Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Markt Giebelstadt (Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Überblick:

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bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletPläne / Fotos 
bulletAus der Geschichte der Familie Mannheimer 
bulletLinks / Literatur  

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Giebelstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1941. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1757 stellte der Lehrer in Aub beziehungsweise in Fürth Arje ben Mosche Baiersdorf ein Memorbuch für Giebelstadt fertig. 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden auf insgesamt 20 Matrikelstellen in Giebelstadt 20 Matrikeln die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit bereits neuem Familiennamen): Seligmann Mayer, Nathan Krämer, Löb Feiffer, Seligmann Kahn, Samuel Bloch, Wolf Kuhn, Moses Straus, Mayer Kuhn, Salomon Groß, Baruch Groß, Seligmann Mayer, Hirsch Mayer, Marx Groß, Seligmann Krämer, Menlein Pfeiffer, Raphael Schmitt, Löb Kuhn, Abraham Rosenbusch und Aron Sommer. Nicht in die Matrikel wurden aufgenommen Mendlein (Menke) Sommer (Viktors Witwe) und Löb Pfeifer. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1814 103 jüdische Einwohner (17,3 % von insgesamt 597), 1867 72 (10,2 % von 706), 1880 58 (7,5 % von 774),  1898 54 (in elf Haushaltungen), 1900 48 (6,3 % von 765), 1901 53 (in 12 Haushaltungen, von insgesamt 765 Einwohnern), 1910 42 (5,1 % von 824).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter wirkte. An Namen sind bekannt: 1844 bis um 1863 Lehrer S. Samfeld, danach bis 1866 Lehrer Maier Mayer (siehe unten), um 1867/1885 Lehrer Asser Stein (siehe unten), um 1887/1890 Lehrer Stein; um 1891/1908 Lehrer E. Schloss (Lehrer Schloss unterrichtete um 1896 auch die Kinder in Kirchheim und Geroldshausen). 1896/1898 besuchten die Religionsschule der Gemeinde 13 Kinder, 1899 noch neun Kinder, 1901/1903 zehn Kinder. Seit 1906 oder etwas später wurde der Unterricht von dem in Gaukönigshofen angestellten Julius Bravmann versehen (siehe Bericht auf der Seite in Gaukönigshofen), auch 1931 wurde die Stelle in Gaukönigshofen so ausgeschrieben, dass der Stelleninhaber auch den Unterricht in Giebelstadt zu versehen hat (siehe unten). 

Im Krieg 1870/71 starb aus der jüdischen Gemeinde Hirsch Neumann (siehe Bericht unten). Im Ersten Weltkrieg fiel Siegbert Heinemann (geb. 20.4.1895 in Höchberg, gef. 2.10.1917). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Weltkriege aus Giebelstadt im Friedhof des Ortes an der Flugplatzstraße. Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Benjamin Schloß (geb. 28.9.1889 in Giebelstadt, vor 1914 in Mönchsroth wohnhaft, gef. 22.9.1914). 
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1871 Nathan Sommer, um 1894/1901 A. Heinemann, um 1909/1921 Hirsch Schmidt.   
       
Die jüdischen Einwohner waren bis 1933 in das Gemeindeleben völlig integriert. Sie waren Mitglieder in den örtlichen Vereinen und der Feuerwehr und wirkten auch bei den Florian-Geyer-Festspielen mit (Freilichtspiele in Giebelstadt seit 1925). Um 1930 war Samson Heinemann Gemeindeschreiber und -kassier. Jüdischen Einwohnern gehörten mehrere für das wirtschaftliche Leben des Dorfes wichtige Gewerbebetriebe: Eisenwarenhandel der Familie Solinger, Viehhandlungen Otto Mannheimer und Max Pfeuffer sowie Schnitt-, Kolonial- und Gemischtwarengeschäfte.   
   
Um 1924
, als zur jüdischen Gemeinde noch 48 Personen gehörten (in 10 Familien, 6,85 % von insgesamt ca. 700 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Max Pfeuffer und Rudolf Schmidt. Den Religionsunterricht der damals vier (1932: drei) schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilte Lehrer Julius Bravmann aus Gaukönigshofen. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Kitzingen (ab 1937 Distriktsrabbiner Würzburg). 1932 waren die Vorsteher weiterhin Max Pfeuffer (1. Vors.) und Rudolf Schmidt (Schatzmeister). Damals gab es 44 jüdische Gemeindeglieder (von 810 Einwohnern).
    
1933 lebten noch 38 jüdische Personen am Ort. Infolge des einsetzenden wirtschaftlichen Boykotts verarmten die jüdischen Familien, sodass im April 1937 ein Drittel der Gemeindemitglieder unterstützungsbedürftig war. Beim Novemberpogrom 1938 wurden Wohnungen der jüdischen Familien von SS- und SA-Männern aus dem benachbarten Goßmannsdorf am Main überfallen. Der Hausrat einer der Wohnungen wurde zerstört. In einem Lebensmittelgeschäft wurden die Waren vernichtet. Ein jüdischer Einwohner wurde schwer verprügelt, ein anderer festgenommen, ein dritter auf einem Lastauto zur Schau durch die Nachbarorte gefahren. Bis 1941 konnten 16 der jüdischen Einwohner emigrieren (sechs nach Palästina, auch der Gemeindevorsteher Max Pfeiffer war vom örtlichen NS-Funktionär. einem ehemaligen Schulkameraden zur Auswanderung gedrängt worden; fünf nach Argentinien, vier in die USA, einer in die Schweiz), neun sind nach Würzburg verzogen, zwei in andere deutsche Städte. Am 21. März 1942 wurden die letzten fünf jüdischen Einwohner über Kitzingen und Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert. 
  
Von den in Giebelstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Angaben bei Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden [zu Fam. Pollack S. 442-443]): Berthold Baumann (1934), Hedwig Baumann geb. Heinemann (1901), Leo Baumann (1906), Meta Erlanger geb. Gross (1860), Henriette Krämer (1864), Ida (Jette) Mannheimer geb. Neumann (1878), Sally (Sali) Mannheimer (1926), Erna Mayer geb. Schmidt (1893), Karl Günther Pollak (1926), Klara Pollak geb. Günther (1889), Manfred Pollak (1928), Margot Pollak (1929), Selma Pollak (1887), Betty Schmidt geb. Weinmann (1897), Rudolf Schmidt (1892), Rosa Schwarzenberger geb. Schmidt (1889), Adolf Stern (1880), Sofie Wannbacher geb. Schmidt (1888), Flora Wilmersdörfer geb. Schmidt (1885).      
  
Von den früheren jüdischen Einwohnern kamen nach 1945 Leopold Pollak und Otto Mannheimer wieder zurück. Pollak verließ Giebelstadt alsbald wieder, Otto Mannheimer blieb bis zu seinem Tod 1967 am Ort. Er wurde in Allersheim beigesetzt (siehe Geschichte zur Familie Mannheimer unten).  
  
Nach 1945 lebten vorübergehend nochmals zahlreiche jüdische Personen am Ort. Als das noch mit 1.700 jüdischen Displaced Persons (darunter 600 Kinder) belegte DP-Camp im oberpfälzischen Vilseck im Frühjahr 1948 geschlossen werden sollte, wurden sie ab April 1948 in ein in Giebelstadt aufgebautes DP-Camp übergesiedelt. Das 'Jüdische Komitee Giebelstadt" unterhielt u.a. eine Synagoge, einen Kindergarten, einen Theatersaal, eine Berufsschule sowie eine Bibliothek. Vom Frühjahr 1948 bis Sommer 1949 lebten in Giebelstadt knapp 1.700 jüdische Männer, Frauen und Kinder und warteten auf die Übersiedlung nach Israel, Kanada, Australien oder in die USA.  Im Juli 1949 konnte das Lager Giebelstadt wieder aufgelöst werden. 
  
Zwischen 1948 und 1951 gab es in Würzburg Prozesse gegen 21 der an den Ausschreitungen beim Novemberpogrom Beteiligten. 13 wurden zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr und acht Monaten verurteilt.  
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde                  
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Lehrer Samuel Samfeld wird nach Giebelstadt berufen (1844)    

(Frdl. Hinweis von Erich Naab, Eichstätt mit ergänzenden Mitteilungen: Samuel Samfeld und seine Frau Rosa [bat Moshe] lebten zuletzt in Eichstätt. Vor seiner Zeit in Giebelstadt war Samuel Samfeld als Lehrer in Marktsteft tätig. Nach Giebelstadt war Samfeld Lehrer vermutlich ab 1864 bis mindestens 1877 in Urspringen ("Der Israelit" 25.4.1866 S. 305; "Der Israelit" 16.10.1872 S. 911). Danach lebten sie in Eichstätt, wo der Schwiegersohn Hermann Schaalmann als Lehrer tätig war. Samuel Samfeld starb am 24. März 1880 [12. Nissan 5640], seine Frau Rosa am 1. Dezember 1878 [5. Kislew 5639]. Beide wurden in Pappenheim beigesetzt.
Sohn von Samuel und Rosa Samfeld war Max Samfeld, der noch in Marktsteft am 23. Januar 1844 geboren ist und dort nach dem Standesregister von seinem Vater beschnitten wurde: StA Würzburg Jüdische Standesregister 74, S. 14. Max Samfeld ließ sich an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg als Lehrer ausbilden, war um 1861 Lehrer in Estenfeld ("Der Israelit" vom 14.8.1861 S. 400). Max Samfeld wanderte 1867 nach Amerika aus, wo er später Führer der Reformrabbiner wurde (als Max Samfield), vgl. https://memphislibrary.contentdm.oclc.org/digital/collection/p13039coll1/id/339. Er starb am 28. September 1915: Grab und weitere biographische Angaben siehe  https://de.findagrave.com/memorial/126332402/max-samfield.   
Samuel Samfelds Tochter Fanny heiratete Hermann (Herz) Schaalmann (Heirat wird genannt "Der Israelit" vom 19.2.1868 S. 140; 1837-1904), der zunächst um 1863/64 in Ellingen, danach - spätestens ab 1868 - in Eichstätt als Lehrer tätig war. Hermann und Fanny Schaalmann sind die Großeltern von Herman Schaalman (1916-2017, vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/Herman_Schaalman). Fanny Schaalmann starb 1908 in Eichstätt ("Neue jüdische Presse" 20.3.1908).    

Mitteilung im "Intelligenzblatt für Unterfranken und Aschaffenburg" vom 5. Juli 1844: "Notizen. praes. 5. Juli 1844. Mittels Entschließung der königlichen Regierung vom 11. Juni ward die israelitische Religionslehrers- und Vorsängers-Stelle zu Giebelstadt dem geprüften Lehramts-Kandidaten Samuel Samfeld übertragen."    

    
Zum Tod von Lehrer Maier Mayer (1927; um 1865 wenige Jahre Lehrer in Giebelstadt, seit 1866 in Schnaittach)  

Anmerkung: im Artikel wird die Feier der diamantenen Hochzeit von Lehrer Maier Mayer erwähnt (weiteres auf der Seite zu Themar); Lehrer Maier Mayer war verheiratet mit Karoline geb. Eisenfresser aus Oberthulba (geb. 29. Januar 1847 als Tochter von Moses und Fanni Eisenfresser). Genealogische Informationen https://www.geni.com/people/Karoline-Mayer/6000000100246837854 
Genealogische Informationen zu Maier Mayer siehe https://www.geni.com/people/Meier-Mayer/6000000100245189394

Schnaittach BayrGZ 07011927.jpg (129582 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927: "Personalien. In Themar, wo ihm kindliche Dankbarkeit und Liebe ein freundliches Heim geschaffen und einen sorgenfreien, heiteren Lebensabend bereitet hatten, verstarb am 24. November (18. Kislew) der Nestor und Mitbegründer unseres Vereins, Maier Mayer, im Alter von 86 Jahren und 7 Monaten. Er wurde am 22. April 1839 in Aschbach geboren, erhielt seine Ausbildung in Höchberg und Würzburg und wurde nach mehrjähriger Tätigkeit als Religionslehrer in Oberthulba und Giebelstadt in die damals noch blühende Gemeinde Schnaittach berufen, wo er nahezu ein halbes Jahrhundert in Schule und Gemeinde wirkte, bis er im Jahre 1914 in den wohlverdienten Ruhestand trat und nach Themar übersiedelte. Auch in dieser Gemeinde machte er sich besonders verdient, indem er in gottbegnadeter, körperlicher und geistiger Rüstigkeit in den Jahren 1916-1918, als sein Schwiegersohn, Lehrer Levinstein, zum Kriegsdienste eingerufen wurde, dessen anstrengenden Dienst versah. Noch als 86jähriges fungierte er am Rochhaschanah (Neujahr) und Jomkippur als Scheliach Zibbur (Vorbeter). Die hohe Verehrung und Liebe, die ihm aus allen Kreisen entgegengebracht wurde, fand noch besonderen Ausdruck, als er im Vorjahre mit seiner Gattin unter Teilnahme der ganzen Gemeinde, ohne Unterschied des Glaubens, der Vertreter aus seinem vieljährigen Wirkungsorte und der Behörden - der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden sei hierbei eigens genannt - das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern konnte. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt verlieh ihm anlässlich dieser Feier den Chower-Titel. Um den Heimgegangenen trauern mit der Gattin 10 Kinder, 7 Söhne und 3 Töchter. An seiner Bahre hielt der Schwiegersohn die Trauerrede, der älteste Sohn, Lehrer Moses Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik zum Segen sein! Blumenthal, Neustadt a.d.A."  
 
Artikel in "Der Israelit" vom 23. Dezember 1926: "Neustadt an der Aisch, 13. Dezember. Ein alter Lehrerveteran, der Nestor und Mitbegründer des israelitischen Lehrervereins in Bayern, Lehrer M. Mayer, verschied im hohen Alter von beinahe 87 Jahren in Themar (Thüringen), wo er seit 1914 im Ruhestand lebte. Er stammt aus Aschbach in Oberfranken und erhielt seine berufliche Ausbildung in Höchberg und Würzburg. Nach mehrjähriger aus Wirksamkeit in den Gemeinden Oberthulba und Giebelstadt wurde er nach Schnaittach bei Nürnberg berufen, wo er beinahe 50 Jahre in vorbildlicher Weise segensreich sich betätigte. Im Jahre 1914 trat er in den wohlverdienten Ruhestand, gleichzeitig nach Themar übersiedelnd. An dem stets lebensfrohen Greis, der stets in den Wegen der Thora wandelte, erfüllte der sich des Psalmisten Wort. Bis zu den letzten Tagen seines Lebens konnte er sich in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische erfreuen. In den Kriegsjahren 1916 bis1918 versah er in noch rüstiger Weise das anstrengende Amt seines zum Heere einberufenen Schwiegersohnes, des Lehrers Levinstein in Themar und noch als 86-jähriger Greis versah er in der dortigen Gemeinde den Dienst des Schaliach Zibbur (Vorbeter). Sein Leben war reich an Arbeit und Last, aber auch viele Tage der Freude und des Glückes waren dem Verlebten beschert. Er hatte das Glück, mit seiner getreuen Gattin nicht nur das Fest der goldenen, sondern auch die seltene Feier der diamantenen Hochzeit erleben zu dürfen. Letztere fand am .. Nissan unter Teilnahme weiter Kreise und hoher Behörden statt. Aus diesem Anlass wurde ihm durch den Herrn Distriktsrabbiner Weinberg in Neumarkt der Chawer-Titel, den er früher aus Bescheidenheit verschwiegen, erneuert, am 18. Kislev entschlief der Selige ohne Kampf und wurde im nahen Marisfeld zur letzten Ruhe bestattet. Sieben Söhne und drei Töchter beweinen mit ihren Familien und mit der greisen Gattin sowie ein großer Kreis von Verehrern den Verlust des Frommen. An dessen Bahre schilderte sein Schwiegersohn in beredten Worten das Leben des Verblichenen und dessen ältester Sohn, Lehrer M. Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik (Gerechten) zum Segen sein! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

              
Asser Stein wird Religionslehrer und Vorsänger in Giebelstadt (1867)
  
Anmerkung: Asser Stein Nachfolger von Lehrer Maier Mayer (siehe oben)   

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 23. November 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 14. November 1867 ad Nr. 42344 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Giebelstadt, königliches Bezirksamt Ochsenfurt, beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsänger-Stelle an den israelitischen Religionslehrer Asser Stein in Oettershausen, königliches Bezirksamt Volkach, genehmigt worden".            

   
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer / Vorbeters / Schochet in Gaukönigshofen (mit Giebelstadt) (1931)   

Gaukoenigshofen BayrGZ 15071931.jpg (59531 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. und 15. Juli 1931: "Infolge Pensionierung unseres Beamten, der 40 Jahre im Dienste der Gemeinde stand, wird die Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochets in der Israelitischen Kultusgemeinde Gaukönigshofen zur alsbaldigen Besetzung frei. Der Stelleninhaber hat den Dienst in der benachbarten Gemeinde Giebelstadt mitzuversehen. Die Besoldung regelt sich nach der Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Schöne Dienstwohnung in neuerbautem Schulhaus ist vorhanden. Reichsdeutsche Bewerber mit seminaristischer Vorbildung, die über eine angenehme Stimme verfügen, bitten wir, ihre Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Gesundheitszeugnis und Lichtbild an die Israelitische Kultusgemeinde Gaukönigshofen einzureichen.
Gaukönigshofen, den 29. Juni 1931. Die Israelitische Kultusgemeinde Gaukönigshofen. Felix Mainzer, 1. Vorstand". 
Auf diese Anzeige hin hat sich Leo Kahn beworben, der nun den Religionsunterricht in Gaukönigshofen und Giebelstadt erteilte. 

    
Schulamtsbewerber Justin Heinemann wechselt nach Scheinfeld (1936)    

Giebelstadt BayrIsrGZ 15091936.jpg (9251 Byte)Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Schulamtsbewerber Justin Heinemann in Giebelstadt wurde nach Scheinfeld berufen."   

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
      
Rückblick: Esrogim-Mangel (1810)  
Anm.: bei einem Esrog (beziehungsweise Etrog) handelt es sich um eine Zitrusfrucht, die beim Sukkotfest (Laubhüttenfest) Verwendung findet; 
siehe Wikipedia-Artikel "Etrog"       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit": Esrogim-Mangel in alter Zeit. 
In dem mir vorliegenden Memorbuch der Gemeinde Giebelstadt in Unterfranken (hier aus dem Hebräischen übersetzt) berichtet ein Chronist: 'Zur Erinnerung! Im Jahre 571 der kleinen Zeitrechnung (d.i. 1810) hat die hiesige Gemeinde ihr Esrog, das einzige am Ort, für 20 Gulden rheinisch kaufen müssen. Die beiden Gemeinden Geroldshausen und Kirchheim kauften eines gemeinsam für zwei Karlin, ebenso Allersheim und Bütthard. Solche Esrogim wurden in wohlfeilen Zeiten leicht für 24 Kreuzer (= 72 Reichspfennig) gekauft. Vorbeter Lämmle b. Mhhr* Benjamin'. 
Was der Grund der Teuerung gewesen, wird nicht angegeben. Möglich, dass politische Hinderungsgründe in der damaligen Napoleonischen Zeit die Einfuhr erschwerten."
*
Mhhr Abkürzung für: "unser Lehrer, der Chawer, Herr...", Bezeichnung für einen Gelehrten.     

    
Ergebnis einer Kollekte (1921)  
Anmerkung: Kollekten wurden mehrmals im Jahr in den jüdischen Gemeinden für die unterschiedlichsten Zwecke durchgeführt. Die Ergebnisse wurden teilweise in jüdischen Periodika mitgeteilt. In diesem Fall handelte es sich um eine Sammlung zugunsten ukrainischer Waisenkinder.  

Mitteilung in "Blätter / hrsg. von dem Gruppenverband der Aguda Jisroel und der Agudas Jisroel Jugend-Organisation" (Frankfurt) vom 18. August 1921: "Giebelstadt: David Pfeuffer 50, Max Pfeuffer 100, Alfred und Jakob Pfeuffer 10, Kultusgemeinde, Giebelstadt gesammelt durch Cäcilie Heinemann von den Mitgliedern: Aron Heinemann 1, Salomon Heinemann 1, David Pfeuffer 10, David Schmidt 20, Ludwig Pollack 1, Emanuel Solinger 20, Max Heinemann 15, David Mannheimer 20, Samson Heinemann 10, Max Pfeuffer 30, Rudolf Schmidt 10, Lina Krämer 2, Hirsch Schmidt 5. "     

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde         
Aaron Mendel - zeitweise Lehrer in Giebelstadt - konvertiert zum Christentum (um 1756; Artikel von 1903)        

Artikel in "Blätter für jüdische Geschichte und Literatur" 1903 12 S. 179ff: zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken.     

     
Zum Soldatentod von Hirsch Neumann (1871)  

Nekrolog in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1871: "Giebelstadt, 14. Mai (1871). Auch hier hat der Krieg ein Opfer gefordert, indem der israelitische Soldat im 9. bayerischen Infanterie-Regiment, 4. Comp., Hirsch Neumann, der an der Ruhr erkrankt nach Hause kam, seinen Strapazen bei Wörth, bei den Gefechten vor Toul und als Vorposten vor Paris am 2. Mai erlegen. Seiner persönlichen Beliebtheit im Ort und bei seinen Waffengefährten gab sein Leichenbegängnis den entsprechenden Ausdruck; denn nicht nur eine unabsehbare Menschenmenge erwies ihm die letzte Ehre, sondern auch acht hiesige Soldaten im Waffenschmucke unter dem Kommando eines Offiziers gaben ihm eine Ehrensalve. Die Leichenrede hielt Herr Lehrer Stein in sehr erhebender und geistreicher Weise über Psalm 102 Vers 24.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Seligmann Neumann (1911)   

Giebelstadt Israelit 24051911s.jpg (57200 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1911: "Giebelstadt, 1. Mai (1911). Am 23. April verschied in unserer Gemeinde Herr Seligmann Neumann, der es verdient, auch in diesen Blättern genannt zu werden. Er war mit all seinen anderen menschlichen Eigenschaften auch ein treuer Anhänger der Tora und der Wahrheit. Ihm ist es auch mit zu verdanken, dass in hiesiger Gemeinde wieder ein neues Beit HaKnesset (Synagoge) ersteht. Mit welcher Freude sah er die Verwirklichung dieses seines Lieblingswunsches entgegen! Leider sollte er die Bauvollendung dieses Gotteshauses nicht mehr erleben. 
Der Verblichene hatte sich infolge seines rechtlichen Handelns und seines bescheidenen Benehmens große Beliebtheit erworben. Das zeigte sich am besten bei seiner Beerdigung. Von nah und fern kamen Verwandte, Bekannte und Freunde herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erzeigen.   
Nicht nur seine Angehörigen, sondern auch die Gemeinde Giebelstadt wird ihn schmerzlich vermissen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens".    

   
Ludwig Pfeuffer (Giebelstadt) hält einen Vortrag in Bad Mergentheim (1919)     
Vgl. zur Aguda Jisroel die Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Agudat_Jisra'el  und https://de.wikipedia.org/wiki/Agudath_Israel_Weltorganisation  

Artikel in "Blätter / hrsg. von dem Gruppenverband der Aguda Jisroel und der Agudas Jisroel Jugend-Organisation" (Frankfurt) 1919 Heft 06 S. 108: "Mergentheim: im Februar dieses Jahres hielt in unserer Gruppe Herr Ludwig Pfeuffer aus Giebelstadt einen Vortrag über 'Das Leben eines religiösen Kriegers im Felde'. Seine längeren Ausführungen schlossen mit einem Appell an den Arewus-Gedanken (vgl. http://www.juedisches-recht.de/lex_all_arewut.php), der mehr als bisher in der jetzigen schweren Zeit gepflegt werden müsste. Unsere allwöchentlichen Lernabende erfreuen sich des zahlreichen Besuches unserer Mitglieder, die mit großem Eifer den Schiurim (religiöse Lernstunden) folgen." 

    
Der aus Giebelstadt stammende Lehrer Jakob Schloß wird Lehrer in Würzburg (1925)
Anmerkung: Jakob Schloß ist am 18. November 1880 in Giebelstadt (Ort nach Artikel unten) oder (nach anderen Angaben) in Olnhausen geboren und war seit 1. April 1919 in Nassau als Religionslehrer und Vorbeter tätig. Seit 25. April 1906 war er mit Sofie geb. Wechsler verheiratet, die am 14. August 1878 in Aschbach geboren ist. Die beiden hatten eine Tochter Resi (geb. 10. Januar 1907). Am 18. September 1940 zog Jakob Schloß, mittlerweile verwitwet, nach Frankfurt am Main, wo er sich am 6. Dezember 1940 das Leben nahm
Bei Reiner Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden wird Jakob Schloß nicht genannt
  

Artikel in "Jüdisch-liberale Zeitung" vom 13. Februar 1925: "Würzburg. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde wählte in einer Versammlung ihren neuen Lehrer und Kantor. Unter zehn Bewerbern fiel die Wahl auf den Lehrer Jakob Schloß, zur Zeit Lehrer in Bad Nassau, gebürtig aus Giebelstadt. Er besuchte die Lehrer Schule in Würzburg, die er im Jahre 1901 mit gutem Erfolg absolvierte und das Konservatorium in Karlsruhe. Er wird demnächst seinen Posten hier antreten."   

 
Zum Tod von Clara Pfeuffer (1930)  

Giebelstadt Israelit 20031930.jpg (120602 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1930: "Giebelstadt bei Würzburg, 16. März (1930). Am Heiligen Schabbat Mischpatim, Freitag, den 21. Februar (Datierung unklar, denn Schabbat Mischpatim war erst am 1. März 1930, Toralesung Mischpatim ist 2. Mose 21,1 - 24,18), ging Frau Clara Pfeuffer ein zur Ruhe des ewigen Lebens. Im 83. Lebensjahr, die älteste unserer Gemeinde, die zweitälteste Einwohnerin des Ortes, schied sie von uns. Ein Wahrzeichen aus der in jüdischer Beziehung wohl wirklich besseren, alten Zeit, ein Beispiel lebender Tradition ist mir ihr dahin gegangen. In ihrer Jugend war sie sieben Jahre im Hause des Großen in Israel, des alten Würzburger Raw, Rabbi Seligmann Bär Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Das im Talmud oft gespendete Lob der ... traf vollkommen auf die Verblichene - sie ruhe in Frieden- zu - und der heilige Geist, der von diesem Geisteshelden ausstrahlte, beschattete das ganze Leben dieser edlen Frau. Selbstlos und bescheiden, von tiefer Gottesfurcht getragen, kannte sie als höchste Aufgabe nur Wohltätigkeit in des Wortes weitester Bedeutung und wenn sie den Gewinn hatte, alle ihre Kinder zu selten braven frommen Juden heranwachsen zu sehen, so führte sie selbst dieses immer wieder vor allem auf das Verdienst des alten Würzburger Raw - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - zurück, dessen Lebensmaximen sie stets zu verwirklichen sich bemühte. - Wohl die gesamte Einwohnerschaft Giebelstadts, eine große Zahl auswärtiger Freunde und Verehrer folgten der Bahre dieser wackeren Frau - sie ruhe in Frieden - und in beredten Worten nahmen Herr Rabbiner Dr. Wohlgemuth, Kitzingen und Herr Lehrer Bravmann, Gaukönigshofen, Abschied von dieser edlen Matrone. 
Den Kindern, Enkeln und Urenkeln möge ihr Verdienst beistehen, in ihrem Sinne weiter zu leben und weiter zu wirken. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
80. Geburtstag von Babette Neumann (1931)  

Giebelstadt BayrGZ 01091931.jpg (12841 Byte)Meldung in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1931: "Israelitische Kultusgemeinde Giebelstadt. Die Witwe Babette Neumann von hier kann am 12. September dieses Jahres ihren 80. Geburtstag feiern."   

      
Zum 80. Geburtstag des langjährigen Kultusvorstandes der Gemeinde Hirsch Schmidt (1933)  
Anmerkung: Hirsch Schmidt ist am 11. Februar 1853 in Giebelstadt geboren als Sohn des Händlers Marx Schmidt und seiner Frau Regine. Er war verheiratet mit Klara geb. Ehrlich (geb. um 1855, gest. 1915 in Giebelstadt). Im Alter von 85 Jahren wurde Hirsch Schmidt im Dezember 1938 in das Altersheim Konradstraße 3 der Israelitischen Kranken- und Pfründnerhausstiftung nach Würzburg verbracht, wo er am 8. November 1941 gestorben ist.
Die im Text genannte Zwillingsschwester Karoline Grünebaum geb. Schmidt lebte in Kleinwallstadt (verheiratet mit Elias Grünebaum).     

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. März 1933: "80. Geburtstag. Herr Hirsch Schmidt in Giebelstadt bei Würzburg, früher langjähriger Kultusvorstand der Gemeinde Giebelstadt, und dessen Zwillingsschwester Frau Karoline Grünebaum in Kleinwallstadt bei Aschaffenburg konnten am Samstag, den 11. Februar 1933, gemeinsam in voller Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag feiern."

    
70. Geburtstag von Henriette Krämer (1934)   
Anmerkung: Henriette Krämer ist am 27. Dezember 1864 in Giebelstadt geboren. Nach dem Novemberpogrom 1938 lebte sie mit ihrer verwitweten Schwägerin Lina Krämer noch in Giebelstadt. Im November 1939 wurde sie nach Würzburg gebracht und im "Jüdischen Unterkunftsheim" Bibrastraße 6, dann ab Januar 1940 im Israelitischen Pfründnerhaus Dürerstraße 20 einquartiert. Sie wurde am 10. November 1942 deportiert und im Vernichtungslager Treblinka ermordet.     

Mitteilung in "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" vom 1. Januar 1935: "Giebelstadt. Am 27. Dezember feierte Fräulein Henriette Krämer dahier ihren 70. Geburtstag. ."      

  
Zum Tod des Sohnes des Kultusvorstandes Max Pfeuffer (1935)

Giebelstadt Israelit 21031935.jpg (56290 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1935: "Giebelstadt, 10. März (1935). Von einem schweren Schicksalsschlag wurde die Familie unseres Kultusvorstandes, Max Pfeuffer, heimgesucht. Innerhalb weniger Tage wurde deren jüngster hoffnungsvoller Sohn hingerafft. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der beliebten Familie zu und aus Nah und Fern gaben Freunde und Bekannte dem Kinde das letzte Geleite. Am Grabe fand Herr Lehrer Kahn, Gaukönigshofen Worte des Trostes, indem er schilderte, wie dieses Kind bereits weit über sein Alter hinaus die ernste Lebensauffassung eines guten Jehudi zu erkennen gab. Möge der Heilige - gepriesen sei er den Eltern und Geschwistern seinen Trost senden. S.H."

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen         
  
Anzeige von Lehrer Schloss - Commisstelle-Gesuch (1892)    

Anzeige in "Der Israelit" vom 15. September 1892: "Commisstelle-Gesuch.
Ein junger Mann, welcher bis 1. November in einem Spezerei-, Holz- und Eisengeschäft seine Lehrzeit beendet, den Detail-Verkauf allein besorgte und guter Verkäufer ist, sucht als angehender Commis in einem an Feiertag und Schabbat geschlossenen Geschäfte Stelle.
Lehrer Schloß, Giebelstadt bei Würzburg."   

      
Anzeige von Johanna Stern - Stellensuche für ihre Tochter (1895)       

Anzeige in "Der Israelit" vom 8. April 1895: " Ich suche für meine Tochter, 19 Jahre alt, Stelle als Kinderfräulein, Gesellschafterin oder Stütze der Hausfrau. Dieselbe ist in sämtlich vorkommenden weiblichen Handarbeiten gründlich erfahren und war schon einige Jahre als Stütze und Gesellschafterin tätig.
Johanna Stern Witwe, Giebelstadt bei Würzburg. "   

        
Anzeige von Lehrer Schloß - Stellengesuch für einen Schneidergehilfen (1899)    

Anzeige in "Der Israelit" vom 27. Februar 1899: "Ein braver, tüchtiger, junger Mann, Schneider, sucht bei einem ordentlichen Meister Stelle als Gehilfe, wo Kost und Logis gewährt wird.
Offerten an Lehrer Schloß, Giebelstadt bei Würzburg. "   

 
Max Heinemann sucht eine Lehrstelle für seinen Sohn (1908)      

Giebelstadt Israelit 16011908.jpg (31792 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1908: 
"Suche für meinen Sohn pr. Mitte Mai dieses Jahres eine 
Lehrstelle
in einem feinen 
Schneidergeschäfte
, welches Samstag und Feiertage geschlossen ist. 
Max Heinemann
Giebelstadt (Bayern)."  

     
Verlobungsanzeige von Pauline Pfeuffer und Moritz Katz (Giebelstadt / Gersfeld) (1911)  

Giebelstadt Israelit 05101911.jpg (18228 Byte)Die Anzeige erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911
Pauline Pfeuffer - Moritz Katzmann. Verlobte  
Giebelstadt, Bayern.   Gersfeld, Rhön".     

   
Verlobungsanzeige von Ella Krämer und Heinrich Heinemann (1923)    

Giebelstadt Israelit 06121923.jpg (48801 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1923: "Frau Lina Krämer, Giebelstadt bei Würzburg  und Herr und Frau Lehrer Heinemann in Berlin beehren sich, die Verlobung ihrer Kinder Ella und Heinrich anzuzeigen.    
Ella Krämer - Heinrich Heinemann
-  Verlobte  - Giebelstadt bei Würzburg, Berlin Schöneberg, Eberstr. 13.  Chanuka 5684." 

      
Todesanzeige für Jacob David Pfeuffer (1925)      
Anmerkung: Genealogische Informationen und Foto siehe https://www.geni.com/people/Jacob-Pfeuffer/6000000052972193517 

Anzeige in "Der Israelit" vom 15. Januar 1925: "Danksagung.
Für die anlässlich des Ablebens unseres unvergesslichen Gatten und Vaters von allen Seiten überaus zahlreich entgegengebrachten Beweise herzlicher Teilnahme sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus
Klara Pfeuffer und Kinder
Giebelstadt, Würzburg, Bamberg, Mainz, Königsbach, Gersfeld.   

 
Zum Tod von Klara Pfeuffer geb. Rauh (1930)    
Anmerkung: genealogische Informationen und Foto siehe  https://www.geni.com/people/Klara-Pfeuffer/6000000052967461011  

Anzeige in "Der Israelit" vom 6. März 1930: "Danksagung
Außerstande, für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme, die uns anlässlich des Heimgangs unserer unvergesslichen Mutter
Frau Klara Pfeuffer
- Friede sei mit ihr - Giebelstadt
aus weiten Kreisen zugingen, sprechen wir auf diesem Wege allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank aus Geschwister Pfeuffer
Giebelstadt, Würzburg, Bamberg, Mainz, Königsbach, Gersfeld. 3. März 1930""    

 
  
  
Zur Geschichte der Synagoge             
    
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. 1799 wurde eine erste Synagoge erstellt. Über einhundert Jahre diente sie als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde in Giebelstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie in sehr schlechtem baulichem Zustand und musste 1908 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. 

1911
ließ die Gemeinde durch die Gebrüder Johann und Roman Scheckenbach aus Giebelstadt, die als Baumeister gemeinsam ein Zimmereigeschäft führten, die Pläne für eine neue Synagoge zeichnen. Noch in diesem Jahr wurde das Gebäude erbaut. Im Nachruf auf Seligmann Neumann, der am 23. April 1911 verstarb (siehe oben), wird davon berichtet, dass die neue Synagoge derzeit "ersteht", aber der Verstorbene die Bauvollendung nicht mehr erleben konnte. Vorsteher der jüdischen Gemeinde war zur Zeit des Synagogenbaus Hirsch Schmidt.  

Die Einweihung der Synagoge war am 31. August 1911 durch Distriktsrabbiner Bamberger aus Würzburg, der gerade Vakaturvertretung des nicht besetzten Distriktsrabbinates Kitzingen hatte. Über die Feier liegen folgende Berichte vor: 

Giebelstadt Israelit 21091911.jpg (119305 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1911: "Giebelstadt (Unterfranken), 10. September. Vor einigen Tagen wurde in unserer kleinen Gemeinde ein seltenes Fest gefeiert. Ungefähr 3 Jahre sind es her, dass unsere Synagoge wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Mit vieler Mühe und großen Opfern ist es uns gelungen, eine entsprechende neue Synagoge zu bauen, welche am 31. August in würdiger Weise eingeweiht wurde. Die politische Gemeinde nahm regen Anteil daran, indem die Einwohner ihre Häuser beflaggte und sich sowohl beim Zuge als auch in der Synagoge mit ihren jüdischen Mitbürgern vereinigten. Vor dem Tore der Synagoge trug die Tochter des Vorstandes, Frl. Schmidt, einen Prolog vor und überreichte den Synagogenschlüssel dem Bürgermeister; derselbe hielt eine Ansprache, in der er den Opfersinn der Gemeinde lobte und übergab den Synagogenschlüssel Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger aus Würzburg, Verweser des Rabbinats Kitzingen. Nach den üblichen Umzügen der Torarollen und nachdem Herr Vorstand Schmidt die Anwesenden begrüßt hatte, hielt Herr Rabbiner Bamberger die Einweihungsrede, die zu Herzen aller Anwesenden ging. Vom Gotteshause aus bewegte sich die ganze Festversammlung unter Musikbegleitung in ein Gasthaus zur geselligen Unterhaltung. Alle Anwesende, worunter viele Fremde aus nah und fern sich befanden, waren sehr befriedigt von der außerordentlich gelungenen Feier." 
  
Giebelstadt Israelit 15091911.jpg (154884 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. September 1911: "Giebelstadt (Unterfranken). Vor einigen Tagen wurde in unserer kleinen Gemeinde die neue Synagoge eingeweiht. Die politische Gemeinde nahm regen Anteil an diesem Feste, indem die Einwohner ihre Häuser beflaggten und sich sowohl beim Zuge als auch in der Synagoge mit ihren israelitischen Mitbürgern vereinigten. Der Festzug bewegte sich vom Hause des Kultusvorstandes, H. Schmidt, mit Vorantritt der Musik zur Synagoge. Dort angelangt, trug die Tochter des Vorstandes ein Gedicht vor und überreichte den Synagogenschlüssel dem Bürgermeister, der nach einer Ansprache den Schlüssel dem Distriktsrabbiner Bamberger - Würzburg, Verweser des Rabbinats Kitzingen, übergab. Dieser erwiderte dem Herrn Bürgermeister in entsprechender Rede und überreichte den Schlüssel dem Vorstande. Nach dem Einzuge wurde Ma-Towu gesungen und die Umzüge mit den Tora-Rollen vorgenommen. Nachdem Vorstand Schmidt die Anwesenden in längerer Ansprache begrüßt hatte, bestieg Rabbiner Bamberger die Kanzel und hielt die Einweihungsrede, die sich darüber verbreitete, welche Namen unsere Stammväter den geheiligten Städten beilegten, nämlich Berg, Feld und Haus, als Symbol für die Synagoge. Sie sei stets ein Berg zur Erhebung zur Gottesfurcht und Gotteserkenntnis, ein Feld zur Aussaat von Liebe zu Gott und dem Nebenmenschen und ein Haus, in dem man sich jederzeit heimisch und glücklich fühlen solle. Die Rede schloss mit dem Königsgebet und einem Segen für die Gemeinde und die Behörden. Nach Absingung eines Psalms (150.) war die Feier beendigt. Von da aus bewegte sich die ganze Festversammlung unter Musikbegleitung in ein Gasthause zur geselligen Unterhaltung. Alle Anwesenden, darunter viele Fremde, waren sehr befriedigt von der außerordentlich gelungenen Feier." 
 
Artikel in "Das jüdische Blatt" vom 22. September 1911:
Artikel identisch mit dem Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" (siehe oben)
    

1925 erhielt die jüdische Gemeinde Giebelstadt zur Vornahme von Reparaturen in der Synagoge durch den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden einen Zuschuss von 500.- Mark (Bayerische israelitische Gemeindezeitung vom 9. Mai 1925 S. 65).   
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Angehörige der NSDAP und der SA demoliert und geschändet. Die Ritualien wurden vernichtet. Das Gebäude blieb jedoch erhalten, wurde jedoch im Sommer 1939 abgebrochen, nachdem es vorher mit dem dazugehörigen Grundstück vom Vorgänger des jetzigen Besitzers gekauft worden ist. An Stelle der Synagoge, von der nichts mehr erhalten ist, wurde ein Wohnhaus erbaut. Eine Gedenktafel im Treppenhaus des Rathauses erinnert an die jüdische Gemeinde und die Synagoge mit dem (nicht ganz korrekten) Text: "Im Gemeindebereich bestand bis 1941 eine jüdische Gemeinde. Die 1799 erbaute Synagoge wurde 1938 geschändet und 1944 abgebrochen. Der Markt GIEBELSTADT gedenkt seiner ehemaligen jüdischen Kultusgemeinde.   

Die 1948/49 kurzzeitig wieder entstandene Jüdische Kultusgemeinde (DP-Camp) richtete eine Synagoge in einem früher von der Mennonitengemeinde genützten Bethaus ein. Nach Wegzug der DPs aus Giebelstadt kam dieses Gebäude in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde und wurde später zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut.    
   
   
 
Adresse/Standort der SynagogeSynagoge bis 1938: Mergentheimer Straße 20;  Synagoge 1945-1948: Mergentheimer Straße 31. 
   
   
Pläne / Fotos
(Quelle für die Pläne: Storck-Pfitzer s.Lit. S. 62).

Die von den Gebrüdern Johann und Roman Scheckenbach gezeichneten Baupläne von 1911   
Giebelstadt Synagoge 020.jpg (119570 Byte) Giebelstadt Synagoge 021.jpg (101369 Byte) Giebelstadt Synagoge 022.jpg (97226 Byte)
Ansicht von der Straße Schnitt durch das Gebäude Östliche Giebelansicht
     
Giebelstadt Synagoge 023.jpg (94782 Byte) Giebelstadt Synagoge 024.jpg (90581 Byte) Giebelstadt Synagoge 025.jpg (107909 Byte)
Grundriss des Erdgeschosses Grundriss von der Empore Situationsplan
     
Giebelstadt Synagoge 092.jpg (61531 Byte) Giebelstadt Synagoge 090.jpg (58569 Byte)
Der Plan der Gebrüder Scheckenbach ist im Original koloriert (Quelle: www.synagogen.info Nach den Plänen gezeichnete Darstellung der
 ehemaligen Synagoge mit dem
 Lehrerhaus/Schule
 

   
   
Aus der Geschichte der Familie Mannheimer
(vgl. Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945 1. Teil 1989 S. 371 und 2. Teil S. 421)
 
Grabsteine im jüdischen Friedhof in Allersheim erinnern an die Geschichte der Familie  
(Fotos: Detlef Ernst Rosenow, Karlsruhe)

Giebelstadt All01.jpg (105127 Byte) Giebelstadt All02.jpg (114732 Byte)
Grabstein für David Mannheimer (Vater von 
Otto Mannheimer) geb. 27. Januar 1872 in
 Bütthardt, gest. 29. Juli 1933 in Giebelstadt
Grabstein für Otto Mannheimer, geb. 1. September 1899 in Giebelstadt, gest. 21. November 1967
 mit Gedenkinschrift für Sohn Sally Mannheimer, geb. 21. Mai 1926 in Giebelstadt, 
gest. 31. März 1945 bei der Bombardierung von Würzburg-Unterdürrbach

  

Otto Mannheimer (Grabstein rechts) ist am 1. September 1899 in Giebelstadt geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler David Mannheimer, Viehhändler in Giebelstadt (geboren 1872 in Bütthardt, Grabstein links) und Ida (Jette) geb. Neumann (geboren 1878 in Giebelstadt). Otto Mannheimer besuchte 1911 bis 1914 die Oberrealschule in Würzburg; 1918 war er Kriegsteilnehmer an der Westfront. Später arbeitete er als Viehhändler in Giebelstadt. Otto Mannheimer war seit 1924 verheiratet mit der aus einer katholischen Familie stammenden Regina (Dina) geb. Zorn (geb. 16. September 1900 in Rothenburg ob der Tauber). Regina trat bei der Heirat zur jüdischen Religion über und führte einen streng rituellen Haushalt. Das Ehepaar hatte vier Kinder: Siegfried (geb. 1923),  Ruth (geb. 1924), Sally (1926) und Ludwig (1928).
Seine Viehhandlung musste Otto Mannheimer 1937 aufgeben. Er zog nach Würzburg und fand noch Arbeit als Pferdeknecht in der Fa. S. Kleemann & Söhne. Die Familie wohnte seit Januar 1938 in Würzburg, Domerschulstraße 25. Der Sohn Siegfried emigrierte mit der Jugend-Alija im August 1938 nach Palästina (nannte sich seitdem S. Oded), die Tochter Ruth konnte im Juni 1939 nach Schweden auswandern. Otto Mannheimer selbst emigrierte, nachdem er nach dem Novemberpogrom 1938 zwei Monate im KZ Buchenwald festgehalten worden war, im August 1939 nach Brüssel. Zurück blieben in Würzburg seine Mutter Ida geb. Neumann, die Frau Ruth und die beiden Söhne Sally und Ludwig. Die vier bemühten sich vergeblich um eine Ausreise nach Belgien. Sally Mannheimer hatte ab 1941 Zwangsarbeit in Würzburg zu leisten, eine Ausreise nach Schweden wurde ihm und seinem Bruder Ludwig im März 1942 trotz Genehmigung der Gesandtschaft verweigert. Die Mutter von Otto Mannheimer - Ida (Jette) geb. Neumann - wurde am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt und von hier im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sally Mannheimer kam Ende März 1945 bei der Bombardierung von Würzburg-Unterdürrbach ums Leben. Ludwig  Mannheimer hat überlebt und konnte nach Schweden auswandern. 
Nach 1945 lebte das Ehepaar Otto und Regina Mannheimer wieder in Giebelstadt. Otto Mannheimer starb am 21. November 1967 in Würzburg und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim beigesetzt; Regina Mannheimer starb am 16. September 1977 in Würzburg.

   
    

Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der Marktgemeinde Giebelstadt  
bulletName des jüdischen Gefallenen mit Abbildung des Kriegesdenkmals: Haus der Bayerischen Geschichte (siehe unter Ortsregister - Giebelstadt)
bulletSeite des Landkreises Würzburg zur jüdischen Geschichte / Synagoge in Giebelstadt  

Literatur:  

bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 302-303.
bulletIsrael Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 74.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 439-441.
bulletJutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988 S. 61-63.
bulletGiebelstadt Buch 01.jpg (15451 Byte)Jim G. Tobias: "Zu Pessach nach Unterfranken". Das jüdische DP-Camp Giebelstadt 1948-49. Reihe: Hefte zur Regionalgeschichte Heft 3. Antogo-Verlag 2005. Informationen zum Buch.
bulletDirk Rosenstock (Bearbeiter): Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg. Band 13. Würzburg 2008. S. 224-225.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Giebelstadt  Lower Franconia. A community is known from the mid-18th century and a synagogue was consecrated in 1799. The Jewish population reached 103 in 1814 (total 597) and declined steadily thereafter to 38 in 1933. Twenty-four Jews left in 1933-38, 16 of them emigrating from Germany. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue and Jewish homes were wrecked by the SA and SS. The last five Jews were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942.     
         
           

                   
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Stand: 30. Juni 2020