Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ober-Olm (VG Nieder-Olm, Kreis Mainz-Bingen)
mit Klein-Winternheim (VG Nieder-Olm, Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge  
     Die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Heribert Schmitt 

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Kennkarten aus der NS-Zeit 
Sonstiges       
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletAbbildungen/Fotos         
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Ober-Olm bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Eine erste Eintragung der Geburt eines jüdischen Kindes (Tochter von Bernhard (?) Abraham) ist vom Jahr 1774. In der jüdischen Familie Mayer war bekannt, dass 1781 der Vorfahr Abraham Mayer II. in Ober-Olm geboren ist (weitere Informationen zur Familie siehe unten). Zur offiziellen Gründung einer selbständigen jüdischen Gemeinde kam es erst 1881. Bis dahin gehörten die in Ober-Olm lebenden jüdischen Personen zur "Israelitischen Gemeinde Essenheim und Ober-Olm". Bei der Vorsteherwahl im Jahr 1845 waren 21 Essenheimer Juden und zehn aus Ober-Olm wahlberechtigt. 
   
1780 gab es vier jüdische Familien in Ober-Olm, 1801 und 1804 jeweils drei Familien mit zusammen neun Personen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807: fünf jüdische Familien, 1824 27 jüdische Einwohner, 1828/30 29, 1847 47, 1861 32 (2,4 % von insgesamt 1.307 Einwohnern), 1880 36 (2,7 % von 1.322), 1900 43 (3,0 % von 1.428), 1910 41 (2,7 % von 1.510). Zur Gemeinde gehörten auch die im benachbarten Klein-Winternheim lebenden jüdischen Personen (1933 vier Personen: Familie von Alex Abraham).
   
Die jüdischen Haushaltsvorstände lebten vom Handel mit Vieh, Textilien und Landesprodukten. Es gab auch Kohlenhändler und Grundstückmakler. Alex Abraham in Klein-Winternheim hatte ein Landesproduktengeschäft (Saatgut, Düngemittel).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Mainz. 1911 wurde als Gemeindevorsteher Simon Mayer II. gewählt.

Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gustav Mayer (geb. 8.9.1895 in Ober-Olm, gef. 17.8.1917 im Gefecht im Susitatale südöstlich von Maracesti in Rumänien; beigesetzt im Susitatale). Weitere jüdische Kriegsteilnehmer aus Ober-Olm waren Alfred Mayer (geb. 1884), Carl Leopold Mayer (geb. 1882) und Otto Mayer (geb. 1885). 

Um 1924, als 36 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (2,3 % von insgesamt 1.537 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Alfred Mayer, Moritz Mayer I und Alex Abraham (letzterer aus Klein-Winternheim). 1932 waren die Vorsteher Otto Mayer (1. Vors.), Alex Abraham (Klein-Winternheim, 2. Vors.) und Benno Stern (3. Vors.). An jüdischen Vereinen bestand der Israelitische Kranken- und Sterbeverein (1932 Vors. Alex Abraham, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger). 
Bis nach 1933 gab es folgende jüdische Geschäfte/Familien: Manufakturwaren Fritz Koch (Alte Pfarrgasse 13); Metzgerei Adolf Mayer, Nachfolger (Schwiegersohn) David Schmitt (Ameisengasse 2; hier auch Haushaltswaren, Geschenkartikel und Schuhe Johanna Mayer; Schneiderin und Kurzwaren Sophie Mayer sowie Bäcker Albert Lang); Adolf Mayer (Backhausgasse 3); Manufaktur- und Modewaren, Kleiderstoffe, Buxkin Otto Mayer (Bahnhofstraße 10 / Hindenburgstraße 10); Landesprodukte, Einzel- und Großhandel, Düngemittel, Futtermittel, Saat-Artikel, Ankauf aller Getreidearten - mit Verladestelle und Lager am Bahnhof Klein-Winternheim - Ludwig Abraham (Bahnhofstraße 17, 19 und 21 / Hindenburgstraße 17, 19 und 21); Manufakturwaren Alfred Mayer (Mittelgasse 3); Familie Mayer (Mittelgasse 11), Fellhandel Jakob Mayer II. (Mittelgasse 15, später Obere Mahlgasse 2), Familie Mayer (Mittelgasse 23), Manufakturwaren Simon Mayer I. (Mittelgasse 27); Pferdehändler Alois Koch (Obergasse 5), Zigarrenhandlung Franz Nikolaus Mayer (Obergasse 27 / 35); Manufaktur-, Weiß- und Wollwaren, Kommissionslager der Firma Jaques Hermann, Mainz, Vereinsbedarf, Illuminations- und Dekorationsartikel Benno Stern / Jakob Mayer II (Obere Mahlgasse 8); Weizen-. Roggen-, Malzkleie, Trockentreber, Palmkuchen sowie alle Sorten künstlichen Dünger (Verkaufsstelle der Chemischen Werke Albert, Biebrich) Moritz Mayer (Tränkgasse 2) sowie Landesprodukte, Frucht- und Futterartikel und Kohlenhandlung Karl Michael Mayer (ebd.), Metzgerei Fritz Mayer (Tränkgasse 3; Schlachtung bei David Goldschmitt); Manufakturwaren Jakob Mayer sowie Fellhändler Benjamin Mayer (Tränkgasse 5); Manufakturwarenhandlung Friedrich Mayer (Tränkgasse 10).   
     
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 30 Personen, 2,0 % von insgesamt 1.532 Einwohnern) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert: 17 Personen konnten nach Nordamerika emigrieren, ein jüngerer Mann übersiedelte nach Argentinien. Einzelne verzogen in die Städte Mainz und Speyer. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (siehe unten), auch in mehreren jüdischen Wohnhäusern wurden die Fensterscheiben eingeworfen und das Inventar zerschlagen. Mehrere jüdische Männer (Alois Koch, David Goldschmitt und Albert Lang) wurden durch die Gestapo verhaftet und in Mainz inhaftiert. Benno Stern (Obere Mahlgasse 8) wurde über Mainz in das KZ Buchenwald verbracht. Er ist am 20. Januar 1939 im Lager umgekommen. 1939 wurden noch zehn jüdische Einwohner gezählt. Letzter Gemeindevorsteher war Karl Abraham. Im Frühjahr 1940 erfolgte die Zwangsumsiedlung der letzten zehn jüdischen Einwohner in "Judenhäuser" in Mainz. Von Mainz aus wurden die jüdischen Personen deportiert, darunter am 20. März 1942 direkt in das Vernichtungslager Auschwitz: Emilie Michel geb. Mayer, Erna Lang geb. Koch und die gerade vierjährige Ruth Lang. Andere wurden nach Piaski/Polen deportiert und ermordet. Nur Ellen und ihre Mutter Selma Stern konnten im Mai 1940 noch in die USA emigrieren.
  
Von den in Ober-Olm geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Johanna Abraham (1883), Betty Goldschmitt geb. Mayer (1896), David Goldschmitt (1884), Alfred Koch (1893), Alois Koch (1876), Anna Koch geb. Beck (1877), Wilhelm (Willi) Koch (1901), Albert Lang (1909), Erna Margarete (Margarethe) Lang geb. Koch (1908), Ruth Lang (1938), Bertha Mayer geb. Bendheim (1865), Johanna Mayer (1860), Julius Mayer (1866), Karl Leopold Mayer (1883, siehe Kennkarte unten), Moritz Mayer (1865), Moritz Mayer (1868), Emilie (Emmi) Michel geb. Mayer (1891), Antonie (Toni) Rosalie Oppenheimer geb. Mayer (1880), Benno Stern (1893), Elisabeth (Elise Betty) Stern geb. Mayer (1881). 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Ausschreibung einer Vorsängerstelle zu den hohen Feiertagen im Herbst 1893

Oberolm Israelit 21081893.jpg (33550 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1893: "Die israelitische Gemeinde Ober-Olm bei Mainz sucht zu den bevorstehenden ehrfurchtgebietenden Tagen einen Chasan (Kantor) mit guter Stimme, welcher auch Baal Kore (Tora-Vorleser) sein muss. Meldungen sind zu richten an den Unterzeichneten Hermann Mayer."

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Über die jüdische Familie Mayer  
    

Eine der ältesten jüdischen Familien am Ort war die Familie Mayer. So ergaben die Recherchen von Heribert Schmitt über die Vorfahren des am 6. Oktober 1926 geborenen Eric Mayer (1938 mit den Eltern in die USA emigriert, gest. 30. Januar 2009 in Nassau, New York): seine Eltern waren Otto Mayer (geb. 13. August 1885 in Ober-Olm, 1938 emigriert in die USA, gest. 5. Mai 1950 in Brooklyn, New York; beigesetzt im King Solomon Memorial Park, Clifton, New Jersey Link) und Gertrude Mayer geb. Grau (geb. 15. Oktober 1896 in Finthen, gest. 22. Juni 1965 in Brooklyn, New York; ebd. Link). Die Eltern von Otto Mayer (= Großeltern von Eric Mayer) waren Abraham Mayer (geb. 6. September 1853 in Ober-Olm) und Emma Mayer geb. Kramer (siehe Bericht zu ihrem Tod 1932 unten). Abraham hatte eine Schwester Franziska Mayer (geb. 14. November 1856 in Ober-Olm, gest. 17. Februar 1940 in Alzey, "Euthanasie"). Die Eltern von Abraham Mayer (= Ur-Großeltern von Eric Mayer) waren Jakob Mayer II. (geboren 5. August 1820 in Ober-Olm, gest. 19. Juni 1904 in Ober-Olm) und Johanna Mayer geb. Bernai (geb. 9. April 1922 in Ebersheim, gest. 2. September 1894 in Ober-Olm). Der Vater von Jakob Mayer II. (= Ur-Ur-Großvater von Eric Mayer) war der oben genannte Abraham Mayer II., der 1781 in Ober-Olm geboren wurde.      
Familie Otto und Gertrude Mayer lebten mit dem Sohn Eric bis zur Emigration 1938 in der Bahnhofstraße 10. 

      
70. Geburtstag von Bina Abraham (1928) 
    

Oberolm Israelit 05071928.jpg (23482 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1928: "Mainz, 27. Juni (1928). Die Ehefrau des verstorbenen Ludwig Abraham aus Oberolm bei Mainz, Frau Bina Abraham, feiert dieser Tage im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihren 70. Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische."

       
Zum Tod von Emma Mayer geb. Kramer (1932)      

Artikel im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" vom März 1932:  "Ober-Olm. Am 12. Februar wurde Frau Emma Mayer, geb. Kramer, im Alter von 75 Jahren zur ewigen Ruhe bestattet. Sie war Wohltäterin, ein Esches Chajil (eine tüchtige Frau), eine durch ihre Frömmigkeit und Bescheidenheit sehr beliebte und geachtete Frau. Sie hatte stets eine offene Hand für Arme und Kranke ohne Unterschied der Konfession. An ihrem Grabe hob Rabbiner Herr Rabbiner Dr. Levi, Mainz, ihre Verdienste hervor. "     

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen                   
Anzeige der Verlobung von Johanna Isaac (Wallertheim) und Alex Abraham (Ober-Olm) (1922)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: "Baruch HaSchem (G"tt sei gepriesen)  
Johanna Isaac  -  Alex Abraham
 
Verlobte   Wallertheim (in Rheinhessen) - Ober-Olm (bei Mainz)  
Schabbat Paraschat Ekew
(= Schabbat mit dem Toraabschnitt Ekew = 5. Mose 7,12-11,25), d.h. Schabbat, 12. August 1922)."    

   
Suchanzeige von Selma Stern geb. Mayer früher Ober-Olm) für Klara Munz geb. Moses und ihre Schwester Dina Simon geb. Moses (USA 1942)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 16. Januar 1942: 
"Gesucht wird: ... 
Klara Münz geb. Moses (früher Altengronau), oder Schwester Dina Simon geb. Moses (früher Eppertshausen), von Selma Stern geb. Mayer (früher Ober-Olm bei Mainz), 321 W. 105th St. NY City."           

       

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Ober-Olm geboren sind
 
 Ober-Olm KK MZ Marx Elise.jpg (87547 Byte)  Ober-Olm KK MZ Mayer Karl Leopold.jpg (96709 Byte)  
  KK (Mainz 1939) für Elise Marx geb. Abraham
(geb. 15. Mai 1882 in Ober-Olm)   
  
  
KK (Mainz 1939) für Karl Leopold Mayer (geb. 9. März 1883
 in Ober-Olm), Kaufmann, wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942
 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, 
wo er am 26. Oktober 1942 umgekommen ist   
 

  
Sonstiges 
Dokumente zu jüdischen Personen / Gewerbebetrieben 

(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)  

Karte an Gebr. Abraham in Ober-Olm
 aus Hahnheim (1901)
   
Ober-Olm Dok 1901d.jpg (155405 Byte) Ober-Olm Dok 1901e.jpg (160038 Byte)

Die Postkarte geschäftlicher Art wurde am 31. Mai 1901 aus Hahnheim versandt an die Gebrüder Abraham in Ober-Olm.
Rückseitiger Text der Postkarte mit Poststempel Selzen am 31.5.01: "Consum-Verein Hahnheim den 30.V.1901. Sehr geehrte Herrn! Wo bleiben die Weizenschalen? Wir bedürfen derselben sehr dringend. Wenn die Lieferung nicht rechtzeitig erfolgt, d.h. in den nächsten Tagen, so werden wir uns auf Ihre Kosten anderweitig versorgen. Hochachtend - Für den Vorstand - Popp."    

     
   Karte an Gebr. Abraham in Ober-Olm
 aus Mainz  (1901)
   
 Ober-Olm Dok 1901.jpg (100320 Byte)  Ober-Olm Dok 1901a.jpg (127656 Byte)

Die Postkarte geschäftlicher Art von Simon Guthmann in Worms wurde am 21. Dezember 1901 verschickt an die Gebrüder Abraham in Ober-Olm - Landesproduktengeschäft - Saatgut, Düngemittel. 
Rückseitiger Text: Poststempel Worms - 21.12.01: "S. Guthmann - Mitteilung - Worms, den 21. Dezember 1901.
Herren Gebr. Abraham Oberolm. Ich ließ Ihnen gestern ab Mainz per Frachtgut 3 Bdl mit 100 leeren Säcken retoursenden, wovon Sie behufs Entlastung meines Sackcontos gefl. Notiz nehmen wollen.
Hochachtungsvoll - M. Guthmann." 
Vgl. Quellen: http://www.wormserjuden.de/Biographien/Guthmann-II.html 
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/KP2K7W3Z3YEBL7OPSKCRZZ2GGD5GEYAL   

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge           
   
Die kleine Gemeinde hatte einen Betsaal im oberen Stockwerk eines kleinen, um 1870 erbauten Wohnhauses in der Oberen Bitzer Straße eingerichtet. Der Raum hatte eine Größe von 4,5 mal 8 Metern.
   
1931
wurde das Gebäude renoviert und der Betsaal erweitert. Verantwortlich für den Umbau war der örtliche Architekt V. Metzler. Im Betsaal befand sich eine Gedenktafel zur Erinnerung an den im Ersten Weltkrieg gefallenen Gustav Mayer. Im Erdgeschoss des Gebäudes war eine Wohnung, in der Anfang der 1930er-Jahre der zugleich als Hausmeister tätige Otto Koch mit seiner Frau wohnte. 
   
Der Landesverband empfiehlt die Finanzierung des Synagogenbaus in Ober-Olm (1930)   .   

Artikel im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" vom Oktober 1930: "Der Gemeinde Ober-Olm soll auf ihr Gesuch hin empfohlen werden, und zwar durch Herrn Oppenheimer-Ober-Ingelheim mündlich, unter Garantie der Ortsgemeinde ein Darlehen zur Finanzierung eines Synagogenbauers aufzunehmen. "    

 
Wieder-Einweihung der Synagoge (1931)     

Artikel im "Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens" vom September 1931: "Ober-Olm. Die 42 Seelen zählende Gemeinde hat nach elfwöchiger Unterbrechung am Samstag, den 15. August, wieder mit dem regelmäßigen Gottesdienst begonnen. Während der Pause wurde die Synagoge, auf behördliche Anweisung hin, neu renoviert und dabei auch vergrößert, sodass jetzt ein geräumiger großer Saal zur Verfügung steht. Zu den Unkosten zur Instandsetzung hat jedes Gemeindemitglied ohne Ausnahme sein Scherflein beigetragen, was in der jetzigen schweren Zeit umso höher zu bewerten ist. Dafür gebührt allen gleicher Dank, besonderen Dank aber den Damen, welche durch Stiftung der Beleuchtung und einer Decke zu dem heiligen Werk beitrugen. Eine Ehrentafel, welche für den im Weltkriege gefallenen Gustav Mayer demnächst eingeweiht werden soll, wird die Synagoge schmücken. Die Leitung des gesamten Umbau es lag in den Händen des hiesigen Architekten V. Metzler. Auch sei noch bemerkt, dass es dieses Jahr 50 Jahre sind, dass die Gemeinde als selbstständige Gemeinde besteht."     

      
Bis 1938 war die Synagoge Mittelpunkt des gottesdienstlichen Lebens der Gemeinde. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude durch die Hitlerjugend in Ober-Olm unter Leitung des Ober-Olmer Lehrers Wilhelm Büttel sowie durch andere Nationalsozialisten überfallen. Fensterscheiben wurden eingeworfen, der Betsaal und die Einrichtung beschädigt sowie die im Erdgeschoss befindliche Wohnung ausgeräumt. Sie war zu diesem Zeitpunkt unbewohnt. Aus einem Bericht vom 22. Mai 1940 geht dann hervor, dass die in Ober-Olm befindliche Synagoge in den Besitz eines "arischen" Landwirtes übergegangen sei. Beim neuen Eigentümer handelte es sich um den Schlosser Franz-Nikolaus Weber. Das Gebäude der ehemaligen Synagoge ist bis heute als Wohnhaus erhalten.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeObere Bitzer Straße 19.     
    

    
Abbildungen/Fotos     

 Jüdisches Gemeindezentrum - Synagoge in
Ober-Olm - Bestand um 1930
(Zeichnung Willi Weber -
bearbeitet: Heribert Schmitt 2015) 
 
   
     
 Erdgeschoss des Synagogengebäudes
mit Wohnung
 Obergeschoss des Synagogengebäudes -
Versammlungs- und Gebetsraum
 Keller des Synagogengebäudes mit
dem rituellen Bad (Mikwe)
     
   
Gedenktafel 2018 
(aus der facebook-Seite der SPD Ober-Olm
Link)
 
  Die im November 2018 eingeweihte Gedenktafel mit dem Text: "Wir gedenken der Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens, die in unserer Gemeinde Ober-Olm gelegt haben, und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 zum Opfer gefallen sind. viele der ehemaligen Nachbarn und Freunde mussten in Vernichtungslagern ihr Leben lassen. Durch Vertreibung und Deportation fand die Geschichte der hiesigen Jüdischen Gemeinde 1938 bis Anfang 1940 ein grausames Ende. Ober-Olm im Jahr 2018."
Die bronzene Gedenkplatte ist auf einen Quarzstein aus dem Odenwald montiert und befindet sich neben dem Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges gegenüber dem Rathaus Ober-Olm.   

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte        

November 2019: In Klein-Winternheim soll an die Familie Abraham erinnert werden                                        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 2. Oktober 2019: "Erinnerung an eine jüdische Familie. 
Die Gemeinde Klein-Winternheim möchte an das Schicksal der Abrahams erinnern, die 1938 ins Exil gehen mussten. Zur Debatte stehen eine Platz-Benennung und Stolpersteine.
KLEIN-WINTERNHEIM
. An das Schicksal der jüdischen Familie Abraham, die 1938 ins Exil gezwungen worden war, möchten die Klein-Winternheimer mit Stolpersteinen oder mit der Benennung des Bahnhofsvorplatzes als 'Familie-Abraham-Platz' erinnern. Dies wurde beim jüngsten Gespräch im Rathaus besprochen. Evangelische Kirchengemeinde und Kulturinitiative KiWi hatten zur Debatte über die Lehren aus der Vergangenheit eingeladen. Im Vorjahr hatten die Veranstalter vom Schicksal der jüdischen Familie Abraham berichtet, die 1938 ins Exil gezwungen worden war. Nun zeigten sie 'Visiting the Past', Barbara Trottnows Film über die Begegnung der New Yorker Jüdin Joan Salomon mit alten Essenheimerinnen. Als Kinder haben diese erlebt, wie Ausgrenzung und Vertreibung der jüdischen Nachbarn, darunter Joan Salomons Familie, das Leben im Dorf veränderten. Und dass es Alltag war, bei HJ und BdM, den Nazi-Jugendorganisationen, zu sein – und die Väter in der Partei.
Stefan Mossel vom Essenheimer Geschichtsverein und der Historiker Gunter Mahlerwein meinten unisono: 'Wir müssen ehrlich berichten, wie es war.' Und wenn keine Zeitzeugen mehr leben? 'Dann brauchen wir andere Formen des Erinnerns', so Barbara Trottnow, deren Film inzwischen den Schulen zur Verfügung steht. Das griff die 18-jährige Schülerin Lilian Hadding auf, die das Schicksal der jüdischen Familien in Essenheim erforscht hatte: Werde in den Schulen die Thematik so nahegebracht, sei gerade die Jugend heute stark interessiert. Wie zur Bestätigung kam von drei jungen Teilnehmern aus dem Publikum der Vorschlag, in Klein-Winternheim der Familie Abraham mit Stolpersteinen zu gedenken.
Beigeordnete Dorothee Bugner versprach, den Vorschlag weiterzugeben. KiWi und Kirchengemeinde ihrerseits waren schon bei Ortsbürgermeisterin Ute Granold initiativ geworden, den Bahnhofsvorplatz als 'Familie-Abraham-Platz' zum Gedenken an die damaligen Mitbürger auszuweisen. Die Unterstützung dafür habe Ute Granold zugesagt. Nun stehen gar zwei Vorschläge für das Gedenken im Raum."
Link zum Artikel    
 
November 2020: Der "Familie-Abraham-Platz" wird eingeweiht 
Foto des Gedenksteines aus der Website der Gemeinde Klein-Winternheim. Die Familie Abraham lebte seit den 1890er-Jahren in der Bahnhofsstraße 29.
Aus der Website der Gemeinde Klein-Winternheim ein Kurzbeitrag der Ortsbürgermeisterin: "Familie-Abraham-Platz am Bahnhof
Die Ortsgemeinde Klein-Winternheim hat auf Beschluss des Gemeinderats den Bahnhofsvorplatz in Familie-Abraham-Platz benannt.
Hier lebte früher die Familie Abraham. Während der Novemberpogrome am 9./10. November 1938 verwüsteten Nationalsozialisten ihr Wohn- und Geschäftshaus. Sie enteigneten die jüdische Familie und zwangen sie zur Flucht ins Exil. Zum Gedenken an dieses Unrecht und alle Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft widmet die Ortsgemeinde Klein-Winternheim der Familie diesen Platz und erinnert mit einem Gedenkstein an das Schicksal unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wegen der Corona-Pandemie müssen wir eine geplante öffentliche Veranstaltung zur Einweihung des Platzes leider verschieben. Wir werden dies zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Der Gedenkstein weist aber schon jetzt auf das Geschehen von 1938 hin und nennt die Namen derer, die einst in unserer Gemeinde lebten, bis sie geächtet, verfolgt und ausgeplündert wurden und nur die Flucht sie vor dem Tod bewahrte.
Wenn Ihr Weg Sie nun zum neuen Familie-Abraham-Platz am Bahnhof führt, so können Sie selbst dieses Gedenken teilen.
Dazu laden wir Sie herzlich ein.   Ortsbürgermeisterin Ute Granold
Die Broschüre „Geächtet, geplündert, geflohen - Das Schicksal der Familie Abraham aus Klein-Winternheim und Ober-Olm“ können Sie als PDF herunterladen." 
Link zum Artikel 
Informationen auch im Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Familie-Abraham-Gedenkstein  

      
      

Links und Literatur

Links:   

bulletWebsite der Gemeinde Ober-Olm  
bulletWebsite der VG Nieder-Olm   
bulletSeite der SPD Ober-Olm zur Geschichte des Ortes  

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 2 S. 154-155.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 41-42.
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 296 (mit weiteren Literaturangaben). 
bulletHeribert Schmitt: Vortrag "80 Jahre Reichspogromnacht - Was geschah in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 in Ober-Olm". Vortrag KVHS Ober-Olm am Freitag, 16. November 2018 in der Alten Schule, Schulstraße 2. 45 Seiten (Präsentation, nur Text; eingestellt als pdf-Datei).  
bullet Monika Hoffmann: Geächtet, geplündert, geflohen. Das Schicksal der Familie Abraham aus Klein-Winternheim und Ober-Olm. 2018. Als pdf-Datei eingestellt.   

   
    


 
  
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ober-Olm  Hesse, The community, numbering 42 (3 % of the total) in 1900, had members in Klein-Winternheim. During the Nazi era, 17 Jews emigrated to the United States; six were deported in 1942.   
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Juni 2020