Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weener (Kreis Leer, Ostfriesland) 
Jüdische Friedhöfe

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

Siehe Seite zur Synagoge in Weener (interner Link)    
  

Zur Geschichte der Friedhöfe     
 
Die alten Friedhöfe in Smarlingen   

1670 wurde den Juden des Rheiderlandes - Weener, Bunde und Jemgum - von der Fürstin Christine Charlotte erlaubt, einen eigenen Friedhof in Smarlingen bei Weener anzulegen. Bis dahin wurden die jüdischen Toten dieser Orte in Emden beigesetzt. In unmittelbarer Nähe dieses alten Friedhofes wurde später ein neuer Friedhof angelegt, der bis 1849 belegt wurde. Über den Zustand der beiden Friedhöfe in Smarlingen um 1925 erfährt man aus einem Bericht der Zeitschrift "Der Israelit" (siehe unten). Die beiden Friedhöfe sind erhalten. Die ältere befindet sich auf im Bereich des Grundstückes eines landwirtschaftlichen Gehöftes, der jüngere in etwa 300 m Entfernung inmitten von Wiesen. 
  
      
  
Der alte Friedhof in Weener 
  
1850 wurde ein Friedhof in Weener erstmals belegt. Das Grundstück war ein Geschenk der Brüder Isaak und Joseph Israels an die Gemeinde. Das Grundstück umfasst eine Fläche von 6,73 ar.    
 
Nach 1945 wurde der Friedhof instandgesetzt. 1950 wurden 93 Grabsteine gezählt, 1998 nur noch 71.  
  
    
  
Der neue Friedhof in Weener     
  
Ein neuer jüdischer Friedhof wurde 1896 erstmals belegt. Er wurde bis in die NS-Zeit belegt. Das Grundstück umfasste ursprünglich eine Fläche von 68,41 ar. In der NS-Zeit wurde der Friedhof geschändet. Etwa 38 Grabsteine wurden gestohlen.  
  
Nach 1945 wurde der Friedhof instandgesetzt. Das unbelegte Friedhofsgelände wurde vom Landesverband 1966/71 an Privatpersonen beziehungsweise an die Stadt zum Straßenausbau verkauft. Das noch erhaltene Friedhofsgrundstück umfasst 37,41 ar mit 67 Grabstellen und 17 Steinen. Die ehemalige Friedhofshalle wurde nach 1945 zeitweise als Wohnhaus verwendet.   
  
      
   
Aus der Geschichte der Friedhöfe   
 
Über die beiden alten Friedhöfe in Smarlingen (Bericht von 1925)    

Weener Israelit 03091925.jpg (255355 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Verfallende Friedhöfe. In Smarlingen, unweit der ostfriesisch-holländischen Grenze, befinden sich, durch einen Landstreifen getrennt, zwei alte jüdische Friedhöfe, die früher einmal den jüdischen Ansiedlern in den ostfriesischen Flecken Weener und Bunde als Begräbnisplätze gedient haben. Auf dem größeren (jüngeren) Friedhofe steht noch ein Dutzend Grabsteine aufrecht, fast alle übrigen sind schon von Moos überwuchert und kaum noch erkennbar. Nur selten scheint sich ein interessierter Jude nach diesem Gottesacker zu verirren, der bald verfallen sein wird wie der nördlich von ihm gelegene benachbarte Friedhof, ein kleines aufgeschüttetes Stückchen Land, das eher einem Düngerhaufen als einem Friedhofe ähnlich sieht und kaum noch die Spur seiner ehemaligen Bestimmungen aufweist. Nur ein einziger flachliegender Grabstein ist darauf zu entdecken, die übrigen Steine sind versackt, wenn nicht zu profanen Zwecken entfernt; jedenfalls wollten die in der Nähe wohnenden Landsleute durch Verwendung von Eisenstangen festgestellt haben, dass keine Grabsteine nahe der Oberfläche mehr vorhanden sind. Das Interesse an der Erwerbung dieses kleinen Fleckchens Erde, das doch überhaupt kein Friedhof mehr sei, scheint deswegen vorhanden zu sein, weil man scheinbar vergrabene Schätze vermutet, wie aus der gestellten Frage, ob den jüdische Toten früher wertvolle Gegenstände mit ins Grab gelegt seien, zu schließen ist. Diese Leute können mit ihrer ... natürlich kein Verständnis für die Heiligkeit dieser alten Stätten aufbringen und benutzen sie, jedenfalls ohne viel zu fragen und im Vertrauen auf die mangelnde Kontrolle, als Viehweide. Reste eines 'Boekfüers' zeigten, dass kürzlich noch Flammen darauf gelodert hatten. Der jüngere Friedhof wies auch Stellen auf, die auf Grabungen schließen lassen. Bei der Bestellung des benachbarten Feldes war übrigens festgestellt worden, dass auch in dem den Friedhof umgebenden Graben Begräbnisse stattgefunden haben, weil man daselbst auf Grabsteine gestoßen wäre. 
Es ist tief bedauerlich, das die Friedhofs-Kommissionen der erwähnten Gemeinden sich nicht um die Erhaltung dieser jüdischen Stätten bekümmern und die Plätze und Grabsteine verfallen lassen. Keine Mauer umgibt die Friedhöfe, und wenn nicht über kurz oder lang für Abhilfe gesorgt wird, werden sie in wenigen Jahrzehnten von der Bildfläche verschwunden sein. Ehrensache der zuständigen Gemeinden ist es, für Erhaltung der Friedhöfe Sorge zu tragen und die Hebung der Grabsteine zu veranlassen. Die Bekanntgabe der alten Grabstein-Inschriften an das Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin gehört heute mit zu den Pflichten der jüdischen Gemeinde-Verwaltungen. Und vielleicht haben auch die Landrabbinate ein gewisses Interesse daran, den Verfall der jüdischen Friedhöfe aufzuhalten? 
Ist nicht die Gleichgültigkeit gegenüber diesen altehrwürdigen Stätten ein Symptom für das einschlafende jüdische Interesse der einstmals blühenden Landgemeinden? Gleicht nicht das Bild solcher vernachlässigtem Totenstätten dem Bilde eines absterbenden Lebens?"    

  
  

Lage der Friedhöfe      
   
Die alten Friedhöfe liegen - im Abstand von etwa 300 m - bei Smarlingen.    
 
Der alte Friedhof in Weener liegt an der Graf-Ulrich-Straße (frühere Stapelmoorer Landstraße); Zugang vom Buchenweg.    
  
Der neue Friedhof in Weener liegt an der Graf-Edzard-Straße, Ecke Batelerweg.   

      

Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 4.8.2010)

Der zweite Friedhof 
(= der jüngere der beiden 
alten Friedhöfe) 
bei Smarlingen
Weener Friedhof A2 186.jpg (80831 Byte) Weener Friedhof A2 185.jpg (145640 Byte)
    Blick auf den inmitten von Wiesen liegenden Friedhof; der noch ältere Friedhof befindet sich auf einem Grundstück hinter dem benachbarten Hof (oben links des linken Bildrandes) Blick über den Friedhof
 
 
 
      
Weener Friedhof A2 183.jpg (137121 Byte) Weener Friedhof A2 170.jpg (154955 Byte) Weener Friedhof A2 172.jpg (175567 Byte)
Ansichten des von einem Drahtzaun umgebenen Friedhofes Die meisten Grabsteine sind umgestürzt, mehrere könnten ohne großen Aufwand wieder aufgerichtet werden
 
 
        
Weener Friedhof A2 174.jpg (147435 Byte) Weener Friedhof A2 176.jpg (124711 Byte) Weener Friedhof A2 177.jpg (122956 Byte)
Zwei umgestürzte Grabsteine, 
rechts daneben ein noch
stehendes Grabsteinfragment.
In der Mitte ein Grabstein, der 
- soweit lesbar - auf 5602 datiert 
(= 1841/42)
Hoher Grabstein für 
"Naftali Bar Nathan HaKohen" 
mit segnenden Händen der Kohanim (schwer erkennbar in der unteren Hälfte)
     
Weener Friedhof A2 178.jpg (137905 Byte) Weener Friedhof A2 182.jpg (139834 Byte) Weener Friedhof A2 181.jpg (132658 Byte)
In der Mitte ein Grabstein für 
Reis'che, 
die Frau des Mosche Bar Natan
Links Grabstein mit segnenden 
Händen der Kohanim, rechts
 Grabsteinfragment
Der noch ältere Friedhof befindet sich 
im Bereich des Grundstückes des 
rechts erkennbaren Bauernhofes
     
Weener Friedhof A2 171.jpg (153987 Byte) Weener Friedhof A2 179.jpg (122935 Byte) Weener Friedhof A2 184.jpg (117173 Byte)
Grabstein mit dem Sterbejahr 5534 
(= 1773/74)
Grabstein mit schöner floraler 
Ornamentik (unten geknickte Blume)
Grabstein für Riwka, die Frau des 
Nathan Bar Eisik
       
     
Der vierte (jüngste) Friedhof 
der Gemeinde
Weener Friedhof N2 270.jpg (141959 Byte) Weener Friedhof N2 296.jpg (146915 Byte)
  Der Eingang zum Friedhof 
vom Buchenweg 
Ansicht des weitgehend 
unbelegt gebliebenen Friedhofes
     
Weener Friedhof N2 271.jpg (137466 Byte) Weener Friedhof N2 273.jpg (149873 Byte) Weener Friedhof N2 275.jpg (148308 Byte)
 Weitere Ansicht des weitgehend 
unbelegt gebliebenen Friedhofes 
Ein Teil des unbelegten 
Friedhofsgeländes wurde abgetrennt 
und ist in Privatbesitz
 Grabsteine mit ineinandergelegten 
Hände als Zeichen der Liebe; linker 
Stein für Bertha Salomons
  
     
Weener Friedhof N2 274.jpg (145890 Byte) Weener Friedhof N2 276.jpg (140614 Byte) Weener Friedhof N2 272.jpg (197854 Byte)
 In der Mitte Grabstein für den 
Kaufmann Isaak Markreich  
Grab / Grabstein für die beiden zuletzt beigesetzten "Geschwister Lazarus": 
Samuel Lazarus (1887-1981) und Rosa Lazarus (1892-1971) aus Stapelmoor
          
Weener Friedhof N2 277.jpg (157879 Byte) Weener Friedhof N2 278.jpg (154947 Byte) Weener Friedhof N2 279.jpg (125673 Byte)
In der Mitte Grabstein für 
Moses Löwenstein (1828-1904)
Grabstein Mitte für 
Helene Hertz (gest. 1919)
Grabstein für Sara Salomons 
(1842 in Weener - 1919 in Weener)
     
Weener Friedhof N2 280.jpg (168316 Byte) Weener Friedhof N2 281.jpg (121486 Byte) Weener Friedhof N2 282.jpg (152711 Byte) Weener Friedhof N2 283.jpg (124603 Byte) Weener Friedhof N2 284.jpg (155603 Byte)
Grabstein für Abraham Grünberg
 (1846-1919) und Frauke Grünberg geb.
 Cohen (1850-1937) mit zusätzlicher
 Gedenkinschriftenplatte für das 
Schicksal der Kinder des Ehepaares 
und ihrer Familien 
Grabstein für den Kaufmann und
 bekannten plattdeutschen Heimatdichter
 Louis Israels (1854 in Weeners - 1922
 in Weeners); in der Nazizeit wurde der
 Begriff "Heimatdichter" auf dem
 Grabstein auszutilgen versucht.
Rechts Grabstein für 
Wilhelm de Vries
  
  
     
Weener Friedhof N2 285.jpg (158610 Byte) Weener Friedhof N2 286.jpg (139415 Byte) Weener Friedhof N2 287.jpg (154006 Byte)   
Grabstein für Samuel Gerson 
(1848-1929) und Gedenkinschrift für 
Aron Gerson mit zusätzlichen
 Inschriftenplatten
Grabstein für Benjamin Abraham de Jonge
 (1866-1927) und Erinnerung an die
 in Montreal beigesetzte Selma de Jonge
 geb. Hertz (1877-1952)
 
     
 Kleine Gedenksteine für weitere Personen, die auf dem Friedhof beigesetzt sind und deren Grabstein fehlt Weener Friedhof N2 288.jpg (184345 Byte) Weener Friedhof N2 289.jpg (183004 Byte)
     
        
Weener Friedhof N2 290.jpg (179866 Byte) Weener Friedhof N2 291.jpg (177679 Byte) Weener Friedhof N2 292.jpg (174873 Byte)
     
        
Weener Friedhof N2 293.jpg (180884 Byte) Weener Friedhof N2 294.jpg (182830 Byte) Weener Friedhof N2 295.jpg (184185 Byte)
     
        

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Weener    

Wikipedia-Artikel über "Jüdische Gemeinde in Weener"     

Zur Seite über die Synagoge in Weener (interner Link)    

Literatur:  

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen (Hrsg. von Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel). Bd. II Göttingen 2005 S. 1534-1544 (Abschnitt zu Wehner von Daniel Fraenkel).   
Hier finden sich S. 1543-1544 weitere Literaturangaben. 

      
 
 

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 16. August 2011