Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Heuchelheim (Gemeinde Heuchelheim-Klingen, VG Landau-Land, Kreis Südliche Weinstraße) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Kennkarte aus der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Heuchelheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1909 (Anschluss an Ingenheim) beziehungsweise 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden in Heuchelheim ("Heuchellum" im Amt "Nustatt" [Neustatt]) 1548/1550 die Juden Jacob und Isaac genannt. 1555 waren es die Juden Jocel (= Jacob), Isack (= Isaac) und Simon. 
   
Erst im 18. Jahrhundert sind wieder jüdische Einwohner belegt: 1722 wird mit "Joseph zu Heichelheim" (im Oberamt Germersheim) wieder ein jüdischer Einwohner am Ort genannt. 1765 waren es 13 jüdische Personen am Ort. Da 1808 51 jüdische Einwohner gezählt werden, nahm im Laufe der folgenden Jahrzehnte die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort weiter zu.  
   
Hinweis: auch in Heuchelheim bei Frankenthal gab es (zusammen mit Beindersheim) im 18./19.Jahrhundert einige jüdische Familien (1801 25 jüdische Einwohner, 1808 15, 1825 13 in Heuchelheim und 11 in Beindersheim). Die Zuweisung zu dem einen oder anderen Heuchelheim ist im 18./19. Jahrhundert muss immer überprüft werden. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 51 jüdische Einwohner (7,2 % der Gesamteinwohnerschaft), 1825 91 (10,6 %), 1835 87, 1843 117 (13,3 %), 1848 108 (in 24 Familien), 1851 86, 1857 89, 1858 100, 1861 84, 1867 67, 1871 65, 1875 61, 1880 48, 1885 43, 1900 23, 1910 14.  
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule bis 1880), und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ingenheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau.    
  
Um 1924 wurden noch 18 jüdische Einwohner in Heuchelheim gezählt, die inzwischen (seit 1909) zur Gemeinde in Ingenheim gehörten.   
   
1933 lebten noch sechs jüdische Personen am Ort. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die letzten drei jüdischen Einwohner wurden am 22. Oktober 1940 in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. 
  
Von den in Heuchelheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): 
   
Zu "Heuchelheim" - meist ohne Differenzierung im Blick auf den präzisen Ort - werden die Namen genannt: Hans Adler (1901), Adolf Blumenstiel (1870), Oskar Emsheimer (1867), Gustav Jacob (1887), Blandina Joseph geb. Adler (1865), Berta Katz (1889), Levi Louis Kuder (1868), Moses Kuder (1857), Betty Levi geb. Frank (1892), Ernst Levy (1895), Rosa (Rosalie) Levy geb. Adler (1868), Thekla Rabes geb. Kuder (1860),  Rosa Sonneborn geb. Kuder (1871),  Rosa Strauß geb. Jacob (1887), Jenny Süßkind (1890), Sally Süßkind geb. Wallach (1883), Cölestine Wolf (1863). 
  
Nur bei den oben kursiv gesetzten Namen wird im "Gedenkbuch" Heuchelheim (Pfalz) angegeben. Die anderen Namen müssen noch überprüft werden.      
Es gab auch in Heuchelheim Kreis Gießen einige jüdische Familien; von ihnen sind umgekommen Herbert Schönberg (1921), Ludwig Schönberg (1880), Rosa Schönberg  geb. Goldschmidt (1887), Klara Sternberg geb. Stein (1869), eventuell weitere Personen.    
Literatur zu diesem Heuchelheim: Emil Winter: Die Geschichte der Juden in Heuchelheim im 19ten und 20sten Jahrhundert. Hrsg. von Kulturring Heuchelheim-Linzenbach. Heimatmuseum Heuchelheim Heft 5. 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Heuchelheim gefunden.   

  
 Hinweis auf den protestantischen Pfarrer Johannes Bähr (Pfarrer in Heuchelheim bis 1937 oder 1938) (Quelle: Juden in Mutterstadt

"Vor Mutterstadt war Johannes Bähr Pfarrer in Heuchelheim. Schon dort hatte er sich Ärger eingehandelt durch sein Eintreten für jüdische Mitbürger. Bereits am 23. Mai 1934 hatte Pfr. Bähr in einem Brief an den örtlichen HJ-Oberbannführer erklärt: 'Überhaupt möchte ich deutlich betonen, dass auf mich die Drohungen mit Verhaftung, Sondergericht usw. keinen besonderen Eindruck machen. Damit kann man einen Mann, der für eine gute Sache steht, nicht einschüchtern' (Privatarchiv Bähr) Im Februar 1937 weigerte er sich, jüdische Familien aus dem Diakonissenverein zu entfernen. Dies brachte ihm eine Beschwerde der Kreisleitung Bergzabern an Dekan Mettel ein, in der die sofortigen Versetzung seiner Person gefordert wurde. Dazu erklärte Bähr gegenüber Dekan Mettel: 'Man muss auch die Juden lieben'. Zu dieser Zeit wohnten in Heuchelheim nur noch 5 Juden.  Nach Angaben des Landeskirchenrates handelte es sich bei den betroffenen Mitgliedern des protestantischen Pflegevereins um 'alleinstehende, pflegebedürftige Personen, die seit Gründung dem Diakonissenverein angehören'. (Aus 'Konfession und Nationalismus - Evang. und kath. Pfarrer in der Pfalz 1930-1939, von Thomas Fandel). Pfr. Johannes Bähr war Gründungsmitglied der Pfälzischen Pfarrbruderschaft, die sich am 3.9.1934 gründete (Documenta I, S. 275)"      

        

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für Adolf Blumenstiel,
 geboren in Heuchelheim
 
 Heuchelheim KK MZ Blumenstiel Adolf.jpg (90020 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Adolf Blumenstiel (geb. 12. April 1870 in Heuchelheim),
 Kaufmann, wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942 deportiert ab Darmstadt in das 
Ghetto Theresienstadt, wo er am 11. Dezember 1942 umgekommen ist    
 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge    
         
     
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war eine Betstube in einem der jüdischen Häuser vorhanden.  
    
1835 konnte die jüdische Gemeinde das Haus Nr. 58 1/2 erwerben. In ihm wurde 1837 bis 1858 die jüdische Schule untergebracht. 
   
Die Synagoge befand sich (seit wann?) im Oberstock eines Seitenbaus zum Haus von Anselm Adler. Nach Berichten von 1869 handelte es sich allerdings um Räumlichkeiten, die für die Zahl der jüdischen Einwohner am Ort viel zu eng waren. Der Betsaal der Männer war 3,60 m lang, 3 m breit und 2,30 m hoch. In einem "Verschlag" in einer Höhe von 2 Metern befand sich die Abteilung der Frauen. Das Bezirksamt empfahl 1869 dringend die Einrichtung eines neuen Synagoge. Die jüdische Gemeinde konnte eine solche damals aus finanziellen Gründen nicht bauen, zumal die Zahl der jüdischen Einwohner bereits deutlich zurückgegangen war.   
   
1858 wurde in das damalige Gebäude an der Hauptstraße 28 die jüdische Schule verlegt. Als diese 1880 geschlossen wurde, richtete die jüdische Gemeinde in diesem Gebäude ihren Betsaal / Synagoge ein. Sie wurde bis zur Auflösung der jüdischen Gemeinde im Januar 1909 als solche genutzt. Wenig später wurde das Gebäude verkauft. Nach dem Abbruch der Synagoge (wann?) wurde an ihrer Stelle ein neues Wohnhaus erstellt, das vermutlich auf den Grundmauern der Synagoge erstellt wurde
.     
     
    
Adresse/Standort der Synagoge     1880 bis 1909 im (früheren) Gebäude Hauptstraße 28     
     
     
Fotos
(Quelle: Foto des Wohnhauses: O. Weber s. Lit. S. 99) 

Fotos oder Darstellungen der ehemaligen Synagoge sind noch nicht vorhanden; über Hinweise 
oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite
 
      
     
Das Wohnhaus auf dem Grundstück 
der früheren Synagoge (2004)  
Heuchelheim Synagoge 120.jpg (55865 Byte)  
     

   
   
Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Heuchelheim-Klingen   

Literatur:  

Bernhard Kukatzki: Die jüdische Kultusgemeinde Heuchelheim bei Landau. Schifferstadt 1995.  
Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1992.
Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 87-88.99 (mit weiteren Literaturangaben).
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 185-186 (mit weiteren Literaturangaben).

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Heuchelheim Palatinate. The Jewish population war 48 in 1880. The community was attached to Ingenheim in 1909. In the Nazi period, three Jews were deported to Poland, where they perished.   
      
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Januar 2016