Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gießen (Hessen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt -
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Gießen wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.   
     
Enen Teil der Texte hat freundlicherweise Susanne Reber abgeschrieben, einige andere konnten noch nicht abgeschrieben werden - bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken
    
  
 

Übersicht:  

bulletBerichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
-  Die Befürworter von liberalen Reformen in der Gemeinde formieren sich (1845)   
-  Leichenteile aus der Anatomie der Universität werden auf Initiative von Rabbiner Dr. Levi nun würdiger beigesetzt sowie andere Mitteilungen (1860) 
-  Ein jüdisches Brautpaar lehnt den traditionellen Brauch bezüglich der Chaliza ab (1862)  
-  Die liberalen Reformen sind an Gießen "so ziemlich alle ... spurlos vorübergegangen" (1863)  
Über jüdische Strafgefangene im Großherzogtum Hessen (u.a. Marienschloß) - Lehrer Levi aus Angenrod wird Lehrer an der Vorschule des Gymnasiums in Gießen - Umbenennung der "Judengasse" in Gießen in "Rittergasse" (1880) 
-  Die Israelitische Religionsgesellschaft bildet sich (1886)   
-  Über die Zahl der jüdischen Gefängnisinsassen in Hessen - Bericht von Rabbiner Dr. Levi (1888)  
Z
um Ergebnis der Reichstagswahl in Gießen und dem Erfolg der Antisemiten (1890)  
-  Antisemitische Provokationen (1891)  
-  Die Beeidigung der Rekruten wird ohne konfessionelle Trennung vorgenommen (1891)  
-  (Kleine) Niederlage für die Antisemiten (1891) 
D
er Gelehrte Carl Vogt äußert sich über den Antisemitismus (1892)  
Über den "Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Israeliten in Oberhessen" (1894)   
-  Erfolgreiche Arbeit des Talmud-Tora-Vereins (1894)   
-  Gründe für die Abspaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft und Hoffnung auf Wiedervereinigung der beiden Gemeinden (1894)   
-  Neun Jahre Israelitische Religionsgesellschaft - ein orthodoxer Rabbiner wird gewählt (1895) 
Gründung eines "Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" (1902)    
Vortrag im "Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden in Gießen" (1902)   
-  Vortrag von Dr. Adolf Kohut im "Verein für jüdische Geschichte und Literatur" (1903) 
Vortrag von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld im "Verein der Sabbatfreunde" (1906)   
Vortrag von Rabbiner Dr. Cahn (Fulda) im "Verein der Sabbatfreunde" (1907)    
-  Generalversammlung des Israelitischen Frauenvereins (1909)   
-  Über die Zuschläge auf die Einkommensteuer in den einzelnen jüdischen Gemeinden im Bezirk Gießen (1909)   
-  Der antisemitische Kandidat in Gießen siegt bei der Reichstagswahl (1911)  
-  Aus der Gießener Medizinerschaft sollen alle jüdischen Personen ausgeschlossen werden (1919)  
-  Jüdische Schüler werden belästigt, Fenster jüdischer Wohnungen und der Synagoge werden eingeworfen (1920) 
Der Landtag von Hessen beschäftigt sich mit den antisemitischen Exzessen an der Universität Gießen (1921)    
-  Vortrag von Rabbiner Dr. Dienemann vor dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (1921)  
-  Gemeindeveranstaltungen im Winter 1921/22 (1921)  
-  Vortrag von Oberkantor Magnus Davidsohn in der Synagoge (1922) 
40-jähriges Bestehen der Israelitischen Religionsgesellschaft (1927)  
Das Lektorat für rabbinische Wissenschaften an der Universität soll wieder eingerichtet werden - 60-jähriges Bestehen der Synagoge der Religionsgemeinschaft - Zum Tod von Justizrat Dr. Katz  (1927)  
Verworfene Revision des Nationalsozialisten Haselmeyer - Renovierung des Gemeindehauses der Religionsgemeinde (1927)  
An den Universitätskliniken soll eine Koscherküche eingerichtet werden und andere Mitteilungen (1927)  
Kinderkostümfest des israelitischen Frauenvereins (1928) 
Landeskonferenz der jüdischen Lehrerschaft Hessens in Gießen (1929)  
Vortragsabend über Palästina  -  Wahlen in der orthodoxen Religionsgesellschaft (1929)   
Mendelssohnfeier der liberalen Religionsgemeinde (1929)  
Abendveranstaltung des Jüdischen Jugendbundes (1929)   
Erfolge der Nationalsozialisten bei den Wahlen der Gießener Studentenschaft - antisemitischer Vorfall gegen das Gießener Stadttheater in Alsfeld (1930)  
-  Die jüdischen Pferdehändler sind vom Pferdemarkt ausgeschlossen (1933)  
-  Vortrag von Rabbiner H. Mayer aus Frankfurt in der Israelitischen Religionsgesellschaft (1934) 
-  Kundgebung des "Misrachi" (1935)  
-  Gemeindebeschreibung von 1936  

    
    
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Die Befürworter von liberalen Reformen in der Gemeinde formieren sich (1845)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juni 1845: "Gießen, 20. Mai (Frankfurter Journal) Die Reformbewegungen im Judentum haben auch hier begonnen. Am 11. d. vereinigten sich nämlich die Freunde des Fortschritts aus der hiesigen israelitischen Gemeinde, zu denen die Mehrzahl derselben gehört, zu einer gemeinsamen Besprechung über die jetzt, mit Rücksicht auf die nahe bevorstehende zweite Rabbinerversammlung, im Interesse der heiligen Sache vorzunehmende Schritte. Sicherm Vernehmen nach hat man vorerst eine Gegenerklärung gegen die Protestation der 77, jedem zeitgemäßen Fortschritte abgeneigten und an den abgelebten Talmudismus (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Talmud) sich anklammernden Rabbinen, welche nächstens der Öffentlichkeit übergeben werden dürfte beschlossen und eine zweite Versammlung auf den 18. dieses Monats verabredet."       

  
Leichenteile aus der Anatomie der Universität werden auf Initiative von Rabbiner Dr. Levi nun würdiger beigesetzt sowie andere Mitteilungen (1860)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1860: "Aus dem Großherzogtum Hessen, im August (1860) (Privatmitteilung). Die Religion der Liebe ist nicht diejenige, welche von der Liebe spricht, sondern jene, welche diese Liebe durch Taten zeigt; deshalb sah sich ein Rabbiner veranlasst, einen Missstand mit Erfolg zu bekämpfen, welche auf dem Standpunkte des Judentums mit der dem Nebenmenschen schuldigen Achtung und Liebe sich nicht verträgt. – An der Universität zu Gießen war es nämlich bisher Gebrauch, dass die Überreste der menschlichen Leichen, nachdem sie auf dem Anatomietische der Wissenschaft gedient hatten, ohne Bekleidung, ja sogar ohne Sarg, durcheinander in ein an der Friedhofsmauer gegrabenes Loch geworfen, und da, nicht als ob sie die Überreste einer menschlichen Leiche gewesen wären, verscharrt wurden. Es sind zwar die Leichen von Verbrechern, welche der Anatomie überliefert werden, aber auch im Schuldvollen sollen wir nach den Lehren des Judentums den Bruder achten (5. Buch Mose 25, 3) und die Leiche des Gehängten soll nicht über Nacht am Galgen bleiben (daselbst 21, 23), weshalb der großherzogliche Rabbiner Dr. Levi zu Gießen sich aufgefordert fühlte, wegen dieses das religiöse Gefühl tief verletzenden Verfahrens gegen die menschliche Leiche bei der betreffenden Staatsbehörde Beschwerde zu führen, in Folge deren auf eine an den Professor der Anatomie ergangene Verfügung derselbe sich bereiterklärte, die Überreste der Leiche eines Individuums christlichen Glaubens in einem Sarge gesondert und die eines Individuums mosaischen (vgl. https://de.wiktionary.org/wiki/mosaisch) Glaubens auf eine ähnliche Weise auf einem israelitischen Friedhofe beerdigen zu lassen. Es genügt diese einfache Mitteilung, um auf gleiche Fälle in anderen Universitätsstädten aufmerksam zu machen. 
Die Rabbiner-Witwen-und-Waisen-Kasse zahlt jetzt an zwei Witwen verstorbener Vereinsmitglieder jährliche Gehalte aus, welche größtenteils aus den Zinsen der Vereinskasse bestritten werden. Es ist zu verwundern, dass die Kasse, welche auf diese Weise bereits ihre segensreichen Früchte spendet, nicht einer größeren Teilnahme sich erfreut, insbesondere, dass sie noch immer von den israelitischen Gemeinden unbeachtet bleibt, welche durch eine Beteiligung an derselben auf eine liebevolle und höchst billige Weise den Hinterbliebenen ihrer Rabbiner die ihnen schuldige Unterstützung zusichern könnten. Auf eine solche Beteiligung der Gemeinden hoffte jene Generalversammlung, welche am 22. Oktober 1857 zur Frankfurt a. M. die Statuten der Kasse revidierte und denselben folgende Abstimmung hinzufügte: 
C. Beteiligung der Gemeinden § 16. Die Gemeinden respektive Rabbinatsbezirke sind berechtigt, ihre angestellten Rabbiner und Prediger in die Kasse einzukaufen und die Beiträge für dieselben zu entrichten. Die näheren Modalitäten sind von der Direktion unter sorgfältiger Berücksichtigung aller bezüglichen statutenmäßigen Bestimmungen mit den betreffenden Gemeinden, respektive Rabbinatsbezirken zu vereinbaren. Eine Bestimmung, welche von den israelitischen Gemeinden aus vielen Gründen die sorgfältige Beachtung verdient."       

  
Ein jüdisches Brautpaar lehnt den traditionellen Brauch bezüglich der Chaliza ab (1862)    
Anmerkung: Zum Thema Chaliza vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Chalitza-Schuh  sowie den Artikel http://juedisches-recht.org/mc-famil-r-schwagerehe.htm   
Dazu auch zum jüdischen Scheiderecht https://de.wikipedia.org/wiki/Scheidebrief  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. August 1862: "Gießen, im August (Privatmitteilung) Bei Gelegenheit einer Trauung, im Begriffe, dem Bräutigam und seinem Bruder die Versprechen wegen Ketubba (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ketubba) und Chaliza (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Chalitza-Schuh) abnehmen zu lassen, erklärte mir Ersterer, im Angesichte und mit Zustimmung des Letzteren, wie auch im Angesichte und mit Zustimmung seiner Braut und ihres Vaters: 'Herr Rabbiner! Ich und mein Bruder und meine Braut, wir alle wollen nicht, dass, wenn ich ohne Kinder sterben sollte, diese meine künftige Frau irgendeine Verbindung mit diesem meinem Bruder haben soll, er soll sie weder heiraten noch ihr Chalizah geben; es ist das ihr und mein bestimmter Wille. In Gegenwart dieser beiden Zeugen geben mir alle drei Ihnen diese Erklärung und dass wir mit dieser Voraussetzung unsere Ehe schließen.' Auf meine Anfrage, ob er diese Voraussetzung zur Bedingung der Gültigkeit der Trauung mache, ward er stutzig und erwiderte: Nein, das nicht, er wolle sich ohne Vorbehalt trauen lassen, nur aber bitte er mich, von seiner und seines Bruders und seiner Braut geschehenen Erklärung amtliche Notiz zu nehmen, was denn auch geschehen ist. Eine ganz ähnliche Erklärung machte mir später ein Bräutigam in Verbindung mit seiner Braut, dessen Bruder in Amerika war. Beide Ehepaare sind inzwischen mit Kindern gesegnet und beide Vorkommenheiten darum ohne weitere praktische Folgen geblieben. Anders ist es dem nachstehenden vielleicht noch niemals vorgekommenen Falle. Vor etlichen Jahren wanderte ein junger Mann nach Amerika aus, dessen Bruder im Begriffe war, zu heiraten, nachdem er zuvor diesem den gewöhnlichen Chaliza-Vertrag ausgefertigt, also dann erklärt hatte, vorkommenden Falles seiner hinterbliebenen Witwe Chaliza erteilen zu wollen. Das junge Ehepaar ward mit einem Kinde gesegnet, welches aber starb. Und nun brach über dasselbe der Geist des Unfriedens herein, der so weit ausartete, dass es zu tätlichen Misshandlungen und in beiden Ehegatten die Überzeugung zur Reife kam, dass sie fortan unmöglich mehr zusammenbleiben könnten. Sie kamen daher gütlich überein, sich scheiden zu lassen, was nach unseren Landesgesetzen geschehen kann, indem sie eine desfallsige gemeinschaftliche Eingabe bei dem Landesherren einreichen ließen. Die Sache war schon durch alle Instanzen gerichtlich verhandelt und zulässig befunden worden, ich hatte bereits mein zustimmendes rabbinisches Gutachten darüber abgegeben, und das Ehepaar harrte täglich des allerhöchsten Ausspruchs seiner Scheidung, die freilich nur unter der Bedingung erfolgt wäre, dass ihr die religiöse Scheidung über die Erstellung eines Scheidebriefes vorangehen und nachfolgen müsse. Da wird der Mann plötzlich krank und stirbt. Anstatt von Menschen, sind sie nun von Gott geschieden. Und nun ist die Frau eine Witwe. Aber ihr Schwager ist in Amerika, und nicht allein das, er sitzt dort wegen infamierender Handlungen auf eine längere Reihe von Jahren im Zuchthaus. Könnte und wollte die Frau auch nach Amerika reisen (wie vor einigen Jahren eine solche in derselben Absicht hierher!), so könnte ihr Schwager doch den Chaliza-Akt nicht vollziehen, weil er gefangen ist. Auch macht sie geltend, dass sie ja auf dem Punkte gestanden habe, von ihrem Manne geschieden zu werden, sie habe von diesem nichts mehr wissen wollen und ebenso wenig und noch weniger von seinem Bruder. Die Frau ist Braut und will von mir getraut sein. Es wäre mir sehr erwünscht, über diesen gewiss höchst seltenen Fall in diesen Blättern die Meinung solcher Männer zu vernehmen, die gleich mir, gewohnt sind, in allem, was die jüdischen Ehegesetze betrifft, sich möglichst an den Eben Haeser (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Even_Ha'ezer) zu halten. Rabbiner Dr. Levi."   

  
Die liberalen Reformen sind an Gießen bislang "so ziemlich alle ... spurlos vorübergegangen" (1863)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Dezember 1863: "Gießen, im Dezember (1863). (Privatmitteilung) Wer unsern Gottesdienst besucht, wird sich wundern, zu vernehmen, dass an uns so ziemlich alle Reformen, die sich im Schoße anderer Gemeinden segensvoll entwickelt haben, spurlos vorübergegangen sind, die von rabbinischen Autoritäten eingeführten Kürzungen der Gebete, werden hier ignoriert und die jeden Israeliten mit Pietät erfüllende hebräische Sprache wird von dem mit dürftiger Orgelbegleitung exekutierten Chor in einer Weise gesungen und rezitiert, dass hierbei der ästhetische Sinn eines jeden gebildeten Menschen auf das Unangenehmste berührt wird. Wie ist es unter solchen Verhältnissen möglich, sich zu erbauen und zu erheben? Was sollen unsere Kinder für einen Begriff von Gottesverehrung bekommen, wenn wir sie in die Synagoge führen? Unser Rabbiner Dr. Levi, der bekanntlich ein trefflicher und gefühlvoller Redner ist, predigt in ganz unregelmäßigen, möglichst großen Zwischenräumen und werden hierdurch diejenigen Gemeindeangehörigen, welche namentlich eine Predigt hören wollen, gar nicht gewahr, wenn eine solche überhaupt gehalten wird. Unsere Synagoge ist allerdings in Bezug auf ihren Platz ein der Religion spottendes Gebäude (siehe zur alten Synagoge in der früheren Zozelsgasse), sie steckt in einer schmutzigen Gasse zwischen Ökonomiegebäuden (landwirtschaftliche Gebäude), worin, Dank unserem energischen Vorsitzenden, während des Gottesdienstes Frucht gedroschen oder die Dislokation von Rindvieh (Rinder werden aus oder in der Stall getrieben) vorgenommen wird; es entstehen die skandalösesten Störungen. Inzwischen ist die gegründete Hoffnung vorhanden, dass im nächsten Jahre mit dem Neubau einer Synagoge begonnen wird, wozu bereits ein passender Platz gekauft ist, und wenn wir auch dermalen kein würdiges Gotteshaus besitzen, so dürfte und müssten doch seitens des Vorstandes und des Rabbinen (Rabbiner Dr. Benedikt Levi) ernstliche Maßregeln vorgenommen werden, um dem gegenwärtig wahrhaft jämmerlichen Zustande der Kultusangelegenheiten ein Ende zu machen. Es ist durchaus nicht richtig, mit der Einführung einer zeitgemäßen Liturgie bis zur Vollendung der neuen Synagoge zu warten, Reformen sind umso wirksamer, wenn sie vorbereitet werden; mit der Abschaffung von ganz unpassenden, spezifisch christlichen Melodien hat man nicht zu zögern und andere, von nationalem Charakter getragene, zu substituieren. Ich verweise hierbei auf die wertvollen Arbeiten des Herrn Weintraub (wahrscheinlich ist der Königsberger Kantor Hirsch Weintraub gemeint). Der Grund, dass auch bei einem reformierten Gottesdienste dessen Besuch ein schwacher bleibt, ist eine überwundene Phrase. Wie dem auch sei, der gegenwärtige Kultuszustand muss gründlich reformiert werden, wenn der größte Teil der Gemeinde nicht den Sinn für das Religiöse und für eine öffentliche Andachtsübung ganz und gar verlieren soll. Mögen diese Zeilen die Berufenen animieren, die religiösen Verhältnisse von Grund auf zu heben und zu bessern! Es soll mich freuen, Ihnen bald von einer Neuerung Anzeige machen zu können." 
Anmerkung: zu Kantor Hirsch Weintraub: http://worldcat.org/identities/viaf-98296577/         

  
Über jüdische Strafgefangene im Großherzogtum Hessen (u.a. Marienschloß) - Lehrer Levi aus Angenrod wird Lehrer an der Vorschule des Gymnasiums in Gießen - Umbenennung der "Judengasse" in Gießen in "Rittergasse" (1880)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1880: "Gießen, 8. Februar (1880). Über den geringen Prozentsatz, den die Juden des Großherzogtums Hessen zu den Strafgefangenen des Landeszuchthauses Marienschloß liefern, ist bereits voriges Jahr in diesem Blatte berichtet worden. Es liegt mir nun aber der 20. Hauptrechenschaftsbericht des Vereins zur Unterstützung und Beaufsichtigung der aus den Strafanstalten des Landes Entlassenen aus den Jahren 1876-1877 vor. Darnach haben im Jahre 1878 in den 4 Strafanstalten Marienschloß, Darmstadt, Mainz und Dieburg im Ganzen 2029 Gefangene sich befunden, darunter nur 28 Juden, also der 72. Teil, während diese doch schon den 33 Teil der Einwohnerschaft des Landes bilden. Es sollte mich wundern, wenn die Herren Antisemiten diese Erscheinung nicht damit erklären wollten, dass es den Juden an Mut zur Verübung von Schlechtigkeiten fehle. Ad vocem Antisemiten, habe ich schon oft bei mir gedacht: 'nomen omen', oder 'kischmo ken hu' (= 'wie sein Name, so ist er'). Denn es gibt für diese Herren schlechterdings keine bessere Bezeichnung, als die sie sich selbst beilegen: 'antisemitisch'. Ihr ganzes liebloses Gebaren ist antisemitisch, das heißt anti dem Geiste der Liebe, der sich in den Männern semitischen Blutes Alten und Neuen Testaments kund gibt, jenen Männern, denen die antisemitischen Herren der Gegenwart nicht würdig wären, die Schuhriemen zu lösen. - Sodann ist ein weiterer Fortschritt zu Gunsten unserer Glaubensgenossen im Schulwesen des Großherzogtums zu verzeichnen. Der seitherige Elementarlehrer Levi zu Angenrod ist zum Lehrer an der Vorschule des hiesigen (= Gießen) Gymnasiums ernannt worden, das heißt nicht zum Religionslehrer, sondern zum ordentlichen Klassenlehrer. Vielleicht der erste derartige Fall in Deutschland. - Das Dritte, was ich Ihnen zu melden habe, dürfte vielleicht da und dort einen Sporn zur Nachahmung abgeben. Ich hatte an unseren Stadtvorstande folgendes Schreiben gerichtet: ...'Bei dieser Gelegenheit wollte ich mir die Bitte erlauben, Sie möchten geneigt sein, der im Neustadter Stadtviertel gelegenen sog. Judengasse einen anderen Namen zu geben. Seit ich hier lebe, also seit mehr denn 50 Jahren, wohnen meine Glaubensgenossen, gegenwärtig 120 Familien, überall in der Stadt, nur nicht in jener Gasse. Herr H. B. allein hat einige Zeit zur Miete darin gewohnt, ist aber auch daraus weggezogen. Es wäre an der Zeit, dass aus den Mauern unserer aufgeklärten Stadt, mit so humanem Vorstand an der Spitze, ein solches mittelalterliches zweck- und gegenstandsloses Überbleibsel schwinde, das nur geeignet ist, in einem Teile ihrer Einwohnerschaft unangenehme Empfindungen zu wecken. Mit- und Nachwelt Gießens braucht nicht daran erinnert zu werden, dass es hier jemals ein Ghetto gegeben hat. Und die Anwohner jener Gasse werden die Umtaufe derselben gewiss nicht ungern vernehmen.' Unser Stadtvorstand ist hierauf mit größter Bereitwilligkeit eingegangen und hat sofort die Judengasse nach einem benachbarten den Namen 'Ritter' führenden Hause in eine 'Rittergasse' umgetauft. Vivat sequentes!  Dr. Levi."      

 
Die Israelitische Religionsgesellschaft bildet sich (1886)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1886: "Gießen, 12. Nov. Endlich nach langem Kampfe ist das Werk vollbracht. Es bildet sich in Gießen eine orthodoxe Separat-Gemeinde. Ein großer Teil der hier wohnhaften Juden hat bereits ihren Austritt aus der Religionsgemeinde erklärt und haben sich der neuen Religionsgesellschaft alle diejenigen angeschlossen, die Herz und Sinn für die alten Traditionen des Judentums und für deren heilige Interessen bewahrt haben.
Die Veranlassung zu dieser Trennung wurde durch zwei Ursachen begründet.
Erstens sind von den Leitern der alten Gemeinde unsere religiösen Bedürfnisse total vernachlässigt worden, so ist z.B. in der großen Gemeinde, die aus 140 Mitgliedern besteht, für keinen Religionsunterricht gesorgt worden. Wem die Mittel fehlten, seinen Kindern Privatunterricht erteilen zu lassen, was doch mit schweren Kosten verknüpft war, dem sind sie groß geworden und aufgewachsen wie die Heiden, und leider ist hier eine ziemliche Anzahl von jungen Leuten – vorhanden -, die nicht hebräisch lesen können.
Zweitens dadurch, dass eine große Anzahl der hier wohnenden Juden, weil sie das hohe Einzugsgeld, das ihnen abgefordert wurde, nicht bezahlen konnten – nicht stimmberechtigt waren, also zu den Fremden gezählt wurden – die kein Recht haben, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen – was die Leitung der Gemeinde solchen Männern anvertraut, die wohl im allgemeinen Verkehr für ehrenhaft gelten, aber für die heiligen Pflichten des Judentums wenig übrig hatten. – Möge es der jungen Gemeinde gelingen, die hohen Kosten, die nun entstanden, aufzubringen. Amen - so mehrte es sich und so breitete es sich aus (2. Mose 1,12)"     

  
Über die Zahl der jüdischen Gefängnisinsassen in Hessen - Bericht von Rabbiner Dr. Levi (1888) 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. März 1888: "Gießen, im März (Privatmitteilung). Die Zahl der Insassen der Gefängnisse eines Landes gibt bekanntlich einen ziemlich sicheren Maßstab für die, inmitten der Einwohnerschaft desselben herrschende Moralität oder sittliche Bildung ab. Da möge denn, wie in früheren Jahren schon einmal, in dieser Zeitung auf das günstige Prozentverhältnis hingewiesen werden, in welchem die jüdischen Sträflinge des Großherzogtums Hessen zu den Gesamtsträflingen des Landes stehen. Die Juden des Großherzogtums bilden 3, sage 3 % der Einwohnerschaft desselben. Nach dem mir vorliegenden '24. Hauptrechenschaftsbericht der Großherzoglichen Zentralbehörde des Vereins zur Unterstützung und Besserung der aus den Strafanstalten Entlassenen für die Jahre 1884 und 1885' befanden sich damals in den 4 Strafanstalten des Landes in Darmstadt, Mainz, Dieburg und Marienschloss (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Marienschloss) nur 20 Israeliten. Diese trugen also nicht 3 % der Gefängnisse bei, gewiss ein günstig sprechendes Verhältnis, das auch wie mir bekannt ist, in den beiden letzten Jahren keine Änderung erfahren hat."     

    
Zum Ergebnis der Reichstagswahl in Gießen und dem Erfolg der Antisemiten (1890)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. April 1890: "Gießen, 14. April. Der seltsame Ausfall lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf unsere Stadt. Man hat mich schon mehrmals gefragt, warum vorzugsweise in den Provinzen Oberhessen, der großherzoglichen und ehemals kurhessischen, Antisemiten in den Reichstag gewählt worden seien, und meinten, es müsse da etwas faul im Staate sein, d.h. die Juden der betreffenden Gegenden müssen wohl besonders durch wucherische und betrügerische Geschäfte, die sie trieben, Abneigung und Hass bei den Bewohnern erzeugt haben. Nichts ist falscher als diese Annahme. Die Juden hierum stehen moralisch und religiös hinter anderen jüdischen Gemeinden gleicher Lebensstellung nicht zurück; zeichnen sich auch nichts weniger als durch größere Wohlhabenheit aus. Es gibt nur wenig Wucherer oder betrügerische Handelsleute unter ihnen; und diese wenigen sind von ihren eigenen Glaubensgenossen ebenso missachtet, wie von den christlichen. Auch gibt es verhältnismäßig ebenso viel, wo nicht mehr christliche als jüdische Wucherer und Betrüger in den Orten, die antisemitisch gewählt haben. Von den wucherischen Hetzern selbst nicht zu reden. Der Grund, warum die antisemitischen Hetzprediger in vielen Orten, besonders in Dörfern so viel Anklang gefunden haben, ist hauptsächlich der, weil in den von ihnen veranstalteten Versammlungen keine Gegenredner aufgetreten respektive zugelassen worden sind. In Gießen und Friedberg und anderen größeren Orten würden ihnen kompetente Gegner entgegengetreten sein, und gewiss mit Erfolg, an denen es in den kleineren Orten fehlte. Lassen Sie giftspeiende Blätter wie in Kassel und Marburg auch anderwärts erscheinen und von Haus zu Haus transportiert werden und deren Inhalt in mündlicher Rede mit lügnerischen Tatsachen und würzigen Anekdoten schmücken; sie werden überall beim leichtgläubigen, den Juden ohnehin aus ganz anderen Gründen abgeneigten Landvolke Glauben und Anklang finden. Ob von Seiten der Vorstände unserer Gemeinden dem nicht zu begegnen gewesen wäre und künftig in ähnlichen Fällen nicht zu begegnen sein möchte, ist eine andere Frage. Vielleicht wären da sogenannte Reiseprediger am Orte, welchen Gedanken ich schon einmal dem Vorstande des deutsch-israelitischen Gemeindebundes nahelegen wollte. In gleicher Weise wollte ich diesem auch schon den Wunsch aussprechen, womöglich aller Orten, wo ein antisemitisches Blatt erscheint, einen Mann zu bestellen, der ihm in geeigneter Weise in Wort und Tat entgegentrete. Kein Opfer, dafür gebracht, wäre zu groß."  
Anmerkung: vgl. https://www.wikiwand.com/de/Reichstagswahl_1890: In Gießen wurde der Antisemit Wilhelm Pickenbach gewählt: https://www.wikiwand.com/de/Wilhelm_Pickenbach
Siehe auch den Artikel Rabbiner Dr. Levi äußert sich über den Antisemitismus (1890)
        


Antisemitische Provokationen (1891)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1891: "Gießen, 8. Januar (1891). Ein würdiges Seitenstück zu dem von Ihnen gemeldeten Wormser Vorgang ist leider von hier zu berichten. Am Samstag, den 3. dieses Monats, nachts 12 Uhr, betraten zwei als durchaus ehrenwert und besonnen bekannte junge Leute, ein Christ und ein Jude, das Seitenzimmer des Café Hetler und ließen sich an einem leeren Tische nieder. Außer ihnen befanden sich in dem Raume nur noch 3 Korpsstudenten und ein Fortassessor, die ohne jede Veranlassung die Letztgekommenen zu hänseln und aufzureizen begannen, Äußerungen wie: 'Kerle saufen nur Wasser,' 'müssen die Kerle 'rausekeln', 'werft doch die Judenbuben 'raus', usw. fielen, ohne von der Gegenseite, die augenscheinlich jeden Auftritt vermeiden wollte, beachtet zu werden. Schließlich erhob sich einer dieser vielversprechenden Jünglinge und fasste, nachdem er die zum Hauptraume führende Türe geschlossen und eine andere geöffnet hatte, den einen der beiden Herren mit dem Ausruf an die Brust: 'Junger Mann, wollen Sie gutwillig herausgehen?' Bei der sich naturgemäß entwickelnden Prügelei (4 gegen 2) wurde sogar von dem Hirschfänger des Forstassessors Gebrauch gemacht."       
 
Mitteilung in der "Allgemeinen Jüdischen Zeitung" vom 22. Januar 1891: "Aus Worms, wie aus Gießen wird von groben antisemitischen Exzessen gemeldet, welche von Korpsstudenten gegen harmlose jüdische Wirthausbesucher begangen worden sind."      

      
Die Beeidigung der Rekruten wird ohne konfessionelle Trennung vorgenommen (1891)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1891: "Aus Gießen. Den Lesern dieses Blattes dürfte aus vorigem Jahrgang noch erinnerlich sein, dass ich in einer Immediatvorstellung an Seine Majestät den Kaiser Allerhöchstdenselben untertänigst gebeten habe, befehlen zu wollen, dass die Beeidigung der Rekruten hier nicht mehr, wie der zeitige Oberst angeordnet hatte, in verschiedener Weise (Katholiken und Protestanten in ihren Kirchen, die Israeliten im Kasernenhof), sondern wie vordem immer von allen Konfessionen zusammen unter freiem Himmel geschehen solle, und dass daraufhin auf Allerhöchsten Befehl der Kriegsminister mir erwiderte, es liege in der vom Regierungskommandeur angeordneten Eidesweise kein Verstoß gegen die bestehenden Bestimmungen vor, daher keine Veranlassung genommen werden könne, eine Abänderung des bei dem genannten Regimente beobachteten Verfahrens anzuordnen. Es gereicht mir nun zu großer Freude und hoher Befriedigung, mitteilen zu können, dass gestern die Beeidigung der Rekruten hier wieder in früherer Weise nach Belehrung durch die respektiven Geistlichen von allen gemeinsam unter freiem Himmel stattgefunden hat. Gießen, den 12. November 1891. Rabbiner D. Levi."         

   
(Kleine) Niederlage für die Antisemiten (1891)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1891: "Gießen, 1. März. Einen erfreulichen Verweis für den Niedergang der antisemitischen Torheit auch in hiesiger Stadt, mag der folgende Vorfall bilden: Eine Wirtschaft, die früher nur von Antisemiten besucht war, scheint bei dieser Sorte Kundschaft ihre Rechnung nicht mehr zu finden. Der neue Unternehmer des Gasthofs teilt nämlich in seinem heutigen Inserate, neben dem Bestreben, die Gäste durch ein gutes Glas Bier erquicken zu wollen, auch noch mit, dass er 'Hetze nicht dulden werde. Gäste seien willkommen, ob Christ oder Jude.'
Man fängt auch endlich hier an, an dem bis zum Überdruss abgenutzten Lügen und Gemeinplätzen der Herren Judenfresser keinen Geschmack mehr zu finden."      

    
Der Gelehrte Carl Vogt äußert sich über den Antisemitismus (1892)  
Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Vogt.      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Juli 1892: "Gießen, 5. Juli. Carl Vogt, der berühmte Gelehrte, hielt dieser Tage auf einem Bankett, das ihm zu Ehren hier in seiner Vaterstadt gegeben wurde, eine Rede, worin er u. a. sagte: 'Ich habe in allen Ländern, die ich besucht, erkennen müssen, dass die Gefühle für Deutschland im Auslande leider nicht derart sind, wie ich es häufig gewünscht hätte. Machen Sie sich wohl vertraut mit dem Gedanken, meine Herren, dass Deutschland im Auslande nicht geliebt ist, dass Sie im Auslande nicht als Freunde geliebt werden.' Warum? Carl Vogt gibt die Antwort dahin, dass 'nichts so sehr im Auslande verachtet wird als der deutsche Antisemitismus! Man kann es nicht begreifen, dass so ein zivilisiertes Volk, wie das deutsche, ein Volk, das einen Goethe, einen Schiller, einen Lessing besitzt, einen solchen Schandfleck duldet. In England wird der Antisemitismus als ein Niedergang der deutschen Zivilisation betrachtet!'"              

     
Über den "Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Israeliten in Oberhessen" (1894)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Mai 1894: "Gießen, 4. Mai. Es gereicht mir zur Freude, mitteilen zu können, dass eine Empfehlung des Großherzoglichen Provinzial-Direktors, Freiherr von Gagern (vgl. https://www.lagis-hessen.de/pnd/116337834), zu Gunsten unseres 'Vereins zur Beförderung des Handwerks unter den Israeliten in Oberhessen' an sämtliche israelitischen Gemeinden des Großherzogtums versandt wurde und gute Resultate verspricht. Die Gemeinde Friedberg ist, neben den persönlichen Beiträgen der Mitglieder, mit einem jährlichen Beitrag der Korporation als nachahmungswertes Muster vorangegangen. Am 21. Januar dieses Jahres fand die Generalversammlung des Vereins statt. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahr 1.575 Mark, die Ausgaben 1.229 Mark. – Dem soeben erschienenen zweiten Rechenschaftsbericht ist auch ein Auszug aus den Statuten beigegeben; der § 5 derselben enthält die Bestimmung, dass der Verein seine Zwecke durch Veranstaltung von populären Vorträgen über jüdische Wissenschaft zu erreichen sucht. Leider teilt der Rechenschaftsbericht über diesen Punkt nicht das Geringste mit. – Die Gesamtzahl der vom Verein bisher unterstützten Lehrlinge betrug 12, nach erst zweijährigem Wirken des Vereins gewiss ein ganz anerkennenswertes Resultat. Die jetzige Zahl der Mitglieder betrug 190. Der Verein erstreckt seine Wirksamkeit nicht nur auf Oberhessen, sondern auch auf die benachbarten Gebiete, zu dem die antisemitische Agitation noch immer ihre Orgien feiert."           

 
Erfolgreiche Arbeit des Talmud-Tora-Vereins (1894)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1894: "Gießen, 12. Juni. Bezugnehmend auf die in der Nummer 45 u. 46 des 'Israelit' erschienene Notiz, freut es uns konstatieren zu können, dass die Erfolge des neugegründeten Vereines Talmud-Tora alle Erwartungen übertreffen. Es muss jeden glaubenstreuen Juden umso mehr erfreuen, als der Schein der Tatsachen nicht ganz entspricht. Viel edles Feuer für die Erhaltung der Heiligen Tora glimmte in den Herzen der Gießener Judenheit, und dies brauchte bloß angefacht zu werden, um einer Flamme gleich emporzusteigen. Ein Samenkorn war's bloß, der in den Herzensgrund der hiesigen jüdischen Gemeindemitglieder gestreut wurde und dieser entfaltete sich wahrlich zur schönsten Blüte. Der Eifer für das Torastudium bekundete sich zwar schon gelegentlich der Konstituierung des 'Talmud-Tora-Literatur-Vereines', den lobend hervorzuheben der einzige Hauptzweck des ersten Berichts war, jedoch die verflossenen Festtage berichtigen uns zu den schönsten Hoffnungen für das Gedeihen des Vereins, indem die Beteiligung eine regere und größere war. Nicht bloß von berufener Stelle wird dem Vereine das regste Interesse entgegengebracht, sondern aus allen Schichte der jüdischen Bevölkerung kommen Erklärungen zum Beitritt und Zustimmungsbekundungen. Hier bewährt sich in des Wortes wahrster Bedeutung der Satz 'doch nicht verwitwet soll Israel sein' (Jeremia 51,5) Israel ist und bleibt nie verwaist. Die Tora hat ihre Heimstätte hier nicht ganz verloren, das jüdische religiöse Gefühl, es wurzelte in den Herzen der hiesigen Judenheit, bis es durch die Tat sich jetzt bekundet hat. Wollen wir uns aus vollem Herzen wünschen, dass der hiesige Verein gedeihe und auch anderwärts Verbreitung und Nachahmung finde. Ari."     

  
Gründe für die Abspaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft und Hoffnung auf Wiedervereinigung der beiden Gemeinden (1894)  
Anmerkung: der Artikel wird aus Sicht der liberal gesinnten "Allgemeinen Zeitung des Judentums" geschrieben.  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. September 1894: "Gießen, 2. September. Es sind auswärts über die religiösen Gemeindeverhältnisse in Gießen so irrige Meinungen verbreitet, und es ist kürzlich an die Mitglieder der israelitischen Religionsgemeinschaft hier an öffentlicher Stelle die Mahnung ergangen, in ihrer Trennung von der Gemeinde zu beharren, dass es geboten erscheint, eine wahrheitsgetreue Darlegung derselben zu veröffentlichen. Neu in die Religionsgemeinde Eintretende haben, mit Genehmigung der Großherzoglichen Regierung, ein nach ihren Vermögensverhältnissen zu bemessendes, sogenanntes Einzugsgeld zu zahlen oder zu ihrer Gemeindesteuer ein besonderes Synagogen-Standgeld zu entrichten; in welchem letzterem Falle sie damit aber noch nicht ordentliche Gemeindemitglieder werden, denen z.B. aktives und passives Wahlrecht bei Vorstandswahlen zustände. Eins wie das andere wollten sich mehrere Hierhergezogene nicht gefallen lassen; sie gründeten darum für sich eine besondere Religionsgesellschaft mit einem Gottesdienste, die einem Viertel oder Fünftel der Muttergemeinde herangewachsen ist, während diese auch ihrerseits an Mitgliedern zugenommen hat. Hätte der Vorstand seinerzeit die Forderung eines Einzugsgeldes oder eines besonderen Standgeldes fallen lassen, oder auf ein geringes Maß reduziert, es wäre niemandem eingefallen, sich von der Gemeinde zu trennen, ja, es steht nicht zu zweifeln, dass in solchem Falle die Ausgetretenen samt und sonders wieder in dieselbe zurücktreten würden, wie denn das auch bereits von vielen geschehen ist. Und warum auch nicht! Unterscheiden sich doch die Ausgetretenen, wie sie selbst zugestehen, in ihrem religiösen Denken und Tun nicht im Geringsten von den Mitgliedern der Muttergemeinde. Befinden sie sich doch mit ihnen in allen religiösen Hinsichten auf gleicher Stufe und sich nicht um ein Haar mehr orthodox als diese. Ja, Viele meinen sogar, wenn man beide auf eine Wagschale legte, man müsste scharf hinsehen, um zu gewahren, wohin sich das Zünglein neige. Das orthodoxe Mäntelchen, das man von auswärtiger Seite bemüht ist, den Mitgliedern der Religionsgesellschaft umzuhängen, und über das sie selbst gewiss im Stillen lachen, zerfällt bei unserm Betracht in Staub. Und so darf man sich denn auch der sicheren Hoffnung hingehen, dass über kurz oder lang eine Wiedervereinigung beider Gemeinden in eine erfolgen werde, wie es im religiösen Interesse nicht minder wie im pekuniären derselben dringend zu wünschen wäre."        

  
Neun Jahre Israelitische Religionsgesellschaft - ein orthodoxer Rabbiner wird gewählt (1895) 
Anmerkung: der Artikel wird aus Sicht der konservativ-orthodox gesinnten Zeitschrift "Der Israelit" geschrieben.

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1895: "Gießen, 3. April. Als vor neun Jahren am hiesigen Platze 30 jüdische Familien zusammengingen, um eine Religionsgesellschaft zu bilden, haben die Gegner derselben behauptet:
Erstens: Ein Boden für das orthodoxe (gesetzestreue) Judentum ist hier nicht vorhanden. -
Zweitens: Die Gesellschaft hat mit der Religion nichts zu tun, die Konstituierung ist nur geschehen, um Geld zu sparen; aus Sparsamkeitsrücksichten sind 30 Familien aus ihrer Muttergemeinde ausgeschieden. -
Nun sind neun Jahre verstrichen! Wenn man gefragt wird. Sind die religiösen Zustände hier seit dieser Zeit besser geworden, oder nicht, so kann jeder, der die jüdischen Verhältnisse vor 9 Jahren kannte und sie jetzt kennt mit bestem Gewissen diese Frage bejahen.-
Vor 9 Jahren war ein Religionsunterricht nicht vorhanden. -
Wenn ein jüdisches Kind Bar Mitzwa (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bar_Mitzwa) wurde; so schrieb man ihm die Paraschah (Wochenabschnitt aus der Tora, vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Parascha), die ein Bar Mitzwa in der Synagoge vortragen soll, mit lateinischen Buchstaben auf – der Knabe musste selbe auswendig lernen – und sie vor dem Sefer Tora  (Torarolle vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Tora#Die_Torarolle) ohne Neginoth (gemeint: ohne die richtigen Betonungen) hersagen.
Die Schechita (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Schächten) war in zweifelhaften Händen – Der frühere Schochet (Schächter) hat das Siegel (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hechscher) an viele Metzger (Fremde, vermutlich gemeint: auch nichtjüdische Metzger) abgegeben und ließ das Fleisch von letzteren zeichnen. –
Wie anders ist das heute!
Die Religionsgesellschaft sowohl wie die alte Gemeinde (unter Rabbiner Dr. Levi) haben junge tüchtige Religionslehrer engagiert. Der Religionsunterricht ist obligatorisch geworden, es gibt hier kein jüdisches Kind, welches nicht am Religionsunterricht teilnimmt.
Die Schechita ist in bewährten Händen, sie ist von beiden Gemeinden dem Religionslehrer der Religionsgesellschaft, einem religiösen und zuverlässigen Manne übertragen worden, und wird gewissenhaft besorgt.
Es hat sich ein Verein für jüdische Literatur und Geschichte gebildet, an welcher sich eine große Anzahl von Juden beteiligt haben, und jeden Samstag wird ein Vortrag über den Wochenabschnitt gehalten.
Nun war unstreitig eine hochwichtige Frage, für die Erhaltung unserer Religion, die Rabbinerfrage.
Das oberhessische Rabbinat, zu dem 108 Gemeinden gehören, ist beinahe das größte Rabbinat in Deutschland und unmöglich kann der großherzogliche Rabbiner (Dr. Benedikt Levi), der im 90. Lebensjahr steht, alles so versehen, wie es wünschenswert ist.
Die Juden der Provinz Oberhessen sind zumeist religiös, sie verlangen, dass ihre Kinder im Glauben ihrer Väter unterrichtet werden, dass der Rabbiner sich um den Religionsunterricht und die Schochetim (Schächter) und um alle Institutionen kümmere.
Es haben sich deshalb im Januar dieses Jahres etwa 50 Vorsteher der Landgemeinden hier versammelt. An der Versammlung nahmen teil die Mitglieder der Religionsgesellschaft, auch beehrten die Versammlung mit ihrer Anwesenheit: Herr Dr. Marx Darmstadt, sowie Herr Dr. Cahn Fulda. Letztere Herren haben durch ihre zu aller Herzen gehenden Reden die Anwesenden begeistert und man fasste den Entschluss, die Mittel für die Anstellung eines gesetzestreuen Rabbiners aus der Versammlung vorläufig durch freiwillige Zeichnungen aufzubringen. Es hat sich zu diesem Zweck ein Kultusverein gebildet. Die von jeher gerühmte Opferwilligkeit der Juden hat sich auch hier bewährt, und man konnte sofort zur Rabbinerwahl schreiten.
Nachdem man sich mit verschiedenen Kandidaten ins Einvernehmen setzte, wurde einstimmig Herr Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld gewählt, der von vielen gesetzestreuen Rabbinern empfohlen wurde. Herr Dr. Hirschfeld ist 27 Jahre alt, geborner Deutscher, ein vorzüglicher Redner, beherrscht meisterhaft die deutsche Sprache und besitzt, was die Hauptsache ist, ein hervorragendes jüdisches Wissen. – Auf einen Besseren und Würdigeren konnte die Wahl nicht fallen und es herrscht hier in den Kreisen der Gottesfürchtigen allenthalben die größte und aufrichtigste Freude über die glückliche Requisition. Herr Dr. Hirschfeld hat sofort sein Amt angetreten und ist bereit, seine Kraft in erster Linie der Provinz zur Verfügung zu stellen.
Möge die Wirksamkeit des Herrn Dr. Hirschfeld eine gesegnete sein zum Nutzen und Frommen aller derer, die an Gott glauben und ihn anrufen. "     

     
Gründung eines "Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" (1902)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1902: "Gießen, 19. November (1902). Am 2. dieses Monats wurde dahier ein 'Verein für jüdische Geschichte und Literatur' gegründet, dem bis heute schon über hundert Mitglieder beigetreten sind. Diese rekrutieren sich aus den Mitgliedern der beiden hiesigen Religionsgemeinschaften, der Studentenschaft und den jungen Kaufleuten. Gemäß der in der Generalversammlung vom 16. dieses Monats genehmigten Statuten findet alle 14 Tage ein Diskussionsabend im Vereinslokale und im Laufe des Winters 5-6 Vorträge statt, wozu neben den einheimischen Kräften auch auswärtige Redner berufen werden sollen. So spricht bereits am 23. dieses Monats Herr Landrabbiner Dr. Prager aus Kassel im Saale des 'Hotel Einhorn' dahier. Vorsitzender des Vereins ist Herr Provinzialrabbiner Dr. Sander. Möge der junge Verein blühen, wachsen und gedeihen."      
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1902: "Gießen, 23. November (1902). Sie berichteten in voriger Nummer Ihres Blattes, dass hier ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur begründet wurde, dem auch Mitglieder der hiesigen Religionsgesellschaft beigetreten seien. Wie ich nun von zuständiger Seite erfahre, stehen die leitenden Kreise der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft dem neuen Vereine vollständig fern."      

 
Vortrag im "Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden in Gießen" (1902)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1902:  "Gießen, 8. Dezember (1902). Im 'Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden in Gießen' hielt gestern Abend Herr Alfred Fröhlich von hier vor einer zahlreich erschienenen Zuhörerschaft einen mit großem Beifall aufgenommenen dreiviertelstündigen Vortrag über das Thema: 'Bedeutende jüdische Frauen in der Geschichte.' Nachdem der Redner einen übersichtlichen Blick auf die Stellung des jüdischen Weibes im Allgemeinen gelenkt hatte, anfügend und mit Beispielen belegend, dass die jüdische Frau zu allen Zeiten als helfende Genossin und nicht als Sklavin auftrat, dass ihr Wirkungskreis stets das Haus war, dass ihr die Pflege und Erziehung der Kinder oblag, dass ihr nicht allein von Seiten des Gatten, sondern auch von Fremden stets besondere Hochachtung gezollt wurde, dass es ihr an aufopfernder Liebe nie gefehlt hatte, dass sie an allen öffentlichen Ereignissen, an den festlichen Versammlungen, ... allgemeinen Wohl und Wege ihres Volkes lebhaft teilnahm, schilderte er die bedeutendsten jüdischen Frauen, die als Fürstinnen, Märtyrerinnen auftraten. Der wirkungsvolle Vortrag wurde zum Schluss reichlich applaudiert und dem Redner namens des Vereins von dessen Vorsitzenden, Herrn Dr. Stamm, öffentlicher Dank ausgesprochen."      

   
Vortrag von Dr. Adolf Kohut im "Verein für jüdische Geschichte und Literatur" (1903)   

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. März 1903:     

   
Vortrag von Rabbiner Dr. Leo Hirschfeld im "Verein der Sabbatfreunde" (1906)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. November 1906:   

    
Vortrag von Rabbiner Dr. Cahn (Fulda) im "Verein der Sabbatfreunde" (1907)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Januar 1907:  "Gießen. Am Sonntag, den 23. Dezember (1906) hielt Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn - Fulda hier im 'Verein der Sabbatfreunde' einen Vortrag über das Thema 'Wissenschaftliches Judentum und jüdisches Wissen', in welchem Redner den ungeheuren Unterschied zwischen den beiden angeführten so ähnlich klingenden Termini, die Entstehungszeit der Reformbewegung und die segensreiche Tätigkeit S. R. Hirsch's für die Erhaltung des orthodoxen Judentums besprach. Dann machte Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld - Gießen Mitteilung von der Errichtung eines Lesesaals des Vereins, wo sich die Mitglieder, besonders die Jugend, zum Lesen jüdischer Zeitschriften und Bücher versammeln werden. M.S."            


Generalversammlung des Israelitischen Frauenvereins (1909)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1909:    

  
Über die Zuschläge auf die Einkommensteuer in den einzelnen jüdischen Gemeinden im Bezirk Gießen (1909)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1909:    

  
Der antisemitische Kandidat in Gießen siegt bei der Reichstagswahl (1911)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1911:      

  
Aus der Gießener Medizinerschaft sollen alle jüdischen Personen ausgeschlossen werden (1919)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Dezember 1919:      

  
Jüdische Schüler werden belästigt, Fenster jüdischer Wohnungen und der Synagoge werden eingeworfen (1920)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Januar 1920: "Gießen, 2. Januar (1920). Die Gießener israelitische Religionsgesellschaft richtete ein Anschreiben an den Magistrat, in dem sie sich über das ungezogene Benehmen der Schüler der Gießener höheren Lehranstalten gegen die jüdischen Mitschüler und die Verrohung, die sich in der Zertrümmerung der Fenster jüdischer Wohnungen und Gotteshäuser kundtut, beschweren. Der Oberbürgermeister erklärte, dass die Stadtverwaltung für die Abstellung der Missstände unzuständig sei, dass aber ein Einschreiten der zuständigen Stellen geboten erscheine."      

  
Vortrag von Rabbiner Dr. Dienemann vor dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (1921)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Januar 1921:      

  
Der Landtag von Hessen beschäftigt sich mit den antisemitischen Exzessen an der Universität Gießen (1921)            

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. Juni 1921:       

 
Gemeindeveranstaltungen im Winter 1921/22 (1921)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Dezember 1921:       

  
Vortrag von Oberkantor Magnus Davidsohn in der Synagoge (1922)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1922:     

     
40-jähriges Bestehen der Israelitischen Religionsgesellschaft (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 21. Januar 1927:      

      
Das Lektorat für rabbinische Wissenschaften an der Universität soll wieder eingerichtet werden - 60-jähriges Bestehen der Synagoge der Religionsgemeinschaft - Zum Tod von Justizrat Dr. Katz  (1927)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 13. Mai 1927:     


Verworfene Revision des Nationalsozialisten Haselmeyer - Renovierung des Gemeindehauses der Religionsgemeinde (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. Mai 1927:     


An den Universitätskliniken soll eine Koscherküche eingerichtet werden und andere Mitteilungen (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 3. Juni 1927:  "Gießen. Bei der letzten Sitzung des Oberrates des hessischen Gemeindeverbandes in Mainz wurde mitgeteilt, dass die in der Umgebung Gießens liegenden Gemeinden Wieseck und Laubach (statt: Lanbach) dem Verband beigetreten sind. Weiter wurde Herr Rabbiner Dr. Sander beauftragt, die in Verfall geratenen geschlossenen Friedhöfe Oberhessens zu besichtigen und nötigenfalls, soweit es möglich ist, für Abhilfe zu sorgen. Außerdem wurden die Mittel zur Besoldung einer Köchin bewilligt, die an einer noch zu errichtenden Koscherküche in den Universitätskliniken angestellt werden soll. Da hier aus ganz Hessen jüdische Patienten zusammenkommen, ist eine koschere Verpflegung unbedingt nötig. Dementsprechend trat man an das Landesamt für das Bildungswesen in Darmstadt heran, bei dem die Entscheidung liegt."       

  
Kinderkostümfest des Israelitischen Frauenvereins (1928)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 17. Februar 1928: "Gießen. Sonntag, den 12. Februar, veranstaltete der Israelitische Frauenverein ein wohlgelungenes Kinderkostümfest als Vorfeier für Purim auf der Liebigshöhe. Der Besuch von groß und klein war ein außerordentlich zahlreicher. Ungefähr 130 Kinder wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Zuerst wurde ein Prolog gesprochen. Dann folgten sehr gut einstudierte Tänze verschiedener Art in besonders netten Kostümen. Die Jazzkapelle bestand aus 14-jährigen Buben, die alle durch ihre fidele Musik erfreuten, zu der auch die größere und kleinere Jugend fleißig tanzte."          
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Februar 1928:    

    
Landeskonferenz der jüdischen Lehrerschaft Hessens in Gießen (1929)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Mai 1929:    

 
Vortragsabend über Palästina  -  Wahlen in der orthodoxen Religionsgesellschaft (1929)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. August 1929:    

  
Mendelssohnfeier der liberalen Religionsgemeinde (1929)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 13. September 1929:     

  
Abendveranstaltung des Jüdischen Jugendbundes (1929)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 6. Dezember 1929:      

    
Erfolge der Nationalsozialisten bei den Wahlen der Gießener Studentenschaft - antisemitischer Vorfall gegen das Gießener Stadttheater in Alsfeld (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. März 1930:  "Gießen. Die Wahlen zur Kammer der Gießener Studentenschaft (im Volksstaat Hessen besitzen die Studentenschaften noch die staatliche Anerkennung und dürfen Zwangsbeiträge einziehen) brachten die Nationalsozialisten auf einen Schlag neun Sitze von den insgesamt 25 ein. Die Republikaner erhielten 4 (4) Sitze, die Großdeutschen diesmal nur 12 (21) Sitze. Die nationalsozialistische Hetzpropaganda hat mit ihrer Presse und den Flugblättern, die in der Universität verteilt wurden und die in bekanntem, keinesfalls akademischem Ton über Juden und Judengenossen herzogen, ihre Schuldigkeit getan. - Wie uns von der Intendanz des Gießener Stadttheaters mitgeteilt wird, hat die nationalsozialistische Propaganda auf dem flachen Land auch schon dem Gießener Theater zu unliebsamen Zwischenfällen verholfen. Ein bezeichnender Vorfall am letzten Sonntag: das Gießener Ensemble, unter dem sich auch einige Juden befinden, gibt es Alsfeld ein Gastspiel. So oft nun die jüdische Künstlerin Frl. Heß auftrat, wurde aus einer bestimmten Ecke von einigen Zuschauern gezischt und gepfiffen. Es stellte sich heraus, dass es Nationalsozialisten waren, die unter der Anführung eines Gießener Studenten bewusst störten und ruhig angaben, dass sie allein das Auftreten einer jüdischen Schauspielerin dazu veranlasse. Als Frl. Heß zu Beginn des nächsten Aktes wieder auftrat, gab das Publikum den Störenfrieden, denen man inzwischen das Handwerk gründlich gelegt hatte, die rechte Antwort: Ein spontaner Beifall setzte auf offener Szene ein. Bürgermeister Völsing sprach dem Ensemble sein aufrichtiges Bedauern über den Vorfall aus."      

    
Die jüdischen Pferdehändler sind vom Pferdemarkt ausgeschlossen (1933)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1933:   

  
Vortrag von Rabbiner H. Mayer aus Frankfurt in der Israelitischen Religionsgesellschaft (1934)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1934:     

  
Kundgebung des "Misrachi" (1935)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1935:    

   
Gemeindebeschreibung von 1936    

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Oktober 1936 S. 29:    

  

  

  

  

  

 

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Stand: 30. Juni 2020