Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Waldhilbersheim mit Heddesheim 
(Gemeinde Guldental, VG Langenlonsheim, Landkreis Bad Kreuznach)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Kennkarten aus der NS-Zeit  
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen        
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde              
   
In Waldhilbersheim bestand bis in die 1930er-Jahre eine kleine jüdische Gemeinde, zu der die jüdischen Einwohner in Waldhilbersheim und Heddesheim gehörten. Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1808 wurden in Waldhilbersheim 29 jüdische Einwohner gezählt. Um 1858 lebten hier inzwischen 50, in Heddesheim 40 jüdische Personen. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück.    
  
Zur jüdischen Gemeinde Waldhilbersheim / Heddesheim gehörten bis 1895 auch die in Laubenheim lebenden jüdischen Personen, danach wurden sie der Gemeinde in Langenlonsheim zugeteilt.   
  
1925
lebten nur noch acht bzw. 29 Juden in den beiden Orten. Mitte der 1920er-Jahre war Vorsitzender der jüdischen Gemeinde August Schneider.
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine kleine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (vermutlich im Raum der Synagoge) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zumindest zeitweise ein "Kultusbeamter" angestellt, der die Aufgaben als Religionslehrer, Vorbeter und Schochet zu übernehmen hatte (vgl. unten Ausschreibung der Stelle von 1890). 
 
Von den in Waldhilbersheim und Heddesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  
  
aus Waldhilbersheim: Walter Aron (1894), Moritz Grünewald (1886), Hilde Hallgarten geb. Simon (1895), Erna Marcus geb. Aron (1893), Berta Schneider geb. Abraham (1854), Rosa Schneider (1882) und ihre Schwester Thekla Wolf geb. Schneider (1887); 
  
aus Heddesheim: Frieda (Friedel) Ansbacher geb. Stern (1896), Walter Benjamin (1910), Adelheid (Adele) Brunner geb. Reinstein (1867), Ida Grünfeld geb. Benjamin (1901), Berthold Halm (1884), Friederike (Frieda) Heilbron geb. Stern (1870), Emile Kahn (1889), Erna Kahn geb. Stern (1899), Ida Kiefer geb. Wolf (1885), Flora Meyer geb. Stern (1893), Betty Moses geb. Stern (1901), Martha Müller geb. Benjamin (1895), Dorothee (Dorothea, Dora) Schneider (1895), Elisabeth Gertrud Schneider (1897), Johanna Schneider (1892), Helene Schwarz geb. Benjamin (1884), David Stern (1878), Heinrich Stern (1879), Herbert Stern (1928), Karoline (Karolina, Lina) Stern geb. Kahn (1867), Lothar Stern (1930), Markus Stern (1866), Moses Stern (1863), Sally Stern (1893), Rosa Strauß geb. Stern (1875), Ella Wolf (1896), Franz Wolf (1927), Lotte Wolf (1921), Moses Wolf (1855), Samuel Wolf (1880), Selma Wolf geb. Benjamin (1886), Walter Josef Wolf (1922), Amalie Zack geb. Schneider (1891), Markus Zack (1878). 
  
A
nmerkung: Hinweis auf die "Liste der im hiesigen Amtsbezirk (Langenlonsheim) wohnhaft gewesenen Juden" (pdf-Datei der an den International Tracing Service von der Amtsverwaltung Langenlonsheim am 2.3.1962 mitgeteilten Liste mit den Namen der (sc.1933 und danach) wohnhaften jüdischen Einwohnern in Bretzenheim, Heddesheim, Langenlonsheim, Laubenheim, Waldhilbersheim, Waldlaubersheim, Windesheim.
In der Liste werden aus Heddesheim genannt: Liesa Schneider (1897; ?), Dora Schneider (1895; ?), August Schneider (1858; noch am Ort verstorben), Markus Stern (?), Edgar Stern (1938 nach Amerika emigriert), Ludwig Stern (1938 dto.), Moses Stern (1863; ?), Lina Stern (1867; ?), Saly Stern (1893; ?), Ehefrau von Saly Stern (noch am Ort verstorben), Herbert Stern (1928; ?), Lothar Stern (1930; ?), Berta Stern (1875; noch am Ort verstorben), Moses Wolf (?), Ehefrau von Moses Wolf (?), Otto Wolf (?), Ehefrau von Otto Wolf (?), Ella Wolf (?), Thekla Wolf (?), Walter Wolf (?), Lieselotte Wolf (?), Herbert Wolf (?), Berta Schneider (?), Rosa Schneider (?). In der Liste werden aus Waldhilbersheim genannt: Alfred Hallgarten (nach Bad Kreuznach verzogen), Hilde Hallgarten geb. Simon (dto.) Siegfried Hallgarten (nach Australien emigriert), Jakob Simon (noch am Ort verstorben), Johanna Simon (nach Mainz verzogen).  
  
Auf einem Mahnmal im jüdischen Friedhof der Gemeinde finden sich die Namen von 23 aus Heddesheim umgekommenen Personen
.   
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1890  

Waldhilbersheim Israelit 05061890.jpg (39989 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1890: "Die Gemeinde Waldhilbersheim - Heddesheim sucht einen unverheirateten Kultusbeamten. Antritt bald. Gehalt 600 Mark. Nebeneinkommen ca. 100 Mark. Meldungen mit Zeugnissen in beglaubigter Abschrift sind zu richten an Rabbiner Dr. Tawrogi, Kreuznach."

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 
Hinweis auf die Geschichte der Familien der Brüder Heinrich und Ludwig Stern aus Heddesheim  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 

Postkarte des Warenhauses der 
Gebr. Stern in Ludwigsburg (1915) 
Ludwigsburg Dok 810.jpg (126903 Byte) Ludwigsburg Dok 810b.jpg (86751 Byte) Ludwigsburg Dok 810a.jpg (149017 Byte)
  Die Postkarte des Warenhauses der Gebr. Stern wurde am 20. Februar 1915 an eine
 Korbwaren-Manufaktur in Küps verschickt. Das Warenhaus Stern war 1904 in Ludwigsburg von den Brüdern Heinrich und Ludwig Stern gegründet und bis zur erzwungenen Enteignung 1938 betrieben worden. Heinrich Stern (geb. 1879 in Heddesheim) ist nach der Deportation 1941 nach Riga umgekommen; seine Frau wurde 1942 deportiert und ist gleichfalls umgekommen. Ludwig Stern (geb. 1872 in Heddesheim) konnte emigrieren und starb 1954 in den USA. Weiteres zur Familiengeschichte bei Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg 1998 S. 523-528:   
     
Zur Geschichte der aus Heddesheim
 stammenden Familie Stern in Ludwigsburg 
(J. Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg 
1998 S. 523-528) 
LB Stern 523.jpg (94816 Byte) LB Stern 524-525.jpg (205627 Byte) LB Stern 526-527.jpg (304333 Byte) LB Stern 528-529.jpg (254042 Byte)
     

       

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Heddesheim geboren sind
 
 Heddesheim KK MZ Wolf Franz Guenther.jpg (98119 Byte)  Heddesheim KK MZ Wolf Lotte.jpg (100391 Byte)  Heddesheim KK MZ Wolf Walter.jpg (101485 Byte)
   Kennkarte für Franz Günther Wolf (geb. 
18. März 1927 in Heddesheim), später wohnhaft
 in Mainz; am 25. März 1942 ab Mainz über 
Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert, 
später in das KZ Majdanek, umgekommen.
 Kennkarte für Lotte Wolf 
(geb. 14. Juli 1924 in Heddesheim), wohnte 
später in Langenlonsheim und Mainz; 
am 25. März 1942 ab Mainz über Darmstadt in 
das Ghetto Piaski deportiert, umgekommen. 
 Kennkarte für Walter Josef Wolf 
(geb. 17. März 1922 in Heddesheim), wohnte 
später in Stuttgart; am 25. März 1942 ab Mainz 
über Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert,
 umgekommen.  
Kennkarten zu Personen, 
die in Waldhilbersheim geboren sind  
Waldlhilbersheim KK MZ Schneider Rosa.jpg (102729 Byte) Waldlhilbersheim KK MZ Wolf Thekla.jpg (103135 Byte)  
  Kennkarte für Rosa Schneider  
(geb. 23. September 1882 in Waldhilbersheim) 
am 27. September 1942 ab Darmstadt in das 
Ghetto Theresienstadt deportiert, im Mai 1944 in 
das Vernichtungslager Auschwitz, ermordet 
Kennkarte für Thekla Wolf geb. Schneider 
(geb. 20. September 1884 in Waldhilbersheim) 
wohnhaft in Mainz; am 25. März 1942 ab Mainz 
über Darmstadt in das Ghetto Piaski deportiert,
 umgekommen 
 
       

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge               
     
Im 19. Jahrhundert hielt die Gemeinde ihre Gottesdienste in gemieteten Räumen, bis im Frühjahr 1910 ein günstig gelegenes Haus erworben wurde, das zur Synagoge umgebaut werden konnte. Am 16. September 1910 wurde die Synagoge durch den Kreuznacher Bezirksrabbiner Dr. Abraham Tawrogi eingeweiht. Anwesend waren auch die Bürgermeister von Windesheim und Langenlonsheim, die Ortsvorsteher, Geistlichen und Lehrer der beiden Gemeinden.  

Waldhilbersheim AZJ 07101910.jpg (145870 Byte)Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" berichtete am 7. Oktober 1910:  "Kreuznach, 28. September (1910). Am vorigen Donnerstag fand die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge der Nachbargemeinden Heddesheim-Waldhilbersheim unter wärmster Anteilnahme der Bürgerschaft beider Orte statt. Anwesend waren auch die katholischen und evangelischen Geistlichen sowie sämtliche Lehrer beider Kirchengemeinden. Außerdem erschienen die Amtsvorsteher und aus der Umgegend die Bürgermeister von Langenlonsheim und Windesheim. Herr Landrat von Nasse aus Kreuznach, der dienstlich verhindert war, der Feier beizuwohnen, ließ durch Herrn Rabbiner Dr. Tawrogi daselbst, der die Einweihung des Gotteshauses vollzog, der jüdischen Gemeinde seine Glückwünsche aussprechen. Nachdem Herr Kantor Marwit aus Bingen mit klangvoller Stimme die liturgischen Gesänge zum Vortrag gebracht hatte, entzündete Rabbiner Dr. Tawrogi die ewige Lampe. Alsdann gelangten die prächtig geschmückten Tora-Rollen im heiligen Schreine zur Aufstellung, worauf Rabbiner Dr. Tawrogi die Festrede hielt. In dieser gedachte der Redner zunächst aller derer, die werktätig zum Gelingen des schönen Gotteshauses beigetragen haben, dankte allen, die durch materielle Unterstützung das Werk förderten und sprach in wirkungsvoller Weise über die Bestimmung des jüdischen Gotteshauses. Er ermahnte die Gemeinde zum rechten und fleißigen Gebrach dieser neugeweihten Stätte. Nach Schluss dieser erhebenden Feier, die mit einem Gebet für Kaiser und Reich endigte, folgten die Festteilnehmer einer Einladung des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, Herrn August Schneider, zu einem gemütlichen Beisammensein."   
 
  Statuten der Synagogengesellschaft
 Heddesheim & Waldhilbersheim 
vom 16. September 1910 
     Unterschriften von Leopold Grünewald, Bernhard Benjamin, Jakob Simon, Moses Wolf, Julius Benjamin, Josef Herrmann, Markus Stern, Isak Simon I., Joseph S. ..., August Schneider, Isaak Stern, Emanuel Wolf, Isaak Simon, Moses Stern.
 

Bei der Synagoge handelt es sich um einen einfachen Saalbau mit Rund- und Rundbogenfenstern. Ecklisenen und ein steigender Fries sind die äußerlichen dekorative Elemente.  
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert und geplündert. Dabei wurde die gesamte Inneneinrichtung und die Ritualien (zwei Torarollen, der silberne Leuchter, silberne Becher und Teller, 75 Gebetbücher, Vorhänge und Decken), das Harmonium, der Ofen sowie Lampen und andere Gebrauchsgegenstände gestohlen bzw. vernichtet. Im Januar 1939 wurde das Gebäude verkauft und ist seitdem als Lagerraum beziehungsweise als Garage benutzt worden. Zur Straßenseite hin wurde ein Tor eingebrochen; die Fenster wurden vermauert. Seit 1994 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.  
   
Seit 2019/20 gibt es in Guldental Bemühungen um eine mögliche Restaurierung der ehemaligen Synagoge. Nachdem die Synagoge vom bisherigen Eigentümer für 3.200 € angeboten wurde, schlug die SPD Guldental den Erwerb des Gebäudes und die Einrichtung eines Gedenkortes, eines Kulturzentrums oder eines Museums vor. Die "Freie Liste" am Ort wollte vor dem Erwerb durch die Gemeinde erst ein Gesamtkonzept sehen (Presseartikel im "Öffentlichen Anzeiger" vom 20. Januar 2020: "Guldental. Museum, Kulturzentrum oder Gedenkstätte: Gemeinde Guldental will alte Synagoge kaufen..." sowie in der "Allgemeinen Zeitung" vom 21. Januar 2020: "Wird die alte Synagoge in Guldental zum Risiko?").
 
Am 1. Juli 2020 wurde der "Förderverein ehemalige Synagoge Heddesheim-Waldhilbersheim (Guldental)" gegründet (Vorsitzende Patricia Erb). Ziel ist der Erhalt und eine sinnvolle Nutzung des Synagogengebäudes in der Zukunft.   
    
    
Adresse/Standort der SynagogeNaheweinstraße 83   
    
    
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 28.3.2005; Innenaufnahmen erhalten von Patricia Erb, Guldental am 17.6./3.7.2020) 

Guldental Synagoge 202.jpg (44153 Byte) Guldental Synagoge 200.gif (137087 Byte) Guldental Synagoge 201.jpg (45349 Byte)
Die ehemalige Synagoge in Waldhilbersheim
 
     
     
 Blick in den Innenraum
      
Wand nach Osten - Standort des
früheren Toraschreines
Eingangstüre und Fenster
    (letzteres nach Norden)
         
   
 Fragmente der Inschrift:
"Hier ist nichts anderes als Gottes Haus..."
 (1. Mose 28,17)  
 Das Misrach-Fenster (nach Osten gerichtetes Fenster über dem Bereich des früheren Toraschreines), dazu Inschrift: "Erkenne, vor wem Du stehst" (Sprüche der Väter 3,1)   Reste von Stuck an der Decke, wo vermutlich ein Leuchter hing; die Decke war ursprünglich blau bemalt mit einem Sternenhimmel (Abraham-Verheißung 1. Mose 15). 
     
      
Andernorts entdeckt    Mandel Friedhof 160.jpg (117744 Byte)  
  Im jüdischen Friedhof in Mandel:
Grabstein für Wilhelmine Hirsch 
geb. Abraham (1837 Waldhilbersheim - 1869 Mandel
Grabstein wurde um oder nach 1900 erneuert)
  

     
    
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

April 2020: Über die ehemalige Synagoge in Waldhilbersheim      
Artikel von Wolfgang Bartels in der "Allgemeinen Zeitung" vom 25. April 2020: "Spurensuche. Der Großvater hat die Guldentaler Synagoge eingeweiht, die Eltern starben im Vernichtungslager, Tochter Hanna wurde durch einen 'Kindertransport' gerettet..."  
Link zum Artikel (gebührenpflichtig; ein Lesen des Artikels ist durch Anklicken der Textabbildung möglich)  
 
Juli 2020: Zur Gründung des "Fördervereins ehemalige Synagoge Heddesheim-Waldhilbersheim"  
Artikel von Wolfgang Bartels in der "Allgemeinen Zeitung" vom 9. Juli 2020: "Spuren des jüdischen Lebens zeigen.
In Guldental hat sich ein Förderverein zur Erhaltung der ehemaligen Synagoge gegründet. Die Gemeinde kann das Gebäude für 3200 Euro erwerben. Es hat Jahrzehnte als Scheune gedient.
GULDENTAL
- 'Es gab auch Stimmen im Dorf, die sagten: Lasst die alten Geschichten ruhen.' Doch letztlich habe es viel Unterstützung gegeben, als sich in Guldental die Idee herumsprach, einen Förderverein 'Synagoge Heddesheim-Waldhilbersheim' zu gründen. Dies berichtete Patricia Erb auf der Gründungsversammlung, zu der sie in die Evangelische Kirche Guldental eingeladen hatte.
Gemeinde kann das Gebäude für 3200 Euro erwerben. 29 interessierte Teilnehmer waren gekommen und wickelten die Regularien zur Vereinsgründung einschließlich Satzung und Beitragsordnung ab. Hintergrund der Vereinsgründung ist die Chance, dass die Gemeinde Guldental die ehemalige Synagoge für 3200 Euro erwerben kann. Das entspricht jenen 760 Reichsmark, für die 1938 ein Guldentaler Bürger das in der Reichspogromnacht zerstörte Gebetshaus gekauft hatte. Seither wurde der Ziegelsteinbau als Schuppen für landwirtschaftliches Gerät genutzt. Dem Förderverein geht es darum, das 1910 von der damaligen jüdischen Gemeinde eingeweihte Gebäude mit neuem Leben zu erfüllen. 'Wir wollen die Spuren des jüdischen Lebens in Guldental zeigen. Jüdische Mitbürger wurden um ihren Besitz gebracht und schließlich ermordet. Es steht uns gut an, dass wir an sie erinnern und sie ehren', sagte Patricia Erb auf der Gründungsversammlung. Die ehemalige Synagoge solle ein Haus der Begegnung werden, in dem Konzerte und Lesungen stattfinden. Zur künftigen Nutzung will der neugegründete Förderverein ein Konzept erarbeiten, das im Gemeinderat vorgestellt werden soll. Allerdings muss vor einer Öffnung für Veranstaltungen eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes stattfinden, die der Förderverein unterstützen will. Bis zu 90 Prozent der Kosten dafür könnten aus Landesmitteln fließen, so Patricia Erb. Die Satzung und die Beitragsordnung, die einen Jahresbeitrag von 18 Euro vorsieht, wurden einstimmig verabschiedet. Zur Vorsitzenden des Fördervereins wurde Patricia Erb gewählt, zu ihrer Stellvertreterin Karen Bodtländer.
Eine Überraschung hatte sich die Vorsitzende für den Schluss aufgehoben: Sie schlug vor, Hanna Zack Miley zum Ehrenmitglied zu ernennen. Ihr Großvater August Schneider war Vorsteher der jüdischen Gemeinde Heddesheim-Waldhilbersheim und hatte 1910 die Synagoge eingeweiht. Seine Enkelin Hanna konnte 1939 mit einem Kindertransport nach England ausreisen. Hannas Eltern dagegen wurden 1942 im polnischen Kulmhof umgebracht. Hanna Zack Miley lebt heute in Arizona/USA und hat das Buch 'Meine Krone in der Asche' geschrieben, das den Weg ihrer Eltern in die Vernichtung beschreibt. Im Mai wollte Hanna Zack Miley Guldental zum zweiten Mal besuchen, doch vorerst hat Corona einen Strich durch alle Reisepläne gemacht. In einer E-Mail an Patricia Erb hatte Hanna Zack Miley bekräftigt, dass sie über die Gründung des Fördervereins hoch erfreut sei. Und sie hoffe, dass es ihr mit ihren 88 Jahren möglich sein werde, Guldental und die ehemalige Synagoge noch einmal zu besuchen – und das als Ehrenmitglied des neuen Fördervereins." 
Link zum Artikel  

    
       

Links und Literatur   

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Guldental     
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Waldhilbersheim (interner Link) 

Literatur:  

bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 172-173 (mit weiteren Literaturangaben). 
bulletZur Heddesheimer Familie Stern: Claude Spiero: Und wir hielten sie für Menschen (Literaturhinweis). In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz Heft Nr. 8 - 3/94 (4. Jahrgang) S. 65-66. Online eingestellt (pdf-Datei).    

     
      

                   
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Stand: 30. Juni 2020