Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Glückstadt (Kreis Steinburg) 
Jüdischer Friedhof  
   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
   
Siehe Seite zur Synagoge in Glückstadt (Seite ist noch nicht erstellt) 
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes       
   
Der Friedhof wurde 1622 angelegt. König Christian IV., der sephardische Juden aus Portugal und Spanien nach Glückstadt geholt hatte, erlaubte ihnen, einen eigenen Friedhof im Bereich der Befestigungsanlagen der Stadt anzulegen. Auf dem Friedhof befinden sich heute noch zahlreiche liegende Grabsteine sephardischer Juden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Bis 1730 sind die meisten Sephardim auf Glückstadt weggezogen; aschkenasische (aus Deutschland stammende) Juden sind nun verstärkt nach Glückstadt gekommen.   
   
Nach 1895
(damals lebten nur noch sechs jüdische Personen in der Stadt) wurde die Friedhofsfläche um ein Viertel verkleinert und dabei die Grabsteine der Größe nach aufgestellt. Nach dem Verkauf der Glückstädter Synagoge (in der Königstraße) wurde der Erlös in die Sanierung des Frieshofes gesteckt. Die Stadt verpflichtete sich, den Begräbnisort in Stand zu halten.  
  
In der NS-Zeit (1941) wurden alle Grabsteine abgeräumt und das Gelände eingeebnet. Eine Bezirksabgabestelle für Ost und Gemüse wurde über den Gräbern eingerichtet, die Grabsteine in einer Ecke gestapelt. 
   
Nach 1945
wurde der Friedhof - soweit möglich - wieder hergestellt. Die Friedhofsfläche umfasst 15,31 ar. Es sind etwa 100 Grabsteine erhalten, etwa 90 liegende (sephardische) und 11 aufrechte Stelen. 
   
Besonders bemerkenswert ist die Ikonographie der sephardischen Steine: Sanduhren, Totenschädel über gekreuzten Knochen, auch die Abbildung der segnenden Hände eines Kohen im Rahmen eines heraldisch gestalteten Wappens u.a.m. Die Grabsteine befinden sich - bereits seit der Zeit um 1900 und erst recht nicht mehr nach der Abräumung in der NS-Zeit - nicht an den ursprünglichen Stellen. Die Grundstücksfläche beträgt 15,31 ar. 
   
   
Lage des Friedhofes  
  
Der Friedhof liegt an der Pentzstraße 
   
   
Fotos 
(Fotos: Hans-Peter Laqueur, Aufnahmedatum: April 2006)  

Glueckstadt Friedhof 099.jpg (94605 Byte) Glueckstadt Friedhof 109.jpg (107786 Byte) Glueckstadt Friedhof 100.jpg (105795 Byte)
Hinweistafel am Eingang  Blick über das Gräberfeld mit den liegenden Grabsteinen 
   
Glueckstadt Friedhof 108.jpg (106140 Byte) Glueckstadt Friedhof 111.jpg (105702 Byte) Glueckstadt Friedhof 110.jpg (98018 Byte)
Teilansichten Stehende (askenasische) Grabsteine 
   
Glueckstadt Friedhof 102.jpg (104193 Byte) Glueckstadt Friedhof 104.jpg (93563 Byte) Glueckstadt Friedhof 101.jpg (100186 Byte)
Segnende Hände der Kohanim  Pfeil und Bogen Hand mit Schwert 
     
Glueckstadt Friedhof 107.jpg (94597 Byte) Glueckstadt Friedhof 105.jpg (95580 Byte) Glueckstadt Friedhof 106.jpg (88224 Byte)
Grabstein mit auffälliger Symbolik 
(siehe Vergrößerung rechts) 
Schädel und Knochen als 
Symbol der Vergänglichkeit 
Engel mit Sanduhr 
  
     
  Glueckstadt Friedhof 112.jpg (88580 Byte)  
  Portugiesische Inschrift  

    
    
Presseberichte zum Friedhof 

Juli 2014: Sanierungsmaßnahmen werden durchgeführt    
Artikel in der "Norddeutschen Rundschau" (Glückstädter Fortuna) vom 4. Juli 2014: "Jüdischer Friedhof : Kiesbett für historische Grabsteine
Landesamt für Denkmalpflege zahlt 40.000 Euro für erste Sanierungsmaßnahmen des jüdischen Friedhofes in Glückstadt
'Wir haben zunächst Wasserdampf genommen. Doch kaltes Wasser ist die bessere Reinigungsvariante', sagt Wolfgang Fischer-Ohl. Der Steinmetzmeister säuberte gestern Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof. Chemikalien verwendet der 50-jährige Fachmann gar nicht. Noch drei Wochen arbeiten Wolfgang Fischer-Ohl und sein Kollege Wilfried Christiansen auf dem Gelände. Sie legen Kiesbette und ordnen die Steine darauf an. 'Ein harter Oberkirchner Sandstein', erklärt Wolfgang Fischer-Ohl zu der guten Beschaffenheit. Einige Grabsteine seien 300 Jahre alt. 'Die Schrift ist noch tadellos.' Der jüngste Stein ist von 1861. Er lag auf dem Grab von Elias Meldalo, der in der Elbe ertrank..." 
Link zum Artikel      
 
Juli/August 2014: Denkmalschutz für den Friedhof   
Artikel in der "Norddeutschen Rundschau" (Glückstädter Fortuna) vom 17. Juli 2014: "Kulturerbe : Jüdischer Friedhof jetzt unter Denkmalschutz
Restaurierung des Glückstädter Friedhofes schreitet voran

Wolfgang Fischer-Ohl und Wilfried Christiansen haben den Rasen abgenommen, ein Vlies gelegt und Kies aus der Ostsee geschüttet. Auf diesen Steinen haben die Steinmetze Grabsteine gelegt. 'Vorne sind wir nicht so tief in den Boden gegangen, um die Wurzeln der Bäume nicht zu beschädigen', erklärt Wolfgang Fischer-Ohl. Die Berliner Steinmetze restaurieren den jüdischen Friedhof. Dabei ist an diesem Tag Joachim G. Jacobs. Er hat das Konzept erstellt und bespricht letzte Einzelheiten. Gekommen ist auch Dr. Margita Meyer, Fachreferentin des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. Sie hat die 40 000 Euro für die Restaurierung bewilligt. Dr. Meyer trägt Kopfbedeckung, so wie es bei dem Besuch eines jüdischen Friedhofs üblich ist. Als Gäste gekommen sind von der Detlefsen-Gesellschaft Christian Boldt, Elke Witt und Ruth Möller. Ihnen erzählt Meyer, dass der jüdische Friedhof jetzt unter Denkmalschutz gestellt und ins Denkmalbuch eingetragen worden ist..."   
Link zum Artikel      
Artikel in der "Norddeutschen Rundschau" (Glückstädter Fortuna) vom 7. August 2014: "Grabsteine für die Ewigkeit. Sanierung des jüdischen Friedhofes in Glückstadt im ersten teil abgeschlossen / Rabbi Dov-Levy Barsilany kommt zur Bauabnahme..." 
Link zum Artikel   
 
Dezember 2015: Vorschlag für eine Straße "Am jüdischen Friedhof" zum Stadtjubiläum 2017    
Artikel von Joachim Möller in der "Norddeutschen Rundschau" vom 31. Dezember 2015: "Eigene Straße für jüdischen Friedhof. 
Norbert Meinert vom Förderverein schlägt zur 400-Jahr-Feier Glückstadts die Umbenennung des Areals an der jetzigen Pentzstraße vor.

Der jüdische Friedhof ist weit über die Grenzen Glückstadts bekannt. Denn auf dem Areal sind Gräber sephardischer Juden zu sehen – mit gut erhaltenen historischen Grabplatten. Keine Selbstverständlichkeit in Deutschland, denn in der Nazi-Zeit sind jüdische Friedhöfe geschändet und viele Grabplatten vernichtet worden. Norbert Meinert schlägt jetzt eine Umbenennung für das Gebiet um die Ruhestätte in 'Am jüdischen Friedhof' vor. Der Vorsitzende des Fördervereins Detlefsen-Museum bringt einen Antrag für den Museumsverein bei der Stadt ein. Meinert hat recherchiert, dass dies keine Nachteile für eventuelle Anwohner bringen würde. 'In dem Bereich wohnt keine Privatperson', erklärt der Glückstädter.
Heute liegt der jüdische Friedhof an der Pentzstraße. Gegenüber gibt es einen großen Parkplatz auf dem Areal, wo einst der Schlachthof stand. Die nächsten Anwohner – diese sind die Stadtwerke Glückstadt – haben bereits die Anschrift Bahnhofsstraße. Das Einzige, was Meinert bei einer Änderung des Straßennamens sieht: 'Der Stadtplan müsste neu aufgelegt werden.'
Als Fördervereinsvorsitzender ist Meinert in die Feierlichkeiten der 400-Jahr-Feier der Stadt in 2017 eingebunden. Für ihn und die anderen Verantwortlichen des Detlefsen-Museums steht fest: Die Geschichte der sephardischen Juden in Glückstadt ist wichtig und soll ausreichend gewürdigt werden. 'Es war gut für die Stadtgeschichte, dass Stadtgründer Christian IV. die Juden nach Glückstadt geholt hat', sagt Meinert zur damaligen wirtschaftlichen Entwicklung, zu der diese Einwanderer – sie kamen vorwiegend aus Portugal – beitrugen.
Erwartet werden zum Stadtjubiläum zahlreiche auswärtige Gäste. Deshalb wünscht sich Meinert bis dahin die Änderung des Straßennamens. Schon heute kommen viele Menschen, um sich speziell den Friedhof anzusehen. 2014 wurde er mit erheblichen Mitteln aus dem Denkmalschutzfonds des Landes saniert – nach dem Konzept des Berliner Planers Joachim G. Jacobs. Und im kommenden Jahr wird ein neuer schmiedeeiserner Zaun das Areal zur Straße hin begrenzen. Die Spenden für den Zaun hat der Museums-Verein im Auftrag der Stadt Glückstadt gesammelt.
Joachim G. Jacobs hat sich bereit erklärt, 2017 wieder nach Glückstadt zu kommen, um einen Vortrag zu halten. 'Er führt für uns auch Gespräche mit einem jüdischen Museum in London über einen Leuchter, um diesen wieder nach Glückstadt zu holen.' Der Leuchter stand einst in der Synagoge in der Königstraße, welche 1912 aufgelöst wurde. 'Keiner weiß, wie der Leuchter nach London gekommen ist', sagt Meinert. Schön wäre es, wenn das historische Stück als Dauerleihgabe für das Detlefsen-Museum wieder nach Glückstadt kommen würde. "   

    
     

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Glückstadt  
Website des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein K.d.Ö.R.  

Literatur:  

Michael Brocke/Christiane E. Müller: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Deutschland. 2001. S. 200-201. 

   
    

                   
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Stand: 03. Januar 2016