Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Soden (Main-Taunus-Kreis)
Texte/Berichte zur Geschichte der jüdischen "Kuranstalt für arme Israeliten"
    

Bad Soden Kuranstalt 201601sc.jpg (229273 Byte) Links: Historische Karte der Israelitischen Kuranstalt in Bad Soden. Die Karte wurde am 3. September 1918 von Bad Soden verschickt.  
(Quelle: Sammlung Hahn)  
   
Bad Soden Kuranstalt 100.jpg (70255 Byte)

Links: Teilansicht der Kuranstalt; vgl. in der Beschreibung von 1910: "...Von hier aus kommt man in den Speisesaal, einen freundlichen hellen Raum, der von zwei Seiten nur Glaswände hat und volles Licht empfängt. – Im Sommer braucht man nur die großen Fenster zu öffnen und die Patienten speisen vollständig im Freien..."
(Quelle: Israelitisches Familienblatt Hamburg, Oktober 1925 bzw. Arnsberg Bilder S. 188) 

   
Bad Soden Stadt 085.jpg (13166 Byte)

Foto links (Quelle): Die Israelitische Kuranstalt befand sich zwischen Talstraße und Dachbergstraße 25. Heute besteht nur noch eines der Nebengebäude als Wohnhaus. Ein Gedenkstein mit Bronzetafel erinnert an die Kuranstalt. 

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur Geschichte der jüdischen Kuranstalt wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Die Berichte sind chronologisch geordnet. Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt; letzte Ergänzung: 24.10.2014.  
   
   
Zur Geschichte der Einrichtung  
   

Die "Kuranstalt für arme Israeliten" wurde auf Grund von Zuwendungen durch Baron Wilhelm C. von Rothschild am 1. Mai 1885 - zunächst als koschere Speiseanstalt für jüdische Kurgäste - eröffnet. Mehrere tausend von sozial schwach gestellten und kranken (insbesondere lungenkranken) jüdischen Personen konnten sich in den folgenden Jahrzehnten in diesem - streng rituell geführten - Haus erholen und gesunden. Über die Arbeit und das Leben im Haus berichten die auf dieser Seite zusammengestellten Berichte. 
  
Die hervorragende soziale Arbeit der Kuranstalt fand ihr jähes Ende in der NS-Zeit. 1936 erwirkte der Bürgermeister von Bad Soden die Schließung der Anstalt. Erst nach langwierigen Verhandlungen konnte die Anstalt wieder eröffnet werden, da die jüdischen Kranken nirgendwo Aufnahme fanden. Allerdings wurde beim Novemberpogrom am 10. November 1938 die Einrichtung durch Brandstiftung völlig zerstört. Die damals 60 Patienten waren aus ihren Betten gerissen und aus dem Haus gejagt worden. Sie flüchteten, zum Teil nur notdürftig bekleidet, über die Höhe des gegenüberliegenden Dachbergs und die Dachbergstraße und versuchten, den Bahnhof zu erreichen. Einige irrten durch den Kurpark und wurden zusammengetrieben. Auch das Wohnhaus des Chefarztes Dr. Max Isserlin wurde verwüstet und geplündert. Gebäude und Park der Kuranstalt gingen 1940 in den Besitz der Stadt Bad Soden über.  
   
Der Leiter der Israelitischen Kuranstalt Dr. Max (Markus) Isserlin entstammte dem ostpreußischen Judentum. Von seiner Ankunft in Bad Soden im Jahr 1900 bis zum Novemberpogrom 1938 leitete er die Israelitische Kuranstalt. Am Ersten Weltkrieg hatte er als Stabsarzt teilgenommen, wofür er 1915 das Eiserne Kreuz erhielt. Nachdem er beim Novemberpogrom 1938 festgenommen und vorübergehend inhaftiert worden war, gelang ihm zusammen mit seiner Ehefraz Regina die Flucht nach England zu seinen dorthin bereits 1933 beziehungsweise 1936 emigrierten Kindern. An die Familie erinnern "Stolpersteine" vor dem Haus "Zum Quellenpark 6" (früher Hauptstraße 6): für Dr. Max Isserlin, Regina Isserlin, Brudo Isserlin und Ruth Isserlin.     

     
1982 wurde ein Gedenkstein für die ehemalige "Kuranstalt für arme Israeliten" aufgestellt. Der Text der Inschriftentafel lautet: "Hier stand die Israelitische Kuranstalt. Sie wurde am 10. November 1938 von hiesigen Nationalsozialisten verwüstet und niedergebrannt. Die Bewohner wurden verjagt."    
Vgl. Website der AG Stolpersteine in Bad Soden:  http://stolpersteine.in-bad-soden.de/    
     
     
Übersicht über die Texte aus jüdischen Periodika zur Geschichte der Einrichtung  

Zur Eröffnung der Speiseanstalt (Vorgänger der Kuranstalt) 1885 
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt - Jahresbericht 1889 
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1890 
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt - Jahresbericht für 1891 (1892)  
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1893 
Bericht über das jüdische Kurhospital in Soden (1894)  
Bericht zum 10-jährigen Bestehen der Kuranstalt - der neue Etagenanbau wurde fertiggestellt (1895) 
Jahresbericht der Kuranstalt (1896)  
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1896 
Purimfeier in der Kuranstalt (1898) 
80. Geburtstags von Herrn Beith (in Altona), Vater der Verwalterin der Israelitischen Kuranstalt (1898)     
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1900  
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1902 
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt 1903   
Jahresbericht der Kuranstalt für das Jahr 1906 (1907)    
Anzeige der Kuranstalt (1907)     
Aufruf zu Spenden (1908)   
Badebrief aus Bad Soden von Maxime Le Maître (1908)   
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1909/10      
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1910  
25jähriges Jubiläum der Kuranstalt (1910)  
Wohltätigkeitskonzert zugunsten eines Kranken (1912)  
Oberin Ida Beith ist gestorben (1918)   
Eröffnung der Saison 1926  
Meldung von 1933 zum weiteren Betrieb der Kuranstalt 
Empfehlungen für die beiden deutschen Heilstätten für jüdische Lungenleidende: in Bad Soden und in Nordrach (1934)      
Anzeigen für die Kuranstalt für Israeliten (1933 / 1934)          
Zum Tod von Max Tannenbaum, 2. Vorsitzender der Kuranstalt (1936) 
Feier in der Kuranstalt zu Simchas Tora (1936)   
Die Kuranstalt ist für die Aufnahme von Patienten wieder zugelassen (1936)   

   
   
Zur Eröffnung der Speiseanstalt (Vorgänger der Kuranstalt) 1885 
Anmerkung: die erste Einrichtung war die einer koscheren "Speiseanstalt" für Israeliten, die in Bad Soden in Kur sind.

Bad Soden Israelit 20041885.jpg (128277 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1885. "Frankfurt am Main. Mit dem 1. Mai wird in unserem Nachbarorte Soden ein segensreiches Institut eröffnet werden. Ein hiesiger Wohltäter hat die Mittel herbeigeschafft, für arme Brustleidende, die in Soden ihre Heilung suchen, eine Speiseanstalt für die Dauer der Saison ins Leben zu rufen. Dass für strenges Kaschruth (sc. Einhaltung der jüdischen Speisevorschriften) Sorge getragen ist, dafür bürgt schon der Name des Mannes, welcher die ganze Angelegenheit in die Hand genommen hat und ihr seine ganze Fürsorge widmet. Nicht minder wird aber auch dafür gesorgt werden, dass den Kranken eine kräftige und den ärztlichen Vorschriften entsprechende Kost gereicht werde. Wer bedenkt, dass eine gute und nahrhafte Kost das erste Erfordernis einer erfolgreichen Kur ist, und wie gerade dies zu beschaffen den armen Kranken gewöhnlich am schwierigsten ist, wird die Bedeutung dieses wohltätigen Unternehmens voll und ganz zu würdigen wissen. Wir wollen noch bemerken, dass ein Verabreichen der Speisen gegen irgendwelche Bezahlung prinzipiell ausgeschlossen ist. Etwaige Bewerber um Berücksichtigung bei dieser Speiseverteilung haben sich schriftlich an Herrn Michael Mainz jun. hier zu wenden."

  
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt - Jahresbericht 1889  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1890: "Frankfurt am Main, 6. Mai (1890). Die Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus (früher Verein zur Verpflegung kurbedürftiger armer Israeliten in süddeutschen Bädern) erhielt im Jahre 1889 Mark 6.554 an Mitgliederbeiträgen, Mark 10.664 an Geschenken, Mark 195 an Zinsen, Mark 356 an Baukonto-Überschuss. Die Ausgaben betrugen Mark 14.859. Das durch die Großmut der Freifrau Wilhelm von Rothschild erbaute Haus, Speisesaal und Küche enthaltend, mit schöner, luftiger Veranda, wurde seiner Bestimmung übergeben. 133 Patienten (gegen 98 im Vorjahre) fangen Pflege durch Herrn Dr. Heinrich Mayer. Wie dem angefügten Berichte des Arztes zu entnehmen ist, waren von den Patienten 75 Männer, 58 Frauen, der jüngste 10, der älteste 81 Jahre, Deutsche 126, Russen 6, Österreicher 1 (Wir behalten uns einen ausführlichen Bericht über diese Anstalt vor. Redaktion)."   
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1890:   
Der Bericht ist noch abzuschreiben.   
Bad Soden AZJ 11071890a.jpg (152210 Byte)    

  
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1890  

Bad Soden Israelit 22051890a.jpg (181930 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890: "Eine Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden (Taunus). Es war ein glücklicher Gedanke, den vor wenigen Jahren einige für die Förderung jeder humanen Bestrebung begeisterten Männer in Frankfurt am Main fassten, einen Verein zu gründen, der armen kranken Glaubensgenossen die Mittel zu einem Aufenthalte in einem deutschen Bade gewähren sollte. Wie jeder gute Vorschlag, der geeignet ist, die Not zu mildern und den Armen seine Armut minder fühlbar zu machen, auf die Sympathie unserer Glaubensgenossen rechnen darf, so war es auch dieser, und es dauerte nicht lange, bis eine Summe beisammen war, welche es gestattete, das geplante Unternehmen zur Tat werden zu lassen. 
In erster Linie war der dem Hauptkomitee zunächst gelegene Badeort, Soden, für die Unterbringung der Kranken in Aussicht genommen, doch verweigerte man auch denen eine Unterstützung nicht, welche in einem anderen Kurort ihre Heilung suchten, sofern die Geldmittel reichten. Allein es konnte dies nur ausnahmsweise geschehen, da es natürlich sowohl im Interesse der Kranken als des Vereines liegt, dass das aufsichtführende Komitee sich in nächster Nähe des Badeortes befindet, dem er seine Pfleglinge anvertraut. Zudem ist ja Soden gerade der Platz, der am geeignetsten erscheint für das zu erwartende größere Kontingent, auf welche die Vereinstätigkeit rechnen musste.
Eine festere Gestaltung hat nun die Tätigkeit des Vereins erlangt durch ein im vorigen Jahre für diese Zwecke neu erbautes Haus, das derselbe dem großmütigen Wohltätigkeitssinn der Frau Baronin Wilhelm von Rothschild zu Frankfurt am Main verdankte. Am Abhang des Dachbergs gelegen, bietet es einen freundlichen Eindruck, und der Anblick erhebt unser Herz, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass es Armen, die zum größten Teil das Jahr über in engen und dumpfigen Räumen hausen müssen, vergönnt ist, einige Sommerwochen in jenen luftigen, von frischem Grün umhegten Räumen zuzubringen und unter guter Pflege in den Stand gesetzt sind, eine heranschleichende Krankheit in ihren Anfängen schon mit Erfolg zu bekämpfen. Denn, das müssen wir gleich hinzufügen, für Schwererkrankte hat diese Anstalt, wie der amtliche Bericht ausdrücklich hervorhebt, um von vornherein aussichtslose Anmeldungen zu verhüten, keinen Raum. Aber, wo eine Krankheit im Anzuge ist, wo sich die ersten Spuren eines Lungenleidens bemerkbar machen, da vermag der Aufenthalt Heilung herbeizuführen; und wo, selbst bei vorgeschrittener Krankheit, die aber dem Patienten noch die Möglichkeit freier und selbständiger Bewegung gestattet, ihn nicht auf besondere Hilfeleistung beim Gehen und Ankleiden anweist, da vermag auch die Anstalt insofern heilsam zu wirken, als sie die Krankheit aufhält, den Kranken gegen die Gefahren der kommenden rauen Jahreszeit widerstandsfähiger macht, sodass er im nächsten Sommer die begonnene Kur mit Erfolg fortsetzen kann. Es mögen daher die Ärzte mit der Empfehlung ihrer Pflegebefohlenen vorsichtig sein und das Gesagte wohl erwägen, damit sie nicht Hoffnungen erwecken, die dann durch die Ablehnung der Aufnahme zunichte gemacht werden. Das Haus selbst enthält nur Raum für elf weibliche Kranke, Männer werden in das Haus nicht aufgenommen; die übrigen vom Verein nach 
Bad Soden Israelit 22051890b.jpg (241644 Byte)Soden Entsandten haben auf eigene Kosten für Wohnung zu sorgen, hingegen erhalten sämtliche Kranken Verpflegung, ärztliche Behandlung, Bäder und Arzneien kostenfrei  in der Anstalt. In dem großen und prächtigen Speisesaale, der ungefähr 100 Personen fasst, versammeln sich die Pfleglinge zum gemeinschaftlichen Mittagsmahle, wenn die Witterung schlecht ist, Allein, wenn es das Wetter irgendwie zulässt, selbst an waren Regentagen, wird in der freien, jedoch vor Zugluft geschützten Veranda gespeist. Die Kost, natürlich streng rituell, ist eine vorzügliche und entspricht, wie auch alle Einrichtungen des Hauses, allen Anforderungen der Hygiene. Hinter dem Hause breitet sich ein prächtiger, Obst- und Zierbäume enthaltender Gasten aus, der den Patienten zum Aufenthalt dient. 
Es ist hier in der Tat ein Werk der Menschenliebe errichtet, das unsere höchste Bewunderung herausfordert. Es ist ein Hochgefühl aus dem Berichte des leitenden Arztes, Herr Dr. Heinrich Mayer, der mit Ausdauer, Liebe und Umsicht seines schweren Amtes dort waltet, zu erfahren, dass von den 133 Patienten, welche den vorigen Sommer die Anstalt frequentierten, und von denen 80 % lungenleidend waren, nur bei 10 ein geringer Erfolg der Kur zu verzeichnen ist.
 
Dieser Gedanke der Wohltätigkeit, wie er hier praktisch geworden, hat aber einen solchen Anklang gefunden, dass von weither Gaben als Beisteuer eingesendet werden und dass der Verein auch viele Auswärtige zu seinen ständigen Mitgliedern zählt; ist es ja auch ein Verein, der allen armen Glaubensgenossen, in erster Linie Angehörigen des deutschen Reiches, zugute kommt. Die Einnahmen betrugen Mark 22.661,31, darunter an Geschenken Mark 10.664,39; die Ausgaben Mark 14.858,44, sodass für dieses Jahr ein Saldo von Mark 7.802,87 bleibt.
Bad Soden Israelit 22051890c.jpg (167737 Byte)Dass für dieses großartige Werk, wenn es recht segenbringend sein und allen berechtigten Ansprüchen genügen soll, dass die Verwaltung der traurigen Notwendigkeit überhoben werden, Gesuche wegen mangelnder Mittel zurückweisen zu müssen: dazu ist es nötig, dass noch recht viele Freunde von überall her sich zur Unterstützung einfinden. Mit einer kleinen jährlichen Beisteuer kann auch der, welcher nicht über große Mittel verfügt, Mitglied dieses Vereins werden und an dem erhebenden Gefühl sich laben, dass auch der dazu beigetragen, den Ärmsten unter den Armen das wieder erworben zu haben, was das teuerste Gut auf Erden ist: die Gesundheit.
Danken wir herzlich allen den Männern, welche das edle Unternehmen begonnen und den edlen Spendern, welche die Ausführung ermöglichten. Helfen wir aber auch alle, es so weiter durchzuführen, wie es herrlich beginnen.
Wir fügen dieser Skizze die Ansicht der Anstalt und des neu erbauten Speisesaales mit Veranda und Garten bei; bei dem Anblick desselben dürfte sich wohl mancher sagen: ‚Ich will auch dazu beitragen, dass in einem solch traulichen Heim der Arme Gesundheit und frische Lebensfreudigkeit sich wieder gewinne!"

  
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt - Jahresbericht für 1891 (1892)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Mai 1892:     
Der Bericht ist noch abzuschreiben.        

 
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1893  

Bad Soden Israelit 10051894.jpg (171863 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1894: "Aus jüdischen Vereinen und Stiftungen. Dem Jahresbericht der Verwaltung der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus (1893) entnehmen wir: Unsere Bestrebungen waren nach wie vor darauf gerichtet, möglichst vielen Brustkranken Gelegenheit zu geben, durch eine zweckdienliche Kur Milderung respektive Heilung ihrer schweren Leiden zu erzielen. Dass dieser hohe Zweck vielfach erreicht wurde, verdanken wir in erster Linie dem nie erlahmenden Wohltätigkeitssinn unserer edlen Glaubensgenossen, die uns wie früher auch im vergangenen Jahre ihre Unterstützung nicht versagten. Groß ist aber leider noch immer die Zahl der Unglücklichen, die wir trotz zweifellos schwerer Erkrankung von der Türe unserer Anstalt weisen müssen, weil unsere Mittel leider nicht ausreichen. Dass infolge dessen viele arme Unglückliche, denen vielleicht noch zu helfen gewesen wäre, der Verzweiflung in die Arme getrieben werden, dafür tragen einen großen Teil der Verantwortung alle jene, die in der glücklichen Lage sich befinden, helfend mitwirken zu können, aber aus Gleichgültigkeit uns ihre Hand verschließen. An die letzteren appellieren wir daher aufs Neue unserem Vereine beizutreten und uns bei unserem Liebeswerke ihre Unterstützung zuteil werden zu lassen.  
Durch Freifrau W. C. von Rothschild, deren hochherziger Munifizenz unsere Anstalt seit Jahren zu großem Danke verpflichtet ist, wurden uns die Mittel zur Verfügung gestellt, um über unserem Speisesaal neue Wohnräume bauen zu lassen; Dadurch wird es uns ermöglicht werden, einen großen Teil der Patienten, die bisher auf ihre eigene Rechnung in Privathäusern sich Wohnung mieten mussten, in Zukunft in der Anstalt selbst unterbringen zu können und dadurch auch unter besserer ärztliche Kontrolle zu haben. Von dem schon früher erwähnten Geschenk unseres Ehrenmitglieds, des Herrn M. A. Wolff, haben wir auch diesmal ausgiebigen Gebrauch gemacht.  
Im verflossenen Sommer wurde unsere Anstalt von 170 Patienten besucht; noch nie haben wir auch nur annähernd eine solche Frequenz-Ziffer erreicht, und doch musste ein großer Teil der Bittgesuche wegen Mangel an Platz zurückgewiesen werden. Von diesen 170 Kranken waren 71 Männer, 88 Frauen, 4 Knaben und 7 Mädchen, zusammen 170 Personen. Die Ergebnisse unserer Kuren waren so vortrefflich wie es die kurze Zeit überhaupt gestattet, welche die Patienten bei uns verweilen können. Ausgezeichnete Resultate erzielten wir bei 19 Kranken; gute Erfolge konnten bei 32 Kurgästen verzeichnet werden. Einer erheblichen Besserung erfreuten sich 110 Patienten. Bei einer so beträchtlichen Anzahl Kranken können Misserfolge nie ausbleiben; so wurden denn 8 ungebessert entlassen. Eine Frau in mittleren Jahren wurde uns leider sterbenskrank zugesandt, sodass sie schon nach 10 Tagen verschied. Deshalb wird die Bitte erneuert, so schwere Patienten nicht mehr aus der Heimat fortzuschicken."

   
Bericht über das jüdische Kurhospital in Soden (1894)  

Bad Soden AZJ 21091894.jpg (368827 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. September 1894: "Ein Besuch im jüdischen Kurhospital in Soden. Von Dr. med. KL. Maretzki..."    
Der Bericht ist noch abzuschreiben.      


Bericht zum zehnjährigen Bestehen der Kuranstalt - der neue Etagenbau wurde fertiggestellt (1895)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juni 1895: "Soden am Taunus, 4. Juni (1895). Mit 50 Patienten wurde vor 10 Jahren die Kuranstalt für arme Israeliten hier eröffnet, sie zeigt von Jahr zu Jahr eine je steigende Zunahme, bis im Jahre 1894 die stattliche Zahl 192 erreicht wurde. Der neue Etagenbau über dem Speisesaal wurde im Sommer fertiggestellt und bereits bei Eintritt der kälteren Jahreszeit von den brustkranken Wintergästen, die diesmal die Zahl 46 erreicht, in Gebrauch genommen. Den ganzen Neubau umgibt eine Veranda, die auch bei schlechter Witterung den Kranken den Aufenthalt im Freien gestattet, wie überhaupt die ganze Einrichtung den neuesten Erfahrungen auf dem Gebiete der Hygiene Rechnung trägt. Unter den Patienten des Berichtsjahres litten 99 an Lungensucht, 25 an Ephysem, 42 (?) an Bronchialkatarrh,2 8 an Konstitutionskrankheiten und 14 an Nervenleiden. - Die Vermögensbilanz der Anstalt am Schluss der Berichtsjahres ergab einen Kassabestand von 14.928 Mark. Für den Neubau waren 13.000 Mark ausgegeben, an Haushaltungskosten 18.485 Mark. Vorsitzender der Verwaltung ist Herr Dr. med. Rosenbaum in Frankfurt am Main, Beisitzer für Berlin Herr D. Wolff, Wilhelmstraße 118. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde, ferner die Berthold Auerbach-Loge, die deutsche Reichsloge und die Montefiore-Loge des U.O.B.B. unterstützen die Anstalt mit je einem Jahresbeitrag von 100 Mark."   

 
Jahresbericht der Kuranstalt (1895)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1896: "Frankfurt am Main, 21. September (1896). Der Verein 'Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus' versendet seinen Bericht. Der Verein wurde im Jahre 1885 gegründet, und werden daselbst alljährlich während der Kurzeit eine große Anzahl armer Brust- und Lungenkranker aller Länder unentgeltlich verpflegt. Die Frequenz der Anstalt steigert sich von Jahr zu Jahr, sie betrug in den letzten 3 Jahren: 1893 170 Patienten, 1894 192 Patienten, 1895 199 Patienten, und wird im laufenden Jahre die letztere Zahl bei Weitem überschreiten, indem schon bis Ende Juli 150 Personen der Wohltaten des Vereins teilhaftig geworden sind. Die im Jahre 1895 in der Anstalt verpflegten Patienten stammten aus folgenden Gegenden: aus Frankfurt am Main 83, aus Berlin 11, aus Norddeutschland 17, aus Süd- und Mitteldeutschland 58, aus Elsass 2, aus dem Ausland 16, Kinder aus verschiedenen Gegenden 12, zusammen 199 Personen. An Einnahmen hatte der Verein zu verzeichnen: 27.662,32 Mark. Diese Einnahmen genügen aber durchaus nicht, um das segensreiche Institut zu erhalten und zu vergrößern. Es ergeht daher der warme Appell an alle edlen Männer und Frauen in Israel, dieses Werk echter Menschenliebe kräftig zu unterstützen. Die Verwaltung des Vereins besteht aus den Herren: Dr. med. E. Rosenbaum, Vorsitzender, Mich Mos. Mainz, stellvertretender Vorsitzender, Lismann Fürth, Kassierer, Daniel Aug. Worms, Ökonom, Bernhard Frenkel, Schriftführer, Manfred S. Goldschmidt, Gegenschreiber, Heinrich Misloch, Beisitzer, sämtlich in Frankfurt am Main, und Herr D. Wolff, Berlin SW., Wilhelmstraße 118. Ehrenmitglied ist Herr M.A. Wolff, Frankfurt am Main."   

 
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1896
Eine Neuerung war die Einrichtung der "Winterkur" gegen Bezahlung des Selbstkostenpreises.  

Bad Soden Israelit 15101896.JPG (213747 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1896: "Frankfurt am Main, 11. Oktober. Es ist dem Mühen der bedeutendsten Ärzte bis jetzt nicht gelungen, ein wirksames Mittel gegen Lungenkrankheit zu finden. In Ermangelung eines solchen sieht man hauptsächlich in dem Aufenthalte der Kranken in reiner Gebirgsluft und in geeigneter guter Pflege die Möglichkeit, den entstehenden Krankheitskeim zu unterdrücken und in vorgeschritteneren Stadien des Leidens durch körperliche Kräftigung die Widerstandsfähigkeit des Patienten zu erhöhen. So sehen wir in unserer Zeit, die im Allgemeinen humanitären Schöpfungen reiches Interesse entgegenbringt, allerwärts Sanatorien entstehen. 
Eine solche Heilstätte, deren segensreiches und rühmenswertes Wirken schon öfters in diesen Blättern erwähnt wurde, ist die ‚Israelitische Kuranstalt zu Bad Soden im Taunus.’ Während des verflossenen Sommers wurden in dieser Anstalt nicht weniger als 226 Kranke (gegen 200 im Jahr 1895) unentgeltlich verpflegt, die zum Teil als wesentlich gebessert entlassen werden konnten. Man bedenke, welche Summe von Lebenskraft und Lebensmut eine solch stattliche Zahl von ganz oder teilweise Genesener darstellt, die meistens kleinmütig und betrübt, ja manchmal als Verzweifelnde Aufnahme fanden und zum großen Teil freudig und hoffnungsvoll die Anstalt verließen. 
Freilich noch mehr Leid hätte gemildert werden können, wenn die Mittel für die Unterhaltung der Anstalt noch reicher geflossen wären, denn sehr viele Aufnahmegesuche mussten unberücksichtigt bleiben. Ein größeres Geschenk, das die bekannte Wohltäterin Frau Baronin von Hirsch in Paris der Anstalt überwies, hat allein es ermöglicht, dass in diesem Jahre mehr Patienten als im vorigen in der Anstalt verpflegt werden konnten. Es wäre daher sehr zu wünschen, dass auch weitere Kreise durch Beiträge und Geschenke sich an dem großartigen Hilfswerke beteiligten, zumal ja die Anstalt Kranken aller Länder ihre Pforten öffnet. 
Nachdem am 1. Oktober die Sommerkur, d.h. die unentgeltliche Verpflegung geschlossen wurde, ist seitdem die Winterkur eröffnet. Es können während des ganzen Winters Patienten gegen Vergütung des Selbstkostenpreises Aufnahme finden. Wer es weiß, wie schwer es ist, selbst gegen gute Bezahlung für einen wirklich Kranken oder einen solchen, der nur der Ruhe und der Erholung bedarf, einen geeigneten Aufenthaltsort zu finden, wo er bei streng ritueller und gleichzeitig in jeder Hinsicht vorzüglicher Verpflegung, sowie luftiger, schöner Wohnung die erwünschte Stärkung und Genesung erlangen kann, der wird es gewiss aufs Freudigste begrüßen, dass die Sodener Kuranstalt diese Einrichtung getroffen hat und gegen verhältnismäßig sehr geringe Opfer ihre Räume zur Verfügung stellt. Es ist zu hoffen, dass viele Leidenden, die ein gutes Unterkommen für den Winter suchen, von dieser Einrichtung Gebrauch machen."

  
Purimfeier in der Kuranstalt (1898)  

Bad Soden Israelit 17031898.jpg (143641 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1898: "Soden (Taunus). In der Israelitischen Kuranstalt daselbst, fand diesmal eine glänzende Purimfeier statt. Um 1 Uhr Mittags haben sich, sowohl die Patienten, als auch die aus Frankfurt hier eingeladenen Gäste in dem schön geschmückten Speisesaal eingefunden. Der Leiter der Anstalt begrüßte die Versammelten aufs herzlichste und erteilte hierauf Herrn Emil Rosenwasser das Wort zur Festrede. Derselbe, ein Schüler des Herrn Rabbiner Dr. Horowitz, hielt eine geradezu ergreifende Rede. Atemlos lauschten die Zuhörer seinen Worten. In meisterhafter Weise verstand es der junge Redner, den Haman als die personifizierte Krankheit darzustellen, die durch das Wort und den guten Rat eines Mordechai zu rechter Zeit und an rechter Stelle zu vernichten sei. Hierbei wies der Vortragende auf bestimmte Personen hin, die geradezu ihr ganzes Leben und Streben der Anstalt opfern, und bezeichnete die eine als Esther und die andere als Mordechai. Besonders waren die Schlussworte in das Herz der Zuhörer gedrungen, da konnte man sogar einiges Schluchzen vernehmen bei den Worten: ‚Sie werden wie neugeboren jedes nach seiner Heimat zurückkehren und werden an das viel gepriesene Soden, in welchem, ich darf es sagen, Sie einen schönen Kindertag verlebt haben, zurückdenken. In dieser feierlichen Stunde habe ich keinen anderen Wunsch für Sie als dass jeder, gesund und frei von den Banden und Fesseln, die Ihren Körper umschließen, nach Hause zurückkehren mögen.’ Nachdem der Redner geendet hatte, ist er allseitig beglückwünscht worden. Es sprachen sodann noch einige Herren der Anstalt. Um 5 Uhr verließen die Gäste die herrliche Tafel, um sich zum Mincha-Gebet (Nachmittagsgebet) zu begeben. Um 8 Uhr erreichte das Fest seinen Höhepunkt. Vor einem dicht gedrängten Saale ging der Vorhang in die Höhe und stürmischer Beifall folgte einer jeden Piece. Da möchten die Schicksalsschläge einen noch so schwer getroffen haben, keine Widerwärtigkeit dieser Welt hielt Stand, es schöpfte jubelnd ein jeder aus dem unversiegbaren Born echter gemütvoller Fröhlichkeit."

    
80. Geburtstags von Herrn Beith, Vater der Verwalterin der Israelitischen Kuranstalt (1898)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Soden im Taunus, 2. August (1898). Von einer seltenen Feier will ich die Freunde Ihrer geschätzten Zeitung benachrichtigen. Als am verflossenen Sonntagmorgen beim gemeinschaftlichen Einnehmen des Kaffees die frohe Kunde den Speisesaal der israelitischen Kuranstalt dahier durchlief, der Vater des allverehrten und hochgeschätzten Fräulein Beith, Verwalterin obiger Anstalt, begehe heute seinen achtzigsten Geburtstag, da musste es jeden Augenzeugen wirklich rühren, wie die Patienten der Anstalt wetteiferten, ihre warme und innige Teilnahme bezeugen zu können. Fräulein Beith war sichtlich überrascht, als man ihr beim Eintritt in den Saal allerseits die herzlichsten Glückwünsche darbrachte, indem dieselbe von einer öffentlichen Kundgebung aus Bescheidenheit absehen wollte. Wer wäre in der Lage all die guten Wünsche, die da ausgesprochen wurden, anzuführen. Beim Mittags- und Abendmahl wurden seitens einiger Kurgäste auf das greise Geburtstagskind und dessen Familie in sinnreicher Weise toastiert. Ebenso gedachte ein Patient rühmend in seinem Trinkspruche der vielen Verdienste, die sich die geehrte Verwalterin durch ihr unermüdliches Ausüben in Wohltätigkeit erwirbt und betonte unter anderem, dass es uns zwar nicht vergönnt ist, Herrn Beith persönlich zu kennen, allein durch das edle und gerechte Schalten und Walten der Verwalterin dieses Hauses können wir uns deren Vater im Geiste vorstellen. Auch wurde ein geistreicher Toast mit entsprechenden Worten der Tora ausgebracht. Das Dienstpersonal sowie eine Gesellschaft von Damen und eine von Herren der Anstalt sandten Glückwunschtelegramme an die Familie Beith nach Altona ab. Während des ganzen Tages herrschte fröhliche Festesstimmung. Abends wurde Schir Hamaalot mit Pianoforte-Begleitung vorgetragen. Fräulein Beith drückte schließlich tief ergriffen ob der Teilnahme der Patienten, denselben ihren herzlichen Dank für erwiesene Aufmerksamkeit aus. Der Allgütige möge den hochbetragen Herrn Beith - sein Licht leuchte - mit seiner werten Gattin noch recht lange körperlich und geistig frisch erhalten."   

    
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1900   

Bad Soden Israelit 17051900.jpg (205255 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900: "Bad Soden. (Kuranstalt für arme Israeliten in Baden Soden am Taunus). Baum Rückblick auf das verflossene Vereinsjahr können wir wieder über eine segensreiche Tätigkeit berichten. - Wenn auch die Zahl unserer Pfleglinge sich um 23 vermindert hat, so haben doch die Verpflegungstage eine verhältnismäßige Zunahme erfahren, in Folge dessen wir bedeutend erfreulichere Resultate als in früheren Jahren erzielen konnten. Die sorgfältigere Auswahl der Aufzunehmenden, der längere Aufenthalt in der Anstalt, eine regelmäßigere Verteilung der Patienten auf die einzelnen Monate ermöglichen es, dem Einzelnen mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, was für den Gesamterfolg von ganz bedeutendem Vorteil war. 
Wenn uns auch im  verflossenen Jahre mehrere Geschenke und Legate in größeren Beträgen zugegangen sind, gestatten uns dieselben immerhin noch nicht die Verwirklichung unserer sehnsüchtigst erhofften Pläne, unseren so sehr beengten Räumen eine unseren Bedürfnissen entsprechende Ausdehnung zu geben. 
Einer von uns bereits früher gegebenen Anregung, das Andenken teurer Verblichener durch Stiftung von Freibetten zu ehren, veranlasste Frau Sara Kulp Witwe, in hochherziger Weise eine Freibettstiftung zum ehrenden Andenken an ihren seligen Gatten, Herrn Menko Marx Kulp zu errichten. Der im Juni verstorbene Herr Susmann Una vermachte unserer Anstalt letztwillig die Summe von Mark 24.000 zu Freibettstiftungen, in kindlicher 'Dankbarkeit zum ehrenden Andenken an seine ihm im Tode längst vorausgegangenen Eltern. Zum ewigen Gedächtnis an die Stifter haben wir Marmortafeln mit entsprechender Inschrift an geeigneter Stelle in unserem Anstaltsgebäude errichtet. Die unermüdliche Gönnerin unserer Anstalt, Freifrau Wilhelm Carl von Rothschild, hat unserem Kapitalfonds eine größere Summe zugewandt und damit, wie schon so häufig, ihrem hochherzigen Wohltätigkeitssinn in großartigster Weise Ausdruck verliehen. Ebenso hat unser Ehrenmitglied, Herr M. A. Wolff, in seiner allbekannten Mildherzigkeit, wie in früheren Jahren, unseren ganzen Bedarf an Wein und Cognac gedeckt. 
Dem großen Einfluss und dem rührigen Eifer unserer Delegierten in Berlin, den Herren Hugo Heilmann, Stadtverordneter Witkowsky und Rentner Alexander, ist es zu danken, dass wir daselbst eine neue Anzahl Freunde und Gönner für unsere Bestrebungen gewonnen haben und sei den Herren an dieser Stelle unsere wärmste Anerkennung ausgesprochen. 
Allen edlen Spendern, die uns ihre Unterstützung durch Geschenke und Jahresbeiträge angedeihen ließen, sind wir hierfür zu besonderem Danke verpflichtet, ebenso unseren beiden Ehrendamen, Frau Bertha Baruch und Frau Rosa Bonn, für ihr aufopferndes und wohltätiges Wirken." 


Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1902  

Bad Soden Israelit 21041902.jpg (247188 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1902: "Bad Soden. (Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden a. Taunus). Als vor nunmehr 16 Jahren die Anstalt begründet wurde, da war es Freiherr Wilhelm Carl von Rotschild, der durch seinen Beitrag es möglich machte, die ersten Kosten des Betriebes zu bestreiten. Die Wirksamkeit der Anstalt nahm zu und mit ihr wuchs auch die tatkräftige Unterstützung, die der Heimgegangene ihr zuwendete. Das Wohlwollen, das er der Anstalt entgegenbrachte, gab sich in den verschiedensten Formen zu erkennen. Es beschränkte sich nicht etwa auf einen bedeutenden jährlichen Beitrag, es fand seinen deutlichen Ausdruck auch in der Stiftung von Freibetten, sowie in der Zuwendung größerer Summen, sooft es galt, außerordentliche Bedürfnisse zu decken. Mit der gleichen Bereitwilligkeit stiftete der Verklärte namhafte Extrabeiträge zur Unterhaltung der Winterkur für solche Kranke, die dieser Verpflegung bedurften, und wie mitfühlend zeigte er sich dann in der Teilnahme, wenn er sich über das Befinden der Kranken berichten ließ. Sein edles Herz, das ja jederzeit weit geöffnet war, sooft Not und Elend der Armen seine Hilfe erforderten, war natürlich von dem Mitgefühl doppelt ergriffen, sobald sich zu der Armut noch Krankheit und Siechtum gesellten. Das hat unserer Anstalt die Gunst verschafft, die der Verklärte ihr von ihrer Begründung an unausgesetzt bewiesen hat. Dankbar empfinden wir es, welch edlen Wohltäter die Anstalt in ihm besessen hat  und dankbar werden wir uns dessen stets erinnern. Die Anstalt und deren Verwaltung werden stets sein Andenken segnen und ehren, segnen und ehren werden es noch in späten Zeiten die Kranken, die in der Anstalt Heilung und Linderung ihrer Leiden suchen und finden werden. In dankbarer Erinnerung an den Dahingeschiedenen erhielten wir von dessen Hinterbliebenen für den Kapitalfonds den Beitrag von Mark 10.000 und für den gleichen Fonds ein Legat des seligen Herrn Adolphe von Rotschild in Paris im Betrage von Mark 5000. Ferner wurde uns von Frau Freifrau Wilhelm Carl von Rothschild Mark 5000, von Herrn Max B.H. Goldschmidt Mark 5000 und von Frau Baronin Edmund von Rothschild in Paris Mark 6780 für den Betriebsfonds überwiesen. Den edlen Gebern sei herzlicher Dank für diese so hochherzigen Gaben ausgesprochen. Unser verehrtes Vorstandsmitglied Herr Lismann Fürth und dessen Gemahlin haben zum Andenken an die verewigte Frau Selma Ettlinger geb. Fürth ein Freibett im Betrag von Mark 5000 gestiftet. Auch ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt und können wir bei dieser Gelegenheit den Wunsch nicht unausgesprochen lassen, dass solche Stiftungen zur bleibenden Erinnerung an teure Dahingeschiedene recht viel Nachahmung finden mögen. Wenn auch durch die vorerwähnten Zuwendungen unsere Einnahmen sich günstiger gestalteten, als im Vorjahre, mussten wir dennoch unsere Leistungen etwas einschränken, da bei der größeren Frequenz im vergangenen Jahre unsere Räumlichkeiten sich als unzureichend erwiesen haben. Es war uns nicht möglich, mehr als 214 Patienten gegen 241 in 1900 in unserem jetzigen Gebäude aufzunehmen. In Frankfurt, wo Wohltätigkeit in so hohem Maße ausgeübt wird, werden sich sicher Glaubensgenossen finden, auch hier zu Förderung wohltätigsten Menschenliebe freudigst einzugreifen."    

    
 Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt 1903     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1903: "Bad Soden (Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus). Wenn wir einen getreuen Bericht über die Aufgaben und Leistungen der Kuranstalt für arme Israeliten im Jahre 1902 geben sollen, so dürfen wir freudig konstatieren, dass wir das Höchste erzielt haben, was mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen war. 
239 arme Kranke, gegen 214 im Vorjahre, erhielten liebevolle Pflege und Wartung und können wir die Erfolge als sehr befriedigend bezeichnen. Gerne hätten wir die Wohltaten der Anstalt allen denen angedeihen lassen, die, von Krankheit verfolgt, bei uns Hilfe suchten, jedoch sowohl die beschränkten Räume, als auch die unzulänglichen Mittel, über welche wir verfügten, geboten uns Halt. Mit schwerem Herzen mussten wir unter den vielen Unglücklichen Auslese halten und nur die allerdringendsten Fälle konnten Berücksichtigung finden.   
Danken wir der Vorsehung, dass sie es uns ermöglicht, wenigstens einer großen Zahl von Kranken Hilfe zu spenden! Wir hegen die Hoffnung, dass sich erneut wohltätige Herzen finden werden, welche uns die Mittel gewähren, unser schönes Werk der Menschenliebe zu heben und zu fördern."    
    
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April 1903: "Bad Soden. Dem Jahresbericht der Verwaltung der 'Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus' (1902) entnehmen wir:  
Ähnlicher Bericht wie oben 

     
Jahresbericht der Kuranstalt für das Jahr 1906 (1907)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. März 1907:  "Frankfurt am Main. Die Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden (Vorsitzender Dr. med. E. Rosenbaum) verzeichnete im Jahre 1906 Mark 48.763 Einnahmen (6.611 Mitgliedsbeiträge, 21.507 Geschenke, 7.141 Vergütung für Verpflegung, 5819 Vergütung für Winterkur, 7.683 Zinsen) und Mark 52.330 Ausgaben (35.355 Haushaltung, 1.863 Ärzte und Arzneien, 4.254 Gehälter und Löhne usw. usw.). Die Rechnung schließt also mit einem Defizit von Mark 3.567 ab, was im Interesse dieser so segensreich wirkenden Anstalt zu bedauern ist."     

 
Anzeige der Kuranstalt (1907)   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juni 1907: "Gesucht religiöse, perfekte 
Köchin
 
in der israelitischen Kuranstalt Bad Soden, Taunus. Lohn 50 Mark."    

 
Aufruf zu Spenden (1908)  

Bad Soden FrfIsrFambl 15041908.jpg (85430 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. April 1908: "Frankfurt am Main. Ein Appell an das jüdische Herz. – 300 Lungenleidende wurden bisher jeden Sommer je 4 Wochen in der Israelitischen Kuranstalt in Soden kostenlos verpflegt, - und damit soll es nun anders werden. Wie bei anderen Wohltätigkeitsinstituten so sind auch bei dieser außerordentlich segensreich wirkenden Anstalt die Einnahmen in den letzten Jahren nicht die entsprechenden gewesen, sodass das abgelaufene Jahr mit einem Defizit von 20.000 Mark abschloss. Schweren Herzens entschloss sich infolgedessen die Verwaltung, von jetzt ab auch für das Sommerhalbjahr Kranke nur gegen Bezahlung aufzunehmen. Sind auch nur 100 Mark für Männer und 80 Mark für Franken für den 4wöchentlichen Aufenthalt festgesetzt worden, so ist dieser Betrag für Arme doch unerschwinglich, - und gerade der Arme, der nicht die Mittel zu seiner Pflege hat, bedarf der Wohltat der Anstalt am dringendsten. Das jüdische Herz mit seiner Wärme, die jüdische Hand, die so gern gibt, haben hier Gelegenheit, ihrem Namen Ehre zu machen."

   
Badebrief aus Bad Soden von Maxime Le Maître (1908)  

Bad Soden FrfIsrFambl 21081908.jpg (225826 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. August 1908: "Soden im Taunus – ein Badebrief. Von Maxime Le Maitre. Zwischen den Bergen liegt immer der Winkel, wo alte, gebrechliche Juden seufzend umherirren. Und bis über die Berge trägt der Wind den Widerhall der Seufzer aus gebrochener Menschenbrust. Hier in diesem Tale schleichen sie umher, diese gebrochenen Gestalten. Nicht vier Wochen Ruhe und Erholung von 36 Wochen Arbeit suchen sie hier – hier im tiefen Tal, wo nur ein milder Südwind weht, wo erquickende Sonnenstrahlen die Wiesen küssen und der Morgentau der Blume im Lichte der Sonne blinkt. Leisen Schrittes ziehen sie einher, gebeugten Hauptes und mit gefurchter Stirn – sie ziehen zu den Quellen des Heils und zu den Brunnen, deren Wasser Gesundheit spenden. Nicht Vergnügungssucht und Lust zu Schwelgerei hat sie in dieses stille Tal gebracht, sondern gebrochene Kraft – gebrochene Menschenkraft und des Lebens schwere Menschenplagen haben sie aus ihrem engen Gemäuer hierher gelockt, um Genesung für ihren Körper und Heilung für ihren Leib zu finden. – Jedem, der hier mit dem Brunnenglas in der Hand schleichend Umherziehenden brennt irgendeine alte Wunde. Und diese brennende Wunde, glauben sie, löscht nur des Brunnens Heilspendendes Wasser. Wie oft ist diese Wunde ein Vorbote des Todes? 
Nicht wenn die Sonne den Zenith erreicht, sieht man sie ausziehen – fürchten sie des Tages höchste Glut? Bei Sonnenaufgang wagen sie sich erst aus ihren Gemächern heraus. Am frühen Morgen eilen sie zu den Wassern – an des Tages Schwelle. Und am Tage hoffen und warten sie. – Hat dir, gebrochener Jude, der Tag keine Genesung gebracht, die Sonne deine Schmerzen nicht gelindert, das genossene Wasser deine brennende Wunde nicht gelöscht, so ist noch die Hoffnung immer nicht verloren. Bald geht der Tag zur Neige. In der Vordämmerung offenbart sich seinem Auge die untergehende Sonne in der Gestalt eines blutroten Feuerballes; bald ringt die Nacht sie nieder, schon ist der letzte Strahl hinter den bergen verschwunden. Der Abend zieht ein nach einer farbenreichen, stimmungsvollen Dämmerung, und hier an der Schwelle von Tag und Nacht – nach großem Wechsel und Geschehen regt sich wieder die Hoffnung in der kranken Brust des greisen, gebrechlichen, dahin schleichenden Juden. Und wieder zieht er zum Brunnen, denn Hoffnung und Ahnen durchzittert sein wundes Herz. 
Und so sitzen sie in stiller Dämmerung an den Wassern der Heilspendenden Brunnen und lassen sich vom milden Abendwinde Trost zusprechen. Sind wir am Tag nicht genesen, hat uns sein Licht kein Heil gespendet, so kann uns die Nacht Gesundheit bringen. In der Nacht wird alles geschaffen, alles Wachsen und Werden birgt sie in ihrem Schoß. Denn sie lispelt Rätsel, spinnt Träume, und in Abwesenheit des Lichtes webet sie ihre Lebensgedanken. Und wenn das Leben den Tod vertreibt, vielleicht vertreibt sie auch die Vorboten unseres Todes?

’Sie sind wohl aus Russland?’ Und er antwortet: ‚Ich bin aus Russland, habe Weib und Kind und Schwindsucht dazu. Ich bin aus Russland, habe Weib und Kinder zuhause und in Amerika, im Gefängnis und in der Fabrik, viele Kinder und wenig Geld, ich habe viel gearbeitet und hatte kein Brot, und meine beste Kraft verzehrte der Wind. Was ich gesehen, war Not; was ich geatmet, war Elend. Viel Arbeit und kein Geld, viel’ Kinder und viel Armut! Sie sehen, jetzt bin ich grau, obwohl noch kaum vierzig – Armut und Sorge und Schwindsucht dazu. Und hierher bin ich gekommen  in der Hoffnung – keine jungen Waisen zu hinterlassen - in der Hoffnung.’
Bad Soden FrfIsrFambl 21081908a.jpg (227932 Byte)Und langsam bringt er das Glas an den Mund, tut einen schwachen Schluck und seufzt – in der Hoffnung. - 
Sein Kurgenosse aber ist ein junger Mensch, auf dessen fahlem, hagerem Gesicht der Tod schon sein Siegel aufgedrückt. Das Auge ohne Leben, das Antlitz ohne Ausdruck. Er sitzt in sich zusammengekauert, als wenn ein Alp auf seinen Schultern lasten würde. Ein zerknirschtes, gebrochenes Geschöpf. Die Hand zittert, wenn er das Glas an den Mund bringt, und er gehört zu jenem Stamm, die nicht mehr gehen, sondern schlottern. Gleichgültig hört er die Rede des Alten, ohne jedes Mitgefühl, ohne jedes Bedauern. Kennen Tote Mitleid? Tot ist er, nur noch nicht gestorben. Aber die Alten flüstern sich zu: ‚Er ist verheiratet und Vater von Kindern, und wenn er stirbt, treten seine Kinder ein Erde an – seine Schwindsucht.’  
Jüngst, es war an einem regnerischen, kalten Dienstag, begegnete er mir am Brunnen und sprach zu mir: ‚Ich werde bald sterben. Sehen Sie, dieser dicke Herr, der augenscheinlich vor Gesundheit strotzt, ist ein Graf und ein Würdenträger, und auch er wird bald sterben; vor dem Tod sind wir alle gleich, das ist mein Glück. Ja, wenn ich allein sterben müsste? Allein sterben und alle am Leben lassen?’ Sprachs und verschwand. So hat auch der Tod seinen Trost und das Elend seine Majestät. 
Immer tiefer sinkt die Nacht. Ihr Himmel ist tief bewölkt, sternenlos und gleicht einem schwarzen Leichentuch. Eine schaurige Einsamkeit, ein rätselhaft stummes Schweigen verbreiten ihre Schrecken. Die alten, Zweigereichen Bäume längs der Chaussee und des Kurparks stehen stumm und unbeweglich, als wären sie vor der Angst nächtlicher Einsamkeit erstorben. Die Erde ist schwarz und feucht, und banges Walter ist ausgegossen auf dieses stille Tal. Stumme Nacht – bange Nacht. Aber die törichten Menschen, sie wollen den lauf der Dinge ändern, und Friedhöfe wollen sie umwandeln in Horte der Lust und des Gesanges. Da oben am Berge leuchten zwei Lampen, deren durch die Finsternis der Nacht matt gewordenes, gebrochenes Licht vom nächtlichen Dunkel verschlungen wird, gleich dem spärlichen Kerzenlicht in einem großen, finstern Keller. Aber nicht genug damit; oben schmettern die Fanfaren, und im Lichte - der Nacht hört es sich so bizarr, so grell, so katzenjämmerlich an. Was wollen die Husaren in diesem schweigsamen Tal? Wozu Glühlampen auf dem Friedhof? Menschentorheit, Eitelkeit der Eintragsfliege. Dumm, dumm, gottlosdumm – so die großen Herren und schönen Damen, die nicht Tuberkulose und Herzkrankheit hierhergebracht, sondern die Schwelgsucht hierher getrieben. ‚Lustig’ ist ihre Parole. Mag eine Totenstille über dem Tale ruhen, mag nächtliches Dunkel und nächtliche Verschwiegenheit Schweigen gebieten, mögen mit dem Tode Ringende sich nach Ruhe sehnen – geflötet muss werden. Husar! Du trommelst, oder ich reiße aus! 

Aber den Bewohnern des Tales sind diese banalen Ruhestörer lieber und willkommener als die Kranken und Gebrochenen, die hier Heilung und Genesung suchen. Daher wird musiziert, und sie musizieren so elend, so husarenmäßig, dass die Musik zur Ortsplage wird. Und im Rausch dieses Trommelns und im kleinen Kreise dieses spärlichen matten Lichtes lustwandeln große Herren und schöne Damen als gelte es, gegen die Natur zu rebellieren. Aber auch die verstehe ich. Vor Langeweile und Trägheit sucht man die schweigsame bange Nacht in einen Palast der Lust umzuwandeln, um die Schauer der Friedhofeinsamkeit mit Licht zu begießen.
Bad Soden FrfIsrFambl 21081908aa.jpg (13148 Byte)So ist der Winkel zwischen den Bergen ein Hort der Hoffnung und der Genesung für gebrochene Menschen, für kranke, dahinschlotternde Juden aus dem lande, wo das Elend von den Wänden schwitzt, aber auch eine Stätte des Müßigganges und der Trägheit für Menschen, die vor lauter Langeweile am Trommeln der Husaren sich ergötzen."

   
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1909/10   

Bad Soden AZJ 06051910.jpg (131519 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Mai 1910: "Frankfurt am Main, 2. Mai (1910). Dem soeben erschienen Jahresbericht der 'Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden' entnehmen wir, dass die Anstalt im verflossenen Jahre dank der Munifizenz der Frau Baronin W. von Rothschild in der Lage gewesen ist, den schon lange erforderlichen Neubau eines modern ausgestatteten und den Zwecken der Anstalt entsprechend eingerichteten Kurhauses zu errichten. Allerdings musste, da das Hauptgebäude wegen des Neubaues im Sommer außer Betrieb gesetzt werden musste, eine gewisse kleine Beschränkung in der Aufnahme von Kurbedürftigen erfolgen. Während im Vorjahr in der Anstalt 188 Personen mit 7359 Verpflegungstagen Aufnahme fanden, war es im vergangenen Sommer nur möglich, 175 Personen mit 6924 Verpflegungstagen in der Anstalt Aufnahme zu gewähren. Obwohl dieser so segensreich wirkenden Lungenheilstätte eine ansehnliche Anzahl von Beiträgen und Gaben, wie in früheren Tagen zuflossen, so reichten die Mittel doch immer noch nicht aus, um allen Ansprüchen und Bedürfnissen genügen zu können. Wie aus dem Rechnungsabschluss von 1909 ersichtlich, hatte die Anstalt ein Defizit von 1258 Mark zu verzeichnen. Die Einnahmen und Ausgaben balancierten mit 59.013 Mark. Der Vermögensstand der Anstalt beläuft sich Ende 1909 auf insgesamt über 200.000 Mark. Wie dem dem Jahresberichte beigefügten ärztlichen Bericht zu entnehmen ist, setzten sich die Patienten so ziemlich aus allen Teilen Deutschlands zusammen, doch waren auch einige Aufnahmen von Ausländern, und zwar aus Belgien, Frankreich, Russland und der Schweiz zu verzeichnen."  

         
Allgemeiner Bericht über die Kuranstalt von 1910  

Bad Soden FrfIsrFambl 09091910.jpg (129560 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. September 1910: "Israelitische Kuranstalt Bad Soden, welche dank ihrer praktischen, allen Anforderungen der modernen Hygiene entsprechenden Einrichtungen, den herrlichen Neubau, welchen Freifrau W. C. von Rothschild in hochherziger Weise errichten ließ, imstande ist, wirklich viel Gutes zu leisten. Die Sodener Anstalt ist das einzige jüdische Sanatorium, welches Sommer wie Winter Männer und Frauen ihren religiösen Grundsätzen getreu verpflegt. 
Die Verwaltung übt ihr schweres verantwortungsvolles Amt mit voller Liebe und Hingebung, aber sie ist sich bewusst, dass es ihr möglich wäre, noch viel mehr Unglücklichen zu helfen, wenn nicht Geldmangel sie zwingen würde, einen großen Teil der Hilfesuchenden abzuweisen. Bereits mitten im Jahre sind die verfügbaren Mittel, aus Jahresbeiträgen und Geschenken bestehend, aufgezehrt. 
Mit größter Opferfreudigkeit begründet, blickt die Sodener Anstalt heute auf eine überaus segensreiche Entwicklung zurück. Möchte diese Entwicklung nicht gehemmt werden. Niemals hat es unserem Volke an offenen Händen und Herzen gefehlt, wenn es galt, eine der großen Mizwaus (Gebote), wie Bikur Chaulim (Krankenbesuch/Krankenpflege) es ist, zu erfüllen. Möchten diese Zeilen als Appell an alle jüdischen Herzen es ermöglichen, dass die Sodener Anstalt in immer größerem Umfang auch fernerhin den Ansprüchen gerecht werden kann, die von so vielen jüdischen Kranken an sie gestellt werden. Es ist die Pflicht eines jeden jüdisch denkenden Menschen, die schöne Anstalt nach besten Kräften zu unterstützen, damit sie ihre Aufgabe in weitem Maße erfüllen kann."

  
25-jähriges Jubiläum der Kuranstalt (1910)  

Bad Soden FrfIsrFambl 30091910.jpg (186027 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. September 1910: "Zum 25jährigen Jubiläum der Sodener Kuranstalt für arme Israeliten. Wenn wir bei einem Ausflug in den lieblichen Taunus durch das altberühmte Bad Soden kommen – wir haben uns in seinem schönen Kurparke an den herrlichen Anlagen erfreut, haben in dem Quellenpark die verschiedenen Brunnen gekostet und sogar ‚Champagner’ getrunken – und wir glauben schon Soden wieder verlassen zu haben, - da lenkt ein eigenartiger Gebäudekomplex unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir treten näher heran und lesen die Inschriften: ‚Unbefugten ist der Zutritt verboten’, ‚Besuchszeit von 5-7 Uhr nachmittags’ - - Was ist denn das?  -  ‚Die Kuranstalt für arme Israeliten.’   ‚Für arme Israeliten?’ fragte mich einmal ein Spaziergänger, ‚warum denn gerade für diese, es gibt doch viel mehr arme Christen.’ Und seine Begleiterin fügte naiv hinzu: ‚Arme Israeliten gibt’s doch gar nicht.’ – Leider scheint es doch welche zu geben, und verhältnismäßig gibt es viel mehr arme Juden als arme Christen. Aber darauf kommt es gar nicht an. Vielmehr kommt es nur darauf an, ob sich Männer finden, die das gute Herz und den energischen Willen haben, für ihre leidenden Glaubensgenossen ihre Zeit und ihre Kraft zu verwenden. Finden sich solche Männer, dann sind die Mittel auch vorhanden, und dafür ist dieser Bau ein beweis. ‚Ob man ihn wohl besichtigen darf?’ fragt wohl der eine mit einem Seitenblick auf das Plakat. Selbstverständlich wird das gerne gestattet. Wir treten in einen weiten hellen Vorraum, der eine Flucht von Zimmern verbindet. Im Parterre finden wir das modern eingerichtete Sprechzimmer, Laboratorium und Dunkelkammer, das Wartezimmer und das Büro. Auf der anderen Seite des Ganges liegen die Küchenräume. Fleisch- und Milchküche natürliche getrennt, mit den neuesten hygienischen Einrichtungen versehen. Von hier aus kommt man in den Speisesaal, einen freundlichen hellen Raum, der von 2 Seiten nur Glaswände hat und volles Licht empfängt. – Im Sommer braucht man nur die großen Fenster zu öffnen und die Patienten speisen vollständig im Freien. Hieran schließt sich der Gesellschaftsraum. Spieltische laden hier zu allerhand Brettspielen ein, ein Flügel ermöglicht musikalische Unterhaltungen, und Zeitschriften und Bücher bieten jedem Zerstreuung. Ein Schrein mit Torarollen erzählt uns, dass die Patienten sich hier zum Gebet vereinigen können.  
Im zweiten Stock besuchen wir zuerst die Liegehalle, ein weiter, breiter Raum, in dem etwa 30 Patienten Liegekur machen können. Durch seine gediegene Einrichtung wirkt dieser Raum ebenso angenehm wie durch den freundlichen Ausblick auf die grünen Fluren. Die anderen Räume dienen als Krankenzimmer, die fast alle nach Süden gehen, entsprechend den Anforderungen der modernen Hygiene.
Bad Soden FrfIsrFambl 30091910a.jpg (244540 Byte) Dieser ist überhaupt im ganzen Bau Rechnung getragen. Überall fallen uns die weiten Fenster auf, die Licht und Luft in menge einlassen. Die Fußböden sind leicht waschbar und die Ecken alle angerundet. – Ein heller, freundlicher Anstrich ruft in uns einen sympathischen Eindruck hervor. Wir kommen die Treppen herunter und lesen folgende Inschrift: ‚Dieser Bau wurde errichtet zum Wohle leidender Israeliten durch Freifrau Wilhelm von Rothschild im Jahre 1909.’
’Natürlich’, sagt der Besuch, ‚wenn man auf solche Hilfe rechnen darf, dann kann man auch leicht solchen Bau hinstellen.’ Wodurch wurde aber die Baronin zu dieser hochherzigen Stiftung veranlasst? – Das hat seine Geschichte: Vor 25 Jahren, in den Märztagen, kamen zwei Männer aus Frankfurt am Main und mieteten hier einige Räume, die sie zur Aufnahme von kurbedürftigen armen Juden einrichteten. Eine Köchin besorgte die Verpflegung, ein Arzt übernahm die Behandlung, und so glaubten die Herren mit geringen Mitteln bessere Resultate zu erzielen, als wenn sie bar Geld dem Patienten aushändigten, wie sie es bisher getan hatten. Wenn sie geahnt hätten, welche Summen in den nächsten 25 Jahren umgesetzt werden würden, auch diese Männer, die an gewaltige Leistungen der Wohltätigkeit gewohnt waren, hätten wohl den Mut verloren. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Patienten rasch, und in den 25 Jahren sind zirka 5000 Patienten verpflegt worden. 

Selbstverständlich mussten dementsprechend die Räume vergrößert werden. Das Haus, das sie in der Dachbergstraße erworben hatten, war bald zu klein. Es wurden die anliegenden Wiesen angekauft und durch eine hochherzige Spende des wohltätigen Barons von Rothschild ein Speisesaal mit Küche errichtet. –Um ein ständiges Personal zu erhalten, wurde bald auch im Winter die Anstalt geöffnet und zu diesem Zweck ein Stock mit Wohnzimmer auf den Speisesaal aufgesetzt. – Die Anstalt hatte während des Winters besonders glänzende Erfolge zu verzeichnen, sodass auch die Winterkur eine immer größere Ausdehnung nahm. Im Jahre 1909 stieg die Zahl der Patienten auf 21, die während des ganzen Winters verpflegt wurden. Die Notwendigkeit, ein Dampfheizung einzurichten und Differenzen mit den Allgemeinen Elektrizitäts-Werken, sowie Mangel an Wasser in der ‚Städtischen Leitung’ zwangen die Anstalt, einen Bau herzustellen, der allen diesen Anforderungen genügte. Eigene Lichtanlagen wurden geschaffen, eine Dampfwäscherei damit verbunden und durch eine eigene Wasserleitung die Möglichkeit gegeben, auch die nötigen Bäder in der Anstalt herzustellen, und in diesem Jahre – gleichsam als Festgeschenk zur Feier des Jubiläums – wurde das neue Gebäude aufgestellt, in welches alle Verwaltungsgebäude hineinverlegt wurden. Über die Aufbringung der Mittel geben uns die Jahresberichte Auskunft. Ein Teil wurde durch Mitgliederbeiträge, ein Teil durch Geschenke aufgebracht und das Defizit, das gewöhnlich nicht unbeträchtlich war, durch die hochherzigen Gaben des Barons und seiner edlen gleich gesinnten Gattin der Baronin von Rotschild gespendet. Sie waren es auch, die die Neubauten errichten ließen. Eine Anzahl von Freibettstiftungen sind durch Tafeln am Eingang mit den Namen der edlen Spender verewigt. Großen Dank schuldet auch die Anstalt einem Wohltäter aus Frankfurt am Main, der seit einer Reihe von Jahren den ganzen Wein für die Patienten in hochherziger Weise reichlich gespendet hat. In diesen Tagen schließt die Anstalt ihre 25. Saison. Die Herren vom Vorstande und die Gönner der Anstalt müssen die vollste Befriedigung finden in dem Gedanken an das, was sie geleistet haben. Diese Befriedigung ist der schönste Lohn für ihre Arbeit, die sie im Interesse der leidenden Glaubensgenossen noch Jahre lang ausüben mögen."

   
Wohltätigkeitskonzert zugunsten eines Kranken (1912)  

Bad Soden FrfIsrFambl 06091912.jpg (102651 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 6. September 1912: "Soden im Taunus. Dienstag veranstalteten einige Frankfurter Künstler und Dilettanten ein Wohltätigkeits-Konzert zu Gunsten eines bedürften kranken Juden. Fräulein Veith, die Leiterin der ’Kuranstalt für arme Israeliten’, hatte den Anstaltssaal zur Verfügung gestellt, sodass dem Unternehmen keine Ausgaben erwuchsen. Den Abend eröffnete Kapellmeister Rudolf Löwe mit der Preluda von Wilbuschewitza, der er mit ausgezeichneter Fertigkeit und mit tiefem Gefühl vortrug. Hierauf erntete B. Baurau beim Vortrag von ‚Die Nacht’ von Tschaikowsky, ‚Die beiden Grenadiere’ von Schumann und besonders durch das Jargonlied ‚Alef Beis’ mit seinem klangreichen Bariton reichen Beifall. J. van Collem sang mit seinem vollen und überaus sympathischen Tenor u.a. auch die Ballade ‚Die Uhr’ von Löwe, die ihm den ganz besonderen Beifall des Publikums eintrug, sodass er sich zu einigen Zugaben verstehen musste. Hervorragend zeichnete sich auch Frl. Minna Weltmann aus, die Jargonlieder vortrug. Man kann den Abend in jeder Beziehung als gelungen betrachten, da auch der finanzielle Ertrag nichts zu wünschen übrig ließ."

  
Oberin Ida Beith ist gestorben (1918)  

Bad Soden FrfIsrFambl 18101918.jpg (11147 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1918: "Soden. Ida Beith, seit 32 Jahren Oberin der Israelitischen Kuranstalt, ist verschieden."

 
Eröffnung der Saison 1926  

Bad Soden Israelit 18051926.jpg (29180 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1926: "Bad Soden, 23. April (1926). Die Israelitische Kuranstalt in Bad Soden am Taunus, in welcher Lungen- und Asthmakranke behandelt werden, hat ihren Sommerbetrieb am 15. April eröffnet. Da wegen Platzmangel nur eine beschränkte Anzahl von Patienten aufgenommen werden kann, empfiehlt es sich, Aufnahmegesucht baldigst an Herrn M. Tannenbaum, Frankfurt am Main, Oberlindau 56 zu richten."

   
Meldung von 1933 zum weiteren Betrieb der Kuranstalt  

Bad Soden Israelit 15061933.jpg (28237 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1933: "Bad Soden im Taunus, 12. Juni (1933). Die Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden im Taunus, die bekannte Heilstätte für Erkrankung des Herzens und der Atmungsorgane, ist, wie uns mitgeteilt wird, in unveränderter Weise in Betrieb. Anfragen können direkt an die Anstalt gerichtet werden."

     
Empfehlungen für die beiden deutschen Heilstätten für jüdische Lungenleidende: in Bad Soden und in Nordrach (1934)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1934: "Lungenleidende können in zwei vorzüglich ausgestatteten, fachärztlich geleiteten jüdischen Anstalten, der Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach in Baden (nur für weibliche Kranke) und der Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden im Taunus (für männliche und weibliche Kranke) Aufnahme finden. Die in Lungenheilstätten üblichen modernen Behandlungsmethoden werden angewandt. Beide Anstalten liegen in landschaftlich bevorzugter Gegend und verfügen über alle Kurhilfsmittel, wie Liegehallen, Terrassen usw. - Die Kuranstalt in Bad Soden ist neuerdings weitgehend modernisiert und auch ärztlich noch ausgebaut worden. Privatpatienten, Versicherte und von jüdischen Organisationen betreute Patienten finden Aufnahme und ärztliche Betreuung zu mäßigen Sätzen. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte belegt die Anstalten seit vielen Jahren. Es ist uns bekannt, dass sie entsprechenden Anträgen von Kranken, die auf rituelle Verpflegung Wert legen, im allgemeinen Rechnung trägt.   
In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass Versicherte, die ihre Stellung verloren und das freiwillige Weiterkleben der Beitragsmarken für die Reichsversicherung unterlassen haben, ihre Anwartschaft auf Versicherungsleistungen wieder herstellen können, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nach Verlust der Stellung die fehlenden Marken nachkleben. Weitere Auskünfte erteilt die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte oder ihre Vertrauensmänner an den einzelnen Orten."       
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1934: "Heilstätten für jüdische Lungenleidende. Berlin, 5. November (1934). Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden teilt auf mehrfache Anfragen mit, dass Lungenleidende in zwei vorzüglich ausgestatteten, fachärztlich geleiteten jüdischen Anstalten, der M.A. von Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach im badischen Schwarzwald (nur für weibliche Kranke) und der Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden am Taunus (für männliche und weibliche Kranke) Aufnahme finden können. Beide Anstalten liegen in landschaftlich bevorzugter Gegend und verfügen über alle Kurhilfsmittel wie Liegehallen, Terrassen usw. In beiden Heilstätten werden alle modernen Behandlungsmethoden, auch solche chirurgischer Art, angewandt. Besonders wird darauf hingewiesen, dass Winterkuren im allgemeinen zweckmäßiger sind als Sommerkuren.   
Privatpatienten, sowie Versicherte und von jüdischen Organisationen verschickte Patienten finden Aufnahme und ärztliche Betreuung zu mäßigen Sätzen. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, sowie die Landesversicherungsanstalten belegen die Anstalten seit vielen Jahren und tragen entsprechenden Anträgen von Kranken, die auf rituelle Verpflegung Wert legen, im allgemeinen Rechnung. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass Versicherte, die ihre Stellung verloren und das freiwillige Weiterkleben der Beitragsmarken für die Versicherung unterlassen haben, ihre Anwartschaft auf Versicherungsleistungen wieder herstellen können, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nach Verlust der Stellung die fehlenden Marken nachkleben.   
Weitere Auskünfte erteilt die Zentralwohlfahrtstelle der deutschen Juden, Abt. Tuberkulosefürsorge, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, sowie die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte oder ihre Vertrauensmänner an den einzelnen Orten."      

  
Anzeigen für die Kuranstalt für Israeliten (1933 / 1934)  

Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Mai 1933:  
"Bad Soden am Taunus 
(Kurort für Herz, Atmungsorgane, Asthma, Bronchitis). Jüdische Kurgäste erhalten jede gewünschte Auskunft durch 
Kultusvorstand Dr. med. Isserlin, Hauptstraße 6."       
 
Anzeige in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. Juli 1933: "Bad Soden am Taunus (Ruhiger Kurort für Herz, Atmungsorgane, Asthma, Bronchitis). Jüdische Kurgäste erhalten jede gewünschte Auskunft durch Kultusvorstand Dr. med. Isserlin, Hauptstraße 6".    
 
Bad Soden Israelit 07061934.jpg (49307 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1934: "Bad Soden am Taunus - Kuranstalt für Israeliten. Chefarzt Dr. Isserlin, Arzt im Hause. 
Abteilung 1. Für Katarrhe, Asthma, Herzleiden. Volle Pension (ohne ärztliche Behandlung) von Mark 6.- an. Vergünstigungskuren der Kurverwaltung bei Einkommen bis 3.500 Mark. Volle Kur mit Arzt und Kurmitteln Mark 249.- und Mark 263.- für 28 Tage.   
Abteilung 2: Für Leichtlungenkranke. Völlig modernisiert, fließendes Wasser, reichliche Verpflegung. Volle Pension inklusive laufender ärztlicher Behandlung., Mark 7,00 und Mark 7,50 täglich.  Näheres durch die Verwaltung der Kuranstalt für Israeliten, Bad Soden, Talstraße 2."

   
Zum Tod von Max Tannenbaum, 2. Vorsitzender der Kuranstalt (1936)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1936: "Am 6. dieses Monats verschied unser 2. Vorsitzender 
Herr Max Tannenbaum. 
In über 20-jähriger, selbstloser, hingebender Arbeit hat er unsere Anstalt betreut und geleitet. Noch in den letzten Tagen und Stunden seines Daseins galt seine Sorge der Anstalt. Sein Wirken wir uns unvergessenes Vorbild bleiben.  
Das Kuratorium der Kuranstalt für Israeliten, Bad Soden am Taunus."   

   
Feier in der Kuranstalt zu Simchas Tora (1936)     

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 15. Oktober 1936: "Feier in der Israelitischen Kuranstalt Bad Soden.  Als Simchasthora-Nachklang wurde am Sonntag Abend den den Pfleglingen der Sodener Israelitischen Kuranstalt und den dortigen jüdischen Familien eine große Freude bereitet. Frankfurter Damen und Herren der Gesellschaft stellten sich bereitwilligst in den Dienst der guten Sache und brachten unter der sachkundigen Leitung von Herrn Regisseur Bermann einen in jeder Weise gelungenen Abend auf die Beine.  
Herr und Frau Blumenthal erfreuten die Gäste mit einer Reihe von Liedern und Operetten-Duetten, und auch Herr Bermann, der Leiter des Abends, hatte mit seinen wohlgelungenen Vorträgen einen großen Erfolg. Ein Zauberkünstler, Herr Dreiker (ein Pflegling der Anstalt) versetzte die Zuhörer in ungewöhnliches Staunen. Trude Kanter brachte ihre Chansons formvollendet und mit großem Charme zum Vortrag. Über die kleine Margot Hirsch an dieser Stelle nochmals lobende Worte zu bringen, erübrigt sich, denn sie leistete, wie immer - Hervorragendes. Kurt Rosenbusch als Ansager verstand es, mit einer von allen Banalitäten freien Conférence die Gäste ganz in seinen Bann zu ziehen. Frau Lorsch-Morgenstern erwies sich, wie so oft, als eine einfühlungsfähige und ausgezeichnete Begleiterin und Pianistin. 
Man sollte wünschen, dass vielen jüdischen Anstalten öfters solche sonnigen Stunden geschenkt werden."          

 
Die Kuranstalt ist für die Aufnahme von Patienten wieder zugelassen (1936)  

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Oktober 1936 S. 17: "Die Gesundheitsverwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit: 'Die Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden am Taunus, bei der in den letzten Monaten Schwierigkeiten bezüglich der Aufnahme von Patienten der Reichsversicherung für Angestellt zugelassen. Einweisungen können daher in der gleichen Weise wie früher erfolgen. Die für Lungenkranke bestimmte Kuranstalt nimmt auch Privatpatienten zu angemessenen Bedingungen auf." 

    
      

Links und Literatur 

Links:   

Seite der AG Stolpersteine in Bad Soden: http://stolpersteine.in-bad-soden.de/    
Seite der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis e.V. zu den Spuren jüdischen Lebens in Bad Soden    

Literatur u.a.:

Shalom Adler-Rudel: Jüdische Selbsthilfe unter dem Naziregime im Spiegel der Berichte der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Instituts Bd. 29. Mohr Siebeck Tübingen 1974. 

            
             

            

 

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Stand: 20. November 2016