Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wachenheim an der Weinstraße (früher: Wachenheim an der Haardt; Landkreis Bad Dürkheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Über den Judenpogrom 1343    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen       
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Wachenheim (1341 zur Stadt erhoben) lebten Juden bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Eine Ritualmordbeschuldigung in der Umgebung war die Ursache, dass die Juden der Stadt am 19. April 1343 verbrannt wurden. Wenige Jahre später wurden im Zusammenhang mit der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 erneut Juden in Wachenheim ermordet. 1511 wurden gegen Bezahlung hoher Steuern zwei Juden in der Stadt aufgenommen: der Arzt Samson Vivls Sohn aus Speyer für 10 Jahre und der Jude Manes mit Familie. 1500/1510 werden zwei nach Wachenheim benannte Juden in Worms genannt. Mit "Wachenheim" war damals sicher nicht Wachenheim an der Pfrimm gemeint. Seit dem 16. Jahrhundert bestand der jüdische Friedhof am Ort. 

Im 18. Jahrhundert werden 1722 acht, 1743 sieben Schutzjuden in der Stadt genannt.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die jüdische Gemeinde ihre Blütezeit, als die Zahl der Gemeindeglieder von 41 (1804), 60 (1808), 90 (1823) auf 124 im Jahr 1830 zunahm. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung wieder zurück (1849 121, 1875 51, 1887 42 Personen). 1893/1900 wurden noch 24 jüdische Einwohner in acht Familien gezählt. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal/eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, eine Mikwe und den bereits genannten Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. Die Stelle war bei anstehenden Neubesetzungen immer wieder neu auszuschreiben (siehe Anzeigen unten). Von den Lehrern werden genannt: um 1887 Lehrer Herzberger, um 1892/1893 J. Wolfermann, um 1895 Herr Weißkopf, um 1896/1897 M. Goldberg. Um 1892 besuchten die Religionsschule der Gemeinde 12 Kinder. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal.   
  
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892 C. Mehlinger, um 1893/1895 A. Fitz, H. Fitz und M. Scheuer.
       
Um 1925 gehörten noch 14 Personen zu der klein gewordenen Gemeinde (0,6 % von insgesamt ca. 2.300 Einwohnern). Gemeindevorsteher waren damals Markus Herzberger und Emil Scheuer. Friedrich José war Schriftführer und Rechner. 1932 waren Gemeindevorsteher: W. L. Herzberger, Emil Scheuer und Julius Blum.
  
1933 wurden noch 16 jüdische Einwohner gezählt. Ihre Zahl ging bis 1936 auf 12, 1937/38 auf neun Personen zurück. Die 1940 hier noch lebenden sieben jüdischen Personen wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die Namen dieser sieben Personen sind: Ludwig Falkenberg, Helene Mané geb. Herzberger (1903), Simon Mané (1894), Flora Mehlinger (1873), Isabella Reichardt, Emil Scheuer (1873), Leonie Scheuer. Die kursiv markierten Personen haben die Deportation nach Gurs überlebt. 
   
An einer Mauer am Dr. Wagner-Platz befindet sich eine Gedenktafel zur Erinnerung an die früheren jüdischen Mitbürger von Wachenheim.
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
   
Über den Judenpogrom 1343 in Wachenheim, Lambsheim, Neustadt und Germersheim (Artikel von 1900)    

Der Artikel von Dr. Hirsch Hildesheimer wird nur teilweise - den Pogrom von 1343 betreffend - abgeschrieben, ohne Fußnoten/Anmerkungen. Dazu bitte die Textabbildungen oben anklicken. Der Verfasser (Sohn von Esriel Hildesheimer) war seit 1880 Dozent für jüdische Geschichte und Geographie am Rabbinerseminar in Berlin. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hirsch_Hildesheimer.     
Artikel in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 5. Januar 1900: "Die Blutlüge. Von Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin.
Ludwig IV. der Baier
(vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_IV._(HRR)) hat noch zweimal seine kaiserliche Autorität zum Schutze der von Blutanklagen heimgesuchten Juden eingesetzt. In einem der beiden Fälle konnte dies erst, nachdem, wie in Überlingen, die Raserei bereits zahlreiche Opfer gefordert hatte, geschehen, um ferneren Morden Einhalt zu tun; im zweiten gelang es seinem energischen Eingreifen, das drohende Urteil noch rechtzeitig abzuwehren.
'Im Jahre 5103, am Sabbat den 24. Nissan (19. April 1343) wurden die Mitglieder der Gemeinde Wachenheim, in derselben Woche die von Lambsheim, sowie die von Neustadt bei Speyer und am Sabbat Neumond Ijar (26. April) die Kranken, welche in Germersheim untergebracht waren, mit allen dort anwesenden Gesunden verbrannt, so berichtet das Nürnberger Memorbuch (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Nürnberger_Memorbuch) über eine blutige Verfolgung, welche nicht auf die genannten Städte der Rheinpfalz beschränkt geblieben zu sein scheint, sondern sich auch auf Mosbach und andere Orte ausgedient hat. Über den Vorwand zu diesen Gräueltaten erzählt der bereits erwähnte zeitgenössische Mönchs-Chronist Johann von Winterthur (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Winterthur) wörtlich also:
'Im Jahre 1343 am Osterfeste ward bei Worms in einer Höhle im Walde ein Einsiedler von wunderbarer Heiligkeit, wie der herrliche Ausgang seines Lebens auf das Klarste gezeigt hat, von den Juden getötet, ja, wie das Gerücht bezeugt, zerrissen, zerfleischt und von Glied zu Glied zerteilt. So ermordet fanden ihn die Leute jener Gegend und begruben ihn unter großer Teilnahme und Trauer. Als das Leiden desselben der Herzog von Heidelberg (gemeint: https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_I._(Pfalz))  der Brudersohn des Kaisers Ludwig (Ludwig IV. der Bayer s.o.), hörte, begann er, da er an seinem Körper viele Jahre vorher einen Lupus mit grausamem Schmerz ausgehalten hatte, zu ihm, zu dem er als einem heiligen Mann Zutrauen hegte, inständig zu beten, dass er ihm seine langwierige Krankheit wegnehmen und die Gesundheit schenken möchte. Er wurde sogleich erhört und erhielt das vollständige Wohlbefinden wieder. Dass dasselbe an ihm im vollsten Maße nur durch das Verdienst des heiligen Mannes zustande gebracht war, fühlte er und verbrannte nun, von einem sozusagen unaussprechlichen göttlichen Zorn entflammt, alle Juden seines Gebietes. Dieser Einsiedler gewährte nach seinem Tode denen, die ihn anriefen, verschiedene und vorzügliche Arten Heilungen und zog eine ungemein große Menge Menschen aus den benachbarten und umliegenden Gegenden herbei. Als aber der erwähnte Herzog gesehen, dass der genannte Einsiedler, namens Ludwig, in so erstaunlichen Wundern zurückleuchte, so hätte er vom Kaiser, den er darum anging, gerne die Erlaubnis ausgewirkt, die Juden im ganzen Reiche Deutschlands martern zu dürfen'.
Mit diesem erbaulichen Bericht stimmt die Darstellung des um die gleiche Zeit schreibenden Johannes, Abtes des Zisterzienserklosters Viktring bei Klagenfurt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Viktring und https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Viktring), darin überein, dass die Beweiskraft der 'größten Wunder, in denen der Ermordete zu leuchten begann', die 'Schuld' der Juden festgestellt und ihre Verbrennung zur Folge gehabt hat. Von der wunderbaren Heilung des Heidelberger Herzogs und von seinem Eingreifen überhaupt erwähnt dieser Chronist nicht das Geringste. Schon dieses sein Schweigen über das wichtigste Detail, über die Stellungnahme des Landesherren, macht die betreffende Angabe Johanns von Winterthur verdächtig und die Rolle, welche der Pfalzgraf gespielt haben soll, ist mit dem, was wir über seine geistigen Qualitäten und über seinen Charakter sonst erfahren, so völlig unvereinbar und steht zumal mit den wohlwollenden Gesinnungen, welche er von Anbeginn bis zum Schluss seiner mehr wie 50-jährigen Regierung den Juden gegenüber betätigte, in so krassem Widerspruch, dass wir in der Darstellung des Barfüßermönchs von Winterthur zweifellos eine jener zahlreichen Erdichtungen, welche er in seiner kritiklosen Wundergläubigkeit nachschrieb, oder eine jener Personen-Verwechslungen, zu welcher die von ihm selbst beklagte Gedächtnisschwäche ihn verleitete, zu erblicken haben. Herzog von Heidelberg war im Jahre 1343 Ruprecht I., welcher seit dem Vertrag von Pavia (4. August 1329, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hausvertrag_von_Pavia) Mitregent seines Bruders Rudolf's II. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_II._(Pfalz)), durch die am 18. Februar 1338 vollzogene Teilung der gemein-           
samen Herrschaft die größere Hälfte der pfälzischen Lande mit der Hauptstadt Heidelberg erhielt. Ruprecht I. hat sich aber allezeit als ein hochsinniger Beschützer der Juden bewährt, und die bloße Tatsache, dass er zur Zeit des 'schwarzen Todes' (1349) den aus Speyer und Worms Geflüchteten in Heidelberg und anderen Städten der Pfalz gastliche Aufnahme gewährte, ist ausreichender Beweis, dass er unmöglich sechs Jahre zuvor so grausam gegen die Juden seiner Herrschaft gewütet haben kann. Zudem erscheint es völlig ausgeschlossen, dass Ruprecht I., ein Herrscher von so 'glänzenden Regenteneigenschaften, an dessen Namen keine entehrenden Handlungen haftete' derart skurrilen Wunderglaubens, und noch dazu des Wahnwitzes fähig gewesen sein sollte, vom Kaiser 'die Erlaubnis, die Juden im ganzen Deutschland martern zu dürfen', mordwütig zu erbitten. Kennzeichnet sich diese Ungeheuerlichkeit als die Ausgeburt einer überhitzten Mönchs-Phantasie, so steht andererseits dokumentarisch fest, dass Kaiser Ludwig IV. gerade aus Anlass dieser Blutbeschuldigung sich der Juden jener Striche schützend annahm. In einer Urkunde gegeben in Mergentheim, 15. Mai 1343, belobte er die Stadtbehörden von Speyer für den Schutz, den sie den in ihrer Mitte und in der Umgegend ansässigen Juden zuteil werden ließen, und fordert sie auf, 'alle Juden, es sei auf dem Lande, in der Stadt oder wo sie dessen nötig haben, wider Jedermann, wer er sei oder wie er genannt wird, zu schirmen und nicht zu gestatten, dass sie jemand angreift oder irgendwie beschwert'. Die Datierung der Urkunde, welche wenige Wochen nach dem Geschehnis von 1343 erging, und die Tatsache, dass dasselbe in der Diözese Speyer, zu der Wachenheim, Lambsheim, Neustadt und Germersheim gehörten, sich zugetragen hat, lässt keinen Zweifel, dass die an die angebliche Ermordung des Eremiten Ludwig geknüpfte Verfolgung das Eingreifen des Kaisers veranlasst hat'.   

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1879 / 1893 / 1894
 

Wachenheim Israelit 29101879.jpg (56649 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1879: "Besetzung einer israelitischen Lehrerstelle.
Die israelitische Lehrerstelle zu Wachenheim soll alsbald mit einem geprüften Lehrer besetzt werden und bestehen die damit verbundenen Bezüge wie folgt:
a) bar aus der Kultuskasse  250 Mark.  b) bar aus der Friedhofskasse  200 Mark.  
c) Anschlag der Wohnung   50 Mark.   d) Kasualien für Schächter ca. 150 Mark.
e) Kasualien beim Friedhof ca. 150 Mark.    Summe 800 Mark.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis längstens 20. November laufenden Jahres einschicken und wird noch bemerkt, dass sich die Kasualien bedeutend höher stellen werden, als oben angegeben. Wachenheim (bayerische Pfalz), 23. Oktober 1879. Der Synagogen-Vorstand Jacob Mehlinger."
 
Wachenheim Israelit 26011891.jpg (73583 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1891: "Die erledigte Stelle eines Vorbeters, Schächters und Friedhofaufsehers wird hiermit zur Bewerbung ausgeschrieben. Mit dieser Stelle sind folgende Bezüge verbunden: 
a) Gehalt als Vorbeter   300 Mark.  b) Gehalt als Friedhofaufseher  200 Mark.
c) Gebühren für das Schächten ca. 200 Mark.  d) Die Kasualien werden sich belaufen auf ca. 100 Mark.
Summe 800 Mark.   Ferner freie Wohnung im Synagogengebäude.
Bewerber wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis längstens 1. März dieses Jahres bei dem unterfertigten Vorstande des Synagogenausschusses einreichen. 
Wachenheim, 15. Januar 1891. Der Vorstand des Synagogen-Ausschusses: Carl Mehlinger.
Dürkheim, 15. Januar 1891: Der Vorstand des israelitischen Friedhofvereins: Jacob Tillmann." 
 
Anzeige in "Der Israelit" vom 20. August 1894: "Bekanntmachung.
Die erledigte Stille eines Vorbeters, Schächters und Friedhofaufsehers
wird hiermit zur Bewerbung ausgeschrieben. Das Einkommen dieser Stelle beläuft sich auf circa 800 bis 900 DM nebst freier Wohnung im Synagogengebäude.
Bewerber wollen ihre mit Zeugnissen belegte Gesuche bis längstens 31. dieses Monats anher einreichen.
Wachenheim an der Haardt, 14. August 1894.
Der Vorstand des Synagogenausschusses. A. Fitz."  

     
Anzeige von Lehrer J. Wolfermann (1894)      

Anzeige in "Der Israelit" vom 18. Januar 1894: "J. Wolfermann,
Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot.
 
Wachenheim am Haardt
(Rheinpfalz) empfiehlt sich im Anfertigen von Torarollen, Megilot, Tefillin und Mesusot und deren Reparatur, Wimpeln malen, Grabschriften zeichnen, sowie alle in dies Fach einschlagende Arbeiten.
Jahrzeittabellen auf 25- und 50-jährige Berechnung werden angefertigt. "    

  
  
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde    
Zum Tod von Samuel Schloß (1931)   

Wachenheim BayrGZ 15011931.jpg (48933 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Januar 1931: "Bad Dürkheim - Wachenheim. Die hiesige Kultusgemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Ein Herzschlag hat am 1. Dezember (11. Kislev) ihrem treuen und beliebten Kultusbeamten, Herrn Samuel Schloß, im erst 56. Lebensjahre ein rasches Ende bereitet. Über 22 Jahre hat der Verstorbene rastlos und unermüdlich seinen Obliegenheiten in der Gemeinde seine ganze Kraft gewidmet. Herr Distriktsrabbiner Dr. Steckelmacher schilderte am Grabe die Verdienste dieses frommen Beamten. Sodann rief der Kultusvorstand der Israelitischen Gemeinden Dürkheim-Wachenheim, sowie im Auftrage des Verbandes Israelitischer Kultusgemeinden der Pfalz, Herr Stadtrat Strauß, Bad Dürkheim, dem Verblichenen ehrende Worte des Dankes nach."

   
 Auswanderung von Ernst Mai (aus Wallhalben, berufstätig in Wachenheim) (1938)    

Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Januar 1938: "Bad Dürkheim. Seit meinem letzten Berichte in Nr. 4 dieses Gemeindeblattes - ein pfälzischer Rabbiner nannte ihn einen Hesped, eine Trauerrede - ist in der Auswanderung kein Stillstand eingetreten. Das Verhängnis ist nicht abzuwenden. Herr Willi Reiß, Sohn des vor neun Monaten verstorbenen Adolf Reiß ist mit Frau und Kind vor wenigen Tagen nach Krefeld abgewandert, um von da aus in einer Maschinen-Werkstätte in Duisburg sich für den Handwerkerberuf umzustellen. Wiederum ein schwerer Verlust für unsere Gemeinde, denn wir verlieren in Willi Reiß einen wahren und aufrechten isch jehudi (jüdischen Mann), einen Mann, der seither sich unserer Winterhilfe selbstlos zur Verfügung stellte und die Buchführung derselben in musterhafter Weise besorgte. Ihm wird schon in den nächsten Tagen der 22-jährige aus Wallhalben stammende Ernst Mai folgen, seit längerer Zeit in der Metzgerei Emil Scheuer im benachbarten Wachenheim tätig. Der junge Mann hatte mehrmals in der Woche bei unseren Dürkheimer Glaubensgenossen zu tun und nahm dann auch regelmäßig an unserem Gottesdienste teil. Unsere besten Wünsche begleiten den Scheidenden nach Nordamerika. "   

     
Auswanderung von Edgar Jonas - Friedhofsaufseher in Wachenheim - und seiner Familie (1938)    

Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. Oktober 1938: "Aus Bad Dürkheim.
Die Auswanderung, der Auflösungsprozess unserer Gemeinde stehen im Vordergrund. Vor ihnen treten alle anderen Vorkommnisse zurück. - Vor einigen Tagen ist das Ehepaar Eugen Kehr und Frau Lena geb. Jonas, früher in Kaiserslautern wohnhaft, zu seinen Kindern nach Palästina, das Ehepaar Sem Simon zu seinen Kindern nach England (Manchester) ausgewandert.
Gleich nach Rosch haschonoh werden Emil Simon und Frau nach Mannheim übersiedeln, während ihre Mutter Witwe Karoline Simon bis zu ihrer Auswanderung nach Johannesburg (Südafrika) im Altersheim Neustadt Aufnahme finden wird. Ihnen folgt das Ehepaar Edgar Jonas mit Kindern, das am Tage nach Jom Kippur ebenfalls nach Mannheim verzieht. Unsere besten Wünsche und unser Dank begleiten sämtliche Scheidenden, insbesondere die Familie Edgar Jonas. Seit der letzten Synagogenratswahl am 16. Oktober 1934 Uhr gehörte Herr Edgar Jonas unserem Synagogenrate an und ihm oblag unter anderem die Aufsicht und die Sorge um unseren Friedhof in Wachenheim und der Verkehr mit den Behörden (Bezirksamt, Finanzamt, Steuereinnehmerei usw.). Frau Edgar Jonas war seither 1. Vorsitzende unseres Frauenvereins, dessen wohltätiges  Wirken genügsam bekannt ist. Ganz besonders für unsere Winterhilfe bedeutet der Wegzug der beiden einen empfindlichen Verlust. Synagogenrat Jonas führte das Rechnungswesen der Winterhilfe und unterhielt den Verkehr mit den Spendern und Betreuten unserer sieben Filialgemeinden. Es wird schwer fallen, die Lücke zu schließen. Auf die Hilfsbereitschaft der Hierbleibenden muss mehr wie je gerechnet werden. Ludwig Strauss."   

     
     
Anzeigen  
Verlobungsanzeige für Rose Grünbaum und Eli Schloss (1925)        

Anzeige in "Der Israelit" vom 19. März 1925: "Statt Karten
Rosel Grünbaum     Elli Schloss Verlobte    
Poppenlauer Unterfranken            
Schweinfurt am Main Theresienstraße 19 / Wachenheim an der Haardt, Rheinpfalz.
März 1925."     

        
       
       
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge                   
     
Bis 1812 war ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus eingerichtet. Danach wurde in dem Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts erbauten Gebäudes auf dem Grundstück Bleichstraße 5 im Obergeschoss eine Synagoge eingerichtet. Im Erdgeschoss war die Wohnung des Lehrers/Vorbeters (vgl. oben Anzeige von 1891), im Keller die Mikwe.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge nicht zerstört, vermutlich war sie damals schon nicht mehr als Synagoge benutzt. Die politische Gemeinde war wegen des schlechten Zustandes des Gebäudes an einem Erwerb (1939) nicht interessiert. Ein Nachbar erwarb das Anwesen. Die aufgefundenen Torarollen, weitere Kultgegenstände u.a.m. wurde von diesem aufbewahrt und nach 1945 der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz übergeben. Das ehemalige Synagogengebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Dabei wurde die Mikwe zugeschüttet, die hebräische Inschrift über der Eingangstür "Glanz wohne in diesem Hause" abgeschlagen. Eine Hinweis- oder Gedenktafel ist nicht vorhanden.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge: Bleichstraße 5 (früher Langgasse)   
   
   
Fotos / Darstellungen
(Fotos: obere Reihe: Hahn, Aufnahmedatum 6.11.2005; Foto der Gedenktafel: Bernhard Kukatzki)   

Das Gebäude der 
ehemaligen Synagoge
Wachenheim Synagoge 101.jpg (54067 Byte) Wachenheim Synagoge 100.jpg (63102 Byte)
  Das ehemalige Synagogengebäude - heute Wohnhaus 
   
Gedenktafel am 
Dr. Wagner-Platz 
Wachenheim Gedenken BeKu 010.jpg (57777 Byte)
  Text der Tafel: "In Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus 1933-1945 - insbesondere an unsere jüdischen Mitbürger, 
die am 22.10.1940 verschleppt wurden: Ludwig Falkenberg, Simon und Helene Mane, Flora Mehlinger, Isabella Reichardt, Emil und Leonie Scheuer."   
   

      
      

Links und Literatur

Links:  

bullet Website der Gemeinde Wachenheim an der Weinstraße  
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Wachenheim 

Literatur:  

bulletGermania Judaica II,2 S. 858-859, III,2 S. 1548-1549.
bulletOtmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 156.
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 376 (mit weiteren Literaturangaben).
    

Hinweis: Wachenheim an der Weinstraße (in der Pfalz) sollte nicht verwechselt werden mit Wachenheim im Zellertal (= Wachenheim an der Pfrimm), wo es auch eine jüdische Gemeinde gab. Zur Seite über die jüdische Geschichte / Synagoge in Wachenheim im Zellertal.  
   

  

 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wachenheim. Numbering 58 (about 12 % of the total) in 1861, the Jewish community declined to 27 in 1933. Only four Jews remained in 1939.
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Juni 2020