Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sindolsheim (Gemeinde Rosenberg, Neckar-Odenwald-Kreis) 
Jüdische Geschichte /  Betsaal/Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
-  Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
-  Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
-  Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen          
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde            
    
In Sindolsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1921. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.   
      
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1839 mit 71 Personen erreicht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzogen die meisten Juden von hier, sodass 1897 nur noch 32 jüdische Einwohner (in 10 Familien, von insgesamt 716 Einwohnern) und 1900 noch 26 jüdische Einwohner gezählt wurden. 
   
Nach 1850 bildeten die in Sindolsheim und Rosenberg lebenden jüdischen Personen eine gemeinsame Gemeinde. Spätestens nach 1900 war Sindolsheim eine Filale der Gemeinde in Eubigheim.  
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad (das Bad war in einem Haus oberhalb der ehemaligen Dorfmühle, Kirnautalstraße 2 neben dem Mühlkanal; wurde jedoch schon Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr benützt, brannte Anfang der 1930er-Jahre ab, heute Ackerland). Im 19. Jahrhundert gab es einige Zeit einen eigenen Lehrer der jüdischen Gemeinde, der zugleich als Vorbeter (eventuell auch als Schochet) tätig war (siehe Ausschreibung der Stelle unten von 1847). Seit 1852 wurde eine gemeinsame Lehrerstelle für Sindolsheim und Rosenberg ausgeschrieben (siehe Ausschreibungen der Stelle unten von 1852 / 1854 / 1855). 1869 wird Lehrer L. Staadecker als Lehrer in beiden Orten genannt (u.a. in "Der Israelit" vom 28. April 1869 S. 28). 1897 erteilte Lehrer Abraham Frohmann aus Eubigheim den damals neun jüdischen Kindern in Sindolsheim den Religionsunterricht.
Anfang des 20. Jahrhunderts war Sindolsheim Filiale zur Gemeinde in Eubigheim - der dortige Lehrer erteilte weiterhin den jüdischen Kinder in Sindolsheim den Religionsunterricht. Zuletzt (1920er/1930er-Jahre) wurde der Unterricht durch den Lehrer aus Bödigheim erteilt.
  
Die Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Merchingen (nach Ausschreibung der Lehrerstelle von 1847 allerdings noch zum Rabbinatsbezirk Bödigheim). 
 
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1897 J. Keller und H. Heimberger.
  
Bis in die 1920er-Jahre, teils bis nach 1933 bestanden an jüdischen Geschäften am Ort: Bäckerei David Hecht (Kirnautalstraße 23), Metzgerei Herzlöb Heimberger (in zwei an das Gebäude Marktstraße 8 angebauten Häuschen), Gemischtwarenladen David Keller und Albert Niedermann (Lammstraße 10, abgebrochen), Textilgeschäft Jakob Keller (Lammstraße 8), Schuhgeschäft Ephraim Schorsch (Bofsheimer Straße 4).   
      
1933 wurden in Sindolsheim noch neun jüdischen Personen gezählt.    
       
Von den in Sindolsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Walter Hecht (1910), Adolf Heimberger (1866), Elise Heimberger (1886), Max Keller (1886), Eli Lader (1883), Albert Niedermann (1888), Jettchen Niedermann (1884), Leopold Niedermann (1886), Klara Rothschild (1866), Jette (Jettchen) Schorsch (1867), Sannchen Schorsch (1872). 
Außerdem: Joseph Schorsch, geb. 15.1.1875 Sindolsheim, Oktober 1941 von Köln nach Lódz deportiert, 1949 f.t.e. (Hinweis von Christiane Hoss, M.A. Köln).   
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers 1847 (nur für Sindolsheim), 1852 / 1854 / 1855 (für Sindolsheim und Rosenberg) 
    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 20. November 1847 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen.
[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Sindolsheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 135 fl., nebst freier Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Bödigheim zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 6. November 1852  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen. 
Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Sindolsheim und Rosenberg, Synagogenbezirks Merchingen, ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich zu melden. Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 3. Juni 1854 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Schule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Sindolsheim und Rosenberg ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Rabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."  
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 16. Juni 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen. 
Die mit einem festen Gehalte von 135 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Sindolsheim und Rosenberg ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen mittelst des betreffenden Rabbinats bei der Bezirkssynagoge Merchingen sich zu melden. 
Bei dem Abgange von Meldungen von Schul- oder Rabbinats-Kandidaten können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."   

  
Zum 70. Geburtstag und zum 50jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Aron Heimberger (1904 in Reilingen, ab 1854 wahrscheinlich nebenberuflicher Lehrer in Sindolsheim)  

Anmerkung: es ist unklar, wieso Aron Heimberger 1904 in Reilingen seinen 70. Geburtstag feierte. Nach dem Geburtsregister Sindolsheim (http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1116533-102) ist er am 21. Juni 1835 und nicht 1834 in Sindolsheim geboren als Sohn von Emanuel Heimberger, Bürger und Handelsmann in Sindolsheim und seiner Frau Rebekka geb. Sondheimer. Aron Heimberger heiratete am 23. Februar 1864 in Sindolsheim Rebecca geb. Friedberger, die am 15. September 1840 in Wachbach als Tochter des Handelsmannes Jakob Friedberger und seiner (2.) Frau Hanna geb. Stern geboren ist (Hochzeitsregister Sindolsheim http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1116534-157). Aron Heimberger ist in seiner Sindolsheimer Zeit als "israelitischer Bürger und Kleiderhändler" eingetragen, nicht als Lehrer. Vermutlich hat er nebenberuflich die Kinder der Gemeinde unterrichtet. Wenn Aron Heimberger 1904 sein 50-jähriges Dienstjubiläum gefeiert hat, war er jedenfalls ab 1854 als Lehrer in Sindolsheim tätig. In Sindolsheim war 1854/55 die Religionslehrerstelle ausgeschrieben (siehe oben), auf die sich bewerben konnten: "Schul- oder Rabbinats-Kandidaten sowie andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner". Jedenfalls dürfte Aron Heimberger von 1854/55 an bis spätestens zum Wechsel nach Schriesheim in Sindolsheim unterrichtet haben. In Schriesheim war er ab 1869/70 als Lehrer tätig danach 1871/74 in Billigheim, von 1874 an in Reilingen). Er starb im hohen Alter von 92 Jahren am 16. November 1926 in Reilingen und wurde in Wiesloch beigesetzt, Grab http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2614042.     
Kinder waren: Jakob Heimberger, geb. 6. Januar 1865 in Sindolsheim (gest. USA), Adolph Heimberger, geb. 26. Mai 1866 in Sindolsheim (umgekommen 1942 Internierungslager Noé), ausführlich zu ihm im Gedenkbuch Karlsruhe https://gedenkbuch.karlsruhe.de/namen/1546; Regine Heimberger, geb. 24. April 1868 in Sindolsheim (gest. USA).

Reilingen Israelit 27061904.JPG (212465 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1904: "Hockenheim, 22. Juni (1904). Gestern beging Herr Lehrer A. Heimberger in Reilingen sein 70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer 30jährigen Wirksamkeit an diesem Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von 50 Jahren. Eine kleine, aber erhebende Vorfeier wurde am 19. dieses Jahres von den israelitischen Religionslehrern des Rabbinatsbezirkes Heidelberg und Reilingen abgehalten. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab dem Gefeierten einen Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben, worin die Verdienste erwähnt waren, die sich der Jubilar als tüchtiger Schulmann und als Gründer und Präsident des Pensionsfonds für israelitische Lehrer und Kantoren in Baden erworben hatte. Herr Rabbiner Dr. Pinkuß - Heidelberg übersandte ein herzlich gehaltenes Anerkennungsschreiben, die besten Wünsche für einen glücklichen Lebensabend noch anfügend. Die israelitische Gemeinde Reilingen nahm durch ihre Vertreter freudige Veranlassung, ihren schon oft durch erkenntliche Aufmerksamkeiten bedachten Beamten mit einem schönen Silbergeschenk zu erfreuen. Tief bewegt dankte der Jubilar für die Ehrung; er freue sich, dass seine berufliche Tätigkeit und das Wirken für den Lehrerstand anerkannt wird. Bei dem darauf folgenden gemütlichen Zusammensein, wobei die Familie Heimberger eine gute Bewirtung erfolgen ließ, wurden noch herzliche Worte gewechselt von dem Vorstande der dortigen Gemeinde und den Lehrern zum Wohle der Familie. Mit den besten Eindrücken verlief das Fest für den Geehrten der Ehrenden. 
Am Geburtstage selbst wurden Herrn Heimberger zahlreiche Beweise der Liebe und Freundschaft gebracht. Im Auftrage des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten überbrachte Herr Rabbiner Dr. Pinkuß persönlich ein Gratulationsschreiben und ein Geldgeschenk von hundert Mark."    
 
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 16. Juni 1904: "Aus Baden. Am 21. Juni beging Herr Lehrer Aron Heimberger in Reilingen seinen 70. Geburtstag. Die vielen Freunde des verdienten Seniorkollegen werden freudige Veranlassung nehmen, ihre Glückwünsche darzubringen. Die Mitglieder des früher bestandenen Pensionsfonds für israelitische Lehrer, dessen Gründer und Leiter der Jubilar bis zur Übergabe desselben in die Verwaltung des Großherzoglichen Oberamts der Israeliten war, werden durch diese Mitteilung sich besonders verpflichtet fühlen ihre Erkenntlichkeit in der Form eines Glückwunschschreibens auszusprechen. "  
 
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Juli 1904: "Hockenheim. Am 22. Juni beging Herr Lehrer A. Heimberger in Reilingen sein 70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer 30-jährigen Wirksamkeit an diesen Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von 50 Jahren. Aus dieser Veranlassung wurde eine kleine, aber erhebende Vorfeier von den israelitischen Religionslehrer des Rabbinatsbezirks Heidelberg in Reilingen veranstaltet. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab einen Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben...,"   Bericht wie oben im "Israelit"  

 
Ausschreibung der Lehrerstelle Eubigheim mit Filiale in Sindolsheim (1902)  

Eubigheim Israelit 30091902.jpg (61405 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902: Vakanz. Die mit einem festen Gehalt von 800 Mark und Nebengefällen von etwa 500 Mark nebst freier Wohnung verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Eubigheim mit Filial Sindolsheim ist bis 1. November dieses Jahres zu besetzen. Geeignete Bewerber (verheiratete vorgezogen) wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften sofort uns zusenden.   
Mosbach, 24. September (1902). Die Bezirkssynagoge: Dr. Löwenstein."   

    
Zum Tod des Bödigheimer Lehrers Samuel Schwarzenberger, der auch in Sindolsheim unterrichtete (1934)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20.Dezember 1934: "Bödigheim in Baden, 12. Dezember (1934). Lehrer Schwarzenberger, der seit 15 Jahren hier und in den Filialgemeinden Eberstadt und Sindolsheim amtierte, starb im Alter von 67 Jahren und wurde in Ladenburg am Neckar zur letzten Ruhe gebracht. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach sprach Dankesworte im Auftrag des Oberrats der Israeliten, des Bezirksrabbinats, der Gemeinden und der Chewra und würdigte die Verdienste des Entschlafenen als Forscher des Gesetzes, als Lehrer und Verwalter des altehrwürdigen Bezirksfriedhofes Bödigheim. Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim sprach Dankes- und Abschiedsworte im Namen der Kollegen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

 
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   

Zur Goldenen Hochzeit von Hirsch Wolf Kentenberger und seiner Frau (1887)  

Sindolsheim Israelit 16061887.jpg (148739 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1887: "Sindolsheim (Baden). Die in weiten Kreisen bekannten und beliebten Hirsch Wolf Kentenberger'schen Eheleute feierten im vorigen Monate in hiesiger Gemeinde ihre goldene Hochzeit. Der Jubilar versieht seit 20 Jahren die Vorsängerstelle bei der israelitischen Gemeinde. Am Festzug beteiligten sich außer der israelitischen Gemeinde auch der politische Gemeinderat, der Herr Pfarrer und die beiden Herren Lehrer. Herr Gutsbesitzer Stein aus Kudach übergab ein von ihm und seinen Freunden gewidmetes Sparkassenbuch mit eingezeichnetem Betrag von 680 Mark. Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein verlas ein Schreiben des Israelitischen Oberrats in Karlsruhe und übergab ein Geldgeschenk von 50 Mark von dieser Behörde. Daran anschließend überreichte Herr Bezirksrat und Bürgermeister Gramlich dem Ehepaar das huldvolle Geschenk des Großherzogs im Betrag von 30 Mark ein; weiter überhab Herr Niedermann als Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde dem Jubilar einen prachtvollen Regulator mit dem schönen Wunsche, dass derselbe dem Ehepaar die Stunde noch recht lange anzeige."  

    
Zum Tod von Hirsch Wolf Kentenberger (1892)  

Sindolsheim Israelit 28041892.jpg (72644 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1892: "Vor wenigen Tagen starb in Sindolsheim im Alter von 83 Jahren Herr Hirsch Wolf Kentenberger, ein wahrer frommer Mann, die Zierde der Gemeinde. Seine Gemahlin Johanna ist ihm 8 Tage vorausgegangen. Friedliebend und wohltätig war er bei allen Ortsangehörigen, Juden wie Andersgläubigen sehr angesehen. Vor 5 Jahren feierten die Genannten ihre goldene Hochzeit, wobei ihnen große Ehre erwiesen wurde. Galt es den Mann zu feiern, der in der Synagoge 40 Jahre unentgeltlich sämtliche gottesdienstlichen Funktionen versag. Herr Rabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach hielt die Leichenrede, in welcher die Tugenden des Verstorbenen gebührend geschildert wurden." 


   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige von E. Schorsch (1892)  

Sindolsheim Israelit 08121892.jpg (42425 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1892: "Stelle-Gesuch, Bäcker. Tüchtiger, junger, kräftiger Bäcker mit bester Empfehlung, selbständiger Arbeiter, sucht dauernde Beschäftigung in einer Brot-, Fein- oder Mazzenbäckerei. Gefällige Offerten an 
E. Schorsch, Sindolsheim (Baden) erbeten."   

        
Todesanzeige für den nach der Deportation umgekommenen Adolf Heimberger (1942)   
Anmerkung: Adolf Heimberger ist am 26. Mai 1866 in Sindolsheim als Sohn von Aron Heimberger und Rebekka geb. Friedberger geboren. Er ist in Sindolsheim aufgewachsen. Nach Abschluss seiner Ausbildung war er kurze Zeit (wann?) in Kuppenheim als Religionslehrer tätig. Danach übernahm er die Stelle des Kastellans ("Kirchendiener") in der Karlsruhe Synagoge. Adolf Heimberger wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert und starb im Lager Noé am 14. Januar 1942 an Hunger. Seine Frau Wilhelmine hat die Lagerzeit überlebt und starb 1952 in Baltimore/USA.    
Weiteres siehe im Gedenkbuch für die Karlsruhe Juden zu Adolf Heimberger.    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1942: 
"Mein geliebter Mann, unser geliebter Vater und Großvater 
Adolf Heimberger
 
ist unerwartet im Camp Noé gestorben. 
Wilhelmine Heimberger Camp Noé  
Familie Niedermann  Rivesaltes  
Familie Straus  
Emil Heimberger  1724 Ruxton Ave., Baltimore, Md."  

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge               
   
Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert stand eine Synagoge an der Stelle des heutigen Gartens beim Haus Kronenstrasse 2. Sie wurde bis um 1905/10 genutzt. Nach einem Bericht des Gemeindevorstehers David Keller von 1911 gehörten zur jüdischen Gemeinde damals noch fünf Familien. Die Synagoge sei zwar noch vorhanden, werde aber nicht mehr benützt. Das Gebäude wurde wegen Baufälligkeit um 1920 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde eine Scheune mit Anbau erbaut. Die Natursteinmauer der Rückseite des Anbaus war noch bis in die 1980er-Jahre der einzige Überrest der ehemaligen Synagoge. Inzwischen wurden diese Gebäude einschließlich der Mauer abgebrochen und das Grundstück Kronenstraße 2 neu bebaut. Bis heute wird bei der älteren Ortsbevölkerung der Bereich des Synagogengrundstückes als "Judenschule" bezeichnet. 
    
    
    
Fotos 
Historische Fotos:  

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite 


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos, vermutlich aus 
den 1970er-Jahren
(Fotos: Sammlung Leo-Baeck-Institut 
New York)
Sindolsheim Synagoge 110.jpg (62906 Byte) Sindolsheim Synagoge 111.jpg (73231 Byte)
   Grundstück der ehemaligen Synagoge Kronenstrasse 2, das nach Abbruch der Synagoge
 mit einer Scheune und einem Anbau überbaut wurde. Die Natursteinmauer an der
 Rückseite des Anbaus war der letzte Überrest der ehemaligen Synagoge 
   
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 11.5.2004) 
Sindolsheim Synagoge 210.jpg (48768 Byte) Sindolsheim Synagoge 211.jpg (53249 Byte)
   Grundstück der ehemaligen Synagoge Kronenstrasse 2. Es wurde mit einem 
Wohnhaus neu überbaut. Die Bebauung erinnert noch an die früher hier 
stehende Scheune mit Anbau.

    
   

Links und Literatur  

Links:

bulletWebsite der Gemeinde Rosenberg  
bullet Biografie des jüdischen Lehrers Adolf Heimberger (geb. 1866 in Sindolsheim) im Gedenkbuch für die Karlsruher Juden  

Literatur:   

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 70. 
bulletReinhart Lochmann: Die Geschichte der Juden in Sindolsheim, in: Heimatbuch Sindolsheim. 1999. 

    

                   
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Stand: 09. August 2026