Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Baisingen (Stadt Rottenburg am Neckar, Kreis Tübingen) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletZur Geschichte des Betsaales / der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
bulletLinks und Literatur   

Es besteht eine weitere Seite mit Texten / Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Baisingen.      
   
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
(english version)      
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts reichsritterschaftlichen Dorf Baisingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1596 die Juden Handle, Wolf und David von Baisingen genannt. Weitere Erwähnungen von Juden am Ort gibt es seit 1640. 1670 (Vertreibung der Wiener Juden unter Kaiser Leopold) oder kurz danach sind mehrere jüdische Familien aus Wien zugezogen, insbesondere die Familie Kiefe. Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl auf 15 jüdische Familien (1765) beziehungsweise 21 (1771). 
    
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts auf vier von der Ortsherrschaft erbaute "Judenhäuser" (zwei davon sind erhalten: Doppelhaus Kaiserstraße 63/65 und das Haus Ecke Judengasse / Kaiserstraße 57 ("Gideon'sches Haus") und die Judengasse ("Judengäßle"). Danach entstanden neue Wohnhäuser im ganzen Ort mit teilweise städtischem Charakter (z.B. Kaiserstraße 55, Bauherr war 1851 Salomon Kiefe). Seite dem Beginn des 19. Jahrhunderts waren vier Häuser im sogenannten "Judenhöfle" (Kaiserstraße 56, 58, 60, 62) von jüdischen Familien bewohnt.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1803 24 jüdische Familien, 1807 115 jüdische Einwohner, 1824 180, 1843 Höchstzahl von 235, 1869 199, 1895 181 (21,3 % von insgesamt 848 Einwohnern), 1910 108 (13, 8 % von 784). Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Viehhandel, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen jüdische Handlungen/Läden sowie kleine Handwerksbetriebe am Ort.       
  
Im Revolutionsjahr 1848 kam es zu einem schweren Judenpogrom in Baisingen (siehe ausführlichen Bericht auf der Textseite).  
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge (s.u.), eine Schule, eine rituelles Bad und einen Friedhof. Bei der jüdischen Schule handelte es sich von 1827 bis zur zwangsweisen Schließung 1933 um eine jüdische Konfessionsschule (Elementarschule), die im Haus Kaiserstraße 104 ihre Räume hatte (Schulsaal im 2. Stock, Lehrerwohnung im 1. Stock). Das rituelles Bad befand sich im Erdgeschoss dieses Gebäudes (1877 umfassend renoviert). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Mühringen beziehungsweise seit 1914 zum neu gebildeten Bezirksrabbinat in Horb.     
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (von den insgesamt 23 jüdischen Kriegsteilnehmern) Gefreiter Friedrich Kahn (geb. 23.3.1886 in Baisingen, gef. 21.8.1914), Julius Kahn (geb. 16.8.1894 in Baisingen, gef. 21.10.1918), Max Kahn (geb. 5.12.1877 in Baisingen, gef. 24.2.1918) und Max Weinberger (geb. 14.12.1879 in Baisingen, gef. 2.11.1915, zu ihm siehe Bericht auf der Textseite). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerehrenmal vor der katholischen Pfarrkirche St. Anastasia und auf einer Bildtafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Außerdem ist gefallen: Max Wolf (geb. 1891 in Baisingen, vor 1914 in Bamberg wohnhaft, gef. 3.9.1914).  
 
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Zigarren, Zigaretten, Tabake Arthur und Berta Daube (Kaiserstraße 108), Schuhmacherbedarfsartikel Julius Erlebacher (Kaiserstraße 62), Hausierhandel in Kurzwaren Sally Erlebacher (Kaiserstraße 81), Viehhandlung und Metzgerei Josef Gideon (Kaiserstraße 57), Kolonialwaren und Schneiderei Ludwig und Rosa Haarburger (Kaiserstraße 109), Kolonialwaren Benedikt Hirsch Wwe. (Kaiserstraße 108), Schuhwaren Berta Kahn und Viehhandlung Hermann Kahn (Weberstraße 6), Kurz- und Textilwaren Hanne Kahn (Kaiserstraße 56), Schuhwaren Julius Kahn und Viehhandlung Friedrich Kahn (Kaiserstraße 61), Viehhandlung Hermann Kahn (Kaiserstraße 66, später übernommen von Sohn Harry Kahn, s.u. nach 1945), Kurz- und Textilwaren Berta Kiefe (Kaiserstraße 104), Viehhandlung Max Lassar (Kaiserstraße 11), Viehhandlung Jakob Marx (Kaiserstraße 58), Viehhandlung Sally Marx (Kaiserstraße 107), Viehhandlung Berthold und Sally Schweizer (Kaiserstraße 73), Viehhandlung Max Wolf (Kaiserstraße 73), Viehhandlung Max Wolf (Kaiserstraße 110), Viehhandlung Siegfried Wolf (Kaiserstraße 60), Viehhandlung Wilhelm Wolf (Mötzinger Straße 14). Jahrzehntelanger Treffpunkt für das gesellschaftliche Leben der Gemeinde war das Gasthaus "Rose" (samt Brauhaus) der Familie Kiefe.  
 
Um 1924, als noch 115 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,37 % von insgesamt 840 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Louis Max, Jakob Marx, Hermann Kahn und Sigmund Kahn. Als Lehrer, Kantor, Schochet und Rechner der Gemeinde war (bereits seit 1891 und noch bis 1926) Oberlehrer Max Straßburger in der Gemeinde tätig. Er hatte damals in der Israelitischen Volksschule von 18 Kinder zu unterrichten. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere die Chewra Kadischa e.V. (gegründet 1815; 1924 unter Leitung von Hermann Kahn; 1932 unter Leitung von Abraham Erlebacher mit etwa 10 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen) sowie die Stiftung Zedokoh (beziehungsweise Zedokoh-Kasse; unter Verwaltung des Vorsteheramtes der Gemeinde; Zweck und Arbeitgebiet: Unterstützung hilfsbedürftiger Ortsansässiger). 1932 war Gemeindevorsteher Hermann Kahn. Als Lehrer war Helmut Kahn tätig. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule noch acht Kinder.        
 
1933 wurden noch 86 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der seit zunehmenden Entrechtung, der Repressionen und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts ist in den folgenden Jahren ein großer Teil von ihnen vom Ort verzogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert. aus Horb und anderen Orten der Umgebung nach Baisingen gekommenen SA-Leute überfielen am Abend des 10. November auch zahlreiche jüdische Häuser, zerstörten die Wohnungseinrichtungen und zerschlugen Türen und Fensterrahmen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten die noch in Baisingen lebenden jüdischen Personen in einigen Wohnungen zusammenziehen. Nach Baisingen wurden im Frühjahr 1941 aus Stuttgart und anderen Städten eine größere Zahl von jüdischen Personen zwangseingewiesen. Ende 1941 begannen die Deportationen: insgesamt wurden mehr als 60 jüdische Personen (darunter etwa 30 Zwangseingewiesene) von Baisingen aus deportiert.   
 
Von den in Baisingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  David Bottwin (1876), Bertha Eisenmann geb. Kiefe (1870), Julius Erlebacher (1881), Sofie Erlebacher (1885), Viktor Gideon (1911), Ludwig Haarburger (1878), Luise Haarburger (1922), Rosa Haarburger (1875), Rosalie Haarburger geb. Liebmann (1876), Emil Hilb (1864), Fanny Igersheimer geb. Singer (1889), Sidmund Igersheimer (1880), Adolf Kahn (1892), Hirsch Kahn (1884), Irene Kahn geb. Weinberger (1913), Johanna Kahn geb. Stern (1881), Julius Kahn (1887), Paula Kahn geb. Rosenthal (1895), Sophie Kahn (1879), Berta Kiefe (1877), Friedrich Kiefe (1878), Friedrich Kiefe (1879), Julius Kiefe (1871), Viktor Kiefe (1890), Selma Kurz (1898), Berta Lauchheimer geb. Hilb (1866), Klara Ledermann geb. Kahn (1876), Emma Lehmann geb. Wolf (1875), Marie Levi geb. Marx (1869), Isidor Levy (1866), Sophie Liebman (1885), Auguste Marx geb. Weil (1880), Jakob Marx (1875), Louis Marx (1875), Ludwig Marx (1886), Salomon Marx (1894), Siegfried Marx (1892), Sofie Marx geb. Sinn (1879), Sofie Marx geb. Marx (1877), Sophie Marx geb. Marx (1867), Max Mayer (1866), Berta Preßburger geb. Kahn (1876), Ernestine Reutlinger geb. Marx (1861), Helene Rimpel geb. Schnitzer (1878), Berta Rödelsheimer geb. Kahn (1876), Max Rödelsheimer (1884), Siegfried Rödelsheimer (1883), Wilhelm Rödelsheimer (1895), Bella Schloss geb. Straßburger (1894), Berthold Schweizer (1883), Dora Schweizer geb. Neuburger (1856), Karolina Schweizer geb. Gumperz (1886), Salomon Schweizer (1881), Karoline Stein geb. Marx (1864), Mina Straßburger geb. Marx (1868), Leopold Weinberger (1911), Alfred Wolf (1880), Babette Wolf geb. Thalheimer (1892), Isaak Wolf (1899), Julius Wolf (1872), Liebmann Wolf (1896), Ludwig Wolf (1878).   

Baisingen Viehhandlung Kahn.jpg (45171 Byte)Links: Viehhandlung Harry Kahn, Foto Anfang der 1980er-Jahre. 
Der Viehhändler Harry Kahn ist 1911 als Sohn von Friedrich Kahn und der Clara geb. Lassar in Baisingen geboren. Harry betrieb zusammen mit seinem Vater und dem Onkel Max Lassar in Baisingen eine Viehhandlung. 1938 heiratete er Irene Weinberger aus Haigerloch. Im Dezember 1941 wurde Harry Kahn zusammen mit seiner Frau, seiner Mutter und seiner Schwiegermutter nach Riga deportiert; der Vater war noch im Frühjahr 1940 gestorben. Die drei Frauen wurden von den Nazis ermordet. Harry Kahn überlebte die Jahre in mehreren Konzentrationslagern. 1946 heiratete er Jeanette Karschinierow. Er ließ sich wieder in Baisingen nieder (einzige jüdische Familie nach 1945), wo er bis zu seinem Tod 1978 wieder seine Viehhandlung betrieb. 

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge               
    
Zunächst bestand vermutlich ein Betsaal in einem der "Judenhäuser". 1782 wurde durch die Ortsherrschaft (Anton Schenk von Stauffenberg) der Bau einer Synagoge in der "Judengasse" genehmigt. Sie konnte bei 1784 fertiggestellt und eingeweiht werden. 1837/38 wurde das Gebäude vergrößert. Bei der Synagoge handelt es sich um eine charakteristische Dorfsynagoge: ein schlichter, leicht querrechteckiger Bau mit einem Walmdach über kräftigem Traugesims.  
     
Beim sogenannten "Baisinger Judenkrawall" im April 1848 wurden von 30 bis 40 Personen aus Vollmaringen und Mötzingen vor der Demolierung der jüdischen Häuser auch die Fenster der Synagoge eingeworfen. 1882 konnte die 100-Jahr-Feier zum Bestehen der Synagoge gefeiert werden:   
    
100-Jahr-Feier (Säkularfeier) der Synagoge (1882)  

Baisingen Israelit 07091882.jpg (127910 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1882: "Baisingen (Württemberg). Die israelitische Gemeinde Baisingen, die durch den verehrten Herausgeber dieses geschätzte Blattes in seiner rühmlichst bekannten historischen Erzählung 'Rabbi Joselmann von Rosheim' in sehr anerkennenden Worten gewürdigt und durch die daselbst referierten Tatsachen in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, beging am 5. August dieses Jahres - am Schabbat Paraschat Ekew (Schabbat mit der Toralesung Ekew = 5. Mose 7,12 - 11,25) - die erste Säkularfeier ihrer im Jahre 5542 (1782) erbauten Synagoge. Herr Rabbiner Dr. Silberstein aus Mühringen hielt aus diesem Anlasse eine in Form und Inhalt durchdachte und meisterhaft gelungene Festrede, die den Herzen aller Zuhörer wohltat. Dieselbe zeichnete im ersten Teile in großen und scharfen Zügen die Geschichte der Gemeinde von ihrem Beginn (ungefähr im Jahre 1670) durch Vertriebene aus Wien, während der zweite Teil die Art besprach, wie die Gemeinde Gott durch Heilighaltung und Verehrung der Synagoge, durch frommes Verhalten im Leben und durch die religiöse Erziehung der Jugend für die wunderbare und gnadenreiche Führung zu danken habe. Hieran reihte sich noch eine kurze Ansprache des dahier etwa 23 Jahre amtierenden Herrn Lehrer Kahn, worin derselbe unter dem Ausdrucke innigen Dankes gegen Gott für das Erleben dieses Tages hervorhob, wie die herzliche Eintracht, welche die Mitglieder dieser Gemeinde unter sich und mit ihrem Lehrer stets verbunden, ihr zur Zierde gereiche und fortbestehen möge, auf dass auch fernerhin der Segen des Herrn über dieser Gemeinde und ihrem Gotteshause ruhe.  
Feierlichkeiten außerhalb der Synagoge fanden nicht statt."  

Noch weitere 66 Jahre war die Synagoge Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Baisingen. 

Am Vormittag der 10. November 1938 drangen vier auswärtige Parteifunktionäre unter Leitung des Horber Kreisleiters in die Baisinger Synagoge ein. Sie waren von der Kreisleitung in Horb instruiert worden. Den Schlüssel hatte ihnen der Bürgermeister gegeben. Der Amtsdiener des Dorfes hatte die Männer vorher durch Baisingen geführt und ihnen die jüdischen Häuser gezeigt. In der Synagoge warfen die Männer Bänke und Bücher durcheinander und zerstörten die Leuchter. Bei dieser ersten Aktion blieb es nicht. Am Abend des 10. November kamen nochmals 70 bis 80 SA-Leute aus Horb und Umgebung in Omnibussen und mehreren Autos nach Baisingen gefahren. Am Ortseingang hielt ein SA-Sturmführer an die in Zivil angetretenen Männer eine kurze Hetzrede, worauf diese in die Synagoge einbrachen und darin alles kurz und klein schlugen. Torarollen, Gebetbücher und alles Brennbare wurde vor der Synagoge in Brand gesteckt. Einige nichtjüdische Baisinger, die in der Nähe der Synagoge wohnten, stellten sich den SA-Leuten schimpfend in den Weg, weil sie Brandgefahr für die umliegenden Häuser fürchteten.  
 
Seit 1940 war das Gebäude in Privathand und wurde zunächst als Scheune genutzt. 1947 fand vor der Strafkammer des Landgerichts Rottweil ein Gerichtsverfahren gegen mehrere SA-Männer und Parteifunktionäre statt, die bei den Ausschreitungen gegen die Juden im Landkreis Horb beteiligt waren.   
 
1984
wurde die ehemalige Synagoge unter Denkmalschutz gestellt, 1990 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingetragen (seit 1988 ist die Stadt Rottenburg Eigentümerin des Gebäudes). Nach einer behutsamen Restaurierung wurde die ehemalige Synagoge 1998 als Ort der Begegnung mit einer Dauerausstellung auf der Frauenempore der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (Gedenkstätte Synagoge Baisingen). Zahlreiche Erinnerungsstücke wurden beim Umbau der Synagoge in einer Genisa entdeckt (Schriften unterschiedlicher Art, kleine Kultgegenstände).  
      
      
      
Fotos               
Historisches Foto 
(Quelle: F. Kahn)   

Baisingen Synagoge 001.jpg (41527 Byte) 

Gottesdienst in der Synagoge in Baisingen,
vermutlich an Sukkot (Laubhüttenfest) 1937 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
Die Farbfotos von der Führung der Schülergruppe
erhalten durch freundliche Kooperation mit der Redaktion Deutsch des Landesbildungsservers Baden-Württemberg, URL: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch)

Fotos um 1985: die ehemalige Synagoge vor der Restaurierung:
(Fotos: Hahn, teilweise R. Rasemann) 
 Baisingen Synagoge 105.jpg (97969 Byte) Baisingen Synagoge 103.jpg (95438 Byte) Baisingen Synagoge 104.jpg (107377 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge 
von der Judengasse
Ostseite: an Stelle des Toraschreines 
ein Scheunentor
Ehemalige Synagoge 
von Westen
     
Baisingen Synagoge 102.jpg (108353 Byte) Baisingen Synagoge 101.jpg (70655 Byte) Baisingen Synagoge 106.jpg (128689 Byte)
Eingangsbereich Vernageltes Fenster  
     
Während der Restaurierung 1996 
(Quelle: hier anklicken)
Baisingen Synagoge 450.jpg (24036 Byte)   
       
     
Fotos 2002:
 Besuch einer Gruppe von
 Schülern/innen der haus- und
 landwirtschaftlichen Berufs- und
 Berufsfachschulen Herrenberg 

(Quelle der Fotos: hier anklicken (Schule)
 und hier anklicken (Landesbildungsserver)
Baisingen Synagoge 507.jpg (153172 Byte) Synagoge Baisingen 504.jpg (101602 Byte)
 
 
Hinweistafeln zur jüdischen Geschichte
 Baisingens am Eingang zur "Judengasse" 
 Am Eingang zur 
ehemaligen Synagoge
     
Baisingen Synagoge 508.jpg (117318 Byte)  
Synagoge Baisingen 503.jpg (160127 Byte)
Synagoge Baisingen 502.jpg (147267 Byte)
 Der Eingang in die ehemalige Synagoge  Erläuterungen während der Führung
   
Baisingen Synagoge 509.jpg (105480 Byte) Baisingen Synagoge 506.jpg (136173 Byte) Baisingen Synagoge 505.jpg (135926 Byte)
Blick zur 
Frauenempore
Bei der Besichtigung der Ausstellung 
auf der ehemaligen Frauenempore
In der ehemaligen Synagoge 
mit der Frauenempore
     
Baisingen Synagoge 510.jpg (118874 Byte) Baisingen Synagoge 511.jpg (104731 Byte) Baisingen Synagoge 501.jpg (123950 Byte)
Blick zur Ostwand (Stelle des 
ehemaligen Toraschreines)
Torawimpel in 
der Ausstellung
"Davidstern" in der Mitte des
 Sternenhimmels (Decke)
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 11.8.2003)
 
Baisingen Synagoge 182.jpg (44444 Byte) Baisingen Synagoge 181.jpg (42405 Byte) Baisingen Synagoge 180.jpg (60058 Byte)
Hinweistafeln am Eingang der Judengasse - Vorder- und Rückseite  Hinweistafel vor Synagoge
     
Baisingen Synagoge 183.jpg (37054 Byte) Baisingen Synagoge 185.jpg (40393 Byte) Baisingen Synagoge 184.jpg (47005 Byte)
Der Eingang  Die Synagoge 
von der Westseite
Die Synagoge - von der Judengasse
 kommend - gesehen
     
Neuere Fotos nach Abbruch eines
 Gebäudes am Eingang der "Judengasse 

(2011 erstellt von Bernhard Kukatzki) 
   
Baisingen Synagoge BeKu 120.jpg (101546 Byte) Baisingen Synagoge BeKu 121.jpg (83285 Byte) Baisingen Synagoge BeKu 124.jpg (71981 Byte)
Nach Abbruch des Gebäudes am Eingang der Judengasse ist der 
Blick frei auf die ehemalige Synagoge
Die ehemalige Synagoge
  
     
Baisingen Synagoge BeKu 126.jpg (64316 Byte) Baisingen Synagoge BeKu 125.jpg (67916 Byte) Baisingen Synagoge BeKu 123.jpg (74770 Byte) Baisingen Synagoge BeKu 122.jpg (73720 Byte)
Hinweistafel und Eingänge zum 
Gebäude der Synagoge
Ehemaliger Eingang 
für die Männer
Die Informationstafeln am 
Eingang zur Judengasse
     
     

     
     
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

September 2009: Führung für Jugendliche durch die ehemalige Synagoge 
Artikel von Rainer Sattler in der "Neckar-Chronik" (Südwestpresse) vom 25. September 2009: "Gebetshaus wurde zur Scheuer. Die 39 Eutinger Firmaspiranten ließen sich in die Geschichte der Baisinger Juden entführen
Mit der wechselvollen Geschichte des jüdischen Bevölkerungsanteils in der Nachbargemeinde Baisingen konfrontiert wurden die 39 Firmaspiranten der katholischen Kirchengemeinde Eutingen.
Baisingen/Eutingen
. Dabei erfuhren die jungen Christen, dass der Holocaust zwar nicht in ihrer Heimatgemeinde, aber doch in unmittelbarer Nachbarschaft seine hässliche Seite gezeigt hat.
Adolf Hug, bis vor zehn Jahren Ortsvorsteher von Baisingen, hat als Mitglied des Fördervereins 'Synagoge Baisingen' die Erinnerungsarbeit an die ehemaligen Baisinger Juden hautnah miterlebt und -gestaltet. Er stellte sich den Besuchern zur Verfügung, führte und informierte über die Spuren der jüdischen Geschichte des Rottenburger Stadtteils. Erst durch seine Detailhinweise waren die einstigen jüdischen Wohnhäuser als solche zu erkennen. Richtig interessant wurde es beim Gang in das etwas versteckt liegende ehemalige Judengässle, hin zur Synagoge, übrigens das einzige noch erhaltene Objekt dieser Art im Landkreis Tübingen. Hug gab einen Rückblick in die Geschichte der Baisinger Juden, die dort erstmals 1596 in Erscheinung traten. Der höchste Anteil an den Einwohnern erreichte die jüdische Gemeinde im Jahr 1840 mit 235 Juden unter den insgesamt 680 Baisingern, im Jahr 1933 waren es noch 86 jüdische Einwohner. Diese waren dann von der Verfolgung betroffen; Vertreibung, Verhaftung, Deportation und Vernichtung waren ihr Schicksal, in drei Transporten wurden sie in die bekannten Vernichtungslager verbracht. 60 Baisinger Juden kamen ums Leben, nur vier Ehemalige kehrten nach der schlimmen Zeit zurück, darunter der bekannte Harry Kahn, der nach dem Krieg wieder ansässig wurde und seinen Viehhandel wieder betrieb.
Im November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht rückten auswärtige SA-Leute an, die Synagoge entging der Brandschatzung nur durch ihre unmittelbare Nähe zu anderen Häusern, dafür wurde die Einrichtung samt Thora-Schrein zerstört und verbrannt. Das Gebetshaus selber wurde 1940 an einen Landwirt verkauft. Dieser wandelte es zwar durch die Verwendung als Scheuer in einen profanen Zweck um, so aber blieb das Haus wenigstens erhalten. 1984 unter Denkmalschutz gestellt und 1988 von der Stadt Rottenburg erworben, nahm sich der Förderverein der Synagoge an und hielt mit der Sanierung die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürger am Leben. 'Die Geschichte sollte ablesbar sein, wir haben nur das dafür Nötigste getan' erläuterte Adolf Hug die Ziele des Vereins. Er stellte den jungen Eutingern auch die in der Synagoge aufgestellte Laubhütte vor, die alljährlich am Laubhüttenfest daran erinnert, dass das jüdische Volk nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre ohne feste Wohnung durch die Wüste geirrt ist. Das Baisinger Exemplar hat die Zeitläufe eher durch Zufall überstanden, diente es doch zeitweise als Bienenhaus und Hühnerstall. Nun legt es nach aufwändiger Renovierung Zeugnis ab vom Leben der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Baisingen. Tief beeindruckt waren anschließend die Eutinger Firmlinge von einer filmischen Dokumentation, in Gruppen arbeiteten sie das Erlebte und Gehörte gemeinsam auf."  
 
September 2010: Programm zum "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" 2010    
Artikel im "Schwarzwälder Boten" (Lokalausgabe) vom 23. August  2010 (Artikel): 
"Rottenburg - Gedenktag an die jüdische Kultur in Europa. 
Rottenburg-Baisingen.
Der "Europäische Tag der Jüdischen Kultur" wird am Sonntag, 5. September, auch in Baisingen begangen. 
Revital Herzog spielt Klezmermusik. Auftakt ist ab 10.30 Uhr in der Gedenkstätte Synagoge ein Erzählkonzert mit Revital Herzog. Die Musikerin ist in Israel geboren und aufgewachsen. Sie spielt auf ihrem Akkordeon Klezmer-, Balkan- und Orientmusik und erzählt mit leisem Humor und verstecktem Witz kurze Anekdoten aus Israel und ihrem Leben. Der Eintritt ist frei. 
Weiter geht es mit Führungen in der Gedenkstätte, die um 14 und 16 Uhr beginnen, und Führungen auf dem jüdischen Friedhof (15.30 und 17.30 Uhr), die im Rahmen des Gedenktages stattfinden. Dieser wird seit über zehn Jahren in 30 Ländern Europas am ersten Sonntag im Monat September begangen. 
Doch damit sind die Aktivitäten des Fördervereins Synagoge noch längst nicht zu Ende, wie Stephan Neher, Oberbürgermeister und neuer Vorsitzender des Vereins, berichtet. Neher hat das Amt vom früheren OB Winfried Löffler übernommen.  
Mitarbeit im Gedenkstättenverband. Das jüdische Laubhüttenfest wird vom 23. bis 29. September gefeiert. Die "Baisinger Laubhütte", ein bewegliches Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, wird wieder in der Gedenkstätte aufgestellt. Der genaue Zeitraum wird noch bekannt gegeben. 
Seit einigen Jahren ist der Synagogenverein Mitglied in einer Arbeitsgemeinschaft "Jüdische Gedenkstätten am Oberen Neckar". Durch das Hinzukommen weiterer Gedenkstätten hat sich die Arbeitsgemeinschaft zu einem institutionellen Gedenkstättenverband Gäu-Neckar-Alb fortentwickelt. Dieser richtet nun am Sonntag, 10. Oktober, in Hechingen im Bildungshaus St. Luzen eine Tagung über 'Juden in der Textilindustrie' aus." 
 
September 2010: Ehrungen für den früheren Ortsvorsteher Adolf Hug und den früheren Oberbürgermeister Winfried Löffler    
Artikel von Angela Baum im "Schwarzwälder Boten" (Lokalausgabe) vom 16. September 2010 (Artikel): 
"Rottenburg - Große Verdienste um Baisingen gewürdigt
Rottenburg-Baisingen
. Adolf Hug staunte nicht schlecht, als ihm OB Stephan Neher die silberne Ehrenmedaille der Stadt überreichte. Neher überreichte auch eine Ehrenurkunde an den ehemaligen Ortsvorsteher von Baisingen. Winfried Löffler wurde am gleichen Abend zum Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Synagoge ernannt. Hug und Löffler hatten sich um die Gedenkstätte Synagoge Baisingen verdient gemacht, führte Neher aus. Ortsvorsteher Horst Schuh freute sich, dass erstmals ein Baisinger Bürger mit der silbernen Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet wurde. 150 Gäste feierten gemeinsam mit Hug und Löffler im Schlosssaal. 
Schuh sagte, es sei ein besonderer Tag für Baisingen. Die illustre Gästeschar unterstreiche den Festcharakter. Schuh konnte aktuelle und ehemalige Ortschaftsräte begrüßen. An Adolf Hug gewandt sagte er, dieser habe sich die Ehrung verdient, da er viel für das Ansehen und die Attraktivität der Gedenkstätte Synagoge getan habe. OB Stephan Neher meinte, die Auszeichnung sei schon etwas Besonderes, "wir sind sparsam mit der Verleihung der Medaille". Neher hob die besonderen Verdienste von Hug um die Synagoge hervor. Die Einrichtung der Gedenkstätte sei von Hug unterstützt worden. Von 1978 bis 1999 war Adolf Hug Ortsvorsteher von Baisingen. Hug habe mit seiner Gestaltungskraft und Kreativität sich um den Ort und um die Synagoge verdient gemacht. Neher: "Die Stadt will mit der Medaille ihren Dank zum Ausdruck bringen." 
Die jüdische Geschichte gehöre zu Baisingen. 1933 lebten 90 jüdische Einwohner in der Gäugemeinde, es habe damals eine intakte jüdische Gemeinde gegeben, so Neher. Am 9. und 10. November 1938 fiel auch in Baisingen die Synagoge den Verwüstungen der Nazis zum Opfer. 70 bis 80 SA-Leute aus Horb und der Umgebung verwüsteten die Synagoge. 60 Juden wanderten daraufhin aus. 1941 bis 1942 wurden 60 Baisinger Juden in Konzentrationslager deportiert. Danach diente die Synagoge als Scheune, 1984 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Daraufhin erwarb die Stadt die Synagoge, der Förderverein füllte sie mit Leben, so Neher. "Wir als Deutsche haben aus der Geschichte heraus eine Verantwortung", betonte Neher. Es sei gut, dass die Synagoge und der jüdische Friedhof vom Förderverein Synagoge erhalten wird. Neher meinte, alle seien aufgerufen, den "kleinen Sarazzins Einhalt zu gebieten". Integration funktioniere aber nur, wenn der Zugang zu Bildung gegeben werde. 
Durch Menschen wie Adolf Hug sei es möglich geworden, dass Vertriebene wieder nach Deutschland zurückkommen und ihre alte Heimat besuchen. Seitdem 1998 die Gedenkstätte eingerichtet wurde, seien jährlich 2000 Besucher gekommen, um die Synagoge zu besichtigen. 
Hug betonte, er sei von der Nachricht der Medaillenverleihung überrascht worden. Der Synagoge sei er anfangs skeptisch gegenüber gestanden. Doch der Kontakt mit den Überlebenden habe ein Umdenken bewirkt, er habe die Arbeit in der Synagoge als sinnstiftend empfunden. Er arbeite im Förderverein aktiv mit und mache mittlerweile auch Führungen. Hug dankte seiner Frau Marianne, die immer Kuchen für den Kaffeeklatsch mit den Besuchern backe. Winfried Löffler wurde zum Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Synagoge ernannt. Neher meinte, die schwierigsten Phasen habe der Verein unter Löffler gemeistert. Löffler habe es in seiner Arbeit geschafft, dass die Gemeinde heute über die Gedenkstätte verfüge. Neher dankte Löffler für den Begleitprozess der Vereinsgründung, der das Verständnis für Geschichte weckt."    
   
September 2011: Eine Baisinger Laubhütte ist in der Synagoge zu sehen  
Artikel im "Schwarzwälder Boten" vom 4. September 2011 (Artikel): "Laubhütte zu sehen
Rottenburg-Baisingen.
Gestern Vormittag ist laut einer Pressemitteilung die im Denkmalbuch des Landes eingetragene Baisinger Laubhütte wieder in der Gedenkstätte Synagoge Baisingen aufgestellt worden. Sie ist damit bereits rechtzeitig zum Montag, 4. September, beim Europäischen Tag der Jüdischen Kultur, zu besichtigen. Sie wird bis Anfang November zu sehen sein.
Die Laubhütte ist eines der wenigen in Deutschland erhaltenen Beispiele, das vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten verschont blieb, weil sie wegen ihren soliden Bauart auch als Hühner- und Entenstall zu gebrachen war. Die Gedenkstätte Synagoge Baisingen ist jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Besichtigungen für Gruppen sind auf Voranmeldung auch zu anderen Zeiten möglich.
Laubhütten waren provisorische Bauten, welche für die zeitlich begrenzte Aufstellung und Benutzung zur Feier des jüdischen Laubhüttenfestes angefertigt wurden.
Das Laubhüttenfest zählt zu den bekanntesten Feiertagen des Judentums und gilt als Höhepunkt des häuslichen religiösen Lebens.
Die Feiertage fallen in die Zeit der Ernte mit dem Gedenken an die Zeit der Wanderung aus Ägypten. In diesem Jahr dauert das Laubhüttenfest vom 13. bis zum 20. Oktober. Das Leben in der Hütte sollte das Leben der Vorfahren ins Gedächtnis rufen, die vierzig Jahre durch die Wüste wanderten, bevor sie das gelobte Land erreichten. Insgesamt Sieben Tage lang wohnten und aßen die Menschen in Hütten mit Laubdächern. In kälteren und regnerischen Länder behalf man sich dabei mit einem Klappdach, das mit wenigen Handgriffen zu öffnen und zu schließen war."     
 
November 2011: Gedenken an den Novemberpogrom 1938   
Artikel von Angela Baum im "Schwarzwälder Boten" vom 19. November 2011: "Gedenken an Pogromnacht. 
Rottenburg-Baisingen.
Am Mittwochabend gedachten Bürger und Gemeinderäte sowie Oberbürgermeister Stephan Neher als Vorsitzender des Fördervereins Synagoge Baisingen den schrecklichen Ereignissen der Reichspogromnacht von 1938. Damals verwüsteten die Nazis bundesweit jüdische Synagogen und steckten sie in Brand...."  
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.        

  

Oktober 2014: Tagesexkursion: Jüdische Spuren rund um Horb     
Das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof und das Katholische Bildungswerk Stuttgart führten gemeinsam im Oktober eine Tagesfahrt auf jüdischen Spuren rund um Horb durch. Die Ausschreibung war wie folgt:
Jüdische Spuren rund um Horb am Neckar - Tagesfahrt - Sa 25.10.14, 8:00 - 19:00 Uhr - Horb am Neckar
49,00 € (Fahrt mit dem Reisebus, Führungen, Reiseleitung)
Das Rabbinat Mühringen/Horb war Anfang des 19. Jahrhunderts das größte Rabbinat in Württemberg. Bedeutende Rabbinerpersönlichkeiten waren für die jüdischen Gemeinden des Rabbinats verantwortlich, jüdische Kaufleute und Viehhändler spielten im wirtschaftlichen Leben eine wichtige Rolle. Für die jüdischen Familien war die Gegend am Oberen Neckar Heimat. Ihre Geschichte(n) werden wir auf dieser Tagesfahrt an verschiedenen Stationen aufzuspüren versuchen.
In Nordstetten ist 1812 Berthold Auerbach geboren, der im 19. Jahrhundert zu den meistgelesenen Schriftstellern Deutschlands gehörte. Dort besuchen wir das Auerbach-Museum im Schloss und spazieren zu seinem Geburtshaus und Grab. Weitere Stationen sind der kürzlich renovierte jüdische Betsaal in Horb am Neckar, der heute Gedenkstätte und Museum beherbergt, sowie die ehemalige Synagoge in Rexingen. Auf der Rückfahrt besichtigen wir die ehemalige Synagoge in Rottenburg-Baisingen, wo vor allem die Funde der Genisa (Sammlung religiöser Gebrauchsgegenstände) und eine ausführliche Dokumentation der Lebensgeschichten Baisinger Juden bemerkenswert sind.
Kooperation mit: Ev. Bildungszentrum Hospitalhof - Anmeldung und Informationen bei:
Katholisches Bildungswerk  0711/7050600   E-Mail: info@kbw-stuttgart.de   Website www.kbw-stuttgart.de  
Direktlink zur Veranstaltung: http://www.kbw-stuttgart.de/veranstaltungen/251014-juedische-spuren-rund-um-horb-am-neckar-/ .  
 
November 2014: 25 Jahre Förderverein Synagoge Baisingen  
Artikel in rtf1.de vom 23. November 2014: "Baisingen / Rottenburg am Neckar: 25 Jahre Förderverein Synagoge Baisingen - Festprogramm rund um die ehemalige Synagoge Baisingen
Fast 400 Jahre lang lebten Juden in Baisingen bei Rottenburg am Neckar: Einige jüdische Familien, so die Familien Kahn, Kiefe oder Weil, wohnten über viele Generationen in dem Gäudorf. In dem kleinen Museum in der vielbesuchten Gedenkstätte wird an ihre Geschichte erinnert. Die ehemalige Synagoge in Baisingen ist ein besonderes Kulturdenkmal: 1784 erbaut, 1938 von den NS-Machthabern im Innern zerstört, danach als Scheune genutzt und 1988 von der Stadt erworben. Der Förderverein Synagoge Baisingen begeht dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum und hat das am heutigen Sonntag, 23. November 2014, mit mehreren Programmpunkten gefeiert. In der Gedenkstätte befindet sich eine Museum: Der Nebenraum im Erdgeschoss und die Frauenempore dienen als Informationsbereich. Dokumente zur Geschichte der Juden in Baisingen, zur Synagoge und zum jüdischen Friedhof werden ergänzt durch Funde aus der Genisa, der Schatzkammer zur Aufbewahrung ausgedienter hebräischer gottesdienstlicher Schriften in der Synagoge. So sind heute beispielsweise Thorawimpel oder Taschenkalender vom Beginn des 18. Jahrhunderts in dem Museum zu sehen. Vor allem aber soll in der Gedenkstätte die ganze Geschichte des Gebäudes – Synagoge, Schändung 1938, Nutzung als Scheune – sichtbar bleiben. Vor 25. Jahren, am 27. Januar 1989, gründete sich der Förderverein Synagoge Baisingen, der die weitere Entwicklung maßgeblich vorantrieb. Nach längeren Überlegungen und Debatten wurde die alte Synagoge grundlegend, allerdings behutsam restauriert und im November 1998 als Gedenkstätte eröffnet. Das Konzept der Restaurierung wirkte aufsehenerregend und brachte viel Anerkennung. Von Anfang an und bis heute wird die Gedenkstätte vom Förderverein ehrenamtlich betrieben. Der Verein betreut die sonntäglichen Öffnungszeiten, übernimmt Führungen durch die Synagoge und den jüdischen Friedhof. Zu den bisherigen Aktivitäten zählen auch Sonderausstellungen, z.B. 'Deutsche jüdische Soldaten' (2004) oder 'Jüdische Religion' (2008). Die jährlich anlässlich der Progromnacht stattfindenden Gedenkstunden im November werden von Rottenburger Schulen gestaltet. Ein besonderer Schatz der Gedenkstätte ist die im Jahr 2000 erworbene Laubhütte (Sukka) aus Baisingen, die kürzlich in den jüdischen Museen in München und Berlin zu sehen war. Der Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher begrüßte die Gäste. zu Beginn der Veranstaltung . Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins Synagoge Baisingen e.V. Anschließend gab es eine Gesprächsrunde zum Thema "Von der Scheune zur Gedenkstätte - Entstehung, Arbeit und Zukunft des Fördervereins Synagoge Baisingen". Mit dabei waren Hubert Dettling,Geschäftsführer des Fördervereins; Adolf Hug, ehemaliger Ortsvorsteher; Dr. Fredy Kahn, Nagold und Dr. Winfried Löffler, OB a. D. und langjähriger Vereinsvorsitzender. Die Runde wurde von Willibald Ruscheinski moderiert. Am Nachmittag folgte dann der Besuch des jüdischen Friedhofs und anschließend eine Führung durch die Gedenkstätte. "Erinnerungen an das jüdische Leben - Gegenwart und Perspektiven" - Dieses Thema brachten anschließend Bernhard Purin, Direktor Jüdisches Museum München und Dr. Benigna Schönhagen, Direktorin Jüdisches Kulturmuseum Augsburg - Schwaben, den Gästen im Schloßsaal Baisingen nahe. Moderiert wurde die Tagung von Karlheinz Geppert, Kulturamtsleiter von Rottenburg am Neckar. Als Gäste waren auch 12 Nachkommen von Baisinger jüdischen Familien geladen." 
Link zum Artikel     Dazu Video  https://www.rtf1.de/news.php?id=4014:
 
Artikel von Angela Baum im "Schwarzwälder Boten" vom 23. November 2014: "Rottenburg. 30.000 Besucher in der Gedenkstätte
Rottenburg-Baisingen
. 25 Jahre existiert der Förderverein Synagoge Baisingen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ehemalige Synagoge als Gedenkstätte erfahrbar zu machen.
Gestern wurde das Jubiläum gefeiert im Beisein von Landesrabbiner Netanel Wurmser und Nachfahren von Baisinger Juden. Im Mittelpunkt standen Podiumsgespräche, eine Gedenkstunde auf dem Jüdischen Friedhof sowie der Besuch der Synagoge. Chancen, Möglichkeiten und Grenzen des Erfahrungsorts Gedenkstätte Synagoge wurden ausgelotet, zudem wurde die bewegte Geschichte der ehemaligen Synagoge vor Augen geführt. Am Vormittag begrüßte OB Stephan Neher in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins Synagoge Baisingen die zahlreichen Gäste, die in den Schlosssaal gekommen waren. Neher hob die Bedeutung der Synagoge als Gedenkstätte hervor und betonte, dass es sich lohne, sich im Förderverein zu engagieren. Positiv habe sich die Tatsache erwiesen, dass der jeweilige Oberbürgermeister auch Vorsitzender des Fördervereins ist. Neher freute sich, dass er unter den Gästen auch die neue jüdische Familie begrüßen konnte, die nun in Baisingen lebt. Man müsse weniger das Trennende zwischen Juden und Christen in den Vordergrund stellen, sondern müsse das Verbindende sehen. Neher ging auf die Laubhütte ein, die der Förderverein seit einigen Jahren besitzt und die im Herbst in der Gedenkstätte gezeigt wird.
Gründungsmitgliederwerden geehrt. Er ehrte Gründungsmitglieder des Fördervereins. Dies waren Adolf Hug, Winfried Löffler, Fredy Kahn sowie Hubert Dettling, der Geschäftsführer des Fördervereins ist. Am Vormittag diskutierten Hubert Dettling und Adolf Hug vom Förderverein, der ehemalige Baisinger Jude Fredy Kahn aus Nagold sowie Winfried Löffler als ehemaliger Oberbürgermeister über die Entstehung, die Arbeit und die Zukunft des Fördervereins Synagoge Baisingen. Unter dem Motto 'Von der Scheune zur Gedenkstätte' ließ die Podiumsrunde mit Moderator Willibald Ruscheinski die Geschichte des Fördervereins und der Gedenkstätte Revue passieren. Fredy Kahn berichtete aus seiner Kindheit, wie er etwa in der Nähe der ehemaligen Synagoge Ball gespielt habe und der Ball durch das offen stehende Scheunentor in die Synagoge gerollt war. Damals habe er erstmals den blauen Sternenhimmel gesehen, der an die Kuppel gemalt war. Seinen Vater habe die Synagoge etwas bedrückt – er lebte und arbeitete unweit der Stätte, die von den Nazis zerstört worden war und die ihn daran erinnerte, dass auch Freunde von den Nationalsozialisten ermordet worden waren. Fredy Kahns Vater habe in kalten Nächten seinen Viehtransporter in der ehemaligen Synagoge, die damals als Scheune genutzt wurde, unterstellen dürfen. 'Mein Vater hat es ignoriert, dass die Scheune früher Synagoge war, und so war sie auch für mich nurmehr ein Gebäude', berichtete Kahn. Es war ein langer Weg von der Scheune bis zur heutigen Synagoge, viele kleine Schritte und die Zusage an Zuschüssen aus der Landesdenkmalpflege führten schließlich dazu, dass die Gedenkstätte so entstehen konnte, wie sie heute ist. Mittlerweile besuchten über 30.000 Gäste die Gedenkstätte, berichtete Adolf Hug, der lange Jahre als Ortsvorsteher die Sanierung begleitete. Am Nachmittag gab es eine weitere Podiumsrunde, die Erinnerungen an das jüdische Leben zum Thema hatte. Gegenwart und Perspektiven der Gedenkstättenarbeit wurden ausgelotet, dies mit Bernhard Purin als Direktor des Jüdischen Museums München und Benigna Schönhagen als der Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg. Gestern waren beim Jubiläum zwölf Nachkommen von Baisinger jüdischen Familien zu Gast. Sie zeigten sich sehr interessiert an der Gedenkstätte und der Arbeit des Fördervereins."  
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Juli 2015: Jahreshauptversammlung des Fördervereins Synagoge Baisingen    
Artikel von Marly Scharnowsky im "Schwarzwälder Boten" vom 13. Juli 2015: "Rottenburg Geplante Gedenkstelle soll auf dem Metzelplatz entstehen
Rottenburg-Baisingen.
Der Schloss-Saal in Baisingen war bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Synagoge Baisingen gut gefüllt mit hochkarätigen Mitgliedern aus dem Stadt-, Gemeinde- und Ortschaftsrat. Oberbürgermeister Stephan Neher eröffnete die Sitzung mit Grußworten, die Vorstandsmitglieder Herr Zeiss und Herr Fuchs waren ebenfalls anwesend. Geschäftsführer Hubert Dettling hielt einen Jahresrückblick. Die 25-Jahrfeier war ein großer Erfolg, eben so die durchgeführten, einzelnen Veranstaltungen, wie Diskussionen, Führungen, Fachvorträge, Schulbesuche und Konzerte. Neu zu besichtigen ist das Ritualbad in Mühringen, es wurde revitalisiert und verfügt über natürlich durchfließendes Wasser, wiederum ein Kleinod, das der Öffentlichkeit zur Ansicht geboten wird. Die Synagoge stößt weiterhin auf großes Interesse im In- und Ausland, es gibt auch ehemalig in Baisingen geboren, jetzt in Amerika lebende Mitglieder des Vereins, die ihm jährlich eine Spende zukommen lassen. Die Frage, ob man einen markierten Weg durch Baisingen führen sollte oder könnte, etwa in Form von Stolpersteinen, stieß auf mäßiges Interesse. Besser sichtbar wären Hinweistafeln. Stadträtin Ursula Sieber, die fleißig an einer schwarz-gelben Socke strickte, warf ein, dass die Tonanlage in der Synagoge dringend verjüngt werden müsse. Auf die Frage der feuchten Wände und wie man das Problem beheben könnte, antwortete Bürgermeister Weigel, dass es problematisch wird. Legt man die Wände trocken, wären sie nicht mehr im Originalzustand, der Zustand muss beobachtet werden und gegebenenfalls zeitnah eingegriffen werden. Laut Statistik werden die Öffnungszeiten so wie sie sind, gut angenommen, relativ selten kommen überraschend wirklich interessierte Besucher. Joachim Gölz legte einen ausgeglichenen Kassenbestand vor mit den Worten: "Wir hatten viele Veranstaltungen, echte Höhepunkte, Sie sehen, jeder Euro wurde gut angelegt". Roland Gölz, in Vertretung von Horst Schuh, konnte den gesamten Vorstand mit vier Enthaltungen entlasten. Eine Änderung der Satzung wurde vorgestellt, lediglich die Sätze müssen umgestellt werden, haben aber inhaltlich keinerlei Bedeutung. Die neu geplante Gedenkstelle soll auf dem Metzelplatz aufgestellt werden; in Form einer Stele und eines Gedenksteines. Ralf Emann wird die Skulptur erstellen, sie ist schlicht und doch aussagefähig. Vorgesehen ist die Einweihung für den 6. September, dem Gedenktag für jüdische Kultur. Allerdings sind noch einige Umbauarbeiten zu tätigen, daher ist es nicht sicher, ob das Datum eingehalten werden kann. Da sich einige Bewohner des Metzelplatzes zu dem Plan negativ geäußert hatten, wurde ein Zusammentreffen auf dem Rathaus vereinbart. Es kamen zwei Anlieger, die nichts gegen die Veränderung hatten. Das Bächle bleibt erhalten, eventuell wird die Skulptur mit Wasser umspült. Die nächsten Höhepunkte sind die Eröffnungsfeier der Gedenkstelle mitten in Rottenburg und am 9. November die Gedenkfeier der Synagoge. Zu diesem Termin sind heute schon die Schulen von Rottenburg eingeladen, um mit ihren Ideen und Interpretationen die Feier mit zu gestalten." 
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Dezember 2015: Der Baisinger Ortschaftsrat lehnt die Verlegung von "Stolpersteinen" ab 
Artikel von "ing" im "Schwäbischen Tageblatt" vom 10. Dezember 2015: "Genügend Gedenken. Baisinger Ortschaftsrat lehnt Stolpersteine ab
Der Baisinger Ortschaftsrat legt die Verlegung von Stolpersteinen für die von den Nationalsozialisten umgebrachten Juden im Ort ab. Mit der Gedenkstätte Synagoge und dem jüdischen Friedhof gebe es bereits genügend andere Formen der Erinnerung an die jüdische Geschichte Baisingens.
Baisingen
. Mit dieser einmütigen Meinung schloss sich der Ortschaftsrat der Haltung des Fördervereins Synagoge Baisingen an. 'Wenn in Baisingen vor jedem dritten Haus solche Steine verlegt würden, so wären es keine Stolpersteine mehr', hatte Hubert Dettling, der Geschäftsführer des Fördervereins in einem Brief an Ortsvorsteher Horst Schuh geschrieben. Dieser Satz beziehe sich natürlich lediglich auf den alten Ortskern, konkretisierte Dettling gestern im Gespräch mit dem TAGBLATT. 1596 waren die ersten Juden als Flüchtlinge aus vorderösterreichischen Gemeinden nach Baisingen eingewandert. Mitte des 19. Jahrhundert machten jüdische Familien ein Drittel der Bevölkerung des Dorfs aus. 1933 lebten noch über 80 Juden in Baisingen, weitere wurden laut Dettling in den folgenden Jahren zwangseinquartiert, nachdem die Nationalsozialisten andere Gemeinden bereits 'judenfrei' gemacht hatten. Über 60 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden bis 1942 aus Baisingen in die Vernichtungslager deportiert, nur blieben am Leben. Weiteren 60 bis 70 Menschen gelang die Flucht. Harry Kahn, der das KZ überlebte, kam zurück in sein Heimatdorf und stiftete 1948 ein Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof, auf dem die Namen von 53 Baisinger Juden vermerkt sind, die in den Lagern ermordet wurden. Mit dem jüdischen Friedhof, dem Mahnmal, der Gedenkstätte Synagoge und der Laubhütte sei die jüdische Geschichte Baisingens im Ort 'schon gut präsent', sagte Ortschaftsrätin Ulrike Daub (Freie Liste) in der Sitzung am Dienstag. Zusätzliche Stolpersteine, wie sie der Künstler Gunter Demnig aus Frechen vergangenes Jahr in Rottenburg und zuvor in 954 anderen Städten und Gemeinden Deutschlands verlegte, seien nicht nötig, so Daub. Roland Gölz (CDU) fügte hinzu, dass Stolpersteine im Pflaster vor den Häusern der von den Nazis verfolgten und umgebrachten Juden ein Problem für Menschen mit Rollatoren werden könnten. Dabei übersah er allerdings, dass die zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten nicht über das Pflaster hinaus ragen, sondern eben verlegt werden. Ortsvorsteher Horst Schuh wies darauf hin, dass Baisingen mit der Gedenkstätte Synagoge 'ein Alleinstellungsmerkmal' im Kreis Tübingen habe. In Baisingen gebe es regelmäßig Veranstaltungen zur Reichsprogromnacht und zum europäischen Tag der jüdischen Kultur; auch die Baisinger Laubhütte werde jedes Jahr im Herbst anlässlich des Laubhüttenfestes ausgestellt. 'Ich glaube, dass man mit solchen Aktionen mehr erreicht, als mit Stolpersteinen', sagte Schuh."
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November 2018: 20 Jahre Gedenkstätte ehemalige Synagoge Baisingen zusammen mit einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Pogromnacht 1938 
Artikel von Angela Baum im "Schwarzwälder Boten" vom 11. November 2018:  "Rottenburg Gemeinsam gegen das Vergessen
Gemeinsam mit Ehrengästen feierte der Förderverein Synagoge Baisingen am Wochenende das 20-jährige Bestehen der Baisinger Synagoge als Gedenkstätte.
Rottenburg-Baisingen
. Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums und der Musikschule Rottenburg gestalteten eine Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Pogromnacht, in der die Synagoge in Baisingen wie viele andere auch von den Nazis geschändet wurde. Am Samstagabend gab es einen Festakt mit zahlreichen Grußworten und Festreden. Oberbürgermeister Stephan Neher begrüßte die rund 100 Gäste im Schlosssaal, die der Einladung des Fördervereins Gedenkstätte Synagoge Baisingen gefolgt waren. Neher betonte, dass es wichtig sei, an die Geschehnisse der Pogromnacht von 1938 zu erinnern. Ein schleichender Prozess von rechtsradikaler Gesinnung könne irgendwann auch einmal in Gewalt münden. Manch einer sei auch in religiösem Wahn unterwegs, daher sei der Auftrag ernstzunehmen, Integration zu fordern und sie gelingen zu lassen. Es müsse einen Zusammenhalt gegen das Vergessen geben. Neher ließ die Geschichte der Gedenkstätte Synagoge Revue passieren und erinnerte daran, dass in früheren Jahren auch schon Überlebende des Holocausts eingeladen worden waren. Auch Nachkommen von Baisinger Juden wurden bereits mehrfach eingeladen. 'Die Menschen gehen hier auf Ahnenforschung', so Neher.
Vor 80 Jahren von den Nazis geschändet und zerstört. Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert betonte, dass der 'Blick zurück weht tut, aber was noch mehr weh tut, wenn vergessen wird, was hier vor aller Augen passiert ist.' Geppert zeigte die wechselvolle Geschichte der Baisinger Synagoge auf, die vor 80 Jahren von den Nazis geschändet und zerstört wurde. Zu Beginn der 1930er-Jahre lebten in der Oberamtsgemeinde Baisingen 90 Juden, damals gehörte jeder achte Baisinger zur jüdischen Gemeinde. An deren Spitze standen der Vorsteher Hermann Kahn sowie der Lehrer und Kantor Helmut Kahn. Die Schikanen der Nazis wurden damals immer drückender und drohender und mündeten in das Pogrom von 1938. Dies war der Höhepunkt der antisemitischen Ausschreitungen. Doch die schlichte barocke Baisinger Synagoge entging dem Feuer. Ihre unmittelbare Nähe zu Nachbarhäusern verhinderte, dass SA-Leute das Gebäude niederbrannten. Die Spuren jener Schreckensnacht sind auch heute noch in der Synagoge sichtbar, so Geppert. Das Innere der Synagoge wurde schwer verwüstet, zudem wurden die Einrichtungsgegenstände verbrannt und zerstört. Geppert berichtete auch von der Deportation der Baisinger Juden in die Konzentrationslager Theresienstadt. Nach dem Krieg wurde die Synagoge als Scheune genutzt. Nach der Gründung des Fördervereins Gedenkstätte Synagoge wurde die Einrichtung einer Gedenkstätte vorangebracht. Heute ist die Gedenkstätte gedenk- und Lernort. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) referierte in ihrem Festvortrag für den Zusammenhalt und wandte sich gegen das Vergessen dere damaligen Zeit. Die Baisinger Synagoge sei nicht zuletzt ein wichtiger Leuchtturm gegen das Vergessen in dunkler Zeit. Man könne die Geschichte der damaligen Zeit visuell erleben. Sie forderte dazu auf, gemeinsam gegen das Vergessen ein zustehen." 
Link zum Artikel   

 
  

Links und Literatur

Links:

bulletBaisingenlogo.jpg (22910 Byte)Website der Stadt Rottenburg am Neckar   
bullet Zur Infoseite des Fördervereins der ehemaligen Synagoge Baisingen  (interner Link)  
bullet Zur Seite über den jüdischen Friedhof om Baisingen (innerhalb der Homepage von Alemannia Judaica): hier anklicken  
bulletÜbersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Baisingen: pdf-Datei hier anklicken     

Quellen:    

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Baisingen  
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Baisingen sind vorhanden:    
J 386 Bü. 60 Baisingen  Geburten 1808 - 1875   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440237   
J 386 Bü. 61 Baisingen  Geburten 1808 - 1936   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440238   
J 386 Bü. 62 Baisingen  Eheschließungen 1823 - 1874  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440239     
J 386 Bü. 63 Baisingen  Eheschließungen  1856 - 1938  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440240   
J 386 Bü. 64 Baisingen  Sterbefälle 1822 - 1875   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440241  
J 386 Bü. 65 Baisingen  Sterbefälle 1855 - 1938   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440242   
J 386 Bü. 66 Baisingen  Familienbuch 1790 - 1875 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440393  
J 386 Bü. 67 Baisingen  Familienbuch 1757 - 1909  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440394       

Literatur:  

bulletPaul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 46-49.
bulletHans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau 25 (1981) S.36-43.
bulletNationalsozialismus im Landkreis Tübingen. Eine Heimatkunde (hg. vom Ludwig-Uhland-Institut Tübingen). 1988 S.311-348.
bulletFranziska Becker: Gewalt und Gedächtnis: Erinnerung an die nationalsozialistische Verfolgung einer jüdischen Landgemeinde. Göttingen 1994.
bulletFranziska Becker: Die nationalsozialistische Judenverfolgung in Baisingen, in: Der Sülchgau 32 (1988) S.169-192.
bulletKarlheinz Geppert: Vom Schutzjuden zum Bürger, in: Der Sülchgau 32 (1988) S.145-168.
bulletAbraham Gilam: Die historische Bedeutung der Megillat Baisingen. In: Bulletin des Leo Baeck Instituts 15 (1976). Neue Folge, Nr. 52, S.78-87, Edition S. 88-95.
bulletHubert Krins: Die Synagoge in Rottenburg-Baisingen, ihre Rettung und Erhaltung, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3/1995, S.91-98.
bulletders.: Baisingen – Zeugnisse jüdischen Lebens, Der Sülchgau 38 (1994).
bulletBaisingen Lit 08.jpg (35719 Byte)Karlheinz Geppert: Jüdisches Baisingen – Einladung zu einem Rundgang, Orte jüdischer Kultur. Haigerloch 2000.
bulletJoseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 64-66.  
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
bulletKarlheinz Geppert / Peter Ehrmann (Hrsg.): 750 Jahre Baisingen. Eine Gemeinde im Gäu auf dem Weg in die Gegenwart.  Rottenburg am Neckar 2009.  
bulletHubert Krins: Die ehemalige Dorfsynagoge zu Rottenburg-Baisingen. Gestalt, Funktion, Bedeutung. In: Sülchgau 38. 2009. 
bullet Synagogen Schwaben Lit 201605.jpg (66457 Byte)Benigna Schönhagen (Hrsg.) im Auftrag der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben: Wiederhergestellte Synagogen. Raum - Geschichte - Wandel durch Erinnerung. 136 S. 40 Abb. ISBN: 978-3-95565-141-1. 14,90 €  Verlag Hentrich & Hentrich Verlag Berlin www.hentrichhentrich.de; Informationen und Bestellmöglichkeit auf Verlagsseite 
In diesem Sammelband präsentieren erstmals elf Expertinnen und Experten aus dem Bereich der jüdischen Museen und Gedenkstätten Sanierungs- und Nutzungskonzepte, die im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren für Synagogengebäude entwickelt wurden, die die Zeit des Nationalsozialismus überdauert haben, aber ihrer Gemeinde beraubt wurden. Die Beispiele zeichnen den Bewusstseinswandel für den Umgang mit dem gebauten jüdischen Erbe in den letzten 30 Jahren nach und geben einen Überblick über die Entwicklung der nationalen Erinnerungs- und Gedenkkultur. Ein besonderes Augenmerk gilt der angemessenen Sicherung von Spuren der Geschichte in den Gebäuden wie den Möglichkeiten und Herausforderungen der musealen Arbeit und historischen Vermittlung an einem authentischen Ort.
Mit Beiträgen von Fritz Backhaus (Jüdisches Museum Frankfurt/Main), Ines Beese (Alte Synagoge Erfurt), Martina Edelmann (Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim), Daniela Eisenstein (Jüdisches Museum Franken), Karlheinz Geppert (Gedenkstätte Synagoge Baisingen: S. 32-42: Die Gedenkstätte Synagoge Baisingen), Felicitas Heimann-Jelinek (xhibit.at, Wien), Martha Keil (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, St. Pölten), Hanno Loewy (Jüdisches Museum Hohenems), Hansfried Nickel (Synagoge Memmelsdorf), Benigna Schönhagen und Souzana Hazan (Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben) 
 

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Baisingen  Wuerttemberg. The permanent settlement of Jews in Baisingen dates* from 1640, with Jews subjected to various restrictions and a heavy tax burden. In the 18th century, most were peddlers. Their economic situation improved somewhat in the 19th century, when efforts were made to find them more productive occupations. The Jewish population reached a peak of 235 in 1843 and declined steadily stereafter. Another 109 Jews in the neighboring village of Unterschwandorf were also part of the community but by 1869 only one was left there. In 1848 local gangs attacked Jewish homes, causing much damage. By 1933 the Jewish population stood at 86, with most engaged in the cattle trade. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA units vandalized the synagogue, cemetery, and Jewish homes. Subsequently, in the face of increasing economic and social isolation, emigration was stepped up and 60 jews managed to leave the country. All but a few of the others met their end after expulsion to the east in 1942. The Jewish cemetery was desecrated in 1949 and 1971.
  
   

                   
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Stand: 18. Mai 2020