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Eppertshausen (Kreis
Darmstadt-Dieburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Eppertshausen bestand eine jüdische
Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück.
Auf Grund der 1468 genannten Flurbezeichnung "am Judenrain" wurde
schon vermutet, dass bereits im 15. Jahrhundert Juden in der Gegend von
Eppertshausen lebten.
Ein erster sicherer Hinweis liegt aus den Jahr 1611 vor. Damals wurde
berichtet, dass seit Ende des 16. Jahrhunderts zumindest eine jüdische Familie
im Ort lebte (Jud Lew). Nach dem Dreißigjährigen Krieg werden jüdische Einwohner
1670 und 1674 wieder genannt. 1692 wird Juda mit seiner Frau Malka am Ort
genannt. 1698 wird ein jüdisches Kind aus Eppertshausen im
jüdischen Friedhof in Dieburg beigesetzt.
Im 18. Jahrhundert schlossen sich die Juden aus
Urberach, Nieder-Roden,
Dietzenbach, Eppertshausen,
Dudenhofen und
Ober-Roden 1736 zu einem Synagogenverband
zusammen. Damals wurde eine gemeinschaftliche Synagoge in
Ober-Roden eingerichtet. 1756 gab es
sechs jüdische Familien in Eppertshausen, zusammen etwa 30 Personen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: 1828 63 jüdische Einwohner (7,3 % von insgesamt 894 Einwohnern), 1871
47, 1880 51 (4,1 % von 1.250), 1900 36 (2,7 % von 1.328), 1910 29 (1,8 % von
1.583). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind mehrere jüdische Familien des
Ortes in die USA ausgewandert. An jüdischen Familiennamen gab es insbesondere
am Ort: Rothschild, Strauß, Reis, Wolf, Moses, Adler.
Unter den jüdischen Gewerbetreibenden gab es Viehhändler, Händler / Kaufleute
für Textilien, Kolonialwaren, Landesprodukte, Schuhwaren und Althandel. Mehrere
der jüdischen Familien betrieben Handlungen / Läden.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (in
einem Wohnhaus neben der Synagoge mit Lehrerwohnung) und
ein rituelles Bad (auf Grundstück der Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Dieburg beigesetzt. Im 19. Jahrhundert hatte die Gemeinde zeitweise einen
eigenen Lehrer. 1818 wird als Lehrer Mayer Olesheimer genannt, 1821 bis
1844 war Samuel Moses Lehrer, Vorbeter und Schochet der jüdischen
Gemeinde. Später werden u.a. genannt: Jacob Zitron, um 1879 Lehrer Jaffe
(vgl. unten Spendensammlungen 1879), um 1886 bis 1890 Lehrer P. Belkin
(in "Der Israelit" vom 24. Juni 1886 S. 864; "Der Israelit" vom 24. März 1887
S. 89, unten Spendensammlung 1889; nicht mehr in Eppertshausen nach "Der
Israelit" vom 17. Juli 1890 S. 1015 unten). Nach Belkins Weggang 1890 war
noch Nathan Samuel Goldberg genannt, dann scheint die Stelle nicht mehr besetzt
worden zu sein, dié Kinder der Gemeinde erhielten nun durch auswärtige jüdische
Lehrer den Religionsunterricht.
Die Gemeinde
gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt
II.
Um 1924, als noch 34 jüdische Einwohner am Ort gezählt wurden (1,9 % von
insgesamt 1.748 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Moritz Reis. Die damals
sieben schulpflichtigen jüdischen Kinder erhielten ihren Religionsunterricht
durch Lehrer David Kaufmann aus Dieburg. 1932
waren die Gemeindevorsteher Moritz Reis (1. Vors.), Moses Adler (2. Vors.) und
Max Rothschild (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 waren sechs jüdische Kinder in
Religion zu unterrichten.
1933 lebten noch 28 jüdische Personen in Eppertshausen (1,5 % von
insgesamt 1.889 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Im September und Oktober
1937 warfen Hitlerjungen Fenster der Häuser von Moritz und Moses Reis ein. Beim Novemberpogrom
1938 wurden unter Führung des damaligen Bürgermeisters Helfrich, zusammen
mit 10 bis 12 SA-Männern und einigen Hitlerjungen die noch in Eppertshausen
lebenden jüdischen Familien überfallen, ihre Wohnungen verwüstet und
geplündert. Es traf die Wohnungen der Familie Bernhard Moses und der Familie
Max Rothschild (Doppelhaus Schulstraße 12-14), der Familie Abraham Strauß
(Hauptstraße 8; hier wohnten auch der Adoptivsohn Benjamin Siegel mit seiner
jungen Frau Klara und dem vier Monate alten Sohn Salomon), der Familie Moritz
Reis (Hauptstraße 52), der Familie Moses Adler (Hauptstraße 25) und der
Familie Josef Reis (Hauptstraße 81). Fünf der jüdischen Männer wurden
verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt (Bernhard Moses, Moritz Reis,
Jakob und Josef Rothschild sowie Benjamin Siegel). Das Baby von Benjamin und
Klara Siegel, das nach einem Bericht von SA-Leuten durch ein Fenster auf die
Straße geworfen wurde (nach einem anderen Bericht war versucht worden, das Kind
in einem Betttuch auf die Strauße hinuntergleiten zu lassen), starb einen Monat
später an den Folgen der beim Novemberpogrom erlittenen Verletzungen. Bis Ende
Dezember 1938 (letztes Abmeldedatum am 27. Dezember 1938) hatten alle jüdischen Familien Eppertshausen verlassen, die
meisten zogen nach Frankfurt.
Von den in Eppertshausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Adler (1902),
Johanna Adler geb. Bentheim (1874), Moses Adler (1873), Treidchen (Treitchen) Edinger geb. Rothschild (1869), Max Jakob Moses (1882),
Amalie Rothschild (1875), Hermann Rothschild (1878), Jakob Rothschild (1914),
Max Rothschild (1870), Sara Rothschild geb. Goldenblum (1879), Regina Strauß (1872), Hedwig Vollweiler geb. Rothschild
(1909).
Zur Erinnerung an die in der NS-Zeit vertriebenen bzw. deportierten und
ermordeten Personen wurden in Eppertshausen 2013 bis 2017 insgesamt 32
"Stolpersteine" verlegt, siehe
https://www.eppertshausen.de/ueber-eppertshausen/stolpersteine-in-eppertshausen/
Berichte aus
der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeiner Bericht
Aus einem Bericht
von Saul Lilienthal - Kurzbeschreibung der Gemeinde (1931)
Der Beitrag "Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande - Heidelberg
- Bergstraße - Darmstadt" wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor
der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober
1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz.
Weitere Informationen:
https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 4. Juni 1931: "Eppertshausen,
1/2 Stunde nördlich von Münster; 1700 Einwohner, 23 jüdische Seelen. -
Synagoge. Rituelles Essen nach Anmeldung bei Metzger Adler. Von Dieburg
nach....."
|
| Anmerkung: Metzgermeister Moses Adler
hatte sein Haus in der Hauptstraße 63. Er ist am 13. Juni 1873 in
Storndorf als Sohn des Viehhändlers
David Adler und seiner Frau Rosa (Rosette) geb. Wertheim geboren und war (in
zweiter Ehe?) verheiratet mit Johanna geb. Bentheim, die am 14.
August 1874 in Götzenhain geboren
ist. Die beiden hatten zwei Kinder: David (geb. 6. April 1902 in
Storndorf) und Henni (geb. 14.
November 1903 in Eppertshausen). Moses Adler war Weltkriegsteilnehmer. In
der NS-Zeit wurden Moses und Johanna Adler am 15. September 1942 von
Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo beide umgekommen sind.
Auch der Sohn David Adler wurde deportiert und ist umgekommen bzw. wurde
ermordet. Die Tochter Henni war mit Siegfried Bing aus Eckartshausen
verheiratet, die beiden hatten eine 1930 geborene Tochter Laura. Die drei
konnten in die USA emgrieren. Siehe unten Grabstein-Foto für Siegfried und
Henny Bing. |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Spendensammlungen in der Gemeinde (1879 / 1889)
Anmerkung: in den jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für bestimmte Zwecke
gesammelt. Die Ergebnisse der Sammlungen wurden immer wieder in jüdischen
Periodika mitgeteilt.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1879 - Spendensammlung
"Für die Armen des Heiligen Landes: "Eppertshausen. Durch Lehrer
Jaffe. Challah-Geld von nachfolgenden Frauen: Karolina Moses 1.15,
Friederika Rothschild 1.09, Betha Rothschild 0.32, Nanchen Rothschild 0.20,
Ungenannt 0.84, Theresia Rothschild 0.50, Hanchen Rothschild 0.70, Jettchen
Reiß 0.60, Sophie Strauß 0.80, Friederika Strauß Witwe 0.60, Sophie Jaffe
0.60, von einer Kindergesellschaft am Purim 0.60, zus. 8 M." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1879 - Spendensammlung
"Für die Armen des Heiligen Landes": "Eppertshausen. Durch Lehrer
Jaffe, Challah-Geld von nachfolgenden Frauen: Karoline Moses 1.25, Sophie
Strauß 0.80, Rickel Strauß Witwe 0 45, Hannchen Rothschild 0.70, Jettchen
Reiß 0.70, Theresia Rothschild 0.50, Karolina Moses 0.70, Betha Rothschild
0.80, Nannchen Rothschild 0.20, Nickel Rothschild 0.70, Sophie Jaffe 0.50,
Regine Reiß Witwe 0.20, Jettchen May I, Malchen Vogel 0.22, zusammen
abzüglich Porto 8.42 M." |
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Mitteilung
in "Spenden-Verzeichnisse für alle Zweige jüdischer Wohltätigkeit" vom 21.
März 1889 - Spendensammlung "Für die Abgebrannten in Russland":
"Eppertshausen. Durch Lehrer P. Belkin: Samuel Rothschild 1,
Joseph Moses 1, Ungenannt 3, Jakob Moses 1, Joseph Rothschild 1, Baruch
Moses 1, Jakob Rothschild 0.60, Levi Reiß 0.60, David Strauß Wwe. 0.50,
Moses Strauß 0.50, Samuel Moses 0.50, zusammen abzüglich Porto 10.60 M."
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Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Tödlicher Verkehrsunfall (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. August
1903: "Aus dem Amte Langen, 11. August (1903). Einem braven und
rechtschaffenen Jehudi in Eppertshausen, Herrn L. Rothschild, ist dieser
Tage ein trauriger Vorfall passiert. Als er mit einem mit Mais beladenen
Fuhrwerk durch die Straße fuhr, kam ein neunjähriges Kind unter die
Räder des Wagens und wurde derart verletzt, dass es bald darauf verstarb.
Herr Rothschild, der ein hochbetagter Mann, taub und von
Schicksalsschlägen sehr heimgesucht, indem ihm viele große Kinder
starben, ist sehr zu bedauern und kann gewiss sagen: jodenu lo schofchu es
hadom haseh / unsere Hände haben nicht vergossen dieses Blut (5.
Mose 21,7)." |
Hochzeitsanzeige von Paul Vollweiler (Frankfurt) und Hedwig geb. Rothschild
(Eppertshausen) mit Trauung in der Synagoge Eppertshausen (1937)
Anmerkung: vgl. zu Hedwig Vollweiler geb. Rothschild die Kennkarte unten, sie
wurde 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet; auch ihr Mann Paul
Vollweiler (geb. 1. Januar 1905 in Mainz, wohnhaft in Frankfurt am Main, wurde
1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet).
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom Juli 1937: "Paul Vollweiler
- Hedwig Vollweiler geb. Rothschild Vermählte
Frankfurt am Main Sandweg 24 - Eppertshausen (Kreis
Dieburg)
Trauung. 1. August 1.30 Uhr Synagoge Eppertshausen". |
Suchanzeige für Klara Munz geb. Moses und ihre
Schwester Dina Simon geb. Moses (früher Eppertshausen) von Selma Stern geb.
Mayer (USA 1942)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau"
vom 16. Januar 1942:
"Gesucht wird: ...
Klara Munz geb. Moses (früher Altengronau),
oder Schwester Dina Simon geb. Moses (früher Eppertshausen),
von
Selma Stern geb. Mayer (früher Ober-Olm bei
Mainz), 321 W. 105th St. NY City." |
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen
| - 1908: Leopold Gottlieb (geb.
13. Oktober 1891 in Eppertshausen als Sohn des verstorbenen Metzgers
Gottlieb, ist Abiturient (mit Berufsziel Kaufmann) an der Realschule der
Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt (in: Jahresbericht über
das Schuljahr 1907-1908 der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der
Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt. 1908 S. 29.) |
| - 1935: Verlobung von Saly
Rothschild (Eppertshausen - Frankfurt am Main, Sandweg 6b) mit Herta
Stern (Flieden) (in: "Jüdische
allgemeine Zeitung" vom 2. Januar 1935 bzw. "Der Israelit" vom 3. Januar
1935 S. 11; vgl. Informationen zur Familie Max Rothschild und Foto Grabstein
Sali und Herta Rothschild) |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Max (Marx) Rothschild (1928)
Anmerkung: der Viehhändler Max (Marx) Rothschíld ist am 16. Mai 1870 in
Eppertshausen geboren. Er war verheiratet mit Sarah geb. Goldenblum, die
am 12. Dezember 1879 in Weiterstadt
geboren ist. Die beiden hatten fünf Kinder: Sali (geb. 6. September
1907), Hedwig
(geb. 23. Juli 1909), Julius (geb. 12. August 1911, für ihn die
erste Anzeige von 1928), Jakob (geb. 21. August 1914) und Josef
(geb. 2. November 1918, für ihn die zweite Anzeige von 1933). In der NS-Zeit
konnten Julius und Sali in die USA emigrieren (Sali starb 1985, Julius starb
1999, siehe Fotos der Grabsteinde unten). Max und Sarah Rothschild wurden 1942
von Frankfurt aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert und sind dort
umgekommen (siehe unten Kennkarte für Max Rothschild). Sohn Jakob Rothschild
wurde nach der Deportation 1942 ermordet, zu Hedwig verheiratete Vollweiler
siehe Kennkarte unten.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1928: "Suche für meinen
17-jährigen Sohn, der 3 Jahre im Viehhandel tätig war und im Metzgergewerbe
schon sachkundig ist, passende
Metzger-Lehrstelle
Schabbat geschlossen. Offerten an M. Rothschild
Eppertshausen (Kr. Dieburg)" |
| |
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. April 1933: "Lehrstelle gesucht
für meinen Sohn, der Ostern die Schule verlässt, möglichst als Handwerker,
bei Kost und Wohnung, in Samstag und Feiertage geschlossenem Hause.
Marx Rothschild, Eppertshausen Kreis Dieburg (Hessen)."
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Hochzeitsanzeige von Hugo Lehmann und Clementine geb. Reis (1934)
Anmerkung: Clementine geb. Reis ist am 21. April 1915 in
Eppertshausen geboren als Tochter des Viehhändlers Moritz Reis (geb.
1883) und seiner Frau Klara geb. Siegel (geb. 1888). Clementine hatte
noch drei jüngere Geschwister: Selma (geb. 15. Juli 1916, verheiratet mit
Werner Morgenthal siehe unten 1938), Hilda (geb. 8. März 1918,
verheiratet mit Izaak van Gelderen) und Ludwig (Lou, geb. 4. Juli 1922).
Familie Moritz Reis lebte in der Hauptstraße 48 in Eppertshausen. Mehrere
Familienmitglieder konnten 1938 in die USA emigrieren. Selma ist mit ihrem
Mann Hugo Lehmann zunächst nach Palästina/Israel emigriert, später auch in die
USA.
Einige genealogische Hinweise (unvollständig):
https://www.geni.com/people/Moshe-Moritz-Reis/4362483877000012433
https://www.geni.com/people/Clara-Reis/4362483877100012434
Clara Reis starb nach geni.com etwa im März 1970.
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1934:
"Hugo Lehmann - Clementine Lehmann geb. Reis
Vermählte
Hähnlein an der Bergstraße -
Eppertshausen Bne
Berak / Palästina
18. Dezember 1934". |
Anzeige von Bernhard Moses (1934)
Anmerkung: Bernhard Moses ist am 17. März 1883 als Sohn des
Schuhmachers Josef Moses und seiner Frau Karoline geb. Löwenthal geboren. Er war
der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde Eppertshausen. Er hatte ein
Schuhgeschäft und war hier und in der Umgebung unter dem Namen 'Schuhjud'
bekannt. Bernhard Moses war verheiratet mit Johanna geb. Simon, geb. am
1. Juli 1893 in Münster. Die beiden hatten
drei Kinder: Ida (geb. 20. Februar 1920), Josef (geb. 15. Oktober
1925) und Martha (geb. 2. Februar 1930)Die Familie Moses hatte ihr Haus
und ihr Geschäft in der Schulstraße 10-12. .
Beim Novemberpogrom 1938 wurde Bernhard Moses mit den anderen jüdischen Männern
der Gemeinde verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht. Nachdem die SA in der
Pogromnacht in seinem Haus gewütet hatte, ist die Familie, ohne den Vater, vier
Wochen später nach Frankfurt in die Habsburger Allee 16 verzogen. Im März 1939
wurde der Sohn Josef mit einem Kindertransport nach Frankreich verschickt,
während seine Schwester Ida nach England kam. Josef, der damals erst 14 Jahre
alt war, wurde dadurch sieben Jahre von seinen Familienangehörigen getrennt. Die
übrigen Familienmitglieder wohnten bis Oktober 1941 in Frankfurt, wo sie
dauernden Drohungen und Misshandlungen durch die Nazis ausgesetzt waren. Danach
konnten sie emigrieren und warteten zwei Jahre in Santo Domingo auf ihre
Einwanderung in die USA.
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Oktober 1934:
"
Gesucht zum sofortigen Eintritt streng frommes Mädchen für
Haushalt.
Bernhard Moses Eppertshausen bei Darmstadt." |
Verlobung von Klärchen Heinemann
und Benni Siegel (1935)
Anmerkung: ein Hinweis auf die Hochzeit der beiden erschien im "Frankfurter
Israelitischen Familienblatt" vom Oktober 1936 S. 23. Über die
Geschichte der Familie Heinemann aus Niedermittlau siehe in einem Abschnitt in
der Seite zu Meerholz (mit Niedermittlau).
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. Dezember 1935:
"Klärchen Heinemann - Benni Siegel
Verlobte Dezember 1935
Niedermittlau bei Gelnhausen - Eppertshausen
Hessen." |
Verlobungsanzeige von Selma Reis
und Werner Morgenthal (Eppertshausen / Frankfurt / New York, 1938)
und ihr Grab in den USA (1976 / 2006)
Anmerkung: zur Familie von Selma Reis siehe oben bei Clementine Reis - Hochzeit
1934
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juli 1938: "Selma Reis
- Werner Morgenthal Verlobte.
Eppertshausen Kreis Dieburg - Frankfurt am Main
Eppsteinerstraße 53
New York, 2460 Davidson Jve., Apt. 24B" |
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Grab
von Selma (Sara Bat R. Mosche) Morgenthal geb. Reis:
15. Juli 1916 - 5. Februar 2006
und Werner Morgenthal (Jehuda Ben R. Schmuel): 12.
Februar 1910 - 25. August 1976.
Grab im Beth-El Cemetery, Paramus Bergen NJ/USA. Quelle:
https://de.findagrave.com/memorial/275716252/selma-morgenthal
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Sonstiges
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert:
Grabstein in New York für Herman
Goldmith (ca. 1827 - 1900, aus Eppertshausen)
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.
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Grabstein für
"my dear father
Herman Goldsmith
a native of
Ebertshausen (gemeint: Eppertshausen) Darmstadt
Died Oct 19th 1900
aged 73 years." |
Briefe aus der Familie Strauß (Eppertshausen)
Firma Moses Strauß, Inhaber A. Strauß Futterartikel und
Landesprodukte - Künstliche Dünger in Eppertshausen
Die Briefe wurden zur Verfügung gestellt von Jonathan Fass (USA) E-Mail
jonathan.fass@gmail.com. Er sucht
nach weiteren Informationen über die Familie Strauß / Strauss in Eppertshausen.
Nach seinen Angaben sind einige Mitglieder der Familie Strauss Ende des 19.
Jahrhunderts in die USA ausgewandert. Mit den Mitgliedern der Familie in
Eppertshausen gab es weiter Kontakt über Briefe, von denen die nachfolgenden
eine Auswahl sind. Unter den Ausgewanderten war Regina Strauss, die 1883 nach
Baltimore kam und 1886 in Atchison Kansas heiratete. Wenn Sie weitere
Informationen zu dieser Familie haben, bitte wenden Sie sich an Jonathan Fass.
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Brief von Recha
und Abraham Strauß
(undatiert) |
Brief von Sophie
Strauß
(vom 28.3.1909) |
Brief von
Abraham Strauß
(vom 2. August 1908) |
Brief von Sophie
Strauß
(undatiert) |
| Kennkarten
aus der NS-Zeit |
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Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de |
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Kennkarten
zu Personen,
die in Eppertshausen geboren sind |
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KK (Neumarkt,
Schlesien 1938) für Rebekka
Lewkowitz geb. Goldberg (geb. 15. Oktober 1894
in Eppertshausen), wohnhaft in Neumarkt;
am 4. März 1943 von Breslau in das Vernichtungslager
Auschwitz deportiert und ermordet. |
KK
(Heppenheim 1939) für Mina Lublin
(geb. 27. September 1847
in Eppertshausen)
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KK
(Frankfurt) für Bernhard Moses
(geb. 17. März 1884 in Eppertshausen),
Kaufmann
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KK (Frankfurt
1940) für Lina Münz
geb. Moses
(geb. 8. September 1887
in Eppertshausen)
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KK
(Frankfurt 1940) für Jakob Rothschild
(geb. 21. August 1914 in Eppertshausen),
am 4. August 1942 in das KZ Majdanek
deportiert und umgekommen.
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KK
(Frankfurt 1940) für Marx Rothschild (geb.
18. Mai 1870 in Eppertshausen), Viehhändler,
am 15. September 1942 ab Frankfurt in das
Ghetto Theresienstadt deportiert und am
28. Dezember 1942 ebd. umgekommen. |
KK (Frankfurt
1940) für
Malchen Rothschild (geb. 8. Juni 1875
in Eppertshausen)
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KK (Frankfurt
1939) für Johanna Simon
geb. Marx (geb. 1. August 1892
in Eppertshausen)
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KK (Frankfurt
1940) für Abraham Strauß
(geb. 10. Juni 1875 in Eppertshausen),
Kaufmann
|
KK (Mannheim-Land
1939) für Regina Strauß
(geb. 2. August 1872 in Eppertshausen),
wohnhaft in Ladenburg und Frankfurt; am 18.
August 1942 ab Frankfurt in das Ghetto Theresienstadt
deportiert, am 25. September 1942 in das
Vernichtungslager Treblinka, ermordet. |
KK (Frankfurt
1939) für Hedwig Vollweiler
geb. Rothschild (geb. 23. Juli 1909 in
Eppertshausen), Betreuerin, wohnhaft in Frankfurt;
am 2. März 1943 ab Berlin in das
Vernichtungslager Auschwitz deportiert,
ermordet. |
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KK (Frankfurt
1939) für Emma Wolf
geb. Moses (geb. 3. April 1883 in Eppertshausen) |
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"Todesfallanzeigen" aus dem
Ghetto Theresienstadt
Quelle:
https://www.holocaust.cz/de/main-3/ |
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Für Moses Adler,
umgekommen
am 5. Juli 1943 |
Für Max
Rothschild, umgekommen
am 28. Dezember 1942 |
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Für
Johanna Adler ist keine Todesfallanzeige vorhanden |
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| Grabsteine in
den USA |
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Grabstein
für Siegfried Bing (gest. 1991)
und Henny geb. Adler (Tochter
des
Metzgermeisters Moses Adler), Quelle:
https://de.findagrave.com/memorial/216265057/siegfried-bing |
Grabstein
für Julius Rothschild
(1911-1999) Quelle:
https://de.findagrave.com/memorial/257429739/julius-rothschild |
Grabsteine
für Sali und Herta Rothschild
(1907-1985 bzw.1913-2010), Quelle:
https://de.findagrave.com/memorial/248336189/sali-rothschild |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem jüdischen Wohnhaus vorhanden
bzw. wurde nach Bildung des Synagogenverbandes die Synagoge in
Ober-Roden besucht. 1790 bis 1792 wurde
eine ,Synagoge erbaut. wozu entweder ein bisheriges Wohnhaus umgebaut oder ein
neues Gebäude erstellt wurde. Das Gebäude war 6,4 m breit und 7 m lang. Es gab
insgesamt 33 Sitzplätze für die Männer, auf der Frauenempore 20 Plätze für die
Frauen.
Die Synagoge wurde trotz zurückgegangener Zahl der Gemeindemitglieder bis nach
1933, vermutlich bis 1938, wenn auch nur noch unregelmäßig benutzt. Eine
Hochzeit fand in ihr noch am 1. August 1937 statt (siehe oben).
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge durch die bereits oben genannten SA-Leute unter Führung des damaligen
Bürgermeisters Helfrich und wohl auch den Jungen der Hitlerjugend geschändet
und verwüstet. Das Gebäude wurde im Frühjahr 1940 abgebrochen, das Grundstück
kam am 1. April 1940 in nichtjüdischen Besitz. Das neben dem Synagogengebäude
stehende kleinere Wohnhaus mit den früheren Räumen für den Unterricht der Kinder
wurde wohl 1949/50 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein neues Gebäude
erstellt.
Gegenüber dem Standort der ehemaligen Synagoge erinnert seit Januar 1987 ein Gedenkstein
zur Erinnerung an die
jüdische Gemeinde Eppertshausen und ihre Synagoge. Der Gedenkstein wurde 2015 an
einen neu gebauten Verbindungsweg zwischen Schul- und Hauptstraße, den späteren
Bernhard-Moses-Weg (seit 2017) versetzt und um Informationstafeln zu den
im Ort früher lebenden jüdischen Familien ergänzt.
Adresse/Standort der Synagoge: Schulstraße
19 / 21 (Gedenkstein früher auf Grundstück gegenüber, jetzt am
Bernhard-Moses-Weg)
Fotos
(Quelle: Zeichnung links bei www.eppertshausen.de,
rechts bei Arnsberg Bilder s.Lit. 49)
Zeichnungen der
ehemaligen
Synagoge |
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Oben: die Skizze wurde von
Peter Krickser angefertigt |
Oben: die bei Arnsberg 1971
wiedergegebene
Abbildung wurde von J. Müller angefertigt |
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Synagogenstandort und
Gedenkstein
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.3.2009) |
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Blick entlang der
Schulstraße; die Synagoge
stand rechts auf dem Grundstück des von der
Straße zurückgesetzten neuen Wohnhauses |
Gedenkstein /
Gedenktafel mit Inschrift: "Zum Gedenken an unsere
jüdischen
Mitbürger, die dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer fielen.
Hier in dieser Strasse stand ihre Synagoge". |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juni 2013:
In Eppertshausen werden "Stolpersteine"
verlegt |
Artikel von Thomas Meier in der
"Offenbacher Post" vom 22. Juni 2013: "Verlegung erster Stolpersteine.
Erinnerndes Pflastern
Eppertshausen - Die Luft in der Hauptstraße flirrt in der stehenden Hitze. Doch das ficht knapp zwei Dutzend Menschen nicht an, einem Pflasterer bei seiner schweißtreibenden, aber eminent symbolträchtigen und wichtigen Arbeit vor dem Haus Nummer 63 zuzuschauen..."
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zum Artikel |
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| Juli 2014:
In Eppertshausen sollen weitere
"Stolpersteine" verlegt werden |
Artikel in der "Offenbacher Post"
vom : "Flohmarkt für Stolpersteine
Eppertshausen - Vor einem Jahr wurden in Eppertshausen die ersten Stolpersteine verlegt. Sie wurden zum Gedenken an die Familie Adler, die bis 1938 im Haus Hauptstraße 63 wohnte, gesetzt.
Als Grundlage der Recherche diente die Abhandlung von Karl J. Müller
'Damit wir sie nicht vergessen - Das Schicksal der jüdischen Bürger in
Eppertshausen'. Durch die Arbeit Müllers wurde eine Verlegung leicht möglich. Er hat in den Jahren bis 1985 alle vorhandenen Daten und Fakten gesammelt und veröffentlicht. Die erste Verlegung wurde privat organisiert und finanziert. Doch gibt es jedoch noch acht weitere Stellen, an denen die Steine zum Gedenken an die Opfer verlegt werden sollten. Um dies zu finanzieren, hat sich die Initiative
'Stolpersteine' gegründet. Sie will die Verlegungen weiterer Stolpersteine in Eppertshausen vorantreiben.
Gemeinsam mit den Bewohnern der Bahnhofstraße in Eppertshausen veranstaltet die Initiative am Samstag, 5. Juli, ab 15 Uhr einen Straßenflohmarkt. Der Erlös daraus fließt in die Verlegung der Stolpersteine. Die Standgebühr beträgt drei Euro pro laufendem Meter und einen Kuchen. Die Stände werden nur an private Personen vergeben. Händler sind nicht zugelassen."
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Weiterer Artikel in op-online.de vom 9. Juli
2014: "Initiative gegen das Vergessen..."
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| Februar 2015:
Neuer Platz für den Gedenkstein an die Synagoge? |
Artikel von Thomas Meier in der
"Offenbacher Post" vom 20. Februar 2015: "Synagoge
Eppertshausen. Neuer Platz für alte Gedenkstätte?
Eppertshausen - Mit der Generalsanierung der Schulstraße könnte auch eine alte Gedenkstelle des Ortes eine Aufwertung erfahren: Gegenüber der Schulstraße 19, auf dessen Grundstück einst die Synagoge, das Lehrhaus der jüdischen Gemeinde stand, erinnert ein Stein mit Inschrift und Menora an den religiösen Standort.
Er ist allerdings in einem engen Häuserwinkel und eher unscheinbar platziert.
'Wir stimmen gerade ab, ob wir den Teilbereich vor dem Gedenkstein neu pflastern oder ob wir am Verbindungsweg zwischen Schulstraße und Hauptstraße eine neue, geeignetere Stelle
finden', informiert Bürgermeister Carsten Helfmann. Dort hätte man die Möglichkeit, Informationen über die jüdischen Mitbewohner, die in der Haupt- und Schulstraße wohnten, aufzuzeigen. Die kleine, verwinkelte Fläche in der Schulstraße könne die Gemeinde verkaufen, um mit dem Erlös den neuen Platz herzurichten.
Mit den Pfarrern, Kirchenvertretern, der Eppertshäuser Shoa-Gruppe, Mitgliedern der Initiative Stolpersteine und dem VdK möchte Helfmann die Thematik erörtern und der Gemeindevertretung gegebenenfalls eine neue Örtlichkeit vorstellen. Da der Gedenkstein nicht an der Stelle einstiger Synagoge stehe und die Parksituation im Kurvenbereich der Schulstraße auch nicht glücklich ist, könne eine Veränderung für alle Seiten einen Gewinn bedeuten, sagt
Helfmann..."
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| Juli 2015:
Zweite Verlegung von
"Stolpersteinen" in Eppertshausen |
Artikel von Thomas Meier in der "Offenbacher
Post" vom 10. Juli 2015: "Schicksal der jüdischen Familie Reis in
Eppertshausen. Stolpern über Flucht vor dem Grauen
Eppertshausen - Antje Pfau ließ im Juni 2013 die ersten Stolpersteine
zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger Eppertshausens von Künstler Gunter
Demnig verlegen. Ihr Beispiel machte Schule, es gründete sich eine
Initiative.
Jetzt kam der Stolperstein- Verleger zum zweiten Male in den Ort. Es wird
nicht sein letzter Besuch sein. Eigentlich sollten nach der
Hauptstraßen-Aktion jetzt Stolpersteine in der Schulstraße verlegt werden,
in der einst zahlreiche jüdischen Familien beheimatet waren und wo auch die
Synagoge stand. Doch ahnte keiner, wie lange die Sanierung des kurzen, aber
maroden Straßenzuges dauern wird. Damit aber die erste
Stolperstein-Verlegung von 2013 und das damit einhergehende Bekenntnis, mehr
für die Erinnerung an Deportation und Vernichtung zu tun, nicht in
Vergessenheit gerät, setzte man kurzerhand ein erneutes Zeichen in der
Hauptstraße, Ecke Schulstraße 13. Dort, wo heute das Anwesen
Friedhofstraße Nr. 29 steht, lebte einst die Familie Reis. Das
Eckgrundstück gehörte mal zur Adolf-Hitler-, mal zur Haupt- und nun eben zur
Friedhofstraße. Was Antje Pfau, unterstützt von ihrem Mann Martin Hug, ihrer
Familie und einer Handvoll Mitstreiter aus Freunden und Bekannten 2013
initiierte, war beispielhaft. Schon bei der ersten Stolpersteinverlegung
gründete sich eine Initiative mit dem Ziel, weitere Gedenk-Stolpersteine
dort setzen zu lassen, wo nachweislich jüdische Mitbürger wohnten. Und da
haben die Mitglieder eine Menge auf sich geladen. Nachlesen können sie dies
in den Schriften des Heimathistorikers Karl J. Müller aus Münster, der in
seiner Broschüre 'Damit wir sie nicht vergessen' bereits Mitte der 1980er
Jahre an das Schicksal der jüdischen Bürger Eppertshausens erinnerte. Dieses
Büchlein, längst vergriffen, legte die Initiative zwischenzeitlich neu auf,
es ist für fünf Euro beim engagierten Mitstreiter Bruno Ries im
Uhrenschmuckbetrieb gleichen Namens, Bahnhofstraße 4, zu bekommen. Ries
steht voll und ganz hinter der Aktion, hat er doch mit seiner mittlerweile
92-jährigen Mutter Anna noch eine geistig überaus rüstige Zeitzeugin in der
Familie, die viele Erinnerungen an die jüdischen Mitbürger beizusteuern
weiß.
Die drei vor großem Publikum am Mittwochnachmittag verlegten Steine gelten
drei Mitgliedern der Familie Reis, denen die Flucht in die Vereinigten
Staaten von Amerika gelang. Über sie schreibt Müller: 'Josef Reis betrieb
mit seinem Bruder Moritz einen Viehhandel und war auch Schächter der
Eppertshäuser Juden. Josef Reis, der am 4. Juli 1872 in Eppertshausen
geboren war, hatte Emma Kahn, verwitwete Rothschild, die Witwe von Wolf
Rothschild (Jeisel) geheiratet. Die Familie hatte zwei Kinder: Henni
Rothschild, die von ihrer Mutter in die Ehe mitgebracht wurde und die mit
Julius Strauß aus Dieburg verheiratet war
– die beiden sollen ausgewandert sein –, und Leo Reis, der am 23. September
1912 geboren war. Leo Reis konnte am 3. Mai 1937 noch vor der
Judenverfolgung nach Amerika auswandern, während seine Eltern auch die
Demütigungen und die Schrecken der Kristallnacht über sich ergehen lassen
mussten.' Auch bei ihnen habe die Eppertshäuser SA sinnlos gewütet und die
gesamte Inneneinrichtung des Hauses samt Möbel und Geschirr zerschlagen,
weiß Müller zu berichten: 'Als am Morgen nach diesen Nazi-Untaten ein Bürger
aus Eppertshausen im Haus gegenüber seiner Arbeit nachging, stand Josef Reis
vor seinem Haus und weinte.' Im Dezember 1937 zogen Reis’ nach Frankfurt, um
dann in die USA auszuwandern. Am 16. Dezember 1941 starb Josef Reis im Alter
von 69 Jahren in New York. Seine Frau Emma überlebte ihn noch drei Jahre,
über den Verbleib von Leo Reis ist nichts bekannt. Bürgermeister Carsten
Helfmann und Eppertshausens Vorsitzender der Gemeindevertretung, Rainer
Eder, lobten die engagierten Initiativler dafür, auch die dunklen Seiten der
Geschichte ihres Wohnortes wach zu halten. Und sie bekräftigten ihre
Haltung, die sie bereits 2013 äußerten: 'Es gibt noch viele Häuser, vor
denen solche Stolpersteine liegen sollten.' Nun, für 13 weitere, die einmal
in der dann hoffentlich fertig sanierten Schulstraße verlegt werden sollen,
hat die Initiative das Geld fast beisammen. Gunter Demnig, der in Berlin
geborene und bei Köln lebende Künstler, der in 14 Ländern Europas bereits
knapp 50.000 Stolpersteine verlegte, wird also nicht arbeits- und brotlos.
Rund 120 Euro kostet übrigens einer seiner Mahnsteine mit polierter
Messingplatte."
Link zum Artikel |
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Mai 2017:
Weitere Verlegung von
"Stolpersteinen" in Eppertshausen und Straßenumbenennung in
"Bernhard-Moses-Weg" |
Artikel von Thomas Meier in der "Offenbacher
Post" vom 17. Mai 2017: "Neuer Weg trägt Namen des letzten Rabbis.
Initiative erinnert ans Leid jüdischer Mitbürger
Eppertshausen - 23 Stolpersteine auf einen Streich ließ die gleichnamige
Initiative gestern von Künstler Gunter Demnig in der Schul- und in der
Hauptstraße verlegen. Beim Termin verkündete Bürgermeister Carsten Helfmann,
der Stichweg zwischen Haupt- und Schulstraße, an dem auch die Gedenkstätte
für die jüdischen Mitbewohner jetzt liegt, werde in Bernhard-Moses-Weg
benannt.
Die Initiative Stolpersteine Eppertshausen lässt seit 2013 die leuchtenden
Erinnerungsmarken vom europaweit in dieser Mission reisenden Künstler Gunter
Demnig verlegen. Ins Eppertshäuser Leben gerufen hat die
Stolperstein-Verlegung Antje Pfau, unterstützt von ihrem Mann Martin Hug,
ihrer Familie sowie einer Handvoll Mitstreiter aus Freunden und Bekannten.
Die Aktion soll erinnern an die Menschen, die durch die
nationalsozialistische Diktatur und deren Schergen aus Eppertshausen
vertrieben und zum Teil auch vernichtet wurden. Der Künstler Demnig erinnert
durch sein Projekt an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor deren letzten
selbstgewählten Wohnorten Gedenktafeln aus Messing in den Gehsteig einlässt.
In über 1300 Orten in Deutschland und anderen Ländern Europas liegen mehr
als 50.000 solcher glänzenden Erinnerungsquader, die jeweils nach
ausführlicher individueller Recherche ihren Weg in den Boden fanden. Nach
den Verlegungen von insgesamt neun Stolpersteinen in den Jahren 2013 und
2015 durch die Initiative erfolgte gestern Vormittag unter Beachtung von
einigen Beobachtern die voraussichtlich letzte Verlegung von weiteren 23
Stolpersteinen im Ort. Kelle und Hammer schwang Demnig vor der
Schulstraße 10, wo sieben Steine für die Familie Rothschild eingelassen
wurden, vor der Schulstraße 12 waren es fünf für die Familie Moses, an der
Hauptstraße 8 fünf für die Familien Strauss und Siegel sowie an der
Hauptstraße 48 sechs für die Familie Reis.
Vor allen Verlegeorten verlas Pfau jeweils kurze Passagen aus dem Buch von
Karl Müller, 'Jüdisches Leben in Eppertshausen – Damit wir sie nicht
vergessen', zu den Schicksalen jüdischer Mitbürger aus Eppertshausen. Zudem
spielte aus einem Lautsprecher passend das alte Lied 'Die Moorsoldaten'. Es
wurde 1933 von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg
im Emsland geschaffen. 'Mit diesen 32 verlegten Stolpersteinen sind vorerst
alle recherchierbaren Schicksale der durch den NS-Terror in Eppertshausen
hervorgerufenen menschlichen Katastrophen dokumentiert. Es darf nicht
unerwähnt bleiben, dass diese Dokumentation nur einen kleinen Teil des
Leidens umfasst, das in Eppertshausen durch den NS-Unrechtsstaat
hervorgerufen wurde', erklärte Antje Pfau. Die Nachforschung, Finanzierung
und Verlegung der Stolpersteine durch die Initiative sei damit zum Ende
gekommen. Die Recherchen für diese Erinnerungsarbeit seien nicht möglich
gewesen ohne die Aufarbeitung durch den zwischenzeitlich verstorbenen Karl
Müller. Durch seine detaillierte Dokumentation der Ereignisse von damals
habe er eine Form der Auseinandersetzung mit der lokalen Vergangenheit
eingeleitet, die fast 80 Jahre danach eine dunkle Seite der Geschichte
Eppertshausens ein wenig beleuchte. Die Initiative Stolpersteine dankte
allen Unterstützern, insbesondere den zahlreichen Spendern, zu 90 Prozent
von Privatleuten, die bei der Rekonstruktion des historischen Mosaiks
halfen. 'Wir wünschen uns, dass in Eppertshausen nie mehr derartiges Leid
geduldet wird', schloss Pfau. Bürgermeister Carsten Helfmann ging aufs
strahlende Wetter zur Verlegung ein: 'Lange Zeit hatten unsere jüdischen
Mitbürger in Eppertshausen auch Sonnenschein. Dann kam die
Reichskristallnacht.' Er berichtete, dass am Montagabend in einem
parlamentarischen Ausschuss einstimmig positiv darüber beraten wurde, den
erst kürzlich gebauten Verbindungsweg von Hauptstraße zu Schulstraße in
Bernhard-Moses-Weg zu benennen. Es ist der Name des letzten Rabbis, der im
Ort gelebt hatte."
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 163-164. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 49. |
 | Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. |
 | Karl J. Müller: Damit wir sie nicht vergessen. Das
Schicksal der jüdischen Bürger von Eppertshausen. Münster
1985. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 34. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 78-79. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eppertshausen
Hesse. The community, numbering 63 (7,3 % of the total) in 1828, later
declined. The Nazis received only 5 % of local votes in July 1932, but all the
Jews (numbering 28 in 1933) fled after Kristallnacht (9-10 November
1938).

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