Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"  
zur Übersicht "Synagogen im Kreis Darmstadt-Dieburg"  
    

Eppertshausen (Kreis Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeiner Bericht 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges 
Kennkarten aus der NS-Zeit      
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
bulletLinks und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
     
In Eppertshausen bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.    
Auf Grund der 1468 genannten Flurbezeichnung "am Judenrain" wurde schon vermutet, dass bereits im 15. Jahrhundert Juden in der Gegend von Eppertshausen lebten. 

Ein erster sicherer Hinweis liegt aus den Jahr 1611 vor. Damals wurde berichtet, dass seit Ende des 16. Jahrhunderts zumindest eine jüdische Familie im Ort lebte (Jud Lew). Nach dem Dreißigjährigen Krieg werden jüdische Einwohner 1670 und 1674 wieder genannt. 1692 wird Juda mit seiner Frau Malka am Ort genannt. 1698 wird ein jüdisches Kind aus Eppertshausen im jüdischen Friedhof in Dieburg beigesetzt.
  
Im 18. Jahrhundert schlossen sich die Juden aus Urberach, Nieder-Roden, Dietzenbach, Eppertshausen, Dudenhofen und Ober-Roden 1736 zu einem Synagogenverband zusammen. Damals wurde eine gemeinschaftliche Synagoge in Ober-Roden eingerichtet. 1756 gab es sechs jüdische Familien in Eppertshausen, zusammen etwa 30 Personen.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 63 jüdische Einwohner (7,3 % von insgesamt 894 Einwohnern), 1871 47, 1880 51 (4,1 % von 1.250), 1900 36 (2,7 % von 1.328), 1910 29 (1,8 % von 1.583). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind mehrere jüdische Familien des Ortes in die USA ausgewandert. An jüdischen Familiennamen gab es insbesondere am Ort: Rothschild, Strauß, Reis, Wolf, Moses, Adler.  
Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es Viehhändler, Händler / Kaufleute für Textilien, Kolonialwaren, Landesprodukte, Schuhwaren und Althandel. Mehrere der jüdischen Familien betrieben Handlungen / Läden.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (in einem Wohnhaus neben der Synagoge mit Lehrerwohnung) und ein rituelles Bad (auf Grundstück der Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Dieburg beigesetzt. Im 19. Jahrhundert hatte die Gemeinde zeitweise einen eigenen Lehrer. 1818 wird als Lehrer Mayer Olesheimer genannt, 1821 bis 1844 war Samuel Moses Lehrer, Vorbeter und Schochet der jüdischen Gemeinde. Später werden u.a. genannt: Jacob Zitron, um 1879 Lehrer Jaffe (vgl. unten Spendensammlungen 1879), um 1886 bis 1890 Lehrer P. Belkin (in "Der Israelit" vom 24. Juni 1886 S. 864; "Der Israelit" vom 24. März 1887 S. 89, unten Spendensammlung 1889; nicht mehr in Eppertshausen nach "Der Israelit" vom 17. Juli 1890 S. 1015 unten). Nach Belkins Weggang 1890 war noch Nathan Samuel Goldberg genannt, dann scheint die Stelle nicht mehr besetzt worden zu sein, dié Kinder der Gemeinde erhielten nun durch auswärtige jüdische Lehrer den Religionsunterricht. 

Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II.         
 
Um 1924, als noch 34 jüdische Einwohner am Ort gezählt wurden (1,9 % von insgesamt 1.748 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Moritz Reis. Die damals sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht durch Lehrer David Kaufmann aus Dieburg. 1932 waren die Gemeindevorsteher Moritz Reis (1. Vors.), Moses Adler (2. Vors.) und Max Rothschild (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 waren sechs jüdische Kinder in Religion zu unterrichten.     

1933 lebten noch 28 jüdische Personen in Eppertshausen (1,5 % von insgesamt 1.889 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Im September und Oktober 1937 warfen Hitlerjungen Fenster der Häuser von Moritz und Moses Reis ein. Beim Novemberpogrom 1938 wurden unter Führung des damaligen Bürgermeisters Helfrich, zusammen mit 10 bis 12 SA-Männern und einigen Hitlerjungen die noch in Eppertshausen lebenden jüdischen Familien überfallen, ihre Wohnungen verwüstet und geplündert. Es traf die Wohnungen der Familie Bernhard Moses und der Familie Max Rothschild (Doppelhaus Schulstraße 12-14), der Familie Abraham Strauß (Hauptstraße 8; hier wohnten auch der Adoptivsohn Benjamin Siegel mit seiner jungen Frau Klara und dem vier Monate alten Sohn Salomon), der Familie Moritz Reis (Hauptstraße 52), der Familie Moses Adler (Hauptstraße 25) und der Familie Josef Reis (Hauptstraße 81). Fünf der jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt (Bernhard Moses, Moritz Reis, Jakob und Josef Rothschild sowie Benjamin Siegel). Das Baby von Benjamin und Klara Siegel, das nach einem Bericht von SA-Leuten durch ein Fenster auf die Straße geworfen wurde (nach einem anderen Bericht war versucht worden, das Kind in einem Betttuch auf die Strauße hinuntergleiten zu lassen), starb einen Monat später an den Folgen der beim Novemberpogrom erlittenen Verletzungen. Bis Ende Dezember 1938 (letztes Abmeldedatum am 27. Dezember 1938) hatten alle jüdischen Familien Eppertshausen verlassen, die meisten zogen nach Frankfurt. 
   
Von den in Eppertshausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Adler (1902), Johanna Adler geb. Bentheim (1874), Moses Adler (1873), Treidchen (Treitchen) Edinger geb. Rothschild (1869), Max Jakob Moses (1882), Amalie Rothschild (1875), Hermann Rothschild (1878), Jakob Rothschild (1914), Max Rothschild (1870), Sara Rothschild geb. Goldenblum (1879), Regina Strauß (1872), Hedwig Vollweiler geb. Rothschild (1909). 
  
Zur Erinnerung an die in der NS-Zeit vertriebenen bzw. deportierten und ermordeten Personen wurden in Eppertshausen 2013 bis 2017 insgesamt 32 "Stolpersteine" verlegt, siehe https://www.eppertshausen.de/ueber-eppertshausen/stolpersteine-in-eppertshausen/
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
  
Allgemeiner Bericht
Aus einem Bericht
von Saul Lilienthal - Kurzbeschreibung der Gemeinde (1931)   
Der Beitrag "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande - Heidelberg - Bergstraße - Darmstadt" wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet a
m 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).   
    

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. Juni 1931: "Eppertshausen, 1/2 Stunde nördlich von Münster; 1700 Einwohner, 23 jüdische Seelen. - Synagoge. Rituelles Essen nach Anmeldung bei Metzger Adler. Von Dieburg nach....."   
Anmerkung: Metzgermeister Moses Adler hatte sein Haus in der Hauptstraße 63. Er ist am 13. Juni 1873 in Storndorf als Sohn des Viehhändlers David Adler und seiner Frau Rosa (Rosette) geb. Wertheim geboren und war (in zweiter Ehe?) verheiratet mit Johanna geb. Bentheim, die am 14. August 1874 in Götzenhain geboren ist. Die beiden hatten zwei Kinder: David (geb. 6. April 1902 in Storndorf) und Henni (geb. 14. November 1903 in Eppertshausen). Moses Adler war Weltkriegsteilnehmer. In der NS-Zeit wurden Moses und Johanna Adler am 15. September 1942 von Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo beide umgekommen sind. Auch der Sohn David Adler wurde deportiert und ist umgekommen bzw. wurde ermordet. Die Tochter Henni war mit Siegfried Bing aus Eckartshausen verheiratet, die beiden hatten eine 1930 geborene Tochter Laura. Die drei konnten in die USA emgrieren. Siehe unten Grabstein-Foto für Siegfried und Henny Bing.  

 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben     
Spendensammlungen in der Gemeinde (1879 / 1889)

Anmerkung: in den jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für bestimmte Zwecke gesammelt. Die Ergebnisse der Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen Periodika mitgeteilt.

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1879 - Spendensammlung "Für die Armen des Heiligen Landes: "Eppertshausen. Durch Lehrer Jaffe. Challah-Geld von nachfolgenden Frauen: Karolina Moses 1.15, Friederika Rothschild 1.09, Betha Rothschild 0.32, Nanchen Rothschild 0.20, Ungenannt 0.84, Theresia Rothschild 0.50, Hanchen Rothschild 0.70, Jettchen Reiß 0.60, Sophie Strauß 0.80, Friederika Strauß Witwe 0.60, Sophie Jaffe 0.60, von einer Kindergesellschaft am Purim 0.60, zus. 8 M." 
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1879 - Spendensammlung "Für die Armen des Heiligen Landes": "Eppertshausen. Durch Lehrer Jaffe, Challah-Geld von nachfolgenden Frauen: Karoline Moses 1.25, Sophie Strauß 0.80, Rickel Strauß Witwe 0 45, Hannchen Rothschild 0.70, Jettchen Reiß 0.70, Theresia Rothschild 0.50, Karolina Moses 0.70, Betha Rothschild 0.80, Nannchen Rothschild 0.20, Nickel Rothschild 0.70, Sophie Jaffe 0.50, Regine Reiß Witwe 0.20, Jettchen May I, Malchen Vogel 0.22, zusammen abzüglich Porto 8.42 M." 
 
Mitteilung in "Spenden-Verzeichnisse für alle Zweige jüdischer Wohltätigkeit" vom 21. März 1889 - Spendensammlung "Für die Abgebrannten in Russland": "Eppertshausen. Durch Lehrer P. Belkin: Samuel Rothschild 1, Joseph Moses 1, Ungenannt 3, Jakob Moses 1, Joseph Rothschild 1, Baruch Moses 1, Jakob Rothschild 0.60, Levi Reiß 0.60, David Strauß Wwe. 0.50, Moses Strauß 0.50, Samuel Moses 0.50, zusammen abzüglich Porto 10.60 M."   

  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Tödlicher Verkehrsunfall (1903)  

Eppertshausen FrfIsrFambl 14081903.jpg (58418 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. August 1903: "Aus dem Amte Langen, 11. August (1903). Einem braven und rechtschaffenen Jehudi in Eppertshausen, Herrn L. Rothschild, ist dieser Tage ein trauriger Vorfall passiert. Als er mit einem mit Mais beladenen Fuhrwerk durch die Straße fuhr, kam ein neunjähriges Kind unter die Räder des Wagens und wurde derart verletzt, dass es bald darauf verstarb. Herr Rothschild, der ein hochbetagter Mann, taub und von Schicksalsschlägen sehr heimgesucht, indem ihm viele große Kinder starben, ist sehr zu bedauern und kann gewiss sagen: jodenu lo schofchu es hadom haseh / unsere Hände haben nicht vergossen dieses Blut (5. Mose 21,7)." 

   
Hochzeitsanzeige von Paul Vollweiler (Frankfurt) und Hedwig geb. Rothschild (Eppertshausen) mit Trauung in der Synagoge Eppertshausen (1937)
   

Anmerkung: vgl. zu Hedwig Vollweiler geb. Rothschild die Kennkarte unten, sie wurde 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet; auch ihr Mann Paul Vollweiler (geb. 1. Januar 1905 in Mainz, wohnhaft in Frankfurt am Main, wurde 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet).

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom Juli 1937: "Paul Vollweiler   -   Hedwig Vollweiler geb. Rothschild    Vermählte  
Frankfurt am Main Sandweg 24   -  Eppertshausen (Kreis Dieburg)  
Trauung. 1. August 1.30 Uhr Synagoge Eppertshausen". 

            
Suchanzeige für Klara Munz geb. Moses und ihre Schwester Dina Simon geb. Moses (früher Eppertshausen) von Selma Stern geb. Mayer (USA 1942)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 16. Januar 1942: 
"Gesucht wird: ... 
Klara Munz geb. Moses (früher Altengronau), oder Schwester Dina Simon geb. Moses (früher Eppertshausen),
von Selma Stern geb. Mayer (früher Ober-Olm bei Mainz), 321 W. 105th St. NY City."           

   
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen 

-  1908: Leopold Gottlieb (geb. 13. Oktober 1891 in Eppertshausen als Sohn des verstorbenen Metzgers Gottlieb, ist Abiturient (mit Berufsziel Kaufmann) an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt (in: Jahresbericht über das Schuljahr 1907-1908 der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt. 1908 S. 29.)
-  1935: Verlobung von Saly Rothschild (Eppertshausen - Frankfurt am Main, Sandweg 6b) mit Herta Stern (Flieden) (in: "Jüdische allgemeine Zeitung" vom 2. Januar 1935 bzw. "Der Israelit" vom 3. Januar 1935 S. 11; vgl. Informationen zur Familie Max Rothschild und Foto Grabstein Sali und Herta Rothschild

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
   
Anzeige von Max (Marx) Rothschild (1928)

Anmerkung: der Viehhändler Max (Marx) Rothschíld ist am 16. Mai 1870 in Eppertshausen geboren. Er war verheiratet mit Sarah geb. Goldenblum, die am 12. Dezember 1879 in Weiterstadt geboren ist. Die beiden hatten fünf Kinder: Sali (geb. 6. September 1907), Hedwig
(geb. 23. Juli 1909), Julius (geb. 12. August 1911, für ihn die erste Anzeige von 1928), Jakob (geb. 21. August 1914) und Josef (geb. 2. November 1918, für ihn die zweite Anzeige von 1933). In der NS-Zeit konnten Julius und Sali in die USA emigrieren (Sali starb 1985, Julius starb 1999, siehe Fotos der Grabsteinde unten). Max und Sarah Rothschild wurden 1942 von Frankfurt aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert und sind dort umgekommen (siehe unten Kennkarte für Max Rothschild). Sohn Jakob Rothschild wurde nach der Deportation 1942 ermordet, zu Hedwig verheiratete Vollweiler siehe Kennkarte unten.

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1928: "Suche für meinen 17-jährigen Sohn, der 3 Jahre im Viehhandel tätig war und im Metzgergewerbe schon sachkundig ist, passende
Metzger-Lehrstelle
Schabbat geschlossen. Offerten an M. Rothschild
Eppertshausen (Kr. Dieburg)" 
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. April 1933: "Lehrstelle gesucht
für meinen Sohn, der Ostern die Schule verlässt, möglichst als Handwerker, bei Kost und Wohnung, in Samstag und Feiertage geschlossenem Hause.
Marx Rothschild, Eppertshausen
Kreis Dieburg (Hessen)."  

       
Hochzeitsanzeige von Hugo Lehmann und Clementine geb. Reis (1934)
   
Anmerkung: Clementine geb. Reis ist am 21. April 1915 in Eppertshausen geboren als Tochter des Viehhändlers Moritz Reis (geb. 1883) und seiner Frau Klara geb. Siegel (geb. 1888). Clementine hatte noch drei jüngere Geschwister: Selma (geb. 15. Juli 1916, verheiratet mit Werner Morgenthal siehe unten 1938), Hilda (geb. 8. März 1918, verheiratet mit Izaak van Gelderen) und Ludwig (Lou, geb. 4. Juli 1922). Familie Moritz Reis lebte in der Hauptstraße 48 in Eppertshausen. Mehrere Familienmitglieder konnten 1938 in die USA  emigrieren. Selma ist mit ihrem Mann Hugo Lehmann zunächst nach Palästina/Israel emigriert, später auch in die USA. 
Einige genealogische Hinweise (unvollständig): https://www.geni.com/people/Moshe-Moritz-Reis/4362483877000012433  https://www.geni.com/people/Clara-Reis/4362483877100012434 
Clara Reis starb nach geni.com etwa im März 1970.

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1934:
"Hugo Lehmann   -   Clementine Lehmann geb. Reis  
Vermählte  
Hähnlein an der Bergstraße  -  Eppertshausen    Bne Berak / Palästina  
18. Dezember 1934".

   
Anzeige von Bernhard Moses (1934)  
  
Anmerkung:  Bernhard Moses ist am 17. März 1883 als Sohn des Schuhmachers Josef Moses und seiner Frau Karoline geb. Löwenthal geboren. Er war der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde Eppertshausen. Er hatte ein Schuhgeschäft und war hier und in der Umgebung unter dem Namen 'Schuhjud' bekannt. Bernhard Moses war verheiratet mit Johanna geb. Simon, geb. am 1. Juli 1893 in Münster. Die beiden hatten drei Kinder: Ida (geb. 20. Februar 1920), Josef (geb. 15. Oktober 1925) und Martha (geb. 2. Februar 1930)Die Familie Moses hatte ihr Haus und ihr Geschäft in der Schulstraße 10-12. .
Beim Novemberpogrom 1938 wurde Bernhard Moses mit den anderen jüdischen Männern der Gemeinde verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Nachdem die SA in der Pogromnacht in seinem Haus gewütet hatte, ist die Familie, ohne den Vater, vier Wochen später nach Frankfurt in die Habsburger Allee 16 verzogen. Im März 1939 wurde der Sohn Josef mit einem Kindertransport nach Frankreich verschickt, während seine Schwester Ida nach England kam. Josef, der damals erst 14 Jahre alt war, wurde dadurch sieben Jahre von seinen Familienangehörigen getrennt. Die übrigen Familienmitglieder wohnten bis Oktober 1941 in Frankfurt, wo sie dauernden Drohungen und Misshandlungen durch die Nazis ausgesetzt waren. Danach konnten sie emigrieren und warteten zwei Jahre in Santo Domingo auf ihre Einwanderung in die USA.    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1934: "
Gesucht zum sofortigen Eintritt streng frommes Mädchen für Haushalt. 
Bernhard Moses Eppertshausen
bei Darmstadt."   

    
Verlobung von Klärchen Heinemann und Benni Siegel (1935)  
Anmerkung: ein Hinweis auf die Hochzeit der beiden erschien im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom Oktober 1936 S. 23. Über die Geschichte der Familie Heinemann aus Niedermittlau siehe in einem Abschnitt in der Seite zu Meerholz (mit Niedermittlau).

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. Dezember 1935:
"Klärchen Heinemann  -  Benni Siegel   
Verlobte   Dezember 1935  
Niedermittlau bei Gelnhausen   -   Eppertshausen Hessen." 

   
Verlobungsanzeige von Selma Reis und Werner Morgenthal (Eppertshausen / Frankfurt / New York, 1938) und ihr Grab in den USA (1976 / 2006) 
Anmerkung: zur Familie von Selma Reis siehe oben bei Clementine Reis - Hochzeit 1934 

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1938: "Selma Reis   -   Werner Morgenthal   Verlobte.  
Eppertshausen Kreis Dieburg   -   Frankfurt am Main Eppsteinerstraße 53  
New York, 2460 Davidson Jve., Apt. 24B" 
 
Grab von Selma (Sara Bat R. Mosche) Morgenthal geb. Reis: 15. Juli 1916 - 5. Februar 2006 
und Werner Morgenthal (Jehuda  Ben R. Schmuel): 12. Februar 1910 - 25. August 1976.
Grab im Beth-El Cemetery, Paramus  Bergen NJ/USA. Quelle: https://de.findagrave.com/memorial/275716252/selma-morgenthal   

   
    
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Herman Goldmith (ca. 1827 - 1900, aus Eppertshausen)      
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Ebershausen NY Cyprus 1764a.jpg (51988 Byte)   Ebershausen NY Cyprus 1764.jpg (111700 Byte)   Grabstein für 
"my dear father 
Herman Goldsmith  
a native of 
Ebertshausen (gemeint: Eppertshausen) Darmstadt  
Died Oct 19th 1900 
aged 73 years."   

   
  
Briefe aus der Familie Strauß (Eppertshausen) 
Firma Moses Strauß, Inhaber A. Strauß  Futterartikel und Landesprodukte - Künstliche Dünger in Eppertshausen  
Die Briefe wurden zur Verfügung gestellt von Jonathan Fass (USA) E-Mail jonathan.fass@gmail.com. Er sucht nach weiteren Informationen über die Familie Strauß / Strauss in Eppertshausen. Nach seinen Angaben sind einige Mitglieder der Familie Strauss Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert. Mit den Mitgliedern der Familie in Eppertshausen gab es weiter Kontakt über Briefe, von denen die nachfolgenden eine Auswahl sind. Unter den Ausgewanderten war Regina Strauss, die 1883 nach Baltimore kam und 1886 in Atchison Kansas heiratete. Wenn Sie weitere Informationen zu dieser Familie haben, bitte wenden Sie sich an Jonathan Fass.     

             
Brief von Recha und Abraham Strauß
(undatiert) 
Brief von Sophie Strauß
 (vom 28.3.1909) 
 Brief von Abraham Strauß
(vom 2. August 1908)
Brief von Sophie Strauß
(undatiert)

        

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Eppertshausen geboren sind
 
 Eppertshausen KK MZ Lewkowitz Rebekka.jpg (104391 Byte) Eppertshausen KK MZ Lublin Mina.jpg (98931 Byte)   Eppertshausen KK MZ Moses Bernhard.jpg (97912 Byte)
  KK (Neumarkt, Schlesien 1938) für Rebekka 
Lewkowitz geb. Goldberg
(geb. 15. Oktober 1894 
in Eppertshausen), wohnhaft in Neumarkt; 
am 4. März 1943 von Breslau in das Vernichtungslager
 Auschwitz deportiert und ermordet.    
 KK (Heppenheim 1939) für Mina Lublin 
(geb. 27. September 1847 
in Eppertshausen)  
 
  
 KK (Frankfurt) für Bernhard Moses 
(geb. 17. März 1884 in Eppertshausen), 
Kaufmann  
 
 
        
Eppertshausen KK MZ Muenz Lina.jpg (90821 Byte) Eppertshausen KK MZ Rothschild Jakob.jpg (93365 Byte) Eppertshausen KK MZ Rothschild Marx.jpg (86237 Byte) Eppertshausen KK MZ Rotschild Malchen.jpg (92327 Byte)
KK (Frankfurt 1940) für Lina Münz
 geb. Moses
 
(geb. 8. September 1887 
in Eppertshausen)   
 
 KK (Frankfurt 1940) für Jakob Rothschild
 (geb. 21. August 1914 in Eppertshausen), 
am 4. August 1942 in das KZ Majdanek 
deportiert und umgekommen. 
  
 KK (Frankfurt 1940) für Marx Rothschild (geb. 
18. Mai 1870 in Eppertshausen), Viehhändler,
 am 15. September 1942 ab Frankfurt in das 
Ghetto Theresienstadt deportiert und am 
28. Dezember 1942 ebd. umgekommen.  
KK (Frankfurt 1940) für 
Malchen Rothschild (geb. 8. Juni 1875 
in Eppertshausen)  
 
       
Eppertshausen KK MZ Simon Johanna.jpg (89722 Byte) Eppertshausen KK MZ Strauss Abraham.jpg (89206 Byte) Eppertshausen KK MZ Strauss Regina.jpg (90681 Byte) Eppertshausen KK MZ Vollweiler Hedwig.jpg (88245 Byte)
KK (Frankfurt 1939) für Johanna Simon 
geb. Marx
(geb. 1. August 1892
 in Eppertshausen)  
  
  
KK (Frankfurt 1940) für Abraham Strauß 
(geb. 10. Juni 1875 in Eppertshausen),
 Kaufmann 
 
   
KK (Mannheim-Land 1939) für Regina Strauß
 (geb. 2. August 1872 in Eppertshausen), 
wohnhaft in Ladenburg und Frankfurt; am 18. 
August 1942 ab Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt
 deportiert, am 25. September 1942 in das
 Vernichtungslager Treblinka, ermordet.   
KK (Frankfurt 1939) für Hedwig Vollweiler 
geb. Rothschild
(geb. 23. Juli 1909 in
 Eppertshausen), Betreuerin, wohnhaft in Frankfurt; 
am 2. März 1943 ab Berlin in das 
Vernichtungslager Auschwitz deportiert,
 ermordet.    
       
Eppertshausen KK MZ Wolf Emma.jpg (102477 Byte)      
KK (Frankfurt 1939) für Emma Wolf 
geb. Moses
(geb. 3. April 1883 in Eppertshausen)  
     
       
"Todesfallanzeigen" aus dem
Ghetto Theresienstadt
Quelle: https://www.holocaust.cz/de/main-3/ 
   
  Für Moses Adler, umgekommen
am 5. Juli 1943
 Für Max Rothschild, umgekommen
am 28. Dezember 1942
 
   Für Johanna Adler ist keine Todesfallanzeige vorhanden    
       
Grabsteine in den USA      
   Grabstein für Siegfried Bing (gest. 1991)
und Henny geb. Adler (Tochter des
 Metzgermeisters Moses Adler), Quelle:
   https://de.findagrave.com/memorial/216265057/siegfried-bing
 Grabstein für Julius Rothschild
(1911-1999) Quelle:
https://de.findagrave.com/memorial/257429739/julius-rothschild 
 Grabsteine für Sali und Herta Rothschild
(1907-1985 bzw.1913-2010), Quelle: 

https://de.findagrave.com/memorial/248336189/sali-rothschild 

    
    
    

Zur Geschichte der Synagoge           
    
Zunächst war ein Betraum in einem jüdischen Wohnhaus vorhanden bzw. wurde nach Bildung des Synagogenverbandes die Synagoge in Ober-Roden besucht. 1790 bis 1792 wurde eine ,Synagoge erbaut. wozu entweder ein bisheriges Wohnhaus umgebaut oder ein neues Gebäude erstellt wurde. Das Gebäude war 6,4 m breit und 7 m lang. Es gab insgesamt 33 Sitzplätze für die Männer, auf der Frauenempore 20 Plätze für die Frauen. 
  
Die Synagoge wurde trotz zurückgegangener Zahl der Gemeindemitglieder bis nach 1933, vermutlich bis 1938, wenn auch nur noch unregelmäßig benutzt. Eine Hochzeit fand in ihr noch am 1. August 1937 statt (siehe oben).   
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch die bereits oben genannten SA-Leute unter Führung des damaligen Bürgermeisters Helfrich und wohl auch den Jungen der Hitlerjugend geschändet und verwüstet. Das Gebäude wurde im Frühjahr 1940 abgebrochen, das Grundstück kam am 1. April 1940 in nichtjüdischen Besitz. Das neben dem Synagogengebäude stehende kleinere Wohnhaus mit den früheren Räumen für den Unterricht der Kinder wurde wohl 1949/50 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein neues Gebäude erstellt. 
     
Gegenüber dem Standort der ehemaligen Synagoge erinnert seit Januar 1987 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Eppertshausen und ihre Synagoge. Der Gedenkstein wurde 2015 an einen neu gebauten Verbindungsweg zwischen Schul- und Hauptstraße, den späteren Bernhard-Moses-Weg (seit 2017) versetzt und um Informationstafeln  zu den im Ort früher lebenden jüdischen Familien ergänzt.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge  Schulstraße 19 / 21  (Gedenkstein früher auf Grundstück gegenüber, jetzt am Bernhard-Moses-Weg)      
   
   
Fotos
(Quelle: Zeichnung links bei www.eppertshausen.de, rechts bei Arnsberg Bilder s.Lit. 49) 

Zeichnungen der 
ehemaligen Synagoge
Eppertshausen Synagoge 120.jpg (41600 Byte) Eppertshausen Synagoge 140.jpg (168739 Byte)
  Oben: die Skizze wurde von 
Peter Krickser angefertigt  
Oben: die bei Arnsberg 1971 wiedergegebene
 Abbildung wurde von J. Müller angefertigt  
     
Synagogenstandort und Gedenkstein
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009)   
   
Eppertshausen Synagoge 904.jpg (69247 Byte) Eppertshausen Synagoge 902.jpg (97342 Byte) Eppertshausen Synagoge 900.jpg (78774 Byte)
Blick entlang der Schulstraße; die Synagoge
 stand rechts auf dem Grundstück des von der
 Straße zurückgesetzten neuen Wohnhauses  
Gedenkstein / Gedenktafel mit Inschrift: "Zum Gedenken an unsere 
jüdischen Mitbürger, die dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer fielen. 
Hier in dieser Strasse stand ihre Synagoge".   
     
     

    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Juni 2013: In Eppertshausen werden "Stolpersteine" verlegt  
Artikel von Thomas Meier in der "Offenbacher Post" vom 22. Juni 2013: "Verlegung erster Stolpersteine. Erinnerndes Pflastern
Eppertshausen -
Die Luft in der Hauptstraße flirrt in der stehenden Hitze. Doch das ficht knapp zwei Dutzend Menschen nicht an, einem Pflasterer bei seiner schweißtreibenden, aber eminent symbolträchtigen und wichtigen Arbeit vor dem Haus Nummer 63 zuzuschauen..."  
Link zum Artikel     
 
Juli 2014: In Eppertshausen sollen weitere "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel in der "Offenbacher Post" vom : "Flohmarkt für Stolpersteine
Eppertshausen - Vor einem Jahr wurden in Eppertshausen die ersten Stolpersteine verlegt. Sie wurden zum Gedenken an die Familie Adler, die bis 1938 im Haus Hauptstraße 63 wohnte, gesetzt. Als Grundlage der Recherche diente die Abhandlung von Karl J. Müller 'Damit wir sie nicht vergessen - Das Schicksal der jüdischen Bürger in Eppertshausen'. Durch die Arbeit Müllers wurde eine Verlegung leicht möglich. Er hat in den Jahren bis 1985 alle vorhandenen Daten und Fakten gesammelt und veröffentlicht. Die erste Verlegung wurde privat organisiert und finanziert. Doch gibt es jedoch noch acht weitere Stellen, an denen die Steine zum Gedenken an die Opfer verlegt werden sollten. Um dies zu finanzieren, hat sich die Initiative 'Stolpersteine' gegründet. Sie will die Verlegungen weiterer Stolpersteine in Eppertshausen vorantreiben. Gemeinsam mit den Bewohnern der Bahnhofstraße in Eppertshausen veranstaltet die Initiative am Samstag, 5. Juli, ab 15 Uhr einen Straßenflohmarkt. Der Erlös daraus fließt in die Verlegung der Stolpersteine. Die Standgebühr beträgt drei Euro pro laufendem Meter und einen Kuchen. Die Stände werden nur an private Personen vergeben. Händler sind nicht zugelassen." 
Link zum Artikel    
Weiterer Artikel in op-online.de vom 9. Juli 2014: "Initiative gegen das Vergessen..."   
Link zum Artikel   
 
Februar 2015: Neuer Platz für den Gedenkstein an die Synagoge?    
Artikel von Thomas Meier in der "Offenbacher Post" vom 20. Februar 2015: "Synagoge Eppertshausen. Neuer Platz für alte Gedenkstätte?
Eppertshausen
- Mit der Generalsanierung der Schulstraße könnte auch eine alte Gedenkstelle des Ortes eine Aufwertung erfahren: Gegenüber der Schulstraße 19, auf dessen Grundstück einst die Synagoge, das Lehrhaus der jüdischen Gemeinde stand, erinnert ein Stein mit Inschrift und Menora an den religiösen Standort. 
Er ist allerdings in einem engen Häuserwinkel und eher unscheinbar platziert. 'Wir stimmen gerade ab, ob wir den Teilbereich vor dem Gedenkstein neu pflastern oder ob wir am Verbindungsweg zwischen Schulstraße und Hauptstraße eine neue, geeignetere Stelle finden', informiert Bürgermeister Carsten Helfmann. Dort hätte man die Möglichkeit, Informationen über die jüdischen Mitbewohner, die in der Haupt- und Schulstraße wohnten, aufzuzeigen. Die kleine, verwinkelte Fläche in der Schulstraße könne die Gemeinde verkaufen, um mit dem Erlös den neuen Platz herzurichten. Mit den Pfarrern, Kirchenvertretern, der Eppertshäuser Shoa-Gruppe, Mitgliedern der Initiative Stolpersteine und dem VdK möchte Helfmann die Thematik erörtern und der Gemeindevertretung gegebenenfalls eine neue Örtlichkeit vorstellen. Da der Gedenkstein nicht an der Stelle einstiger Synagoge stehe und die Parksituation im Kurvenbereich der Schulstraße auch nicht glücklich ist, könne eine Veränderung für alle Seiten einen Gewinn bedeuten, sagt Helfmann..." 
Link zum Artikel    
 
Juli 2015: Zweite Verlegung von "Stolpersteinen" in Eppertshausen 
Artikel von Thomas Meier in der "Offenbacher Post" vom 10. Juli 2015: "Schicksal der jüdischen Familie Reis in Eppertshausen. Stolpern über Flucht vor dem Grauen
Eppertshausen
- Antje Pfau ließ im Juni 2013 die ersten Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger Eppertshausens von Künstler Gunter Demnig verlegen. Ihr Beispiel machte Schule, es gründete sich eine Initiative.
Jetzt kam der Stolperstein- Verleger zum zweiten Male in den Ort. Es wird nicht sein letzter Besuch sein. Eigentlich sollten nach der Hauptstraßen-Aktion jetzt Stolpersteine in der Schulstraße verlegt werden, in der einst zahlreiche jüdischen Familien beheimatet waren und wo auch die Synagoge stand. Doch ahnte keiner, wie lange die Sanierung des kurzen, aber maroden Straßenzuges dauern wird. Damit aber die erste Stolperstein-Verlegung von 2013 und das damit einhergehende Bekenntnis, mehr für die Erinnerung an Deportation und Vernichtung zu tun, nicht in Vergessenheit gerät, setzte man kurzerhand ein erneutes Zeichen in der Hauptstraße, Ecke Schulstraße 13. Dort, wo heute das Anwesen Friedhofstraße Nr. 29 steht, lebte einst die Familie Reis. Das Eckgrundstück gehörte mal zur Adolf-Hitler-, mal zur Haupt- und nun eben zur Friedhofstraße. Was Antje Pfau, unterstützt von ihrem Mann Martin Hug, ihrer Familie und einer Handvoll Mitstreiter aus Freunden und Bekannten 2013 initiierte, war beispielhaft. Schon bei der ersten Stolpersteinverlegung gründete sich eine Initiative mit dem Ziel, weitere Gedenk-Stolpersteine dort setzen zu lassen, wo nachweislich jüdische Mitbürger wohnten. Und da haben die Mitglieder eine Menge auf sich geladen. Nachlesen können sie dies in den Schriften des Heimathistorikers Karl J. Müller aus Münster, der in seiner Broschüre 'Damit wir sie nicht vergessen' bereits Mitte der 1980er Jahre an das Schicksal der jüdischen Bürger Eppertshausens erinnerte. Dieses Büchlein, längst vergriffen, legte die Initiative zwischenzeitlich neu auf, es ist für fünf Euro beim engagierten Mitstreiter Bruno Ries im Uhrenschmuckbetrieb gleichen Namens, Bahnhofstraße 4, zu bekommen. Ries steht voll und ganz hinter der Aktion, hat er doch mit seiner mittlerweile 92-jährigen Mutter Anna noch eine geistig überaus rüstige Zeitzeugin in der Familie, die viele Erinnerungen an die jüdischen Mitbürger beizusteuern weiß.
Die drei vor großem Publikum am Mittwochnachmittag verlegten Steine gelten drei Mitgliedern der Familie Reis, denen die Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika gelang. Über sie schreibt Müller: 'Josef Reis betrieb mit seinem Bruder Moritz einen Viehhandel und war auch Schächter der Eppertshäuser Juden. Josef Reis, der am 4. Juli 1872 in Eppertshausen geboren war, hatte Emma Kahn, verwitwete Rothschild, die Witwe von Wolf Rothschild (Jeisel) geheiratet. Die Familie hatte zwei Kinder: Henni Rothschild, die von ihrer Mutter in die Ehe mitgebracht wurde und die mit Julius Strauß aus Dieburg verheiratet war – die beiden sollen ausgewandert sein –, und Leo Reis, der am 23. September 1912 geboren war. Leo Reis konnte am 3. Mai 1937 noch vor der Judenverfolgung nach Amerika auswandern, während seine Eltern auch die Demütigungen und die Schrecken der Kristallnacht über sich ergehen lassen mussten.' Auch bei ihnen habe die Eppertshäuser SA sinnlos gewütet und die gesamte Inneneinrichtung des Hauses samt Möbel und Geschirr zerschlagen, weiß Müller zu berichten: 'Als am Morgen nach diesen Nazi-Untaten ein Bürger aus Eppertshausen im Haus gegenüber seiner Arbeit nachging, stand Josef Reis vor seinem Haus und weinte.' Im Dezember 1937 zogen Reis’ nach Frankfurt, um dann in die USA auszuwandern. Am 16. Dezember 1941 starb Josef Reis im Alter von 69 Jahren in New York. Seine Frau Emma überlebte ihn noch drei Jahre, über den Verbleib von Leo Reis ist nichts bekannt. Bürgermeister Carsten Helfmann und Eppertshausens Vorsitzender der Gemeindevertretung, Rainer Eder, lobten die engagierten Initiativler dafür, auch die dunklen Seiten der Geschichte ihres Wohnortes wach zu halten. Und sie bekräftigten ihre Haltung, die sie bereits 2013 äußerten: 'Es gibt noch viele Häuser, vor denen solche Stolpersteine liegen sollten.' Nun, für 13 weitere, die einmal in der dann hoffentlich fertig sanierten Schulstraße verlegt werden sollen, hat die Initiative das Geld fast beisammen. Gunter Demnig, der in Berlin geborene und bei Köln lebende Künstler, der in 14 Ländern Europas bereits knapp 50.000 Stolpersteine verlegte, wird also nicht arbeits- und brotlos. Rund 120 Euro kostet übrigens einer seiner Mahnsteine mit polierter Messingplatte."  
Link zum Artikel   
 
Mai 2017: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" in Eppertshausen und Straßenumbenennung in "Bernhard-Moses-Weg"    
Artikel von Thomas Meier in der "Offenbacher Post" vom 17. Mai 2017: "Neuer Weg trägt Namen des letzten Rabbis. Initiative erinnert ans Leid jüdischer Mitbürger
Eppertshausen -
23 Stolpersteine auf einen Streich ließ die gleichnamige Initiative gestern von Künstler Gunter Demnig in der Schul- und in der Hauptstraße verlegen. Beim Termin verkündete Bürgermeister Carsten Helfmann, der Stichweg zwischen Haupt- und Schulstraße, an dem auch die Gedenkstätte für die jüdischen Mitbewohner jetzt liegt, werde in Bernhard-Moses-Weg benannt.
Die Initiative Stolpersteine Eppertshausen lässt seit 2013 die leuchtenden Erinnerungsmarken vom europaweit in dieser Mission reisenden Künstler Gunter Demnig verlegen. Ins Eppertshäuser Leben gerufen hat die Stolperstein-Verlegung Antje Pfau, unterstützt von ihrem Mann Martin Hug, ihrer Familie sowie einer Handvoll Mitstreiter aus Freunden und Bekannten. Die Aktion soll erinnern an die Menschen, die durch die nationalsozialistische Diktatur und deren Schergen aus Eppertshausen vertrieben und zum Teil auch vernichtet wurden. Der Künstler Demnig erinnert durch sein Projekt an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor deren letzten selbstgewählten Wohnorten Gedenktafeln aus Messing in den Gehsteig einlässt.
In über 1300 Orten in Deutschland und anderen Ländern Europas liegen mehr als 50.000 solcher glänzenden Erinnerungsquader, die jeweils nach ausführlicher individueller Recherche ihren Weg in den Boden fanden. Nach den Verlegungen von insgesamt neun Stolpersteinen in den Jahren 2013 und 2015 durch die Initiative erfolgte gestern Vormittag unter Beachtung von einigen Beobachtern die voraussichtlich letzte Verlegung von weiteren 23 Stolpersteinen im Ort. Kelle und Hammer schwang Demnig vor der Schulstraße 10, wo sieben Steine für die Familie Rothschild eingelassen wurden, vor der Schulstraße 12 waren es fünf für die Familie Moses, an der Hauptstraße 8 fünf für die Familien Strauss und Siegel sowie an der Hauptstraße 48 sechs für die Familie Reis.
Vor allen Verlegeorten verlas Pfau jeweils kurze Passagen aus dem Buch von Karl Müller, 'Jüdisches Leben in Eppertshausen – Damit wir sie nicht vergessen', zu den Schicksalen jüdischer Mitbürger aus Eppertshausen. Zudem spielte aus einem Lautsprecher passend das alte Lied 'Die Moorsoldaten'. Es wurde 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg im Emsland geschaffen. 'Mit diesen 32 verlegten Stolpersteinen sind vorerst alle recherchierbaren Schicksale der durch den NS-Terror in Eppertshausen hervorgerufenen menschlichen Katastrophen dokumentiert. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Dokumentation nur einen kleinen Teil des Leidens umfasst, das in Eppertshausen durch den NS-Unrechtsstaat hervorgerufen wurde', erklärte Antje Pfau. Die Nachforschung, Finanzierung und Verlegung der Stolpersteine durch die Initiative sei damit zum Ende gekommen. Die Recherchen für diese Erinnerungsarbeit seien nicht möglich gewesen ohne die Aufarbeitung durch den zwischenzeitlich verstorbenen Karl Müller. Durch seine detaillierte Dokumentation der Ereignisse von damals habe er eine Form der Auseinandersetzung mit der lokalen Vergangenheit eingeleitet, die fast 80 Jahre danach eine dunkle Seite der Geschichte Eppertshausens ein wenig beleuchte. Die Initiative Stolpersteine dankte allen Unterstützern, insbesondere den zahlreichen Spendern, zu 90 Prozent von Privatleuten, die bei der Rekonstruktion des historischen Mosaiks halfen. 'Wir wünschen uns, dass in Eppertshausen nie mehr derartiges Leid geduldet wird', schloss Pfau. Bürgermeister Carsten Helfmann ging aufs strahlende Wetter zur Verlegung ein: 'Lange Zeit hatten unsere jüdischen Mitbürger in Eppertshausen auch Sonnenschein. Dann kam die Reichskristallnacht.' Er berichtete, dass am Montagabend in einem parlamentarischen Ausschuss einstimmig positiv darüber beraten wurde, den erst kürzlich gebauten Verbindungsweg von Hauptstraße zu Schulstraße in Bernhard-Moses-Weg zu benennen. Es ist der Name des letzten Rabbis, der im Ort gelebt hatte." 
Link zum Artikel  

    

   
Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Eppertshausen   
bulletStolpersteine in Eppertshausen  https://www.eppertshausen.de/ueber-eppertshausen/stolpersteine-in-eppertshausen/  
bulletWikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Eppertshausen   
bulletSeite bei LAGIS Hessen zur jüdischen Geschichte und zur Synagogengeschichte Eppertshausen (bearbeitet von Wolfgang Fritzche, überarbeitet von Daniel Ristau): https://lagis.hessen.de/resolve/de/syn/128  

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 163-164.  
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 49. 
bulletKeine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.  
bulletKarl J. Müller: Damit wir sie nicht vergessen. Das Schicksal der jüdischen Bürger von Eppertshausen. Münster 1985.   
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 34.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 78-79.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eppertshausen Hesse.  The community, numbering 63 (7,3 % of the total) in 1828, later declined. The Nazis received only 5 % of local votes in July 1932, but all the Jews (numbering 28 in 1933) fled after Kristallnacht (9-10 November 1938).  
   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

           

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. April 2026