Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

    
Zurück zur allgemeinen Übersicht der Friedhöfe
Zur Übersicht über die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land und in Ostfriesland
 
  

Harpstedt (Landkreis Oldenburg, Niedersachsen) 
Jüdischer Friedhof 
(die Seite wurde erstellt von Martin J. Schmid, Oldenburg)  
    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
   
Siehe Seite zur Synagoge in Harpstedt (noch nicht erstellt)     
   
Zur Geschichte des Friedhofes        
   
Die Gemeinde Harpstedt gehörte bis 1945 zum Landkreis Grafschaft Hoya und wurde erst später dem Regierungsbezirk Weser-Ems zugeordnet. Es liegt also "erst" seit nach dem II. Weltkrieg auf oldenburgischem Gebiet und soll deshalb auch hier behandelt werden.  
  
Bis zur Errichtung des Friedhofs in Harpstedt wurden die dortigen jüdischen Bewohner auf dem Friedhof in Wildeshausen bestattet. Nach Wildeshausen bestanden vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen. Es sind noch heute Steine von ehemaligen jüdischen Bürgern aus Harpstedt erhalten geblieben. Der älteste noch identifizierbare Grabstein eines Harpstedter Juden datiert aus dem Jahr 1800.   
   
Der heute nur rund 10 km von Harpstedt und seit 1707 bestehende Friedhof in Wildeshausen war damals wohl nur beschwerlich zu erreichen und brachte auch verwaltungsmäßige Beschwerlichkeiten mit sich. So mussten sich die Teilnehmer einer Trauerfeier eines Kindes zur Beisetzung in Wildeshausen im Jahr 1711 Passierscheine ausstellen lassen. In den Akten des Amtes Wildeshausen liegt heute noch eine genaue Beschreibung der Teilnehmer dieser Trauergemeinde. So heißt es dort: 
1. Jacob Goldschmidt, 32 Jahre alt, mittlerer Statur, schwartzer Haare, und mit seinem braunen Rock, daran zinnerne Knöpfe, gekleidet; 
2. seine Frau Hendelken, kurtzer Statur, 32 Jahre alt, braun gekleidet;  
3. ihr Bruder Levi Meyer, mittler Taille, 34 Jahre alt, schwartzer Haare, mit seinem hellgrauen Rock bekleidet;   
4. den Schutzjuden Schulmeister Bendix, 20 Jahre alt, geschlancken Leibes, rohter Haare, seinen schwartzen Rock tragend;  
5. sein Knecht Heidemann, 18 Jahre alt, mittelmäßiger Länge, brauer Haare, einen braunen Rock anhabend.   
  
Westlich des Fleckens Harpstedt erwarb im Jahre 1907 der Jude Iwan Goldschmidt ein ca. 600 qm großes Grundstück. Zwischen 1910 und 1937 fanden hier insgesamt nur acht Beerdigungen statt.  
 
Riekchen Rossbach geb. Meyer, geb. 4. Februar 1841, gest. 12. Mai 1910    
Betty Meyer, geb. 20. November 1836, gest. 12. März 1912  
Kaufmann Iwan Goldschmidt, geb. 7. August 1849, gest. 4. April 1914   
Abraham Rossbach, geb. 7. Oktober 1843, gest. 1. März 1917   
Moritz Goldschmidt, geb. 5. Juni 1841, gest. 20. Juli 1928   
Bertha Goldschmidt, geb. 2. September 1848, gest. 18. Juni 1934  
Iwan Rossbach (ohne weitere Angaben)   
Ein Grabstein ohne Inschriftentafel (ohne weitere Angaben).   
  
Im Verlauf des II. Weltkrieges wurden auf dem Friedhof vier osteuropäische Zwangsarbeiter beigesetzt. Es handelt sich dabei um zwei polnische, einen jugoslawischen und einen russischen Staatsangehörigen:  
Ein unbekanntes polnisches Kind  
Stanislaw Kanieki, gest. 1942 (Polnischer Verschleppter)    
Sedenkow, gest. 1942 (Russischer Kriegsgefangener)  
Zivoki Pajic, gest. 1943 (Jugoslawischer Kriegsgefangener). 
  
Nach 1945: Der Friedhof befand sich bis 1979 in Privatbesitz (bis 1953: Iwan Goldschmidt) und wurde dann vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hannover erworben. 1979 wurde in Zusammenarbeit zwischen der Bezirksregierung Weser-Ems, der Samtgemeinde Harpstedt und dem Landesverband eine umfangreiche Instandsetzung durchgeführt. Hierbei wurde auch ein ca. 20 Meter langer Grundstücksstreifen erworben, um das Gelände durch den heutigen Zugang zu erschließen (siehe unten). Eine erwogene Umbettung der nicht-jüdischen Kriegstoten wurde aus gesetzlichen und religiösen Gründen durch den Landesverband abgelehnt.               
  
Erneute Instandsetzung im Jahr 1993
   
Schändungen gab es in den Jahren 1994 und 1999.   
  
Ein Gedenkstein (ca. 140 x 100 cm) mit einer Gedenktafel aus Bronze (69 x 90 cm) wurde am Eingang des Friedhofes aufgestellt. Hierauf sind alle Harpstedter Juden verzeichnet, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden (siehe unten).   
  
Es sind 11 Grabsteine erhalten: ältester Grabstein von 1910, jüngster Grabstein von 1943.     
   
   
   
Die Lage des Friedhofes  
   
Wohlder Weg / Am Judenfriedhof  
     
   
Link zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)   
  

Größere Kartenansicht   
   
  
  
Fotos 
(Fotos: Martin J. Schmid, Oldenburg; die Zahlen in eckigen Klammern beziehen sich auf die Dokumentationen des Friedhofes bei Töllner usw. s. Lit.)     

Harpstedt Friedhof 129.jpg (165764 Byte) Harpstedt Friedhof 111.jpg (148946 Byte) Harpstedt Friedhof 110.jpg (164355 Byte)
Wegweiser zum 
jüdischen Friedhof 
Blick auf den Eingangsbereich
mit dem Eingangstor 
Überblick über alle 
Grabsteine 
     
Harpstedt Friedhof 112.jpg (155139 Byte) Harpstedt Friedhof 117.jpg (169788 Byte)Harpstedt Friedhof 117a.jpg (145639 Byte)Harpstedt Friedhof 116.jpg (145393 Byte) Harpstedt Friedhof 118.jpg (147074 Byte)Harpstedt Friedhof 119.jpg (144675 Byte)
Die Gedenktafel für die "Bürger des
 Fleckens Harpstedt, die Opfer der
 nationalsozialistischen 
Judenverfolgung wurden" 
Grabstein für Riekchen Rossbach 
geb. Meyer
(1841-1910) [589] 
- Vorder- und Rückseite 
Grabstein für Abraham Rossbach
(1843-1917) [590] 
-  Vorder- und Rückseite  
        
     
Harpstedt Friedhof 121.jpg (157868 Byte) Harpstedt Friedhof 122.jpg (112321 Byte)Harpstedt Friedhof 122a.jpg (64458 Byte) Harpstedt Friedhof 120.jpg (154687 Byte)Harpstedt Friedhof 120a.jpg (114326 Byte)
Grabstein für Betty Meyer 
(1836-1912) [591 li.]  
Grabstein für Bertha Goldschmidt
 (1848-1934) und den Kaufmann Iwan
 Goldschmidt
(1849-1914) [592 li.]  
Grabstein für 
Iwan Rossbach [591 re.] 
      
     
Harpstedt Friedhof 123.jpg (150218 Byte) Harpstedt Friedhof 113.jpg (157985 Byte) Harpstedt Friedhof 124.jpg (171747 Byte)
Grabstein für Moritz Goldschmidt
(1841-1928) [592 re.] 
 Grabstein für eine unbekannte
Person (bei Töllner nicht verzeichnet)  
Grabstein für ein unbekanntes 
polnisches Kind [953 li.] 
     
Harpstedt Friedhof 125.jpg (178558 Byte) Harpstedt Friedhof 126.jpg (186991 Byte) Harpstedt Friedhof 127.jpg (191764 Byte)
Grabstein für den jugoslawischen
 Kriegsgefangenen Zivojni Pajic 
[953 re.] 
Grabstein für den russischen
 Kriegsgefangenen Sedenjow 
(gest. 1942) [594 li.] 
Grabstein für den polnischen 
Verschleppten Staniskaw Kanieki 
(gest. 1942) [594 re.] 
     
Harpstedt Friedhof 128.jpg (199381 Byte) Harpstedt Friedhof 114.jpg (141351 Byte)  
Die Grabsteine (Findlinge) für 
die Zwangsarbeiter (siehe oben) 
Grabsteine für Abraham Rossbach und 
Betty Meyer (siehe oben) 
 
     
     

    
Einzelne Presseberichte   

Frühjahr 1979: Der Friedhof soll gerichtet werden   
Harpstadt PA 1979.jpg (196888 Byte)Links: Artikel von "kos" in der "Nordwestzeitung" vom 24. November 1978: "Der jüdische Friedhof in Harpstedt wird im Frühjahr 1979 hergerichtet. Auch letzte Ruhestätte für vier ausländische Kriegstote. 
Harpstedt.
Nahe der Wildeshauser Straße in Harpstedt liegt, hinter einem landwirtschaftlichen Hof, den Blick der Vorbeifahrenden verborgen mitten in einem dornigen Gestrüpp, ein kleiner Friedhof. 16 Harpstedter Bürger jüdischen Glaubens und vier 1945 umgekommene ausländische Kriegstote haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden....  Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken. 
  
  

     
       

Links und Literatur  

Links:    

Website der Samtgemeinde Harpstedt     

Literatur:  

Oldenburger Land Lit 010.jpg (81351 Byte)Johannes-Fritz Töllner in Zusammenarbeit mit Wouter J. van Bekkum, Enno Meyer und Harald Schieckel: Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land. Bestandsaufnahme der erhaltenen Grabsteine. Oldenburg 1983 (= Oldenburger Studien Bd. 25). Zu Harpstedt: S. 588-594.
Berne Literatur 010.jpg (66315 Byte)Hans Hochgartz: Die Synagoge von Harpstedt. In: Enno Meyer (Hrsg.): Die Synagogen des Oldenburger Landes. Oldenburg 1988. S. 40.   
Heinz-Hermann Böttcher: Der jüdische Friedhof in Harpstedt: Grabstein-Inschriften, Fotos, Literatur u.a. Syke 2003. Enthält auch selbstgezeichnete Lagepläne von Böttcher (Stand 2003) und von Dr. Michael Jolles, London (Stand 1996).  
Dirk Heile: Die Juden in Harpstedt. In: Chronik der Samtgemeinde Harpstedt. Bd. II. 1667-1950. Wildeshausen 1996. S. 701-717.   
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen (Hrsg. von Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel). Bd. I Göttingen 2005 S. 801-806 (Abschnitt zu Harpstedt von Werner Meiners).   
Hier finden sich S. 806 weitere Literaturangaben.   

    
     

                   
vorheriger Friedhof     zum ersten Friedhof    nächster Friedhof    

               

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Januar 2017