Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Aurich (Kreisstadt, Ostfriesland)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt 
  
Hier: Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Aurich wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 28.10.2014.  
       

    
   
Übersicht:

Allgemeine Beiträge  
Zu einer Veröffentlichung des Auricher Bürgermeisters Dr. Karl Anklam (1927/28)   
-  Aurich, eine jüdische Gemeinde mit Tradition (Beitrag von 1936)    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
-  "Toleranz" in Aurich (1840)    
-  Vorträge von Dr. B. Illowy aus Kollin in Aurich (1851)  
-  Ein orthodoxes jüdisches Gemeindeglied kandidiert bei den Bürgervorsteher-Neuwahlen (1860)    
-  Fasttag des Wohltätigkeitsvereins am Tag vor dem 1. Adar (1889)   
-  "Abfertigung" für den Antisemiten Danneil (1893)    
Gründung und erste Aktivitäten des "Literatur-Vereins" (1895)      
-  Feier zum 100-jährigen Bestehen des Israelitischen Frauenvereins (1902)    
-  Eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde wurde gegründet (1907)  
V
ortrag von Hauptlehrer Wolff im jüdischen Jugendverein "Corona" über die "Entwicklungsgeschichte der Synagogengemeinde Aurich" (1919)   
-  Erste Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereins (1921)  
-  Mitgliederversammlung des Talmud-Thora-Vereins (1925)  
4
0-jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereins Chewrah G'millus Chasodim (1927)   
-  Vortrag von Werner Wolff (1928) 
125-jähriges Bestehen des Israelitischen Frauenvereins (1928)    
-  Gemeindeversammlung des Jüdischen Jugendvereins Corona (1930)     
-  Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereins (1930)  
M
inna Wallheimer ist 40 Jahre Vorsteherin des Wohltätigkeitsvereins Malbisch arumim (1931   
-  Tagung der jüdischen Jugendverbände Ostfrieslands und des Emslandes in Aurich (1933)   
-  Eine Frauen-Arbeitsgemeinschaft der Agudas Jisroel-Ortsgruppe soll gegründet werden (1933) 
"Stunde der Thora" und andere Aktivitäten der Ortsgruppe der Agudas Jisroel (1934)      
-  Chanukka-Feier der Mädchen-Jugendgruppe des Agudas Jisroel (1936)  
Rauschchaudesch-Feier der Frauen- und Mädchengruppe der Agudas Jisroel (1936)   
-  Vortrag von Redakteur Selig Schachnowitz aus Frankfurt (1936)   
-  Rückgang der Gemeindemitgliederzahlen durch die starke Emigration - auch die Familie van Dyk verlässt Aurich (1938)     

     
     
Allgemeine Beiträge  
 
Zu einer Veröffentlichung des Auricher Bürgermeisters Dr. Karl Anklam (1927/28)   
Anmerkung: Bürgermeister Karl Anklam (Bürgermeister in Aurich seit 1924) versuchte dem auch in Ostfriesland immer stärker werdenden Antisemitismus entgegenzuwirken. Er pflegte mit der jüdischen Gemeinde ein gutes Verhältnis. 1927 verfasste er sogar eine Publikation zum Thema "Die Judengemeinde in Aurich" (Verlag J. Kauffmann, Frankfurt am Main, 15 Seiten). In der NSDAP-Presse wurde Anklam in der Folgezeit als "Judenknecht" diffamiert. 1933 wurde er aus dem Amt gedrängt. Der unten stehende Artikel wurde aus Anlass der Publikation von 1927 verfasst.   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1928: "Aus der Geschichte der ostfriesischen Juden. Von Jos. Heymann in Frankfurt am Main. 
Nur wenige Einzelheiten sind bisher über die Geschichte der Juden Ostfrieslands bekannt. Ob das Fehlen von diesbezüglichen Nachrichten auf einen Mangel an historischem Sinn bei den Juden Ostfrieslands zurückzuführen ist, bleibt eine Frage, der Untersuchung wert. Von allgemeinem Interesse dürfte es daher sein, wenn es gelingt, die Archivquellen zu erschließen, um so zur Bereicherung der wenigen Abhandlungen, die über die Juden Ostfrieslands bisher erschienen sind, beizutragen.    
Man darf es in unseren Kreisen besonders dankbar begrüßen - zumal in Zeiten des wogenden Antisemitismus wie heute - wenn ein Nichtjude zu jüdisch-historischen Fragen Stellung nimmt. Der jetzige Bürgermeister von Aurich, Herr Dr. K. Anklam, eine besonders menschen- und judenfreundliche Persönlichkeit, hat es unternommen, in seiner Abhandlung 'Die Judengemeinde in Aurich', Verlag J. Kauffmann, Frankfurt am Main, 15 S., die geschichtliche Entwicklung der Judengemeinde in Aurich, unter Berücksichtigung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse, seit ihren ersten Anfängen bis zur Gegenwart zu geben. Mit einer seltenen Liebe und Anhänglichkeit zum Gegenstand, wie es nur ein Judenfreund vermag, entledigt Anklam sich der gestellten Aufgabe. Unter Benutzung der vorliegenden Quellen des Staatsarchivs Aurich gibt der Verfasser unter Berücksichtigung der Gesamtgeschichte des Landes, dessen Hauptstadt Aurich von altersher ist, die erste zusammenhängende und in großen Strichen zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Juden in Aurich, in der ihm eigenen schlichten Art. Wenn sich auch alles um die Judengemeinde Aurich kristallisiert, so versteht es der Verfasser dennoch, von Zeit zu Zeit interessante Seitenblicke auf die Geschichte der Juden Ostfrieslands überhaupt zu werfen.    
Dass schon im 14. Jahrhundert der Regent Ostfrieslands italienische Juden erstmals zur Belebung des Handels nach Aurich kommen ließ, bleibt wohl eine Legende, die durch Urkunden nicht zu belegen ist. Jedenfalls ist aber aus der Gesetzgebung Edzard I., der im ostfriesischen landrecht schon 1515 Mischehen mit Juden verbot, klar zu erkennen, dass damals bereits Juden im lande waren. Und zwar sind es vornehmlich italienische, spanische und portugiesische Juden, die, wenn auch erst einige Zeit später, aus Italien über Amsterdam sich in Ostfriesland ansiedeln. Wenn es dafür der Belege bedarf, so sind dies nicht nur die Familiennamen wie z.B. von der Walde (spanisch silveira; van Dyk, Holland), sondern auch der Minhag Venezia, der heute noch in Aurich gilt. Auch sollen die Judentypen Italiens heute noch eine auffallende Ähnlichkeit mit denjenigen Ostfrieslands haben.  
Wie in manch anderen Gemeinden, so schloss sich auch die Judensiedlung in Aurich der Privilegierung eines einzelnen Juden als Hofjuden an. Die älteste im Staatsarchiv von Aurich vorhandene Urkunde ist aus dem Jahre 1592, von Graf Edzard II. aufgestellt. In chronologischer Aneinanderreihung erläutert der Verfasser die Judenschutzbriefe oder Generalprivilegien, auch sogenannte Geleitsbriefe, die alle von den ostfriesischen Fürsten für die in den verschiedenen Bezirken des Landes mit Namen bezeichneten Juden ausgefertigt wurden. S gibt er den Inhalt der Judenschutzbriefe (Generalprivilegien) wieder und zeigt, dass die regelmäßige Befristung dieser Schutzbriefe mit dem Zweckgedanken der wirtschaftlichen Nutzbarmachung des Judenregals ihren klaren Sinn empfängt.  
Bemerkenswert ist es, dass von Anfang des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine Familie das unbedingte Vertrauen des Fürsten genießt. Es ist die Familie des Hofjuden Aaron Abraham Beer. Diese Familie vereinigt viele, viele Generationen hindurch die Funktionen eines Hofjuden, Parnaß, Rabbi und Richter. Unbegrenztes Vertrauen schenkte der Fürst diesem Hofjuden, seine Vermittlung in Darlehenssachen wird als eine besonders lobenswerte bezeichnet, auch zu besonders vertraulichen Verhandlungen nahm man gerne Glieder dieser Familie in Anspruch. Als 1710 Beschwerden der Krämergilden gegen den Hofjuden Ahron Abraham Beer eingehen, weist der Fürst jedes Mal die Beschwerdeführer ab.   
Das Argument, welches in seiner Angelegenheit Beer vorträgt, nämlich, 'dass in Ostfriesland die mit Geleit versehenen Juden und in specie in dieser Stadt Aurich in unvordenklicher Posession des freien Handels und Wandels sich jederzeit befunden haben', erwies sich also als durchschlagend.   
Aus einem Schutzbrief des Jahres 1740, der dem Hoffaktor Levi Beer, einem Urahnen meiner väterlichen Familie, von dem damaligen Fürsten Ostfrieslands, Carl Edzard, ausgestellt worden ist, geht hervor, dass Beer den ehrenden Auftrag erhielt, nach der Stadt Amsterdam zu reisen, um von dort einen Kasten Silbergeschirr nach Aurich zu bringen. Diese Ergänzung aus unserer Familienchronik dürfte einen weiteren Beweis erbringen für das unbegrenzte Vertrauen, das man fürstlicherseits dieser jüdischen Familie schenkte und das diese Familie auch in ihrem ganzen Ausmaße zu würdigen wusste.   
Der Verfasser versteht es, mit besonderem Geschick die rechtlichen und sozialen Beziehungen der Juden, wie sie sich in den ihm vorgelegenen Dokumenten widerspiegeln, in ihrem inneren Zusammenhang zu beleuchten, um dann auf die Entwicklung der Eidesformel kurz einzugehen. Von zwei Taufen hören wir, u.a. von der eines 'Rosche' Salomons.  
Auch seit dem Erlöschen des ostfriesischen Fürstenhauses 1744 und dem Beginn der preußischen Entwicklung änderte sich grundsätzlich wenig. Es gibt 'geleitete Juden' und nicht speziell privilegierte Juden. Eine merkwürdige Tatsache, die sich nicht recht motivieren lässt, ist diejenige, dass die Juden in Aurich bis 1764 ihre Toten in Norden beisetzen mussten. Auch das Edikt Josef II. von 1781 änderte nichts am Schicksal der Juden, im Gegenteil, selbst die erweiterten Betätigungsmöglichkeiten im Handwerk blieben ihnen verschlossen.  
Interessant ist es, wie der Verfasser eine angeblich in Aurich vorgekommene Ritualmordgeschichte auf ihren Ursprung hin verfolgt und nachweist, wie sich ihre ganze Entstehung nur aus der missverstandenen Passahgeschichte herleitet. Der Verfasser zeigt, dass die Juden ebenso vaterländisch gesinnt sind, wie die anderen Bürger, wie sie trotz aller Fortschritte ihrer Rechtslage die Fremdherrschaft Napoleons drückend empfanden und sich im Freiheitskriege gegen das Joch Napoleons dank ihrer vaterländische Gesinnung auflehnten, wie ein Jahrhundert später im Weltkriege 13 Juden der Gemeinde Aurich den Tod für das Vaterland erlitten. Das wissen auch die Behörden zu würdigen. In dem Herzen der jüdischen Gemeinde zu Aurich pulsiert noch frisches, gesundes Blut, denn sie hält an den Überlieferungen ihrer Väter treu fest, und die Vorstände der Gemeinde haben seit Jahrhunderten ihre ganze Kraft der Gemeinde nur 'lischmoh' (für seinen Namen = für Gott) zur Verfügung gestellt. Dieser gesunden inneren Entwicklung entspricht es, dass der äußere Verlauf der Geschichte der Juden in Aurich in der neueren Zeit sichtlich kein besonders bewegter ist und so schließt der Herr Bürgermeister seine Geschichte mit den von Herzen kommenden Worten: 'Die hiesige jüdische Gemeinde verbindet ein festes Band unter sich, und treues Festhalten an ihren religiösen Gewohnheiten, ihre innere Beständigkeit wird, wie sie das bisherige Gemeindeleben in sicheren Bahnen verlaufen ließ, auch ihre Zukunft verbürgen.'   
Nur wer das Büchlein selbst zur Hand nimmt, wird zu würdigen verstehen, was der Verfasser geleistet hat. Möge es recht viele Leser finden, ,mögen aber auch andere Bürgermeister und sonstige Behörden sich diese ihre Juden ehrende Tat zum Vorbild nehmen."     

  
   
Aurich, eine jüdische Gemeinde mit Tradition (Beitrag von 1936)    
Anmerkung: der nachfolgende Beitrag wurde von Redakteur Selig Schachnowitz nach seinem Besuch in Aurich Anfang November 1936 (siehe Bericht unten) verfasst.      

Aurich Israelit 10121936.jpg (142556 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1936: "Aurich, eine Gemeinde mit Tradition.  
Das Reisen ist eine Lust - wenn man 'viel Geld in seinen Beutel tut' und auch die Nerven dafür hat, um im Oberbette des Schlafwagens oder auf dem weichen Polster der zweiten Klasse im Schlafe die Entfernungen zu überwinden. Was den Berichterstatter betrifft, so zählt er zwar ansonst zu der 'Holzklasse des Lebens', allein mit dem weichen Polster ließ es sich dieses Mal machen. Es ist eine eigene Sache, so durch die Hunderte von Kilometern zu träumen, um mit Morgengrauen in einer ganz neuen Welt aufzuwachen - gekennzeichnet durch die endlose Ebene, durch die sich bewegenden Flügel der Windmühlen, durch die ziegelroten Häuser und Häuschen, die das Dach wie eine Nachthaube tief bis zu den Fenstern gestülpt haben, durch schlanke, blonde, blauäugige Menschen, die sich in einem uns fast unverständlichen Platt laut unterhalten.  
In Emden, wo unsere D-Zug-Fahrt ihr Ende erreicht, sind trotz der frühen Morgenstunde Freunde an der Bahn, die mich an das kleine Züglein weitergeben. Noch eine kurze Notlandung auf einer Station, die keinen Bahnhof hat und auf den exotischen Namen Abelitz hört und in einer knappen halben Stunde Fahrt durch den grauen Dunst des Morgens sind wir am Ziele der Reise, in Aurich.  
Ein schöner langer Freitagabend und ebenso schöner kurzer Spätherbstsabbat verfliegt unter lieben Menschen im gastlichen Vorsteherhause wie im Traume. Die Synagoge ist abends wie morgens voll gefüllt und der Gottesdienst geht unter Leitung eines routinierten melodienreichen Chasan und vortrefflichen Baalkore in Andacht und Anstand vor sich. Das Hauptgebet wird mit Psalmen eingeleitet und es schließen sich ihm andere Psalmen und eigene Nachgebete an. Denn Aurich ist eine Gemeinde mit Traditionen, an denen festgehalten wird, und auch einer alten Geschichte.      
Aurich Israelit 10121936a.jpg (132965 Byte)Man führt die Uranfänge der Gemeinde auf das 16. Jahrhundert zurück. Emigranten aus der Judengasse in Venedig sollen sie gegründet haben. Manche Bräuche und Riten weisen heute noch auf Italien zurück, und besonders phantasiebegabte Besucher der Auricher Synagoge glaubten sogar altitalienische Typen in den Bankreihen zu entdecken...   
Ihren straffen Rahmen erhielt die Gemeinde im 17. Jahrhundert von Frankfurt am Main aus; mit der Einwanderung von Abrahams Beer. Er kam 1680 nach Aurich, wurde Hofjude der ostfriesischen Fürsten, zugleich Landesparneß und Oberrabbiner von Ostfriesland. Andere Namen guter Frankfurter sind in den Auricher Akten aus der damaligen Zeit zu finden. Fast im gleichen Jahre wanderten die Ahnen von Samson Raphael Hirsch aus Frankfurt nach Altona aus, von wo der große Spross später den Weg über Oldenburg und Emden nach der früheren Heimat fand. Die Beers stellten dann eine ganze Dynastie von Hofjuden, Landesparnassim und Oberrabbinern in einer Person. Der letzte, Isaak Beer, starb zwar nicht mehr als Oberrabbiner von Ostfriesland (das Oberrabbinat wurde 1813 nach Emden verlegt), aber immerhin noch als Landesparneß und Oberrabbiner von Aurich im Jahre 1826. Der Schwiegersohn des letzten Landesparneß, Isaak Beer, Samuel Calmer Heymann (siehe Bild), wirkte als hochgeachteter und verdienstvoller Vorsteher der jüdischen Gemeinde Aurich, sowie als Leiter des gesamten Armenwesens in Ostfriesland bis zum Jahre 1883, da er im Alter von 92 Jahren abbe- 
Aurich Israelit 10121936b.jpg (673197 Byte)berufen wurde. Unter der Sonne des Fürstenhauses der Edzard konnte die Gemeinde gut gedeihen. Es gab zuweilen auch Leiden und Sorgen. Von einem Ritualmordprozess um 1650 melden die Akten, der aber gut ausging, von einer kleinen Friedhofsschändung in Norden, wo auch die Auricher ihre Toten begrüben. Diese kleinen Schatten vermochten die Aufwärtsentwicklung nciht aufzuhalten. Als eine Gemeinde von blühender Gesundheit und Geschlossenheit steuert sich Aurich durch die preußische, holländische und napoleonische Ära bis in die neue Zeit tapfer hindurch. Die Auricher Juden liebten den Heimatboden und trugen das Joch der französischen Fremdherrschaft nicht weniger schwer als die anderen; ihrer welche standen sogar unter den Fahnen der Freiheitskämpfer. Eine Treue, die die Auricher Juden auch im Weltkriege bewahrten und von der auch eine Gefallenen-Gedenktafel mit einem Dutzend Namen an der Türe der Synagoge Zeugnis ablegt.
Übrigens ist die Synagoge selbst ein Denkmal der engen Verbundenheit der Auricher Juden mit der Heimat. 1810 wurde mit Hilfe der Fürsten und der Einwohnerschaft der Grundstein zum Tempelbau gelegt und im September konnten die heiligen Rollen in großem Festzuge aus dem Hinterhause der Beers, wo bis dahin der Gottesdienst abgehalten wurde, in den neuen einfachen, aber schönen und nach den Gesetzen strenger Sachlichkeit ausgeführten Bau überbracht werden. Es war ein Festtag für die ganze Stadt und Umgebung, der Tag der Einweihung. In gedruckten, künstlerisch ausgeführten Einladungen an die Stadtväter und Spitzen der Behörden, wie in polizeilichen Verhaltungsmaßnahmen, in Erwartung des Andrangs der Festgäste aus allen Teilen der Bevölkerung, im Auricher Stadtarchiv ist die Feststimmung verewigt wie eine alte verklungene Melodie auf Wachsplatten.  
Zum hundertsten Jubiläum der Synagoge 1911 wurde sie gründlich renoviert und erweitert. Von der Kanzel dieser Synagoge hat sechs Jahre lang, von 1841 bis 1847, der Landrabbiner Samson Raphael Hirsch zu seiner Gemeinde gesprochen. Er kam, wie heute noch die Auricher mit Stolz erzählen, gern und oft in diese seiner größten Bezirksgemeinden und mancher seiner ewigen Hochgedanken mag hier in der stillen Beschaulichkeit der rund um die schmucken roten Häuschen herum blühenden Gärten seine letzte Reife erhalten haben.   
Der unvergessliche Benjamin Wolff, der ein Menschenalter hier als Führer und Lehrer der Großen und Kleinen wirkte, fing als Achtziger an, die Auricher Minhagim (Gebräuche) nach Tag und Woche niederzuschreiben, um sie der Vergessenheit zu entziehen. Man zeigte mir das saubere Heft mit den mir so vertrauten schonen und jugendlich sicheren Schriftzeichen. Bis 'Nizowim Wajelech' reichen die Aufzeichnungen. Die zwei genannten Wochenabschnitte stehen noch als Titel in Quadratschrift da und harren des Inhaltes... Hier fiel dem jugendlichen Greise die Feder aus der Hand. 'Nizowin' Halt! denn 'Wajelech', der treue Hüter dieser Traditionen ging von dannen... 
Andere werden die Lücke ausfüllen. Wir sprechen es als Hoffnung in weitestem Sinne aus...
Heute noch zählt die Auricher Gemeinde etwa 500 Seelen bei knapp 7000 Einwohnern, also ungefähr 7 Prozent der Bevölkerung. Die Auswanderung hat ihr keine wesentlichen Lücken geschlagen, obwohl die wirtschaftliche Lage sich auch hier bemerkbar macht. Alle Institutionen der Gemeinde sich noch so intakt wie zu ihrer Glanzzeit. Eine eigene jüdische Volksschule wird von einem zielbewussten Lehrer geleitet, der auch den Predigerdienst versieht. Ein zweiter Beamter, der den Gottesdienst versieht, genießt wegen seiner Thoragelehrsamkeit große Achtung. Vereine dienen der Wohlfahrt und sorgen für geistige Anregung. Der Sabbat leuchtet noch weihevoll zwischen den geschlossenen Läden und würzigen Sabbatduft ausströmenden Häusern auf der Straße (nur zwei offene Geschäfte stören leider seit einiger Zeit das Bild). Kurzum eine Gemeinde, die noch alle Attribute einer alten guten Kehilla aufweist. Zu diesen gehören bekanntlich auch ein wenig Streit und Hader, Zwistigkeiten zwischen Familien, die sich oft erblich übertragen, kleine Unstimmigkeiten auch zwischen einem Teile der Gemeinde mit der geistigen Leitung. Aber all dieses sitzt nicht sehr tief. Die Differenzpunkte sind nicht so verwickelt, dass sie sich nicht bei gutem Willen auf beiden Seiten beseitigen lassen könnten. 
Denn gerade dies, dass die gleichgültigen, verwaschenen Gestalten, wie sie heute in größeren und kleineren Gemeinden Friedhofsfrieden wahren, hier von kernigen, auch knorrigen und eigenwilligen Menschen ersetzt werden, macht ja das Besondere tiefer alten Gemeinde aus. Hier gibt es noch Typen von Eigengepräge, die man lieben und achten muss. Nciht überall findet man Vorsteher, die so treu zu ihrer Gemeinde hatlen, nciht überall jenen Kaufmann, der sich selbst einfacher Viehhändler nennt und nie aus den Gauen Ostfrieslands herausgekommen ist, der den Hirschkommentar wie die anderen Schriften des Meisters fast auswendig beherrscht und allsabbatlich seine 'Thorastunden' mit der Jugend abhält. Viele Gemeinden könnten Aurich um jene bereits bekannte Minna Wolff beneiden, die die weibliche Jugend um sich herum hat, um sie für die Agudaideale zu entflammen. Man könnte noch mehr Typen und markante Gestalten dieser Art nennen; eine Galerie von Originalen, die sich als Friedhofswächter nicht eignen, mit denen aber im tätigen jüdischen Leben schon etwas anzufangen wäre. 
Am Sonntag geht es nach Emden. Emden liegt auch in Ostfriesland. Will sagen, dass es auch hier nicht an geistigen Bestrebungen und Gegenbestrebungen, an Eigenwillen und Eigenwegen fehlt. Es gibt Charakterköpfe in Fülle, prächtige Greise, die die alten Traditionen hüten und stürmende Jünglinge, die sich weniger traditionsgebunden fühlen. Eine jüdische Urkraft rauscht unter der Oberfläche des weiten ostfriesischen Landes. leider ist aber das ostfriesische Judentum für die volle, unabdingbare Jüdischkeit noch nicht erobert. Und zuweilen scheint es uns, als warteten diese einfachen, innerlich frommen Menschen nur der Eroberer..."         
Zwei Abbildungen sind beigegeben von: 
1. Salmuel Calmer Beer, der Schwiegersohn des letzten Landesparnes Isaak Beer, wirkte in Aurich als Vorsteher der jüdischen Gemeinde und Leiter des gesamten Armenwesens in Ostfriesland und starb, 92-jährig, 1883. 
2. Benjamin Wolff führte seine Heimatgemeinde Aurich als Lehrer und Prediger über 50 Jahre lang und starb im Alter von bald 81 Jahren Ende August 1934.   
Dazu ist eine Gedicht von Schalom Ben-Chorin zum Chanukkafest abgedruckt: "Die Lichter".    

      
      
      
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
 
 
"Toleranz" in Aurich (1840)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. März 1840: "Toleranz in Aurich
Zu Anfange des Februar dieses Jahres tritt eines Abends der in Ruhestand versetzte hiesige Senator Cramer in die, sich im Wirtshause 'zum schwarzen Bären' versammelnde Gesellschaft. Kaum eingetreten mischte er sich in die Gespräche der Anwesenden und erzählte: es habe sich jetzt endlich ein christlicher Kaufmann (namens Enner) zur Errichtung einer Lichtfabrik, gemeldet, welchem auch vom Magistrate die Konzession erteilt worden sei. 'Es ist mir gelungen', fügte er hinzu, 'die Sache so lange zu verzögern, bis ein Christ sich meldete; denn zwei Juden (Wolff und Hartog), welche sich schon seit länger, denn Jahresfrist, um jene Konzession beworben hatten, wollte ich diese nicht geben, da das Geschäft zu einträglich für Juden ist. - Die Sache spricht zu klar, als dass sie noch einer Erläuterung bedürfte."         

    
Vorträge von Dr. Bernhard Illowy aus Kolin in Aurich (1851)    
Anmerkung: Dr. Bernhard Illowy (geb. 1814 in Kolin, Zentralböhmen, gest. 1871 in Foster's Crossing, Ohio, USA), hatte - nach dem Biographischen Handbuch der Rabbiner Bd. I,1 S. 468 - Rabbinerschulen in Kolin und Pressburg besucht, an der Universität Pest promoviert und schließlich am Rabbinerseminar Padua studiert. Nachdem er auf Grund seiner Beteiligung an der Revolution 1848 auf Seiten der tschechischen Aufständischen aus Österreich fliehen musste, kam er nach Deutschland, wo er sich 1850 um das Landesrabbinat in Kassel bewarb. Danach war er auf Vortragsreisen unterwegs, bis er schließlich in die USA auswanderte, wo er in verschiedenen Gemeinden als Rabbiner tätig war (Philadelphia, Baltimore, Syracuse, New Orelans, Cincinatti).   

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 24. Oktober 1851: "Ostfriesland. Aurich, den 20. Oktober (1851). 'Quod verum, simplex sincerumque est, id est naturae hominis aptissimum' sagt Cicero ('was wahr, einfach und aufrichtig ist, das ist der menschlichen Natur am angemessensten'). Wenn nun die Wahrheit von Mendelssohn dahin definiert wird, dass sie 'Übereinstimmung sei zwischen Worten und Gedanken, zwischen Zeichen und bezeichneter Sache', so müssen wir bescheiden Zweifel hegen, wenn wir zuweilen in manchen Zeitungsnachrichten lesen von 'ausgezeichneten Kenntnissen, dem Schmucke oratorischer Wohlberedetheit' und ähnlichen Zeichen. Doch an die gegebene Definition halten wir uns, und haben wir unsererseits in allen der Öffentlichkeit zu übergebenden Korrespondenzen und Abhandlungen, diesem Prinzip treu zu bleiben, uns zur Pflicht gemacht, so wie es auch in folgenden Zeilen geschieht. - 
Auf seiner Durchreise verweilte hier, während des Sukkotfestes Herr Dr. B Illowy aus Kollin. Und wir hatten die Freude, zwei Vorträge desselben zu hören. Am ersten Sukkottage hielt derselbe eine Rede, die, nach homiletischen Regeln geordnet, eine passende Midrasch-Stelle geistreich und treffend erklärt, in einer schönen, bilderreichen und poetischen Sprache, welche die Aufmerksamkeit jedes Zuhörers fesselt. In fließender und gewandte Rede legte er die schönsten und erhabendsten Lehren unserer Religion dar, sodass jeder gerührt und erbaut das Gotteshaus verließ. Am Schemini-Azeret hielt derselbe eine Derascha (Predigt), welche nach einer schönen Einleitung den Gebrauch der Arba-Minim und des Schemini-Azreth-Festes symbolisierte, in blumenreicher Sprache die religiösen Mängel und Gebrechen unserer Zeit berührte, und mit der Ermahnung schloss, das von unseren Vätern überkommene teure und heilige Erbe auch unsern Kindern rein und unverfälscht zu hinterlassen. Auch dieser religiöse Vortrag hatte sich des allgemeinen Beifalls zu erfreuen. Wir schließen mit dem innigsten Wunsche, dass Herr Dr. I. einen Wirkungskreis finden möge, den er sowohl wegen seiner talmudischen Gelehrsamkeit und seiner wissenschaftlichen Bildung, als auch hinsichtlich seiner konservativ-religiösen Gesinnung und seines leutseligen und freundlichen Wesens in vollem Maße verdiente."           

   
Ein orthodoxes jüdisches Gemeindeglied kandidiert bei den Bürgervorsteher-Neuwahlen (1860)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1861: "Aurich, 25. Dezember (1861). Bei den jüngst hier stattgehabten Bürgervorsteher-Neuwahlen wurde von der (regierungsfreundlichen) Minorität ein orthodoxer Jude als Kandidat aufgestellt."        

   
Fasttag des Wohltätigkeitsvereins am Tag vor dem 1. Adar (1889)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1889: "Aurich, 3. Februar (1889). Am Tag vor dem 1. Adar (= 1. Februar 1889) dieses Jahres feierte der hiesige neuorganisierte Wohltätigkeits-Verein statutengemäß seinen jährlichen Fasttag. Am Nachmittage hielt unser Oberlehrer und Prediger D. Fink in der schön erleuchteten Synagoge eine einstündige Gedächtnisrede auf unseren ehemaligen Landrabbiner, den nunmehr verklärten Rabbiner Samson Raphael Hirsch. Mit gewohnter Meisterschaft schilderte der Redner zunächst das Leben und Wirken des großen Mannes und erläuterte an der Hand schwieriger Bibel- und Talmudstellen den großen Verlust, den ganz Israel durch das Hinscheiden dieses Geisteshelden zu beweinen hat. Hierauf trug der erste Vorsteher des genannten Vereins Herr M. Leers, ein noch sehr rüstiger Greis von 78 Jahren, der aber mit jugendlicher Frische und mit ganzer Hingabe seines oft äußerst schwierigen Amtes waltet, das Nachmittagsgebet für Jom Kippur Katan (Erklärung) vor, und die Nacht war bereits angebrochen, als die Schar der Andächtigen das Gotteshaus verließ.   
Am Abend dieses Tages vereinigte sich eine stattliche Anzahl Vereinsmitglieder im hiesigen Wolffs'schen Lokal zu einer recht schon arrangierten Seuda Mizwa (Festmahl aus dem gebotenen Anlass), bei welcher auch ein 'Wörtchen Tora' zur Geltung kam. Herr Gemeindevorsteher Bankier A.J. Cohen, der sich für alles Edle und Gute in der Gemeinde begeistert, und der bei der Gründung den Verein mit einer Spende von 200 Mark bedachte, brachte den ersten Toast auf den Vorstand aus. Ihm erwiderte Lehrer B. Wolff als Mitglied des Vorstandes, für die Worte der Anerkennung dankend und zugleich hervorhebend, dass der Vorstand auch fernerhin bestrebt sein werde, den Verein allen Anfeindungen zum Trotz auf der Höhe zu halten. Sein Glas galt dem Gedeihen des jungen Vereins. Es wurde noch manches gute und fröhliche Wort gesprochen und der Verein mit beträchtlichen Spenden bedacht. Erst um Mitternacht trennten sich die Teilnehmer mit dem Bewusstsein, einen ernsten und doch zugleich fröhlichen Tag verlebt zu haben."          

   
"Abfertigung" für den Antisemiten Danneil (1893)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1893: "Aurich, Mitte Januar (1893). Eine glänzende Abfertigung hat der handwerksmäßige Antisemitenapostel Danneil am 5. dieses Monats durch Herrn Rabbiner Dr. Fink aus Aurich erfahren. Danneil wollte über den 'Talmud im Judentum und jüdische Kampfesweise sprechen.' Nach seinen Ausführungen könnte man zwar die heutigen Juden nicht für alles, was in dem 16 Bände starken Talmud enthalten sei, verantwortlich machen. Dieser enthalte sogar manches Löbliche. Allein die furchtbare Waffe in den Händen der Juden sei der Schulchan Aruch, (!!!) den Karo zu Krakau abgefasst und den die Rabbinersynode daselbst im Jahre 1868 als das unverbrüchliche Gesetz ausgegeben, nur dürfe ein Jude bei Vermeidung der Ächtung nichts gegen Christen davon verraten. Schulchan Aruch gebiete Verhöhnung der christlichen Kirche. Beweis: Der Jude J. hatte am Weihnachten geputzte Tannenbäume im Schaufenster. Christen müsse man ausbeuten, daher die übergroßen Reichtümer bei Juden. Moses Bleichröder - vor 50 Jahren Hausierer zu Krotoschin - heute - dessen Nachkommen 9 Millionen stark. Da die reichen Juden nach den großen Städten drangen und die Kommunallasten der zurückbleibenden Bevölkerung überließen, so müsse man ihnen 50 % des Vermögens abnehmen, um es zu 3 % in der Provinzialbank festzulegen. Mit wüstem Geheul trug er so in schnellem Trabe eine Anzahl angeblicher Gesetze vor, eins schrecklicher als das andere. Mit siegesfroher Miene sich niederlassend, mochte er kaum ahnen, welch ein erbärmliches Ende seinem Vortrag waren sollte. Herr Dr. Fink erhob sich zu einer etwa zweistündigen Rede aus dem Stegreif. Schon seit 20 Jahren dem Talmudstudium obliegend, dachte er hier manchen unbekannten Aufschluss zu hören. Welche Enttäuschung für ihn, da Danneil von 16 Bänden des Talmuds sprach. Das sei für ihn die unumstößliche Gewissheit, dass er den Talmud noch nie gesehen. Der sogenannte Schulchan Aruch sei ihm nicht einmal dem Namen nach bekannt. Er konstatiere feierlichst, Danneil könne nicht einmal hebräisch lesen. Auch die Probe sollte es handgreiflich beweisen. Danneil war nicht in der Lage, ein ihm vorgezeigtes hebräisches Buch richtig zu benennen, noch nach vorherigen Aufforderung durch Herrn Rabbiner Dr. Fink. eine Zeile nur zu lesen, geschweige zu übersetzen. Wenn er jüdische Kampfesweise vernichten wolle, so erlaube sich Dr. Fink zu fragen,        
Aurich Israelit 19011893a.jpg (406578 Byte)ob etwa die Danneils christlich wäre? Was würden wohl die Antisemiten beschimpfende Prädikate zur Hand haben, wenn ein sogenannter Judenjunge das Neue Testament öffentlich brandschatzte, ohne eine Zeile öffentlich lesen zu können? Als eine Erniedrigung müsse er es betrachten, mit Danneil überhaupt sich einzulassen, er tue es, um den ungeheuerlichen Behauptungen auch den letzten Schimmer von Berechtigung zu entreißen. Karo soll in Krakau einen Schulchan Aruch abgefasst haben? Soviel Worte, sowie Unwahrheiten. Das Werk heißt Schulchan Aruch von Karo zu Zafet (Safed) im 16. Jahrhundert abgefasst. Die Vorschriften des Schulchan Aruch sind weder für ihn, noch irgend einen gläubigen Juden bindend, wenn sie nciht nachweislich im Talmud begründet sind. Der Talmud ist aber auch nicht ein abgerissen dastehendes Lehrgebäude des Raubes für die Juden, sondern eine Sammlung von Gesetzen und Auslegungen, welche sich an das Alte Testament anschließen. Kein Talmudist könne auch nur mit einem Buchstaben der Bibel widersprechen. Wer den Talmud besudelt, der tut es auch mit dem Alten Testament, welches doch mit die Grundquelle des christlichen Glaubens ist. Im Talmud komme nicht einmal der Name Christ vor, da sein Inhalt, wenn auch später niedergeschrieben, doch hauptsächlich in vorchristliche Zeit falle. Selbst die römischen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte erwähnen nur selten der Christen, weil deren Gemeinschaft damals politisch keine Bedeutung hatte, welche Veranlassung sollten dazu die Talmudisten haben, welche in Persien ohne Beziehung zu Christen lebten? Wie können ehrliche Christen den Talmud angreifen, da dessen Autoren zugleich Lehrer der Evangelisten und Apostel waren! Bekennt sich doch Paulus (Apostelgeschichte 22,3) als Schüler Gameliels, warum verrät er nicht, dass Gameliel ihn zu rauben, plündern, betrügen gelehrt? Die Lehren der Bergpredigt und die meisten neutestamentarischen Gleichnisse finden sich als in ihrer ursprünglichen Quelle im Talmud und den  Midraschim, was schon daraus zu beweisen sei, dass hier neben diesen Stoffen auch gleichzeitig der Schriftvers angeführt ist, aus dem sie hergeleitet werden.
Diese Auffassung bekennen auch ehrliche protestantische Theologen. Unter gespannter Aufmerksamkeit vertieft Redner drei längere Briefe eines evangelischen Geistlichen, welche seine Behauptung bestätigen. Danneil sucht die Verlesung der Briefe zu verhindern, das Publikum jedoch verlangt dringend die weitere Verlesung. Den tatsächlichen Inhalt der Ausführungen über Talmud und Schulchan Aruch erklärt Herr Dr. Fink als eine fortlaufende Unwahrheit vom Anfang bis zum Ende. Er legt dem gegenüber auf Grund der bezüglichen Stellen aus Maimonides, die er gern zu Protokoll geben möchte, die Stellung des Judentums zu Andersgläubigen dar. Redner weist mit Nachdruck darauf hin, dass wir denselben nicht gleich andern die Seligkeit ab-, sondern ausdrücklich zusprechen. Selbst Heiden gegenüber müsse man alle Werke der Barmherzigkeit und Liebe üben in gleichem Maße wie gegen Juden.    
Wenn ein Jude Weihnachtsbäume mache, so könne er selbst es nicht billigen und müsse es dem Betreffenden überlassen, mit seiner eigenen Person dafür einzustehen. Hat denn dieser Herr seine Weihnachtsbäume etwa im Auftrage der Judenheit oder nur der jüdischen Gemeinde hierselbst ausgeschmückt? Wie fern gerade den Juden irgendeine Verletzung der christlichen Religion liege, könne er tatsächlich beweisen. Schon mehr als sieben Jahre bei der streng gläubigen christlichen Familie des Malers Otto Fangmann zu Aurich wohnend und mit derselben freundschaftlichen Verkehr pflegend, möge jedermann feststellen, ob er je deren Religion ach nur um ein Haar breit zu nahe komme. Er werde vielmehr in jedem Jahre zur Teilnahme an der Weihnachtsfeier eingeladen, sollten gläubige Christen da tun, wenn sie auch nur ahnten, dass er ihre Religion missachte? Wenn die maßgebenden Politiker es als zum Wohle des Vaterlandes dienlich erachten sollten, dass man 50 % des Kapitals zu 3 % festlege, so hätte er gegen diese Maßregel nichts einzuwenden, nur müsste man christliches und jüdisches Kapital in gleicher Weise heranziehen. Er will in Bezug auf Patriotismus keinem Deutschen auch nur um ein Haar breit nachstehen. Wie sein religiöses Empfinden durchaus jüdisch, so seien seine patriotischen Gefühle absolut deutsch. Mit aller Entschiedenheit verwahre er sich gegen die Unterstellung, nciht deutsche Gesinnungen zu gehen. Gerade von diesem Standpunkt müsse jede Ausnahmemaßregel gegen Juden mit Empörung zurückgewiesen werden. Eine schwache Minderheit zu Gunsten einer starken Mehrheit unter gewaltsamen Maßregeln benachteiligen, das ist Raub. wie komme er als evangelischer Theologie dazu aufreizen zu wollen? 
Beweise Danneil von Bleichröder das riesenmäßige Anwachsen des jüdischen Kapitals, dann beweise er von Krupp das noch ungeheuer größere des christlichen. Dass viele Juden nach den großen Städten zögen, stehe zwar fest, allein es geschieht nicht aus Übermut, sondern vorzüglich aus Nahrungssorgen. Das platte Land entvölkere sich immer mehr in Folge der gesetzlichen Freizügigkeit. In Berlin laufen unzählige Arbeitslose umher, während die ostpreußischen Junger stets über Mangel an Arbeitern klagen. Das Gesetz, welches diese Missstände heraufbeschworen, hätten Juden nicht gemacht, sie seien aber zuallererst bereit, ihre Kräfte anzustrengen,     
Aurich Israelit 19011893b.jpg (133080 Byte)wo es sich handelt, allgemeine Mängel abzustellen. In Emden, wie in ganz Ostfriesland gäbe es keinen einzigen Juden, der 500.000 Thaler besitze, gab's auch in den letzten 100 Jahren keinen, wie komme Danneil dazu, für die nächsten 40 Jahre 9 solcher Männer zu prophezeien? Zum Schluss übergehend, behält Redner sich jedoch vor, nach Danneil sofort wieder das Wort ergreifen zu dürfen, um die neuen Unwahrheiten gleich richtig stellen zu können. Dr. Fink erklärt nunmehr die angebliche Rabbinersynode zu Krakau als ein Märchen, ebenso das vorgebliche Haften der Juden für einander. Er selbst sei bereit, das vorgebliche Geheimgesetz des Schulchan Aruch ins deutsch zu übersetzen, nur müsse man ihm zunächst einen willigen Verleger dafür namhaft machen.  
Danneil, der sich hinter Rohlinge verschanzt, wird auch hierin mit wuchtigen Hieben abgetan, nciht besser ergebt es ihm, als er sich hinter Ecker versteckt. Endlich versteigt er sich zu der Lächerlichkeit, die Professoren Nöldecke, Delitzsch und Wünsche für geborene Juden zu erklären, womit er natürlich nicht weniger hineinfüllt. Nun nimmt Danneil in seiner peinlichen Not Zuflucht zu Professor Lazarus, Berlin, dem er eine antisemitische Resolution unterschiebt.  
Es entspinnt sich nunmehr zwischen Herrn Dr. Fink und Dr. Danneil ein heißes Wortgefecht, welches damit endet, dass Danneil veranlasst wird, die angeblichen Worte des Prof. Lazarus zu Protokoll zu geben. Inzwischen ist Herr Rabbiner Dr. Fink mit Prof. Lazarus in Verbindung getreten, um die Nichtigkeit der angeblichen Äußerungen des Dr. Daneil feststellen zu können. Nachdem die Antwort eingegangen sein wird, werde ich mir erlauben, Ihnen das Weitere zu berichten."       

 
Gründung und erste Aktivitäten des "Literatur-Vereins" (1895)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Januar 1895: "Aurich, im Januar (1895). Nachdem Herr Hauptlehrer Reuß gelegentlich einer Predigt in der Synagoge nach bewährtem Muster die Gründung eines Literatur-Vereins auch für hier empfahl und kurz nachher vor einer zu diesem Zwecke versammelten Gesellschaft seine Idee näher klarlegte, wurde ein solcher jüngst ins Leben gerufen. Die Versammelten, etwa 40 an der Zahl, sagten einstimmig ihren Beitritt zu, worauf alsdann ein Vorstand gewählt und als dessen Vorsitzender der Herr Lehrer Heinrich Reuß gewählt worden ist. Es ist auch bereits ein Vereinsstatut entworfen, nach welchem vorläufig einmal wöchentlich Lese- und einmal monatlich Vereins-Abende veranstaltet werden. Am 26. dieses Monats, also am 4. Abend Chanukka hielt der Verein seinen ersten Leseabend ab. Herr Reuß eröffnete die Versammlung durch eine kurze, aber zweckentsprechende Ansprache, indem Redner besonders darauf hinwies, dass es bei dem heutigen Glaubenskampfe für uns von besonderer Wichtigkeit sei, mindestens in unserer eigenen Geschichte und über deren Hauptereignisse genau Bescheid zu wissen etc. etc. Es folgte alsdann ein Vortrag des Herrn Lehrer Wolff über den Talmud. Hierauf wurden Gedichte und einige Zeitungsartikel vorgelesen und besprochen. Der nächste öffentliche Vereinsabend soll am 6. Januar dieses Jahres veranstaltet werden, für welchen Herr Hauptlehrer Reuß als Thema einen Vortrag über Moses Mendelssohn zu halten beabsichtigt, Herr Lehrer Wolf dagegen seine noch nicht beendigten Erklärungen aus dem Talmud weiter fortsetzen wird."                 

 
Feier zum 100-jährigen Bestehen des israelitischen Frauenvereins (1902)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Februar 1902: "Aurich, 16. Februar (1902). Am ersten und zweiten Tage des Adar feierte die hiesige Gemeinde das hundertjährige Bestehen des israelitischen Frauenvereins. Unter der Regierung der ostfriesischen Fürsten bestand in Aurich eine kleine Gemeinde, die nur ein kümmerliches Dasein fristete, und nicht einmal einen eigenen Begräbnisplatz besaß, sodass alle jüdischen Leichen auf dem Friedhofe der Nachbargemeinde Norden beerdigt werden mussten. Im Jahre 1744 starben die ostfriesischen Fürsten aus, und Ostfriesland fiel an Preußen. Unter der Herrschaft der preußischen Könige vergrößerte sich die jüdische Gemeinde, die sich wiederholt vergebens um Erlangung eines Friedhofes bemühte. Als aber gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Seuche in hiesiger Stadt ausbrach, an der auch einige unserer Glaubensgenossen dahinstarben, da erlaubte man, dass diese Leichen eine Ruhestätte in unmittelbarer Nähe unserer Stadt finden durften, und nun erst erhielten unsere Vorfahren auf ein erneutes Gesuch die Erlaubnis zur Anlegung eines eigenen Begräbnisplatzes. Mit diesem Momente erstand der Frauenverein, der anfangs ohne Statuten wirkte; unter Anführung und Leitung des sel. Rabbiners Oppenheim indes erhielt der Verein am 1. Adar 5562 seine Satzungen, die noch heute dessen Grundlagen bilden. Die hundertjährige Wiederkehr dieses Tages wurde in der Gemeinde festlich begangen. Zunächst hatten der Gemeindevorstand alles getan, um die religiöse Feier in der Synagoge am Schabbos Rosch-Chodesch sinngemäß auszugestalten: das schöne Porauches für die Jomim Hanauroim, ein Geschenk des Frauenvereins, schmückte den Aron Hakodesch (Toraschrein) und aus dem so genannten Weiber-Sefer wurde geleinet. Die Synagoge erstrahlte im vollen Lichterglanze und Herr Reuß hielt eine treffliche Festpredigt, die Allen zu Herzen ging. Am folgenden Tage aber versammelte sich die Gemeinde im „schwarzen Bären“ zu einer kleinen Jubelfeier. Eingeleitet wurde dieselbe durch eine Ansprache des Herrn Lehrers Wolff, der an der Hand einiger Namen den Lebenslauf des Vereins wirkungsvoll schilderte. Bei Tische sprachen Herr Landrabbiner Dr. Löb, der zum Feste eigens von Emden herübergekommen war, Herr Hauptlehrer Reuß, sowie der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr v. Dyk. Aufführungen, Vorträge und Frohsinn hielten die Festteilnehmer bis zu den frühen Morgenstunden in animierter Stimmung zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurden dem Verein durch Herrn Bankier Jakob Wolff – Frankfurt a.M. und Herrn Bankier Wertheim – Marburg a.L. namhafte Summen zu Wohltätigkeitszwecken überwiesen"    

   
Eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde wurde gegründet (1907)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1907: "Aurich, 7. April (1907). Wie alljährlich Herr Landrabbiner Dr. Löb aus Emden durch seine bei den Inspektionsreisen gehaltenen äußerst wirkungsvollen Predigten das hiesige Gemeindeleben in echt jüdischem Sinne beeinflusst und es diesem Umstand nicht zum geringen Teil zu danken ist, dass der Sabbat hier noch in althergebrachter Weise gehalten wird, so hat derselbe durch eine Anregung in seiner diesmaligen vortrefflichen predigt bewirkt, dass sich hierselbst eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde mit vorläufig 28 Mitgliedern gebildet hat. Der Vorsitz liegt in den bewährten Händen des Herrn Jakob Bargebuhr, dessen eifrigem Bemühen es gelingen wird, den Verein noch weiter auszubauen."        

     
Vortrag von Hauptlehrer Wolff im jüdischen Jugendverein "Corona" über die "Entwicklungsgeschichte der Synagogengemeinde Aurich" (1919)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Februar 1919: "Aurich, 14. Februar (1919). In dem jüdischen Jugendverein 'Corona' sprach am Sonnabend Herr Hauptlehrer Wolff im vollbesetzten Saale des 'Deutschen Hauses' über das Thema 'Altes und Neues über die Entwickungsgescichte der Synagogengemeinde Aurich'. In einem fast zweistündigen Vortrage schilderte der Redner das Entstehen und allmähliche Wachsen eines jüdischen Gemeinwesens in unserer Stadt unter den Grafen und Fürsten von Ostfriesland und konnte dabei seine Ausführungen mit Urkunden im Original belegen. Besonderes Aufsehen erregte das Generalprivileg für die Judenschaft von Ostfriesland vom 22. September 1808, das sich im Besitze des Synagogenvorstehers Herrn A. van Dyk hier befindet. Der Redner schloss seine Darbietungen mit dem Jahre 1811, in welchem die Synagoge vollendet und eingeweiht wurde, und versprach, die weitere Entwicklungsgeschichte in einem späteren Vortrag zu Ende zu führen. Die interessanten Darbietungen fanden ein aufmerksames Publikum, das dem Redner reichen Beifall wollte."     


Erste Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereins (1921)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1921: "Aurich, 12. Februar (1921). Der neu gegründete Talmud Thora-Verein hielt zum ersten Male seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht und konnte mit Befriedigung feststellen, dass der Verein die auf ihn gestellten Hoffnungen voll erfüllt habe. Die verschiedenen Vorträge und Schiurim, welche in höchst anregender Weise von Herrn Hauptlehrer Wolff und Herrn Lehrer Goldschmidt abgehalten werden, erfreuen sich nach wie vor eines regen Besuches. Weiter machte der Vorsitzende die erfreuliche Mitteilung, dass die als Wohltäter bekannte Familie Josef Hess und Frau, geborene Hildesheimer, eine Josef- und Else Hess-Stiftung gemacht haben. Mögen noch recht viele diesem schönen Beispiel folgen."            

     
Mitgliederversammlung des Talmud-Thora-Vereins (1925)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1925: "Aurich (Ostfriesland), 29. Juni (1925). Auf Veranlassung des Talmud-Thora-Vereins hatte sich eine große Anzahl Mitglieder am Sonntag, den 1. Juni, zu einer Besprechung zusammengefunden. Die bisherigen regelmäßigen Schiurim, bestehend aus Lehrvorträgen, erfreuten sich eines guten Besuches von Seiten der Erwachsenen. Es bestand aber immer schon der Wunsch, unsere Jugend zum aktiven Lernen heranzuziehen mit dem Endziel, sich selbst weiterbilden zu können. Zu diesem Zwecke sollten neue Lehrkurse eingerichtet werden. Herr Hauptlehrer Wolff sowohl als auch Herr Lehrer Wetzler erklärten sich freudig dazu bereit, die neuen Schiurim des Talmud-Thora-Vereins zu übernehmen., forderten aber auch die Jugend auf, sich inniger zusammenzuschließen und ersuchten ganz besonders die Eltern, ihren ganzen Einfluss dahin geltend zu machen, dass namentlich die schulentlassene Jugend sich den Bestrebungen des Talmud-Tora-Vereins anschließen möge, damit die jüdische Gemeinde Aurich (wörtlich: Heilige Gemeinde) auch weiterhin ihren guten Ruf behalte und fernerhin die Jugend erfüllt bleiben möge vom Geiste wahrer Jüdischkeit. Anschließend folgte eine Aussprache über Methodik und Ziel des Unterrichts. Unterricht wird in zwei Abteilungen von den beiden genannten Lehrern erteilt, und zwar am Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag abends nach Maariw je eine Stunde. Außerdem am Schabbat mittags von 12 - 1, nachmittags von 4 - 5 und 6.30 - 7.30 Uhr abends. Unterrichtsfächer sind: Mischna, Raschi, Newiim, Tefilo, Mikro, Dinim, letztere am Sabbat Nachmittag 2-3 Uhr durch den Synagogenvorsteher Herrn A. van Dyk ab Hand des Kizzur Schulchan Aruch und Lektüre. Die Schiurim erfreuten sich bereits eines guten Besuches. Möge es den Lehrern und dem Vorstande des Talmud-Thora-Vereins gelingen, auch in Aurich einen Kreis junger, toraerfüllter Menschen heranzuziehen, welche wahre Bürgen sein können für die Aufrechterhaltung der altehrwürdigen Institutionen und Gebräuche innerhalb der jüdischen Gemeinde Aurich."       

   
40-jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereins Chewrah G'millus Chasodim (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 28. Januar 1927:       


Vortrag von Werner Wolff (1928)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1928: "Aurich, 27. Februar (1928). Herr Werner Wolff hielt am Freitagabend Paraschat Schekalim (sc, der Schabbat Schekalim war am 18. Februar 1928, d.h. der Vortrag am Abend des 17. Februar 1928) in dem bis auf den letzten Platz besetzten Gemeindesaale einen Vortrag über '*Die Erschaffung der Welt und die neuere Naturwissenschaft.' Dem herrlichen Vortrage folgte man mit größtem Interesse, und es gelang dem Redner in seiner dreiviertelstündigen Ausführung das Sein aus dem Nichts und den Ursprung der Tora vom Himmel mit wissenschaftlicher Klarheit und Gründlichkeit zu beweisen."         

      
125-jähriges Bestehen des Israelitischen Frauenvereins (1928)
     

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 10. Februar 1928: "Aurich (Jubiläum des Frauenvereins). Der hiesige Israelitische Frauenverein konnte kürzlich auf ein 125-jähriges Bestehen zurückblicken und feierte dieses Ereignis unter Teilnahme vieler hiesiger und auswärtiger Gäste. Landrabbiner Dr. Blum, Emden, hielt beim Gottesdienst eine eindrucksvolle Ansprache und hob besonders das Verdienst aller um die Entwicklung des Vereins bemühter Frauen hervor. Auswärtige Frauenvereine hatten ihre Vertreterinnen entsandt, die die Glückwünsche ihrer Auftraggeber übermittelten. Frau Wallheimer richtete als Vorsitzende des festgebenden Vereins herzliche Begrüßungsworte an die Teilnehmer; es folgten dann Aufführungen einiger von Frau E. Wolff verfasster Stücke und Überreichung von Ehrenurkunden an die Mitglieder, die 40 oder 50 Jahre und länger dem Vereine angehörten. Die Lehrer Lachmann und Moses hatten sich um die Ausgestaltung des Festabends mit großem Eifer bemüht und lösten ihre Aufgabe zur besten Zufriedenheit aller Anwesenheit".            

 
Gemeindeversammlung des Jüdischen Jugendvereins Corona (1930)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1930: "Aurich in Ostfriesland, 10. März (1930). Die Gemeindeversammlung des Jüdischen Jugendvereins Corona bot wiederum ein anschauliches Bild der Einigkeit und der Interessen für den Verein. Nachdem der Vorsitzende, Herr Siegfried David Wolff, auf die Notwendigkeit, sowie auf die von Erfolg gekrönte Tätigkeit des Vereins hingewiesen, erstattete Herr Gustav Katz, 1. Schriftführer, einen ausführlichen Kassenbericht, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Große Anerkennung fand auch der Bericht des Kassierers, Herrn Leo G. Wolff, der es verstand, auch in schwerer Zeit den Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Festgestellt wurde ferner, dass die neugegründete Turnabteilung sich regen Zuspruchs erfreut und hat dieselbe ihr Können bereits in der Öffentlichkeit bewiesen. Herrn Lehrer Moses wurde in Anbetracht seiner Verdienste um den Verein eine Vereins-Nadel vom Vorsitzenden überreicht. Die Neuwahl ergab eine einstimmige Wiederwahl des Vorstandes, für ein ausscheidendes Vorstandsmitglied wurde Herr Jonni Wolff gewählt. Nachdem bereits im vorigen Jahre einige Vorträge gehalten, wurde zum Schluss besonders darauf hingewiesen, noch mehr für das geistige Wohl der Mitglieder zu tun, zu erstreben und zu erwirken. Talmud Thora im Derech Erez, religiöse und soziale Bildung in ihrer sich gegenseitig ergänzenden Geltung, zu unserer Erziehung und Lebensvollendung, zum Wohle des Judentums."       

  
Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereins (1930)          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1930: "Aurich, 19. Juli (1930). In der heute abgehaltenen jährlichen Generalversammlung des Talmud Thora-Vereins erteilte der Vorsitzende zunächst den Jahresbericht und stellte mit Befriedigung fest, dass der Verein im abgelaufenen Jahre seine Aufgaben voll erfüllt habe. Die von Herr Lehrer Wolff abgehaltenen Schiurim in Raschi und Mischna erfreuen sich nach wie vor eines regen Besuches dank der klaren, tief durchdachten Erklärungen, die Herr Wolff seinen Themen zugrunde legt. Ganz besonders sind es die Raschi-Stunden, die uns wahre Freude machen, weil er es so meisterhaft versteht, immer wieder neue Perlen aus dem tiefen Schatz der Tora zu heben.   
Nicht minder sind es die von Herrn Lehrer Lachmann erteilten Schiurim in Schulchan Aruch und Mikro, die sich eines regen Besuches erfreuen. Der letztere fand sonst nur im Winter statt, wird aber dieses Jahr auch im Sommer ununterbrochen abgehalten, nicht zum mindesten, weil Herr Lachmann es versteht, den Unterricht so schmackhaft zu gestalten, sodass sich immer mehr Mitglieder einfinden. Die besondere Bedeutung der Tätigkeit des Vereins liegt darin, dass nicht nur Vorträge stattfinden, sondern mehr Wert auf aktives Lernen gelegt wird mit dem Ziel, einen jeden in den Stand zu setzen, sich selbständig immer mehr auszubilden. In der darauf folgenden Aussprache wurden verschiedene Anregungen gegeben, die das große Interesse an dem Verein bekundeten, sodass wir mit Beruhigung uns sagen können, einen festen Stamm Lernbegieriger und Freunde der Thora in unserer Gemeinde dank den Bestrebungen des Vereins zu besitzen."        

     
Minna Wallheimer ist 40 Jahre Vorsteherin des Wohltätigkeitsvereins Malbisch arumim (1931)       

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 21. Januar 1931:  "Aurich (Jubiläum). Als erste Vorsteherin des hiesigen Wohltätigkeitsvereins Malbisch arumim beging Fräulein Minna Wallheimer ihr vierzigjähriges Jubiläum, die ihr Amt stets gewissenhaft und pflichteifrig führte, Beweise der Anerkennung und der Dankbarkeit gegeben."         

 
Tagung der jüdischen Jugendverbände Ostfrieslands und des Emslandes in Aurich (1933)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1933: 
"Tagung der jüdischen Jugendverbände Ostfrieslands und Emslands. 
Aurich
, 11. Juni (1933). Der Vorsitzende des Jugendbundes Aurich eröffnet die Tagung und begrüßt die Erschienenen. Er verliest eine am Vormittage in der Delegiertenversammlung angenommene Resolution, die unter Berücksichtigung der politischen Ereignisse folgendes beschließt: 
'Erstens: die gruppenweise Einrichtung von Kursen zur Erlernung von Sprachen, in erster Linie Neuhebräisch und Englisch. 
Zweitens: die gruppenweise Einrichtung von Kurzen zur Schnellerlernung der Grundlagen verschiedener Handwerkszweige. 
Drittens: die gruppenweise Einrichtung sportlicher Kurse zum Zwecke der weiteren körperlichen Ertüchtigung des Jungjudentums.  
Vorerst beschränkt sich die Arbeitsgemeinschaft auf die Überwachung dieser drei Ziele.' - Diese Resolution wurde von den Delegierten der Vereine Aurich, Esens, Leer, Papenburg und Wilhelmshaven angenommen. Hiernach werden die Erschienenen noch von Herrn Lehrer Moses, zugleich im Namen der Ortsgruppe Aurich des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und von Herrn Jacob Wolff, dem Vorsitzenden der Gemeinde Aurich begrüßt. Dann ergriff Herr Landrabbiner Dr. Blum, Emden, das Wort zu seiner Vortrage über das Thema: 'Situation und Aufgabe der jüdischen Jugend im jetzigen Deutschland'. Redner beleuchtete die gegenwärtige Situation. Am meisten leidet unter all den Zurücksetzungen die Jugend. Sie muss sich daher ernstlich mit dem Gedanken der Berufsumschichtung und Auswanderung, in erster Linie nach Erez Jisrael, vertraut machen, um jedoch die größere seelische Not zu beheben, hat die Jugend eine dreifache Aufgabe: 1. Selbstachtung, 2. Zusammenschluss, 3. Pflege jüdischen Wissens, jüdischen Empfindens und jüdischen Lebens. Wir dürfen nicht neutral sein, wie wir es früher waren, sondern müssen und gesamtjüdisch betätigen; und zwar in subjektivem und objektivem Sinne.
Die lebhafte Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Frage, wie das in der Resolution vorgesehene Sofortprogramm durchgeführt werden könne. Zu diesem Zwecke wurde die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendvereine Ostfrieslands und Emslands gegründet und Herr Ino Weinberg, Esens, einstimmig zum Führer gewählt. Herr Weinberg übernahm sogleich mit Energie die Tätigkeit; sein erstes Bestreben wird es sein, die vorhandenen Jugendvereine zu konsolidieren und zeitgemäß umzugestalten und neue zu gründen, damit in unserem Bezirke eine neue jüdische Jugend erwachse, die die Zeichen der Zeit versteht und ihrer ungeachtet aufrecht und stolz, zielbewusst und selbstischer durchs Leben wandeln will."           

    
Eine Frauen-Arbeitsgemeinschaft der Agudas Jisroel-Ortsgruppe soll gegründet werden (1933)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1933: "Aurich, 25. Dezember (1933). Am Sonntag, den 3. Dezember veranstaltete die Agudas Jisroel-Ortsgruppe Aurich einen Werbevortrag zur Gründung einer Frauen-Arbeitsgemeinschaft. Als Referentin war Frau Max von der Walde gewonnen worden. Die Rednerin verstand es in glänzender Weise, die Problematik des jüdischen Frauenlebens im Sinne der Agudas Jisroel darzustellen. Der Vorsitzende der Aguda Aurich, Herr Simon Samson, trug durch seine ausgezeichneten Worte dazu bei, dass die Veranstaltung einen interessanten Verlauf nahm. Herr Kurt Lypold, Emden, entwickelte sodann die organisatorischen Seiten der Arbeit, sodass sich etwa 40 Fragen zur Mitarbeit an dieser Arbeitsgemeinschaft verpflichteten."      

   
"Stunde der Thora" und andere Aktivitäten der Ortsgruppe der Agudas Jisroel (1934)     

Aurich Israelit 18011934.jpg (86136 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1934: "Aurich, 17. Januar (1934). Die hiesige, ca. 40 Mitglieder starke Ortsgruppe der Agudas Jisroel entfaltet eine lebhafte Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten. Der Leiter unserer Ortsgruppe, Herr Simon Samson, hält an jedem Freitag-Abend eine 'Stunde der Thora', in der neben Erklärungen zur Sidra (sc. Wochenabschnitt aus der Tora) kleinere Vorträge aus dem religiösen Leben geboten werden. Der unter Leitung von Herrn Lehrer Lachmann an jedem Sonntag stattfindende Dinim-Schiur für Damen erfreut sich eines großen Zuspruches und regesten Interesses. Außerdem werden unsere Kleinen, Mädchen und Knaben, gesondert, in Einzelkursen zum Wissen der Thora geführt, wobei sich Frl. Minna S. Wolff als Lehrende für Mädchen besondere Verdienste erwirkt. Den Erfordernissen der Zeit Rechnung tragend unterrichtet außerdem Herr Igler aus Emden Kinder und Erwachsene in Neuhebräisch. - Am 7. dieses Monats hielt der bekannte Interpret agudistischer Grundsätze, Herr Landesrabbiner Dr. de Haas, Oldenburg, vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen Vortrag über 'Awdus und Cherus', der den Zuhörern eine Stunde tiefster Weihe verschaffte und ihren Hoffnungen auf die Zukunft eine freudige Belebung zuteil werden ließ. Starker Beifall dankte dem glänzenden Redner für den erbaulichen Nachmittag."     

 
Chanukka-Feier der Mädchen Jugendgruppe der Agudas Jisroel (1936)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1936: "Aurich (Ostfriesland), 29. Dezember (1936). Unter dem Motto 'Aguda-Jugend feiert Chanukka' veranstaltete die hiesige Mädchen-Jugendgruppe der Agudas Jisroel unter der bewährten Leitung von Frl. Minna Wolff und Herrn Igler, Emden, eine Chanukka-Feier für die Gemeinde, deren Erlös für die Jüdische Winterhilfe bestimmt war. Am Samstag und Sonntag fanden die Vorstellungen im Restaurant Wolff statt. Beide Male war das Haus voll besetzt, sodass ein ansehnlicher Betrag dem wohltätigen Zwecke zufließen konnte. Mit Chorgesang und Anzünden der Lichter begann die Feier, es folgten sodann Vorträge, Gedichte, Theaterstücke sowie ein Sprechchor, der einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Die Kinder hatten sich die größte Mühe gegeben und die Besucher kamen gewiss auf ihre Kosten. Ganz besonderes Interesse fand das Theaterstück 'Elias sendet einen Traum', in dem unsere jüdischen Feiertage uns so recht im Bilde gezeigt wurden; auch der Sprechchor 'Was hört man aus Erez Jisroel' war eine Glanzleistung wie auch 'Der weite Weg' die große Anzahl der Zuhörer in Bann hielt. Am Schlusse sprach der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel, Herr Simon Samson, allen Beteiligten den herzlichsten Dank für das gute Gelingen aus, und überreichte Frl. Minna Wolff für ihre mühevolle Arbeit in der Mädchengruppe ein schönes Angebinde. Die Rede fand großen Beifall. Wir dürfen uns wohl der Hoffnung hingeben, dass es auch an weiteren Erfolgen nicht fehlen wird."           

   
Rauschchaudesch-Feier der Frauen- und Mädchengruppe der Agudas Jisroel (1936)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1936: "Aurich, 20. Oktober (1936). Die seit einigen Wochen hier bestehende Frauen- und Mädchengruppe der Agudas Jisroel veranstaltete gestern Abend eine Rauschchaudesch-Feier (Feier zum Monatsbeginn), zu welcher Frau Grete v.d. Walde, Emden, erschien und durch einen sehr schön gehaltenen Vortrag die zahlreich Erschienenen erfreute. Auch Frau Louis Wolff trug durch gesangliche Darbietungen zur Verschönerung des Abends bei. Durch die rege Tätigkeit in der Gruppe wuchs die Zahl der Mitglieder inzwischen auf 76."      

 
Vortrag von Redakteur Selig Schachnowitz aus Frankfurt (1936)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1936: "Aurich, 10. November (1936). Für unsere alte, in sich geschlossene Kehilla war es ein Ereignis, dass wir Herrn Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt am Main, als Gast in unserer Mitte hatten und seinen vorträgen lauschen durften. Am Sabbatnachmittag fesselte er die vollzählig mit Frauen und Kindern in der Synagoge erschienene Gemeinde mit einem historischen Referat über die Geschichte der Juden in Ostfriesland und speziell die Geschichte der Auricher Kehilla, die Errichtung ihrer Synagoge vor 125 Jahren, die Wirkungszeit von Samson Raphael Hirsch und ihre weitere Entwicklung bis zur Neuzeit. Der Vortrag war eingerahmt von Gesängen des Aguda-Kinderchors, und so hatte die Veranstaltung schon beinahe den Charakter eines feierlichen Festgottesdienstes.
Am Abend war der Andrang im Restaurant Wolf so groß, dass die Räume die Menge nicht mehr fassen konnte. Hier sprach der Redner über die aktuellen Agudaprobleme und die jüdischen Fragen des Tages. Die sachliche Berichterstattung über die Verhandlungen in Marienbad wuchs sich unter der Hand zu einer großen Schau über alle Sorgen und Leiden des jüdischen Volkes in der Gegenwart aus, wobei der ideologische Gehalt der Agudas Jisroel, ihre organisatorische Konstruktion und ihre politische Maßnahmen seit Marienbad, um sich den Anteil an der Lösung der jüdischen Fragen im Geiste der Thora zu sichern, deutlich an den Tag trat. Einige Fragen des Herrn Lehrer Moses und eines jüngeren Teilnehmers sowie Ansprachen der Herren Simon Samson und van Dyck gaben noch Anlass, die Grenzen zwischen Agudas Jisroel auf der einen und Zionismus und Misrachi auf der anderen Seite klar aufzuzeigen. Auch diese Veranstaltung war durch Gesänge der Pirche Agudas Jisroel, die hier unter der bekannt bewährten Leitung von Frl. Lina Wolffs stehen, eingeleitet. Der Abend war von Herrn Simon Samson vortreffliche eingeleitet, und es schloss sich ein gemütliches Beisammensein an, das die Gemeinde fast bis zur Mitternacht in echter Feststimmung verband."      

  
Rückgang des Gemeindemitgliederzahlen durch die starke Emigration - auch die Familie van Dyk verlässt Aurich (1938)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1938: "Aurich, 20. Juni (1938). Die immer weiter fortschreitende Auswanderung zeitigt außer dem ziffernmäßigen Verlust auch qualitative Lücken, die dann besonders spürbar sind, wenn durch den Fortzug von Familien für das Wohl der Gemeinden wertvolle Förderungs- und Aufbaukräfte verloren gehen. Ein solcher Verlust ist, wenn es sich um Vorsteher von Gemeinden und ihrer Institutionen handelt, gerade in heutiger Zeit, in der es an hierfür geeigneten Persönlichkeiten mangelt, besonders empfindlich. Der gestrige Sabbat war Zeuge eines solchen Abschieds in der einst so blühenden Gemeinde Aurich von einer der ältesten jüdischen Familien, der Familie des im Jahre 1934 verstorbenen fast 40 Jahre tätig gewesenen ersten Vorstehers Abraham van Dyk - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, dessen Gattin mit der Familie des Sohnes, des Vorstehers Herrn Karl van Dyk, Aurich verlässt. In einer zu Herzen gehenden Ansprache würdigte der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Jacob Wolff, die Verdienste seines scheidenden Kollegen, mit dessen Abgang eine alte Tradition, nach der das Amt des Vorstehers seit fast einem Jahrhundert im Hause dieser Familie verblieb, ihr Ende findet. Zur bleibenden Erinnerung wurde Herrn Karl van Dyk ein schön gelungenes, großes Lichtbild vom Innern des Gotteshauses überreicht. - In der am Nachmittage von dem ersten Vorsitzenden der Agudas Jisroel, Herrn Simon Samson abgehaltenen Stunde der Thora würdigte der Genannte eingehend die Verdienste des Hauses van Dyk und dankte dem Scheidenden für seine Treue und Hingabe im Dienste der Gemeinde. Der Abend wurde im Talmud-Thora-Verein begangen, dessen Vorsitzender nach dem Tode seines Begründers dessen Sohn Herr Karl van Dyk war. Herr Karl Jonas Wolff verabschiedete sich von letzterem und dankte ihm in warmen Worten für die Tätigkeit, die er auch diesem Verein gewidmet hatte. In bewegten Worten dankte der Scheidende zugleich im Namen der Familie, die stets nur ihre Befriedigung in der Tätigkeit für die Gemeinde empfunden habe und wünschte das Beste für ihr weiteres Bestehen. - Ein Blatt in der Geschichte der Auricher Gemeinde ist wieder einmal abgeschlossen."         

     
     
      

      

      

      

      

 

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Stand: 30. Oktober 2014