatte." Das
Vorhandensein eines Betsaales, der sogenannten "Judenschule" wird in
der Publikation "Geheimnisvolle Masken" (S. 139) bestätigt. Nach
mündlicher Überlieferung war der Betsaal im ersten Stockwerk des
Gebäudes Raiffeisenstraße 3. Den Zugang bildete eine - nicht mehr vorhandene - eiserne
Feuertreppe an der Rückseite des Gebäudes. Die Kinder
der jüdischen Familien wurden durch den Oberelsbacher
jüdischen Lehrer unterrichtet. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen
Friedhof in Neustädtles beigesetzt.
Von den in Weisbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): es werden in den
angegebenen Listen keine Personen zu Weisbach genannt.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde