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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Dertingen (Stadt Wertheim, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Dieter Fauth,
Wertheim)
Übersicht:
Hinweis auf die
Darstellung von Dieter Fauth: Die jüdischen Bürger aus Dertingen (Stand:
April 2026).
Eingestellt als pdf-Datei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Grafen von Löwenstein-Wertheim
gehörenden Dertingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1925. Zeugnisse
jüdischer Familien am Ort reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der älteste
Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Wertheim, der für einen Dertinger
Juden gesetzt wurde, datiert von 1699 (nach der Dokumentation des jüdischen
Friedhofes in Wertheim von Emily Rose. Berlin 1997 S. 2 und Nr. 366 Ms.).
1825 wurden 46 jüdische
Einwohner gezählt (5,6 % von insgesamt 825 Einwohnern). Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1850 mit 54 Personen
erreicht, um danach zurückzugehen: 1887 36 Personen (nach "Statistisches
Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1887), 1892 gleichfalls
36 (in elf Familien), 1901 35 (in neun Haushaltungen), 1903 38 (in elf
Haushalten, von 829 Einwohnern), 1905 39 (von 819 Einwohnern).
Unter den jüdischen Familien ist vor allem die Familie Schwarzschild zu
nennen, deren Stammvater der ca. 1777/78 in Dertingen geborene Seligmann Jacob
war, der den Namen Schwarzschild angenommen hatte. Von ihm abstammend gibt es
elf Dertinger Urenkellinien, von denen es in drei Linien zu fünf Ermordeten in
der NS-Zeit kam. Weiteres im Beitrag von Dieter Fauth siehe Literatur.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), neben der
sich auch ein rituelles Bad und ein jüdische Schlachthaus befanden (heute
Parkplatz). Es bestand eine Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof
in Wertheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger tätig war
(siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Als die Zahl der jüdischen Einwohner
geringer wurden, erteilten auswärtige Lehrer den jüdischen Kindern in Dertingen
ihren Religionsunterricht, so um 1887 Lehrer Neumann aus
Homburg am Main, um 1889 Lehrer Hecht aus
Homburg am Main, um 1892 Lehrer Gumpert
Thalmann aus Wertheim, 1893 Lehrer Hermann
Rose aus Homburg am Main, um 1901 Lehrer
M. Gutmann (damals 4 Schüler*innen in Religion zu unterrichten), 1903
Simon Eschwege aus Homburg am Main
(damals zwei Kinder). 1905 waren noch fünf jüdische Kinder aus Dertingen in
Religion zu unterrichten.
Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk
Tauberbischofsheim, später Wertheim
zugeteilt.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892: N. Schwarzschild, A.
Schwarzschild und J. Schwarzschild; um 1903: N. Schwarzschild, M. Fleischmann,
L. Fleischmann; um 1905 N. Schwarzschild.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Karl Rothschild (geb.
21. März 1891 in Dertingen, später als Kaufmann in Wertheim wohnhaft), gefallen
am 21. November 1914 (in der Zeitschrift "Der Schild" vom 22. März 1929 S. 99).
Die jüdische Gemeinde wurde 1925 aufgelöst, weil nur noch acht
erwachsene Männer in der Gemeinde waren und dies für keinen regelmäßigen
Minjan mehr in der Synagoge ausreicht. Danach orientierten sich die verbliebenen
jüdischen Familien nach Wertheim. Um 1930
war Lehrer Sichel aus Wertheim für die Betreuung der jüdischen Gemeinde
Dertingen zuständig.
1933 lebte nur noch eine Familie Schwarzschild am Ort.
Von den in Dertingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilda Hammel geb.
Fleischmann (1897, "Stolperstein" in Wertheim,
Marktplatz 18), Jette Lack geb. Rothschild (1876, "Stolperstein" in
Wertheim, Zollgasse 8), Philipp
Rothschild (1879, "Stolperstein" in Wertheim,
Nebenmaingasse 3-5), Adolf Schwarzschild (1882, "Stolperstein" in
Dertingen, Aalbachstr. 42), Erika Schwarzschild (1913, "Stolperstein" in
Dertingen, Aalbachstr. 42), Karoline (Lina) Schwarzschild
(1879), Sophie Schwarzschild geb. Brückheimer (1881), Klara Thalmann geb.
Fleischmann (1901, "Stolperstein" in Wertheim,
Zollgasse 4). Weitere
Angaben im Beitrag von Dieter Fauth siehe Literatur.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Gemeindebeschreibung
(1931)
Aus einem Reisebericht über die jüdische Gemeinde Dertingen (1931)
Der
Beitrag wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen
Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in
Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere
Informationen:
https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
Artikel
in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt" vom 16. Juli
1931: "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande. Neckar - Tauber -
Main - Wanderung. Von S. Lilienthal - Wiesbaden.
"...Zwei gute Stunden östlich von Wertheim liegt
Dertingen, 800 Einwohner, wenige jüdische Seelen. Um 1400 war
Dertingen eine der vier Judensiedlungen in der Grafschaft Wertheim:
Wertheim, Wenkheim und Urphar waren die
anderen. (Letzteres 1 1/4 Stunden südöstlich von Wertheim, hat wohl schon
seit Jahrhunderten keine Juden mehr.) 1900 hatte die Gemeinde noch 40
Seelen, heute hat sie noch eine eigene alte Synagoge, in der aber kein
Gottesdienst mehr gehalten wird. Lehrer Sichel aus Wertheim ist für die
Gemeinde, die heute zur seinigen gehört, zuständig. - Von Wertheim dem
gelben Quadrat-Wegzeichen folgend, durch schönen Hochwald nach Westen, immer
südlich des Mains, kommt man in bequemem Tagesmarsch von fünf Stunden, über
Wessenthal nach
Freudenberg..." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer und Vorsängers
(1853 / 1855)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" vom 24. September 1853 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):
"Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen
Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen
Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde
Dertingen, Synagogenbezirks Tauberbischofsheim, ist zu besetzen.
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren
Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über
ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst
des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge
Tauberbischofsheim sich
zu melden.
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder
Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte
nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden." |
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Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" vom 12. Dezember 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):
"Die mit einem festen Gehalte von 40 fl. nebst freier Kost und
Wohnung und einem jährlichen
Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen
Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Dertingen,
Synagogenbezirks Tauberbischofsheim, ist zu besetzen.
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren
Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über
ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst
des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge
Tauberbischofsheim sich
zu melden. Bei dem Abhange von Meldungen von Schul- oder
Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte
nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Jüdische Schmiedemeister in Dertingen seit Ende des 18. Jahrhunderts
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1896:
"Von Interesse ist die Nachricht, dass in Dertingen (Amtsbezirk
Wertheim in Baden) seit über 100 Jahre jüdische Schmiede leben, namens
Schwarzschild, die fromm sind und für die Bauern arbeiten außer
Sonnabend und Sonntag." |
Zur Goldenen Hochzeit von Nathan Schwarzschild und Rose geb. Rothschild
(1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "Dertingen
bei Wertheim, 7. November (1927). Am 13. November begehen in voller
Rüstigkeit die Eheleute Herr Nathan Schwarzschild, 79 Jahre und Frau Rose
geb. Rothschild, 80 Jahre, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist
als Schmiedemeister hier tätig und übt heute noch sein Gewerbe aus. Wir
wünschen den Eheleuten noch ein recht langes Leben bei voller
Gesundheit." |
Mitteilungen / kleine Berichte zu
einzelnen Personen
- 1869: Hochzeit von Marx Bär Fleischmann
I von Dertingen mit Mina geb. Lehmann von
Wenkheim (in: "Der Israelit"
vom 16. September 1869 S. 740)
- 1908: Verlobung von Clara Bodenheimer (Mannheim) mit Hermann
Schwarzschild (Dertingen) (im "Frankfurter Israelitischen
Familienblatt" - "Neue jüdische Presse" vom 7. August 1908 S. 5) |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Bertha Fröhlich (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Oktober 1904: "Tüchtiges,
gebildetes Fräulein,
sucht Stelle
als Haushälterin bei einzelnem Herrn oder bei kleiner Familie, wo die
Frau fehlt.
Bertha Fröhlich,
Dertingen bei Wertheim am Main (Baden)." |
Anzeige von Ph. Rothschild (1916)
Anmerkung: Philipp Rothschild ist 1879 in Dertingen geboren. Er wurde 1944 im KZ
Auschwitz ermordet; eine ähnliche Anzeige mit der Suche nach einem
"Schneider-Lehrling unter günstigen Bedingungen sofort oder auf Ostern gesucht"
erschien im "Israelitischen Familienblatt" vom 25. Dezember 1913 S. 8
linke Spalte, 2. Anzeige von oben.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Juni 1916: "Schneider-Lehrling
unter günstigen Bedingungen sofort gesucht. Samstags und Feiertage frei.
Ph. Rotschild
Dertingen bei Wertheim." |
Sonstiges
Zu Prof. Dr. Albrecht Thoma aus Dertingen, Verfasser eines "versteckt
judenfeindlichen Buches" (1909)
Anmerkung: Nach Prof. Thoma ist in Dertingen die "Albrecht-Thoma-Straße"
benannt.
Hinweis: Zur Entstehungszeit des Buches (1908) war ein "völkisch-religiöser"
Unterton in der deutschen Literatur weit verbreitet. Obwohl Albrecht Thoma kein
politischer Antisemit im modernen Sinne war, spiegeln seine Werke die
Überlegenheitshaltung des damaligen Protestantismus wider, die das Judentum als
eine zu überwindende Vorstufe des Christentums betrachtete.
Antwort
auf einen Leserbrief in der Zeitschrift "Israelitisches Familienblatt" vom
3. Juni 1909: "J.S.W. Der Verfasser des von Ihnen genannten, versteckt
judenfeindlichen Buches: 'Der Sternensohn, Geschichtliche Erzählung aus der
Zeit des Kaisers Hadrian'. der christliche Theologie Prof. Dr. Albrecht
Thoma, ist geboren zu Dertingen im Jahre 1844 und fungiert als Seminarlehrer
in Karlsruhe." |
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Aus einem Beitrag von Walter Baumann
(Quelle:
https://www.weinort-dertingen.de/dertingen/traeger-von-orden-und-ehrenzeichen/albrecht-thoma-namensgeber-der-albrecht-thoma-strasse/):
"Albrecht Thoma – Namensgeber der Albrecht-Thoma-Straße. Albrecht
Thoma – geboren am 2. Dez. 1844 – als 3tes Kind, von insgesamt elf. – Sein
Vater war aus dem 'Würzburgischen' gebürtig. Er kam nach Dertingen und
heiratete des Rößlewirts Erbtochter, das schöne 'Retebärbele'. (Anm. des
Webmasters: Das Rößle war das 'Weiße Rößlein') ... Albrecht wuchs in der
großen Familie auf und musste auch in der Landwirtschaft – die ja auch
mitbetrieben wurde – mithelfen, so lernte er das dörfliche Leben kennen, wie
alle seine Altersgenossen und gemeinsam besuchten sie auch die Volksschule.
Der Vater – Matthäus Thoma, wollte, daß seine Kinder alle einen ordentlichen
Beruf erlernen sollten. Doch der 'Gescheiteste', und das war Albrecht, der
sollte 'studieren'. Das war auch die Ansicht des Dertinger Volksschullehrers
('Herr Kantler'). So machte er, mit großem Erfolg, seine Aufnahmeprüfung in
Wertheim, im Lyzeum, wie es damals hieß (Gymnasium). In er Eichelgasse
machte man, daß er eine kleine Wohnung bekam. Nun war er 'Student'. Eine
Seltenheit bei Familien in Dertingen. Doch jedes Wochenende marschierte er,
auf Schusters Rappen, die 'Leite heraus' über Lindelbach seinem Heimatdorf
Dertingen entgegen. – Nach Jahren kam die Reifeprüfung (Abitur).
Der Dertinger war bisher nicht über die Grenzen von Spessart und vom
Badischen Frankenland hinausgekommen. Doch nun begann das Studium an der
Universität im vielbesungenen Heidelberg. Doch auch hier bestand er alle
Prüfungen mit herausragendem Erfolg. Nach abgelegter Staatsprüfung wurde er
als Pfarrkandidat aufgenommen und seine erste Predigt hielt er in seiner
Heimatkirche – der Dertinger Wehrkirche. Seine erste Vikarstelle war nun
Mittelschefflenz. Inzwischen brach der Krieg aus – 1870/71. Albrecht Thoma
war auch vaterländisch gesinnt – zu seinem christlichen Glauben – wurde
jedoch zuerst nicht eingesetzt. Durch einen sogenannten Männerhilfsverein
dem er beitrat, nahm er an einem Pflegekurs teil und wurde nun in einem
Feldlazarett im Elsaß verwendet. Nach diesem Krieg bekam er eine Stelle in
Durlach, später sodann in Bremen, als Stellvertreter des dortigen
Stadtpfarrers.
Sein nächster Tätigkeitsbereich war nun Mannheim. Von hier wurde er nach
Karlsruhe zum Professor des Lehrerseminars berufen. Hier wurde ihm bewusst,
dass er mehr als Erzieher, als Lehrer, als Pädagoge, vielmehr als Prediger
geboren war. Schon einige Jahre vorher geschah etwas, das sein Leben stark
veränderte. In Heidelberg lebte eine Frau Lehrer mit 2 Töchtern und die
Jüngere, ein liebenswürdiges Wesen, mit dem Namen Frieda, hatte es ihm
angetan. So kam es an Neujahr 1876 zur Hochzeit und das Glück des Bräutigams
war groß. Sein Heimatdorf Dertingen lag ihm immer doch am Herzen. In den
Ferien besuchte er immer wieder sein Elternhaus, jedoch nicht mehr das weiße
Rössl. Denn der Vater geriet mit dieser großen Familie in Geldnöte, so
musste er das Wirtshaus verkaufen. Er kaufte ein kleineres Häuschen in der
oberen Gasse. Da dieses auch wieder zu klein war erwarb er ein
gegenüberliegendes Anwesen noch dazu. So gab es dann doch wieder Platz für
Albrecht, wenn er auf Urlaub kam. Mit einigen einheimischen Freunden
durchstreifte er dann Wald und Flur und erinnerte sich dann seiner
Kindertage. – Später verließ dann die Familie Thoma Dertingen. Angeblich
zogen sie in eine Mühle bei Tauberbischofsheim. Albrecht Thoma wurde nun mit
weiteren Ämtern überhäuft. Vor allem war es der Evangelische Bund dem er
beigetreten war und hier wurde ihm bald der Vorsitz im Landesverband
übertragen. Nun war bei ihm das Interesse an der Diakonissensache erwacht.
So gründete er Diakonissenstationen im Land, zum Teil auch im
Württembergischen. Sein Plan war ein Mutterhaus zu bauen. Ein 100 Markschein
war der Grundstock für ein Mutterhaus, mehr war a Anfang nicht vorhanden,
doch Thoma trieb das Ganze voran. Da aber in Karlsruhe ein Mutterhaus schon
bestand, drängte er darauf, das Mutterhaus weiter südlich in Freiburg zu
bauen. Unzählige Hindernisse waren zu überwinden, doch A. Thoma ließ sich
nie entmutigen. Er war nun über die Grenzen des Landes hinweg bekannt und
seine Verehrer und Freunde gaben ihm den Namen: 'Der Diakonissenvater'.
Neben allen Tätigkeiten war er auch immer wieder schriftstellerisch tätig.
Unter anderem verfasste er auch einen Beitrag zu: 'Der Pfeifer von
Niklashausen' und vieles Andere. Doch auch volkstümliche Texte verfasste er,
so soll er in seiner Jugend sogar Faschingsreime geschrieben haben.
Albrecht Thoma erreichte ein Alter von 71 Jahren. Er starb im Ersten
Weltkrieg im Jahre 1915. Bei der Festsetzung der neuen Straßennamen nach er
Ortssanierung wurde die Straße zur Mandelberghalle mit Albrecht-Thoma-Straße
benannt." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
1814 wurde eine Synagoge
erbaut, die bis 1925 in Gebrauch war. Über die Baugeschichte der
Synagoge konnten keine Aktenbestände ausfindig gemacht werden. Nachdem die Zahl
der jüdischen Gemeindeglieder auf nur acht zurückgegangen war, wurde die
Synagoge geschlossen, 1926 von der politischen Gemeinde erworben und zu einer
Schule umgebaut (Kochschule für Mädchen, landwirtschaftliche
Fortbildungsschule für Jungen). Seit 1942 diente das Gebäude als
Altersheim des Landkreises Tauberbischofsheim.
Nach 1945 war im Erdgeschoss zeitweise die Postvermittlung des Ortes
eingerichtet. 1956 wurde das Synagogengebäude zu einem bis heute
erhaltenen Wohnhaus umgebaut (Obere Straße 23).
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Das durch zahlreiche Umbauten
veränderte ehemalige Synagogengebäude |
dass; Rückseite |
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Vorderseite (Straße) mit
Eingang |
Eingangstor |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003) |
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| Ansichten des
ehemaligen Synagogengebäudes von der Oberen Straße |
Eingangstür von der Oberen
Straße |
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Rückseite
des Gebäudes |
Seitenansicht
von Westen |
Kellereingang von der
Rückseite,
vermutlich Zugang zum rituellen Bad |
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| November 2011:
Vierte Verlegung von "Stolpersteinen"
in Wertheim und Dertingen |
Artikel von Alexander Gutmann in den
"Fränkischen Nachrichten" vom 19. November 2011:
"Stolperstein"-Verlegung: Der Fall der Maria Gegenwarth.
Existenz "beendet".
Wertheim. Bei ihrer anhaltenden Aufarbeitung des Holocausts in
Wertheim sind Dieter Fauth und seine engagierten Laienhistoriker während
der Vorbereitung der vierten 'Stolperstein'-Verlegung auf zwei relativ
außergewöhnliche Fälle gestoßen. Einer ist der der Maria Gegenwarth,
welcher maßgeblich von der Schülerin Jael Steinbach recherchiert wurde,
einer der der Familie Schwarzschild, die in Dertingen gelebt hat..."
Link
zum Artikel - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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April 2026: Artikel
eingestellt von Dieter Fauth:
Zu den
Stolpersteinen in Dertingen |
Links und Literatur
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Literatur:

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