Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Oberbieber mit Altwied und Gladbach (Stadt Neuwied, Kreis Neuwied) 
sowie Rengsdorf (VG Rengsdorf)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Anzeige jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                     
   
In Oberbieber bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Zur Gemeinde gehörten auch die in Rengsdorf, Altwied und Gladbach lebenden jüdischen Personen. 
  
1781 werden die folgenden acht jüdischen Familien in Oberbieber genannt: Sender (Vorsteher der Gemeinde, Viehhändler), Liepmann Seligmann (Viehhändler), Herschel Mayer (handelte mit Waren), Samuel Marcus (Viehhändler), Joseph Kahen (Viehhändler), Hayem Benjamin (arm), Marcus (verwitwet, handelte mit kleinen Waren), Moses Hersch (Aderlassen und Schröpfen). In Altwied lebte nur eine jüdische Familie: Jachiel Nathan (Viehhändler). In Rengsdorf lebten fünf Familien.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Oberbieber 1858 64 jüdische Einwohner (7,2 % der Gesamteinwohnerschaft), 1895 81 (5,4 %); in Rengsdorf 1858 24, 1895 35; in Altwied 1858 vier, 1895 sechs; in Gladbach 1858 acht, 1895 gleichfalls acht. 

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.) und eine jüdische Schule (Religionsschule). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Niederbieber beigesetzt.   
 
1925 lebten in Oberbieber 35 jüdische Personen, in Rengsdorf 29 (insbesondere Familien Hecht, Moses, Sander), in Altwied vier, in Gladbach zwölf. Nach 1933 sind die meisten der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), sowie die noch vorhandenen jüdischen Geschäfte geplündert. 
  
Von den in Oberbieber geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Moritz Baehr (1865), Sibilla Baehr (1869), Emilie Baer geb. Sander (1889), Samson Baer (1873), Emma David (1883), Irma Frank geb. Tobias (1903), Berta Ernestine Gottschalk geb. Baehr (1870), Hermann Gottschalk (1877), Hedwig Kahn (1896), Karl Kahn (1888), Dina Kallmann geb. Baehr (1871), Sara Kaufmann (1859), Emma Leiserowitz geb. Jonas (1886), Arthur S. Levy (1914), Frieda Levy (1924), Jacob Levy (1877), Leo Levy (1882), Ludwig Levy (1905), Sally Levy (1884), Thea Levy (1918), Fina Loeb (1874), Friederike Loeb (1874), Siegbert Meyer (1928), Johanna Platz geb. Seligmann (1875), Kurt Platz (1911), Moses Platz (1881), Nettchen Salomon (1875), Albert Sander (1883), Selma Sander geb. Stern (1894), Karoline Schubach geb. Seligmann (1877). 
      
Aus Rengsdorf sind umgekommen: Karl Hecht (1896), Max Hecht (1894), Sally Hecht (1892), Isbert Kahn (1927), Emma Kratz geb. Moses (1892), Gertrud (Gerda) Levy geb. Hecht (1901), Amalie Moses (1876), Kurt Moses (1909), Ida Nathan geb. Moses (1887), Bertha Pais geb. Sander (1893), Ruth Sander (1825), Sigmund Sander (1895).  
Aus Gladbach sind umgekommen: Frida Levy geb. Platz (1885), Alex Platz (1887), Rosa Platz geb. Keller (1886).
  
Für 26 der genannten Personen wurden in Oberbieber im Jahr 2006 sogenannte "Stolpersteine" verlegt: Emilie Baer geb. Sander (Friedrich-Rech-Straße 174), Emma David (Altwieder Straße 5 in der Kurve), Irma Frank geb. Tobias (Braunsbergstraße 11), Berta Ernestine Gottschalk geb. Bär und Hermann Gottschalk (Lebensmittel/Ziegelbau in der Bergstraße), Hedwig Kahn geb. Tobias und Karl Kahn (Altwieder Straße 5 in der Kurve), Emma Leiserowitz geb. Jonas (Mittelstraße 64), Arthur Salomo Levy (gegenüber Ecke Friedrich-Rech-Straße/Aubachstraße), Emma Levy geb. Blumenthal, Frieda Levy und Thea Levy (Friedrich-Rech-Straße, Parkplatz), Siegbert Meyer, Bertha Meyer geb. Schwarz und Helga Meyer (Weinbergstraße 7 = zum Aubachtal: Eckhaus zur Bergstraße siehe unten), Kurt Platz und Moses Platz (Ecke Gladbacher Straße 23 unter Hochstraße), Nettchen Salomon geb. Levy (Friedrich-Rech-Straße), Albert Sander und Edith Sander sowie  Selma Sander geb. Stern (Wallbachstraße 14), Siegfried Tobias, Lina Tobias geb. Gottschalk und Günther Tobias  (Braunsbergstraße 32). 
Die Reinigung der "Stolpersteine" übernehmen sei 2008 regelmäßig die Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde (s.u.).  
   
In Gladbach liegen "Stolpersteine" für Frida Levy geb. Platz (Sandgasse 5), Alex Platz und Rosa Platz geb. Keller (An der Marienkirche 18)    
     
    
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und von Privatpersonen    
Anzeige / Stellensuche von L. Baruch in Oberbieber (1885)
    
Anmerkung: L. Baruch könnte Löb Baruch sein, der 1902 als Händler in der Weinbergstraße (Wingertsbergstraße) 7 genannt wird. Löb Jehuda Baruch (1830-1916) war verheiratet mit Pauline geb. Marx (1833-1910). Die beiden hatten vier Kinder: Mathilde (geb. 1862), Bernhard (geb. 1863), Sibilla (geb. 1872) und Adolf (geb. 1874). Vermutlich suchte Löb Baruch für seine Tochter Mathilde mit der Anzeige eine Stelle.                 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1885:
"Eine tüchtige, starke, israelitische Köchin, die gute Zeugnisse besitzt, sucht Stelle.
L. Baruch in Oberbieber bei Neuwied."  

 
Bitte um Unterstützung einer verarmten jüdischen Familie in Oberbieber (1896) 
Anmerkung: Beim Vorsteher der Synagogengemeinde in Oberbieber J. Seligmann handelt es sich um Joseph Seligmann (1832-1905), von Beruf Händler, wohnhaft in der Friedrichstraße 1. Er war über zwei Wahlperioden Vorsteher der Synagogengemeinde und starb 1905 an Suizid.

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1896: "Herzliche Bitte!
In dem Dorfe Oberbieber bei Neuwied nährt sich ein kinderreicher jüdischer Familienvater notdürftig vom An- und Verkauf von Lumpen und Knochen. Das Haus, in welchem er bis heute zur Miete wohnt, ist verkauft. Wegen seines Erwerbes kann er keine andere Wohnung bekommen. Durch gute Menschen, milde Gaben ist es ihm möglich geworden, einen kleinen Bauplatz zur Errichtung eines Häuschens zu erwerben. Nun wendet er sich durch dieses an mildherzige Glaubensgenossen und bittet eine Beisteuer zum Bau dieses Hauses.
Die Unterzeichneten unterstützen diese Bitte dringend. Sie sind auch gerne bereit, - weil sie von der Dürftigkeit und Würdigkeit der Familie unterrichtet sind, - milde Gaben zu diesem Zwecke dankend in Empfang zu nehmen. 
Jul. Ransenberg, Lehrer in Neuwied. 
J. Seligmann
, Vorsteher der Synagogengemeinde in Oberbieber.
Feld, evang. Pastor zu Niederbieber.
Die Richtigkeit der Unterschriften bescheinigt  Vorsteher Freund."    

 
Anzeige von Metzgermeister Abraham Bähr in Oberbieber (1898)  
Anmerkung: Albert Abraham Bähr (1867-1921) war Metzger und wohnte in der Mittelstraße 31. Er war verheirat mit Bertha geb. Neugarten, mit der er vier Kinder hatte: Dina Hilde (1907-1942 wahrscheinlich Suizid vor Deportation in Frankfurt am Main), Ludwig Siegfried (geb. 1909, emigriert nach Afrika), Johanna (geb. 1913, emigriert in die USA), Ilse (geb. ?, emigriert in die USA).

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1898:
"Ein kräftiger Metzgerlehrling, aus achtbarer jüdischer Familie, zum sofortigen Eintritt gesucht
Abraham Bähr, Metzgermeister, Oberbieber bei Neuwied." 

 
Werbung für das koschere Hotel Moses in Rengsdorf (1908 / 1937)      

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. Mai 1908:
"Luftkurort Rengsdorf bei Neuwied am Rhein. 
Telephon 6    Koscher Pension Moses  Koscher   Telephon 6. 
Anerkannt vorzügliche Küche. Billige Preise."   
 
Anzeige im "Gemeindeblatt der israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1937 S. 26: "Rengsdorf.  Hotel Moses  Tel. 206 
das altbekannte Haus. Heizung, fließend Wasser, Großer Garten
mit Liegewiese. Angenehmer Aufenthalt. 3 Minuten vom Wald".  

      
Warnungen vor antisemitisch geprägten Hotels in Rengsdorf (1908 / 1928)  
Anmerkung: bereits seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gab es antisemitisch geprägte Gaststätten und Hotels, die keine jüdischen Gäste aufnehmen wollten. In jüdischen Periodika wurde vor solchen Hotels regelmäßig gewarnt. Immer wieder wurden dabei aus Rengsdorf vor allem das Hotel Richtmann, der Gasthof/Kurhotel zum Stern, das Hotel/Pension Forsthaus genannt.  

Artikel in der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" vom September 1908 S. 532: "Aus Neuwied am Rhein erhalten wir nachstehende Mitteilung: Auf Veranlassung des Besitzers des Hotels Richtmann in dem benachbarten Erholungsort Rengsdorf im Westerwald, sowie des Inhabers des Hotels zum Stern daselbst, Herrn Rüdig, hat der Bürgermeister Wink kürzlich in Rengsdorf eine Versammlung einberufen, in der er den Wunsch aussprach, in den dortigen Hotels Juden die Aufnahme nicht oder doch nur in sehr beschränktem Maße zu gewähren. Ein bezüglicher Antrag wurde jedoch abgelehnt, nachdem die Besitzer der Hotels Eul und Lindner erklärt hatten, dass ihnen die jüdischen Gäste ebenso lieb wie alle anderen seien. - Wir teilen dies an dieser Stelle mit, damit unsere Glaubensgenossen das Hotel Richtmann sowie das Hotel zum Stern meiden bzw. an die Besitzer dieser antisemitischen Gasthäuser keine unnötigen Anfragen richten. Das Verhalten des Herrn Bürgermeisters aber würdem wenn sich die erwähnte Mitteilung vollinhaltlich bestätigen sollte, mit seiner Pflicht, für ein friedliches Einvernehmen der einzelnen Bevölkerungsklassen Sorge zu tragen, kaum in Einklang zu bringen sein." 
 
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitung des "Central-Vereins" vom 1. Juni 1928: "Rengsdorf: Hans Hermann zu Wild. Erholungsheim für evangelische Pfarrer. Pension Forsthaus, Gasthof zum Stern nehmen Juden nur in der Vor- und Nachsaison auf."   

     
Hochzeitsanzeige von Ludwig Baehr und Else geb. Scheurenberg (1936) 
Anmerkung: Ludwig Siegfried Bähr (geb. 1909) war ein Sohn von Albert Abraham Bähr und seiner Frau Bertha geb. Neugarten. Er ist nach 1936 nach Afrika emigriert. 

Anzeige in der CV-Zeitung (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 2. Juli 1936: "Statt Karten!
 Ludwig Baehr - Else Baehr geb. Scheurenberg.
Vermählte.
Oberbieber bei Neuwied
5. Juli 1936 - Frille bei Minden. 
Zur Zeit Herne i.W., Schulstraße 67 III" 

 
 
  
Zur Geschichte der Synagoge
                 
      
1869 wird die Synagoge in Oberbieber in einem Haushaltsvoranschlag mit Inventar und Wert beschrieben: Synagoge 300 Taler mit Garten 50 Taler; zwei Torarollen 60 Taler, zwei silberne Handdeuter sechs Taler, vier Bänke zwei Taler und diverse Gegenstände drei Taler. Nach Erinnerungen von Zeitzeugen war die Synagoge ein "bescheidener Bau, ein Haus, wie man hier seit Jahrhunderten Wohnhäuser errichtet hat: Fachwerk, niedrig, mit kleinen Fenstern aus einfachem Fensterglas und massiven Eichenbalken im Dachstuhl... Der Eingang war an die rückwärtige, der Straße abgewandte Seite verlegt worden. Mit einer Schmalseite berührte sie das nächste Wohnhaus, die andere Schmalseite wies ungefähr nach Süden... Im Inneren waren weiß gestrichene Bänke aufgestellt." Die Beschreibung lässt vermuten, dass ein älteres Wohnhaus - vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - zu einer Synagoge umgebaut worden ist.    
    
1908 beschloss der Gemeindevorstand, eine neue Synagoge zu bauen. Der Fürst von Wied war bereit, den Bauplatz hierzu zu stiften. Zum Bau wollte man das Vermögen des aufgelösten jüdischen Frauenvereins (2.700 Mark) sowie den Erlös aus dem Verkauf der alten Synagoge (1.000 Mark) einsetzen und den Rest durch einen Kredit aufbringen. Das Vorhaben wurde jedoch nicht verwirklicht, da die Rengsdorfer Gemeindeglieder sich gegen den Neubau aussprachen. Somit wurde auch weiterhin die bisherige Synagoge verwendet. 
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Männer geschändet. Die Fensterscheiben wurden eingeworfen, das Gebäude verwüstet und angezündet. Die Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der Nachbarhäuser. Wenige Tage darauf wurde die Brandruine abgebrochen. Das Grundstück musste im August 1940 für 645 RM zwangsverkauft werden, doch wurden gleichzeitig der jüdischen Gemeinde die Abbruchkosten in Rechnung gestellt. 
Im November 2020 wurde am Synagogengrundstück (an der Mauer des Nachbargebäudes) eine Gedenktafel mit Informationen zur Geschichte angebracht (siehe unten).      
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:        im Bereich zwischen Bergstraße 17 und  Zum Aubachtal 16  
  
  
  
Fotos  
(Fotos im Oktober 2011 zur Verfügung gestellt von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber, Pfarrer Jochen Trauthig)  

 Die Synagoge 
in Oberbieber 
(Fotos vor 1938 -
(verglichen mit der aktuellen Situation)  
 Oberbieber Synagoge 170.jpg (94962 Byte)    Oberbieber Synagoge 171.jpg (76328 Byte)      Oberbieber Synagoge 171a.jpg (34979 Byte)
    Blick entlang der Bergstraße (vor 1938 / 2020)
am Gebäude ist die Gedenktafel von 2020 erkennbar
Die Synagoge vor 1938
Foto mit Ausschnittvergrößerung   
     
Gedenken in der 
evangelischen Kirche
  
Oberbieber Gedenken 111.jpg (50601 Byte) Oberbieber Gedenken 110.jpg (68028 Byte)
   Im Rahmen links die bei Umbauarbeiten im Nachbarhaus (Haus der Familie Meyer siehe unten)
zur Synagoge gefundenen hebräischen Schriftstücke sowie die beiden Schlüssel (siehe Berichte unten). 
Das Dachgeschoss des Hauses diente als Genisa der Gemeinde (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Geniza).
Im Rahmen rechts (auf linkem Foto) sind alle jüdischen Personen, die ab 1836 in 
Oberbieber gewohnt haben, aufgelistet (Lebensjahre jeweils ein Balken)   
      
 Neue Gedenktafel (2020)  
   Die am 10. November 2020 am Standort der Synagoge angebrachte Gedenktafel (Text siehe unten)
   
Wohnhaus oberhalb der Synagoge
Zum Aubachtal 16:
ehemaliges Wohnhaus der Familie Meyer 
(Foto um 1930 / 2020)  
 Im Gebäude Zum Aubachtal 16 lebte seit 1924 die Familie des Druckereibesitzer Erich Meyer (geb. 1895) mit seiner Frau Bertha Meyer geb. Schwarz (geb. 1892) und den Kindern Helga (geb. 1924) und Siegbert (geb. 1928). Erich Meyer arbeitete in der NS-Zeit zuletzt als Wäscher in der Heil- und Pflegeanstalt (Jakobysche Anstalt) in Bendorf-Sayn. Alle Mitglieder der Familie wurden 1942 deportiert und ermordet. Am Gebäude wurden 2006 "Stolpersteine" verlegt für Erich Meyer (Link), Bertha Meyer geb. Schwarz (Link), Helga Meyer (Link) und Siegbert Meyer (Link); die angegebenen Links führen zu den Informationen in der Website www.stolpersteine-neuwied.de.  
     

    
    
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

September 2011: Hebräisches Schriftstücke wird in der Kirche als Erinnerung angebracht  
Vor einigen Jahren wurden bei Umbauarbeiten im Eckhaus Bergstraße / Zum Aubachtal (Haus des jüdischen Druckereibesitzers Erich Meyer) eine Seite mit hebräischen Schriftzeichen (u.a. Texte des 8. Psalms) sowie zwei alte Schlüssel gefunden. Nach Absprache mit der jüdischen Gemeinde Neuwied-Mittelrhein wurden die Fundstücke im Gedenken an die jüdische Gemeinde und ihre 1938 zerstörte Synagoge im Vorraum der evangelischen Kirche des Ortes angebracht.
Bericht hierzu in den "Gemeindenachrichten" der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber Juni/Juli/August 2011 (S. 3-4 "Hebräisches Schriftstück gefunden") sowie in der Website der Evangelischen Kirche im Rheinland: Link zum Artikel - auch als pdf-Datei eingestellt.     
   
Mai 2011: "Reinigungs"-Patenschaft für "Stolpersteine"   
In den oben genannten "Gemeindenachrichten" der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber findet sich S. 5 auch ein Bericht über die "Reinigungs"-Patenschaft für "Stolpersteine" in Oberbieber, die die Katechumenen der evangelischen Kirchengemeinde übernahmen.  
 
November 2020: Neue Gedenktafel für die ehemalige Synagoge 
Artikel im "NR-Kurier" vom 13. November 2020: "Gedenktafel erinnert jetzt an Synagoge in Oberbieber
Seit ihrer gewaltsamen Zerstörung in der NS-Diktatur am 10. November 1938 war die einst bedeutende Synagoge im heutigen Neuwieder Stadtteil Oberbieber regelrecht 'verschwunden': Nichts erinnerte bisher an ihrem ehemaligen Standort in der Bergstraße an ihre Existenz, nichts mahnte dort an die Ereignisse der Novemberprogrome 1938 und die weitere Verfolgung jüdischer Menschen in der NS-Diktatur.
Oberbieber.
Dabei war das schlichte jüdische Gotteshaus Gemeinde-Mittelpunkt für die jüdischen Bürger aus zahlreichen umliegenden Orten. Das hat sich auf Initiative von Hans-Peter Schladt und Frank Hachemer aus der katholischen Pfarrei St. Bonifatius nun geändert: Schnell fand sich ein Organisatorenteam zusammen, das eine Gedenktafel mit Bild und Hintergrundinformationen gemeinsam entwarf. Die ist nun – wegen der aktuellen Corona-Lage leider zunächst ohne die eigentlich geplante kleine Einweihungsfeier – seit dem 10. November am Nachbarhaus fest angebracht. Gemeinsam mit dem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Oberbieber, Pfarrer Jochen Trauthig, Kantor Dr. Jürgen Ries sowie Pfarrer Werner Zupp und Rolf Wüst vom Deutsch-israelischen Freundeskreis Neuwied und Ortsvorsteher Rolf Löhmar wurde die Tafel entwickelt, die an die Geschichte der Synagoge erinnert. 'Wichtig ist uns auch die Mahnung an uns heute aus der Erinnerung an die Folgen, wenn Demokratie und Freiheit beseitigt werden', so die Organisatoren."
Link zum Artikel  
Der Text der Gedenktafel lautet: "Standort der ehemaligen Synagoge.
(Bibelzitat hebräisch und deutsch) "Um Zions willen darf ich nicht schweigen, wegen Jerusalem nicht abseits stehen.
Bis Gerechtigkeit aufleuchtet in hellem Licht und Rettung werde wie eine lodernde Flamme.
Mit neuem Namen wirst du gerufen werden. Verlauten des Ewigen Mund.
(Jesaja 62,1.2)
An dieser Stelle stand bis zum 10. November 1938 die Synagoge. Sie war das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde, deren Entstehung in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurückging.
Zur Synagogengemeinde gehörten auch die in Rengsdorf, Altwied und Gladbach lebenden Jüdinnen und Juden.
1869 wurde die Synagoge erstmals in einem Haushaltsvoranschlag genannt. Von Zeitzeugen wird sie beschrieben als ein 'bescheidener Bau, ein Haus, wie man hier seit Jahrhunderten Wohnhäuser errichtet hat: Fachwerk, niedrig, mit kleinen Fenstern aus einfachem Fensterglas und massiven Eichenbalken im Dachstuhl... Der Eingang war an die rückwärtige, der Straße abgewandte Seite verlegt worden. Mit einer Schmalseite berührte sie das nächste Wohnhaus, die andere Schmalseite wies ungefähr nach Süden... Im Inneren waren weiß gestrichene Bänke aufgestellt.'
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Männer geschändet. Die Fensterscheiben wurden eingeworfen, das Gebäude verwüstet und schließlich angezündet. Die Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der Nachbarhäuser.
In einer Erinnerung an diesen Tag heißt es: 'Damals war der Hang des Wingertsberges neben dem Pfarrhaus mit Fichten bestanden.
Einige Juden versuchten, sich dort zu verstecken; Erich Meyer holten sie mit Gewalt zurück. Dort stand auch Lina Tobias mit ihrem Kind im Umschlagtuch. Die Gehetzten flohen schließlich das Aubachtal hinauf. Oben im Tal versteckte Lina Tobias ihr Kind im Wenige Tage darauf wurde die Brandruine abgebrochen. Das Wald unter dem Herbstlaub, um es später heimlich zurückzuholen, Grundstück musste im August 1940 für 645 Reichsmark denn die Verfolger kamen schon hinterher – mit zwangsverkauft werden, gleichzeitig wurden der jüdischen Pferden. An die Pferde gebunden wurden die Flüchtigen Gemeinde die Abbruchkosten in Rechnung gestellt. zurückgehetzt, >heim< in ihre verwüsteten Häuser.'
"  


     
Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Stadt Neuwied   
bulletStolpersteine in Neuwied und Umgebung  http://www.stolpersteine-neuwied.de/  
bulletWikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Neuwied     

Literatur:  

bulletFranz Regnery: Jüdische Gemeinde Neuwied. Geschichte in Bildern und Dokumenten. Zeichen und Zeugen von damals und heute. Hg. vom Deutsch-Israelitischen Freundeskreis Neuwied. 1988. 
bulletOberbieber Lit 015.jpg (52424 Byte)Dorothea Elisabeth Deeters: Sie lebten mit uns. Zur Geschichte der Wied-Neuwiedischen Landjuden, für die Zeit 1817-1942 dargestellt am Dorf und Synagogenbezirk Oberbieber. Hrsg. von der Ev. Kirchengemeinde Oberbieber. Neuwied-Oberbieber 1983.  Das Buch ist online eingestellt (pdf-Datei).      
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 289 (mit weiteren Literaturangaben).

 
   n.e. 
       
        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Juni 2020