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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Baden-Baden
Betsaal/Synagoge der nach 1945 bestehenden Gemeinde
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Zur Geschichte der Gemeinde und ihrer Synagoge vor 1938/40: hier
anklicken
1946 konnte eine kleine jüdische Gemeinde in Baden-Baden
wiederbegründet werden, die mit einer Unterbrechung um 1980/90 bis zur
Gegenwart besteht (1992 25 Mitglieder, 2003 über 300).
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Im Herbst 1946 beging man gemeinsam mit den jüdischen
Angehörigen des französischen Militärs die hohen Feiertage. Der Vorsitzende
der Gemeinde Ferdinand Odenheimer hatte dies mit dem französischen Militärrabbiner
Zerbib arrangiert. Im Haus Zerbibs fand der Rosch Haschana-Gottesdienst statt.
Am Nachmittag des Tages versammelte Odenheimer alle Gemeindeglieder und die
französischen Juden im Haus Rubens, dem ehemaligen jüdischen
Frauen-Erholungsheim Badens, das damals als Erholungsheim für ehemalige KZ-Häftlinge
verwendet wurde. Der Jom-Kippur-Gottesdienst fand im Kongresssaal des Kurhauses
statt und vereinigte etwa 60 französische und deutsche Juden. Auch an diesem
Tag traf man sich nachmittags im Haus Rubens.
Bericht
vom Herbst 1946 über die Anfänge jüdischen Gemeindelebens nach
1945:
"Baden-Baden. Die kleine jüdische Gemeinde Baden-Baden konnte in diesem
Jahre die Rausch ha schana- und Jom-Kippur-Feiertage wieder festlich begehen.
Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Ferdinand Odenheimer, setzte sich vor den
Feiertagen mit dem französischen Aumonier Rabbi Zerbib, der die französischen
Juden der französischen Besatzungsbehörden betreut, in Verbindung und
erreichte, dass ein Gemeinschaftsgottesdienst der deutschen und französischen
Glaubensgenossen stattfinden konnte. Rausch ha schana fand im Hause des Rabbi
der überaus feierliche Gottesdienst statt. Nach vielen Jahren schwerster
Verfolgungen konnten unsere Brüder und Schwester wieder in würdiger Andacht
beten und der Toravorlesung beiwohnen. Am Nachmittag des ersten Rausch ha
schana-Tages versammelte Herr Odenheimer alle Gemeindeglieder zu einem
geselligen Beisammensein im Haus Rubens, dem ehemaligen jüdischen
Frauen-Erholungsheim Badens, zu dem auch Herr Rabbi Zerbib und seine
Angehörigen geladen waren.
Der Jom-Kippur-Gottesdienst fand im Kongresssaal des Kurhauses statt und
vereinigte zu einem erhebenden Gottesdienst etwa 60 französische und deutsche
Juden. Anlässlich der Totenfeier hielt Herr Odenheimer, der zuerst die Namen
der verstorbenen Badener und anderer Juden aufrief und dann der 6 Millionen
jüdischer Naziopfer gedachte, eine sehr zu Herzen gehende Rede, die alle
Teilnehmer tief bewegte. Herr Stargardter aus Hagen-Westfalen, zur Zeit Fast im
KZ-Erholungsheim Haus Rubens, Baden-Baden, sprach dann schließend das
traditionelle Kaddischgebet. Im Anschluss an den Gottesdienst fanden sich etwa
50 deutsche und französische Glaubensgenossen, einer Einladung des Rabbi Zerbib
folgend, im Haus Rubens zu einem gemeinsamen "Anbeißen" ein. Die
französischen Glaubensbrüder bereiteten den deutschen Juden einen herzlichen
Empfang. Da für auserlesene Weine und sonstige Getränke reichlich gesorgt war,
entwickelte sich schnell eine gehobene Stimmung, die nach Ansprachen der Herren
Odenheimer und Stargardter, in denen u.a. der Dank an die französischen Brüder
zum Ausdruck kam, zu einer herzlichen und brüderlichen Vereinigung führte.
Die Baden-Badener Gemeinde wird ihren französischen Brüdern, besonders aber
Herrn Rabbi Zerbib für die Beweise ihrer Brüderlichkeit und Nächstenliebe
stets zu danken wissen und den harmonisch verlaufenen Abend nicht vergessen." |
Im folgenden Jahr 1947 wurde auf
Anordnung des französischen Militärs ein Betsaal in der Werderstrasse
2/Ecke Bühnenstrasse im ehemaligen Atelier des Bildhauer Joseph von Kopf
eingerichtet. Dieser Betsaal stand nun den Besatzungsangehörigen und den jüdischen
Einwohnern der Stadt zur Verfügung.
Die Geschichte des Gebäudes
Werderstraße 2 geht ins 19.
Jahrhundert zurück. 1874 ließ Großherzog Friedrich I. dem im Kaiserreich
hochgeschätzten und bekannten Bildhauer Joseph von Kopf ein Atelier bauen, ein
eingeschossiger, spätklassizistischer Bau. Er schenkte es ihm mit der
Verpflichtung, einmal im Jahr dort zu arbeiten. Bildhauer von Kopf wurde ein
Anziehungspunkt des Kurortes und seiner finanzkräftigen Gäste. Der 1827
geborene von Kopf ist 1903 verstorben.
Der Betsaal in der Werderstrasse wurde lange Zeit (um
1980/90) nicht benutzt, da kein Minjan zustande kam. Am 21. Mai 1992 wurde er
jedoch neu eingeweiht und wird bis zur Gegenwart als Betsaal der jüdischen Gemeinde
Baden-Baden genützt.
Fotos
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Foto: Hahn) |
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Das Gebäude des Betsaales in der Werderstraße 2 |
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| 1992: |
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Wiedereinweihung des renovierten Betsaales in der Werderstraße am 21. Mai
1992 (Quelle: Schindler s. Lit. S. 196) |
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Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.8.2004) |
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| Das Gebäude des
Betsaales / Synagoge |
Eingangsbereich |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | vgl. Literatur bei Baden-Baden
Synagoge bis 1940 |
 | S. Rahner: Jüdische Gemeinde: Keine Gottesdienste, in: Badisches
Tagblatt Baden-Baden 2. Oktober 1987. |
 | Angelika Schindler: Der verbrannte Traum. Jüdische Bürger und
Gäste in Baden-Baden. Bühl 1992. |

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