Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Laupheim (Landkreis Biberach) 
Jüdischer Friedhof  

 Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (Link)  
Zur Geschichte des Friedhofes  
Die Lage des Friedhofes  
Fotos     
- Historische Fotos / Abbildungen   
- Neuere FotosDer Friedhof im September 2007   Der Friedhof im September 2003    Fotos Mitte der 1980er-Jahre     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
-  hier auch: Fotos zur Restaurierung der Grabsteine in Laupheim    
Einzelne Presseberichte zum jüdischen Friedhof in Laupheim 2011 -            
Links und Literatur   

   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
   
Siehe Seite zur Synagoge in Laupheim (interner Link)     
  
   
Zur Geschichte des Friedhofes          
   
Der Friedhof der jüdischen Gemeinde auf dem "Judenberg" wurde nach 1730 angelegt und später mehrfach erweitert (Fläche 46,27 ar). Er hat die NS-Zeit nahezu unversehrt überstanden. Ende 1942 wurden alle Metallgegenstände von den Grabsteinen entfernt. Nur die Bronzetafel mit den Namen der Kriegstoten des 1. Weltkrieges verblieb am Gefallenendenkmal. Der Friedhof ist auch nach 1945 mehrfach belegt worden. Am Eingang wurde 1984 eine große Gedenktafel mit den Namen der Laupheimer Opfer der Verfolgungszeit 1933 bis 1945 angebracht. 
  
Die Leichenhalle am Friedhof wurde 1822 erbaut, 1907 durch eine neue am selben Standort (Judenberg 24) ersetzt. 2013 wird sie zu einer Begegnungs- und Gedenkstätte umgebaut (siehe Pressebericht unten). 
  
Auf den ca. 1.200 Gräbern sind ca. 1.000 Grabsteine erhalten. 
     
     
Die Lage des Friedhofes  

Laupheim FriedhofPlan.jpg (91436 Byte)
Lage des jüdischen Friedhofes Laupheim
 (durch Pfeil markiert)
(Karte kann durch Anklicken vergrößert werden) 
(Topographische Karte aus den 1970er-Jahren)  
Lage des jüdischen Friedhofes in Laupheim auf dem dortigen
 Stadtplan: oben anklicken und unter "Behörden und öffentliche
 Einrichtungen" weiterklicken zu "Friedhof, israel., Laupheim"  
  
     

Link zu den Google-Maps  

   
    
Fotos 
Historische Fotos/Abbildungen
 
(Quelle: Jüdische Friedhöfe und Gotteshäuser in Württemberg. Hg. vom Oberrat der Israeliten in Württemberg 1932; Plan des Totenhauses: Museum für Christen und Juden, Laupheim) 

Laupheim Friedhof1932a.jpg (86385 Byte) Laupheim Friedhof1932b.jpg (96643 Byte) Laupheim Friedhof1932c.jpg (192104 Byte)
     
     
Das Totenhaus 
Judenberg 24
(Baupläne von 1907)
Laupheim Friedhof 831.jpg (92219 Byte)  Laupheim Friedhof 830.jpg (109164 Byte)
   Ansicht des 
Totenhauses
   
 Plan des Totenhauses: Erdgeschoss 
mit Vorhalle, Zimmer des Wärters 
und Leichenzelle  

   
Neuere Fotos  

Der Friedhof im September 2007
(Fotos: Angelika Brosig, Schopfloch; Aufnahmedatum: 19.9.2007)

  
Laupheim Friedhof 494.jpg (93828 Byte) Laupheim Friedhof 496.jpg (83600 Byte) Laupheim Friedhof 495.jpg (96386 Byte)
Blick über den Friedhof  Gang über den Friedhof mit dem um die Erhaltung des Friedhofes 
hoch verdienten Ernst Schäll (gestorben Oktober 2010; siehe unten)
   
   
Laupheim Friedhof 493.jpg (97635 Byte) Laupheim Friedhof 492.jpg (115629 Byte) Laupheim Friedhof 491.jpg (51945 Byte)
Teilansicht   Grabstein mit reicher Symbolik, u.a.
 "segnenden Händen" der Kohanim
In die Seitenmauer eingefügte
 Grabsteinfragmente
   
     
  Laupheim Friedhof 490.jpg (97529 Byte)  
    Grabstein mit "segnenden Händen"
 der Kohanim für Schmuel S. Naftali KaZ
 (gest. 1764)
  
         

Der Friedhof im September 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 9.9.2003)

 
Laupheim Friedhof 150.jpg (68014 Byte) Laupheim Friedhof 151.jpg (53454 Byte) Laupheim Friedhof 152.jpg (40516 Byte)
Der Friedhofseingang 
auf dem "Judenberg"
Inschrift 
am Eingang
Eingangstüre
    
     
Laupheim Friedhof 153.jpg (68904 Byte) Laupheim Friedhof 154.jpg (79561 Byte) Laupheim Friedhof 157.jpg (89615 Byte)
Gedenktafel mit den Namen der in 
der NS-Zeit umgekommenen
 Laupheimer Juden
Der Hauptweg durch den 
Friedhof (Blick vom Eingang)
Blick zum Gefallenendenkmal 
des Ersten Weltkrieges (Mitte)
      
     
Laupheim Friedhof 158.jpg (83651 Byte) Laupheim Friedhof 170.jpg (92102 Byte) Laupheim Friedhof 172.jpg (86670 Byte)
Das Denkmal für die im 
Ersten Weltkrieg Gefallenen
Teilansichten
   
   
Laupheim Friedhof 155.jpg (85624 Byte) Laupheim Friedhof 168.jpg (86951 Byte) Laupheim Friedhof 164.jpg (98528 Byte)
Teilansichten
 
Laupheim Friedhof 165.jpg (85653 Byte) Laupheim Friedhof 167.jpg (92285 Byte) Laupheim Friedhof 166.jpg (89113 Byte)
Teilansichten 
 
Laupheim Friedhof 169.jpg (82587 Byte) Laupheim Friedhof 156.jpg (84324 Byte) Laupheim Friedhof 171.jpg (76249 Byte)
   Grabstein für Rabbiner 
Dr. Leopold Treitel (1845-1931) 
und seine Frau Rebekka
Symbole: Schofar auf Buch
    
     
Laupheim Friedhof 162.jpg (87486 Byte) Laupheim Friedhof 160.jpg (85635 Byte) Laupheim Friedhof 161.jpg (76013 Byte)
Gräber aus den 
Jahren 1941/42 
Grabstein für Josef Bergmann 
und seine Frau Friedericke 
Erinnerungsplakette für John H. Bergmann,
 Chronist der jüdischen Geschichte
 Laupheims (1908-1996) 
    
     
Laupheim Friedhof 173.jpg (94880 Byte) Laupheim Friedhof 159.jpg (93324 Byte) Laupheim Friedhof 163.jpg (93925 Byte)
Grab für Melanie Steiner-Herz 
(1872-1956)
Grabstein für Kantor Emil Dworzan
 (1856-1931), Frau Rosa und 
Tochter Alwine 
   
  
     
 

Laupheim Friedhof 174.jpg (99310 Byte)

 
Von Jugendgruppe gepflanzter "Mandelbaum" mit Text des Liedes von Schalom Ben-Chorin ("Freunde, dass der Mandelzweig..."), dessen Vorfahren teilweise aus Laupheim stammten. 

    
Fotos Mitte der 1980er-Jahre 
(Fotos: Hahn, entstanden Mitte der 1980er-Jahre)  

Laupheim Friedhof01.jpg (73739 Byte)  Laupheim Friedhof02.jpg (50169 Byte) Laupheim Friedhof05.jpg (112550 Byte) 
Eingangstor  Inschrift 
am Eingangstor
Namenstafel für die in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Laupheimer 
   
     
 Laupheim Friedhof08.jpg (110897 Byte)  
Laupheim Friedhof03.jpg (125417 Byte)
Laupheim Friedhof06.jpg (82255 Byte)
Teilansicht des Friedhofes am Hauptweg durch den Friedhof Charakteristischer Segenswunsch
     
Laupheim Friedhof04.jpg (124031 Byte) Laupheim Friedhof07.jpg (94674 Byte) Laupheim Friedhof09.jpg (123138 Byte)
Teilansicht Neueres Grab Gefallenendenkmal 

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Laupheim Schaell 1986.jpg (44093 Byte)November 1986:  Über die Arbeit von Ernst Schäll (gest. 2010)  
(Foto links: Ernst Schäll und der Webmaster der "Alemannia Judaica" Dr. Joachim Hahn in Laupheim ca. 1986)     
Laupheim PA 15111986.JPG (534212 Byte)Pressebericht von Alf Endres  in der "Südwestpresse" (überregionale Ausgaben) vom 15. November 1986: 
"Von den Schwierigkeiten der Rettung zerstörter Grabsteine
Ernst Schäll
aus Laupheim restauriert seit 1982 Grabsteine des Laupheimer jüdischen Friedhofes. Dazu Zitate aus dem nebenstehenden Pressebericht - Rückblick auf die ersten vier Jahre seiner Arbeit: 
"Wenn Ernst Schäll durch den Laupheimer Judenfriedhof - mit 1000 Grabmälern einer der größten im Land - geht, sieht er mehr als der eilige Besucher, der nur himmlische Ruhe und rosige Idylle genießt. Er sieht, wie der Buntsandstein unter seinen Fingern zerbröselt, sieht Risse und Sprünge und abgebrochene Stücke liegen. Ernst Schäll sieht einen Friedhof sterben.
Hunderte von Grabsteinen sind bereits so stark angegriffen, dass fünf hauptamtliche Steinmetze jahrelang mit Restaurationsarbeiten beschäftigt wären. Anschließend hätte ein Fachmann ein Leben lang zu tun, neuen Zerstörungen entgegenzuwirken. Ein immenser Aufwand, den man sich hierzulande offenbar nicht leisten will. Was die öffentliche Hand für die Erhaltung jüdischer Friedhöfe ausgibt, zeugt nicht von dem politischen Willen, diese Kulturgüter zu retten. Es sind symbolische Beträge, die für gärtnerische Pflege der Anlagen aufgebraucht werden, aber keinen Stein zu retten vermögen.
Privatleute sind es zumeist, die sich im Land um den Erhalt der Friedhöfe kümmern. Allerdings sind es nur Initiativen, etwa in Buttenhausen... und in Laupheim, wo es Ernst Schäll mit ein paar Mitarbeitern gelungen ist, in den letzten vier Jahren mit großem technischem Aufwand rund 40 Steine zu retten. Darunter viele, die als künstlerisch wertvoll einzustufen sind...
Was den Grabsteinen - überwiegend aus Buntsandstein - zusetzt, sind saurer Regen und schwefelhaltige Luft. Die Schwefelverbindungen bauen die für den Stein 'lebensnotwendige' Kieselsäure in den äußeren Partien ab, wodurch des Steines Härte und sein innerer Zusammenhalt verloren gehen; der Stein wird zu Mehl. Oft genügt ein leichter Daumendruck, um ganze Schichten abblättern zu lassen.
Bei der Restaurierung werden Gesteinspartien, deren Halt nicht mehr gewährleistet ist, herausgebrochen, gereinigt und dann mit Dübeln aus nichtrostendem Stahl wieder befestigt. Risse werden erweitert und mit eingefärbtem Steinersatzmaterial verschlossen. Mit demselben Stoff werden fehlende Gesteinsteile ersetzt. Danach wird dem Stein Kieselsäure zugeführt, damit er seine ursprüngliche Härte zurückgewinnt. Abschließend erhält er eine wasserabweisend, die natürliche Atmung erlaubende Imprägnierung. Nach dieser gründlichen 15- bis 20stündigen Behandlung wird der Stein wieder auf sein Fundament (das oft noch zusätzlich erneuert wird) gesetzt.
Diese aufwändige, zeitraubende Arbeit geschieht in Schälls und seiner Mitarbeiter Freizeit..."    
    
Laupheim Schaell PF 2010.jpg (71136 Byte)Ergänzende Anmerkung: bis zur Gegenwart hat Ernst Schäll etwa 130 Grabsteine restauriert. Bei den baden-württembergischen Heimattagen 2002 wurde Schäll mit der "Heimatmedaille" des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.  
(Foto links von Roland Ray von 2001) 
    
Schaell Award 2007.jpg (50075 Byte)links: 2007 erhielt Ernst Schäll (dritter von rechts) den "Obermayer German Jewish History Award" in Berlin. 
Laudatio
in der Website des Obermayer German Jewish History Awards.         
 
Oktober 2010: Zum Tod von Ernst Schäll     
Laupheim Nachruf Schaell 010.jpg (303637 Byte)Artikel von Roland Ray in der "Schwäbischen Zeitung" vom 29. Oktober 2010 (Artikel): "Der die Fackel der Erinnerung trug
Trauer um Ernst Schäll: Der Laupheimer Ehrenbürger ist nach längerer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben. Als Heimatforscher und Kunstkenner, Autor und Restaurator trug er maßgeblich dazu bei, die jüdische Geschichte der Stadt vor dem Vergessen zu bewahren.

Wer ihn im Sommerhalbjahr sprechen wollte, ging viele Jahre lang einfach vormittags auf den jüdischen Friedhof. Dort arbeitete Ernst Schäll, bis zur Pensionierung Produktionsleiter im Maschinenbau, fast täglich in seiner Garagen-Werkstatt. Mehr als 120 Grabsteine, verwittert und vom Zerfall bedroht, hat er restauriert und der Stadt lediglich Materialkosten in Rechnung gestellt. Das nötige Fachwissen eignete er sich selbst an. Von ihm konnten selbst Denkmalschutz-Profis noch etwas lernen.
Kunst und Geschichte – am 'guten Ort' waren Schälls Passionen eins. In den 1970er-Jahren wurde er auf den Jugendstilkünstler Friedrich Adler aufmerksam, der etliche Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof entwarf. Derart gründlich hat Schäll danach Leben und Werk des in Laupheim geborenen, 1942 in Auschwitz ermordeten Kunstprofessors recherchiert, dass er zu einem international gefragten Adler-Experten avancierte. Er konnte diese Arbeit 2004 mit der Publikation eines Adler-Buches krönen. Die Industriellenfamilie Steiner war ebenfalls Thema seiner Forschungen – und viele mehr. Unermüdlich hat er die Früchte seiner Studien öffentlich gemacht und über eine weit verzweigte Korrespondenz mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern und deren Nachkommen Quellen und Erinnerungsstücke erschlossen, die er regelmäßig dem Museum zuführte.
Schäll war eine moralische Instanz. Die Glut in diesem bescheidenen Mann konnte Feuer sein, wenn es darum ging, die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Laupheims und ihr leidvolles Ende wach zu halten und seine Mitmenschen zu sensibilisieren. Sein Gerechtigkeitssinn war ausgeprägt, sein Urteil über das, was gewesen, ungeschönt. Er wollte, 'dass Lehren gezogen werden und so etwas nie wieder passiert'. Er mahnte und war um Versöhnung bemüht. Sein Engagement, vermutete Schäll, rühre wohl von seinem Elternhaus, das den Nationalsozialismus ablehnte. Im Schneideratelier des Vaters in der Ulmer Straße verkehrten viele jüdische Kunden, 'anständige Leute allesamt'.
Bundesverdienstkreuz, Staufer-Medaille, Ehrenamtspreis des Landkreises, Bürgermedaille: Schälls Wirken wurde vielfach ausgezeichnet. Zu seinem 80. Geburtstag verlieh ihm die Stadt Laupheim die Ehrenbürgerwürde. Besonders gefreut hat ihn auch der Obermayer-Award, für den er, der Nicht-Jude, von emigrierten jüdischen Laupheimern vorgeschlagen wurde. Roland Ray." 
   
Schaell PA SZ 04112010.jpg (339792 Byte)Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom 4. November 2010 über die Beisetzung von Ernst Schäll: "'Er ist uns ein Lehrer des Gedenkens geworden'. Mit einer bewegenden Trauerfeier haben die Familie und Freunde am Mittwoch Abschied von Ernst Schäll genommen. Der Laupheimer Ehrenbürger, im Alter von 83 Jahren gestorben, wurde auf dem neuen Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. Nachrufe würdigten seine herausragenden Verdienste, die jüdische Geschichte der Stadt zu bewahren.
Die Nationalsozialisten haben die einst blühende jüdische Gemeinde in Laupheim ausgelöscht. Doch nachhaltig und liebevoll habe Ernst Schäll daran gearbeitet, dass die entrechteten und ermordeten Menschen 'ihren Namen behalten und nicht dem Vergessen preisgegeben sind', sagte der evangelische Pfarrer Hermann Müller beim Trauergottesdienst in der Leonhardkapelle. 'Er ist uns ein Lehrer des Gedenkens geworden.'
Bürgermeister Rainer Kapellen erinnerte an Schälls ehrenamtliches Wirken auf dem jüdischen Friedhof. Rund 120 Grabsteine hat er fachmännisch restauriert. Schäll sei zudem ein Botschafter der Stadt im besten Sinn gewesen, der Brücken von unschätzbarem Wert zu ehemaligen Laupheimer Juden schlug.
Es zeichne Schäll besonders aus, dass er schon früh Anstöße gab, diesen Teil der Lokalgeschichte aufzuarbeiten, sagte die Vorsitzende der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken, Elisabeth Lincke. Als Beispiele nannte sie den Anstoß für die Schalomtage und Gedenktafeln, die Einladung an die ehemaligen Laupheimer Juden 1988 – 50 Jahre nach der Zerstörung ihrer Synagoge –, für die Einrichtung und Gestaltung des Museums, die Beschäftigung mit Friedrich Adler und anderen Künstlern. Schäll sei Ideengeber und Motor gewesen, einmal Angestoßenes habe er mit großem Nachdruck weiterverfolgt.
'Unser lieber Freund hat Bleibendes für Laupheim geschaffen', sagte Theo Miller, der im Namen der Jahrgänger sprach. Der VVL-Vorsitzende Rolf Müller würdigte Schäll als exzellenten Kenner der Heimatgeschichte und der regionalen Kunst – 'er hat viel für den Aufbau des Museums geleistet'." - Zum Lesen des weiteren Textes (mit einem Nachruf von Yizchak Heinrich Steiner und einem Bericht über Michael Schick, der die Arbeit Schälls fortsetzt - bitte Textabbildung anklicken. 
 
 Rechts: Grabstein für das Ehepaar Schäll auf dem neuen Friedhof in Laupheim - erstellt nach einem Entwurf von Friedrich Adler (Original im jüdischen Friedhof auf dem Grab von Frida Adler, der Mutter von Friedrich Adler; Fotos: Michael Schick, Laupheim) Laupheim Schaell  Grab 2010.jpg (121149 Byte) Laupheim Schaell  Grab 2010a.jpg (90647 Byte) Links: Einen Kranz weißer Rosen ließen Nachkommen der ehemaligen jüdischen Gemeinde an Ernst Schälls Grab niederlegen.
 

Fotos zur Restaurierung der Grabsteine in Laupheim
Quelle der nachfolgenden Fotos: Ernst Schäll - um 1990.      

Laupheim Friedhof 162.jpg (45638 Byte) Laupheim Friedhof 163.jpg (67637 Byte) Laupheim Friedhof 164.jpg (23240 Byte)
Vor der Werkstatt 
von Ernst Schäll 
Ob daraus wieder ein Stein 
entstehen kann, ist fraglich 
Fragmente, aus denen wieder
 ein Stein entstehen wird 
     
Laupheim Friedhof 161.jpg (29296 Byte) Laupheim Friedhof 160.jpg (42924 Byte) Laupheim Friedhof 165.jpg (39656 Byte)
Grabstein aus Fragmenten - 
Oberer Teil fehlt und wurde 
bewusst nicht ergänzt  
Grabstein - zusammengesetzt 
aus vier Fragmenten 
  
Grabstein nur ein Fragment, Rest neu: Grab von "Anschel" Marx Rosenthal (1770 Ichenhausen - 1817 Laupheim), ein Ur-Ur-Großvater des Religionsphilosophen 
Schalom Ben Chorin s.A. 
    

     

Informationen zum Besuch des Friedhofes: Gruppenführungen ab 10 Personen nach vorheriger Vereinbarung möglich (Kontakt über Michael Schick (Tel. 07392/9697824, E-Mail; Museum zur Geschichte von Christen und Juden, Telefon 07392-968000, Internet).  

   

        
Einzelne Presseberichte zum jüdischen Friedhof in Laupheim   

März 2011: Über die Geschichte des im Friedhof beigesetzten Lazar Schönberg - Nachkommen zu Besuch in Laupheim       
Laupheim PA 041011af.jpg (75754 Byte)Foto links von Michael Schick: Ben Schwalb und Joanne Landau am Grab auf dem jüdischen Friedhof in Laupheim.  
 Artikel von Michael Schick und Reinhold Adler in der "Schwäbischen Zeitung" vom 19. März 2011 (Artikel): 
"Der Weg in die Freiheit endet jäh in Biberach. 66 Jahre nach dem Tod von Lazar Schönberg besuchen Nachkommen sein Grab auf dem jüdischen Friedhof in Laupheim. 
LAUPHEIM
Die dramatische Geschichte beginnt in Berlin. Lazar Schönbergs Familie flüchtet in den 1930er-Jahren vor den Nazis nach Holland. Doch Holland wird 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt. In Amsterdam kann sich die Familie Rettungspässe des südamerikanischen Staates Honduras beschaffen, um so der drohenden Deportation zu entgehen. Gertrude, Lazar Schönbergs Tochter, besucht damals in Amsterdam die gleiche Schule wie Anne Frank, deren Familie sich später in einem Hinterhaus versteckt und deren Tagebuch weltberühmt wird. Irene Hasenberg hat sich mit ihren Eltern und Geschwistern aus Elmshorn nach Amsterdam geflüchtet.
1943 werden die Familien Schönberg und Hasenberg verhaftet und über das KZ Westerbork ins KZ Bergen-Belsen deportiert, wo das Leben qualvoll ist und der Tod ständig vor Augen steht. Während die Großeltern der Familie Schönberg ins KZ Theresienstadt deportiert werden, haben die beiden Familien zunächst Glück. Durch die Vermittlung der Schutzmacht Schweiz soll im Januar 1945 ein deutsch-amerikanischer Zivilinternierten-Austausch über Konstanz/Kreuzlingen und Marseille stattfinden. 301 jüdische Häftlinge aus Bergen-Belsen, darunter auch die Familien Schönberg und Hasenberg, sollen daran teilnehmen und werden in einen Zug des Roten Kreuzes nach Konstanz gesetzt, wo die Übergabe stattfinden wird.
Doch der Zug, der in die Freiheit fahren sollte, hält in Biberach, wo die Leiche von Irenes Vater, John Hasenberg, der unterwegs gestorben ist, ausgeladen wird. 40 Personen müssen den Zug verlassen und werden ins Interniertenlager Biberach (Lager Lindele) gebracht. 42 US-amerikanische Internierte aus diesem Lager dürfen statt ihnen am Austausch teilnehmen. In Ravensburg oder Meckenbeuren hält der Zug noch einmal, um weitere amerikanische Staatsbürger aufzunehmen. Wieder müssen jüdische Bergen-Belsen-Häftlinge den Zug verlassen. Sie werden in die Argonnen-Kaserne nach Weingarten gefahren und anderntags im Biberacher Lager Lindele untergebracht, wo bereits seit 1942 britische Internierte von den Kanalinseln festgehalten werden. Dort ist heute die Bereitschaftspolizei untergebracht.
Am 2. März 1945 stirbt Lazar Schönberg im Lager Lindele. Wie der bereits auf dem Transport verstorbene John Hasenberg und weitere fünf jüdische Männer aus Bergen-Belsen, die infolge der Haftbedingungen so geschwächt waren, dass sie in den Wochen nach ihrem Eintreffen in Biberach verstarben, wird auch Schönberg zunächst auf dem evangelischen Friedhof in Biberach beigesetzt und im Dezember 1945 nach Laupheim auf den jüdischen Friedhof umgebettet. Bis Anfang 2011 wusste die Familie Schönberg nicht, wo der Familienvater beerdigt ist. Nachkommen der Familie leben heute in der Nähe von New York. Durch eine Recherche des Urenkels, Ben Schwalb, der zurzeit in Tübingen studiert, konnte die Frage jetzt geklärt werden. Ben Schwalb konnte seiner Großmutter in den USA mitteilen, dass das Grab ihres Vaters gefunden ist. Vor wenigen Tagen haben Schwalb und seine Mutter Joanne Landau das Grab ihres Großvaters beziehungsweise Urgroßvaters in Laupheim erstmals besucht.
Lazar Schönbergs Grabnachbar auf dem jüdischen Friedhof in Laupheim ist John Hasenberg. Seine Tochter, Dr. Irene Butter-Hasenberg, wohnt in Michigan, USA. Sie hat das Grab ihres Vaters schon mehrfach besucht und hält Vorträge in Schulen über sein Schicksal. Die Nachforschungen, die Lazar Schönbergs Urenkel anstellte, bewirkten, dass nach nunmehr 66 Jahren die Verbindungen zwischen den beiden Familien wieder hergestellt werden konnten. Wie berichtet wird, rief die Kontaktaufnahme am Telefon viele alte dramatische Erinnerungen wach.
Außer den beiden Familienvätern Lazar Schönberg und John Hasenberg sind noch weitere vier Personen aus dem Zug von Bergen-Belsen in Laupheim bestattet worden."   
  
April 2013: Am Friedhof entsteht ein "Ernst-Schäll-Platz" - Das ehemalige Leichenhaus wird Begegnungs- und Gedenkstätte  
Artikel von Roland Ray" in der "Schwäbischen Zeitung" vom 16. April 2013 (Link zum Artikel) : "Stadt gestaltet beim jüdischen Friedhof einen Ernst-Schäll-Platz
Die Rohbauarbeiten zur Sanierung des ehemaligen Leichenhauses haben begonnen –Gesamtkosten liegen bei 570 000 Euro. 
LAUPHEIM
Das Haus Judenberg 24 am Eingang zum jüdischen Friedhof, 1907 als Leichenhalle und Wohnquartier für den Friedhofswärter erbaut, soll eine Begegnungs- und Gedenkstätte werden, in der sich Besucher über die Geschichte des guten Ortes informieren können. Im Sommer 2012 gab der Gemeinderat grünes Licht, in die Sanierung einzusteigen. Vor wenigen Tagen haben nun die Rohbauarbeiten begonnen.
Wegen des langen Winters sei man fünf Wochen in Verzug, berichtete Thomas Mayer vom Baudezernat am Montag dem Bau- und Umweltausschuss. Die Außenfassade soll bis August fertig sein, das Gebäudeinnere im Oktober.
Im Hauptraum wird eine vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg gestaltete Powerpoint-Präsentation die Entstehung des Leichenhauses und des Friedhofs schildern und über die Laupheimer Chewra Kadischa berichten, eine Begräbnisbruderschaft, die sich um die Bestattung der Toten kümmerte.
Der Raum diene zum Empfang und zur Vorbereitung von angemeldeten Besuchergruppen, die danach über den Friedhof geführt werden, erklärte Bürgermeister Rainer Kapellen. 'Regelmäßige Öffnungszeiten sind nicht vorgesehen.'
Vor dem Haus will die Stadt einen Platz gestalten und ihn nach Ernst Schäll benennen. Der 2010 gestorbene Laupheimer Ehrenbürger hat mehr als 120 Grabsteine auf dem Friedhof restauriert und maßgeblich dazu beigetragen, die jüdische Geschichte der Stadt vor dem Vergessen zu bewahren. Entwürfe für den Platz, eingebettet in ein Gesamtkonzept Judenberg, will Kapellen in Bälde präsentieren.
Umbau und Sanierung des ehemaligen Leichenhauses kosten voraussichtlich 330 000 Euro. Dazu kommen 190 000 Euro für Straßen- und Kanalarbeiten am Judenberg und etwa 50 000 Euro für die Gestaltung des Ernst-Schäll-Platzes. Aus dem Stadtsanierungsprogramm fließen Zuschüsse. Yitzhak Heinrich Steiner, dessen Familie 1936 unter dem Druck der Nazis nach Sankt Gallen übersiedelte, sammelt Spenden für das Projekt.
Die Gesamtkosten – 570 000 Euro – seien nicht von Pappe, bedeutete Burkhard Volkholz (CDU). Die Stadt erhalte freilich einen Gegenwert: der historische Judenberg werde in würdevoller Form aufgewertet. Im Übrigen, so Volkholz, dürfe es hier kein Zaudern geben: 'Wir haben immer gesagt, dieses schwierige Thema ist uns das Geld wert.'
Leider sei es nicht gelungen, eine rollstuhlgerechte Toilette in das Haus Judenberg 24 zu integrieren, bemängelten Martina Miller (SPD) und Werner Lehmann (Freie Wähler). Das Baudezernat begründet dies damit, dass die erforderliche Rampe etwa 12 Meter messen müsste und den ganzen Vorplatz des Hauses in Anspruch nehmen würde. Ein Zugang von der Friedhofseite sei ausgeschlossen. Für ein rollstuhlgerechtes WC im Erdgeschoss fehle der Platz; der Denkmalschutz habe es abgelehnt, eine historische Zwischenwand zu entfernen. "    
 
September 2013: Zum Stand der Sanierung der früheren Leichenhauses   
Laupheim Friedhof PA 13092013.jpg (524278 Byte)Artikel von Roland Ray in der "Schwäbischen Zeitung" vom 13. September 2013: "Dem 'guten Ort' nahe. Sanierung der früheren Leichenhauses am jüdischen Friedhof kommt voran - Außen soll zu den Schalomtagen alles fertig sein..."  
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken    
Link zum Artikel in der "Schwäbischen Zeitung"       

     
      

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Laupheim   
Website des Zentralarchivs Heidelberg: zum jüdischen Friedhof Laupheim   
Zur Website des Museums zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim   
Website der "Gesellschaft für Geschichte und Gedenken Laupheim e.V."  (hier weitere Informationen zum jüdischen Friedhof Laupheim in deutsch und englisch)  
Epigraphische Datenbank zum jüdischen Friedhof in Laupheim auf Grund der Dokumentation von Nathanja Hüttenmeister  
Online über die Website des Steinheim-Institutes in Duisburg 
   
Zur Seite über die Synagoge Laupheim (interner Link) 

Literatur:

BuchLaup.jpg (93922 Byte)Nathanja Hüttenmeister: Der jüdische Friedhof Laupheim. Eine Dokumentation. Hg. Stadt Laupheim 1998. 601 S.  ISBN 3-00-003527-3 
(hierin weitere Literatur)   

        
           

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. September 2013