Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern) 
Jüdische Geschichte / Jüdischer Friedhof
   

 Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Zur Geschichte des Friedhofes  
Lage des Friedhofes   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    
    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
     
In der 1235 gegründeten Stadt Malchow lebten vermutlich bereits im Mittelalter einzelne Juden. Um 1490 werden erstmals welche in der Stadt genannt. 1492 wurden die im Müritzgebiet lebenden Juden vertrieben. 
  
Erst Ende des 17. Jahrhunderts konnten sich Juden in Malchow wieder niederlassen. Nach den Erinnerungen der Familie Jacobson zog um 1700 Salomon Jakauf aus Röbel in Malchow zu und betrieb hier einen Handel mit Garnen und Webstoffen. 
   
In der Mitte des 18. Jahrhunderts zogen weitere jüdische Händler in der Stadt zu. 1797/1801 lebten sechs jüdische Familien in der Stadt, 1802/03 fünf, 1804/10 sieben. 1811 bis 1819 sind es insgesamt 48 Personen. Erste Vorsteher der um 1810 gegründeten jüdischen Gemeinde waren Joseph Moses und Salomon Jakob. 
  
Eine Synagoge wurde zwischen 1820 und 1825 gebaut. Der Großherzog hatte Bauholz für das Gotteshaus zur Verfügung gestellt. Die Synagoge stand auf dem heutigen Grundstück Lange Straße 64 (Gebäude wurde Anfang der 1990er-Jahre abgebrochen). 
   
1828
wurden 63 jüdische Einwohner in zehn Familien gezählt (Gesamteinwohnerzahl 2.250). Die jüdischen Familien verdienten ihren Lebensunterhalt als Kauf- und Handelsleute, sechs hatten 1828 bereits offene Läden. Um 1840 wurde eine jüdische Religionsschule eingerichtet. Als erster Lehrer (zugleich Vorbeter und Schächter der Gemeinde) wirkte von 1829 bis 1841 Jacobi Valentin. 1880 lebten 108 jüdische Personen in der Stadt (von insgesamt 3.350 Einwohnern), danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Landesrabbinat in Schwerin. 
  
Mitte der 1920er-Jahre
, als nur noch 22 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden, waren Synagogenvorsteher Isidor Jacobson und Semmy Schlomann. Religionslehrer, Kantor und Schächter war A. Steinkritzer aus Parchim. Er unterrichtete noch drei jüdische Kinder in Malchow. Bereits in den 1920er-Jahren konnten kaum noch jüdische Gottesdienste in der Synagoge gefeiert werden. 
  
1935 wurde das Synagogengebäude mit dem Grundstück verkauft. In Malchow lebten nur noch die die beiden jüdischen Familien von Richard Schlomann und Betty Jacobson. Richard Schlomann (geb. 1878), Hedwig Schlomann sowie der Enkel Harry Schlomann wurden im November 1942 von Rostock nach Theresienstadt deportiert. Betty Jacobsohn geb. Levy (geb. 1867) wurde 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Die genannten Personen haben die Zeit im KZ nicht überlebt.  
  
  
  
Zur Geschichte des Friedhofes          
  
Der jüdische Friedhof in Malchow wurde vermutlich um 1790/1800 angelegt. Genauere Angaben lassen sich aus den bisher ausgewerteten Quellen nicht machen. 1810 wurde ein von einzelnen Mitgliedern der israelitischen Gemeinde gestifteter jüdischer Privatleichenverein gegründet. Im Grundbuch der Stadt war der Friedhof als Eigentum der jüdischen Gemeinde eingetragen unter dem Grundbuchblatt 2921 (Bestattungsplatz 606 qm) und unter Grundbuchblatt 6922 die nicht mehr bestehende Leichenhalle mit 21 qm.
   
Auf dem Friedhof wurden nach der Übersicht von Karl-Heinz Oelke (s. Lit.) auf Grund einer Auswertung der Sterbeanzeigen in den "Malchower Nachrichten" bzw. dem "Malchower Tageblatt" zwischen 1891 und 1929 (für zuvor und danach liegen keine Angaben vor!) folgende Personen beigesetzt: Elias Moses Löwenthal (1825-ca. 1886), Eli Jacobson (1860-1880), Clara Jacobson (1882-1883), Anna Jacobson (1884-1885), S.S. Jacobson (1806-1891), M. Philippson (1809-1892), Nathan Schlomann (1808-1895), August Schlomann (1873-1898), Sara Pincus (? -1898), Moritz Jacobson (1848-1899), Eva Meyer geb. Heynßen (1821-1899), Marianne Schlomann (1805-1900), Julius Löwenthal (1852-1900), S. M. Jacobson (1820-1903), L.M. Levy (1821-1903), Hermann Levy (1859-1905), Jonas Ascher (? - 1906), Sophie Schlomann geb. Seligson (1851-1906), Max Löwenthal (1856-1907), Helene Löwenthal (1825-1908), Felix Schlomann (1876-1908), Marianne Jacobson (1820-1908), Emilie Ascher geb. Kohl (1849-1909), Isaak Louis (1831-1911), Friederike Schlomann (1840-1913), Henriette Levy (1830-1914), Emmi Löwenthal (? - 1915), Louis D. Levy (1833-1915), Eva Löwenthal (? - 1916), Friederike Schlomann (1850-1923), Selma Koppel geb. Levy (? - 1923), Philippine Levy (? - 1924), Hermann Löwenthal (? - 1923), Sophie Louis (1841-1926), Semmy Schlomann (1854-1927), Rebecke Levy (1837-1927), Betty Schlomann (? - 1928), Isidor Jacobson (? - ca. 1936/38)
   
1920 kam es zu einer ersten schweren Grabschändung. Zwischen dem 7. und 9. April wurden acht Gräbsteine umgestürzt, mehrere dadurch zerstört. Der Friedhof wurde in der NS-Zeit u.a. von SA-Leuten zerstört. Am 28. September 1944 ging der Friedhof nach der Beschlagnahmung des Grundstückes durch das Reich an die Stadt Malchow über. Die Leichenhalle war damals bereits zerstört. Mitverkauft wurden die noch vorhandenen Grabdenkmäler bzw. Grabsteine, die Einfriedungsmauer und die auf dem Friedhof befindliche alte, inzwischen unbrauchbar gewordene Pumpe. Die Stadt Malchow hatte dem Reich RM 550 zu bezahlen (Grundstücke mit Mauer und Pumpe RM 50, Grabdenkmäler bzw. Grabsteine RM 500). Nach dem damaligen Bericht war die Grabdenkmäler bzw. Grabsteine "zum Teil abgebrochen und umgestürzt", "vielfach von Unkraut und altem Laub überwuchert, auch werden verschiedene Denkmäler beschädigt sein... Der Kirchhof liegt verwildert da". 
   
Bis Ende der 1980er-Jahren waren noch einige Grabsteine und Grabsteinfragmente erhalten. 1988 stellte die Stadt eine mit Palmenzweigen und Davidstern geschmückte Tafel auf. Nach einem Bericht von 1993 wurden keine Grabsteine mehr vorgefunden. 1994 bis 1996 wurde das Gelände wieder hergerichtet, die Umfassungsmauer repariert und offensichtlich auch das Grabmal Schlomann wieder aufgestellt. Schüler von Malchower Schulen pflegen den Friedhof

    
    
Lage des Friedhofes   
  
Der jüdische Friedhof liegt unmittelbar östlich des allgemeinen Friedhofes beim Gebäude der Friedhofsverwaltung.

Lage des jüdischen Friedhofes in Malchow auf dem dortigen Stadtplan: links anklicken und unter
 "Behörden und öffentl. Einrichtungen" weiterklicken zu "Friedhof, jüd."

  
  
Fotos
 
(Fotos: Hans-Peter Ziehmann, Denkendorf, Aufnahmedatum August 2005)   

Malchow Friedhof 102.jpg (45354 Byte) Malchow Friedhof 101.jpg (66857 Byte) Malchow Friedhof 100.jpg (50878 Byte)
Hinweistafel  
  
Einzige erhaltene Grabstätte, für 
Hermann Schlomann (1843-1912) und 
Friederike Schlomann (1840-1913)  
Nur die Inschrift für Hermann Schlomann 
ist noch zu lesen 
     
     

      
        

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Malchow  
Wikipedia-Artikel "Jüdischer Friedhof (Malchow)"   
Website www.juden-in-mecklenburg.de mit Unterseiten zu den Friedhöfen www.juden-in-mecklenburg.de/Friedhoefe      

Literatur:    

Malchow Publikation 01.jpg (29471 Byte) Karl-Heinz Oelke: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Malchow (Mecklenburg). 1994.
Zeugnisse jüdischer Kultur S. 38-39.  
Brocke/Ruthenberg/Schulenburg S. 496.  

   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Dezember 2015