|
Jahrestagungen von Alemannia Judaica Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (Frühere und bestehende) Synagogen Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region Bestehende jüdische Gemeinden in der Region
|
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde In Dühren bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis zur
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17.
Jahrhundert zurück. 1699 wird erstmals ein Gewann "Judenkirchhof" am
Eschelbacher Weg genannt. 1717/18 lebten fünf jüdische Familien am Ort, zu
Beginn des 19. Jahrhunderts waren es acht Familien. Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wird um 1822 mit 43 Personen erreicht. Die Gemeinde gehörte seit 1827
zum Rabbinatsbezirk Sinsheim. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging
die Zahl der jüdischen Einwohner schnell zurück. 1875 waren es noch 19
Personen, zwei Jahre später löste sich die Gemeinde auf. Zur Geschichte des Betsaales/der Synagoge Die jüdischen Familien lebten
großenteils im sogenannten "Judenwinkel", heute "Zum Gässel".
Hier standen mehrere enge, bescheidene Häuschen im Bereich um die Synagoge. Bereits im 18. Jahrhundert war ein Betsaal
vorhanden. Am 25. April 1822 berichtete der Vorsteher der israelitischen
Gemeinde in einem Schreiben an das Bezirksamt Sinsheim darüber: "Schon
seit sehr langer Zeit bedient sich die hiesige, in jeder Hinsicht geringe
israelitische Gemeinde eines dem Verfalle sehr nahen, engen Zimmers zur Synagoge".
Anlass dieses Schreibens des Gemeindevorstehers war die Bitte an die Behörden,
die Dührener Gemeinde dabei zu unterstützen, dass eine Kollekte zum Neubau
einer Synagoge durchgeführt werden könnte. Die Gemeinde habe bereits
einen kleinen Fond dafür angespart, aber bei der Armut und der geringen Anzahl
der Gemeindeglieder sei dieser bei weitem nicht hinreichend, sodass die Gemeinde
"noch viele Jahre [...] mit der größten Anstrengung" sammeln müsse
und nie im Stande sein werde, aus eigenen Mitteln den Bau zu erstellen.
Bezirksrabbiner Jakob Bamberger aus Sinsheim bescheinigte in einem Beibrief,
dass die israelitische Gemeinde in Dühren wirklich in der Lage sei, eine neue
Synagoge bauen zu müssen und dabei auf auswärtige Hilfe dringend angewiesen
sei. Damals bestand die Gemeinde aus acht Familien mit zusammen 43 Personen. Im
Antrag an die Behörden wies der Synagogenvorsteher darauf hin, dass eine neue
Synagoge mindestens 800 bis 900 Gulden kosten würde, von denen die Gemeinde 300
Gulden beisteuern könnte. Das Direktorium des Neckarkreises lehnte ab, weil die
Gemeinde wenigstens die Hälfte der Baukosten selbst tragen müsse. Am 9. Mai 1826 bat die Dührener Gemeinde erneut um
Genehmigung zur Durchführung einer Kollekte. Inzwischen konnte die Gemeinde ein
neues Angebot für den Bau eines Synagogengebäude vorlegen, das Zimmermeister
Georg Harter erstellt hatte. Er meinte, dass er ein geeignetes Gebäude mit
sechs Fenstern auf einer Fläche von 18 Schuh (5,4 m) mal 31 Schuh (9,3 m) mit
einem 4 Schuh (1,2 m) tiefen und 3 (0,9 m) Schuh breiten Fundament mit allem,
was dazu gehöre, zum Preis von 582 Gulden und 8 Kreuzern erstellen könne.
Damit reichten nach der Argumentation des Kreisdirektoriums die Eigenmittel der
Gemeinde aus. Tatsächlich wurde am 28. August 1826 vom badischen
Innenministerium "der israelitischen Gemeinde in Dühren eine Kollekte bei
ihren Glaubensgenossen im ganzen Großherzogtum zum Behuf der Erbauung einer
neuen Synagoge" bewilligt. Daraufhin konnte man sich an die Sammlung der
Spenden machen und mit deren Hilfe 1828/29 eine kleine Synagoge erbauen, deren
zugemauerte rundbogige Fenster noch heute auffallen. Mit der Finanzierung war es
dann doch schwieriger als gedacht, da sich Zimmermeister Harter verrechnet hatte
und der Bau insgesamt 811 Gulden und 38 Kreuzer kostete. Im Juli 1830 fehlten
etwa 150 Gulden, die man nur mit großer Mühe über den Verkauf der Synagogenplätze
und durch eine Umlage, verteilt über mehrere Jahre, zusammenbekommen hat. Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde Dührens 1877
wurde die Synagoge am 12. November 1877 öffentlich versteigert. Die letzten
vier männlichen Mitglieder der Gemeinde traten für die Gemeinde als letzte
Besitzer des Gebäudes auf. Der Verkauf erbrachte 677 Mark 7 Pfennig, die an den
israelitischen Religions- und Schulfonds in Karlsruhe überwiesen wurde. Mit den
Zinsen sollten die noch in Dühren lebenden Armen des israelitischen Gemeinde
unterstützt werden. Das Synagogengebäude diente von nun an als Heuspeicher, später auch als Garage. In den 1990er-Jahren wurden fast alle alten Häuser um die Synagoge abgebrochen. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg hat bereits 1982 die Dührener Synagoge für erhaltenswert erklärt. Nur noch sie erinnert an die frühere jüdische Geschichte im "Judenwinkel".
Links und Literatur Links:
Literatur:
|
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia
Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
|