Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"  
zurück zu den Synagogen im Stadtkreis Koblenz          

Immendorf mit Arenberg (Stadt Koblenz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde             
    
In Immendorf bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1930. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. am 18. April 1773 wurden Raphael Herschbach und Isaak Herschbach aus Immendorf in Arenberg getauft. Aus den Jahren 1784 und 1796 sind Schutzbriefe für jüdische Familien erhalten, die durch den Freiherrn von Wrede (Herrschaft Mühlenbach) ausgestellt wurden. Aus den Geburtsdaten der 1805 genannten jüdischen Familien kann jedoch auf eine Anwesenheit jüdischer Familien spätestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts geschlossen werden.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 fünf jüdische Familien (s.u.), 1823 31 jüdische Einwohner, 1831 10 jüdische Familien (mit 13 Mädchen und 8 Knaben), 1838 41 jüdische Personen, 1850 53, 1859 44, 1905 16. Die jüdischen Familienvorsteher lebten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Handel und vom Schlachten. 
  
1805 waren die jüdischen Familien in Immendorf: Heli Baer (geb. 1750 in Ruppertshofen, Schutzbrief seit 1784) mit Frau Beile Abraham aus Nassau; Alexander Mayer (geb. 1757 in Winnweiler, Schutzbrief seit 1796) mit Frau Blum Moses aus Immendorf; Süßkind Herz (geb. 1762 in Immendorf, Schutzbrief seit 1796) mit Frau Edel Hayum aus Segendorf; Moses Michel (geb. 1763 in Immendorf, Schutzbrief seit 1796) und Frau Lia Abraham aus Puderbach; eine Familie Afron. In den Jahren 1826, 1830 und 1834 waren die Familien Hely, Michael und Baer nach Immendorf gekommen.     
    
Zur jüdischen Gemeinde Immendorf gehörten auch die in Arenberg lebenden jüdischen Familien: 1859 4 jüdische Einwohner, 1905 12
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule (1823 genannt). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Weitersburg beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1825 wird der Privatlehrer Schwarz genannt, der allerdings keine inzwischen geforderte Qualifikation zum Unterrichten hatte. 1835 erfährt man von Salomon Rosenthal, der im folgenden Jahr als "ausländischer Lehrer" vom Landrat ausgewiesen wurde. 1837 wird Lehrer Abraham Meier genannt, der allerdings nach wenigen Monaten wieder Immendorf verließ, nachdem er keine behördliche Konzession erhalten hatte. 1842 war Lehrer Wolf Schlesinger in Immendorf, 1844 Lehrer Jacob Tobias Schatz (siehe Bericht zu seinem gewaltsamen Tod unten). 1846 wurde David Levi als Lehrer angestellt, doch blieb auch er nur einige Monate.        
   
1931 lebten noch 19 jüdische Personen in Immendorf, 2 in Arenberg.
In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
  
Von den in Immendorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Baer (1883), Johanetta (Jeanette) Eggener geb. Michel (1883), Eva Michel (1871), Ferdinand Michel (1879), Gerhard Michel (1930), Helga Michel (1923), Hermann Michel (1877), Julius Friedrich Michel (1888), Markus Michel (1872), Rosa Michel (1881), Rosalia (Rosmarie) Michel (1885), Sabina Michel (1882), Sybilla Michel geb. Franken (1882), Lina Weinberg geb. Michel (1885), Ruth Weinberg (1922), Herbert Wilp (1928).    
     
 Aus Arenberg sind umgekommen: Albert Michel (1898), Bernhard Michel (1903), Jeanette Michel geb. Kahn (1872), Jenni Michel (1901), Markus Michel (1872), Eva Woythaler geb. Michel (1873).  
       
Zur Erinnerung an die ermordete jüdische Arenberger Familie Michel ist die Verlegung von "Stolpersteinen" geplant. 
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    

Über den Mord an dem jüdischen Lehrer Jacob Tobias Schatz (1844)   

Immendorf Orient 28051844.jpg (182040 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 28. Mai 1844: "Koblenz, 20. Mai (1844). Die Rhein- und Moselzeitung enthält Folgendes: Die Kämpfe in der jüdischen Religion, durch welche in diesem Augenblick auch bei ihr sich eine Herstellung des Wesens aller Religion aus der tiefen Erkrankung durch das überhand genommene Ceremonialgesetz empor zu ringen sucht, haben anderwärts manche Erscheinungen starren Widerstandes von Seiten der geistig Verknöcherten hervorgerufen - sollten sie nun in unserer Gegen ein todeswürdiges, barbarisch verübtes Verbrechen erzeugt haben? In Immendorf (zur Bürgermeisterei Ehrenbreitstein gehörig) zog sich ein kürzlich daselbst bewählter und eingesetzter jüdischer Religionslehrer, Jakob Tobias Schatz, 43 Jahre alt, aus Bialystok, durch seine Polemik gegen das ceremoniale Zuviel den Hass der Orthodoxen zu; ihre Vorwürfe vermochten nicht, seine geistige Selbständigkeit zu erschüttern. Den weiteren Vorgang vermittelt nun das Gerücht, um das später Erfolgende, bereits gerichtlich Festgestellte, verstehen zu können. Am Freitag Abend soll, dem Gerichte nach, der Religionslehrer in der Schule, nach starken Ausfüllen auf das starre Ceremonialwesen, heftig geschlagen worden sein. Er verließ die Schule und kehrte auf Beschicken nicht dahin zurück, indem er ankündigte, dass er die Gemeinde und den Ort verlassen wollte. Gewarnt, nicht über Nacht im Hause zu verharren, war er so unvorsichtig, zu äußern, dass er nach Arenberg (auch in der Bürgermeisterei Ehrenbreitstein) gehen und im Gasthofe zum roten Hahn schlafen wolle. Soweit die Sage. Jetzt das Feststehende: Etwa um 9 1/2 Uhr abends verließ in Arenberg einer der Gäste des Gastwirts Klee das Haus, kehrte aber alsbald zurück und teilte den noch Versammelten mit, dass er draußen ein Stöhnen und Klagen gehört habe. Der Wirt meinte zwar erst, dies könnte von einem durch den Wind bewegten, in den Eisenangeln stöhnenden Fensterladen herrühren, doch auf jenes Mannes feste Versicherung, es müssten Menschentöne sein, verließ die ganze Gesellschaft mit brennender Laterne das Haus, hörte deutlich das Stöhnen, ging ihm nach, kam auf den Weg nach Immendorf, und begegnete einem Immendorfer Juden, der auf Befragen erzählte, er gehe von Ehrenbreitstein über Arenberg nach Immendorf, habe das Stöhnen auch gehört und sei aus Furcht umgekehrt. Bald fand man am Wege den Immendorfer Religionslehrer, sterbend, und zwischen einer Zahl Steine liegend, die über Kopfgröße hatten. Ei Mann richtete des Sterbenden Haupt auf, da zog er, ohne zu sprechen, den letzten Atemzug und war verschieden! Die gerichtliche Obduktion brachte die Erklärung der Sachverständigen zuwege, dass er an zwei absolut letalen Wunden am Hinterkopf und an der linken Schläfe gestorben sei. - Wer hat ihn getötet?  
  
Immendorf Israelit19Jh 16061844.JPG (184517 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 16. Juni 1844. "Görlitz im Mai (Rhein- und Mosel-Zeitung)..."  
Es erschien derselbe Artikel wie oben aus der Zeitschrift "Der Orient" zitiert.  
   
Immendorf Israelit19Jh 23061844.jpg (53733 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1844: "Vom Rhein. (D.A.Z.). In Folge der Ermordung des jüdischen Religionslehrers Jakob Schatz von Immendorf (siehe die vorige Nummer) hat man den Knecht eines sehr wohlhabenden jüdischen Gemeindevorstehers und Viehhändlers zu Immendorf, einen aus Miesenheim bei Andernach gebürtigen Israeliten, als der Teilnahme an dem Verbrechen dringend verdächtig, eingezogen, sowie gegen noch zwei andere Juden aus Immendorf Verdacht vorliegt. Den einen trafen die zur Hilfe herbei Geeilten in der Nähe der Leiche, der andere wich, um dem Erkanntwerden zu entgehen, den Herankommenden aus."   

    
    
   
 
Zur Geschichte der Synagoge             
    
Eine Synagoge in Immendorf wird 1823 genannt, wobei es sich um einen Betraum in einem der jüdischen Häuser gehandelt hat. 1823 war Gemeindevorsteher Hely Baer. 1833 wollten die jüdischen Familien am Ort einen neuen Betraum im Haus des Heli Baer einrichten. Zur Einrichtung des Betraumes, zur Bestreitung notwendiger Reparaturen und zur Besoldung des Vorsängers unterzeichneten damals Heli Baer, Sueskind Liesmann, Abraham Heli, Oster Michel und Heium Herz. 
  
1889 befand sich Betraum der Gemeinde im Obergeschoss des Wohn- und Gasthauses Giefer im rückwärtigen Teil über der Waschküche (dasselbe Gebäude wie das 1823 genannte, damals im Besitz des Gemeindevorstehers Hely Baer befindliche Gebäude). 1907 stand eine Reparatur an. Dazu bat der damalige Gemeindevorsteher die Gemeinderäte der Gemeinden Arenberg und Immendorf um einen Zuschuss.    
  
Wie lange in dem Gebäude noch Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt.  
  
1997 wurde an der der Fassade des neu errichteten Hauses Giefer (der Anbau mit dem ehemaligen Betsaal besteht nicht mehr) eine Gedenktafel angebracht mit dem Text: "An dieser Stelle versammelten sich unsere jüdischen Mitbürger aus Immendorf und Arenberg ab 1823 in ihrer Synagoge zu Gebet und Gotteslob. wir gedenken der Ermordeten und Werten ihren Tod als eindringliche Mahnung". 
     
     
Adresse/Standort der Synagoge          Ringstraße 78         
    
    
Fotos
(Quelle: aus dem Beitrag von Clemens Theis - Adresse über Link unten)

Die Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge und die jüdischen Einwohner von Immendorf und Arenberg Immendorf Gedenktafel 100.jpg (11642 Byte)   
        
      
Andernorts entdeckt: 
Gedenkstein in Nickenich
Nickenich Gedenken 187.jpg (136168 Byte) 
   Gedenkstein für "Jeanette Eggener, geb. in Immenstadt bei Vallendar, deportiert 
im Jahre 1942, umgebracht im  Konzentrationslager Theresienstadt". Statt Immenstadt ist Immendorf zu lesen, wo Jeanette Eggener geb. Michel 1883 geboren ist. 
   
Grabstein in Nochern   Nochern Friedhof 183.jpg (196826 Byte)
  Grabstein für Fanny Ackermann geb. Hely    Fanel Frau des Natan  
geb. 23.12.1843 in Immendorf  gest. 23.6.1916 in Weyer - 
 (auffallend moderne hebräische Buchstaben) 
   

   
   
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Koblenz    

Literatur:  

Clemens Theis: Sie lebten in unserer Mitte - Spuren jüdischen Lebens in Immendorf und Arenberg. 1996. online zugänglich  
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 218 (mit weiteren Literaturangaben). 
    

 n.e.

            

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

              

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. April 2013