Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Münstermaifeld mit Pillig (Kreis Mayen-Koblenz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)          
   
In Münstermaifeld bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1940. 
   
Bereits im Mittelalter gab es eine relativ große jüdische Gemeinde. Erstmals werden Juden in Münstermaifeld 1253 genannt. Bei einer Judenverfolgung in der Stadt, die im Zusammenhang mit der von Oberwesel ausgehenden Verfolgungswelle stand (Auffindung der Leiche des "guten Werner"), wurden am 17. Juli 1287 neunzig Männer, Frauen und Kinder in Münstermaifeld erschlagen. Die Ermordeten gehörten 22 Familien an. Weitere Verfolgungen gab es 1337 und im Zusammenhang mit der Pestzeit 1348/49, die die jüdische Gemeinde vollends vernichteten. 1352 verfügte Erzbischof Baldwin von Trier über das Haus des Juden David, das durch dessen Tod vakant geworden war.  Die jüdische Gemeinde hatte eigene Einrichtungen, die erst nach den Verfolgungszeiten genannt werden: eine Synagoge (judenschoille, 1420 genannt) und ein jüdischer Friedhof (judenkirchhov), der 1409 erwähnt wird. Erst 1410 hört man wieder von Juden in Münstermaifeld. Damals und vier Jahre später schuldete ein Junker einem Münstermaifelder Juden Beiträge von 40 und 100 Gulden. Es kam im 15. Jahrhundert jedoch nicht wieder zur Gründung einer jüdischen Gemeinde in der Stadt.        
  
Seit dem 17. Jahrhundert werden Juden wieder in Münstermaifeld erwähnt (vgl. Synagogengeschichte unten). 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: um 1850 ca. 100 Personen, 1885 etwa 130, danach ging die Zahl wieder zurück. Zur jüdischen Gemeinde in Münstermaifeld gehörten auch die in Pillig lebenden jüdischen Personen.  
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Mertloch beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der STelle von 1904 unten). 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Josef Isidor Kaufmann (geb. 30. April 1895 in Münstermaifeld, gefallen 16. April 1917 als Angehöriger des 5. Reserve-Infanterie-Regiments).       
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch 55 Personen gehörten (3,7 % von insgesamt etwa 1.500 Einwohner), waren die Gemeindevorsteher Wilhelm Kaufmann, Ferdinand Diewald und Karl Marx I. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Jüdischen Wohltätigkeitsverein (Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger) und den Minjen-Verein (Ziel war die regelmäßige Aufrechterhaltung der notwendigen Zahl von zehn männlichen Gottesdienstbesuchern). Zur Gemeinde in Münstermaifeld gehörten damals auch drei in Pillig lebende jüdische Personen. 1932 waren die Gemeindevorsteher Fritz Diewald (1. Vors.), Leo Kahn (2. Vors.) und Moritz Diewald (Schriftführer). Im Schuljahr 1931/32 erhielten vier jüdische Kinder der Gemeinde Religionsunterricht.     
   
1933 lebten noch etwa 50 jüdische Personen in Münstermaifeld. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1939 konnten 32 jüdische Personen die Stadt verlassen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge angezündet und weitgehend zerstört. 1942 wurden die letzten 15 jüdischen Einwohner aus Münstermaifeld deportiert.   
   
Von den in Münstermaifeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Adolf Bender (1889), Charlotte Bender geb. Corig (1886), Dionysius Bender (1899), Edith Bender (1926), Heinrich Bender (1886), Johanna Bender geb. Bender (1876), Karl Bender (1901), Ernst Julius Diewald (1903), Josef Diewald (1897), Julius Diewald (1873), Moritz Diewald (1881), Selma Diewald geb. Wartensleben (1890), Setta Diewald geb. Hartmann (1863 oder 1864), Siegfried Diewald (1876), Emmy Eichberg geb. Diewald (1899), Gerda Hessel geb. Marx (1903), Johanna Hirsch (1878), Erna Kahn geb. Diewald (1900), Alex Kaufmann (1887), Bernhard Kaufmann (1889), Berta Kaufmann geb. Wolf (1891), Berta Kaufmann geb. Kaufmann (1853 oder 1883), Karl Kaufmann (1868), Samuel Kaufmann (1882), Selma Kaufmann geb. Treidel (1882), Siegfried Kaufmann (1923), Siegmund Kaufmann (1891), Helene Kirschbaum geb. Oster (1874), Mathilde (Tilde) Löwenstein geb. Kaufmann (1885), Amalie Marx geb. Sternberg (1869), Julius Marx (1903), Berta Oster (), Leopold Oster (), Selma Oster (1884), Moritz Schmitz (1866), Rosalie Schneider geb. Schmitz (1857), Flora Treidel (1896), Rosa Winter geb. Oster (1871), Janchen Wolf (1856), Ottilie Wolff (1892).     
  
Aus Pillig sind umgekommen: Emma Kahn geb. Haas (geb. 1880 in Pillig, später wohnhaft in Euskirchen), Gertrud Marx (geb. 1867 in Pillig, später wohnhaft in Hannover).   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
        
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter 
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Kantors (1904)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1904: 
"Für die Gemeinde Münstermaifeld (Rheinland) ist die Stelle eines jüngeren, jüdischen 
Lehrer und Kantor

womöglich auch Schochet bis 1. September zu besetzen. Anfangsgehalt Mark 800. Offerten sind zu richten an 
D. Dewald, Vorsteher.
"       

      
      
 
     
Zur Geschichte der Synagoge       
      
Bereits im Mittelalter gab es eine Synagoge in der Stadt (1429 und öfter als "Judenschoille" erwähnt). 
    
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1816) wird davon berichtet, dass in dem "2ten Hauß in der Brunnengaß" nach 1694 eine Wohnung an einen Juden verkauft wurde; "von der Zeit hat der Jud in dieser Wohnung die Jüdische Synagoge gebaut, welche bis auf den heutigen Tag darinnen ist". Somit gab es über 250 Jahre einen Betsaal in einem Privathaus.  
     
Um 1885 erbaute die jüdische Gemeinde in der Severusstraße auf einem 137 am großen Grundstück eine Synagoge. In den 1920-er Jahren wurde sie renoviert und in einem "althebräischen Stil" neu ausgemalt. .  
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet und angezündet. Das Gebäude brannte aus: Dachstuhl, Innenausstattung, Empore und die Ausmalung wurden zerstört. Die Außenmauern mit den Basaltlava-Fenstergewänden und den Windeisen sowie Teile des Innenputzes überstanden den Brand. Die Ruine blieb auch nach 1945 stehen. 
    
1986 kam die Brandruine der Synagoge unter Denkmalschutz. 1989 wurden mit Hilfe des Landesdenkmalamtes durch die Stadt Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Die Mauerkrone, die Fenstergewände und die Windeisen wurden erneuert. Die wild gewachsenen Bäume wurden aus dem Gebäude geholt und der Schutt abtransportiert. Der Durchgang zwischen der Severus- und Bornstraße wurde freigemacht und der südöstlich vorgelagerte Platzbereich hergerichtet. Ein weiterer Anstoß zum Wiederaufbau des Gebäudes kam durch Kunstlehrer Saß und seine Schüler vom Kurfürst-Balduin-Gymnasium 1997. Am 9. November 1997 wurde der "Förderverein Synagoge Münstermaifeld e.V." gegründet. Ende der 1990er-Jahre wurde nach historischem Vorbild wieder ein Dach auf die Ruine aufgesetzt sowie eine Zwischendecke eingezogen. in der Folgezeit wurde der Westgiebel wiederhergestellt, der von Mauerblenden und einem Treppenfries gerahmt und durch filialenartige Aufsätze aus Naturstein bekrönt wird. Eine Empore wurde wieder eingebaut (moderne Stahlkonstruktion). 2013 wurden die Arbeiten weitgehend abgeschlossen.  
    
    
Hinweis: Kontakt Förderverein Synagoge Münstermaifeld e.V.:   Ulrike Elz-Eichler, Heilig Geist Spital 4, 56924 Münstermailfeld, Tel. 02605/3761 
(Quelle: Website der Stadt)
Seit 2013: Vom Förderverein werden Führungen angeboten, die sich besonders an Schulkinder richten. Die ehemalige Synagoge ist auch Teil des Besichtigungsprogramms, das die Münstermaifelder Stadtführer durchführen. Auskunft erteilt das Touristikbüro der Stadt. 
      
      
Adresse/Standort der Synagoge Severusstraße       
    
    
Fotos
(Quelle: sw-Fotos aus der Publikation des Landesamtes s.Lit. S. 277; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.08.2009)   

Die Synagoge 1932  Muenstermaifeld Synagoge 370.jpg (67673 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 371.jpg (89946 Byte)
  Luftaufnahme von Münstermaifeld mit der Synagoge 
(jeweils Ausschnitt aus derselben Aufnahme)
     
Die zerstörte Synagoge
(nach 1938)
Muenstermaifeld Synagoge 372.jpg (87493 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 373.jpg (83314 Byte)
     
      
Die ehemalige Synagoge im Sommer 2009    
Muenstermaifeld Synagoge 171.jpg (85483 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 176.jpg (127867 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 177.jpg (117620 Byte)
Blick von Nordwesten. An der Westfassade
 sind das Zwillingsfenster und die 
fialenartigen Aufsätze erkennbar. 
Die Rosette 
über dem Eingang  
Das Eingangstor
  
  
     
Muenstermaifeld Synagoge 175.jpg (107363 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 181.jpg (103806 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 182.jpg (93640 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge von Süden       
        
Muenstermaifeld Synagoge 178.jpg (132580 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 170.jpg (77519 Byte)   
  Hinweistafel an der Mauer zur Severusstraße     
        
Muenstermaifeld Synagoge 172.jpg (69538 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 173.jpg (53065 Byte) Muenstermaifeld Synagoge 179.jpg (69891 Byte)
Blick in den Innenraum der ehemaligen Synagoge mit der Nische für den ehemaligen Toraschrein und der Ausstellung. 
Rechts und links des Toraschreines hatten die Fenster Hufeisenbögen (Orientierung am neu-orientalischem Stil)
        

       

        
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Münstermaifeld   

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 565-566, III,2 S. 913-914. 
Friedhelm Burgard: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Münstermaifeld im Spätmittelalter, in: Liber amicorum necnon et amicarum für Alfred Heit. Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte und Geschichtlichen Landeskunde, hg. v. Friedhelm Burgard, Christoph Cluse und Alfred Haverkamp, Trier 1996 (Trierer historische Forschungen 28), S. 359-369. Online zugänglich.    
Stefan Fischbach: Zur Inventarisation der Synagogenbauten in Rheinland-Pfalz. Ein Projekt des Landesamtes für Denkmalpflege zum Synagogen-Gedenkbuch. In: In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 8. Jahrgang Ausgabe 2-1998 Heft Nr. 16. S. 5-14.  Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). Zu Münstermaifeld S. 10-11.  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 276-278 (mit weiteren Literaturangaben).

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Muenstermaifeld Rhineland. Ninety Jews were murdered in Muenstermaifeld on 17 July 1287 in the wake of the Oberwesel blood libel. Jews were attacked again in 1337 and in the Black Death persecutions of 1348-49. They are mentioned again in 1410, maintaining a synagogue and school. The modern community had a population of 40-70 in the 19th century. A synagogue was erected in 1887. Of the 60 Jews present when the Nazis came to power, 32 left before the outbreak of war in 1939. The synagogue was burned on Kristallnacht (9-10 November 1938). Two Jews died in the Dachau concentration camp in 1941. In 1942, 15 were deported to the east, where they perished. in all, 25 natives of Muenstermaifeld are known to have died in the Holocaust.     
            
        
    

                   
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Stand: 20. März 2016