Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sarre-Union (Saar-Union, Saar Buckenheim) (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Cimetière juif / Jüdischer Friedhof
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde             
    
Siehe Seite zur Synagoge in Sarre-Union (interner Link) 
     
     
Zur Geschichte des Friedhofes   
    
Der jüdische Friedhof in Sarre-Union wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt. Er wird bis zur Gegenwart von den in Sarre-Union und Umgebungen lebenden jüdischen Familien belegt. 
     
Der Friedhof wurde mehrfach schwer geschändet. 1988 wurden 60 Grabsteine umgeworfen, 2001 wurden 54 Gräber verwüstet. Die schlimmste Schändung ereignete sich im Februar 2015, als etwa 250 Gräber verwüstet wurden (siehe nachfolgende Presseberichte)  
   

Februar 2015: Schwere Schändung des jüdischen Friedhofes    
Pressemitteilung (AFP/dpa) vom 15. Februar 2015: "Mehrere hundert Gräber auf jüdischem Friedhof geschändet
In Sarre-Union im Osten Frankreichs ist ein jüdischer Friedhof geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister mit. Seit Jahren nehmen in dem Land antisemitische Übergriffe zu.
Sarre-Union
- Auf einem jüdischen Friedhof im Osten Frankreichs sind mehrere hundert Gräber geschändet worden. Das teilte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve mit.
Laut Cazeneuve ereignete sich der Vorfall in der Ortschaft Sarre-Union im Verwaltungsgebiet Bas-Rhin, in der Region Elsass. Cazeneuve verurteilte "diese abscheuliche Tat" aufs Schärfste. Und weiter: "Die Republik wird diese neue Verletzung der von den Franzosen geteilten Werte nicht tolerieren." Genauere Angaben zu der Tat machte er nicht.
Premierminister Manuel Valls bezeichnete die Tat auf Twitter als "antisemitisch" und "schändlich". Auch Präsident Hollande verurteilte die Tat laut einer Erklärung des Elysée-Palastes aufs Schärfste.
Rund 600.000 Juden leben in Frankreich. Judenfeindliche Angriffe haben in dem Land in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2014 wurden doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Vorjahr registriert. Bei einem Angriff auf einen jüdischen Supermarkt in Paris hatte ein radikaler Islamist Anfang Januar vier Juden getötet - die Tat ereignete sich einen Tag nach dem tödlichen Angriff auf diefranzösische Satirezeitung "Charlie Hebdo". Im März 2012 hatte ein Islamist eine jüdische Schule im südfranzösischen Toulouse angegriffen und dabei drei Schüler und einen Lehrer erschossen.
Der Friedhof in Sarre-Union war bereits in der Vergangenheit Ziel von Grabschändern gewesen. 1988 wurden rund 60 Stelen umgeworfen, im Jahr 2001 wurden 54 Gräber verwüstet." 
eth/AFP/dpa"   
 
Französische Pressemitteilung: "Sarre-Union : Plus de 200 tombes juives saccagées
Plusieurs centaines de tombes ont été profanées au cimetière juif de Sarre-Union, dans le Bas-Rhin. Le ministre de l'Intérieur, qui a révélé ce soir l'information, évoque un "acte odieux" et une "ignominie". "La République ne tolérera pas cette nouvelle blessure qui meurtrit les valeurs que tous les Français ont en partage", a déclaré Bernard Cazeneuve.
Le ministre a précisé qu'une équipe de techniciens de l'identité criminelle procédait sur place aux relevés nécessaires. Les résultats sont attendus dans la nuit afin notamment de déterminer quand les faits se sont déroulés. "Tout sera mis en œuvre pour identifier, interpeller et déférer à la justice le ou les auteurs de cette ignominie", a encore assuré Bernard Cazeneuve.
Au moins la moitié des 400 sépultures que compte le cimetière ont été mises à terre. Une colonne et un monument dédiés aux victimes de la Shoah ont été saccagés."   
 
Video zur Schändunghttp://www.stern.de/panorama/frankreich-hunderte-graeber-wurden-auf-juedischem-friedhof-geschaendet-2173938.html  
 
Fünf Jugendliche wurden festgenommen   
Pressemitteilung vom 17. Februar 2015 (dpa): "Fünf Jugendliche nach Grabschändung in Ostfrankreich festgenommen
Die Schändung eines Friedhofs hat die jüdische Gemeinde in Frankreich erneut in Schrecken versetzt. Die Polizei nimmt fünf verdächtige Jugendliche fest. Einer von ihnen stellt sich. Die Verdächtigen bestreiten antisemitische Motive.
Nach der Schändung jüdischer Gräber auf einem Friedhof im ostfranzösischen Sarre-Union haben Ermittler fünf Jugendliche festgenommen. Die mutmaßlichen Täter seien zwischen 15 und 17 Jahre alt, sagte Staatsanwalt Philippe Vannier am Montag in Saverne westlich von Straßburg. Einer der Jugendlichen habe sich am Morgen gestellt. Er soll auch die anderen Verdächtigen belastet haben. Alle fünf Jugendlichen stammen laut Staatsanwalt aus der elsässischen Region, auch ihre Familien sind aus der Gegend. Zum Hintergrund konnte Vannier noch keine Angaben machen, die Verdächtigen sollen antisemitische Motive ausgeschlossen haben. Insgesamt wurden 250 Gräber geschändet. Überwiegend seien Grabsteine umgeworfen oder beschädigt worden, berichtete der Staatsanwalt. Auch ein Denkmal für die Opfer des Holocausts am Eingang des Friedhofs sei beschädigt worden..."  
 
September 2017: Die Jugendlichen wurden zu Bewährungsstrafen und Arbeitsstunden verurteilt.   
Artikel von Bärbel Nückles in der "Badischen Zeitung" vom 17. September 2017: 
Jugendliche Friedhofsschänder im Elsass verurteilt (veröffentlicht am So, 17. September 2017 08:58 Uhr auf badische-zeitung.de)    
"250 Gräber verwüstet - Jugendliche Friedhofsschänder im Elsass verurteilt
Nach der Schändung des jüdischen Friedhofs von Sarre-Union im Elsass verurteilt ein Jugendgericht die fünf Täter zu Bewährungsstrafen und Arbeitsstunden
So recht klar geworden ist es anscheinend nicht, was die jungen Leute tatsächlich angetrieben hat, als sie im Februar 2015 auf dem jüdischen Friedhof von Sarre-Union, einem Dorf im Norden des Elsass, 250 Gräber zum Teil regelrecht verwüsteten. Auch ein Mahnmal für die Opfer des Holocaust verschonten sie nicht.
Fragen konnten nicht geklärt werden. Zwei Tage lang standen die fünf jungen Männer, zum Tatzeitpunkt zwischen 15 und 17 Jahre alt, nun in Saverne vor dem Jugendrichter. Sie sollten Rede und Antwort stehen. Angehörige, deren Familienmitglieder auf dem Friedhof von Sarre-Union begraben sind, hatten sich Anteilnahme, erhellende Aussagen, eben Antworten erhofft. Nach allem, was nach draußen gedrungen ist, von diesem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bleibt für die betroffenen Angehörigen der bittere Eindruck, dass da fünf Jugendliche mehr oder weniger geplant - auch Langeweile soll eine Rolle gespielt haben - losgezogen waren und auf einem jüdischen, abseits gelegenen Friedhof unbemerkt stundenlang gewütet haben. Sie beschmierten die Grabstelen nicht mit Naziparolen, gleichwohl sprachen sie diese aus; so haben sie es selbst geschildert in ihren Geständnissen nach der Festnahme damals.
Bewährungsstrafen und Arbeitsstunden. Das Gericht hat sie am Ende des zweitägigen Prozesses zu Bewährungsstrafen von acht und 18 Monaten sowie in drei Fällen zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt. Alle fünf müssen jeweils 140 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Beobachter bewerten das Urteil als milde und pädagogisch. Das Gericht hat sich an den Rahmen gehalten, den die Staatsanwaltschaft vorgeben hatte.
Für Staatsanwalt Philippe Vannier war schon früh klar, dass die jungen Leute sehr wohl wussten, dass sie sich auf einem jüdischen Friedhof befanden. Wenn also die Verteidigung einen reflektiert antisemitischen Hintergrund zu entkräften versuchte, so fanden sich zumindest bei einzelnen in den sozialen Netzwerken Äußerungen, die, zwar wirr und diffus, aber doch nahelegten, dass rassistische Einflüsse im Spiel waren. Die Verteidigung verfolgte dennoch die Strategie, die fünf seien sich der Tragweite ihres Vergehens nicht bewusst gewesen.
Für die Nebenkläger handelte es sich dabei um wenig glaubwürdige Erklärungsversuche. "Sie wollen heute anerkennen, dass sie andere mit ihrer Tat verletzt haben", sagte Samuel Thomas fassungslos, "erklären gleichzeitig aber, dass ihr Handeln für sie nur so etwas wie schwarzer Humor war."
Olivier Charles, Verteidiger jenes Jugendlichen, der sich am Tag nach Entdeckung der Tat gestellt hatte, brachte für seinen Mandanten in die Waagschale, er habe seit der Tat eine positive Entwicklung zurückgelegt, sich schriftlich bei der jüdischen Gemeinde entschuldigt und eine Ausbildung begonnen. Die Gruppe der bis dahin unauffälligen jungen Männer habe sich damals in ein Rollenspiel, gleichwohl von extrem schlechtem Geschmack hineingesteigert. Raphaël Nisand hält als Anwalt des jüdischen Konsistoriums, einem Nebenkläger, dagegen: "Man nimmt sich nicht grundlos so viel Zeit, um einen Schaden von solchem Ausmaß anzurichten."
Mit der höchsten Strafe, 18 Monate auf Bewährung, ahndete das Gericht den Anführer der Gruppe. Bis auf einen aus dem Freundeskreis von damals, der in einer Erziehungseinrichtung in Mulhouse lebt, haben alle eine Ausbildung oder gehen zur Schule begonnen, in manchen Fällen entfernt von ihrem früheren Wohnort, obgleich ihr Aufenthaltsverbot dort inzwischen aufgehoben ist.
Am Ort des Geschehens hat sich zweieinhalb Jahre danach kaum etwas verändert: Nur wenige Gräber wurden von Angehörigen wieder in Stand gesetzt. In vielen Fällen sucht das jüdische Konsistorium nach Hinterbliebenen, die sich kümmern könnten. Die Restaurierung des Mahnmals für die Shoa wurde aus deutschen Mitteln finanziert".   

    
    
Lage des Friedhofes                 
    
Der Friedhof liegt an einem Hang unweit des Ortszentrums zwischen der Eisenbahnlinie und der Saar.   
Koordinaten zur Einfügung in Suchfunktion (zB Google-Maps): N48°56'28.99" E7°4'56.00"      
    
   
   
   

Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2004) 

Sarre Union Cimetiere 117.jpg (83280 Byte) Sarre Union Cimetiere 116.jpg (92018 Byte) Sarre Union Cimetiere 113.jpg (69643 Byte)
Zugang zum Friedhof über 
eine Eisenbahnbrücke  
Eingangstor   Blick über den Friedhof 
vom Eingang  
   
     
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Teilansichten des Friedhofes  
 
Sarre Union Cimetiere 110.jpg (54794 Byte) Sarre Union Cimetiere 100.jpg (60313 Byte) Sarre Union Cimetiere 109.jpg (81671 Byte)
Im älteren 
Friedhofsteil  
Teilansicht, links der Weg 
vom Eingangstor  
Teilansicht mit Blick 
zur Saar  
     
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Grabplatte für den "Ingénieur 
d'Artillerie Kavale" Andre Aron
Grabstein mit deutscher Grabinschrift 
für Adele Scheyen-Wolf (gest. 1914)  
Grabstein für Dr. med. 
Jacques Aronssohn (1759-1845)
     
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Grabstein für Paul Samuel Kahen
 (gest. 1887) mit den "segnenden 
Händen" der Kohanim  
Grabstein für Rabbiner Isaac Gugenheim
 (vgl. Stammbaum der Rabbinerfamilie 
Gugenheim: hier anklicken)
Grabstein für Samuel und 
Henriette Simon  
    
     
Sarre Union Cimetiere 114.jpg (66951 Byte) Sarre Union Cimetiere 108.jpg (69059 Byte) Sarre Union Cimetiere 112.jpg (79350 Byte)
Neuere Gräber Denkmal für die in der NS-Zeit
 ermordeten mind. 16 jüdischen 
Personen aus Sarre-Union
  
     

     
       

Links und Literatur

Links:   

Zur Seite über die Synagoge in Sarre-Union (interner Link)  
Fotos zum jüdischen Friedhof Sarre-Union auch in der Website von Stefan Haas     http://www.blitzlichtkabinett.de/lost-places/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-frankreich/    

Literatur:  

   

                   
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Stand: 17. September 2017