Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"   
Zur Übersicht Synagogen im Kreis Neuwied  
   

Oberbieber mit Altwied und Gladbach (Stadt Neuwied, Kreis Neuwied) 
sowie Rengsdorf (VG Rengsdorf)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Oberbieber bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Zur Gemeinde gehörten auch die in Rengsdorf, Altwied und Gladbach lebenden jüdischen Personen. 
  
1781 werden die folgenden acht jüdischen Familien in Oberbieber genannt: Sender (Vorsteher der Gemeinde, Viehhändler), Liepmann Seligmann (Viehhändler), Herschel Mayer (handelte mit Waren), Samuel Marcus (Viehhändler), Joseph Kahen (Viehhändler), Hayem Benjamin (arm), Marcus (verwitwet, handelte mit kleinen Waren), Moses Hersch (Aderlassen und Schröpfen). In Altwied lebte nur eine jüdische Familie: Jachiel Nathan (Viehhändler). In Rengsdorf lebten fünf Familien.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Oberbieber 1858 64 jüdische Einwohner (7,2 % der Gesamteinwohnerschaft), 1895 81 (5,4 %); in Rengsdorf 1858 24, 1895 35; in Altwied 1858 vier, 1895 sechs; in Gladbach 1858 acht, 1895 gleichfalls acht. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und eine jüdische Schule (Religionsschule). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Niederbieber beigesetzt.   
 
1925 lebten in Oberbieber 35 jüdische Personen, in Rengsdorf 29 (insbesondere Familien Hecht, Moses Sander), in Altwied vier, in Gladbach zwölf. Nach 1933 sind die meisten der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), sowie die noch vorhandenen jüdischen Geschäfte geplündert. 
  
Von den in Oberbieber geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moritz Baehr (1865), Sibilla Baehr (1869), Emilie Baer geb. Sander (1889), Samson Baer (1873), Emma David (1883), Irma Frank geb. Tobias (1903), Berta Ernestine Gottschalk geb. Baehr (1870), Hermann Gottschalk (1877), Hedwig Kahn (1896), Karl Kahn (1888), Dina Kallmann geb. Baehr (1871), Sara Kaufmann (1859), Emma Leiserowitz geb. Jonas (1886), Arthur S. Levy (1914), Frieda Levy (1924), Jacob Levy (1877), Leo Levy (1882), Ludwig Levy (1905), Sally Levy (1884), Thea Levy (1918), Fina Loeb (1874), Friederike Loeb (1874), Siegbert Meyer (1928), Johanna Platz geb. Seligmann (1875), Kurt Platz (1911), Moses Platz (1881), Nettchen Salomon (1875), Albert Sander (1883), Selma Sander geb. Stern (1894), Karoline Schubach geb. Seligmann (1877). 
      
Aus Rengsdorf sind umgekommen: Karl Hecht (1896), Max Hecht (1894), Sally Hecht (1892), Isbert Kahn (1927), Emma Kratz geb. Moses (1892), Gertrud (Gerda) Levy geb. Hecht (1901), Amalie Moses (1876), Kurt Moses (1909), Ida Nathan geb. Moses (1887), Bertha Pais geb. Sander (1893), Ruth Sander (1825), Sigmund Sander (1895).  
Aus Gladbach sind umgekommen: Frida Levy geb. Platz (1885), Alex Platz (1887), Rosa Platz geb. Keller (1886).
  
Für 26 der genannten Personen wurden in Oberbieber im Jahr 2006 sogenannte "Stolpersteine" verlegt: Emilie Baer geb. Sander (Friedrich-Rech-Straße 174), Emma David (Altwieder Straße 5 in der Kurve), Irma Frank geb. Tobias (Braunsbergstraße 11), Berta Ernestine Gottschalk geb. Bär und Hermann Gottschalk (Lebensmittel/Ziegelbau in der Bergstraße), Hedwig Kahn geb. Tobias und Karl Kahn (Altwieder Straße 5 in der Kurve), Emma Leiserowitz geb. Jonas (Mittelstraße 64), Arthur Salomo Levy (gegenüber Ecke Friedrich-Rech-Straße/Aubachstraße), Emma Levy geb. Blumenthal, Frieda Levy und Thea Levy (Friedrich-Rech-Straße, Parkplatz), Siegbert Meyer, Bertha Meyer geb. Schwarz und Helga Meyer (Weinbergstraße 7 = zum Aubachtal: Eckhaus zur Bergstraße), Kurt Platz und Moses Platz (Ecke Gladbacher Straße 23 unter Hochstraße), Nettchen Salomon geb. Levy (Friedrich-Rech-Straße), Albert Sander und Edith Sander sowie  Selma Sander geb. Stern (Wallbachstraße 14), Siegfried Tobias, Lina Tobias geb. Gottschalk und Günther Tobias  (Braunsbergstraße 32). 
Die Reinigung der "Stolpersteine" übernehmen sei 2008 regelmäßig die Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde (s.u.).  
   
In Gladbach liegen "Stolpersteine" für Frida Levy geb. Platz (Sandgasse 5), Alex Platz und Rosa Platz geb. Keller (An der Marienkirche 18)    
        
      
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Oberbieber gefunden.   

  

    
Zur Geschichte der Synagoge

1869 wird die Synagoge in Oberbieber in einem Haushaltsvoranschlag mit Inventar und Wert beschrieben: Synagoge 300 Taler mit Garten 50 Taler; zwei Torarollen 60 Taler, zwei silberne Handdeuter sechs Taler, vier Bänke zwei Taler und diverse Gegenstände drei Taler. Nach Erinnerungen von Zeitzeugen war die Synagoge ein "bescheidener Bau, ein Haus, wie man hier seit Jahrhunderten Wohnhäuser errichtet hat: Fachwerk, niedrig, mit kleinen Fenstern aus einfachem Fensterglas und massiven Eichenbalken im Dachstuhl... Der Eingang war an die rückwärtige, der Straße abgewandte Seite verlegt worden. Mit einer Schmalseite berührte sie das nächste Wohnhaus, die andere Schmalseite wies ungefähr nach Süden... Im Inneren waren weiß gestrichene Bänke aufgestellt." Die Beschreibung lässt vermuten, dass ein älteres Wohnhaus - vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - zu einer Synagoge umgebaut worden ist.    
    
1908 beschloss der Gemeindevorstand, eine neue Synagoge zu bauen. Der Fürst von Wied war bereit, den Bauplatz hierzu zu stiften. Zum Bau wollte man das Vermögen des aufgelösten jüdischen Frauenvereins (2.700 Mark) sowie den Erlös aus dem Verkauf der alten Synagoge (1.000 Mark) einsetzen und den Rest durch einen Kredit aufbringen. Das Vorhaben wurde jedoch nicht verwirklicht, da die Rengsdorfer Gemeindeglieder sich gegen den Neubau aussprachen. Somit wurde auch weiterhin die bisherige Synagoge erwendet. 
       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Männer geschändet. Die Fensterscheiben wurden eingeworfen, das Gebäude verwüstet und angezündet. Die Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der Nachbarhäuser. Wenige Tage darauf wurde die Brandruine abgebrochen. Das Grundstück musste im August 1940 für 645 RM zwangsverkauft werden, doch wurden gleichzeitig der jüdischen Gemeinde die Abbruchkosten in Rechnung gestellt.      
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:        Bergstraße  
              

Fotos  
(Fotos im Oktober 2011 zur Verfügung gestellt von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber, Pfarrer Jochen Trauthig)  

 Die Synagoge 
in Oberbieber 
(Fotos vor 1938)  
 Oberbieber Synagoge 170.jpg (94962 Byte)  Oberbieber Synagoge 171.jpg (76328 Byte) Oberbieber Synagoge 171a.jpg (34979 Byte)
     Rechts Ausschnittvergrößerung 
     
Gedenken in der 
evangelischen Kirche
 
Oberbieber Gedenken 111.jpg (50601 Byte) Oberbieber Gedenken 110.jpg (68028 Byte)
   Im Rahmen links die bei Umbauarbeiten im Nachbarhaus zur Synagoge gefundenen
 hebräischen Schriftstücke sowie die beiden Schlüssel (siehe Berichte unten). 
Im Rahmen rechts (auf linkem Foto) sind alle jüdischen Personen, die ab 1836 in 
Oberbieber gewohnt haben, aufgelistet (Lebensjahre jeweils ein Balken)   
      

      
     

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

September 2011: Hebräisches Schriftstücke wird in der Kirche als Erinnerung angebracht  
Vor einigen Jahren wurden bei Umbauarbeiten im Eckhaus Bergstraße / Zum Aubachtal (Haus des jüdischen Druckereibesitzers Erich Meyer) eine Seite mit hebräischen Schriftzeichen (u.a. Texte des 8. Psalms) sowie zwei alte Schlüssel gefunden. Nach Absprache mit der jüdischen Gemeinde Neuwied-Mittelrhein wurden die Fundstücke im Gedenken an die jüdische Gemeinde und ihre 1938 zerstörte Synagoge im Vorraum der evangelischen Kirche des Ortes angebracht.
Bericht hierzu in den "Gemeindenachrichten" der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber Juni/Juli/August 2011 (S. 3-4 "Hebräisches Schriftstück gefunden") sowie in der Website der Evangelischen Kirche im Rheinland: Link zum Artikel - auch als pdf-Datei eingestellt.     
   
Mai 2011: "Reinigungs"-Patenschaft für "Stolpersteine"   
In den oben genannten "Gemeindenachrichten" der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber findet sich S. 5 auch ein Bericht über die "Reinigungs"-Patenschaft für "Stolpersteine" in Oberbieber, die die Katechumenen der evangelischen Kirchengemeinde übernahmen.  
 


     
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Neuwied   

Übersicht zu den in Neuwied und Umgebung verlegten "Stolpersteinen" (pdf-Datei)    

Literatur:  

Franz Regnery: Jüdische Gemeinde Neuwied. Geschichte in Bildern und Dokumenten. Zeichen und Zeugen von damals und heute. Hg. vom Deutsch-Israelitischen Freundeskreis Neuwied. 1988. 
Oberbieber Lit 015.jpg (52424 Byte)Dorothea Elisabeth Deeters: Sie lebten mit uns. Zur Geschichte der Wied-Neuwiedischen Landjuden, für die Zeit 1817-1942 dargestellt am Dorf und Synagogenbezirk Oberbieber. Neuwied-Oberbieber 1983.      
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 289 (mit weiteren Literaturangaben).
  

  n.e.

            

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                   

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Dezember 2011