Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Freiburg im Breisgau (Kreisstadt)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt
im 19./20. Jahrhundert (bis nach 1933)
 
Hier: Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 1864 - 1938

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Freiburg wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.  
    
Ein Teil der Artikel ist noch nicht abgeschrieben, kann aber durch Anklicken der Textabbildung gelesen werden
        

  
Übersicht:

Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 1864 - 1938          
-  Die jüdische Gemeinde in Freiburg wurde gegründet (1864)    
-  Fragen der Beitragspflicht der nach Freiburg zugezogenen jüdischen Personen (1866)  
-  Nach dem grausamen Ende der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde ist eine neuen Gemeinde in der Stadt entstanden (1869)   
-  Probleme bei der Beisetzung von in Freiburg gestorbenen jüdischen Personen (1870)     
-  "Denkzettel" für einen antisemitischen Redakteur in Todtnau (1891)     
-  Über die Gründung eines Talmud-Tora- und Wohltätigkeitsvereins (1892)   
-  Kritisches zur neuen Synagogenordnung (1894)   
-  Über die neue Freiburger Synagogenordnung - Kritische Beurteilung aus orthodoxer Sicht (1894)   
-  Aufruf zur Errichtung eines israelitischen Landes-Asyls (1895)     
-  10-jähriges Stiftungsfest des Unterstützungsvereins für junge jüdische Handwerker (1896)    
-  Abend der Zionistischen Ortsgruppe (1906)    
-  Eine Ortsgruppe des "Verbandes der Sabbatfreunde" wurde gegründet (1907)    
-  Zwei Synagogenbesucher wurden zu Unrecht des Diebstahl bezichtigt (1909)    
-  Bericht des "Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten..." für 1909 und 1910 (1911)  
-  Ein rituelles Speisehaus wurde in Freiburg eröffnet (1922)    
-  Kritisches aus orthodoxer Sicht zu den Gemeindeverhältnissen in Freiburg aus Anlass der Einrichtung einer Mikwe (1924)   
-  Gemeindemitteilungen: aus dem Vereinsleben - Umbau der Synagoge - ein dritter Kantor und Schächter wird angestellt (1925)   
-  Aus dem Reisebericht eines jüdischen Referenten durch Südbaden - einige Eindrücke aus Freiburg (1938)   
Sonstiges   
Der Freiburger Buchhandel verkauft nicht mehr Predigten von Kardinal Faulhaber (1934)    
    

    

Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 1864 - 1938     

Die jüdische Gemeinde in Freiburg wurde gegründet (1864)  

Freiburg AZJ 06091864.jpg (43531 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. September 1864: "Aus dem Badenschen, im August (1864). In Freiburg wohnen jetzt gegen 35 jüdische Familien; dieselben haben sich jetzt eine Synagoge eingerichtet, in welcher an Sabbat- und Feiertagen Gottesdienst mit Orgelbegleitung abgehalten wird. Es steht zu erwarten, dass dieses Beispiel in den durch die Freizügigkeit sich bildenden neuen Gemeinden Nachahmung finden wird."       

 
Fragen der Beitragspflicht der nach Freiburg zugezogenen jüdischen Personen (1866)     

Freiburg AZJ 06021866.jpg (113139 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Februar 1866: "Aus dem Badischen, 16. Januar (1866). Eine durch die Israeliten im Breisgau angeregte Rechtsfrage, welche von allgemeinem Interesse ist, kommt in Bälde zur Entscheidung. Vor einiger Zeit bildeten nämlich die 30 Israeliten, welche sich in Freiburg ansässig gemacht, eine Kultusgemeinde, der unter Genehmigung der ihr zu Grunde gelegten Statuten, von der Regierung das Korporationsrecht verliehen wurde. Die in Freiburg nicht bürgerlichen Mitglieder dieser Gemeinde gingen von der Ansicht aus, dass ihre vollständige Aufnahme in die neugebildete Kultusgemeinde sie, ohne allen weiteren Genuss von ihrer Muttergemeinde, von derselben trenne und aus eben diesem Grunde der Beitragspflicht dorthin enthebe. Es wurde jedoch von den verschiedenen Gemeinden Klage in Zeitungen gegen sie erhoben, sich auf einen Erlass vom Jahre 1849 stützend, der jeden Israeliten, der sich in einer anderen Gemeinde niederlässt ohne dort der politischen Gemeinde anzugehören, zur vollen Beitragspflicht an die erstere verurteilt. Es entsteht nun zunächst die Rechtsfrage, ob der Erlass von 1849 noch anwendbar sei, da zu dieser Zeit von Freizügigkeit keine Rede, ebenso wenig die Bildung neuer israelitischer Kultusgemeinden in Aussicht war"       

   
Nach dem grausamen Ende der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde ist eine neue Gemeinde in der Stadt entstanden (1869)    

Freiburg AZJ 12101869.jpg (137351 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Oktober 1869: "Freiburg (Breisgau). Der hiesige Synagogenrat hat ein Zirkulär erlassen, aus welchem wir folgende interessante Stelle hervorheben. 
'Die Mitte des 14. Jahrhunderts bildete bekanntlich eine der traurigsten Perioden in dem Martyrologium der deutschen Judenheit, das Jahr 1349 führte im Gefolge von Pest und großer Sterblichkeit jene grässlichen Verfolgungen herbei, welche mit den Scheiterhaufen endeten, auf welchen die ihrem Glauben treu gebliebenen Juden, mit dem Ausrufe 'Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig' ihre Seele aushauchten. 
Als unsere Nachbarstädte Straßburg und Basel solche Hekatomben errichteten, konnte Freiburg natürlich nicht zurückbleiben und vernichtete in einem Tage ihre blühende Gemeinde und ließ sich später von Kaiser Sigmund ausdrücklich das Recht erteilen, keinen Juden gegen der Stadt Willen aufnehmen zu müssen, welches Privilegium sie bis auf die neueste Zeit getreulich wahrte. 
Erst nach Umfluss von fünf Jahrhunderten wurden durch die Gesetzgebung des Jahres 1862 die Schranken, welche den Juden den bleibenden Aufenthalt in hiesiger Stadt wehrten, niedergerissen und bald siedelten sich Israeliten aus nah und fern hier an, welche, um ihren religiösen Bedürfnissen zu genügen, sich zuvörderst als israelitische Religionsgenossenschaft konstituierten, bis dieselbe als Gemeinde durch die Gnade Seiner Königlichen Hoheit unseres hochherzigen Großherzogs Friedrich unterm 21. Oktober 1864 Korporationsrechte verliehen erhielt, wodurch wir in den Stand gesetzt wurden, uns den übrigen israelitischen Gemeinden des Landes würdig anzureihen.   
Freiburg AZJ 12101869a.jpg (130241 Byte)Ein zeitgemäßer Gottesdienst, der sowohl dem streng-religiösen als dem dem Fortschritt huldigenden Gemüte entspricht, wurde in einem gemieteten Betlokale eingeführt, dessen Räumlichkeiten sich jedoch von Tag zu Tag als unzureichender herausstellten. 
Mangel an anderweitigen passenden Lokalitäten brachte in uns den Gedanken zur Reife, einen eigenen Tempel zu bauen, der Zeugnis ablegen soll für die Opferbereitwilligkeit des für seinen Glauben begeisterten Israels, noch mehr der ein Monument darstellen soll des endlichen Sieges der Humanität über die Unduldsamkeit. 
Von Seiten unserer Gemeinde, die noch nicht aus 50 Familien besteht, kam man unserm Vorhaben mit einer seltenen und wahrhaft erhebenden Einstimmigkeit entgegen und so konnten wir rüstig ans Werk schreiten. 
Der Aufwand des Baues ist auf fl. 25.000 festgesetzt, hierzu wurde uns von Seiten der städtischen Beurbarungskommission bereitwilligst ein Darlehen von fl. 20.000 bewilligt, welche nach dem genehmigten Tilgungsplan in 20 Jahren wieder abbezahlt sein müssen; hierfür wollen wir nun freilich aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe aufkommen, aber noch bleibt Vieles zur Vollendung und würdigen Ausschmückung zu tun übrig, da in diesem Kostenvoranschlag weder Torarollen, heilige Geräte, Vorhänge von der heiligen Lade, Beleuchtungsgegenstände noch sonst nötige Utensilien vorgesehen sind.' 
Zu dieser inneren Ausschmückung der neuen Synagoge bittet der Synagogenrat Freunde der guten Sache um Spenden".     

    
Probleme bei der Beisetzung von in Freiburg gestorbenen jüdischen Personen (1870)    

Freiburg AZJ 14061870.jpg (99865 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juni 1870: "Freiburg (Breisgau), 1. Juni (1870). Man möge sich nur nicht vorstellen, dass der Rischuss (= Antisemitismus) hierzulande, obschon er aus der Gesetzgebung und den Stadtbehörden gewichen, völlig verschwunden sei. Der Gemeinderat von Freiburg erließ am 11. Januar 1867 folgende Bekanntmachung: 'Unsererseits steht bei einem vorkommenden Todesfalle der Beerdigung eines Israeliten kein Hindernis im Wege.' Bei dem Vorkommen des Todesfalls eines fremden Israeliten aber erließ Großherzogliches Bezirksamt in diesem Tagen: 'Da auf dem hiesigen Kirchhofe nur Angehörige christlicher Konfession beerdigt werden dürfen, so erübrigt nur, den fraglichen Juden (!) nach Emmendingen zu verbringen, denn dorthin wird der Transport am wenigsten kosten (sic!). Die Transportkosten wären dann eben zu den übrigen Beerdigungskosten zu rechnen. Fetzer.' Der Einsender Dieses verbürgt die wortgetreue Abschrift des bezirksamtlichen Erlasses ! Die Leiche wurde aber auch in Emmendingen abgewiesen und nach einem dritten Orte endlich zur Ruhe gebracht".       

 
"Denkzettel" für einen antisemitischen Redakteur in Todtnau (1891)    

Freiburg AZJ 01011891.jpg (131684 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1891: "Freiburg im Breisgau, im Dezember (1890). Der Redakteur des in Todtnau erscheinenden antisemitischen Blättchens hat dieser Tage einen fühlbaren Denkzettel erhalten. Ein hiesiger Rechtsanwalt, der der israelitischen Gemeinde angehört, hatte einen Bürgermeister verteidigt, der seinem Pfarrer während der Predigt Ruhe geboten und die Kirche in Aufsehen erregender Weise verlassen hatte. Der Angeklagte, der in dieser Predigt gröblichst angegriffen worden war, ist, nachdem zuerst eine milde Verurteilung erfolgt war, von der Strafkammer Waldkirch (und zuletzt auch vom Reichsgericht) freigesprochen worden. Während die Sache beim Reichsgericht schwebte, wurde in badischen Blättern eine sehr heftige Zeitungspolemik darüber geführt. Das antisemitische Blättchen ergriff freudig die Gelegenheit, dem 'jüdischen Rechtsanwalte' vorzuwerfen, dass der Jude nicht allein an der sittlichen Verwilderung seine Freude habe, sondern dass er aus der Verrottung der öffentlichen Zustände seine Nahrung ziehe. Darauf von dem Rechtsanwalte, dem sich alle Berufsgenossen am Orte freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, verklagt, ist der Redakteur von dem Schöffengericht Schönau zu 8 Tagen Gefängnis, 60 Mark Geldstrafe, in die Kosten und Veröffentlichung des Urteils in seinem Blatte verurteilt worden. Nach antisemitischer Gepflogenheit hat der Angeklagte vor dem Termin geäußert, wenn er verurteilt werde, trinke er eine Flasche Champagner. Ein hiesiges ultramontanes Blatt bemerkt hierzu: Trinken könne er sie nun; es sei aber fraglich, ob sie ihm schmecken werde".   

    
Über die Gründung eines Talmud-Tora- und Wohltätigkeitsvereins (1892)   

Freiburg Israelit 21041892.jpg (154927 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1892: "Freiburg im Breisgau, 15. April (1892). Es wird wohl Ihnen und Ihren geschätzten Lesern angenehm sein, auch einmal einiges aus einer Gemeinde zu erfahren, die sonst der orthodoxen Richtung fern steht. Im vergangenen Jahre wurde hier auf Anregung des Herrn Leopold Dukas ein Verein ins Leben gerufen, welcher sich die Ausübung von Talmudtora und Gmiluschesed (Wohltätigkeit), zur Aufgabe machte; vor kurzem feierte dieser Verein das Fest der ersten Wiederkehr seines Gründungstages. Zuerst fand die Generalversammlung statt, worin der Vorstand Bericht über das abgelaufene Jahr abstattete und die Mitglieder aufforderte, sich auch fernerhin um die Fahne des orthodoxen Judentums zu scharen und immer einzutreten, wo es gilt Gutes zu tun. 
An die Generalversammlung schloss sich ein gemeinschaftliches Essen, welches durch einen Vortrag des Herrn A. H. Dreyfus, Sekretär des Vereins, eingeleitet wurde. Mit größter Aufmerksamkeit folgten die Mitglieder den spannenden, von dem Geiste unserer Tora durchdrungenen Worten des Redners, und allgemeiner Beifall war der Lohn für die vorzügliche Leistung des Redespenders. 
Während der Mahlzeit sprachen noch einige Mitglieder über die vom Verein gepflegten Ideen, den Höhepunkt erreichte jedoch das Fest mit der Versteigerung des Tischgebets, wobei ein, über alles Erwarten, großer Beitrag erlöst wurde. 
In gehobener Stimmung, in dem Bewusstsein, Gutes vollbracht zu haben, schloss das Fest, und man trennte sich mit dem Gefühlte, neue Anregung für die schönen Ziele des Vereins gewonnen zu haben. H.A.K":        

  
Kritisches zur neuen Synagogenordnung (1894)     

Freiburg Israelit 15111894.jpg (184947 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1894: "Aus Baden schreibst man uns: Die Freiburger Synagogenordnungs-Geschichte hat bei mir nicht wenig Kopfschütteln erregt. Dass solche Bestimmungen und Maßnahmen stattfinden, konnte kaum begreifen, da wir ja einen Oberrat haben, der Synagogenräte maßregeln, beziehungsweise ihres Dienstes entheben lassen kann, wenn sie seinen Anordnungen entgegen handeln. Der Synagogenrat darf 1. keine Synagogenordnung festsetzen, die nicht von der Bezirkssynagoge genehmigt ist, denn nur diese hat das Recht zur Beratung über die Handhabung derselben: 2. darf auch diese nur das gutheißen, was der Oberrat in Betreff des israelitischen Gottesdienstes im Jahre 1824 angeordnet. Danach wären viele §§ nimmermehr zu billigen. Ich will für heute nur 1 Punkt erwähnen. Die Freiburger Synagogenordnung verlangt schwarze Kleidung, schwarzen Hut, beziehungsweise bei verheirateten Mitgliedern Zylinder; in vorbezeichneter Verordnung steht aber ausdrücklich: 'Übrigens sollen weder Männer noch Frauen wegen ihres Anzuges, vorausgesetzt, dass er anständig und das Haupt bedeckt ist, zu irgendeiner Zeit zur Rede gestellt werden.' Diese Bestimmung soll der Freiburger Synagogenrat und die Bezirkssynagoge wissen; denn sie steht im Verordnungsblatt des Oberrats, das jede Gemeinde halten muss. Ebenso schreibt der Oberrat in einem Erlass vor Jahre 12885 vor, dass Ausschließungen vom Gottesdienst nur ausnahmsweise und in Fällen der schwersten Art von Übertretungen der Synagogenordnung zur Anwendung kommen dürfen. Ein solch schwerer Fall liegt aber doch hier keineswegs vor. Da sollte in ganz entschiedener Weise Änderung geschaffen werden; denn ein solches Schalten und Walten, solche Vorkommnisse, wie sie betreffendes Mitglied Kahn schilderte, müssen jeden Menschen in Staunen bringen. Da sollte unsere Behörde sorgen, dass derartige Dinge nicht mehr vorkämen."           

   
Über die neue Freiburger Synagogenordnung - Kritische Beurteilung aus orthodoxer Sicht (1894)    

Freiburg Israelit 15111894cs.jpg (370288 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1894:        
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Aufruf zur Errichtung eines israelitischen Landes-Asyls (1895)     

Freiburg AZJ 12071895.jpg (129919 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Juli 1895: "Karlsruhe in Baden, im Juli (1895). Die Bezirkssynagoge Freiburg im Breisgau hat in Verbindung mit vielen angesehenen Männern des Landes den folgenden Aufruf versandt: 'Während der Tagung der Synode wurde in privaten Besprechungen auf die Notwendigkeit eines Landes-Asyls für greise und sieche alleinstehende Personen hingewiesen. Diese Anregung hat allseitig Beifall gefunden und es wurde allgemein anerkannt, dass eine solche Anstalt längst schmerzlich vermisst werde. Man halte Umschau in Stadt und Land; man sehe, wie zahlreich diejenigen sind, denen es an Hilfe und Pflege gebricht; denn selbst Nichtmittellose, aber Alleinstehende entbehren oft Abwartung und Pflege, und sie empfinden die Vereinsamung recht oft als Qual. Die vorhandene städtischen und staatlichen Anstalten vermögen eine israelitische Landes-Anstalt nicht zu ersetzen, weil unsere Glaubensgenossen in den überwiegend meisten Fällen ritual bereitete Speisen und die religiösen Formen des Lebens nicht entbehren wollen. Die Unterzeichneten erlauben sich deshalb, diesen Aufruf zur Errichtung eines israelitischen Landes-Asyls den Synagogenräten des Landes empfehlend zu unterbreiten. Rückäußerungen über die Aufnahme des Aufrufs und darüber, ob der dortige Synagogenrat geneigt ist, Delegierte zu einer im Spätsommer dieses Jahres nach Karlsruhe oder Baden zu berufenden Landesversammlung zu entsenden, wolle man baldtunlichst an die Bezirkssynode Freiburg richten, welche das Weitere veranlassen wird."   :       

   
10-jähriges Stiftungsfest des Unterstützungsvereins für junge jüdische Handwerker (1896)   

Freiburg Israelit 31121896.JPG (175763 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1896: "Freiburg im Breisgau, 29. Dezember (1896). Im Jahre 1886 wurde hier ein Verein gegründet, der es sich zur Aufgabe machte, unbemittelte israelitische Knaben als Handwerker ausbilden zu lassen, denselben unentgeltlich koschere Kost zu beschaffen und dafür zu sorgen, dass diese Lehrlinge an Schabbat und Feiertag von der Arbeit befreit sind. Letzten Sonntagabend feierte dieser Verein sein 10-jähriges Stiftungsfest im israelitischen Hotel Lamm, wozu sich ca. 40 Vereinsmitglieder eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Vereinsvorstandes, Herr Rechtsanwalt Dr. C. Maier sprach in humoristischer Weise über die seitherige Tätigkeit des Vereins, sowie über die bis jetzt gewonnenen Resultate, mit welchen man Ursache habe, zufrieden zu sein und schloss mit einem Hoch auf den Verein. Dieser äußerst gelungene Vortrag brachte eine sehr animierte Stimmung in die Versammlung, die auch bis zum Schlusse anhielt. Nach einiger Zeit erhob sich Herr Dr. Maier zum zweiten Mal, um in ernsten Worten den Herrn Professor Dr. Rosin, Prorektor der hiesigen Universität, den eigentlichen Gründer und Vorsitzenden dieses Vereins zu feiern, seiner tüchtigen unermüdlichen Geschäftsführung gedenkend und ihm den Dank des Vereins aussprechend und teilte demselben mit, dass nach einstimmigem Beschluss des Vorstandes derselbe zum Ehrenmitglieder des Vereins ernannt sei und überreichte ihm das sehr künstlerisch ausgeführte Diplom. 
Herr Professor Dr. Rosin dankte für die ihm erwiesene große Ehre mit der Versicherung, dass er auch für alle Folge als Vorstandsmitglied bemüht sein werde, das Interesse des Vereins zu fördern. Es wurden mehrere Musikstücke vorgetragen und zwei schöne, für die heutige Feier vom Herrn Vorsitzenden verfasste Lieder nach bekannten Melodien von sämtlichen Anwesenden mit Klavierbegleitung gesungen, noch mehrere Toaste ausgebracht, einige Gesangsstücke vorgetragen und nur zu schnell schlug die Mitternachtsstunde. Nun wurde das 'Benschen' versteigert und dabei der Betrag von Mark 140.- erzielt zu Gunsten der Vereinskasse. Der Vorsitzende, Herr Dr. C. Maier, hat seit seiner neunjährigen Amtsführung den Beweis geliefert, dass solche in geschickten Händen ruht und es ihm bei seinem guten Willen gelingen wird, den Verein immer mehr zur Blüte zu bringen" :        

  
Abend der Zionistischen Ortsgruppe (1906)      

Freiburg FrfIsrFambl 13071906.jpg (139316 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Juli 1906: "Freiburg im Breisgau, 8. Juli (1906). Einen sehr gelungenen Abend, dessen Ergebnis für den Palästina-Verein bestimmt ist, veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe für ihre hiesigen Freunde. Die Feier trug in Anbetracht der trüben Zustände in Russland einen ernsten Charakter. Der große Saal war überfüllt. In der Festrede besprach Herr Dr. Isak Straus - Heidelberg, ausgehend von den traurigen Verhältnissen in Russland, den Weg einer dauernden Abhilfe. Das zionistische Programm biete von all den im Lauf der jüdischen Geschichte aufgetauchten Lösungsversuchen die Gewähr für einen endgültigen Erfolg. An der praktischen Vorarbeit für die Erreichung jenes großes Zieles muss ein jeder mitarbeiten. Dann werden schmerzliche Zeiten wie die heutigen uns nicht mehr unvorbereitet antreffen. 
Der Präsident der Ortsgruppe, Herr Dr. Kaufmann, gedachte in einigen eindrucksvollen Worten Theodor Herzls, dessen Todestag dieser Tage wiederkehren wird. 
Besondere Anerkennung verdienten die Darbietungen junger Damen und Studenten der hiesigen Universität, die dem Abend ein würdiges Gepräge gaben. 
Die Feier hat ihren Eindruck auf die Anwesenden nicht verfehlt, und auch der finanzielle Erfolg war recht befriedigend"   :      

    
Eine Ortsgruppe des "Verbandes der Sabbatfreunde" wurde gegründet (1907)      

Freiburg Israelit 18041907.jpg (82299 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1907: "Freiburg im Breisgau, 17. April (1907). In Freiburg im Breisgau wurde Ende vorigen Monats von Herrn Louis Kahn aus Frankfurt am Main eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde gegründet, der ca. 25 Mitglieder beitraten. Herr Simon Eppstein in Freiburg hat sich bereit erklärt, die Propaganda weiter zu führen und wenn möglich auch in den größeren Landgemeinden in der näheren und weiteren Umgegend Freiburgs Ortsgruppen zu gründen. Es wäre sehr zu wünschen, dass auch die gesetzestreuen Studenten sich dem Verbande zur Verfügung stellten, wie es zum Beispiel ein Münchener Akademiker getan hat, der in den letzten 2 Wochen 6 Ortsgruppen gründete. - Am besten sind die Sonntage geeignet, da an diesem Tage die meisten Juden in den Landgemeinden zuhause sind."         

     
Zwei Synagogenbesucher werden zu Unrecht des Diebstahls bezichtigt (1909)     

Freiburg Israelit 14101909.jpg (115162 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1909: "Freiburg im Breisgau, 12. Oktober (1909). Ein schwerer polizeilicher Missgriff macht hier viel von sich reden. In der hiesigen Synagoge war ein Schrank erbrochen und eine darin befindliche eiserne Kassette mit 6 Mark Inhalt gestohlen worden. Der Vorfall sollte für zwei Herren aus Afrika (Vater und Sohn), deren einer sich in Freiburg in ärztlicher Behandlung befindet, eine sehr unangenehme Lage herbeiführen. Als sich die beiden Herren in der Synagoge befanden, wurden sie herausgerufen und im Vorraum von zwei Kriminalpolizisten festgenommen. Dabei wurden ihnen Handschellen angelegt und dann wurden sie zur Kriminalpolizei gebracht, ohne dass ihnen auch nur der Grund ihrer Verhaftung mitgeteilt wurde, und obwohl sich die Herren zu ihrer Legitimation auf die Hochschulklinik und den behandelnden Arzt beriefen. Auf der Kriminalpolizei stellte sich, wie auch der Polizeibericht bekannt gibt, 'deren volle Unschuld' sofort heraus. Beiden Herren wurde nach dem Polizeibericht das Bedauern der Behörde über das Missverständnis ausgesprochen. Wie es heißt, hat der Staatsanwalt selbst im Hotel der beiden zu Unrecht Verhafteten vorgesprochen".          

   
Bericht des "Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden" für 1909 und 1910 (1911)  

Freiburg AZJ 15091911.jpg (282143 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. September 1911: "Freiburg im Breisgau, 10. September (1911). Der Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden (Abteilung Freiburg) versendet den Bericht für die Jahre 1909 und 1910. Wie aus dem Bericht hervorgeht, ist der Verein, zu dessen Begründung der Stadtrabbiner Dr. A. Lewin seligen Andenkens und der Gemeindevorsteher B. Dukas die Anregung gegeben hatten, mit dem Beginn des Jahres 1911 in das 25. Jahr seiner Tätigkeit eingetreten. Herr Geheimer Hofrat Professor Dr. Rosin leitete den Verein bis August 1895. In Anerkennung der großen Verdienste, die er sich um den Verein erworben, ernannte ihn der Vorstand im Jahre 1896 einstimmig zum Ehrenmitglied des Vereins. Mit Wehmut gedenkt der Bericht des verewigten Rechtsanwalts Dr. Daniel Mayer, der von der Gründung des Vereins an als stellvertretender Vorsitzender, von 1895 bis zu seinem am 21. August 1906 erfolgten Ableben als erster Vorsitzender in opferwilligster Weise seine Zeit und Kraft in den Dienst des Vereins gestellt hat. Im Spätjahr 1886 begann der Verein seine Tätigkeit. In den ersten Jahren wurden die Lehrlinge größtenteils bei hiesigen meistern untergebracht und für ihre Verpflegung und Beaufsichtigung in jüdischen Familien gesorgt. ein anderer Teil der Pflegebefohlenen, der bei auswärtigen Lehrherren untergebracht wurde oder Gelegenheit hatte, in den Heimatorten die Lehre zu bestehen, wurde vom verein in angemessener Weise unterstützt. Im Jahre 1889 wurden die Schwesternvereine in Karlsruhe und Mannheim gegründet, und das Feld der Tätigkeit erstreckte sich von da ab auf die Bezirkssynagogen Gailingen, Sulzburg, Freiburg, Schmieheim und Bühl. Der Verein bezeichnete sich dann als 'Abteilung Freiburg'. Im Jahre 1902 wurde das israelitische Lehrlingsheim in Karlsruhe eröffnet. Seitdem bringt der Verein die meisten seiner Pflegebefohlenen im Lehrlingsheim unter, wo sie bei guter Aufsicht und Pflege bei sorgfältig ausgewählten, tüchtigen Meistern ihre Lehrzeit verbringen. Im Jahre 1905/06 veranstaltete der Vorstand bei den Synagogenräten des Landes eine Umfrage über den Entwicklungsgang der vom Verein ausgebildeten Handwerker. Nach der Feststellung des damaligen Vorsitzenden, Hauptlehrers A. Heidingsfeld, arbeiten 70 Prozent mit gutem, zum Teil mit ausgezeichnetem Erfolge teils als Meister, teils als Gesellen in dem von ihnen erlernten Handwerk, 24 Prozent hatten sich einem anderen Beruf zugewendet, sechs Prozent waren gestorben oder es war ihr Aufenthalt nicht zu ermitteln. Seit seinem Bestehen hat der Verein insgesamt etwa 130 Lehrlinge im Handwerk ausbilden lassen. Einzelnen besonders befähigten und strebsamen Handwerkern hat er nach Beendigung ihrer Lehrzeit die Mittel zu ihrer weiteren technischen Ausbildung an höheren Lehranstalten gewährt. Daneben hat der Verein einer größeren Anzahl junger Mädchen zu ihrer Ausbildung als Putz- und Kleidermacherinnen, Weißnäherinnen, Kindergärtnerinnen, Industrielehrerinnen, in Haushaltungsschulen usw. Mittel gewährt. In Ausnahmefällen hat er auch an Studierende Stipendien bewilligt. So kann der Verein, wenn auch nicht alle Samen, die er ausgestreut auf fruchtbaren Boden gefallen und zur Frucht gediehen sind, doch mit Befriedigung auf die Arbeit und die Erfolge seines ersten Vierteiljahrhunderts zurückblicken. Unter den Einnamen werden verzeichnet an Mitgliederbeiträgen 2507 Mark, an Spenden 3326 Mark, an..."        

  
Ein rituelles Speisehaus wurde in Freiburg eröffnet (1922)       

Freiburg Israelit 27071922.jpg (88449 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1922:        

  
Kritisches aus orthodoxer Sicht zu den Gemeindeverhältnissen in Freiburg aus Anlass der Einrichtung einer Mikwe (1924)   

Freiburg Israelit 14081924.jpg (812695 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1924:         

    
Gemeindemitteilungen: aus dem Vereinsleben - Umbau der Synagoge - ein dritter Kantor und Schächter wird angestellt (1925)  

Freiburg JuedlibZtg 22051925.jpg (164856 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 22. Mai 1925:       

 
Aus dem Reisebericht eines jüdischen Referenten durch Südbaden - Einige Eindrücke aus Freiburg (1938)    

Freiburg Israelit 03021938.jpg (202497 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1938:        

   
   
  
Sonstiges   
Der Freiburger Buchhandel verkauft nicht mehr Predigten von Kardinal Faulhaber (1934)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1934: "Freiburg, 13. März (1934). Die Fachschaft des Freiburger Buchhandels hat sich, wie die 'Frankfurter Zeitung' meldet, auf Vorstellungen der Freiburger Hitlerjugend in einer Erklärung ehrenwörtlich verpflichtet, die Predigten des Kardinals Faulhaber über 'Judentum, Christentum und Germanentum' nicht mehr zu verkaufen und die vorhandenen Vorräte sofort an den Verlag zurückzuschicken. Die Freiburger Hitlerjugend begründet ihr Vorgehen mit der Einstellung der Predigten des Kardinals zum Germanentum".       

  
      

 

   
    
    

   

 

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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Januar 2012