Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dertingen (Stadt Wertheim, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Dieter Fauth, Wertheim)  

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Allgemeine Gemeindebeschreibung  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
bulletLinks und Literatur   

  
Hinweis
auf die Darstellung von Dieter Fauth: Die jüdischen Bürger aus Dertingen (Stand: April 2026). Eingestellt als pdf-Datei.      
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Löwenstein-Wertheim gehörenden Dertingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1925. Zeugnisse jüdischer Familien am Ort reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der älteste Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Wertheim, der für einen Dertinger Juden gesetzt wurde, datiert von 1699 (nach der Dokumentation des jüdischen Friedhofes in Wertheim von Emily Rose. Berlin 1997 S. 2 und Nr. 366 Ms.). 
  
1825 wurden 46 jüdische Einwohner gezählt (5,6 % von insgesamt 825 Einwohnern). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1850 mit 54 Personen erreicht, um danach zurückzugehen: 1887 36 Personen (nach "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1887), 1892 gleichfalls 36 (in elf Familien), 1901 35 (in neun Haushaltungen), 1903 38 (in elf Haushalten, von 829 Einwohnern), 1905 39 (von 819 Einwohnern).
 
Unter den jüdischen Familien ist vor allem die Familie Schwarzschild zu nennen, deren Stammvater der ca. 1777/78 in Dertingen geborene Seligmann Jacob war, der den Namen Schwarzschild angenommen hatte. Von ihm abstammend gibt es elf Dertinger Urenkellinien, von denen es in drei Linien zu fünf Ermordeten in der NS-Zeit kam. Weiteres im Beitrag von Dieter Fauth siehe Literatur.  
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), neben der sich auch ein rituelles Bad und ein jüdische Schlachthaus befanden (heute Parkplatz). Es bestand eine Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Wertheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Als die Zahl der jüdischen Einwohner geringer wurden, erteilten auswärtige Lehrer den jüdischen Kindern in Dertingen ihren Religionsunterricht, so um 1887 Lehrer Neumann aus Homburg am Main, um 1889 Lehrer Hecht aus Homburg am Main, um 1892 Lehrer Gumpert Thalmann aus Wertheim, 1893 Lehrer Hermann Rose aus Homburg am Main, um 1901 Lehrer M. Gutmann (damals 4 Schüler*innen in Religion zu unterrichten), 1903 Simon Eschwege aus Homburg am Main (damals zwei Kinder). 1905 waren noch fünf jüdische Kinder aus Dertingen in Religion zu unterrichten.
   
Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Tauberbischofsheim, später Wertheim zugeteilt.  
  
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892: N. Schwarzschild, A. Schwarzschild und J. Schwarzschild; um 1903: N. Schwarzschild, M. Fleischmann, L. Fleischmann; um 1905 N. Schwarzschild.
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Karl Rothschild (geb. 21. März 1891 in Dertingen, später als Kaufmann in Wertheim wohnhaft), gefallen am 21. November 1914 (in der Zeitschrift "Der Schild" vom 22. März 1929 S. 99). 
   
Die jüdische Gemeinde wurde 1925 aufgelöst, weil nur noch acht erwachsene Männer in der Gemeinde waren und dies für keinen regelmäßigen Minjan mehr in der Synagoge ausreicht. Danach orientierten sich die verbliebenen jüdischen Familien nach Wertheim. Um 1930 war Lehrer Sichel aus Wertheim für die Betreuung der jüdischen Gemeinde Dertingen zuständig.
  
1933 lebte nur noch eine Familie Schwarzschild am Ort. 
   
Von den in Dertingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilda Hammel geb. Fleischmann (1897, "Stolperstein" in Wertheim, Marktplatz 18), Jette Lack geb. Rothschild (1876, "Stolperstein" in Wertheim, Zollgasse 8), Philipp Rothschild (1879, "Stolperstein" in Wertheim, Nebenmaingasse 3-5), Adolf Schwarzschild (1882, "Stolperstein" in Dertingen, Aalbachstr. 42), Erika Schwarzschild (1913, "Stolperstein" in Dertingen, Aalbachstr. 42), Karoline (Lina) Schwarzschild (1879), Sophie Schwarzschild geb. Brückheimer (1881), Klara Thalmann geb. Fleischmann (1901, "Stolperstein" in Wertheim, Zollgasse 4).   Weitere Angaben im Beitrag von Dieter Fauth siehe Literatur. 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde                 
   
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1931) 
 
Aus einem Reisebericht über die jüdische Gemeinde Dertingen (1931) 

D
er Beitrag wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).   

Artikel in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt" vom 16. Juli 1931: "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande. Neckar - Tauber - Main - Wanderung. Von S. Lilienthal - Wiesbaden.
 
"...Zwei gute Stunden östlich von Wertheim liegt   Dertingen, 800 Einwohner, wenige jüdische Seelen. Um 1400 war Dertingen eine der vier Judensiedlungen in der Grafschaft Wertheim: Wertheim, Wenkheim und Urphar waren die anderen. (Letzteres 1 1/4 Stunden südöstlich von Wertheim, hat wohl schon seit Jahrhunderten keine Juden mehr.) 1900 hatte die Gemeinde noch 40 Seelen, heute hat sie noch eine eigene alte Synagoge, in der aber kein Gottesdienst mehr gehalten wird. Lehrer Sichel aus Wertheim ist für die Gemeinde, die heute zur seinigen gehört, zuständig. - Von Wertheim dem gelben Quadrat-Wegzeichen folgend, durch schönen Hochwald nach Westen, immer südlich des Mains, kommt man in bequemem Tagesmarsch von fünf Stunden, über Wessenthal nach
Freudenberg..."     

  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer und Vorsängers (1853 / 1855)         

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 24. September 1853 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Dertingen, Synagogenbezirks Tauberbischofsheim, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 12. Dezember 1855  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 40 fl. nebst freier Kost und Wohnung und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Dertingen, Synagogenbezirks Tauberbischofsheim, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Tauberbischofsheim sich zu melden. Bei dem Abhange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Jüdische Schmiedemeister in Dertingen seit Ende des 18. Jahrhunderts 

Dertingen AZJ 24041896.jpg (24421 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1896: "Von Interesse ist die Nachricht, dass in Dertingen (Amtsbezirk Wertheim in Baden) seit über 100 Jahre jüdische Schmiede leben, namens Schwarzschild, die fromm sind und für die Bauern arbeiten außer Sonnabend und Sonntag."  

      
Zur Goldenen Hochzeit von Nathan Schwarzschild und Rose geb. Rothschild (1927) 

Dertingen Israelit 10111927.jpg (42982 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Dertingen bei Wertheim, 7. November (1927). Am 13. November begehen in voller Rüstigkeit die Eheleute Herr Nathan Schwarzschild, 79 Jahre und Frau Rose geb. Rothschild, 80 Jahre, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist als Schmiedemeister hier tätig und übt heute noch sein Gewerbe aus. Wir wünschen den Eheleuten noch ein recht langes Leben bei voller Gesundheit."   

  
Mitteilungen / kleine Berichte zu einzelnen Personen

- 1869: Hochzeit von Marx Bär Fleischmann I von Dertingen mit Mina geb. Lehmann von Wenkheim  (in: "Der Israelit" vom 16. September 1869 S. 740
- 1908: Verlobung von Clara Bodenheimer (Mannheim) mit Hermann Schwarzschild (Dertingen) (im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" - "Neue jüdische Presse" vom 7. August 1908 S. 5

     
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Bertha Fröhlich (1904)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Oktober 1904: "Tüchtiges, gebildetes Fräulein,
sucht Stelle 

als Haushälterin bei einzelnem Herrn oder bei kleiner Familie, wo die Frau fehlt.   
Bertha Fröhlich,

Dertingen bei Wertheim am Main (Baden)."   

  
Anzeige von Ph. Rothschild (1916)   

Anmerkung: Philipp Rothschild ist 1879 in Dertingen geboren. Er wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet; eine ähnliche Anzeige mit der Suche nach einem "Schneider-Lehrling unter günstigen Bedingungen sofort oder auf Ostern gesucht" erschien im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. Dezember 1913 S. 8 linke Spalte, 2. Anzeige von oben.    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Juni 1916: "Schneider-Lehrling
unter günstigen Bedingungen sofort gesucht. Samstags und Feiertage frei.
Ph. Rotschild  
Dertingen bei Wertheim.
"     

    
   
Sonstiges 
Zu Prof. Dr. Albrecht Thoma aus Dertingen, Verfasser eines "versteckt judenfeindlichen Buches"  (1909)
  
Anmerkung: Nach Prof. Thoma ist in Dertingen die "Albrecht-Thoma-Straße" benannt.
Hinweis: Zur Entstehungszeit des Buches (1908) war ein "völkisch-religiöser" Unterton in der deutschen Literatur weit verbreitet. Obwohl Albrecht Thoma kein politischer Antisemit im modernen Sinne war, spiegeln seine Werke die Überlegenheitshaltung des damaligen Protestantismus wider, die das Judentum als eine zu überwindende Vorstufe des Christentums betrachtete. 

Antwort auf einen Leserbrief in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt" vom 3. Juni 1909: "J.S.W.  Der Verfasser des von Ihnen genannten, versteckt judenfeindlichen Buches: 'Der Sternensohn, Geschichtliche Erzählung aus der Zeit des Kaisers Hadrian'. der christliche Theologie Prof. Dr. Albrecht Thoma, ist geboren zu Dertingen im Jahre 1844 und fungiert als Seminarlehrer in Karlsruhe."     
 
Aus einem Beitrag von Walter Baumann (Quelle: https://www.weinort-dertingen.de/dertingen/traeger-von-orden-und-ehrenzeichen/albrecht-thoma-namensgeber-der-albrecht-thoma-strasse/): "Albrecht Thoma – Namensgeber der Albrecht-Thoma-Straße. Albrecht Thoma – geboren am 2. Dez. 1844 – als 3tes Kind, von insgesamt elf. – Sein Vater war aus dem 'Würzburgischen' gebürtig. Er kam nach Dertingen und heiratete des Rößlewirts Erbtochter, das schöne 'Retebärbele'. (Anm. des Webmasters: Das Rößle war das 'Weiße Rößlein') ... Albrecht wuchs in der großen Familie auf und musste auch in der Landwirtschaft – die ja auch mitbetrieben wurde – mithelfen, so lernte er das dörfliche Leben kennen, wie alle seine Altersgenossen und gemeinsam besuchten sie auch die Volksschule. Der Vater – Matthäus Thoma, wollte, daß seine Kinder alle einen ordentlichen Beruf erlernen sollten. Doch der 'Gescheiteste', und das war Albrecht, der sollte 'studieren'. Das war auch die Ansicht des Dertinger Volksschullehrers ('Herr Kantler'). So machte er, mit großem Erfolg, seine Aufnahmeprüfung in Wertheim, im Lyzeum, wie es damals hieß (Gymnasium). In er Eichelgasse machte man, daß er eine kleine Wohnung bekam. Nun war er 'Student'. Eine Seltenheit bei Familien in Dertingen. Doch jedes Wochenende marschierte er, auf Schusters Rappen, die 'Leite heraus' über Lindelbach seinem Heimatdorf Dertingen entgegen. – Nach Jahren kam die Reifeprüfung (Abitur).
Der Dertinger war bisher nicht über die Grenzen von Spessart und vom Badischen Frankenland hinausgekommen. Doch nun begann das Studium an der Universität im vielbesungenen Heidelberg. Doch auch hier bestand er alle Prüfungen mit herausragendem Erfolg. Nach abgelegter Staatsprüfung wurde er als Pfarrkandidat aufgenommen und seine erste Predigt hielt er in seiner Heimatkirche – der Dertinger Wehrkirche. Seine erste Vikarstelle war nun Mittelschefflenz. Inzwischen brach der Krieg aus – 1870/71. Albrecht Thoma war auch vaterländisch gesinnt – zu seinem christlichen Glauben – wurde jedoch zuerst nicht eingesetzt. Durch einen sogenannten Männerhilfsverein dem er beitrat, nahm er an einem Pflegekurs teil und wurde nun in einem Feldlazarett im Elsaß verwendet. Nach diesem Krieg bekam er eine Stelle in Durlach, später sodann in Bremen, als Stellvertreter des dortigen Stadtpfarrers.
Sein nächster Tätigkeitsbereich war nun Mannheim. Von hier wurde er nach Karlsruhe zum Professor des Lehrerseminars berufen. Hier wurde ihm bewusst, dass er mehr als Erzieher, als Lehrer, als Pädagoge, vielmehr als Prediger geboren war. Schon einige Jahre vorher geschah etwas, das sein Leben stark veränderte. In Heidelberg lebte eine Frau Lehrer mit 2 Töchtern und die Jüngere, ein liebenswürdiges Wesen, mit dem Namen Frieda, hatte es ihm angetan. So kam es an Neujahr 1876 zur Hochzeit und das Glück des Bräutigams war groß. Sein Heimatdorf Dertingen lag ihm immer doch am Herzen. In den Ferien besuchte er immer wieder sein Elternhaus, jedoch nicht mehr das weiße Rössl. Denn der Vater geriet mit dieser großen Familie in Geldnöte, so musste er das Wirtshaus verkaufen. Er kaufte ein kleineres Häuschen in der oberen Gasse. Da dieses auch wieder zu klein war erwarb er ein gegenüberliegendes Anwesen noch dazu. So gab es dann doch wieder Platz für Albrecht, wenn er auf Urlaub kam. Mit einigen einheimischen Freunden durchstreifte er dann Wald und Flur und erinnerte sich dann seiner Kindertage. – Später verließ dann die Familie Thoma Dertingen. Angeblich zogen sie in eine Mühle bei Tauberbischofsheim. Albrecht Thoma wurde nun mit weiteren Ämtern überhäuft. Vor allem war es der Evangelische Bund dem er beigetreten war und hier wurde ihm bald der Vorsitz im Landesverband übertragen. Nun war bei ihm das Interesse an der Diakonissensache erwacht. So gründete er Diakonissenstationen im Land, zum Teil auch im Württembergischen. Sein Plan war ein Mutterhaus zu bauen. Ein 100 Markschein war der Grundstock für ein Mutterhaus, mehr war a Anfang nicht vorhanden, doch Thoma trieb das Ganze voran. Da aber in Karlsruhe ein Mutterhaus schon bestand, drängte er darauf, das Mutterhaus weiter südlich in Freiburg zu bauen. Unzählige Hindernisse waren zu überwinden, doch A. Thoma ließ sich nie entmutigen. Er war nun über die Grenzen des Landes hinweg bekannt und seine Verehrer und Freunde gaben ihm den Namen: 'Der Diakonissenvater'. Neben allen Tätigkeiten war er auch immer wieder schriftstellerisch tätig. Unter anderem verfasste er auch einen Beitrag zu: 'Der Pfeifer von Niklashausen' und vieles Andere. Doch auch volkstümliche Texte verfasste er, so soll er in seiner Jugend sogar Faschingsreime geschrieben haben.
Albrecht Thoma erreichte ein Alter von 71 Jahren. Er starb im Ersten Weltkrieg im Jahre 1915. Bei der Festsetzung der neuen Straßennamen nach er Ortssanierung wurde die Straße zur Mandelberghalle mit Albrecht-Thoma-Straße benannt."   

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge                 
   
1814 wurde eine Synagoge erbaut, die bis 1925 in Gebrauch war. Über die Baugeschichte der Synagoge konnten keine Aktenbestände ausfindig gemacht werden. Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder auf nur acht zurückgegangen war, wurde die Synagoge geschlossen, 1926 von der politischen Gemeinde erworben und zu einer Schule umgebaut (Kochschule für Mädchen, landwirtschaftliche Fortbildungsschule für Jungen). Seit 1942 diente das Gebäude als Altersheim des Landkreises Tauberbischofsheim. 
   
Nach 1945 war im Erdgeschoss zeitweise die Postvermittlung des Ortes eingerichtet. 1956 wurde das Synagogengebäude zu einem bis heute erhaltenen Wohnhaus umgebaut (Obere Straße 23)
.   
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos:   

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite 

    
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Dertingen Synagoge 009.jpg (50211 Byte) Dertingen Synagoge 010.jpg (39087 Byte)
  Das durch zahlreiche Umbauten 
veränderte ehemalige Synagogengebäude 
dass; Rückseite 
  
     
Dertingen Synagoge 011.jpg (38841 Byte) Dertingen Synagoge 012.jpg (34297 Byte)
  Vorderseite (Straße) mit Eingang  Eingangstor 
      
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) 
  
Dertingen Synagoge 152.jpg (48235 Byte) Dertingen Synagoge 150.jpg (42522 Byte) Dertingen Synagoge 151.jpg (36361 Byte)
Ansichten des ehemaligen Synagogengebäudes von der Oberen Straße  Eingangstür von der Oberen Straße 
   
Dertingen Synagoge 155.jpg (50031 Byte) Dertingen Synagoge 154.jpg (44883 Byte) Dertingen Synagoge 153.jpg (56636 Byte)
Rückseite 
des Gebäudes 
Seitenansicht 
von Westen  
Kellereingang von der Rückseite, 
vermutlich Zugang zum rituellen Bad 

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2011: Vierte Verlegung von "Stolpersteinen" in Wertheim und Dertingen    
Artikel von Alexander Gutmann in den "Fränkischen Nachrichten" vom 19. November 2011: 
"Stolperstein"-Verlegung: Der Fall der Maria Gegenwarth. Existenz "beendet". 
Wertheim.
Bei ihrer anhaltenden Aufarbeitung des Holocausts in Wertheim sind Dieter Fauth und seine engagierten Laienhistoriker während der Vorbereitung der vierten 'Stolperstein'-Verlegung auf zwei relativ außergewöhnliche Fälle gestoßen. Einer ist der der Maria Gegenwarth, welcher maßgeblich von der Schülerin Jael Steinbach recherchiert wurde, einer der der Familie Schwarzschild, die in Dertingen gelebt hat..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.      
 
April 2026: Artikel eingestellt von Dieter Fauth: Zu den Stolpersteinen in Dertingen   

     
      

Links und Literatur  

Links: 

bulletWebsite der Stadt Wertheim  
bulletWebsite der Ortschaft Dertingen  

Literatur: 

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 66. 
bulletDieter Fauth: Die jüdischen Bürger aus Dertingen. Stand: April 2026. Eingestellt als pdf-Datei.   
bulletDieter Fauth: Zu den Stolpersteinen in Dertingen. Stand: April 2026. Eingestellt als pdf-Datei.  
bullet Wertheim Lit 14005.jpg (162242 Byte)Dieter Fauth: Wertheim im Nationalsozialismus aus Opferperspektiven. Gedenkbuch zum Projekt Stolpersteine. Verlag Religion & Kultur. Zell am Main 2013. Gebundene Ausgabe: DIN A 4; 764 S., ca. 450 Abb. ISBN 978-3-933891-26-6, 48,00 €. 
Anmerkung:  Über das Buch siehe eingestellte pdf-Datei. Es handelt sich um 1. Auflage des Gedenkbuches für die Wertheimer Verfolgten des Nationalsozialismus - 2. Auflage siehe unten.      
 
   
bullet Dieter Fauth: Wertheim im Nationalsozialismus aus Sicht der Verfolgten. Gedenkbuch zum Projekt Stolpersteine. Hrsg. von der Stadt Wertheim. Verlag Religion & Kultur. Zell am Main.
2. korrigierte und erheblich erweiterte Auflage des oben genannten Gedenkbuches für die Wertheimer Opfer des Nationalsozialismus.

Band 1: Andersdenkende und "NS-Euthanasie"-Ermordete. 476 S.  ISBN 978-3-933891-38-9 
Band 2: Juden und Sinti (Tote). 448 S. ISBN 978-3-933891-39-6 
Band 3: Juden und Sinti (Überlebende). 470 S. ISBN 978-3-933891-40-2  
Anmerkung: Über das Buch siehe eingestellte pdf-Datei und Seite mit dem Inhaltsverzeichnis.  
Bestellmöglichkeit über Link zur Verlagsseite mit der Buchvorstellung https://www.verlag-religionundkultur.de/?Religionsgeschichte/Wertheim-im-Nationalsozialismus-aus-aus-Sicht-der-Verfolgten&search=Wertheim 
Wichtig: Die Bände des Wertheimer Gedenkbuches für die Verfolgten des Nationalsozialismus gibt es als kostenlose Downloads von der Homepage des Verlages Religion+Kultur.
- Download von der Seite https://verlag-religionundkultur.de/?Religionsgeschichte/Wertheim-im-Nationalsozialismus-aus-aus-Sicht-der-Verfolgten.  
- Kontakt zum Verfasser über E-Mail post[et]dieterfauth.de   

      
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Januar 2026