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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Reilingen
(Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der
jüdischen Gemeinde (english version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Reilingen
bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung im Oktober 1937. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird
1743 ein Jud Meyer am Ort genannt. Die jüdischen Familien wohnten zunächst
vor allem in der "Judengasse" (heute: Wörschgasse).
Im 19./Anfang 20. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner
wie folgt: 1815 74 jüdische Einwohner (in 14 Familien), 1825 94 jüdische
Einwohner (9,4 % von insgesamt 996 Einwohnern); Höchstzahl um 1864/71 mit 112
Personen, 1885 85, 1888 74, 1892 70 (in 15 Familien), 1893 62 (in 13
Familien), 1897 57 (in 12-13 Familien; von insgesamt 2.242 Einwohnern),
1899 43 (in 13 Haushaltungen), 1900 42 (1,8 % von insgesamt 2.349), 1901 42 (in
13 Haushaltungen, von 2.255 Einwohnern), 1910 28 (1,0 % von 2.679).
Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend
vom
Viehhandel, aber auch vom Textil-, Stroh- und Fruchthandel. 1815
werden genannt (anlässlich der Annahme fester Familiennamen): Salomon Broda
(führt Tücher, Kattunwaren), Nathan Wolf (Viehhändler), Calmann Kahn (geringer
Viehhandel), Abraham Kahn (Metzger), Jacob Straßburger, Jakob Levi, Mayer Marx
(Viehhändler), Elias Oppenheimer (Viehhändler), Elias Oppenheimer (Viehhändler),
Moses Bär (Stroh- und Fruchthändler), Raphael Mayer (Viehhändler), Wolf Mayer
(Viehhändler), Samuel Reilinger, Liebmann Oppenheimer (Viehhändler), Hayum
Marx.
Im Krieg 1870/71 nahmen aus der jüdischen Gemeinde Bernhard Broda und
Liebmann Wolff teil. Ihre Namen finden sich auf einer Gedenktafel für die
Kriegsteilnehmer 1870/71 am Rathaus.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) sowie
eine Religionsschule (spätestens 1896 als Simultanschule genannt) und ein
rituelles Bad (beide Einrichtungen im Gebäude der Synagoge). Die Toten der
Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in
Wiesloch beigesetzt. Der Plan, neben dem allgemeinen Friedhof Reilingens
1895 auch einen jüdischen Friedhof einzurichten, wurde nicht verwirklicht.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern waren
u.a. tätig: Bär Lazarus (1816-1826), Aron Bessels (um 1839/43, u.a. bei der
Synagogeneinweihung genannt), Bär Bessel (gest. 1853), Abraham
Willstätter aus
Walldorf (ab 1853), Mayer Abraham Levi (um 1868), Adolf Weil
(1869), Straßburger (1871), Abraham (auch Aron) Heimberger
(1873/74 bis 1908, danach weiterhin im Ruhestand in Reilingen tätig;
unterrichtete 1892 16 Kinder, 1898 10 Kinder, 1899 5 Kinder, 1901 3 Kinder).
Lehrer A. Heimberger war Vorstand des von ihm begründeten Pensionsfonds für
israelitische Kantoren und Religionslehrer in Baden, deren Witwen und Waisen.
Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat
Heidelberg.
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1892/1893 S. Oppenheimer,
S. Broda I. und S. Kahn, um 1899 S. Kahn und S. Broda II, um 1901/1903 S.
Oppenheimer, S. Broda I und S. Broda II. Als Rendant wird genannt: um 1892/1893
S. Broda II.
An jüdischen Vereinen bestanden der Wohltätigkeits- und Beerdigungsverein
Chevrah kadischa (um 1888 unter Leitung von S. Broda I), identisch mit
dem 1892 genannten Israelitischen Wohltätigkeitsverein (um 1892/1898
unter Leitung von S. Broda I und Lehrer A. Heimberger; um 1901 unter Leitung von
S. Broda I, Lehrer A. Heimberger, S. Oppenheimer und S. Broda II). Um 1897/1903
wird ein Synagogenverschönerungsverein genannt (unter Leitung von S.
Broda und A. Heimberger), 1925 wird er als Synagogenverein
unter Leitung von Josef Broda genannt.
1925 wurden noch 21 jüdische Einwohner gezählt (0,7 % von 3.009
Einwohnern). Damals waren die Vorsteher der Gemeinde Josef Broda und Max Kahn.
Als Lehrer war weiterhin der seit 1908 im Ruhestand lebende Abraham/Aron
Heimberger am Ort. Er war weiterhin auch als Schochet tätig. Es gab damals noch
ein schulpflichtiges jüdisches Kind in der Gemeinde, das Religionsunterricht
erhielt. 1932
wird als Gemeindevorsteher weiterhin Josef Broda genannt. Als Lehrer und
Schochet kam nun in die Gemeinde Lehrer Heinrich Bloch aus
Schwetzingen. Er unterrichtete in Reilingen im Schuljahr 1931/31 zwei
jüdische Kinder.
Bis zur NS-Zeit gehörte jüdischen Einwohnern ein kleiner Textilhandel, eine
Handlung mit Vieh und Hopfen sowie eine Zigarrenfabrik. Auch ein jüdischer Arzt
hatte 1933 vorübergehend seine Praxis am Ort. Die Eigentümer dieser Handels-
und Gewerbebetriebe waren (mit Anschrift): Zigarrenfabrik Gebr. Bär
(Hauptstraße 68 und 74), Textilhandlung Hedwig Broda (Hauptstraße 101), Vieh-
und Hopfenhandlung Nathan Falk (Hauptstraße 54), Textilhandlung Geschwister Else
und Betty Kahn (Hauptstraße 182) sowie die Arztpraxis Dr. Herbert Kohn
(Hauptstraße 159).
1933 lebten 11 jüdische Personen am Ort (0,4 % von insgesamt 3.114
Einwohnern). Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sowie
der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen die meisten von ihnen in den
folgenden Jahren Reilingen, verzogen in andere Orte oder konnten emigrieren.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Wohnungen überfallen und
verwüstet, u.a. drangen halbwüchsige Schulkinder unter Führung ihres Lehrers in
die Wohnung der Geschwister Kahn ein und demolierten sie völlig. Die alten Damen
mussten durch ein Fenster in den Garten springen. 1939 wurden noch drei
jüdische Einwohner gezählt. Der letzte jüdische Einwohner - Max Kahn,
kaufmännischer Angestellter in einer Zigarrenfabrik, bis 1933 Schriftführer beim
Turnerbund in Reilingen - wurde am 22. Oktober 1940 von Reilingen aus in das KZ
Gurs nach Südfrankreich deportiert und ist umgekommen.
Von den in Reilingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen
Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von
Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hermann Baer (1860),
Fanny Beißinger geb. Kahn (1873), Hedwig Broda (1873), Minna Fränkl geb.
Reilinger (1881), Johanna Imber geb. Kahn (1889), Benny Kahn (1886), Betty Kahn
(1880), Elise Kahn (1878), Max Kahn (1883), Irmtraud Kohn (), Max Moses
Oppenheimer (1883), Nathan Oppenheimer (1875), Tekla Sander geb. Reilinger
(1882), Adelheid Westheimer (1858), Nanette Wolf geb. Mayer (1853).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle eines Hilfsvorbeters für die hohen Feiertage (1893 /
1907)
Anzeige
in "Der Israelit" vom 17. August 1893: "Gesucht wird in hiesiger Gemeinde
ein Hilfsvorbeter für die ehrfurchtgebietenden Tage.
Reilingen bei Schwetzingen. Sel. Oppenheimer, Vorstand."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1907:
"Hilfsvorbeter
für die hohen Feiertage
gesucht.
Meldungen an S. Broda II. Reilingen bei Mannheim." |
Schulkandidat Aron Bessels wird Lehrer und Vorsänger in
Reilingen (1843)
Anzeige
im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 5. Juli
1843 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit dem Vorsängerdienste
vereinigte Lehrstelle an der neu errichteten öffentlichen israelitischen
Schule bei der israelitischen Gemeinde Reilingen
im Unterrheinkreise, wurde dem bisherigen Religionsschullehrer bei
derselben, Schulkandidaten Aron Bessels von dort, übertragen." |
Zum Tod von Oberlehrer Adolf Weil
in Eichstetten (1929; war um 1869 Lehrer
in Reilingen)
Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 28. März 1929: "Freiburg im
Breisgau (Oberlehrer Adolf Weil). Am vergangenen Freitag wurde ein
verdienter Veteranen des Lehrerstandes, Oberlehrer Adolf Weil, wenige
Tage vor seinem 82. Geburtstage zu Grabe getragen. 36 Jahre wirkte der
Heimgegangene als Hauptlehrer an der Simultanschule in
Eichstetten, wo ihm schon vor einer
Reihe von Jahren von der Oberschulbehörde das Amt des Oberlehrers und
Schulleiters übertragen worden war. Früher war er an der Volksschule in
Reilingen, Sandhausen und
Michelfeld tätig. Ein kenntnisreicher,
vielseitig gebildeter Mann von vorbildlicher Pflichttreue und hervorragende
Eignung für sein verantwortungsvolles Lehrer- und Erzieheramt, hat mit ihm
das Zeitliche gesegnet. Seine segensreiche Wirksamkeit ist von der Regierung
durch die Verleihung des Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwen anerkannt
worden. Die zahlreiche Beteiligung an seiner Bestattung, bei der der
Synagogenrat und die Ortsbehörde von
Eichstetten und zahlreiche seiner Kollegen von Stadt und Land zugegen
waren, sowie die Nachrufe am Grabe - es sprach Religionslehrer Strauß für
die Bezirkskonferenz und den Natalie Eppstein-Verein, Oberlehrer Gänshirt
für die Schulbehörde in Eichstetten,
Herr Heinrich Mayer - Freiburg für den
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten - legten Zeugnis ab von der allgemeinen
Wertschätzung, der er sich erfreuen durfte. Der Landwehr- und
Reservistenverein, dem der Verstorbene als Schriftführer angehörte, legte
einen Kranz nieder. Der Oberrat der Israeliten, die Bezirkssynagoge und der
Synagogenrat Eichstetten ließen durch den Mund des Herrn Bezirksrabbiners
dem verdienstvollen Religionslehrer Dank und Anerkennung aussprechen. Herr
Bezirksrabbiner Dr. Zimels zeichnete in seinem warm empfundenen
Nachruf die Lehrertugenden, welche den Entschlafenen in hohem Maße
auszeichneten. Auch im Ruhestand hat der bis zuletzt körperlich und geistig
ungewöhnlich rüstige Mann in Freiburg, dass er sich zu seinem alten Sitze
ausersehen hatte, seine Unterrichtstätigkeit fortgesetzt wie er sich auch
auf sonstigen Gebieten: im jüdischen Jugendbund, für den Naphtali
Epstein-Verein und den Landeswaisenverein mit Eifer und Erfolg betätigte."
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Zum 25-jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Abraham/Aron
Heimberger (1881; Lehrer in Reilingen seit 1874)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1881: "Wiesloch. Es
dürfte den verehrlichen Lesern des 'Israelit' nicht uninteressant sein von
einer Feierlichkeit zu lesen, die in unserem Nachbarorte Reilingen zu
Ehren des Herrn Lehrers A. Heimberger, der am verflossenen Schabbat
Nachamu sein 25jähriges Dienstjubiläum feierte, veranstaltet wurde. Den
Glanzpunkt der Feierlichkeit bildete die Rede des Herrn Jubilars während des
Gottesdienstes, der in schönen Zügen mit ergreifenden Worten sein 25jährige
Wirksamkeit als Religionslehrer vorführte, auf die Worte: 'Bis hierher
hat uns Gott beigestanden' (1. Samuel 7,12) sich stützend, warf er einen
Rückblick auf seine verflossene Amtstätigkeit. Wenn er sein Verhältnis zu
der Gemeinde während seiner hiesigen Wirksamkeit betrachte, müsse er sagen,
dass es Gott zu danken sei, wenn sich Gemeinde und Lehrer in einem guten
Einvernehmen befänden, auch das Judentum brauche nicht zu verzagen, wenn,
wie in der neuesten Zeit gefahrdrohende Wolken am Himmel sich aufzutürmen
scheinen. 'Bis hierher hat Gott geholfen, Gott wird auch weiter helfen, wenn
Euch Tora und Gebote heilig sind.' Tut Eure Pflicht und Schuldigkeit,
so werde ich auch das ausführen, was ich Euch besprochen habe. (Entsprechend
dem letzteren Gedanken ein Zitat von Raschi). - Den weiteren Ausführungen
des geehrten Redners zu folgen, würde zu weit führen. Ich will nur noch
anführen, dass sich eine recht gemütliche Festesstimmung bei der im Hause
des Jubilars stattfindenden dritten Mahlzeit bei sämtlichen
Teilnehmern zeigte und dass es an Toasten und sinnreichen Trinksprüchen
nicht fehlte. Als Beweis für die Liebe und Anhänglichkeit zu ihrem Lehrer
überreichte der Synagogenrat Namens der Gemeinde und der Schuljugend dem
Jubilar einen prachtvollen, silbernen Pokal und noch verschiedene sehr
nennenswerte Geschenke. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre
zum Heile seiner Gemeinde in dem schönen Berufe eines Religionslehrers
wirken zu können; möge der Allgütige ihn bewahren vor jedem Ungemach in
Frieden und Freuden, noch lange bei seinen Angehörigen verbleiben zu können,
damit wir nach weiteren 25 Jahren von einem ähnlichen Feste berichten
können. A." |
Lehrer Abraham/Aron Heimberger
veröffentlicht ein Rätsel (1889)
Rätsel
in "Der Israelit" vom 14. März 1889: "Charade. 17 hebräische
Buchstaben.
Obige 17 Buchstaben ergeben die fünf folgenden Worte:
1) Eine Beschützerin jüdischer Knaben. 2) Eine Sidra. 3) Ein Nachkomme
Sems. 4) Ein Getränk. 5) Ein Gewürz.
Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten
nach oben besagen was? Reilingen. A. Heimberger, Lehrer."
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Festrede von Lehrer Abraham/Aron Heimberger zur Fahnenweihe des Militärvereines
(1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1891: "Reilingen
(Baden). Zu der am 10. Mai stattgehabten Fahnenweihe des hiesigen
Militärvereins war der israelitische Lehrer, Herr A. Heimberger,
vom Vorstande eingeladen worden, die Festrede zu halten. Seine ungefähr
eine halbe Stunde dauernde Rede wurde von der wohl 3.000 Köpfe zählenden
Menge begeistert aufgenommen. Diese Vorgang ist ein sichtlicher Beweis, dass
dahier die verschiedenen Konfessionen in Frieden und Eintracht
zusammenleben." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Juni 1891: "Bei der
Fahnenweihe des Militärvereins in Reilingen
hielt der dortige israelitische Lehrer Herr Heimberger auf
Einladung des Vereinsvorstandes die Festrede." |
Auszeichnung für Lehrer Abraham/Aron Heimberger (1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Oktober 1898: "Nachdem
aus dem Vermächtnis der Michel Weil Eheleute in Straßburg zur Verleihung von
Preisen auf 2. August dieses Jahres die Summe von 640 Mark der Behörde zur
Verfügung gestellt worden ist, hat dieselbe dem Hauptlehrer Elias Jakob
in Bühl einen Preis von 200 Mark und den
Religionsschullehrern Nathan Wolf in
Sennfeld, Abraham Heimberger in Reilingen, Jesaias Schwarzwälder
in Schluchtern
und Moses Lippmann in Karlsruhe je einen Preis im Betrage von 100 Mark in
Anerkennung ihrer langjährigen, verdienstlichen Leistungen auf dem Gebiet
des israelitischen Religionsunterrichts zuerkannt. Der Restbetrag von 40
Mark wurde zum Ankauf geeigneter Bücher, welche als Aufmunterungspreise an
jüngere strebsame Lehrer verteilt werden sollen, bestimmt." |
Zum 70. Geburtstag und zum 50jährigen Dienstjubiläum des Lehrers Aron Heimberger
(1904)
Anmerkung: es ist unklar, wieso Aron Heimberger 1904 seinen 70. Geburtstag
feierte. Nach dem Geburtsregister Sindolsheim
(http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1116533-102)
ist er am 21. Juni 1835 und nicht 1834 in Sindolsheim geboren als Sohn von
Emanuel Heimberger, Bürger und Handelsmann in Sindolsheim (geb. 1790) und seiner
Frau Rebekka geb. Sondheimer (1792-1854). Aron Heimberger heiratete am 23.
Februar 1864 in Sindolsheim Friedericka Rebecca geb. Friedberger, die am
15. September 1840 in Wachbach als Tochter
des Handelsmannes Jakob Friedberger und seiner (2.) Frau Hanna geb. Stern
geboren ist (Hochzeitsregister Sindolsheim
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=4-1116534-157). Aron Heimberger ist
in seiner Sindolsheimer Zeit als "israelitischer Bürger und Kleiderhändler"
eingetragen, nicht als Lehrer. Vermutlich hat er nebenberuflich die Kinder der
Gemeinde unterrichtet. Wenn Aron Heimberger 1904 sein 50-jähriges Dienstjubiläum
gefeiert hat, war er jedenfalls ab 1854 als Lehrer in Sindolsheim tätig. In
Sindolsheim war 1854/55 die Religionslehrerstelle ausgeschrieben, auf die sich
bewerben konnten: "Schul- oder Rabbinats-Kandidaten sowie andere inländische
befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner". Jedenfalls
dürfte Aron Heimberger von 1854/55 an bis spätestens zum Wechsel nach
Schriesheim in Sindolsheim unterrichtet
haben. In Schriesheim war er ab 1869/70
als Lehrer tätig danach 1871/74 in Billigheim,
von 1874 an in Reilingen).
Kinder waren: Jakob Heimberger, geb. 6. Januar 1865 in Sindolsheim (gest.
USA), Adolph Heimberger, geb. 26. Mai 1866 in Sindolsheim (umgekommen
1942 Internierungslager Noé), ausführlich zu ihm im Gedenkbuch Karlsruhe
https://gedenkbuch.karlsruhe.de/namen/1546; Regine (Regina) Heimberger,
geb. 24. April 1868 in Sindolsheim (gest. USA).
Nach dem Tod seiner ersten Frau war Aron Heimberger in zweiter Ehe verheiratet
mit Sophie geb. Löbmann (gest. 20. Dezember 1925, beigesetzt in
Wiesloch). Aus dieser Ehe entstammten die Kinder Berthold (geb. 16.
Februar 1875 in Reilingen, verh. seit 1910 mit Rosa geb. Mahler aus Ansbach;
gest. ?), Bertha (gest. 29. Juli 1877),
Lina (geb. 1877 in Reilingen, gest. 1. Juli 1941 in Enschede, Overijssel NL) und Klara (geb. 1879, verh. mit Max Wertheim,
sie starb 1941 Enschede, Overijssel NL, er 1943 Lager Westerbork).
Aron Heimberger starb im hohen Alter von 92 Jahren am 16. November 1926
in Reilingen und wurde in Wiesloch
beigesetzt, Grab
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2614042. Wiesloch).
Genealogische Hinweise:
https://www.geni.com/people/Aron-Heimberger/6000000040982807641 und
https://www.geni.com/people/Adolf-Heimberger/6000000035752019540
Weitere Hinweise:
https://de.findagrave.com/memorial/169358088/aron-heimberger
https://de.findagrave.com/memorial/109349478/adolf-heimberger
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1904: "Hockenheim, 22.
Juni (1904). Gestern beging Herr Lehrer A. Heimberger in Reilingen
sein 70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer 30jährigen Wirksamkeit an
diesem Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von 50 Jahren. Eine kleine, aber
erhebende Vorfeier wurde am 19. dieses Jahres von den israelitischen
Religionslehrern des Rabbinatsbezirkes Heidelberg und Reilingen
abgehalten. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab dem Gefeierten einen
Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben, worin die Verdienste erwähnt
waren, die sich der Jubilar als tüchtiger Schulmann und als Gründer und
Präsident des Pensionsfonds für israelitische Lehrer und Kantoren in Baden
erworben hatte. Herr Rabbiner Dr. Pinkuß - Heidelberg übersandte ein
herzlich gehaltenes Anerkennungsschreiben, die besten Wünsche für einen
glücklichen Lebensabend noch anfügend. Die israelitische Gemeinde Reilingen
nahm durch ihre Vertreter freudige Veranlassung, ihren schon oft durch
erkenntliche Aufmerksamkeiten bedachten Beamten mit einem schönen
Silbergeschenk zu erfreuen. Tief bewegt dankte der Jubilar für die Ehrung;
er freue sich, dass seine berufliche Tätigkeit und das Wirken für den
Lehrerstand anerkannt wird. Bei dem darauf folgenden gemütlichen
Zusammensein, wobei die Familie Heimberger eine gute Bewirtung erfolgen
ließ, wurden noch herzliche Worte gewechselt von dem Vorstande der dortigen
Gemeinde und den Lehrern zum Wohle der Familie. Mit den besten Eindrücken
verlief das Fest für den Geehrten der Ehrenden.
Am Geburtstage selbst wurden Herrn Heimberger zahlreiche Beweise der Liebe
und Freundschaft gebracht. Im Auftrage des Großherzoglichen Oberrats der
Israeliten überbrachte Herr Rabbiner Dr. Pinkuß persönlich ein
Gratulationsschreiben und ein Geldgeschenk von hundert Mark." |
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Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 16. Juni 1904: "Aus Baden. Am
21. Juni beging Herr Lehrer Aron Heimberger in Reilingen seinen 70.
Geburtstag. Die vielen Freunde des verdienten Seniorkollegen werden freudige
Veranlassung nehmen, ihre Glückwünsche darzubringen. Die Mitglieder des
früher bestandenen Pensionsfonds für israelitische Lehrer, dessen Gründer
und Leiter der Jubilar bis zur Übergabe desselben in die Verwaltung des
Großherzoglichen Oberamts der Israeliten war, werden durch diese Mitteilung
sich besonders verpflichtet fühlen ihre Erkenntlichkeit in der Form eines
Glückwunschschreibens auszusprechen. " |
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Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. Juli 1904: "Hockenheim. Am
22. Juni beging Herr Lehrer A. Heimberger in Reilingen sein
70. Geburtstagsfest und den Gedenktag einer 30-jährigen Wirksamkeit an
diesen Orte, bei einer gesamten Dienstzeit von 50 Jahren. Aus dieser
Veranlassung wurde eine kleine, aber erhebende Vorfeier von den
israelitischen Religionslehrer des Rabbinatsbezirks Heidelberg in
Reilingen veranstaltet. Eine Deputation von sechs Kollegen übergab einen
Ruhesessel mit einem Glückwunschschreiben...," Bericht wie oben im
"Israelit" |
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| In: Rechenschaftsbericht der Achawa - Verein
zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer usw." für das Jahr
1910 S. 10: Lehrer A. Heimberger in Reilingen sammelt am 30. Mai 1910
Spenden bei der Hochzeit seines Sohnes Berthold Heimberger mit Rosa geb.
Mahler aus Ansbach. |
85. Geburtstag von Lehrer
a.D. Abraham/Aron Heimberger (1921)
Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 8. Juli 1920: "Reilingen. Am
21. dieses Monats feierte in seltener geistiger wie in körperlicher Frische
der pensionierte Religionslehrer Herr A.. Heimberger seinen 85.
Geburtstag. Heimberger ist der Senior der badischen Religionslehrer
und Kantoren und der älteste Bürger des Ortes." |
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| Auch der 90. Geburtstag von Aron Heimberger
am 21. Juni 1924 wird bekannt gegeben (in "Israelitisches Familienblatt"
vom 19. Juni 1924 S. 5). |
Zum Tod von Lehrer a.D.
Abraham/Aron Heimberger (1926)
Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 17. Dezember 1926: "Reilingen.
(Todesfall). Mit dem hier im Alter von 92 Jahren verstorbenen
israelitischen Lehrer a.D. A. Heimberger ist der älteste Einwohner unseres
Ortes verschieden. Unter großer Beteiligung fand die Beerdigung statt. Der
Vorstand des Militärvereins überbrachte dem Mitgründer den letzten Gruß.
Auch die Geistlichen beiden Konfessionen beteiligten sich an der
Trauerfeier, während Bezirksrabbiner Dr. Pinkus die Verdienste des
Verstorbenen würdigte." |
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Artikel
in "Israelitisches Familienblatt" vom 30. Dezember 1926: "Am 16. November
ist der älteste jüdische Religionslehrer Badens Aron Heimberger im
gesegneten Alter von 92 Jahren aus unserer Mitte geschieden. Mehr als 50
Jahre hat der Verewigte in verschiedenen Gemeinden Badens zuletzt in
Reilingen, woselbst er auch seine Ruhe Jahre verbrachte, gewirkt.
Ein besonderes Verdienste um die jüdische Lehrerschaft seines Heimatlandes
hat er sich durch die Gründung einer Pensionskasse erworben; nach
vieljähriger unablässiger Tätigkeit konnte er im Jahre 1895 der Zentralkasse
40.000 Mark als Grundstock zum weiteren Ausbau durch die Zentralbehörde
übergeben.
Die hohe Verehrung, welche der Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung
genoss, kam bei der Beerdigung zum Ausdruck. Neben seiner Gemeinde und
vielen Berufskollegen, gaben ihm auch die katholische und evangelische
Geistlichkeit das letzte geleitet. Er ruhe sanft in Frieden!" |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Feier des Geburtstages des
Großherzoges in der Schwetzinger Synagoge unter Beteiligung der Reilinger
Schuljugend (1839)
Artikel in "Israelitische Annalen" vom 27. September 1839: "Schwetzingen,
30. August. Die Feier des hohen Geburtstages unseres vielgeliebten
Großherzogs beschränkte sich bei den Israeliten Badens bis jetzt nur auf
die Synagogen eines jeden Rabbinatssitzes, während die Israeliten der
Dorfgemeinden ihre Gefühle für unseren väterlichen Landes haben an diesem
Tage nicht wie ihre christlichen Mitbürger durch würdige Feier dartun
konnten. Diesem Mangel abzuhelfen hat unser allgemein verehrter Geistlicher,
Herr Bezirksrabbiner Fürst von Heidelberg, angeordnet, dass
alljährlich außer zu Heidelberg, die Feier des allerhöchsten Geburtstages
auch in einer anderen Synagoge des Rabbinats stattfinden solle, wobei die
israelitische Schuljugend des ganzen Amtsbezirks die Feierlichkeit durch
passende Choralgessänge zu heben habe, und für die diesjährige Feier ward
die Synagoge dahier bestimmt.
Diese Feier fand nun gestern in der hierzu mit Blumengewinden festlich
ausgeschmückten Synagoge morgens um 10 Uhr statt.
Zuerst sang die Schuljugend der Gemeinden
Schwetzingen, Reilingen und
Hockenheim, unterrichtet von den, wie
im übrigen, so auch im Gesangunterricht tüchtigen Lehrern Bessels
(sc.
Reilingen), Flehinger und Marx die von den Rabbinen angegebenen
Psalmen 21. 45. 61. 63. 72 und einige von eben denselben bezeichnete Lieder
In deutscher Sprache.
Hierauf folgte ein angemessenes Gebet, und eine sehr gehaltvolle Rede des
Herrn Bezirksrabbiners Fürst, worin derselbe mit eindringlichen
Worten die Gemeinde (es wird an diesem Tage auch der Eid der Treue
geschworen) zur Ergebenheit, Liebe und Anhänglichkeit aufforderte, die wir
der hohen Milde, Weisheit und Gerechtigkeit unseres teuren Landesvaters
schuldig seien, die Anhänglichkeit an unser vielgeliebtes Vaterland an das
Herz legte und den Segen des Himmels für Fürst und Vaterland erflehte. Der
hierauf den Beschluss machende Choralgesang der Schuljugend gereichte, teils
wegen der guten Auswahl der Gesänge, dem Herrn Rabbiner, welcher die
Feierlichkeit leitete, teils wegen der sehr fleißigen Einübung, den
erwähnten Lehrern zur großen Ehre bei der ganzen Versammlung, welche nicht
nur aus Synagogenräten und israelitischen Bürgern des Bezirks bestand,
sondern welcher auch die Geistlichkeit, löblicher Gemeinderat, sämtliche
Amtspersonen und viele christliche Bürger beiwohnten. "
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Die Israelitische Gemeinde
Reilingen setzt sich für die Gleichstellung der staats- und gemeindebürgerlichen
Rechtsverhältnisse ein (1846)
Artikel
in "Die Reform des Judentums" vom 18. November 1846: "Referate. Kammer
Verhandlungen über die Emanzipation der Juden in Baden. Brentano. Meine
Herren, ich habe Ihnen zuerst über die in der heutigen Sitzung eingekommenen
Petitionen Bericht zu erstatten.
Es ist in der 13. öffentlichen Sitzung in diesem Hause eine Petition der
israelitischen Gemeinde Reilingen vorgelegt worden, deren
Schlussantrag dahin geht: eine hohe zweite Kammer wolle dahin wirken, dass
die Israeliten mit ihren christlichen Mitbürgern in den staats- und
gemeinde-bürgerlichen Rechtsverhältnissen gleichgestellt werden. An diesen
Antrag der Petition reiht sich die Bemerkung an, dass die christlichen
Mitbürger mit dem gestellten Antrage einverstanden sind, was durch die
Unterschrift des Bürgermeisters, Gemeinderats und 73 Mitgliedern der
Gemeinde bezeugt wird. Wenige Tage nachher wurde in der Kammer durch den
Abgeordneten Fauth, zu dessen Amtsbezirk bekanntlich diese Gemeinde
gehört, eine Erklärung des Bürgermeisters und zwei Mitgliedern des
Gemeinderats übergeben, in welcher dieselben erklären, dass sie zur
Unterschrift der Petition der Israeliten durch Täuschung gebracht worden
seien, indem man ihnen vorgespielt habe, dass die Petition den Zweck habe,
den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen, um die Blüte des Hopfenhandels zu
befördern. (Fauth: ich will nur erklären, dass ich von dieser Petition
nichts gewusst habe). Darüber kann sich jeder seine Gedanken selbst machen,
ob Sie etwas davon gewusst haben oder nicht. Es wurde in dem Bericht der
Petitionskommission hervorgehoben, dass diese zweite Petition,
beziehungsweise Erklärung einzelner Mitglieder des Gemeinderats und
Bürgerausschusses nicht unterschrieben sei, und man auch nicht annehmen
wolle, dass der Gemeinderat, der an der Spitze der Unterschriften gestanden
ist, sich habe täuschen lassen.
Heute wird nun eine Petition vorgelegt, von deren Erscheinen ich und mehrere
meiner Freunde schon vor einigen Tagen in Kenntnis gesetzt wurden. Ich
könnte Ihnen sagen, wer die Petition hervorgerufen hat, allein es ist nicht
notwendig, man wird sich dies denken können (Fauth: der Kommissionsbericht -
Hecker: nein, der Abgeordnete Fauth). In dieser Petition sagen die
Mitglieder des Gemeinderats und 143 christliche Bürger aus, dass auch der
Bürgermeister mit dem Gemeinderat und Bürgerausschuss von den Israeliten zu
den Unterschriften durch die Täuschung veranlasst worden seien, bloß dadurch
die Beurkundung der Echtheit der Unterschrift der Israeliten zu geben. Nun.
ich glaube, es gehört ein großer Mut dazu, mit einem solchen
testimonium..."" |
"Makkabäerfeier" zum Chanukkafest der zionistischen
Ortsgruppe Schwetzingen (mit
Hockenheim, Ketsch und Reilingen) (1902)
Artikel
in "Jüdische Rundschau" vom 9. Januar 1903: "Mannheim, 29. Dezember 1902.
Die hiesige Ortsgruppe hielt am Sonntagnachmittag in
Schwetzingen eine Makkabäer-Feier
ab. Erschienen waren alle jüdischen Familien dieser Stadt sowie viele von
Hockenheim,
Ketsch und Reilingen. Namens der
Veranstaltung begrüßte Julius Wertheim die Anwesenden, worauf der Vorstand
der Schwetzinger Gemeinde, Herr
Samuel Levi dankte. Nach dem Prolog, den Frl. Kaufmann -
Ketsch gesprochen und nach Entzünden des
Chanukkalichtes hielt unser Gg. Eichstetter -
Schwetzingen, den wir seit dem
Mannheimer Delegiertentag, dem er als Gast beiwohnte, zu den unsrigen
zählen, eine zündende Ansprache an die vollzählig vertretene Jugend, der
sich mit einigen Worten der Leiter der Versammlung, Gg. Wertheim anschloss.
Wunderbar vorgetragenen Lieder aus jüdischen Motiven, von Frl. Betti Hanf
und Klaviervorträge der Frl. Eugenie Hanf -
Schwetzingen und Alexander -
Hockenheim leiteten zu der Festrede
ein, die unser Gg. Julius Simon - Mannheim in formvollendeter Weise hielt.
Tosender Beifall lohnte die klaren Ausführungen des Redners. Vorträge
humoristischer Art unseres Gg. Traub, wiederholte musikalische Darbietungen
oben erwähnter Damen wechselten mit weiteren Ansprachen ab. Alles in allem:
wir haben einen Nachmittag verbracht, auf den wir mit Stolz blicken dürfen.
Wir werden uns freuen, Ihnen in Kürze den Gesamtvorstand unserer neuen
Ortsgruppe Schwetzingen -
Hockenheim -
Ketsch - Reilingen mitzuteilen.
" |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Jacob Baer sucht eine Stelle für ein Mädchen aus der
Gemeinde (1887)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1887: "Für ein israelitisches
Mädchen aus achtbarer Familie, welches seine Lehrzeit in einem Glas,
Porzellan-, Kurz-, Galanterie- und Spielwarengeschäft beendet, wird in einem
ähnlichen Geschäft, am liebsten in Süddeutschland, eine Stelle als
Verkäuferin gesucht.
Gefällige Anfragen wolle man an Jacob Baer in Reilingen
(Baden) richten." |
Anzeige des
Manufakturwaren-Geschäftes Karl Kahn (1924)
Anzeige in "Israelitisches Familienblatt" vom 13. März 1924: "Mädchen
aus guter Familie, welches in Hausarbeiten bewandert und auch etwas
kochen kann, für kleinen Haushalt gesucht.
Karl Kahn Manufakturwaren-Geschäft
Reilingen bei Schwetzingen/Baden." |
Zur Geschichte
des Betsaales / der Synagoge
Anfang des 19. Jahrhunderts wird erstmals ein Betsaal beziehungsweise
eine Synagoge genannt. Um 1812 brannte es in der Synagoge, wobei mindestens eine
Torarolle verbrannt ist. Der damalige Lehrer und Vorsänger war Lazarus Bär. Bis
1841 war der Betsaal im Haus des Jakob Levi in der Wörschgasse (frühere
Judengasse; erstes Haus auf der linken Straßenseite) untergebracht. Um 1830 war
dieser Betsaal zu eng und das Gebäude baufällig. Es wurde einige Zeit später
(nach 1840) abgebrochen (hier ist heute ein Parkplatz).
Zur Finanzierung eines neuen Bethauses wurde 1831
ein Synagogenbauverein gegründet. Die Mitglieder verpflichteten sich zu
regelmäßigen Zahlungen, die einem Fonds zugeflossen sind. 1839 war so viel Geld
zusammengekommen, dass man an den Bau der Synagoge gehen konnte.
1839/40
wurde sie nach Plänen des Mannheimer Bezirksbaumeisters Friedrich Dyckerhoff
(Schüler von Friedrich Weinbrenner) in der Hockenheimer Straße 18 erbaut. Die
Bauarbeiten mussten mehrmals ausgeschrieben werden, um möglichst günstige
Angebote der Handwerker zu bekommen. Ein jüdischer Maurer namens Raphael Mayer
übernahm die Maurerarbeiten einschließlich des rituellen Bades und der
"gepflasterten Kandel" für 2.400 Gulden. Die Synagoge wurde laut Plan des
Bezirksbaumeisters gebaut. Lediglich statt der breiten Speicherfenster
sollte im vorderen Giebel ein dreifach gekoppeltes Fenster oder ein
Rundbogenfenster angebracht werden. Offensichtlich einigte man sich auf das
Dreifach-Fenster, das noch heute im Giebel erhalten ist. Auch die jüdische
Schule war in dem Gebäude untergebracht.
Die Einweihung der Synagoge war am 13. November
1840 (17. Cheschwan 5601) durch Bezirksrabbiner Salomon Fürst aus
Heidelberg. Aus dem nebenstehenden Artikel geht hervor, dass anlässlich der
Einweihung eine (aus diesem Anlass übliche) Prozession (mit den Torarollen) vom
bisherigen Betsaal in die neue Synagoge stattgefunden hat. Offenbar gab es
damals auch einen Synagogenchor unter Leitung des Schullehrers Aron Bessels.
Artikel
in der Zeitschrift "Israelitische Annalen": 19. Februar 1841: Literatur.
Vorträge bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Reilingen,
gehalten am 13. November 1840. Von S. Fürst, Großherzoglich Badischer
Bezirksrabbiner zu Heidelberg. (Das. bei Groos.)
Mit einem herzlichen Vorworte, worin der schöne Eifer des dortigen
Schullehrers Aron Bessels in Förderung des Choralgesanges gerühmt
wird, werden diese Vorträge eingeführt, deren einer das Verlassen des alten
Gebäudes, der andere die Einweihung des neuen feiert. Wir bedauern, dass wir
diese Rede erst so spät lesen konnten, und machen alle unsere jungen
Theologen auf diese salbungsreichen, kräftigen Predigten aufmerksam, die
ebenso populär als gefühlvoll ausgedrückt, jeden Kenner ansprechen müssen,
auch einen erfreulichen Beweis von dem Streben des Verfassers darbieten." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1841: "Vorträge
bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Reilingen, von S. Fürst,
Großherzoglich Badischer Bezirksrabbiner zu Heidelberg. Preis geh. 3 1/2
Ngr. = 3 gGr. = 15 Kr. Folgendes Urteil eines kompetenten Richters
findet sich über diese Vorträge in den Israelitischen Annalegen dieses
Jahres No. 8 von Herrn Dr. J. M. Jost in Frankfurt am Main.:
es wird obiger Artikel zitiert." |
Nach ihrer Fertigstellung erfüllte die
Synagoge ihren Zweck zur Zufriedenheit der Gemeinde. Einige Jahre nach der
Fertigstellung musste noch ein Ofen für das rituelle Bad angeschafft werden.
1873 wurden vor der Synagoge zwei junge Linden zur Erinnerung an den siegreichen
Frankreichfeldzug 1870/71 gepflanzt. Auch ein jüdischer Soldat aus Reilingen -
Wolf Liebmann - war als Soldat dabei gewesen.
Bereits um 1910 hatte die kleiner gewordene Gemeinde
Schwierigkeiten, die für den Gottesdienst nötigen 10 Männer zu sammeln. 1929
wurde das Gebäude verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut (zeitweise mit einem
Friseurgeschäft und bis 1960 einem Volksbad). Die Kultgegenstände wurden dem
Israelitischen Oberrat in Karlsruhe übergeben.
Bis heute erinnern die neuromanischen Formelemente an der Fassade des Gebäudes
an die frühere Geschichte des Hauses. Seit 1984
befindet sich zudem eine Hinweistafel am Gebäude. Ein Tora-Vorhang aus der
Synagoge, der 1936 von Rechtsanwalt R. Weill aus Karlsruhe nach Israel gebracht
wurde, wird in der Synagoge von Kfar Schemarjahu (nördlich von Tel Aviv) in
einer Vitrine aufbewahrt. Dieser Tora-Vorhang war 1880 von einer oder mehreren
Frauen aus Reilingen gestickt und vor dem Tora-Schrein aufgehängt worden.
Nachdem er seit 1936 zum Schmuck des Toraschreines in der Synagoge von Kfar
Schemarjahu verwendet wurde, kam er aus Altersgründen zunächst in das Israel
Museum in Jerusalem, von dort wieder zurück in eine Vitrine der Synagoge Kfar
Schemarjahu.
Fotos
Historische Fotos
(Quelle: Stadt Reilingen; Foto von 1925 Quelle:
hier anklicken):
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Postkarte von 1904 - Ausschnitts-
vergrößerung mit Synagoge links |
Die Synagoge -
Fotografie um 1925 |
Aufnahme der zu einem Wohnhaus
umgebauten Synagoge, ca. 1938 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985
(Fotos: Hahn) |
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In der Hockenheimer Strasse überragt
die Synagoge bis heute
die Nachbarhäuser |
Ansicht von Westen mit den noch
erhaltenen neuromanischen
Formelementen |
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Toravorhang aus Reilingen, 1880 von
Reilinger Frauen gestickt, jetzt in Kfar
Schemarjahu/Israel |
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn) |
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Straßenseite der ehemaligen Synagoge |
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| März 2012:
Presseartikel über die Geschichte des
Synagogengebäudes |
Artikel von Gisela Jahn in der "Schwetzinger
Zeitung" vom März 2012: "Serie 'Alte Häuser und ihre Geschichten' (4):
Hockenheimer Straße 18 beherbergte von 1836 bis 1927 die Synagoge. Zeugnis
jüdischer Geschichte.
Reilingen. Es ist noch immer ein schmuckes Gebäude, die ehemalige
jüdische Synagoge in Reilingen in der Hockenheimer Straße 18. Von
Autofahrern wird es kaum bemerkt, weil dort ein hohes Verkehrsaufkommen den
Blick hinauf zu dem dreifach gekoppelten Fenster und den neuromanischen
Formelementen an der Fassade des Gebäudes kaum zulässt. Das Haus hat eine
wechselvolle Geschichte..."
Link zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die
jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 246-247. |
 | Bildband 700 Jahre Reilingen. 1984. |
 | Philipp Bickle: Aus der Geschichte der Reilinger
Juden, in: Ortschronik Reilingen. 1986. S. 361-368. |
 | Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises
Mannheim, in: Die Kunstdenkmäler Badens X,3. 1967. S. 310. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 495-496. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes
Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und
Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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 | Christiane
Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine
Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften
der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter
Heidelberg 2012.
Zur Synagoge in Reilingen: S. 56-58. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust".
First published in 2001 by
NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by
Yad Vashem Jerusalem, Israel.
Reilingen Baden. The
first Jews settled in the 18th century, erecting a synagogue in 1840. The
community reached a peak population of 112 in 1871, dropping to 42 in 1900
(total 2,349) after the exodus of the young. In 1933, the Jewish population was
11, with Jews owning two textile stores and a cigarette factory. Four perished
in the camps after 1940; a few managed to reach the U.S.

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