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Zurück zur Übersicht: "Jüdische
Friedhöfe in der Region"
Zusammenstellung:
Jüdische KZ-Friedhöfe in Baden-Württemberg
Tailfingen (Gemeinde
Gäufelden, Kreis Böblingen)
beziehungsweise Hailfingen (Stadt Rottenburg am Neckar, Kreis Tübingen)
KZ-Friedhof in Tailfingen
(erstellt unter Mitarbeit von Volker Mall)
Hinweis: Die KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen
hat eine eigene Website: www.kz-gedenkstaette-hailfingen-tailfingen.de
Übersicht:
Zur Geschichte des Außenkommandos
Hailfingen des KZ Natzweiler/Elsaß
Auf den Gemarkungen (Gäufelden-)Tailfingen, (Rottenburg-)Hailfingen
und Bondorf bestand von 1938 bis 1945 ein Nachtjägerflugplatz. Zur Instandsetzung und
Erweiterung des Flugplatzes war ihm von November 1944 bis zur Evakuierung
Februar 1945 ein Außenkommando des Konzentrationslagers Natzweiler/Elsaß
angeschlossen. Hierher wurden aus dem Konzentrationslager Stutthof bei Danzig 600 jüdische Häftlinge verlegt, die
zur Zwangsarbeit unter katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen
verpflichtet waren. Die Häftlinge waren in einer Flugzeughalle auf dem
Flugplatz untergebracht. Zur Arbeit gehörten der Bau und die Ausbesserung der
Start- und Landebahn, Straßen- und Gleisbau, die Errichtung von Hallen sowie die Arbeit in
nahegelegenen Steinbrüchen. Die Häftlinge schliefen in einer umzäunten
Flugzeughalle. Es gab unzulängliche sanitäre Einrichtungen und keine
ärztliche Versorgung. Die meisten Häftlinge starben an den Folgen der schweren
Arbeit, der Unterernährung, der Kälte und an Krankheiten. Nachgewiesen ist der
Tod von 186 Häftlingen. Die Toten wurden anfangs ins Krematorium nach Reutlingen
gebracht, später auf dem Flughafengelände verscharrt.
Nach Kriegsende wurden
aus einem Massengrab 74 Leichen geborgen und auf dem örtlichen
Friedhof in Tailfingen beigesetzt (siehe unten). 111 der Häftlinge waren noch während der
KZ-Zeit in das KZ-Außenlager Vaihingen/Enz gebracht worden. Mitte Februar 1945
wurde der größte Teil von etwa 100 Gefangenen in das Außenlager Dautmergen
überstellt, weitere nach Dachau.
Alle Gebäude des ehemaligen KZ-Geländes wurden in den Jahren nach 1945 abgeräumt; einzelne Spuren sind
noch erkennbar. Das Gelände steht inzwischen unter Denkmalschutz. Die Start- und
Landebahn ist als "Geschützter Grünbestand" ausgewiesen und mit Wald
bedeckt.
Link zum Beitrag
von Volker Mall /Harald Roth: Das KZ Außenlager auf dem Nachtjägerflug
Hailfingen / Tailfingen
english (Translation by Christof Baumann): Volker Mall / Harald
Roth: The KZ-Außenlager (subcamp) at the Night-Fighter Airbase Hailfingen /
Tailfingen
Zur Geschichte der Gedenkstätte und der Ausstellung
2007 beschloss die Gemeinde Gäufelden die Errichtung einer Dauerausstellung im
Rathaus Tailfingen und die Stadt Rothenburg am Neckar die Errichtung eines
Mahnmals auf dem Flugplatzgelände. Am 6. Juni 2010 wurden die
Dauerausstellung im Rathaus Tailfingen und die Gedenkstätte
KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen eingeweiht.
Die KZ Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen am westlichen Ende der
ehemaligen Start- und Landebahn wurde von der Stadt Rottenburg am Neckar und der
Gemeinde Gäufelden geschaffen. Mit einem Mahnmal des Ellwanger Künstlers
Rudolf Kurz wird an die 600 KZ-Insassen erinnert.
Fotos
der Gedenkstätte und der Ausstellung
(Fotos: Hahn; alle Fotos erstellt am Tag der Einweihung - 6. Juni
2010)
Im Bereich der Gedenkstätte:
die seit 1986
vorhandene
Hinweistafel |
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Neben
der seit 1986 am westlichen Ende der ehemaligen Start- und Landebahn
vorhandenen Hinweistafel wurde die neue Gedenkstätte angelegt |
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Die Feier zur
Einweihung der
Gedenkstätte am 6. Juni 2010 |
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Zahlreiche
Interessierte waren der Einladung gefolgt |
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Mordechai
Ciechanower - Überlebender
des Lagers spricht und singt jiddische
und hebräische Lied |
Landesrabbiner
Netanel Wurmser bei seiner
Ansprache, die vom Gebet des Psalms 16 und
dem
Totengebet (Kaddisch) umrahmt war |
An dem durch den
Künstler Rudolf Kurz
(Ellwangen) gestalteten Mahnmal |
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| Blick
auf die Skulptur von über 15.000 Stäben aus Aluminium, dahinter die
Beton-Wand. Gedanken
zur künstlerischen Gestaltung. |
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Namen der KZ-Häftlinge
auf dem Mahnmal |
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Erläuterungen
für Besucher
der Gedenkstätte |
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Hinweistafel |
Neuer Lageplan |
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Die Ausstellung
im
Rathaus Tailfingen |
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Das
Rathaus Tailfingen, in dem sich im
Erdgeschoss die Ausstellung befindet |
Hinweistafel am
Rathaus |
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| Eingang zur
Ausstellung mit Hinweistafel |
Zeitschiene
vom Beginn der NS-Zeit bis zur Einrichtung der Gedenkstätte 2010 |
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Schilderungen
von überlebenden KZ-Häftlingen über Monitore |
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US-Luftbild
des Bereiches Hailfingen - Tailfingen
mit dem Flughafen und dem Lager im
April 1945 |
Aus
der Geschichte der Bemühungen
um die Einrichtung einer Gedenkstätte |
Namensgedenkbuch |
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Lage der Gedenkstätte am Ende der heute bewaldeten
ehemaligen Startbahn
Link zu den Google-Maps - Markierung der Lage der Gedenkstätte durch den
grünen Pfeil:
Größere Kartenansicht
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| Januar 2011:
Zum Holocaust-Gedenktag besucht
der evangelische Landesbischof D. Frank-Otfried July die
Gedenkstätte |
Foto links: Kranz
des Landesbischofs am Mahnmal.
Pressemitteilung der Evangelischen Landeskirche Württemberg (Dan Peter) vom 28. Januar
2011 (Artikel):
"Wir können nur nach Morgen sehen, wenn wir das Gestern nicht vergessen"
Landesbischof Frank O. July gedachte der Opfer des KZ-Außenlagers Hailfingen/Tailfingen
Stuttgart/ Gäufelden/ Rottenburg. "Die Menschen müssen den Anfängen wehren, wenn andere ausgegrenzt werden", sagte Landesbischof Frank Otfried July gestern, 27. Januar, an der KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen. Der Bischof hatte am internationalen Holocaust-Gedenktag die Gedenkstätte besucht. Ein Gedenkstein erinnert an die Namen aller dort Inhaftierten.
'Wo Namen sind, geht es um den Einzelnen und seine Lebensgeschichte' so der Bischof, sie würden damit der Vergessenheit entrissen.
Das KZ Hailfingen/Tailfingen war ein bei Gäufelden-Tailfingen gelegenes Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler/Struthof im Elsass. Zwischen November 1944 und Februar 1945 waren dort 600 Juden inhaftiert, von denen mindestens 186 starben. Die Aufgabe der KZ-Häftlinge bestand in erster Linie darin, den Nachtjägerflugplatz Hailfingen auszubauen.
Mitte Februar 1945 wurden mit dem Näherrücken der Alliierten die Bauarbeiten abgebrochen und der Platz geräumt. Ein Häftlingstransport ging nach Vaihingen/Enz. Mindestens 48 der 111 Häftlinge, die am 13. Februar 1945 dorthin transportiert wurden, starben. Ein letzter Transport verließ Hailfingen am 14. Februar 1945. Die bis dahin in Hailfingen gebliebenen 296 Häftlinge wurden nach Dautmergen deportiert; von ihnen starben dort nachweislich neun. Ein Gedenkstein auf dem Tailfinger Friedhof erinnert an Häftlinge, die man 1945 in einem Massengrab auf dem Flugplatz gefunden hatte. Sie wurden auf den Friedhof überführt.
Nach Angaben der Verantwortlichen haben mehr als 1.500 Interessierte die Gedenkstätte seit ihrer Eröffnung im Juni 2010 besucht. In Hailfingen erinnern zudem Tafeln und ein Gedenkpfad an das Lager. Oberhalb des Dokumentationsraumes in Tailfingen gibt es einen Seminarraum vor allem für Schulklassen, der von der lokalen Sektion
'Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.' eingerichtet wurde." |
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Zur Geschichte des
KZ-Friedhofes in Tailfingen
Anfang Juni 1945 wurden unter Aufsicht der französischen
Militärverwaltung die Toten eines Massengrabes am Flugplatzgelände geborgen.
Männer und Frauen aus Tailfingen, Hailfingen, Oberndorf und Bondorf mussten die Toten ausgraben und in
Särge legen. Die Einwohnerschaft von Hailfingen und Bondorf, aber auch aus
anderen Ortschaften wurde zum Flugplatzgelände geführt und mit den exhumierten
KZ-Häftlingen konfrontiert. Ein französischer Soldat erläuterte den Gruppen
von etwa 50 Personen, wie die Toten vermutlich ums Leben gekommen waren: einige
waren lebendig begraben worden, einige andere trugen Strangulationsspuren durch
Erhängen oder Erwürgen. Am Sonntag, 3. Juni 1945 wurden die Särge auf mehrere
Militärlastwagen geladen und im Trauerzug, begleitet von einer militärischen
Ehrenwache, durch den Ort zum Tailfinger Friedhof gefahren. Die Bevölkerung
hatte zur Ehrung der Toten Spalier zu stehen.
1986 ist die Grabstätte auf dem Tailfinger Friedhof neu gestaltet und mit Gedenksteinen versehen
worden.
Lage des Friedhofes
Innerhalb des
Ortsfriedhofes in Tailfingen
Link zu den Google-Maps
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)
Größere Kartenansicht
Fotos des Friedhofes
2. Juni 1945: Die Toten des
Massengrabes werden geborgen
(Quelle Wein usw. s. Lit. S. 150-151) |
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Der KZ-Friedhof
innerhalb des Tailfinger Ortsfriedhofes
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.2.2008) |
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"Hier ruhen 72 unbekannte
KZ-Häftlinge"
- Inschrift des Holzkreuzes |
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| Blick auf das mit
einer Hecke eingefriedete Gräberfeld |
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"Den Opfern des 3.
Reiches
zum Gedenken - den Lebenden
zur Mahnung" |
hebräisches und deutsches Zitat
aus
Psalm 1,6: "Denn der Herr kennt den
Weg der Gerechten. Doch der
Weg der
Sünder führt in den Abgrund." |
Einziger namentlicher
Grabstein
für Ignaz (Jizchak ben Jaakow) Klein
(1895-1945) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Dorothee
Wein / Volker Mall / Harald Roth: Spuren von Auschwitz
ins Gäu. Das KZ-Außenlager Hailfingen / Tailfingen. Hg. vom Verein Gegen
Vergessen für Demokratie e.V. Sektion Böblingen / Herrenberg / Tübingen.
Markstein Verlag für Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Filderstadt 2007.
ISBN 13 978-3-935129-31-2. Das Buch enthält weitere
Literaturangaben.
Das Buch ist zum Preis von 12,00 € nur noch erhältlich bei der Sprecherin
der Sektion Böblingen-Herrenberg-Tübingen im Verein Gegen Vergessen - Für
Demokratie e.V. (www.gegen-vergessen.de):
Birgit Kipfer Krebsbachstr. 34 71116 Gärtringen Tel.:
07034/929683 Fax 07034/929685 E-Mail
bzw. kipfer.rohrau[et]t-online.de |
 | Volker Mall / Harald Roth: "Jeder Mensch
hat einen Namen" - Gedenkbuch für die 600 jüdischen Häftlinge des
KZ-Außenlagers Hailfingen/Tailfingen. Berlin 2009. |
 | David
A. Adler: David A. Adler: Froim – der Junge aus dem Warschauer Ghetto
Illustrationen von Karen Ritz
Hrsg.: Gegen Vergessen-Für Demokratie e.V., Sektion Böblingen-Herrenberg-Tübingen
Übersetzung: Birgit und Heribert Kipfer - Bearbeitung: Volker Mall und Harald
Roth
Berlin, Metropol 2011
(Englisches Original: David A. Adler, Karen Ritz: "Child of the Warsaw
Ghetto",
Holiday House, USA 1995, ISBN 0-8234-1160-5). Preis 12,- €.
Dieses Kinder- und Jugendbuch enthält in kindgerechter Sprache, illustriert mit fein gezeichneten Bildern, die authentische Kindheitsgeschichte von Erwin/Froim Baum. Erwin Baum wurde am 15. April 1926 als jüngstes von sieben Kindern einer armen Familie in Warschau geboren. Nachdem sein Vater gestorben war, wurde er 1939 in das Waisenhaus von Janus Korczak gebracht. Im Oktober 1940 musste er mit seiner Familie ins Warschauer Ghetto und wurde Ende 1942 nach Auschwitz transportiert. Im Herbst 1944 kam er über Stutthof in das KZ-Außenlager
Hailfingen. In Dachau wurde er von den Amerikanern befreit. 1948 nach Israel ausgewandert ging er 1951 nach Kanada und später in die USA.
Die Sektion Böblingen/Herrenberg/Tübingen von Gegen Vergessen-Für Demokratie erforscht seit mehr als zehn Jahren die Geschichte des KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen. Inzwischen ist durch die Arbeit von GV/FD eine Gedenkstätte (Gäufelden-Tailfingen, Landkreis Böblingen) und ein Mahnmal (Rottenburg-Hailfingen, Landkreis Tübingen) entstanden. Seit der Eröffnung im Juni 2010 gab es über 3000 Besucher und über 40 Schulklassen. Jugend-Guides wurden ausgebildet, die Jugendgruppen und Schulklassen über die regionalen Geschichte im Nationalsozialismus und die Verbrechen
"vor der Haustür" unterrichten.
David Abraham Adler (geboren 10.4.1947 in New York City) hat über 200 Kinderbücher und Bücher für Jugendliche geschrieben, darunter die Serien
"Cam Jansen" und "Picture Book of..." und einige Bücher über den Holocaust, darunter z.B. A Hero and the Holocaust: The Story of Janusz and His Children und zusammen mit Karen Ritz A Picture Book of Anne Frank.
Die Illustratorin Karen Ritz hat über 45 Kinderbücher illustriert. Sie lebt in St. Paul, Minnesota.
Infos: http://www.kz-gedenkstaette-hailfingen-tailfingen.de/php/kzht.ar.ju.bau.php
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