Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Marburg Synagoge 370.jpg (34699 Byte)  Marburg (Kreisstadt, Hessen)
Jüdische Gemeinde nach 1945 / neue Synagoge

Zur Geschichte und Gegenwart der neuen jüdischen Gemeinde siehe die Seiten bei  
www.jg-marburg.de 
 

 Bei "Alemannia Judaica" finden Sie:   

Kurzer Überblick zur Geschichte der jüdischen Gemeinde nach 1945  
Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde nach 1945   
           -  Bericht über das Wirken von Rabbiner Yizchak Blumenfeld in Marburg 1945   
           -  Beitrag von Thorsten Akiva Schmermund zur Geschichte nach 1945 und der neuen Synagoge (Quelle s. Lit.)   
Einige Fotos zu den Gebäuden nach 1945 und die neue Synagoge von 2005     
Einzelne Presseberichte   

         

Kurzer Überblick zur Geschichte der jüdischen Gemeinde nach 1945        
    
Nach 1945 gründeten Überlebende der Lager ("Displaced Persons", DPs) eine neue jüdische Gemeinde in der Stadt. 1946 gehörten zu ihr 234 Personen. Nach Gründung des Staates Israel 1948 wanderten die meisten von ihnen aus. In den 1950er-Jahren gehörten etwa 70 Personen zur Gemeinde. 1961 war die Zahl der Gemeindeglieder auf 15 zurückgegangen. Von Mitte der 1960er- bis Mitte der 1980er-Jahre lebten 20-25 jüdische Personen in der Stadt. Ein jüdisches Gemeindeleben fand jedoch nicht mehr statt. 
   
Eine neue Gemeinde wurde auf Grund der Initiative von dem aus Israel zugezogenen Amnon Orbach gegründet. Zu einem ersten Kabbalat Schabbat lud er 1984 in das Marburger Stadthallenrestaurant ein. Ab 1985 wurden die jüdischen Feiertage wieder begangen. 1988 konnte ein jüdisches Gemeindehaus im Haus Pilgrimstein 25 eingerichtet werden. Seit der Zuwanderung von jüdischen Emigranten aus den GUS-Staaten ab 1990/91 wuchs die Gemeinde auf eine Größe von etwa 350 Mitgliedern im Jahr 2005 an (dazu kommen etwa 150 nichtjüdische Familienangehörige).
  
  
Zur den Synagogen. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde - vermutlich bereits im Mai 1945 - vom amerikanischen Stadtkommandanten das Haus der Studentenverbindung "Verein deutscher Studenten" (VDSt) beschlagnahmt und darin ein Betsaal/eine Synagoge eingerichtet, die sowohl von Displaced Persons wie auch von amerikanischem Militärpersonal und wenigen nach Marburg zurückgekehrten jüdischen Personen genutzt wurde. Am 3. Februar 1946 fand die Einweihung eines Synagogenraumes in der Landgraf-Philipp-Straße 2 statt (durch die 3. US-Infanterie-Division und die "Jewish Community" in Marburg; beim Gebäude handelte es sich um das Haus der Turnerschaft "Schaumburgia"). Nach der Einweihung des Synagogenraumes wurden vom Direktor der Religionskundlichen Sammlung an der Marburger Universität die ihm 1943 zur Aufbewahrung übergegebenen Torarollen, Bücher usw. der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Vermutlich ab Mai 1950 (bis 1956) fand der Gottesdienst im Haus Schulstraße 14 statt (heute Frohofschule). 
   
Nach der Gründung des Staates Israel 1948 waren die meisten DPs nach Israel ausgewandert, sodass der Betsaal in der Schulstraße wieder geschlossen werden musste. In der Folgezeit gab es einen privaten Betraum im Haus des Gemeindevorstehers Jacob Lanzewizki. Die in den 1980er-Jahren wieder begründete jüdische Gemeinde Marburg konnte 1988 Räume im Haus Pilgrimstein 25 für einen Betsaal und als jüdisches Gemeindezentrum benützen. Die Stadt Marburg stellte die Räume mietfrei zur Verfügung. Mit Unterstützung der Stadt Marburg konnte auch für die Inneneinrichtung gesorgt werden. Die Einweihung der Räume war am 1. September 1989. 
   
Zur Geschichte der neuen Synagoge in der Liebigstraße s.u. im Text von Thorsten Akiva Schmermund
.   
  
Weitere Informationen auch in einem Faltblatt "Marburger Stadtgeschichte zum Stichwort: Jüdisches Leben" (pdf-Datei, hrsg. vom Presseamt der Stadt Marburg).  
   
   
   
Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde nach 1945  
 
Bericht über das Wirken von Rabbiner Yizchak Blumenfeld in Marburg 1945 
(aus: Rabbi Mayer Abramowitz: The View from 82. Distinguished DPs  Online zugänglich)  
   
...In my work as a chaplain, I would regularly visit several enclaves in nearby villages where Jewish survivors were given housing by the U.S. Army immediately following the war. At each of these enclaves, I would conduct a brief religious service (with a lot of singing), followed by a cultural hour around refreshment tables. One of those towns was Marburg, Germany's "College City." The U.S. Army, through its publicity branch of service, decided to occupy a beautiful villa in Marburg, convert it into a synagogue and schedule a well-publicized dedication ceremony with the 3rd Division Commanding General present and participating. Also speaking at the ceremony was Yitzchak Blumenfeld, who used his speech to convert the affair into a demand to open the gates of Palestine. His speech that afternoon was one of the highlights of the ceremony. About twenty-five Jewish survivors lived in an apartment complex in Marburg, and what made this experience different than other towns was their leader Yitzchak Blumenfeld. He was young, about my age -- twenty-five -- blondish and short. As I now recall, he looked liked Natan Sharansky but with a full head of hair. He was brilliant, highly educated, and had one goal: to publish the Jewish magazine Judische Rundschau (Jewish Review), which was the prestigious magazine for European Jewry and had a circulation of over 30,000 copies. It's last editorial, written after Hitler ordered Jews to wear the Jewish star, read "wear it with pride." In 1938 its publication was banned. Blumenfeld gathered literary items, philosophical works, and articles on politics for inclusion in the magazine. He arranged the entire layout, signed an agreement  for a printer to set type, and somehow gathered enough funds to publish the first issue. There remained one problem: In Occupied Germany nothing could be published without approval of the Civilian Censorship Division (CCD).  My previous experience with that department of military government convinced me that approval would take years. "But, Chaplain, the Judische Rundschau will be exhibit A that Jewish life survived Hitler's Germany," was Blumenfeld's response to my reminding him of CCD's requirements. I finally agreed to take him with me in my Jeep to Weisbaden, CCD's Headquarters, where he would, in his words, "intervene with the highest officials." He couldn't even get past the receptionist who bluntly stated that without submitting a proper application, which was to be routed through several channels, no CCD official would meet with him. I called the receptionist's commanding officer, asking him to see me on an urgent matter. He agreed to see me and, surprisingly,  allowed me to bring Blumenfeld with me to his office. I argued as best I could for permission to print the Judische Rundschau.  I couldn't get to the proverbial first base with him. Instead, tt was Blumenfeld who scored the winning run when instead of quoting the contents of the first issue, he described what the Judische Rundschau symbolized in pre-war Germany. "Every Friday, people would line up for a copy of the magazine," he said. I recall Blumenfeld's dramatic description of the Rundschau. "It was the voice of Jewry and Judaism, a voice that was muted, stifled, silenced under Hitler." The officer was not impressed. Blumenfeld didn't give up. "By not allowing this publication, you, the Americans, are continuing to silence the Jewish voice. Are you ready to accept that responsibility?" After a long period of silence, the officer called an aide, handed her an application form, and instructed her to help Blumenfeld fill it out. Driving back to Marburg, Blumenfeld held on to the signed CCD approval as though it were the Magna Carta.  
   
   
Beitrag von Thorsten Akiva Schmermund zur Geschichte der jüdischen Gemeinde nach 1945 und der neuen Synagoge          
    
"Nach dem Krieg befand sich zunächst eine große Anzahl von 'Displaced Persons' in Marburg, also Juden vornehmlich aus den Lagern im Osten. Durch die amerikanische Militärverwaltung bekamen diese Flüchtlinge das Haus 'Schaumburgia' in der Landgraf-Philipp-Straße als Gebetshaus zugewiesen, die allerdings nur für ca. ein Jahr. Die meisten dieser Flüchtlinge reisten nach Israel oder in andere Länder aus, sodass ein einfacher Gebetsraum für die verbliebenen Juden ausreichend war, zumal man 'auf den Koffern saß', d.h. sich das Bleiben in Deutschland nicht vorstellen konnte. So wurde unter Jacob Lanzewitzki in der Schulstraße 14 bis 1956 ein Gebetraum benutzt, danach war die Gemeinde aber praktisch nicht mehr existent und bestand eigentlich nur noch aus einem Briefkasten am Hause von Jacob Lanzewitzki. Die Gottesdienste wurden in verschiedenen Privaträumen abgehalten, ab 1971 war die Gemeinde dann ganz verschwunden, also auch nicht mehr im Telefonbuch oder als Postkasten existent. Dennoch konnten durch die Bemühungen von Willy Sage, dem langjährigen Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Marburg, ab 1978 wieder Gottesdienst in Marburg stattfinden, denn es gelang ihm, ehemalige Marburger Juden einmal jährlich nach Marburg einzuladen. Viele dieser Gäste kamen bald regelmäßig, manche auch nicht nur einmal im Jahr.  
 
Der Neuanfang. Mitte der 1980er-Jahre kam Amnon Orbach nach Marburg, und nun begann die Gemeinde neu zu entstehen. Es gab über Willy Sage Kontakt mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinde in Hessen und es wurde mit der Integrationsarbeit von Juden, die aus der ehemaligen Sowjetunion einwanderten, begonnen. Nur wenig später, im Jahr 1989, konnte Amnon Orbach, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Marburg, ein neues Bethaus im Pilgrimstein 25 einweihen. Dieses bestand aus einer umgebauten Wohnung im ersten Obergeschoss mit Lehrraum und Synagoge sowie einem Büro und weiteren Räumen im Erdgeschoss. Die oberen Etagen des Hauses wurden weiterhin als Wohnungen durch die Stadt Marburg vermietet.   
 
In den 1990er-Jahren setzte eine sehr starke Einwanderung von Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ein. Seit dieser Zeit hat sich die Gemeinde um ein vielfaches vergrößert, heute machen die Einwanderer die Gemeinde bis auf wenige Ausnahmen praktisch aus. Man kann jedoch sagen, dass es ohne die Einwanderer heute möglicherweise keine funktionierende Jüdische Gemeinde in Marburg geben würde. So sind zum Beispiel zu einem Gottesdienst zehn jüdische Männer nötig (ein 'Minjan'), damit bestimmte Gebete gesprochen werden können. 
 
Schul- und Betraum waren schon Ende der 1990er-Jahre viel zu klein geworden, sodass die Gemeinde sich nach neuen Räumlichkeiten umsah. Diese neuen Räumlichkeiten konnten dann auch mit der Hilfe und der Unterstützung des Magistrates der Stadt Marburg und des Oberbürgermeisters in der Liebigstraße 21a gefunden werden.    
 
Das Haus in der Liebigstraße. Das Haus in der Liebigstraße wurde von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) gebaut und 1931 fertiggestellt. Es diente zunächst als Schalterhallte, der Empfangsschalter befand sich damals etwa an der Stelle, wo heute die Bimah (das Torahpult) steht. Der Innenraum besaß - wie heute auch wieder - ein Oberlicht, das jedoch zeitweilig durch ein festes Dach ersetzt wurde. Die Wände müssen damals mit sehr kräftigen Farben angestrichen worden sein, wie Farbreste bei der Renovierung des Gebäudes gezeigt haben. 
 
Das Haus wurde von der AOK bis 1968 genutzt. Danach wurde hier eine Lebensmittel-Verkaufsstelle für den öffentlichen Dienst eingerichtet. Schon 1970 zog ein allgemeiner Lebensmittelmarkt der Firma Jöckel ein. Anfang der 1980er-Jahre zog die Firma Jöckel jedoch in die Temmlerstraße um (zwischen dem Südbahnhof und dem Ortsteil Cappel), und das Gebäude wurde wieder von der AOK als Bürofläche genutzt. 
 
Im Dezember 2002 kam das Gebäude dann in den Besitz der Jüdischen Gemeinde Marburg. Noch im gleichen Winter wurde mit den Umbauarbeiten begonnen, die ersten Gottesdienste konnten jedoch erst ab Oktober 2004 im Untergeschoss des Hauses stattfinden, nachdem dort fertig umgebaut war. Diese Gottesdienste hatten noch einen sehr behelfsmäßigen Charakter, und so wurde im Obergeschoss am Synagogenraum eifrig weiter umgebaut. Viele der Bauaktivitäten wurden durch Gemeindemitglieder in Eigenleistung erbracht, um die Kosten möglichst niedrig zu halten. 
 
Am 6. Februar 2005 konnten wir dann Richtfest feiern, und am jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschanah 5766 und am Versöhnungstag Jom Kippur im Oktober 2005 konnten wir bereits in unserer neuen Synagoge beten. Die offizielle Einweihung folgte dann vom 25. bis zum 27. November 2005."
       
       
       
Fotos
(neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 25.3.2008)  
           

Von Mai 1945 bis 1948/50
(Quelle: www.vdst-marburg.de)

       
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Im Mai 1945 wurde vom amerikanischen Stadtkommandanten im 
Haus der Studentenverbindung "Verein Deutscher Studenten" (VDSt) 
ein Betsaal eingerichtet
Eröffnung der Synagoge für Displaced Persons
 in Marburg 1945 durch Rabbiner 
Yizchak Blumenfeld   (Quelle)  
       
Von 1988 bis 2005
(Quelle für das rechte Foto:
  www.jg-marburg.de)   
Marburg Synagoge pi10.jpg (76612 Byte) Marburg Synagoge Pilgrimstein.jpg (5135 Byte)
  Gebäude Pilgrimstein 25, worin sich 
im 1. Stock der Betsaal befand
Betsaal 
Pilgrimstein 25  
         
     

Die neue Synagoge, eingeweiht im November 2005 

 
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Blick vom Schloss -
 helles Dach der Synagoge 
  
Die neue Synagoge 
in der Liebigstraße
 
"Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle 
Völker spricht Gott, der Herr, der die
 Versprengten Israels sammelt" (Jesaja 57)
       
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Im Foyer der Synagoge: Modell der 
1938 zerstörten alten Synagoge 
  
Rundleuchter, darüber das Ornamentfenster an der Decke: Darstellung von Psalm 81,3-4:
 "Lasst Gesang und Paukenschlag samt lieblicher Laute und Harfe ertönen. Blast am 
Neumond den Schofar, am Vollmond zum Tag unseres Festes". 
      
Marburg Synagoge 360.jpg (64173 Byte) Marburg Synagoge 358.jpg (74351 Byte) Marburg Synagoge 366.jpg (60435 Byte)
Blick in den Betraum  Der Toraschrein mit dem Parochet (Vorhang):
 Abbildung des Lebensbaumes und dem
 hebräischen Vers: "Sie (die Tora) ist ein Baum
 des Lebens allen, die sie festhalten, wer sich
 auf sie stützt, ist gesegnet."
Geöffneter Toraschrein mit den Torarollen  
   
   
    
       
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Die Bimah, Lesepult für die Tora 
während dem Gottesdienst 
Lesepult für 
den Vorbeter
Vitrine im Vorraum mit Erde 
vom Tempelberg in Jerusalem 
     
Marburg Synagoge 368.jpg (39270 Byte) Marburg Synagoge 363.jpg (69952 Byte)    
Markierung zwischen den Lampen 
des Ringleuchters - gibt die 
Gebetsrichtung nach Jerusalem an 
Fenster an der Westseite    
 

   
   
Einzelne Presseberichte   

August 2008: "Hoffest der Jüdischen Gemeinde"   
Bericht von Anna Ntemiris in der "Oberhessischen Presse" vom 24. August 2008: 
"Im Marburger Südviertel einkaufen wie auf einem Markt in Jerusalem.  
Marburg. Koschere Kerzen, Kosmetik vom Toten Meer oder Klezmer-Musik: Das Hoffest der Jüdischen Gemeinde in der Liebigstraße bot Kultur aus Israel. 
 
Hier ist es wie auf einem Markt in Jerusalem", sagte Ursula Dorn, Geschäftsführerin der Christlich-Jüdischen Gesellschaft beim Anblick des israelischen Basars im Untergeschoss der Synagoge. Die Jüdische Gemeinde Marburg hatte sich zu ihrem traditionellen Hoffest ein besonderes Programm ausgedacht. Anlässlich 60 Jahre Israel veranstaltete die Gemeinde einen israelischen Basar, der bei den mehreren hundert Besuchern sehr gut ankam. Dicht gedrängt schauten sich die Gäste Schmuck, Pflegeprodukte mit Mineralien aus dem Toten Meer, Bücher oder israelische Musik-CDs an. Aber auch jüdische Gegenstände für den Schabbat waren in verschiedenen Varianten zu bestaunen und zu kaufen: Koschere – also ohne Tierfett produzierte – Kerzen, Torazeiger, traditionelle Kopfbedeckungen für Männer und vieles mehr gehören zu den für Christen ungewöhnlichen religiösen Gegenständen. Auf dem Hof hinter der Synagoge fanden sich ebenfalls viele Besucher ein. Dort spielte die Gruppe 'Mizwa' aus Hannover jiddische Lieder, und in der Gourmet-Ecke gab es viele israelische Spezialitäten zum Essen und Trinken. Die Kinder der Sonntagsschule der Gemeinde sorgten ebenfalls für musikalische Unterhaltung. 'Es ist eine Herzenssache meines Mannes, dass die jüdische Gemeinde ein Bethaus für alle Völker wird. Daher ist das größte Anliegen des Festes, dass der Kontakt zur Öffentlichkeit hergestellt wird', sagte Hannelore Orbach, die Ehefrau des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Amnon Orbach, der gestern krank war. Die Gemeinde hat laut Hannelore Orbach etwa 350 Mitglieder hat sowie 100 russischstämmige Besucher, die nicht in der offiziellen Statistik geführt seien. Monika Bunk, stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, war zufrieden mit der Resonanz. Viele Besucher waren zum ersten Mal gekommen, manche sogar aus anderen Regionen Hessens. Die Synagogen-Führungen wurden daher ebenfalls gut angenommen. Die jüdische Gemeinde Marburg definiert sich laut Bunk als konservativ-traditionell.'" 
 
November 2010: Neue Torarolle für die jüdische Gemeinde   
Artikel von Anna Ntemiris in der "Oberhessischen Presse" vom 26. Oktober 2010 (Artikel): 
"Einweihung - Neue Thorarolle für Jüdische Gemeinde
Der Förderverein für Synagoge und Kulturzentrum der Jüdischen Gemeinde übergibt am Sonntag feierlich die neue Thorarolle an die Jüdische Gemeinde

Marburg. Fünf Jahre nach dem feierlichen Einzug in die neue Synagoge weiht die Jüdische Gemeinde Marburg an diesem Sonntag ihre neue Thorarolle ein. Thorarollen sind ein wesentlicher Bestandteil des jüdischen Gottesdienstes und die Grundlage für das jüdische Leben, das von den Regeln der Halacha (jüdisches religiöses Gesetz) geleitet wird. Die Thora ist Weisung und Lehre und besteht aus den fünf Büchern Mose.
Nachdem der Förderverein für Synagoge und Kulturzentrum der Jüdischen Gemeinde Marburg mithilfe von Spenden zunächst einen wesentlichen Beitrag zur Ausstattung der neuen Synagoge leisten konnte, ist inzwischen die erforderliche Summe zusammengekommen, die es der Jüdischen Gemeinde Marburg ermöglicht hat, eine erste neue Thorarolle in Auftrag zu geben, die nun feierlich übergeben werden und in die Gemeinde einziehen soll, erklärt Monika Bunk, stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. 'Die alten Thorarollen, die bisher im Gottesdienst verwandt wurden, sind seit über 150 Jahren in Gebrauch, die unübersehbare Spuren hinterlassen haben und einige Teile der Rollen bereits unlesbar werden ließen', so Bunk.."    
 
Mai 2014: Amnon Orbach wird Ehrenbürger der Stadt Marburg    
Artikel in hna.de vom 14. Mai 2014: "Vorsitzender der jüdischen Gemeinde: Marburg verlieh Amnon Orbach die Ehrenbürgerwürde
Marburg/Frankenberg. 'Sie haben unserer Stadt wieder eine jüdische Gemeinde geschenkt und eine neue Synagoge gebaut, Ihre Saat an unvoreingenommener Menschenliebe ist aufgegangen', erklärte Oberbürgermeister Egon Vaupel im historischen Saal des Marburger Rathauses, als er Amnon Orbach, dem Vorsitzenden dieser 340 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde, die Ehrenbürgerwürde der Universitätsstadt verlieh. Viele Bürger, Politiker, Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, darunter auch Gäste aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg, gratulierten dem 84-Jährigen, der seit mehr als 30 Jahren mit einer Marburger Lehrerin verheiratet ist und dort lebt..."  
Link zum Artikel    

     

  
Links und Literatur

Links:   

Website der Jüdischen Gemeinde in Marburg   

Literatur:  

Mein Haus solle in Bethaus für alle Völker genannt werden. Die neue Synagoge in der Liebigstrasse. Mit Beiträgen von Elmar Brohl, Monika Bunk, Klaus Dorn, E. Jakobus Klonk, Adelheid Kümmel, Amnon Orbach, Jürgen Rausch und Wolfgang Schulze. Marburger Stadtschriften Nr. 82. Marburg 2005. ISBN 3-923820-82.8. 95 S. zahlr. Abbildungen. Nähere Informationen      
Thorsten Akiva Schmermund: Die neue Synagoge der Jüdischen Gemeinde Marburg. Handreichung zur Synagogenführung. 

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 16. April 2015