Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Germersheim (Kreisstadt, Rheinland-Pfalz)
                   Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Einzelne Mitteilungen    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
bulletLinks und Literatur 

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In der früheren freien Reichsstadt Germersheim lebten Juden bereits im Mittelalter. Am 26. April 1343 wurden nach einem Nürnberger Memorbuch "die Kranken, die hier untergebracht waren" (Aussätzige?), und alle andern Juden verbrannt, als Folge einer Ritualmordbeschuldigung in der Umgebung (siehe unten). Zu einer weiteren Verfolgung kam es während der Pestzeit 1348/49. Danach werden Juden in der Stadt erst wieder ab 1390 genannt. Während des Dreißigjährigen Krieges lebten um 1635 drei jüdische Familien aus Germersheim in Speyer, die dort während den Kriegswirren Schutz suchten.
 
Erst seit Anfang des 19. Jahrhundert entstand eine neue jüdische Gemeinde mit 1804 7 Personen, 1821 21, 1823 28, 1832 30 Personen (in fünf Familien). Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Familien in der Stadt auf 21 gestiegen (zusammen 93 Personen). Bis 1875 stieg die Zahl auf 134 Personen an, danach ging sie durch Aus- und Abwanderung zurück, sodass 1895 nur noch 62, 1900 58 und 1932 noch 38 Einwohner der jüdischen Gemeinde angehörten.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule mit Lehrerwohnung. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). In den 1840er-Jahren war einige Zeit Lehrer Jacob Rosenbaum am Ort (siehe Bericht unten). Von 1900 bis 1902 war Lehrer am Ort Simon Strauß, der zuvor in Kirrweiler tätig war und dann nach Erlenbach und Busenberg wechselte, wo er noch bis 1935 geblieben ist. Die Germersheimer jüdische Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Landau.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Otto Cahn (geb. 21.4.1882 in Rülzheim, gest. an den Folgen der Kriegsverletzungen am 12.12.1920).   
  
Um 1925
machten die 32 jüdischen Einwohner gerade 1 % der Gesamteinwohnerschaft aus. Dem Synagogenvorstand gehörten damals die Herren Noe Rosenbaum (bereits seit 1904 Gemeindevorsteher, siehe unten Bericht von 1934 zu seinem 70. Geburtstag), Ernst Kahn und M. Schriesheimer an. Religionsunterricht wurde noch vier Kindern erteilt. Zur Germersheimer Gemeinde gehörten auch die in Freisbach lebenden jüdischen Einwohner (1925 3 Pers.). Anfang der 1930er-Jahre bildeten den Gemeindevorstand Sigmund Dreifus, Julius Löb und Bertram Lehmann.
    
Durch die Verfolgungen in der NS-Zeit ging die Zahl der jüdischen Einwohner in Germersheim weiter zurück (1936 13, 1938 11 Personen). Die letzten sechs jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 in das südfranzösische KZ Gurs deportiert. 
  
Von den in Germersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sophie Ebert geb. Freundlich (1872), Eugen Ehrmann (1895), Otto Ehrmann (1898), Berta Feibelmann geb. Dreifuss (1870), Johanna Glaser geb. Posner (1877), Adolf Guthmann (1857), Ferdinand Kahn (1866), Antonie (Antoinette, Antonia) Mohr (1889), Elisabeth Mohr (1890), Otto Mohr (1896), Wilhelmine Mohr (1891), Arthur Rosenbaum (1900), Fritz Rosenbaum (1895), Günther Rosenthal (1920), Ingeborg Rosenthal (1924), Augustine Töpfer (1895), Adolf Ullmann (1877), Flora Weil geb. Scharff (1884).
   
Der in der Liste bislang genannte Maximilian Dreifus (1881) hat die Verfolgungszeit überlebt (nähere Informationen auf der Seite zu Edenkoben). 
    
Seit den 1990er-Jahren zogen wieder einige jüdische Familien aus den GUS-Staaten nach Germersheim und konnten eine neue Gemeinde gründen.
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
  
Über den Judenpogrom 1343 in Wachenheim, Lambsheim, Neustadt und Germersheim (Artikel von 1900)    

Der Artikel von Dr. Hirsch Hildesheimer wird nur teilweise - den Pogrom von 1343 betreffend - abgeschrieben, ohne Fußnoten/Anmerkungen. Dazu bitte die Textabbildungen oben anklicken. Der Verfasser (Sohn von Esriel Hildesheimer) war seit 1880 Dozent für jüdische Geschichte und Geographie am Rabbinerseminar in Berlin. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hirsch_Hildesheimer.     
Artikel in "Dr. Bloch's österreichische Wochenschrift" vom 5. Januar 1900: "Die Blutlüge. Von Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin.
Ludwig IV. der Baier
(vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_IV._(HRR)) hat noch zweimal seine kaiserliche Autorität zum Schutze der von Blutanklagen heimgesuchten Juden eingesetzt. In einem der beiden Fälle konnte dies erst, nachdem, wie in Überlingen, die Raserei bereits zahlreiche Opfer gefordert hatte, geschehen, um ferneren Morden Einhalt zu tun; im zweiten gelang es seinem energischen Eingreifen, das drohende Urteil noch rechtzeitig abzuwehren.
'Im Jahre 5103, am Sabbat den 24. Nissan (19. April 1343) wurden die Mitglieder der Gemeinde Wachenheim, in derselben Woche die von Lambsheim, sowie die von Neustadt bei Speyer und am Sabbat Neumond Ijar (26. April) die Kranken, welche in Germersheim untergebracht waren, mit allen dort anwesenden Gesunden verbrannt, so berichtet das Nürnberger Memorbuch (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Nürnberger_Memorbuch) über eine blutige Verfolgung, welche nicht auf die genannten Städte der Rheinpfalz beschränkt geblieben zu sein scheint, sondern sich auch auf Mosbach und andere Orte ausgedient hat. Über den Vorwand zu diesen Gräueltaten erzählt der bereits erwähnte zeitgenössische Mönchs-Chronist Johann von Winterthur (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_Winterthur) wörtlich also:
'Im Jahre 1343 am Osterfeste ward bei Worms in einer Höhle im Walde ein Einsiedler von wunderbarer Heiligkeit, wie der herrliche Ausgang seines Lebens auf das Klarste gezeigt hat, von den Juden getötet, ja, wie das Gerücht bezeugt, zerrissen, zerfleischt und von Glied zu Glied zerteilt. So ermordet fanden ihn die Leute jener Gegend und begruben ihn unter großer Teilnahme und Trauer. Als das Leiden desselben der Herzog von Heidelberg (gemeint: https://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_I._(Pfalz))  der Brudersohn des Kaisers Ludwig (Ludwig IV. der Bayer s.o.), hörte, begann er, da er an seinem Körper viele Jahre vorher einen Lupus mit grausamem Schmerz ausgehalten hatte, zu ihm, zu dem er als einem heiligen Mann Zutrauen hegte, inständig zu beten, dass er ihm seine langwierige Krankheit wegnehmen und die Gesundheit schenken möchte. Er wurde sogleich erhört und erhielt das vollständige Wohlbefinden wieder. Dass dasselbe an ihm im vollsten Maße nur durch das Verdienst des heiligen Mannes zustande gebracht war, fühlte er und verbrannte nun, von einem sozusagen unaussprechlichen göttlichen Zorn entflammt, alle Juden seines Gebietes. Dieser Einsiedler gewährte nach seinem Tode denen, die ihn anriefen, verschiedene und vorzügliche Arten Heilungen und zog eine ungemein große Menge Menschen aus den benachbarten und umliegenden Gegenden herbei. Als aber der erwähnte Herzog gesehen, dass der genannte Einsiedler, namens Ludwig, in so erstaunlichen Wundern zurückleuchte, so hätte er vom Kaiser, den er darum anging, gerne die Erlaubnis ausgewirkt, die Juden im ganzen Reiche Deutschlands martern zu dürfen'.
Mit diesem erbaulichen Bericht stimmt die Darstellung des um die gleiche Zeit schreibenden Johannes, Abtes des Zisterzienserklosters Viktring bei Klagenfurt (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Viktring und https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Viktring), darin überein, dass die Beweiskraft der 'größten Wunder, in denen der Ermordete zu leuchten begann', die 'Schuld' der Juden festgestellt und ihre Verbrennung zur Folge gehabt hat. Von der wunderbaren Heilung des Heidelberger Herzogs und von seinem Eingreifen überhaupt erwähnt dieser Chronist nicht das Geringste. Schon dieses sein Schweigen über das wichtigste Detail, über die Stellungnahme des Landesherren, macht die betreffende Angabe Johanns von Winterthur verdächtig und die Rolle, welche der Pfalzgraf gespielt haben soll, ist mit dem, was wir über seine geistigen Qualitäten und über seinen Charakter sonst erfahren, so völlig unvereinbar und steht zumal mit den wohlwollenden Gesinnungen, welche er von Anbeginn bis zum Schluss seiner mehr wie 50-jährigen Regierung den Juden gegenüber betätigte, in so krassem Widerspruch, dass wir in der Darstellung des Barfüßermönchs von Winterthur zweifellos eine jener zahlreichen Erdichtungen, welche er in seiner kritiklosen Wundergläubigkeit nachschrieb, oder eine jener Personen-Verwechslungen, zu welcher die von ihm selbst beklagte Gedächtnisschwäche ihn verleitete, zu erblicken haben. Herzog von Heidelberg war im Jahre 1343 Ruprecht I., welcher seit dem Vertrag von Pavia (4. August 1329, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hausvertrag_von_Pavia) Mitregent seines Bruders Rudolf's II. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_II._(Pfalz)), durch die am 18. Februar 1338 vollzogene Teilung der gemein-           
samen Herrschaft die größere Hälfte der pfälzischen Lande mit der Hauptstadt Heidelberg erhielt. Ruprecht I. hat sich aber allezeit als ein hochsinniger Beschützer der Juden bewährt, und die bloße Tatsache, dass er zur Zeit des 'schwarzen Todes' (1349) den aus Speyer und Worms Geflüchteten in Heidelberg und anderen Städten der Pfalz gastliche Aufnahme gewährte, ist ausreichender Beweis, dass er unmöglich sechs Jahre zuvor so grausam gegen die Juden seiner Herrschaft gewütet haben kann. Zudem erscheint es völlig ausgeschlossen, dass Ruprecht I., ein Herrscher von so 'glänzenden Regenteneigenschaften, an dessen Namen keine entehrenden Handlungen haftete' derart skurrilen Wunderglaubens, und noch dazu des Wahnwitzes fähig gewesen sein sollte, vom Kaiser 'die Erlaubnis, die Juden im ganzen Deutschland martern zu dürfen', mordwütig zu erbitten. Kennzeichnet sich diese Ungeheuerlichkeit als die Ausgeburt einer überhitzten Mönchs-Phantasie, so steht andererseits dokumentarisch fest, dass Kaiser Ludwig IV. gerade aus Anlass dieser Blutbeschuldigung sich der Juden jener Striche schützend annahm. In einer Urkunde gegeben in Mergentheim, 15. Mai 1343, belobte er die Stadtbehörden von Speyer für den Schutz, den sie den in ihrer Mitte und in der Umgegend ansässigen Juden zuteil werden ließen, und fordert sie auf, 'alle Juden, es sei auf dem Lande, in der Stadt oder wo sie dessen nötig haben, wider Jedermann, wer er sei oder wie er genannt wird, zu schirmen und nicht zu gestatten, dass sie jemand angreift oder irgendwie beschwert'. Die Datierung der Urkunde, welche wenige Wochen nach dem Geschehnis von 1343 erging, und die Tatsache, dass dasselbe in der Diözese Speyer, zu der Wachenheim, Lambsheim, Neustadt und Germersheim gehörten, sich zugetragen hat, lässt keinen Zweifel, dass die an die angebliche Ermordung des Eremiten Ludwig geknüpfte Verfolgung das Eingreifen des Kaisers veranlasst hat'.   

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle der Lehrers, Vorbeters und Schächters 1891 / 1900 

Germersheim Israelit 09021891.jpg (42189 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1891: "Die Stelle eines Religionslehrers an den hiesigen Schulen und Vorbeters ist bis 1. April laufenden Jahres mit einem jungen Manne zu besetzen. Gehalt 800 Mark, freie Wohnung und Schächtergebühren. Gesuche sind zu richten an den Vorstand: Raphael Cahn. Germersheim (Pfalz), 4. Februar 1891."   
Sehr schwer tat sich die Gemeinde 1900, da über mehrere Monate Anzeigen erschienen, mit denen zum baldigen Dienstantritt ein Lehrer gesucht wurde: 
Germersheim Israelit 03051900.jpg (81205 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900:  "Die israelitische Kultusgemeinde Germersheim sucht zu baldigem Eintritt einen Kantor und Religionslehrer, der auch den Schächterdienst zu besorgen hat. Gehalt 800 Mark per Jahr, nebst freier Dienstwohnung. Nebenverdienst etwa 200 Mark jährlich, jedoch ohne Garantie. Es ist Aussicht auf Nebenbeschäftigung in schriftlichen Arbeiten gegeben. Geeignete Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Reisevergütung für persönliche Vorstellung und Umzugsgebühren werden nicht gewährt.
Germersheim, 2. Mai (1900). Der Israelitische Kultusvorstand: Gutmann."
  
Germersheim Israelit 300811900.jpg (78724 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1900:  "Die israelitische Kultusgemeinde Germersheim sucht zu baldigem Eintritt einen Kantor und Religionslehrer, der auch den Schächterdienst zu besorgen hat. Gehalt 800 Mark per Jahr, nebst freier Dienstwohnung. Nebenverdienst etwa 200 Mark jährlich, jedoch ohne Garantie. Es ist Aussicht auf Nebenbeschäftigung in schriftlichen Arbeiten gegeben. Geeignete Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Reisevergütung für persönliche Vorstellung und Umzugsgebühren werden nicht gewährt.
Germersheim, 22. August (1900). Der Israelitische Kultusvorstand: Gutmann."

       
Zum Tod des Lehrers Jacob Rosenbaum (1897)   

Wiesenbronn Israelit 16121897.jpg (125681 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Dezember 1897: "Wiesenbronn, im Kislew. Wiederum hat der Tod eine weite Lücke gerissen, nicht nur in eine Familie und in unsere Gemeinde, sondern für das ganze Judentum wird der Verlust unersetzlich sein. Unser Lehrer und Führer, der hier nahezu 34 Jahre seines Amtes mit großer Treue waltete, Herr Jacob Rosenbaum weil nicht mehr unter uns. Nachdem er noch am Sonntag unterrichtete, machte am Dienstag Nacht eine Herzlähmung seinem edlen Leben, welches nur der Tora, Aboda (Gottesdienst) und Gemilus Chasodim (Wohltätigkeit) gewidmet war, ein Ende. Mehr als 60 Jahre stand er als Lehrer, Chasan und Schochet in den jüdischen Gemeinden Germersheim, Klein-Ostheim, Gleusdorf, Rödelmaier und zuletzt hier in einer Weise vor, die ihm überall die Achtung, Liebe und Anhänglichkeit seiner Kultusmitglieder erwarb. Davon legte seine am Eref Schabbos (Freitag) stattgehabte Beerdigung den sprechendsten Beweis ab. Von nah und fern waren Freunde, Schüler und Kollegen herbeigeeilt, um dem teueren Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Trauerhause gaben die Herren Lehrer Strauß - Kleinlangheim, Lehmann - Schonungen, Eisenheimer - Großenbuseck, Rosenbaum - Berolzheim (Sohn des Verstorbenen) und der protestantische Lehrer Zemer - Wiesenbronn, den Gefühlen des Schmerzes in ergreifenden Reden Ausdruck. Die ganze Bevölkerung Wiesenbronns, ohne Unterschied des Konfession, gab dem von Allen verehrten Dahingeschiedenen das Geleite. Auf dem Begräbnisplatze, in dem eine Stunde entfernten Rödelsee, hatten sich zahlreiche Freunde und Verehrer des Verlebten eingefunden und hier gaben Lehrer Frank - Rödelsee und Kissinger - Frankenwinheim ein treffliches Lebensbild, des als Jehudi, als Lehrer und als Mensch gleich groß dastehenden Mannes, der uns ebenso unersetzlich als unvergesslich sein wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       

  
Gründung eines Israelitischen Lehrervereins in Germersheim (1893)  

Germersheim Israelit 12011893.jpg (64841 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1893: "Germersheim. Am 1. Januar dieses Jahres versammelten sich mehrere israelitische Religionslehrer behufs Gründung eines israelitischen Religionslehrervereins. Der Zweck des Vereins soll sein, den Hinterbliebenen der Religionslehrer, die nicht pensionsberechtigt sind, Unterstützung zu gewähren. Als jährlicher Beitrag wurde vorerst 6 Mark und, als Inserationsorgan der so sehr weit verbreitete 'Israelit' bestimmt. Es ergeht deshalb an alle Religionslehrer, welche Lust haben dem Verein beizutreten, die Bitte, ihre werte Adresse mittelst Postkarte dem provisorischen Vorsitzenden, Herrn Lehrer Ferdinand Ehrmann in Germersheim, Rheinpfalz, baldigst mitzuteilen. 
Statuten werden auf Verlangen gratis zugeschickt."  

  
Zum Tod von Lehrer Heinrich Feibelmann (1911) 

Germersheim FrfIsrFambl 22121911.jpg (24460 Byte) Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1911: "Germersheim. Nach langem schweren Leiden verschied - erst 45 Jahre alt - Lehrer Heinrich Feibelmann, der Gründer des Vereins israelitischer Lehrer und Kanorent der Pfalz."  

   
   
Einzelne  Mitteilungen    
Eine Besonderheit Ende des 19. Jahrhunderts: ein jüdischer Offizier (1893) 

Germersheim Israelit 02111893.jpg (23567 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1893: "Aus Germersheim (Rheinpfalz) wird den 'Mitteilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus' mitgeteilt, dass in der dortigen Garnison ein jüdischer Offizier sich befindet. Derselbe ist Premierleutnant und Bataillonsadjutant."

   
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Elias Dreifuß macht ein Vermächtnis an die israelitische Religionsgemeinde in Bingen (1891)  

Germersheim Israelit 14051891.jpg (64178 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1891: "Aus dem Großherzogtum Hessen. Das Großherzogliche Regierungsblatt veröffentlicht die im Laufe des 1. Quartals bestätigten Stiftungen und Vermächtnisse, worunter sich auch wieder 2 Stiftungen respektive Geschenke von Juden finden. 
1. Vermächtnis des Elias Dreifuß von Germersheim an die israelitische Religionsgemeinde zu Bingen im Betrage von Mark 1.714,29. 
2. Schenkung des Rudolf Bamberger zu Mainz an die Pensionsanstalt der städtischen Musikkapelle zu Mainz im Betrage von Mark 3.000."  

    
70. Geburtstag von Gemeindevorsteher Noe Rosenbaum (1934)
    

Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1934: "Germersheim am Rhein (Pfalz). Am 21. Mai kann Herr Noe Rosenbaum, seit 30 Jahren Vorstand der israelitischen Gemeinde Germersheim, seinen 70. Geburtstag feiern."     

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Samuel Vollmer sucht eine Haushälterin (1900) 

Germersheim Israelit 08111900.jpg (48300 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1900: "Haushälterin  
gesucht. Zu zwei älteren Leuten (Mann und Frau) wird eine tüchtige Person, die den Haushalt und die Küche vollkommen selbstständig besorgen kann, zum möglichst sofortigen Eintritt gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen an 
Samuel Vollmer
Germersheim, Rheinpfalz."

  
  
Sonstiges   

 Postkarte von Joseph Dreyfus (1877) 
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 
 Germersheim Dok 15087.jpg (134323 Byte) Germersheim Dok 15087a.jpg (12142 Byte)  Germersheim Dok 15087b.jpg (165416 Byte)

Die abgebildete Postkarte wurde von Joseph Dreyfus (Germersheim) am 22. September 1877 nach Ibbenbühren verschickt. Joseph Dreyfus betrieb die "Zündhölzer- und Wichse-Fabriken Jos. Dreyfus" bzw. "Chemische Fabrik" im benachbarten Lingenfeld (vgl. unten). Auf dem Dokument oben wird ein Angebot an Schweden(hölzern) erstellt, vgl. auch den Hinweis in der Seite http://www.zuendholzschachteln.de/g130.htm
Zum Inhalt der Karte - rückseitiger Text: "Herrn L. Grüneberg Ibbenbüren.
In freundlicher Erwiderung Ihrer Carte vom 20 ct, erlasse ich Ihnen prima Schweden Stück 13.- per 1000 Dosen frei ab Magdeburg bei mindestens 5 mille Dosen.
Ferner gewöhnliche 100er Spanschachteln per 1000 Dosen Stück 8.20 in 1 Kiste, franco Ibbenbüren.
Ihre Order gerne entgegennehmend zeichne achtungsvoll Germersheim 22.9.77 Joseph Dreyfus. 
  

     
Historische Ansichten der
Firma Joseph Dreyfus in Lingenfeld 

(aus der Sammlung von Heinz Sachs, Germersheim)  
   
  Postkarte (Lithographie) aus Lingenfeld mit
Ansicht der "Chemischen Fabrik Lingenfeld"
von Joseph Dreyfus (Postkarte von 1914)
Rechnung ("Factura") der
Firma Joseph Dreyfus
 

     
    
 
   
Zur Geschichte der Synagoge       
     
Zunächst wurden die Gottesdienste der Gemeinde in einer Betstube abgehalten. Diese war bis 1838 (nach anderen Angaben bis 1863) im Haus des Benjamin Kahn.
    
Vermutlich um 1863 (nach anderen Angaben: Mitte des 19. Jahrhunderts) wurde im Erdgeschoss des Gebäudes Oberamtsstraße 12 eine Synagoge eingerichtet. Dieses Gebäude wurde wahrscheinlich von der jüdischen Gemeinde als Gemeindezentrum erbaut, in dem sich im Obergeschoss noch ein Schulsaal und eine Lehrerwohnung befanden. Eine Schule war schon 1844 eingerichtet worden; das jüdische Schulhaus musste allerdings 1862 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. 
    
Auf Grund der Aus- und Abwanderung der jüdischen Einwohner wurde die Synagoge in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg kaum mehr benutzt. 
    
Nach 1933
gab es keine Gottesdienste mehr. Im März 1938 erfolgte der Verkauf des Synagogengebäudes durch den Verband der Pfälzischen Juden für 4.100 RM an Privatpersonen, die das Gebäude zu einem Wohnhaus umbauten, das bis heute erhalten ist. Erinnerungen an die Zeit als Synagoge sind die erhaltenen Rundbogenfenster und das Rundbogenportal, ebenso kleine Davidsterne, die in die Dachgauben eingeschnitzt wurden.
   
1989 wurde am gegenüberliegenden Stadthaus eine Gedenktafel angebracht.  
    
    
Adresse/Standort der SynagogeOberamtsstraße 12 (früher Hauptstraße 39)
    
    
Fotos
(Quelle: obere Zeile: Sammlung Hahn; zweite Fotozeile: Bernhard Kukatzki, Aufnahmen Ende August 2012)      

Die Synagoge in Germersheim

Germersheim Synagoge 01.jpg (87563 Byte) Germersheim Synagoge 02.jpg (42454 Byte) 
  Historische Ansichtskarte 
von Germersheim (1904)
  Ausschnitt aus der Ansichtskarte 
mit der Synagoge  
     
     
Germersheim Synagoge 320.jpg (87428 Byte) Germersheim Synagoge 322.jpg (103007 Byte) Germersheim Synagoge 321.jpg (118476 Byte)
 Das Gebäude der ehemaligen Synagoge (2012)     Die 1989 angebrachte Gedenktafel  
      
       

Eine jüdische Familie aus Germersheim
(Quelle: Gerhard Martin)

     
Germersheim FamRosenbaum 012.jpg (44448 Byte) Germersheim FamRosenbaum 010.jpg (55174 Byte) Germersheim FamRosenbaum 013.jpg (42071 Byte)
Familie Rosenbaum in Germersheim vor ihrem Kaufhaus in der Hauptstraße 134  
 
Germersheim FamRosenbaum 011.jpg (78619 Byte)   
Schriftzug über dem Eingang Anzeige des Kaufhauses Noe Rosenbaum   
     
     
     

Erinnerungen an die Fa. Ferdinand Kahn 
(Quellen: links Sammlung Monica Kingreen;
rechts: Sammlung Heinz Sachs) 

Germersheim Fa Kahn 040.jpg (108135 Byte)  
   Die Glückwunsch- und Neujahrskarte wurde 
von der Firma Ferdinand Kahn (Versandhaus /
 Hoflieferant) gedruckt 
 
 Die Ansichtskarte der Hauptstraße in Germersheim
zeigt rechts das Kaufhaus des "Königlich bayerischen
 Hoflieferanten Ferdinand Kahn"; das Kaufhaus Rosenbaum
(vgl. oben) ist auf der Karte das dritte Gebäude links
     
Erinnerungen an die jüdische Gemeinde im Stadt- und Festungsmuseum im historischen Ludwigstor Germersheim
(Fotos: Heinz Sachs; Informationen zum Museum siehe über Link)    
 
   
Bank aus der Synagoge Germersheim
in der Oberamtsstraße
 Liturgische Bücher der jüdischen Gemeinde sowie
eine Besamim-Büchse (Wikipedia-Artikel)  
 Gebetbuch "Siddur Sefat Emet"
(Rödelheim 1899) (Wikipedia-Artikel)  
     
     

         
        
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte        

März 2021 / Februar 2022: Verlegung von "Stolpersteinen" in Germersheim geplant     
Anmerkung: zum Verein Interkultur www.verein-interkultur.de Kontakt über Klaus Jung E-Mail: klaus@verein-interkultur.eu bzw. vorstand@verein-interkultur.eu 
Spendenkonto - Stichwort Stolpersteine: IBAN DE 57 5485 1440 0020 0552 08.                                   

Artikel von Thomas Fehr in der "Rhein-Pfalz" (Lokalausgabe) vom 8. März 2021 "Über die Erinnerung stolpern.
Die Initiative des Vereins Interkultur, mit 'Stolpersteinen' an die jüdischen Bürger Germersheim zu erinnern, die unter der Nazi-Diktatur getötet wurden oder fliehen mussten, nimmt Fahrt auf. Interkultur-Vorsitzender Klaus Jung nannte bereits einen Zeitpunkt für die Verlegung der ersten Stolpersteine: Februar 2022..."
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken  
Link zum Artikel   

    
    

Links und Literatur  

Links: 

bulletWebsite der Stadt Germersheim 
bulletInformationsseite zur Synagoge Germersheim 

Literatur:  

bulletGermania Judaica II,1 S. 277.
bulletOtmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Hg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. Dahn 2005. S. 75-76.
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 165-166 (mit weiteren Literaturangaben).

   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Germersheim Palatinate. Jews were present in the free city of Germersheim in the Middle Ages. On 26 April 1343, they were burned at the stake following a blood libel. The community was again destroyed in the Black Death persecutions of 1348-39. Jews were once more present in 1390 but from then until the early 19th century there is no information about Jews in the city. In 1804, the Jewish population was seven, growing to 28 in 1840 and 93 in 1848. Of the 21 family heads in the latter year, 13 were merchants, five farmers, and three artisans. In 1875, the Jewish population was 134 (total 6,455). A synagogue was consecrated in 1838; a women's society was founded in 1846; and a new mikwe was opened in 1848. The synagogue was completely renovated in 1863 and a teacher's apartment and a classrom for a Jewish elementary school were sent up in the upper story (the school closed in 1887). The existence of an organ in the synagogue in the early 20th century indicated the Reform tendencies of the congregation. A relief organization operated in 1909. The Jewish population dropped to 58 in 1900 and 38 in 1932. Seven Jews remained in 1939. These were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, five perishing there. During the Nazi era, the Germans took over the synagogue, which became a private residence after the war.  
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Juni 2020