Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ettendorf (Dep. Bas Rhin /Alsace / Unterelsass) 
Cimetière juif / Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
  
Siehe Seite zur Synagoge in Ettendorf (interner Link)      
  
 
Zur Geschichte des Friedhofes   

Der jüdische Friedhof in Ettendorf wurde vermutlich bereits im 15. Jahrhundert angelegt und wird bis zur Gegenwart belegt. Auf einer Fläche von etwa 18 ha sind über einen Hang verteilt Tausende von Gräbern vorhanden und erhalten. Auf dem Friedhof wurden die jüdischen Toten einer weiten Umgebung beigesetzt. 1875 waren es noch 24 jüdische Gemeinden, die den Friedhof benutzten.   
  
  
Aus der Geschichte des Friedhofes  
Über eine Beisetzung im jüdischen Friedhof Ettendorf im Dreißigjährigen Krieg   
Anmerkung: zitiert wird aus einem Text von Ascher Sohn des Elieser Levy (geb. 1599), der in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Reichshoffen lebte und von 1612 bis 1635 über seine Erlebnisse und jene der Umgebung Reichshoffens geschrieben hat. Der Text ist in hebräischer Sprache verfasst und wurde in der Zeitschrift "Gegenwart" Ausgaben vom 13.8.1868 und 20..8.1868 wiedergegeben.     

Artikel in der Zeitschrift "Die Gegenwart: israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Interessen" (erschienen in Prag) vom 27. August 1868: "Ein Bild von den Grausamkeiten, deren Schauplatz Elsass war, zu entwerfen, wäre vergebliche Mühe. Dieses Land, bald von den kaiserlichen, bald von den Schweden besitzt, wurde von beiden Armeen mit Feuer und Schwert verwüstet. Hören wir weiter, was das Manuskript insbesondere über die Juden von Reichshoffen und seiner Umgebung berichtet:
'Im Monate Tischri 1628 ergriffen alle die Flucht. Jene, welche die Mittel dazu besaßen, flüchteten sich in feste Plätze wegen des Einfalles der Kaiserlichen unter Anführung des Generals Kratz. Wir Juden waren besonders in der größten Gefahr vorzüglich in Reichshoffen, wo wir uns in Gemäuer versteckt aufhielten. Niemand wagte auszugehen, aus Furcht vor den Soldaten gemisshandelt zu werden. Jeden Augenblick schwebten wir in Gefahr, so wie jene in Niederbrunn, Oberbraun (verschrieben wohl für Oberbronn / Oberbrunnen) und anderswo niedergemetzelt zu werden. Ein Befehlshaber von sehr vornehmer Geburt, befand sich mit 300 Kriegsleuten in Niederbrunn, niemand wagt sich zu ihm. Ich machte mir Mut und wagte mein Leben ein wenig um wenigstens für den Augenblick meine armen, so sehr gequälten und in einer neuen Art Gefängnis zusammen getränkten Brüder und Schwester zu befreien. Nicht ohne Schwierigkeit begab ich mich zu ihm, verkaufte ihm einige Goldwaren und es gelang mir einen Sicherheitsschein für mich und meine Brüder zu bekommen. Da ich auch weiter in Geschäftsverbindung mit ihm stand, so fand er einst einen Artikel zu teuer und dieses brachte mich bei ihm in Ungnade und obwohl ich ihm das Geld zurückstellen und die ihm verkaufte Ware zurücknehmen wollte, ihm auch eine andere im gleichen Werte zu geben mich anbot, so verweigerte er es hartnäckig. Er ließ mir nachspüren, befahl mich aufzusuchen und anzuhalten, kurz ich lebte in größter Lebensgefahr, aber Gott half mir. Mein armer Vater, der in größtem Elende lebte und den ganzen Körper mit Wunden bedeckt hatte, kam zu mir am 8. Marcheschwan 1627 und blieb bis zum 17. Kislev 1628, an welchem Tage er starb. Ich war gezwungen die vorgeschriebene Reinigung selbst vorzunehmen. Niemand wagte den Körper wegen seiner eiternden Wunden waschen zu helfen. Trotz der Gefahr bei jedem Schritt von herumstreichenden Räubern angegriffen zu werden, führte ich die sterbliche Hülle in Begleitung von zehn Personen auf die Grabstätte in Ettendorf."  

  
Aufruf zu einer Kollekte für den israelitischen Begräbnisplatz (1875)        

Ettendorf Israelit 24031875.jpg (280601 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1875: "Aufruf zu Gunsten des israelitischen Begräbnisplatzes zu Ettendorf (Unterelsass). 
Geliebte Brüder!
Unter den aus dem Mittelalter stammenden ehrwürdigen Denkmäklern des israelitischen Elsass, die unsererseits eine achtungsvolle Sympathie verdienen, und deren Erhaltung uns teuer sein sollte, befindet sich unstreitig der Begräbnisplatz zu Ettendorf. 
Dieses heilige Stück Land mit seinen oft mehrere hundert Jahren alten Steinen, die uns an die finstern Zeiten erinnern, in der die über die Erde zerstreuten Israeliten aus der Gesellschaft gestoßen, der Luft und des Raumes beraubt, nur da leben und sterben konnten, wo die Intoleranz der damaligen Gesellschaft es ihnen erlaubt, hat ehemals fast allen israelitischen Gemeinden des Unter-Elsass zum Ruheplatz gedient und ist noch jetzt für 24 Gemeinden dieser Gegend, die hier ihre Toten bestatten, ein gemeinsamer Friedhof.  
Hier finden sich die irdischen Überreste vieler berühmten Rabbinen und anderer durch ihr Wissen und ihre Frömmigkeit ausgezeichneter Glaubensgenossen, deren Gräber uns teuer sein und durch unsere Sorge von der Vernichtung der Menschen und der Zeit erhalten werden sollen.  
Um dahin zu gelangen, sind große Reparaturen, die Erwerbung eines neuen Terrains und eine Mauer um diesen weiten Begräbnisplatz unvermeidlich, deren Kosten nach einer provisorischen Schätzung ungefähr 40.000 Frs. erfordern, eine enorme Ausgabe, die die Kräfte und Mittel genannter Gemeinden übersteigt, da die meisten derselben klein und arm sind und nicht einmal das genügende Einkommen haben, um den Gehalt eines Chasan, eines Lehrers, ja selbst um den Unterhalt der Synagoge zu bestreíten.  
In dieser traurigen Lage findet sich die Administration des genannten Begräbnisplatzes in die Notwendigkeit versetzt, sich an die israelitischen Gemeinden aller Länder zu wenden, und sie dringend zu bitten, ihr durch freiwillige Gaben zu Hilfe zu kommen, auf dass die unten genannte Verwaltung im Stande sei, das von ihr gesteckte Ziel zu erreichen.  
Die Erhaltung dieses Friedhofes ist von allgemeinem Interesse für eine große Anzahl unserer Glaubensgenossen; viele israeltiische Familien aus Frankreich, Deutschland, selbst aus Amerika kommen periodisch dahin, um auf den ehrwürdigen Gräbern ihrer Eltern, deren Gebeine hier ruhen, zu beten, sowie auf denjenigen frommer und berühmter Männer, deren Andenken ihnen gleich teuer ist. 
Die unterzeichnete Administration dankt zum Voraus allen Denen, die ihren Aufruf würdigen und welche sich beeilen, ihnen eine entsprechende Unterstützung zukommen zu lassen. Der Gott der Israeliten möge sie segnen!  
Buxweiller (Bouxwiller), den 21. August 1875. 
Levy Aron, Präsident  H.L. Dreyfuß, Rabbiner   J. Wolff, Rabbiner  S. Levy, Rabbiner   
Mathias Levy.  Ph. Kramer.  Caim Leopold.   Benjamin Wolff.  Moses Levy   N. Weiler
P.S. Die Gaben mögen an Herrn Levy Aron, Präsident der administrativen Kommission des israelitischen Begräbnisplatzes zu Ettendorf, in Buxweiller (Unterelsass) berichtet werden, welcher beauftragt ist, sie in einer öffentlichen Kasse niederzulegen.  
Das israelitische Konsistorium des Unterelsass bestätigt die vollkommene Wahrheit des vorstehenden Aufrufs und empfiehlt allen mildtätigen Herzen das Unterstützungsgesuch der Aufsichts- und Verwaltungs-Kommission des israelitischen Begräbnisplatzes zu Ettendorf.  
Straßburg, den 30. Dezember 1874.  
Die Mitglieder des Konsistoriums: 
Arnaud Aron, Oberrabbiner, Präsident.  Nathan SchwartzLeon Blum-Auscher,   Adolph RufLeonhard Levy, Sekretär."     
 
Der obige Aufruf wurde in der Nachkriegszeit (1870/71) auch politisiert, wie im nachstehenden Artikel deutlich wird
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. April 1875:  "Die Arch. isr. enthalten die Zuschrift eines gewissen B. Blum in Havre, welche einen Aufruf, den jüdischen Gottesacker in Ettendorf in Nieder-Elsass betreffend enthält. Dieser Friedhof diente seit Jahrhunderten der ganzen Umgegend zur Bestattung ihrer Toten, und hat dadurch den Charakter hoher Ehrwürdigkeit erlangt. Er befindet sich gegenwärtig in dem Zustand der großen Verfalls, der mit der Zeit den Untergang, oder doch gänzliche Verwüstung drohe. Er bedürfe der Wiederherstellung, des Ankaufs neuer Grundstücke und der Einschließung durch eine Mauer, wozu ungefähr 40.000 Frcs. notwendig wären. Die Juden der dortigen Gegend sind zu arm, um eine solche Summe aufzubringen. Es ist deshalb vom Konsistorium zu Straßburg eine Aufforderung erlassen worden, um Beiträge für diesen Zweck zu beschaffen. Herr Blum, in dem er 50 Frcs. spendet, richtet seinen Aufruf besonders an die elsässischem Juden im Ausland. Gewiss ist dies eine Sache von echt religiösem Interesse. Allein wenn Blum der Angelegenheit auch eine politische Wendung gibt, so wird er derselben dadurch schwerlich nützen. Er schreibt den Verfall des gedachten Friedhofs der Losreißung des Elsass von Frankreich zu, als ob die seitdem verflossenen vier Jahre denselben zu dem Zustände der Vernachlässigung und Vollkommenheit, wie er ihn beschreibt, und wie er doch nur durch die Indolenz mehrere Geschlechter herbeigeführt sein konnte, gebracht hätten! Hat der Gottesacker zu Ettendorf etwa eine Mauer besessen, die von den Deutschen niedergerissen worden? Ist die Unordnung und der gänzliche Mangel an Pflege erst seit vier Jahren eingetreten? Er besagt ferner, dass die Gegend durch die Auswanderung der Juden von diesen verlassen sei, und sieht den Widerspruch nicht ein, der darin liegt, dass er die Vergrößerung des Gottesackers durch neue Grundstücke verlangt! Wann werden unsere französischen Glaubensbrüder endlich Politik und Nationalhass vom Judentume fernzuhalten lernen? Glauben sie wirklich, Frankreich und dem französischen Judentume dadurch zu nützen, dass sie überall den Schein eines ultra-französischen Patriotismus ihren Kundgebungen aufheften? Glücklicherweise lässt sich die deutsche Reichsregierung durch diese Kindereien nicht behindern, den elsässischen Bürgern jüdischer Religion ihr volles Recht angedeihen zu lassen."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1875: "Infolge unseres Aufrufes ihn Nummer 12 des 'Israelit' zu Gunsten des Begräbnisplatzes zu Ettendorf (Unterelsass), hat auch Herr Is. Kauffmann, Buchhandlung in Frankfurt am Main, zur Entgegennahme von milden Beiträgen sich bereit erklärt. Bitten daher die edlen Spender ab, dem selben ihre Gaben zu übermitteln.
Buchsweiler
, 2. Mai 1875. Der Präsident Aaron Levy"   

  
   
Lage des Friedhofes  
   
Der Friedhof liegt etwa 500 m außerhalb von Ettendorf     
    
   
Link zu den Google-Maps  
(der grüne Pfeil markiert die Lage des Friedhofes)    
  

Größere Kartenansicht  
      

   
Fotos
 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.10.2011)   

Besuch des jüdischen 
Friedhofes bei Ettendorf von
 Teilnehmern an der Jahrestagung der "Alemannia Judaica" 
am 30. Oktober 2011 
Ettendorf Cimetiere 152.jpg (139447 Byte) Ettendorf Cimetiere 153.jpg (135541 Byte) Ettendorf Cimetiere 150.jpg (128075 Byte)
  Das Eingangstor mit Inschrift 
"Ihre Seelen seien eingebunden in
 den Bund des Lebens" 
Einführung durch 
Jean-Pierre Lambert 
Auf dem Weg vom Eingangstor 
in den Friedhof
     
       
Ettendorf Cimetiere 151.jpg (193096 Byte) Ettendorf Cimetiere 154.jpg (124115 Byte) Ettendorf Cimetiere 155.jpg (122392 Byte) Ettendorf Cimetiere 156.jpg (165644 Byte)
Hinweistafeln     Teilansicht Tahara-Haus
       
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Inschrift am Taharahaus: Frowald Gil Hüttenmeister 
übersetzt die Inschrift 
Teilansicht 
  
Der Friedhof ist durch Mauern 
und Wege gegliedert
        
Ettendorf Cimetiere 181.jpg (175007 Byte) Ettendorf Cimetiere 162.jpg (160654 Byte) Ettendorf Cimetiere 170.jpg (148235 Byte) Ettendorf Cimetiere 164.jpg (145506 Byte)
Jean-Pierre Lambert 
und Frowald Gil Hüttenmeister
Grabstein mit 
Schofar
Teilansicht   An der "Allee Pfaffenhofen"
 im Friedhof
       
Ettendorf Cimetiere 166.jpg (135928 Byte) Ettendorf Cimetiere 165.jpg (179936 Byte) Ettendorf Cimetiere 167.jpg (196857 Byte) Ettendorf Cimetiere 168.jpg (201445 Byte)
Blick auf eine gesondert abgegrenzte Familiengrabstätte mit einem Grab von 2010  
          
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An der "Allee Bouxwiller"   Teilansichten des Friedhofes Teilansicht im hinteren Teil
       
Ettendorf Cimetiere 173.jpg (133195 Byte) Ettendorf Cimetiere 174.jpg (139966 Byte) Ettendorf Cimetiere 172.jpg (146711 Byte)  
Neuere Gräber mit häufig liegenden Grabsteinplatten im hinteren Bereich des Friedhofes   
       
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 Im oberen, dem ältesten Bereich des Friedhof - nur ein 
Teil der Grabsteine ist erhalten  
Teilansicht des
Friedhofes
Die Gruppe auf dem 
Weg durch den Friedhof
Ettendorf Cimetiere 161.jpg (192648 Byte) Ettendorf Cimetiere 182.jpg (174652 Byte) Ettendorf Cimetiere 163.jpg (205741 Byte)
Rabbiner-Gräber in der Mitte des Friedhofes - Jean-Pierre Lambert 
weist in der Abenddämmerung noch auf einige Besonderheiten hin  
Der Gedenkstein für die in der Shoa aus den Orten der Umgebung
 umgekommenen Personen
        

   
    

Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der politischen Gemeinde Ettendorf  
bulletZur Seite über die jüdische Geschichte / Synagogengeschichte in Ettendorf (interner Link)    

Literatur: 

bullet     

    

                   
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Stand: 30. Juni 2020