Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ulrichstein (Vogelsbergkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

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bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Sonstiges     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In Ulrichstein bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Doch lebten möglicherweise bereits im Mittelalter Juden in der Stadt. Bei der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1347 erteilte Ludwig der Bayer dem mit Ulrichstein belehnten Heinrich von Eisenbach das Recht, dort sechs Juden zu halten (siehe bei LAGIS https://lagis.hessen.de/resolve/de/qjg/2361). Ob sich daraufhin Juden in Ulrichstein niedergelassen haben, ist unbekannt.   
    
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu: 1713 gab es zwei oder drei, 1728 drei jüdische Familien am Ort. 1738 werden vier jüdische Familienvorstände genannt: Heß, Löw, Schlom und Joseph. 1748 bat Löw Gerson bei der Ortsherrschaft um eine Genehmigung zum Hausieren in der Umgebung. 1786 werden sechs jüdische Familienvorstände genannt: Löw, Martachay, Samuel Löw, Joseph, Abraham und Susmann. 1808 sind es bereits 11 Familienvorstände: Hiskies Reyß, Hiskies Gerson, Herz Löb, Moses Joseph, Löb, Hiskies Mordechai, Salomon Mordechai, Nathan Mordechai, Abraham Mordechai, die Witwe des Samuel Gerson und die Witwe des Joseph.      
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 82 jüdische Einwohner (9,9 % von insgesamt 831 Einwohnern), 1861 107 (11,2 % von 958), 1880 99 (10,4 % von 976), 1890 81 (8,3 % von 979), 1892 82 (in 16 Familien), 1895 87 (in 18 Familien), 1897 97 Personen (9,9 % von insgesamt 979 Einwohnern), 1905 83 (10,1 % von 824). Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Vieh- und Textilhandel. Es gab - noch Anfang der 1930er-Jahre - zwei jüdische Metzger und ein größeres Gemischtwarengeschäft mit Futter- und Düngemittelvertrieb.        
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule mit Schulraum im Synagogengebäude), ein rituelles Bad (seit 1849 in dem Gebäude, in dem sich auch das "Judenbackhaus" befand; unweit der Synagoge) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. die Ausschreibungen der Stelle unten). 1828 war Lehrer in Ulrichstein Gumbel Hirsch Strauss aus Sterbfritz. 1879 bis 1883 war Levi Stein Lehrer in Ulrichstein (in "Der Israelit" vom 30.4.1879 S. 4 und Anzeigen von 1882 siehe unten), um 1887 Lehrer Schloß, um 1891/1903 Aaron Friedberg (u.a. in "Der Israelit" vom 1.6.1891 S. 804; unterrichtete 1892 16, 1893 19, 1896 20, 1897/1901 16 Kinder an der Religionsschule), um 1905 J. Katzenstein (s.u.), 1907/08 J. Salomon, ab 1907 Gustav Drucker (unklar, wie sich die Zeiten der beiden Lehrer verhalten). Der 1913/14 in Ulrichstein tätige Lehrer Simon Rothschild ist nach Kriegsbeginn 1914 eingezogen worden und 1918 im Kriegseinsatz gefallen.
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1866 Herr Reiss, um 1872 Alexander Fröhlich, um 1884/87 David Stern, um 1892 David Stern, S. Reiß und S. Stern, um 1893/97 David Stern, A. Reiß V und M. Reiß III (bzw. 1897 S. Reiß), 1901 L. Stern, A. Reiß V und S. Reiß, um 1907 Levi Schloss. Rechner der Gemeinde war um 1897/1901 M. Reiß VI.
  
Die Gemeinde gehörte nach dem Verzeichnis der Israelitischen Gemeindeverwaltung von 1924 zum orthodoxen, nach dem Verzeichnis von 1932 zum liberalen Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz in Gießen.   
 
Von den Vereinen der Gemeinde sind bekannt: ein Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chewra Kadischa (1831 gegründet, um 1892/93 unter Leitung von M. Reiß, um 1894/96 unter Leitung von A. Reiß V, 1932 unter Leitung von Max Stern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung hilfsbedürftiger Ortsangehöriger) sowie ein Israelitischer Frauenverein (ab 1893 genannt, 1896 unter Leitung der Frau von R. Reiß, offizielles Gründungsjahr 1900, 1932 unter Leitung von Helene Stern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Notleidender, 1932 12 Mitglieder) und ein Israelitischer Armenverein (ab 1893 genannt, um 1896 unter Leitung von Lehrer Aaron Friedberg).
  
Außergewöhnlich groß war der Einsatz jüdischer Soldaten aus Ulrichstein im Ersten Weltkrieg. Dabei fielen aus der jüdischen Gemeinde: Leopold Reiß (Viehhändler, geb. 9.5.1898 in Ulrichstein, eingezogen am 19.11.1916, gef. 12.6.1918), Max (Markus) Reiß I (Viehhändler, geb. 8. oder 9.7.1882 in Ulrichstein, eingezogen am 6.8.1914, gef. 25.9.1915), Unteroffizier Lehrer Simon Rothschild (geb. 11.9.1895 in Romrod, gef. 24.4.1918), Moritz Schloss (Maler, geb. 11.9.1891 in Ulrichstein, eingezogen Sept. 1914, gef. 13.4.1915), Hermann Stern II (Viehhändler, geb. 9.4.1883 in Ulrichstein, eingezogen am 10.8.1915, gef. 24.3.1917), Unteroffizier Max Stern (geb. 7.1.1889 in Ulrichstein, gef. 1918, in der Zeitschrift "Der Schild" vom 15.2.1929 steht hier: Fritz Stern, Kaufmann, geb. 7.1.1888, eingezogen 15.11.1914). Für ihren Kriegseinsatz ausgezeichnet wurden: Simon Reiß (Sohn von Seligmann Reiß, im Reserveregiment 116, 1915 Ordonnanz beim Bataillonsstab) mit dem Eisernen Kreuz (EK II) (in: Israelitisches Familienblatt vom 21.1.1915 S. 2 und Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift vom 5.2.1915 S. 104); Julius Reiß (Sohn des Metzgers Markus Reiß, Gefreiter im Infanterieregiment 116) mit dem Sanitätskreuz (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 27.7.1916 S. 3); Karl Stern (Landsturmmann) mit dem Hessischen Militär-Sanitätskreuz (in: Israelitisches Familienblatt" vom 28.6.1917 S. 4).  
 
Um 1924, als zur Gemeinde 57 Personen gehörten (6,8 % von insgesamt 837 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Karl Stern, H. Reiß und Hermann Fröhlich. Als Rechner wird Karl Repp genannt (nichtjüdisch). Die Lehrerstelle war 1924 vakant. Es gab damals sieben schulpflichtige Kinder in der jüdischen Gemeinde. 1932 waren die Gemeindevorsteher Karl Stern (1. Vors.), Albert Reiß (2. Vors.) und Hermann Fröhlich (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 gab es drei schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde, die von Lehrer Jakob Bick aus Nieder-Ohmen unterrichtet wurden. Als (ehrenamtliche) Kantoren waren Siegmund Stern und Siegbert Stern tätig. An jüdischen Vereinen gab es weiterhin den Israelitischen Frauenverein (s.o.) und den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (s.o.).        

1933 wurden noch 50 jüdische Einwohner am Ort gezählt (5,9 % von insgesamt 853 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (u.a. Meier und Emilie Katz sowie Zilla Reiß nach Frankfurt) beziehungsweise ausgewandert (u.a. Karl Stern mit seiner Frau 1936 in die Niederlande, Max Reiß nach Shanghai, Hermann und Jette Fröhlich nach New York). Im Herbst 1938 wurde die Gemeinde aufgelöst. Die letzten beiden männlichen Gemeindemitglieder waren damals Meier Katz und Max Reiss.  
   
Von den in Ulrichstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Frieda Fröhlich (1890), Nathan Fröhlich (1883, Foto bei Yad Vashem), Siddi (Siddi, Cips) Hill geb. Katz (1910), Emilie (Amalia) Katz geb. Reiß (1877), Max Katz (1906), Meier Katz (1874), Karoline (Lina) Lehmann geb. Stern (1874), Auguste Pfifferling geb. Reiß (1882), Berta (Bertha) Reichenberg geb. Reiß (1877),  Berta Reiß (1895), Frieda Reiß (1895), Gretha (Greta, Grete) Reiß (1902), Hermann Reiß (1871, Foto bei Yad Vashem), Siegmund (Seligmann) Reiß (1870), Zilla Reiß (1905), Fanny Rose geb. Fröhlich (1868), Friedrich Stern (1888), Julius Stern (1886). Zu den Familienmitgliedern "Reiß" begegnet in gleicher Weise die Schreibweise "Reiss".     
   
Zur Erinnerung an Nathan und Albert Fröhlich liegen in Stuttgart (Rosenbergstraße 119) seit 2007 "Stolpersteine". Über ihre Geschichte berichtet eine Seite auf der Website stolpersteine-stuttgart.de. Für Siegmund Reiss liegt ein Stolperstein in Berlin-Charlottenburg (Giesebrechtstraße 18): https://www.stolpersteine-berlin.de/en/giesebrechtstr/18/siegmund-reiss.    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1866 / 1869 / 1872 / 1874 / 1876 / 1882 / 1884 / 1886 / 1906 / 1907 / 1920 / 1923 

Anzeige in "Der Israelitische Lehrer" vom 10. Januar 1867: "Die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers bei der israelitischen Gemeinde Ulrichstein, Großherzogtum Hessen, mit einem Einkommen von ca. 300 fl. nebst freier Wohnung ist erledigt. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse, bei dem Vorstand melden.
Ulrichstein, den 25. Dez. 1866.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Ulrichstein: Reiss."   
 
(Ohne Abbildung): Anzeige in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1869: "Lehrer-Gesuch.
Da in der hiesigen israelitischen Gemeinde die Lehrerstelle vakant geworden ist, so wollen sich Bewerber alsbald bei dem Unterzeichneten Vorstand, mit entsprechenden Zeug­nissen, melden gegen ein Einkommen mit Schächtergebühren von 300 fl. nebst freie Wohnung und freie Heizung des Schullocals.
Ulrichstein, den 1. Mai 1869.  Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Ulrichstein.   Fröhlich III."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1872: "Lehrer-Gesuch. 
Da die Stelle eines Lehrers der israelitischen Religionsgemeinde zu Ulrichstein vakant ist und wieder besetzt werden soll, so wollen sich Bewerber mit Zeugnissen und Qualifikation an den Vorstand der unterzeichneten Gemeinde wenden. Das Einkommen beträgt 300 Gulden nebst freier Wohnung und Heizung des Schullokals. 
Der Vorstand Alexander Fröhlich."       
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1874: "Lehrer-Gesuch
Da in der hiesigen israelitischen Gemeinde die Lehrerstelle vakant geworden ist, so wollen sich Bewerber alsbald bei den unterzeichneten Vorstand mit entsprechenden Zeugnissen melden. 
Einkommen mit Schächtergebühren 350 bis 400 Gulden nebst freier Wohnung und freier Heizung des Schullokals. 
Ulrichstein
, den 21. April 1874. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Ulrichstein  Fröhlich III."    
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1876: "Lehrer-Gesuch
Die israelitische Gemeinde zu Ulrichstein (Kreis Schotten), sucht zum alsbaldigen Eintritt einen Religionslehrer und Vorbeter mit einem Einkommen von 900 bis 1000 Mark nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse an den Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Ulrichstein wenden.  Fröhlich, Vorsteher."       
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1882: "Annonce
Mit dem 1. Februar 1883 wird die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle vakant. Gehalt von 650 bis 700 Mark nebst freier Wohnung. Reflektanten wollen sich mit Zeugnissen an den unterzeichneten Vorstand wenden.  
Ulrichstein, im September 1882. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Ulrichstein. Fröhlich."       
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1884: "Die Gemeinde Ulrichstein (Oberhessen) sucht bis zum 1. März 1884 einen Religionslehrer, am liebsten ledigen Standes. Gehalt 650 bis 700 Mark, freie Wohnung und entsprechende Nebenverdienste. Bewerber wollen sich, unter Einsendung ihrer Zeugnisse, an den Unterzeichneten wenden.  
Ulrichstein, 3. Februar 1884. David Stern, Vorsteher."      
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1886: "Die israelitische Religionsgemeinde zu Ulrichstein sucht bis zum 1. Juni dieses Jahres einen Religionslehrer, ledigen Standes. Gehalt 650 - 700 Mark, freie Wohnung und entsprechende Nebenverdienste. Bewerber wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden. 
Ulrichstein, 15. März 1886. David Stern, Vorsteher."      
  
Weitere Ausschreibung der Stelle in Ulrichstein im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. Oktober 1906 S. 7. Link  
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. März 1907: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines
Religionslehrers und Vorbeters

per Ostern evt. früher zu besetzen. Gehalt 1200 Mk., freie Wohnung u. Nebeneinkommen. Verstaatlichung steht in Aussicht. Seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich unter Einreichung von Zeugnissen melden.
Schloß, Vorstand, Ulrichstein in Oberhessen
."
Anmerkung: wie die Stelle im Verlauf des Jahres 1907 genau besetzt war, ist unklar. Nach den Berichten unten von 1907 war J. Salomon von April 1907 an Lehrer in Ulrichstein, was zum Datum der Ausschreibung passen würde. Ab November 1907 soll dann Gustav Drucker nach Ulrichstein gekommen sein, doch blieb J. Salomon doch vermutlich bis Sommer 1908 in Ulrichstein.   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 5. Februar 1920: "In unserer Gemeinde ist die Stelle des
Vorbeters und Religionslehrers

zum 1. April 1920 zu besetzen. Jahresgehalt 3000 Mark bei freier möblierter Wohnung und Heizung. Seminaristisch gebildete, ledige Bewerber wollen sich melden an den
Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Ulrichstein Oberhessen
Simon Reiß I
." 
 
Weitere Ausschreibung im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. März 1923 (Link): "Die Stelle als
Lehrer und Kantor
(wenn möglich auch Schochet) in der Gemeinde Ulrichstein Hessen, ist neu zu besetzen, möglichst sofort oder 1. April 1939. Freie Wohnung, Heizung und Licht. — Unverheiratete Bewerber wollen ihre Zeugnisse mit Gehalts-Ansprüchen an Unterzeichneten einsenden.
Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Ulrichstein Hessen.
"   
Anmerkung: die Ausschreibung der jüdischen Gemeinde Ulrichstein im März/April 1923 wurde von der Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Lehrervereine in Hessen und dem Jüdischen Beamtenbund gesperrt, da die Gemeinde Ulrichstein noch nicht der geforderten Eingruppierung der Stelle in die Gehaltsklasse 7 für Lehrer zugesagt hatte. Zu dieser Sperre der Ausschreibung erschien eine Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. April 1923 S. 9 (Link): "Sperre. Da die israelitischen Religionsgemeinden Ulrichstein und Hungen unsere Forderung (Eingruppierung in Gehaltsklasse 7) bis heute noch nicht anerkannt haben, verhängen wir mit sofortiger Wirkung die Sperre über beide Gemeinden. Wir fordern hiermit alle Kollegen auf, diese Sperre genauestens zu beachten und strengste Disziplin zu üben. Alle etwaigen Verhandlungen mit den Gemeinden sind sofort und so lange zu unterbrechen, bis, nach einer Anerkennung unserer Forderungen, die Sperre wieder aufgehoben werden kann. Gegen Kollegen, die diese Sperre nicht beachten, werden wir mit den schärfsten gewerkschaftlichen Mitteln vorgehen.
Die Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Lehrervereine in Hessen
Kahn - Alsfeld, Simon - Darmstadt.
Jüdischer Beamtenbund.
Dr. J. Höxter, J.B. Levy, Frankfurt am Main.
Am 7. Juni 1923 folgte dann die Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" (Link):
"Hessen. Die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden Hungen und Ulrichstein in Oberhessen haben der unterzeichneten Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Lehrervereine im Volksstaate Hessen die schriftliche Erklärung abgegeben, ihre neu anzustellenden Lehrer in Gruppe 7 einzureihen. Wir heben deshalb die Sperre über beide Gemeinden auf, weisen jedoch alle, sich um diese Stelle bewerbenden Kollegen darauf hin, dass Verträge nur nach dem hessischen Normalvertrag abgeschlossen werden dürfen, der von uns anzufordern und vor der eigenen Unterzeichnung wieder vorzulegen ist. Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Lehrervereine im Volksstaate Hessen. Kahn - Alsfeld. Simon - Darmstadt."
Die nächste Ausschreibung der Stelle des "Lehrers und Kantors (wenn möglich auch Schochet" in Ulrichstein erfolgte im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1924 (Text wie oben 1923, Link).

  
Anzeigen von Lehrer Levi Stein (1882)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1882: "Für einen Jungen von 15 Jahren, der gerne irgend ein Handwerk erlernen möchte, sei es auch welcher Art, wird ein Meister gesucht.
Gefl. Offerten beliebe man an Levi Stein, Lehrer in Ulrichstein (Hessen) zu senden."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1882: "Annonce. Ein seminaristisch gebildeter Lehrer, der schon seit 4 Jahren die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters versieht, sucht sich bis 1. Januar 1883 anderswo zu placieren.
Gefallige Offerten beliebe man an Lehrer Levi Stein einzusenden.
Ulrichstein (Hessen), 22. August 1882."   

   
Anzeigen von Lehrer J. Katzenstein (1905 / 1906) - Spendenaufrufe und Vertreter/Nachfolger-Suche  
Anmerkung: Bei Lehrer J. Katzenstein in Ulrichstein ist sehr wahrscheinlich identisch mit Lehrer Josef Katzenstein, der ab ca. 1906 Lehrer in Wetzlar war. Hier hat er Ende 1930 sein 25-jähriges Ortsjubiläum gefeiert.

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. und 27. Juli 1905 und "Frankfurter Israelitisches Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 11. und 18. August 1905: "Bitte!
Um Spenden für eine in größter Not sich befindende Familie mit 6 Kindern (darunter ein Säugling) bittet 
Lehrer J. Katzenstein, Ulrichstein
in Hessen. Quittung erfolgt an dieser Stelle." 
 
Weitere Spendenaufrufe für diese Familie erschienen 1906. 
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 10. August 1905: "Quittung.
Auf meine Bitte hin sind eingegangen : Durch Herrn Lehrer Rohrheimer - Nidda, 27 Mark, durch Herrn F. Stern - Schotten, 73. Von N.N. 3; N.N. Borgholzhausen, 1; E. Reis Witwe - Gießen, 2 ; S.H. - Duisburg, 3; N.N. - Bobenk, 3; Apfel - Bebra, 3; Heil - Weinsheim, 3; N.N.- Gerolshof, 3.50 ; N.N. - Münster, 5; N.N. - Oppeln, 8; Sichel - Langenbergheim, 5; Jacoby - Weinsheim, 2; Cohn - Posen, 15; Leiser - Cohen - Mehring an der Mosel, 3; Fuld - Laubuseschbach, 5; A.H - Köln 3; Nebel - Beuthen, 3; N.N. - Melsungen, 5 ; E.S. H., 2; N. Hirsch - Berlin, 1; Preis - Hammerschlag 3; N.N. - U. 3; Rosenthal - Philippstein 3; Frau Koberg - Osnabrück 3; Goldschmidt - Sterbfritz 10; Jove - Ostrowo 1; Cl. Stern - Nürnberg 2; H.F.S. - Heßdorf 5; N.N. - U 2. Zusammen 209,50 Mk. Allen Gebern herzlichsten Dank. Um weitere Gaben bittet Lehrer J. Katzenstein, Ulrichstein in Hessen."   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Februar 1906: "Vertreter
(eventuell Nachfolger) vom 1. April bis 15. Mai gesucht. Meldungen geprüfter Lehrer baldigst an
J. Katzenstein, Lehrer, Ulrichstein in Hessen."     

      
Informationen zu Lehrer Josef Katzenstein in Wetzlar, wahrscheinlich unmittelbar davor in Ulrichstein (geb. 1879 - umgekommen nach Deportation)   
(erhalten von Karsten Porezag). 

Wetzlar Dok 170.jpg (214773 Byte)Links die Meldekarte aus dem Einwohnermeldeamt der Stadt Wetzlar.    
Der langjährige Lehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde Wetzlar Josef Katzenstein ist am 6. Mai 1879 in Hannover geboren als Sohn von Sußmann Katzenstein und seiner Frau Betty geb. Bacharach. Josef war seit 1906 verheiratet mit Rosa geb. Wolf (geb. 23. Juli 1882 in Wetzlar, gest. 21. Februar 1942). Das Ehepaar hatte eine am 9. November 1908 in Wetzlar geborene Tochter Margot Fanny, der 1939 die Flucht in die Vereinigten Staaten gelang (verheiratete Löwenthal). Die Familie lebte bis zum September 1933 in Wetzlar (bis 1924 Bannstraße 28, dann Niedergirmeser Weg 67), danach in Frankfurt. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 war Katzenstein vom 12. November bis 14. Dezember 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Unmittelbar nach seinem 63. Geburtstag wurde Josef Katzenstein deportiert. Es ist nicht bekannt, wo und wann er umgekommen ist. Er wurde nach 1945 für tot erklärt. 
Genealogische Informationen: https://www.geni.com/people/Josef-Katzenstein/6000000061003779863  

  
Über Lehrer J. Salomon (April 1907 bis Sommer 1908 Lehrer in Ulrichstein, danach in Sofia)  
Anmerkung: J. Salomon ist in Jerusalem geboren, wo er die Schule besuchte. 1904 bis 1907 Ausbildung in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover, ab April 1907 in Ulrichstein, bis er im folgenden Jahr nach Sofia wechselte, um dort als Lehrer in der deutsch-israelitischen Kultusgemeinde zu unterrichten.  

Aus einem Artikel im "Geschäftsbericht des Hilfsvereins der deutschen Juden" von 1908 - 1909 S. 35-36: "An der Schule der deutsch-israelitischen Kultusgemeinde in Sofia wirken jetzt zwei von uns besoldete Lehrer. Herr Rabbiner Dr. Rosenwasser, der zugleich in den Dienst der Gemeinde getreten ist und Rabbinatsfunktionen versieht, wodurch auch seine erzieherische Mission sich noch fruchtbarer gestalten kann, ist als hebräischer Lehrer tätig; er hat seine Stellung am 1. Mai 1908 angetreten.
Herr J. Salomon gibt an Stelle des Herrn Siegmund Ruda, der aus dem Dienst der Gemeinde geschieden ist, um nach Deutschland zurückzukehren, vom Beginn des neuen Schuljahres, Mitte Sept. 1908 ab, deutschen Unterricht.
Nachstehend bringen wir einige Daten über Lebens- und Bildungsgang der beiden neu eingetretenen Herren.
Herr Dr. Rosenwasser hat von Ostern 1894 bis Ostern 1898 in Frankfurt a. M. die von Herrn Rabbiner Dr. Horovitz daselbst eingerichteten Kurse besucht, in denen die Disziplinen eines humanistischen Vollgymnasiums gelehrt wurden. Er studierte dann 3 Jahre an der Berliner Universität und wählte als Hauptfach orientalische Sprachen, als Nebenfächer deutsche Literatur und Kunstgeschichte; nach einem weiteren Studienjahre in Göttingen promovierte er Michaelis 1907. Alsdann machte er sein Rabbinerexamen am Berliner Rabbinerseminar. An der Religionsschule Beth Zion in Berlin, die der Aufsicht der Berliner jüdischen Gemeinde untersteht, hat er in allen Stufen Unterricht erteilt.
Herr J. Salomon ist als deutscher Staatsangehöriger in Jerusalem geboren und hat die dortige Lämelschule absolviert. Er besuchte sodann die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover, wo er nach vollendetem 3jährigem Kursus im März 1907 die Entlassungsprüfung bestand. Seit April 1907 war er als Lehrer und Kantor in Ulrichstein in Hessen tätig."   

       
Mitteilung der bestandenen Lehrerprüfung von Gustav Drucker (geb. 1886 in Bengel, Lehrerprüfung 1907, danach Lehrer in Ulrichstein)
sowie Hinweise auf seine Ermordung in der NS-Zeit
   
Anmerkung: es ist unklar, wie sich die Zeit als Lehrer in Ulrichstein ab November 1907 in Verbindung bringen lässt mit der Angabe, dass dort ab April 1907 Lehrer J. Salomon tätig war.

Aus einem Bericht von der Marks-Haindorffschen Stiftung (Lehrerseminar) in Münster in "Der Gemeindebote" vom 8. November 1907: "Die erste Lehrerprüfung vor der Königlichen Prüfungskommission bestanden: Karl Rosenthal aus Bielefeld, er übernahm die Lehrerstelle in Gütersloh; Siegfried Braun aus Dusemond, er übernahm die Lehrerstelle in Werl; Gustav Drucker aus Bengel, er übernahm die Lehrerstelle in Ulrichstein; Max Heymann aus Gelsenkirchen, er übernahm die Lehrerstelle in Anröchte. Die Finanzen der Anstalt haben sich gebessert. Trotzdem bedarf sie noch der nachhaltigsten Förderung, die sie auch in jeder Beziehung verdient."  
 
Für Gustav Drucker (geb. 1886 in Bengel, deportiert 1941 nach Lodz und im Mai 1942 in KZ Kulmhof ermordet) liegt in Köln, Lochnerstraße 9 ein "Stolperstein" (Foto: Wikimedia Commons). Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_im_Kölner_Stadtteil_Neustadt-Süd  
Genealogische Informationen zu seiner Familie https://www.geni.com/people/Gustav-Drucker/6000000026700253604  
Gleichfalls liegt hier ein "Stolpersteine" für seine Frau Selma geb. Bonem (1888-1942)
Gedenkbuch Köln: https://museenkoeln.de/NS-dokumentationszentrum/Details-Gedenkbuch?sfrom=958&id=1790&buchstabe=D  

  
Lehrer Simon Rothschild (geb. 1895 oder 1896 in Romrod) ist im Krieg gefallen (war seit 1913 Lehrer in Ulrichstein, gefallen 1918) 

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 13. Juni 1918: "Auf den Schlachtfeldern des Westens fand am 24. April der Kollege Rothschild - Ulrichstein den Heldentod fürs Vaterland
Rothschild war 1896 in Romrod (Oberhessen) geboren. Er war der Jüngste seiner Familie, der Liebling seiner Eltern und Geschwister. Er besuchte die Volksschule seines Geburtsortes und zeichnete sich frühzeitig durch außergewöhnliche Intelligenz und hervorragendes Streben aus. Seine Lehrer und besonders der Schulinspektor drängten die Eltern, den hoch begabten Knaben, wie es seinem eigenen Wunsche entsprach, dem Lehrerberufe zuzuführen. Er besuchte die Präparandenschule zu Höchberg und sodann das Lehrerseminar zu Köln. Nachdem er kaum ein Jahr in Ulrichstein als Lehrer amtiert und in der kurzen Zeit sich die Liebe und Zuneigung seiner Gemeinde und seiner Schüler erworben, brach der Weltkrieg aus, und auch er wurde zu den Waffen gerufen. Bei dem Garde-Grenadierregiment Nr. 5 in Berlin erhielt er seine Ausbildung, kam ins Feld, und mehr als drei Jahre hat er die Strapazen des furchtbaren Weltkrieges ertragen. Er wurde zum Unteroffizier befördert, erhielt das Eiserne Kreuz und die hessische Tapferkeitsmedaille.
In ihm verlieren seine tiefgebeugten Eltern einen gar wackeren Sohn, der ihnen die Stütze ihres Alters werden sollte, und nicht minder die Lehrerschaft ein aufstrebendes Mitglied, das durch natürliche Anlage und edle Charaktereigenschaften berufen schien, einmal eine Zierde seines Standes zu werden.
Er ruhe sanft in Frieden; der Allgütige tröste die trauernden Seinen!     M. St."   

    
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Generalversammlung der Israelitischen Wohltätigkeitsvereins (1929)
 

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Mai 1929: "Ulrichstein. In der Generalversammlung des seit 1831 bestehenden Israelitischen WohltätiakeitSveretnü Ulrichstein konnten die Herren David Stern und Nathan Reiß II ihr 50jähriges Mitgliedsjubiläum feiern und wurden zum Danke für ihre 50jährige Mitarbeit zu Ehrenmitgliedern ernannt. Jedem wurde ein entsprechendes Diplom überreicht."     

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod von Röschen Fröhlich (1909)   

Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 4. März 1909: "Ulrichstein, Vogelsberg. (Vier Generationen.) Dieser Tage starb hier die 97 Jahre alte Frau Röschen Fröhlich. Der Zufall hat es gefügt, dass bei der Beerdigung der alten Dame auf dem israelitischen Friedhofe vier Generationen, Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Kind, dicht nebeneinander gebetet wurden. Die zuletzt begrabene Urgroßmutter hatte ihre Nachkommen überlebt."    

      
Goldene Hochzeit von Markus Reiß IV. und seiner Frau (1911) 

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1911: "Ulrichstein. Die Eheleute Markus Reiß IV. begingen bei guter Gesundheit die goldene Hochzeit."       
  
Ulrichstein MReiss 010.jpg (17616 Byte)Links: Das Ehepaar Markus Reiss IV und Regina geb. Fröhlich. Markus (Mordechai) Reiss ist am 11. März 1836 in Ulrichstein geboren. Er war seit dem 10. April 1861 mit Regina geb. Fröhlich verheiratet. Er starb am 18. September 1917 in Ulrichstein. Regina geb. Fröhlich ist am 18. Januar 1838 in Ulrichstein geboren. Sie starb am 1. Dezember 1920 in Ulrichstein.  
Informationen und Foto aus dem Buch von Nathan M. Reiss s.Lit. S. 461.465.    

  
Über Levi Schloss (1861-1923) und seine Brüder 

Arnsberg s. Lit. Bd. I S. 314: "Der langjährige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde - um die Jahrhundertwende - war Levi Schloß; er war Mitbegründer der Postautoverbindung von Ulrichstein zum Bahnhof Mücke, die den Grundstein bildete zu dem heute (sc. 1971) bestehenden regen Autobusnetz. Zwei Brüder von Levi Schloß waren Geschäftsleute in Frankfurt am Main, u.a. besaß die Firma Schloß & Michel das Restaurant 'Tiroler Hof' in der Kaiserstraße".  
Weitere Informationen zu Levi Schloss bei Nathan M. Reiss s.Lit. S. 561.  

  
Zum Tod von Lina Reiß (1933)  

Artikel im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" von 1933 Nr. 3: "Ulrichstein (Oberhessen). Im Alter von 54 Jahren starb Frau Lina Reiß, Gattin des allseits geachteten Herrn Moses Reiß. Ihre Beisetzung gestaltete sich zu einem imposanten Trauerzug. Bei der Trauerfeier am Grabe rühmte Herr Lehrer Bick, Nieder-Ohmen die Vorzüge der Verstorbenen und gab dem Schmerze der Familie beredten Ausdruck."   

  
Mitteilungen zu einzelnen Personen der jüdischen Gemeinde  

-  1928: Trauung von Samson Wetzler in Frankfurt am Main, Herderstr. 11 mit Betty geb. Stern als Ulrichstein (in: "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main" 4 1928 S. 259)
-  1938: 70. Geburtstag am 5. April 1938 von Fanny Rose geb. Fröhlich (in Frankenau, früher Ulrichstein) (in: "Central-Verein-Zeitung" vom 31. März 1938 S. 14).   

          
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von Zilla Reiss (1930) 
Anmerkung: Zilla Reiss ist am 4. Mai 1905 in Ulrichstein geboren als Tochter von Heskias Reiß und Rosa geb. Kälbermann und wuchs mit mehreren Geschwistern in Ulrichstein auf. Sie blieb unverheiratet und ließ sich von 1923 bis um 1925 zur Köchin in einem Hotel in Nürnberg ausbilden. 1926 bis 1927 war sie Köchin in Marburg bei der Rabbinerfamilie Munk. Von 1929 bis 1939 war sie wieder in ihrem Elternhaus in Ulrichstein und  übernahm Pflegedienste für teils entfernte Verwandte. Von diesen erbte sie eine Manufaktur und ein Kolonialwarengeschäft in Ulrichstein, die sie zusammen mit dem Elternhaus 1938/39 zwangsweise verkaufen musste. 1939 zug sie verfolgungsbedingt nach Frankfurt, wo sie bis 7. April 1941 als Köchin und vermutlich auch Pflegerin im Gumpertz'schen Siechenhaus in Frankfurt tätig war. Nachdem dieses zwangsgeräumt werden müsste, war sie bis 24. September 1942 Lehrschwester im Jüdischen Krankenhaus Gagernstraße. Am 24. September wurde sie mit ihrer Schwester Frieda Reiß (geb. 05.05.1895 in Ulrichstein, ledig, letzte Frankfurter Adresse: Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge, Hans-Thoma-Straße 24) nach Estland deportiert, wo sich die Lebensspuren der beiden Schwestern verlieren. In Estland befand sich die Tötungsstätte Raasiku bei Reval (Tallinn), wo beide wohl ermordet wurden. Informationen nach  https://www.juedische-pflegegeschichte.de/personen/zilla-reiss-reiss/   
Genealogie zu Familie Heskias Reiß: 
https://www.geni.com/people/Heskias-Rei%C3%9F/6000000003011920797 

Anzeige in der "CV-Zeitung" vom 27. Juni 1930: "Nehme 2 bis 3 Damen
zur Erholung und Sommerfrische auf. Gute koschere Verpflegung bei mäßigem Preis.
Frl. Zilla Reiss, Ulrichstein (Oberhessen)."       

     
Nach 1945 - in den USA: Hochzeitsanzeige von Ludwig Distelburger und Bertie geb. Reiss (1946) 
    

Oberthulba Aufbau 25101946.jpg (39030 Byte)Anzeige in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 25. Oktober 1946: 
"Ludwig Distelburger - Bertie Distelburger née Reiss
Married     October 20, 1946   
R.F.D. No. 4   Middletown, N.A.  
(formerly Oberthulba, Bayern)  
(formerly Catskill, N.Y., Ulrichstein, Hessen)   

   
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Jetta Kahn aus Ulrichstein (1839-1909)  
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Ulrichstein NY Cyprus 1775.jpg (64554 Byte)   Ulrichstein NY Cyprus 1775a.jpg (118245 Byte)"Hier ruhet unsere unvergessliche Schwester 
Jetta Kahn 
geboren am 8. Oct. 1839 
Ulrichstein Hessen
 
gestorben am 29. Nov. 1909".  

    
    
  
  
Zur Geschichte der Synagoge   
                 
     
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser oder eine erste Synagoge vorhanden. 
  
Um 1863 erwarb die jüdische Gemeinde ein zweigeschossiges, 1847 erbautes Bauernhaus, um darin eine Synagoge einzurichten. Im Bereich des heutigen großen Scheunentors war der Zugang für die Männer in den nach Osten ausgerichteten Betsaal mit einer Empore für die Frauen. Zu ihr führte ein Treppenaufgang im Eingangsflur. Auf der westlichen Seite des Gebäudes war eine Schulstube, darüber die Lehrerwohnung. 
  
1893 wurde eine größere Renovierung des Gebäudes vorgenommen. Dabei wurden Türen und Fenster erneuert, die Wände ausgebessert und gestrichen, neue Bänke angefertigt, die hebräischen Inschriften neu vergoldet, der Tora-Schrein bemalt und die Wohnung des Lehrers neu gestrichen. 1903 wurde die Einfriedung um das Gebäude, die aus verzinktem Maschendraht bestand, erneuert. Eine weitere Renovierung fand 1914 statt.        
  
Wie lange in der Synagoge nach 1933 Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt. Am 12. September 1938 wurde das Synagogengebäude im Zusammenhang mit der Auflösung der Gemeinde verkauft. Die Kultgegenstände wurden nach Frankfurt am Main verbracht, wo sie beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurden. Vor dem Verkauf hatte der Bürgermeister von Ulrichstein am 25. Juli 1938 dem Kreisamt in Schotten geschrieben: "Zur Zeit sind noch 5 männliche und 5 weibliche Angehörige der Judengemeinde hier ansässig... Das Gebäude soll nach Umbau als H.J.-Heim und dergleichen Verwendung finden. Mehr wie 1.000.- RM wollte ich nicht bieten dafür".   
  
Nach 1945 wurde die ehemalige Synagoge zu einem Wohn- und Wirtschaftshaus umgebaut. Es wird bis heute als Wohnhaus verwendet. Im Gebäude wurde Anfang der 1980er-Jahre eine Steintafel aus der Synagoge mit Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten der Gemeinde gefunden. Am Gebäude befinden sich eine kleinere und eine größere Tafel mit Hinweisen auf die ehemalige Synagoge.         
  
  
Adresse/Standort der Synagoge  Herrngartenstraße 7   (ehemalige Untergasse)   
  
  
Fotos
(Quelle: um 1970: Arnsberg Bilder s. Lit. S. 163; August 1985: Altaras s.Lit. 1988 S. 114)  

Gebäude der 
ehemaligen Synagoge um 1970
Ulrichstein Synagoge 150.jpg (84085 Byte)   
     
     
Gebäude der
ehemaligen Synagoge 
im August 1985  
Ulrichstein Synagoge 160.jpg (55346 Byte) Ulrichstein Synagoge 161.jpg (47255 Byte)
  Blick von der Straße, Vorderseite (Südseite) Rückseite und Ostgiebel
     
     
 Stationen der jüdischen Geschichte im Historischen Stadtrundgang Ulrichstein 
(Quelle: www.ulrichstein.de)  
    
Ulrichstein Synagoge SG05.jpg (4854 Byte) Ulrichstein Judenbad SG05.jpg (6110 Byte) Ulrichstein Friedhof SG05.jpg (7948 Byte)
Station 3: die ehemalige Synagoge Station 7: das Judenbad und Judenbackhaus Station 12: Der jüdische Friedhof 
     
Aktuelle Fotos werden noch erstellt, vgl. Seite zum Friedhof.  

    

    
Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Gemeinde Ulrichstein mit "Historischer Stadtrundganges" in Ulrichstein: drei Stationen in direktem Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte der Stadt (Stationen 6, 7 und 12). 
bulletWebsite des "Vereins zur Förderung der Geschichte des Judentums im Vogelsberg e.V.": hier anklicken  
bulletArtikel in den Osthessen-News zu Ulrichstein vom 23.4.2008 (pdf-Datei)    

Literatur:  

bulletGermania Judaica II,2 S. 846.    
bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 163.    
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 114-115.   
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 105. 
bulletdies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 268-269.    
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 204-205.    
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 47-48.  
bulletHeimatbuch Ulrichstein - Burg und Stadt. Darin Abschnitt: "Das hessische Judentum und die Judengemeinde Ulrichstein".   
bulletKatharina Jacob (Verein Landjudentum Vogelsberg): Jüdisches Familienleben in Ulrichstein". Allgemeines zur Geschichte der Ulrichsteiner Juden. Beitrag eingestellt als pdf-Datei  
bulletMathilda Wertheimer Lit 20.jpg (96886 Byte)Mathilda Wertheim Stein: The Way it was. Jewish life in Storndorf and Ulrichstein in Upper Hesse.  100 pages, 105 photos. FrederickMax Publications Atlanta, Georgia 2011. ISBN 978 0 967 3282 1 8 
Weitere Informationen: siehe eingestellte pdf-Datei mit Bestellmöglichkeit über www.israeled.org    
Artikel über die 2014 verstorbene Autorin
.   
bulletWertheimer Mathilde Lit 005.jpg (59674 Byte) dies.: The Way it Was: The Jewish World of Rural Hesse. 427 pages. FrederickMax Publications 2000. ISBN 978 0 967 3282 01. 
Weitere Informationen: siehe eingestellte pdf-Datei mit Bestellmöglichkeit über www.israeled.org bzw. http://www.amazon.com/The-way-was-Jewish-world/dp/0967328209   

  
  
Umfassendes familiengeschichtliches Werk:   

Nathan M. Reiss 

Some Jewish Families 
of Hesse and Galicia 
Second edition 2005 
http://mysite.verizon.net/vzeskyb6/  
Reiss Lit Titel 010.jpg (44676 Byte) Reiss Ulrichstein 010.jpg (70955 Byte)
   In diesem Werk eine ausführliche Darstellung zur jüdischen Geschichte in Ulrichstein mit
 umfassenden biographischen Angaben zu Familie Reiss ("The Reiss Family of Ulrichstein" 
S. 37-96
) und Verwandtschaft (mit Nachkommen bis ca. 2004) mit zahlreichen Abbildungen u.a.m.    

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ulrichstein  Hesse. Jews first settled there in 1347. The community, numbering 107 (11 % of the total) in 1861, was affiliated with Giessen's Liberal rabbinate. By September 1938 the community had disbanded, 41 Jews emigrating (27 to the United States) and 13 moving to other German towns before May 1939. 
   
     

                   
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Stand: 31. Januar 2026