Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zusammenstellung: Jüdische KZ-Friedhöfe in Baden-Württemberg  
   

Großsachsenheim (Gemeinde Sachsenheim, Landkreis Ludwigsburg)
KZ-Friedhof (Friedhof des "Krankenlagers" Großsachsenheim)
    

Zur Geschichte des "Krankenlagers" Großsachsenheim und des Friedhofes

In Großsachsenheim gab es seit Oktober 1944 im Zusammenhang mit den Lagern Vaihingen an der Enz und Unterriexingen (Außenkommandos des Konzentrationslagers Natzweiler/Elsass) ein sogenanntes "Krankenlager" für bis zu 600 Zwangsarbeiter der anderen Lager. Es wurde in einem bisherigen "Arbeiterlager" zwischen Großsachsenheim und Unterriexingen eingerichtet, das zu Beginn des Krieges für die beim Bau des Militärflugplatzes Großsachsenheim Beschäftigten errichtet worden war (Südlager der Luftwaffe).
 
Tatsächlich handelte es sich bei dem "Krankenlager" jedoch um ein Sterbelager, um die Endstation auf dem Weg der "Vernichtung durch Arbeit". Es bestand aus zahlreichen mit Stacheldraht umgebenen Baracken und befand sich am Südrand des Flugplatzgeländes, ca. 200 m hinter der Abzweigung nach Oberriexingen. Das Lager wurde im April 1945 aufgegeben; kurz nach Kriegsende wurden die Baracken beseitigt. Die in diesem Lager wegen der katastrophalen Zustände Verstorbenen wurden auf einem Friedhof, 100 m von der Straße nach Unterriexingen entfernt, beigesetzt, auf dem heute ein Gedenkstein an die Geschehnisse erinnert (665 Tote, darunter 257 Frauen, 56 Kinder und Jugendliche).
  
Im Lager gab es keine medizinischen Einrichtungen. Dennoch hielten sich zeitweise zwei Häftlingsärzte hier auf, die versuchten, das Schicksal der Leidensgefährten zu lindern. Neben dem aus Polen stammenden Arzt Dr. Josef Buza war es der (evangelische) Arzt jüdischer Abstammung Dr. Adolf Levi aus Pfalzgrafenweiler. Er kam bei einem Luftangriff am 19. Dezember 1944 ums Leben und wurde am 22. Dezember im Großsachsenheimer Friedhof vom damaligen Ortspfarrer Remppis beigesetzt. Zunächst war sein Grab inmitten des Friedhofes; Ende der 1990er-Jahre wurden seine sterblichen Überreste umgebettet. Seitdem ist Dr. Levis Grab inmitten von 20 Soldatengräber im Friedhof.   
 
Seit 1991 erinnert eine Gedenktafel an die umgekommenen Zwangsarbeiter, unter denen auch viel Juden waren, und an Dr. Levi aus Pfalzgrafenweiler.

Lage des KZ-Friedhofes zwischen Großsachsenheim und Unterriexingen ist eingetragen auf dem Stadtplan Markgröningen: oben anklicken, weiter zum Stadtplan und in der kleinen Übersichtskarte links oben zum Feld D 1 durchklicken (nicht ganz einfach, aber es lässt sich finden): der Friedhof ist im Feld D 1 als "Jüdischer Friedhof" eingetragen; auf dem Stadtplan Sachsenheim findet sich keine Eintragung

   
  
Plan des "Krankenlagers" Großsachsenheim

Grosssachsenheim KZ Plan.jpg (88189 Byte) Das "Krankenlager" Großsachsenheim in der Vogelschau - Versuch einer Rekonstruktion in: Fritz Krohmer, Der Fliegerhorst Großsachsenheim 1996

  
  
Fotos des Grabes von Dr. Adolf Levi und des KZ-Friedhofes an der Straße nach Unterriexingen 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.10.2003)

Grab von Dr. Adolf Levi im Friedhof Großsachsenheim
Grosssachsenheim Friedhof 150.jpg (87870 Byte) Grosssachsenheim Friedhof 151.jpg (89767 Byte) Grosssachsenheim Friedhof 153.jpg (74003 Byte)
Das Grab von Dr. Adolf Levi befindet sich seit Ende der 1990er-Jahre inmitten der Soldatengräber dieses Friedhofes; auf den Fotos links und Mitte der niedere (etwas eingesunkene Grabstein der hinteren Reihe)
  
Fotos vom KZ-Friedhof zwischen Großsachsenheim und Unterriexingen
Grosssachsenheim KZ Friedhof 150.jpg (63345 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 151.jpg (85582 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 152.jpg (107548 Byte)
Blick zum Friedhof Hinweisschild an der Strasse zwischen Großsachsenheim und Unterriexingen Eingangstor
     
Grosssachsenheim KZ Friedhof 156.jpg (83782 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 155.jpg (69882 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 154.jpg (96513 Byte)
Gedenkstätte beim Eingang Teil der Inschrift der Gedenkstätte mit Hinweis auf den Lagerarzt Dr. Adolf Levi An der Gedenkstätte 
     
Grosssachsenheim KZ Friedhof 157.jpg (94462 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 153.jpg (102531 Byte)    
Blick über den Friedhof vom Eingang Die Grabstätten sind mit Betonplatten und Nummern gekennzeichnet    
     
Grosssachsenheim KZ Friedhof 158.jpg (102505 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 159.jpg (122087 Byte) Grosssachsenheim KZ Friedhof 160.jpg (113248 Byte)
Grab 109 Grab 352 Grab 578

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Sachsenheim 
Hinweis in der Website von Markgröningen innerhalb der Ortsgeschichte des Stadtteiles Unterriexingen

Literatur:

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hg. vom Studienkreis: Deutscher Widerstand. Band 5. Baden-Württemberg I. Regierungsbezirke Karlsruhe und Stuttgart. 1991. S. 248f.
Zum Konzentrationslager Natzweiler liegt eine Online-Publikation vor: Auf dem Weg zu einer Geschichte des Konzentrationslagers Natzweiler: Forschungsstand, Quellen, Methode, Quellen, Methode, Fachreferat Gedenkstättenarbeit der Landeszentrale für politische Bildung. Stuttgart 2000:  hier anklicken
Fritz Krohmer: Der Fliegerhorst Großsachsenheim. 1996.
Hermann Albrecht: Das Krankenlager Großsachsenheim 1943-1945 und der Lagerarzt Dr. Adolf Levi. in: Die Mörin. Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte Sachsenheim e.V. Heft 28 September 2001.
Andreas Hirling: Leben für die Gemeinde. Die Geschichte der jüdischen Arztfamilie Levi in Pfalzgrafenweiler. Nürtingen/Frickenhausen 2003. www.verlag-sindlinger.de
Vgl. auch Artikel von Andreas Hirling: hier anklicken  

  

                   
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Stand: 31. Dezember 2009