Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rheinbreitbach (VG Unkel, Kreis Neuwied) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletLinks und Literatur   

   
Hinweis: Von Klaus-Henning Rosen wurde erstellt: Ortsgemeinde Rheinbreitbach - Jüdische Bürgerinnen und Bürger 1700 - 1942. Hrsg. vom Heimatverein Rheinbreitbach 2020.
Das Manuskript kann eingesehen werden (eingestellt als pdf-Datei, Version vom 1.5.2021).
Für Ergänzungen, Hinweise und weitere Informationen zu den genannten Personen und ihren Nachkommen ist der Autor sehr dankbar, bitte an die Mail-Adresse: post@khrosen.eu.
     
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
     
In Rheinbreitbach bestand eine jüdische Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Eine Quelle von 1748 berichtet davon, dass sich vier verheiratete (jüdische) Männer wegen "Tätlichkeiten wider die Juden durch Junggesellen und übrige Burschen" beschweren. Damals gab es somit mindestens vier jüdische Familien am Ort.   
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1803 18 jüdische Einwohner, 1822 18, 1846 29 (in acht Familien), 1858 32, 1895 12, 1900 zehn. 
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad (nach einem Berichte von 1822 gab es zwei rituelle Bäder in jüdischen Privathäusern, die wohl auch von den anderen Familien benutzt werden konnten: "eine in einem Gewölbe, eine in einer Stube".     
  
1863 wurden die in der Umgebung von Linz/Unkel lebenden jüdischen Personen zu einer gemeinsamen Synagogengemeinde verbunden. Die in der Bürgermeisterei Unkel (d.h. in Unkel, Scheuren, Rheinbreitbach, Heister und Erpel) lebenden jüdischen Familien bildeten eine Teilgemeinde innerhalb der größeren Kultusgemeinde Linz/Unkel. Die Teilgemeinde wurde um 1920 aufgelöst und alle im Bereich Unkel lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Linz am Rhein angeschlossen.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Salomon Moses (geb. 1883, gefallen 1917). 
    
1925 werden nur noch zwei und in der Folgezeit bis einschließlich 1939 - weiterhin zwei jüdische Einwohner in Rheinbreitbach genannt.  
    
Von den in Rheinbreitbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Abraham (1881), Ida Abraham (1874), Joseph Abraham (1872), Bernhard Bär (1860), Dagobert van Geldern (1875), Debora (Dora) van Geldern (1867), Emil van Geldern (1877), Otto van Geldern (1871), Selma van Geldern (1869), Wilhelm Nikolaus van Geldern (1879), Jenny (Henny) Moses (1886), Sophie Moses (1889), Helene Salm geb. Bär (1857), Frieda Siegler geb. David (1885).      
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
 
Probleme mit dem biblischen Geschichtsunterricht an den katholischen Volksschulen im Blick auf die jüdischen Schülerinnen und Schüler - Beschwerde des jüdischen Lehrers Leopold Mandel (1879)  
Anmerkung: Lehrer Leopold Mandel war um 1879 für den jüdischen Religionsunterricht in Linz sowie in Unkel mit Rheinbreitbach und Erpel zuständig. 

Artikel in der "Allgemeinen Zeitschrift des Judentums" vom 13. Januar 1879: "Linz am Rhein, 30. Dezember (Privatmitteilung) (Vorbemerkung der Redaktion. Das folgende Schreiben, an uns persönlich gerichtet, betrifft so wichtige öffentliche Interessen, dass die Veröffentlichung uns durchaus geboten erscheint. Wir geben es, nur diejenigen Stellen weglassend, welche an uns sich wenden. Es versteht sich, dass der Angelegenheit weitere Folge gegeben wird.)
Der hiesige Elementar- und Religionslehrer L. Mandel, welcher zugleich den Religionsunterricht in unserer Spezialgemeinde Unkel erteilt, machte vor einiger Zeit dem Vorstand der Synagogengemeinde die Anzeige, dass die jüdischen Schüler und Schülerinnen der Spezialgemeinde Unkel in verschiedenen katholischen Volksschulen zu Unkel, Rheinbreitbach und Erpel zur Teilnahme an dem biblischen Geschichtsunterricht des alten Testaments, welcher nach dem Buche, betitelt "Die biblische Geschichte des alten und neuen Testament für katholische Volksschulen von Dr. J. Schuster" erteilt wird, sowie auch zur Anschaffung des erwähnten Buches angehalten würden. Die seitens der Kinder namens ihrer Eltern an das betreffende Lehrpersonal gerichteten Dispensations-Gesuche seien erfolglos geblieben. Nach Einsicht der biblischen Geschichte von Dr. Schuster wolle er - Lehrer Mandel - auf einige Stellen und Punkte dieses Buches, die der jüdischen Religions- und Geschichtslehrer widersprechen aufmerksam machen.
a) die Lektionen des alten Testaments sind mit bildlichen Darstellungen der christlichen Religionslehre versehen.
b) Seite 3 spricht vom Kampfe des Teufels mit den guten Engeln.
c) Seite 7: 'Abel war ein Vorbild es von seinen Brüdern, den Juden, unschuldig getöteten Jesus. Kain war ein Vorbild der über die Erde zerstreut den Juden.
d) Seite 18 und 21 werden wiederholt die bekannten Stellen, die nach dem hebräischen Texte, sowie nach der Vulgata und Septuaginta lauten müssen: 'Durch deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden', mit folgender Übersetzung wiedergegeben: 'Durch Einen Deiner Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden'.
Indem Lehrer Mandel diese Stellen vom Standpunkte der jüdischen Lehre und Geschichte beleuchtete, führte er aus, dass aus denselben schon zur Genüge hervorgehe, wie die biblische Geschichte des Dr. Schuster als Lehrbuch für jüdische Schüler ungeeignet sei, und dass die Teilnahme an dem betreffenden Unterricht für die jüdischen Kinder nachteilige Wirkung haben können. Lehrer Mandel bat deshalb den Vorstand, um die Dispensation der jüdischen Kinder von dem betreffenden biblischen Geschichtsunterricht bei den zuständigen Behörden einzukommen.
Als bald nach Empfang dieses Schreibens richtete der Vorstand an den Herrn Landrat des Kreises Neuwied eine Eingabe, in welcher derselbe, unter Einsendung jenes Berichtes, das wohlbegründete Gesuch des Lehrers am. Um Dispensation der jüdischen Kinder in Erpel, Unkel und Rheinbreitbach von der Teilnahme an dem christlichen biblischen Geschichtsunterricht zu dem seinigen machte. Zugleich aber legte er gegen die obige Stelle, welche Christus mit Abel und die Juden mit Kain vergleicht, Verwahrung ein und wies darauf ihn, dass diese Stelle, indem sie die katholische Jugend anleite, in den Bekennern des jüdischen Glaubens nirgends Ruhe findende Brudermörder zu erblicken, Verachtung Andersgläubiger, insbesondere der jetzigen Juden lehre, und den konventionellen Frieden untergrabe. Unter Bezugnahme auf die neuerliche Verfügungen des Kultusministers, der zufolge kein Schullesebuch Stellen enthalten dürfe, welche eine Konfession zu beleidigen geeignet seien, unterbreitete der Vorstand der Königlichen Regierung die Erwägung, ob die erwähnte Stelle der schusterischen biblischen Geschichte: 'Abel … Juden) in einem Schulbuche am rechten Ort sei..."    
Bei Interesse zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken 

  
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Der Name des jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges wird nicht auf einer Kirchenglocke verzeichnet (1925)

Anmerkung: Gefallen ist Salomon Moses (1883-1917), Sohn des David Moses (geb. 1844, gest. 1931). Letzterer ist der im Text genannte "gebeugte achzigjährige Mann, der alte Moses".  

Rheinbreitbach LibJuedZtg 15051925.jpg (136154 Byte)Artikel in der "Liberalen Jüdischen Zeitung" vom 15. Mai 1925: "Rheinbreitbach. Der Kölnischen Zeitung vom 26. vorigen Monats entnehmen wir unter der Überschrift 'Die Undank-Glocke': Auf der Wegscheide zwischen Siebengebirge und Westerwald, in herrlichster Rheingegend, liegt das Dörfchen Rheinbreitbach, schon den Römern durch sein Kupferbergwerk bekannt, von vielen berühmten Deutschen - Simrock, den Gebrüdern Grimm, Freiligrath u.a. - als Sommeraufenthalt geschätzt. In diesem traulichen Dörfchen wohnt seit alters der biedere Jude Moses, der, als im Jahre 1870 die Kriegstrommel gerührt wurde, von England nach Deutschland eilte, um als Musketier gegen Frankreich zu marschieren. Und 1914 fiel der Sohn des alten Moses im deutschen Schützengraben und gab sein Leben für Heimat und uns alle. Rheinbreitbacher Kirchenglocken hatten während des Krieges Material für Führungsringe und Granatzünder geliefert, Rheinbreitbacher Bürger, katholische und evangelische (der Ort besteht zu neun Zehnteln auf Katholiken), hatten ihr Scherflein gegeben, damit jetzt neue Glocken für die einzelne katholische Kirche gestiftet wurden. Die größte der neuen Glocken widmete die Gemeinde den gefallenen Helden. Und nun das unsagbar Traurige: All die vor dem Feind gebliebenen Rheinbreitbacher sind auf der Glocke verzeichnet, nur der Jude Moses wurde ausgelassen. Und in seinem kleinen Bauernhäuschen sitzt ein gebeugter achtzigjähriger Mann, der alte Moses, dem es, wenn er die Undankglocke hört, nicht in seinen alten Kopf will, dass christliche Nächstenliebe an Konfession und Parteizugehörigkeit gebunden ist."      
  
Rheinbreitbach LibJuedZtg 29051925.jpg (120835 Byte)Artikel in der "Liberalen Jüdischen Zeitung" vom 29. Mai 1925: "Rheinbreitbach. In Nr. 306 der Kölnischen Zeitung hatten wir einer Zuschrift Raum gegeben, worin Klage geführt wurde, dass auf einer neuen Glocke, die die Gemeinde Rheinbreitbach von den Scherflein katholischer und evangelischer Bürger angeschafft und den Gefallenen gewidmet habe, von allen gefallenen Rheinbreitbachern nur der Jude Moses ausgelassen worden sei. Dazu sendet uns der Ortspfarrer von Rheinbreitbach, Ermert, eine Darstellung, der wir folgendes entnehmen: Das von evangelischen Bürgern in der Inflationszeit gesammelte Geld sei völlig wertlos geworden und liege noch heute auf der Sparkasse; die neu beschafften Kirchenglocken seien ausschließlich aus den Gaben der katholischen Pfarreieingesessenen aufgebracht worden. Die größte der Glocken habe die Kirchengemeinde, nicht die Gemeinde, den gefallenen Pfarrkindern gewidmet. Als der zweimal von der Kanzel bekannt gemachte Termin für die Anmeldung längst verstrichen gewesen sei, habe sich der in Rheinbreitbach wohnende alte Israelit Moses, bei ihm, dem Pfarrer, mit dem Ersuchen gemeldet, den Namen seines gefallenen Sohnes mit dem Namen der übrigen Helden in die Glocke eingießen zu lassen. Er, der Pfarrer, habe dem Antragsteller erklärt, dass er keineswegs Bedenken dagegen gehabt haben würde, den Namen seiner Sohnes eingießen zu lassen, es sei aber nun zu spät, da der Guss nach einer Mitteilung der Gießerei bereits begonnen hätte."  

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Metzgermeisters Simon Salm (1891)     
Anmerkung: es handelt sich um Simon Salm (geb. 1857 in Erpel, gest. 1932), war seit 1887 verheiratet mit Helena geb. Baer (geb. 1857 in Erpel, umgekommen 1943 im Ghetto Theresienstadt), mit der er drei Kinder hatte.   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1891: "Tüchtiger Metzgergehilfe, der mit der Ochsenmetzgerei vollständig vertraut ist, sucht, da er sich in der Wurstfabrikation weiter ausbilden möchte, Stelle in einem solchen größeren Geschäfte.
Gefällige Offerten wolle man richten an den Metzgermeister
Simon Salm Rheinbreitbach."    

 
Anzeige von S. Moses in Rheinbreitbach (1903)  
Anmerkung: es handelt sich um Salomon Moses (geb. 1883 in Rheinbreitbach, Polsterer, 1901 nach Köln, 1903 nach Bonn, 1904 nach Köln und jeweils zurück zu den Eltern nach Rheinbreitbach); im Ersten Weltkrieg im Kriegseinsatz (Musketier), gefallen 1917.  

Anzeige in "Der Israelit" vom 15. Januar 1903: "Junger Polsterer sucht Stellung, am liebsten für dauernd. S. Moses, Rheinbreitbach."     

   
    
    

Zur Geschichte der Synagoge     
           
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Seit 1822 soll es nach einem Bericht des Bürgermeisters aus dem Jahr 1856 eine Synagoge (Betsaal) in Rheinbreitbach geben. Nachdem 1874 in Unkel eine neue Synagoge eingeweiht wurde, könnte es sein, dass der Betsaal in Rheinbreitbach aufgegeben wurde. 
   
Um 1900 war eine Betstube im Haus des Simon Salm in der damaligen Jennstraße 168 vorhanden (Gebäude heute Hauptstraße 20). Möglicherweise handelt es sich dabei um den bereits 1856 genannten Betraum. Da auf Grund der kleinen Zahl der jüdischen Einwohner kein regelmäßiger Gottesdienst in Rheinbreitbach abgehalten werden konnte, wurden weiterhin die Gottesdienste in Unkel besucht.     
    
    
Adresse/Standort der Synagoge      Hauptstraße 20 (ehemals Jennstraße 168)  
    
    
Fotos    

 Fotos der im Juni 2021 verlegten "Stolpersteine"
(Fotos: Klaus-Henning Rosen) 
   
  Der "Stolperstein" für Helena Salm
geb. Bär (1857) in der Hauptstraße 20
Die "Stolpersteine" für Jette 'Henny' Moses (1886) und
Sophie Moses (1889) in der Hauptstraße 15

       
   
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte       

Juni 2021: Verlegung von Stolpersteinen     
Aus einer Einladung zur "Stolpersteine"-Verlegung vom 9. Juni 2021: " Stolpersteine sollen an jüdische Opfer der Shoa aus Rheinbreitbach erinnern.
Der Ortsgemeinderat von Rheinbreitbach hat die Anregung von Klaus-Henning Rosen aufgegriffen, mit der Verlegung von "Stolpersteinen" in der Hauptstraße an Rheinbreitbachs Jüdinnen und Juden zu erinnern. Drei Jüdinnen, die nach 1933 noch in Rheinbreitbach gemeldet waren, wurden deportiert und fanden vermutlich den Tod. Sie gehören zu den insgesamt 16 Jüdinnen und Juden, die hier geboren wurden oder hier lebten und dieses Schicksal erleiden mussten. Die meisten von ihnen hatten Rheinbreitbach aber schon vor Beginn der NS-Zeit verlassen.
Mit der Verlegungsaktion wird an folgende drei Jüdinnen aus Rheinbreitbach erinnert:
Helena Salm geb. Bär, Witwe des 1932 verstorbenen Simon Salomon Salm, der im heutigen Haus Hauptstraße 20 (früher Jenstraße 168) eine Metzgerei hatte. Später war hier die Metzgerei Pickenhahn. Im Hof des Hauses hatte es einen Betraum mit einer Mikwe (rituelles Bad) gegeben, der von Rheinbreitbacher und Honnefer Juden genutzt wurde. 1933 zog Frau Salm nach Erpel, sie wurde 1942 ins sog. 'Judenhaus' einquartiert. Von dort wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 umkam.
Jette (Jenny Henny) Moses wohnte mit ihrer Schwester Sophie (Sophia) Moses im früheren elterlichen Haus, Auf dem Steinweg 11, vor dem Krieg Hauptstraße 85, heute Hauptstraße 15. Die Geschwister mussten es im Dezember 1941 zwangsweise veräußern, von dem Erlös erhielt die damals noch in Rheinbreitbach lebende Schwester Sophie, wie ein Chronist berichtete, 80 Reichsmark, von denen sie die Fahrkarte für ihre Deportation kaufen musste. Im Keller des Hauses hatte sich ebenfalls ein Betraum mit einer Mikwe befunden. Hier fanden sich nach dem Krieg Gebetsbänder, die möglicherweise in einer Nische beim Zugang zum Betraum abgelegt wurden. Jette Moses lebte an ihrem zweiten Wohnsitz in Iserlohn, als sie 1942 nach Theresienstadt und 1944 von dort nach Auschwitz deportiert wurde. Dort wurde sie 1944 ermordet. Sophia Moses musste nach Erpel ins sog. 'Judenhaus' ziehen, von wo sie 1942 an einen unbekannten Ort deportiert wurde. Ort und Datum ihres Todes sind unbekannt.
Der Stolperstein vor dem Haus Hauptstraße 20 als Erinnerung an Helena Salm und die beiden Stolpersteine vor dem Haus Hauptstraße 15 als Erinnerung an Jenny und Sophie Moses werden in Gegenwart von Herrn Ortsbürgermeisters Roland Thelen und Herrn Verbandsbürgermeister Karsten Fehr am Donnerstag, dem 17. Juni 2021 verlegt."   
Im Herbst 2021 wird die Arbeit von Klaus-Henning Rosen über Rheinbreitbachs jüdische Gemeinde als 26. der Heimathefte des Heimatvereins Rheinbreitbach e.V. veröffentlicht.  
 
Juni 2021: Bericht über die Verlegung der drei Stolpersteine  
Artikel von Carsten Schultz in der "Rhein-Sieg-Rundschau" vom 24. Juni 2021: "Stolpersteine in Rheinbreitbach Mahnmale erinnern an ermordete jüdische Bürger
Auf Initiative von Klaus-Henning Rosen (2.v.l.) wurden auf der Hauptstraße in Rheinbreitbach die Stolpersteine verlegt.

Rheinbreitbach. In der Hauptstraße erinnern jetzt Stolpersteine an drei Jüdinnen aus Rheinbreitbach, die während der NS-Zeit deportiert und vermutlich ermordet wurden. Auf Initiative von Klaus-Henning Rosen, langjähriger engagierter Kommunalpolitiker, hatte der Ortsgemeinderat zugestimmt, mit den Stolpersteinen an Rheinbreitbachs Jüdinnen und Juden zu erinnern. Die messingglänzenden Plaketten gehen auf eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig zurück und sind seit 1992 bundesweit mehr als 75.000 Mal als Mahnmale verlegt worden.
Der Stolperstein vor dem heutigen Haus Hauptstraße 20 erinnert am Helena Salm (geborene Bär), die Witwe des 1932 verstorbenen Simon Salomon Salm, der in dem Gebäude eine Metzgerei hatte. Im Hofe des Hauses hatte es laut Klaus-Henning Rosen einen Betraum und eine Mikwe (ein rituelles Bad) gegeben, der von Rheinbreitbacher und Honnefer Juden genutzt wurde.
An die Schwestern Jette Moses und Sophie Moses erinnern die Stolpersteine vor dem heutigen Hauptstraße 15. 1933 zog Helena Salm nach Erpel, sie wurde laut Rosen 1942 ins 'Judenhaus' einquartiert und von dort ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie 1942 umkam. Jette (Jenny Henny) Moses und ihre Schwester Sophie (Sophia) Moses lebten nach den Recherchen Rosens im früheren elterlichen Haus in der heutigen Hauptstraße 15, vor dem zwei weitere Stolpersteine verlegt wurden. Die Geschwister mussten es im Dezember 1941 zwangsweise verkaufen. Im Keller des Hauses habe sich ebenfalls ein Betraum mit einer Mikwe befunden. Jette Moses lebte an ihrem zweiten Wohnsitz in Iserlohn, als sie 1942 nach Theresienstadt und 1944 von dort nach Auschwitz deportiert und im selben Jahr ermordet wurde. Sophia Moses musste laut Klaus-Henning Rosen ins 'Judenhaus' nach Erpel ziehen, von wo sie 1942 an einen unbekannten Ort deportiert wurde. Ort und Datum ihres Todes seien unbekannt. Klaus Henning Rosen hat nach eigenen Angaben die Namen von etwa 250 jüdischen Bürgern gesammelt, die seit Beginn des 18. Jahrhunderts in Rheinbreitbach lebten. 16 Jüdinnen und Juden, die im Ort geboren wurde oder in der Gemeinde lebten, hätten das Schicksal der Deportation erleiden müssen und vermutlich den Tod gefunden. Im Herbst soll Klaus-Henning Rosens Arbeit über die jüdische Gemeinde in Rheinbreitbach als 26. Heimatheft des Heimatvereins Rheinbreitbach erscheinen."  
Link zum Artikel   
 

    
   

   
Links und Literatur

Links:   

bulletWebsite der Verbandsgemeinde Unkel  

Literatur:    

bulletRudolf Vollmer: Die ehemalige jüdische Gemeinde der Bürgermeisterei Unkel. In Heimat-Jahrhunde des Landkreises Neuwied 1994 S. 74-79. 
bulletders.: Die ehemalige jüdische Gemeinde in Unkel, Erpel und Rheinbreitbach. Unkel 1997.   
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 320 (mit weiteren Literaturangaben).  
bulletKlaus-Henning Rosen: Ortsgemeinde Rheinbreitbach - Jüdische Bürgerinnen und Bürger 1700 - 1942. Hrsg. vom Heimatverein Rheinbreitbach 2020.
Das Manuskript kann eingesehen werden (eingestellt als pdf-Datei).
Für Ergänzungen, Hinweise und weitere Informationen zu den genannten Personen und ihren Nachkommen ist der Autor sehr dankbar, bitte an die Mail-Adresse: post@khrosen.eu.   

       
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Stand: 30. Juni 2020